A/N Japp. Zweieinhalb Jahre.
Ich habe zweieinhalb Jahre, eine Menge Brainstorming und viele Versuche gebraucht, um das Kapitel so auszuarbeiten, dass ich damit zufrieden bin. Zwischendurch ereilte mich ein Jobwechsel, meine Hochzeit und eine lange Reise über den großen Teich nach Kalifornien, weshalb ich das Schreiben notgedrungen eine Weile einstellen musste. Nichtsdestotrotz ließ mich die Story nicht los, wo das Meiste dazu fertig geskripted bereits auf meinem Computer liegt und in meinem Kopf schlummert.
Verzeiht mir die lange Wartezeit (-:
Vielen Dank fürs Lesen und viel Spaß beim folgenden Kapitel!
**** |[x]| ****
What would you do if I told you I hate you?
What would you do if your life's on the line?
What would you say if I told you I hate you?
I got something that'll blow your mind, mind!
[HOLLYWOOD UNDEAD &&. DEAD BITE]
Egal womit Tom Riddle gerechnet haben mochte, Hermines unerwartetes Geständnis über das von ihr soeben noch streng gehütete Geheimnis brachte ihn sichtlich aus seinem Konzept, denn die sonst so perfekt geordneten Gesichtszüge entglitten dem koketten Schulsprecher prompt und machten Platz für ehrlichen Unglauben, Verwirrung und eine deutliche Spur Misstrauen.
Schließlich begannen seine Mundwinkel tückisch zu beben – zuerst langsam, dann erkennbar, bis sich das versteckte Lachen dahinter klanglos über seine Lippen zwang.
In Überlegenheit senkte der Schulsprecher seinen Zauberstab. Die aufkeimende Heiterkeit auf seinem Gesicht war fern der Freude und mehr geprägt von Spott und unterschwellig kaltem Amüsement, das seine Verärgerung auf furchtbare Art untermauerte.
Riddle rang einen Moment nach Fassung, schüttelte zu sich selbst den Kopf, rieb sich mit spitzen Fingern eifrig den Nasenrücken und fixierte Hermine abermals mit dem unnachgiebigen Stieren eines lauernden Tieres, das auf den geeigneten Moment wartete, sich endlich auf seine Beute zu stürzen: "Ist das so?", wollte er wissen. "Ich meine, wie sollte das möglich sein? Es gibt keine hinreichende Form von Magie, die einen Zeitsprung, geschweige denn eine Reise dieser Form begründen würde. Zumal …" Toms Blick wurde musternd schmal und er kam den halben Schritt, der sie voneinander trennte, entschieden näher. Hermine konnte seinen warmen Atem auf ihrer Haut spüren.
„Weshalb?"
„Es ist nicht so, als hätte ich das geplant -…"
Hermine war sich unschlüssig darüber, wie weit sie Tom dazu bringen konnte ihr zu glauben, ohne sie dafür sofort in die Unendlichkeit zu hexen. Nichts an ihr war glaubhaft. Mysteriös, vielleicht. Ungewöhnlich, wahrscheinlich.
Zeitreisende? Unmöglich.
Der Schulsprecher war außerdem eher rationaler Natur und weniger ein Luftikus, der erfundenen Phantasmen nachjagte; Tom liebte den Beweis. An seiner Stelle, so gestand sich die Brünette unweigerlich ein, hätte sie wohl ähnlich reagiert: misstrauisch, forschend. Wenn er also davon ausging, dass sie log, interessierte ihn die wirkliche Wahrheit hinter ihrer Fassade umso mehr – denn wer kam schon auf die Idee, sich mit einer magischen Fähigkeit zu brüsken, die als bislang nicht erwiesen und in ihrer Ausführung sogar verboten galt? Es machte demnach keinen Unterschied, inwieweit der Slytherin Hermine tatsächlich glaubte, sein Interesse hatte sie auf jeden Fall geweckt und das machte ihr Angst.
"Beweis es", forderte Tom schließlich kühl, gepaart mit der dominanten Art, die Hermine so wenig an ihm mochte. Wie sollte sie ihren Lockenkopf aus dieser Schlinge manövrieren, welche sich gerade mit der Kraft einer hungrigen Boa Constrictor enger um ihren Hals zog? Überspielte Hermine ihr eigenes Geständnis, sah Riddle sie sicherlich als Lügnerin, holte die Gryffindor zur allumfassenden Wahrheit aus, wurde ihr Aufenthalt in dieser Zeit zu einem unangenehm gefährlichen Spießrutenlauf.
