Nach einer Ewigkeit habe ich es endlich wieder geschafft zu schreiben. Das Kapitel war schon halb fertig, als meine Muse baden ging. Oder so ähnlich. Jedenfalls bin ich zur Zeit im Stress. Mein neues Studium fängt nächsten Monat an und ich muss noch nach einer Wohnung suchen. Also bereitet euch auf eine erneute Wartezeit vor. Ich hoffe allerdings, dass es nicht so lange dauert, wie bei diesem Kapitel.
Ich hoffe wie immer, dass es euch gefällt und lasst mir gerne ein Review da.
Nach der Jagd zog ich mich in mein Zimmer zurück. Draußen war es mittlerweile wieder dunkel geworden. Ich duschte mich und als ich aus dem Bad trat, standen mehrere Tüten mit Kleidung neben der Couch. Ich setzte mich hin und betrachtete die Taschen eingehend und entschied dann nichts zu sagen. Alice wollte nur freundlich sein, beruhigte ich mich. Zumindest hoffte ich das.
Ich räumte die Sachen in den Schrank und zog mir dann etwas davon an. Den Rest der Nacht verbrachte ich damit Videos auf YouTube zu gucken und zu lesen. Es war bereits hell, als sich die Schüler und Carlisle auf den Weg machten. Blieben nur noch Rose, Emmett, Jasper, Esme und ich. So komplett in den Tag zu leben, war auch nicht so das Wahre.
Eine Stunde nach dem großen Aufbruch erklomm Emmett die Treppe. Er wollte eindeutig zu mir. Aber warum? Es klopfte. Ich überlegte noch einmal kurz, warum er zu mir kommen wollte, kam jedoch zu keinem Ergebnis.
„Steffen, ich wollte vorschlagen in den Wald zu gehen", erklärte er seine Anwesenheit vor meinem Zimmer.
„Warum?", fragte ich verwirrt.
„Naja. Der Bote von der Farbfirma kommt gleich und Esme meinte, es könnte besser sein, wenn du dann nicht im Haus bist. Wegen dem Geruch und so", führte er aus.
„Okay", seufzte ich, „Bin gleich unten."
Emmett drehte um und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Ich warf noch einen Blick auf meinen Laptop und folgte ihm dann. Esme hatte ja Recht. Lieber zu vorsichtig sein, als etwas zu riskieren.
Wir verbrachten den Vormittag also im Wald. Ich jagte noch einmal kurz, auch wenn es nicht nötig war. Emmett gab mir ein paar Tipps, wie ich sauberer blieb. Außerdem erklärte er mir, dass Alice für jeden Kleidung kaufte. Sie hatte einfach Spaß daran jeden einzukleiden und dank ihrer Gabe fand sie auch eigentlich immer passende Sachen.
Als wir zurückkehrten fingen Esme und ich an mein Zimmer zu streichen. Der Geruch war wirklich penetrant und ich musste mich zusammenreißen nicht aus dem Fenster zu springen. Das und ich wollte Esme nicht mit dem Streichen alleine lassen, wobei wir innerhalb weniger Minuten die erste Schicht fertig hatten. Danach hieß es warten, warten und noch mehr warten. Und das ohne, dass ich mich auf meine Couch setzen konnte.
In den nächsten Tagen mussten wir noch zwei Mal nachstreichen. Die Fenster meines Zimmers waren durchgehend geöffnet, damit der Farbgeruch abziehen konnte, und ich verbrachte viel Zeit im Wohnzimmer, und in der Küche und auf der Jagd. Mindestens einmal täglich war ich unterwegs, um meinen Blutdurst zu stillen. Ansonsten versuchte ich Orte im Haus zu finden, an die ich mich ähnlich zurückziehen konnte. Meine Suche war nicht wirklich von Erfolg gekrönt.
Es dauerte fast zwei Wochen bis ich den Farbgeruch als erträglich empfand. Ich verfluchte meine Vampirnase für diese Vertreibung aus meinem Rückzugsort und verließ mein Zimmer demonstrativ für einen Tag gar nicht. Es war schön wieder meine Ruhe zu haben. Ich brauchte Alice nicht aus dem Weg zu gehen und hatte nicht immer wieder Anflüge von Fluchtreaktionen, wenn auf einmal alle im Wohnzimmer waren. Dabei hatte ich mit niemandem ein Problem. Es war mir einfach nur unangenehm und ehrlich gesagt verschreckte Alice Art mich immer noch.
Nach Esme und Carlisle, kam ich am besten mit Bella klar. Sie hatte eine ähnlich ruhige Art und musste nicht jede Stille ausfüllen. Sie war dabei zwar nicht die Einzige, aber bei einigen der Anderen hatte ich immer das Gefühl, dass sie eigentlich lieber reden wollten. Und ich wusste einfach nicht worüber, oder wie. Vor allem in einer Gruppe.
In der Woche nach der Rückkehr in mein Zimmer wurden die bestellten Möbel geliefert. Ich war auf der Jagd, als sie gebracht wurden. Der Zeitpunkt war vorher abgestimmt worden, damit ich den Lieferanten nicht begegnete. Der Aufbau war schnell erledigt. Im Anschluss bestellte ich mir die Teile für meinen neuen Rechner, da ich jetzt einen Schreibtisch hatte. Zudem fing ich an mir Bücher und einige Filme zu bestellen, die ich vorher nicht in meiner Sammlung hatte. Ich hatte immer noch die Hoffnung, dass Lea mir meine alten Exemplare schicken könnte. Allerdings schob ich das noch ein wenig auf. Ich war mir nicht sicher, wie das am besten ablaufen könnte.
Als die Computerteile geliefert wurden, bat ich Jasper mir zu helfen, alles zusammen zu setzen. Ich war mir meiner Stärke immer noch nicht ganz bewusst. Beim Aufbau der Möbel hatte ich aus Versehen eine Regalwand zerbrochen, als Emmett mich überraschte.
Die Installation und Einrichtung des Computers übernahm ich selbst. Im Anschluss lud ich mir League of Legends runter und fing an zu spielen. Es war am Anfang sehr eintönig und machte nicht wirklich Spaß. Wobei das wahrscheinlich auch daran lag, dass ich viel verlor. Ich hatte halt keine Ahnung von dem Spiel.
Ich verfiel in einen Trott. Am frühen Morgen ging ich mit zwei oder drei der Anderen auf die Jagd. Den Vormittag verbrachte ich damit zu lesen, sowohl zum Vergnügen, als auch als Vorbereitung für die Highschool. Wann auch immer ich sie würde besuchen können. Und nachmittags schrieb ich entweder, oder fing an zu zocken.
Abgesehen von der Jagd, blieb ich zumeist allein. Esme und Carlisle hatten jeweils noch einmal mit mir gesprochen. Sie wollten sicher gehen, dass es mir gut ging und ich keine Probleme hatte.
Anfang Juli durchbrach ich diese Routine morgens nach der Jagd und klopfte an Esmes Tür.
„Komm rein Steffen."
Ich betrat ihr Büro und setzte mich auf den gleichen Stuhl, wie das letzte Mal auch.
„Was hast du auf dem Herzen?", fragte Esme ruhig.
„Ich hätte eine Frage", fing ich nervös an. „Als ich von zu Hause weg bin, musste ich fast alles zurücklassen. Ich habe meine Schwester gebeten sie einzulagern und ich würde mir die Bücher und DVDs und Spiele gerne schicken lassen."
„Und du möchtest wissen, ob das in Ordnung ist, oder wie das abläuft?", hakte Esme nach.
„Ein bisschen was von beidem", gab ich leise zu.
„Natürlich ist das kein Problem. Wie genau der Prozess abläuft, weiß ich gerade auch nicht. Wir haben unsere Sachen bisher immer gesammelt in einem Container verschickt. Weißt du wie viele Kartons das sind?"
„Es sind wohl zwei Kartons. Einer mit Büchern und einer mit meinen DVDs und Spielen. Es könnte allerdings sein, dass die Sachen für einen Karton nur zu schwer gewesen wären."
„Hmm. Auf jeden Fall sollten sehr stabile Kartons verwendet werden. Die Pakete werden unterwegs wahrscheinlich nicht mit Samthandschuhen angefasst", überlegte Esme laut. „Wie wäre es damit: Du bittest deine Schwester darum die Sachen soweit vorzubereiten und bei der Post nachzufragen, wie teuer der Versand wäre und dann kümmern wir uns darum, dass die Rechnung bezahlt wird und das Paket auch hier ankommt."
„Danke", murmelte ich.
„Du gehörst jetzt zur Familie und in unserer Familie unterstützen wir einander", erklärte Esme.
Ich stand auf und machte mich auf den Weg aus dem Zimmer. Ich hörte wie Esme auch aufstand und drehte mich um. Mit einem Mal stand sie vor mir und umarmte mich. Ich war vollkommen überrascht und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Nach kurzem zögern entspannte ich mich und schloss meine Arme um sie.
„Ich würde mir wünschen, dass du häufiger aus deinem Zimmer kommst und dich zu uns setzt. Ich weiß, warum du dich zurückziehst, aber wir möchten dich nicht nur während der Jagd sehen", flüsterte Esme mir zu.
„Ich versuche es", gab ich bedrückt zurück.
„Das reicht mir schon", antwortete sie und löste die Umarmung. „Schreib deiner Schwester und vielleicht sind die Sachen schon in ein paar Wochen hier."
„Danke."
Ich ging die Treppe hoch zurück in mein Zimmer. Ich legte mich auf meine Couch und schloss die Augen. Esme hat Recht: Ich sollte vielleicht wirklich häufiger mein Zimmer verlassen.