Jedes falsche Wort, jeder Schritt, jeder Fehler konnten verheerende Folgen mit sich bringen, wenn das nicht schon längst der Fall war.
Bravo, Granger.
Hermines Gedanken fuhren Achterbahn und schlugen eine scharfe Linkskurve, als sie Tom bedeutete, dass sie sich ihrer Tasche widmen musste. Der Schulsprecher runzelte darauf zwar die Stirn, entgegnete jedoch nichts, sondern ließ sie mit dem Ansatz eines Nicken gewähren.
Die Argusaugen des Waisenknaben beobachteten dabei jede ihrer Bewegungen scharf, wie sie die Kordel des Beutels löste und dessen Inhalt mit einem vorsichtigen Schütteln an einen anderen Platz bugsierte. Sie hätte ebenso gut einen weiteren Zauberstab zücken oder einen ungeahnten Trick gegen ihn anwenden können, oder nicht? In Wahrheit war Hermine froh um die Zeit, die sie schinden konnte.
Toms Augenwinkel verengten sich, bis ein unerwartet lautes Poltern aus dem Beutel zu hören war, das an den niedrigen Wänden des Ganges abprallte und seine Augenbrauen irritiert über die hohe Stirn zum Haaransatz trieb. Die ringsum brennenden Fackeln wandten sich abrupt hektisch, dass ihre ungleich großen Schatten miteinander tanzten.
Hermine lachte nervös: "Das waren die Bücher", erklärte sie flapsig. Schließlich griff der Lockenkopf beherzt mit dem Arm bis zum Anschlag in die Untiefen der verzauberten Tasche. Ihre Finger streiften Slytherins Medaillon, dessen Silber sich sonderbar leblos auf ihrer Haut anfühlte, ehe die Gryffindor das vergilbte Papier des Tagespropheten erhaschte, das sie schon Dumbledore im Tropfenden Kessel gezeigt hatte.
Doch zum Zuge kam sie nicht, weil sich plötzlich drahtige Finger mit der unnachgiebigen Kraft eines Schraubstockes um ihr Handgelenk schlossen. Tom Riddle beugte sich über den verzauberten Beutel, bis sich ihre Nasenspitzen fast berührten.
„Was ist das?"
"Was?" Hermine schnürte es vom Herzen das ihr bis zum Hals schlug die Kehle zu. Sie hätte schwören können, dass Tom den Marathon, den ihr Herz vollführte, hören konnte.
Auf Toms Gesicht schlich sich inzwischen wachsende Ungeduld; dieses Mal wartete er auch keine ausreichende Antwort ab, sondern verdrehte Hermine ein wenig den Arm, dass er besser an ihr vorbei in die Tasche blicken konnte. Bevor die Brünette Zeit für einen Protest fand, griff der Schulsprecher schon hinein und angelte zielstrebig nach dem Medaillon, welches er erst abschätzend in seiner Hand wog, um die Kette anschließend mit neugierigem Blick um seine langen Finger zu wickeln. Salazar Slytherins Schmuckstück baumelte an seinem Strang wie ein lebloser Körper am Galgen, sein Silber funkelte matt wo sich das Feuer der Fackeln auf der polierten Oberfläche brach und für einen flüchtigen Atemzug schien ein Schatten quer von Öffnung zu Scharnier zu wandern und Lebendigkeit zu verkünden.
Hermine erstarrte wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Genau das wollte sie eigentlich vermeiden – Begegnungen, die es nicht geben durfte und Handlungen, die Chaos verursachen konnten. Für einen Sekundenbruchteil erwartete die Gryffindor eine Regung, einen Impuls, ein Flüstern oder gar eine Explosion. Irgendwas. Irgendwas, das Zeuge davon war, dass sich Voldemort in diesem Moment quasi selbst begegnete und die Zeit – ihre Gegenwart – mit einem Wimpernschlag aus den Fugen geriet. Doch nichts passierte.
Hermine furchte die Stirn und biss sich verunsichert auf die Unterlippe. Der Drang, Riddle das Medaillon einfach aus der Hand zu schlagen, war dabei schwer zu bändigen.
"Das ist ein Erbstück, oder? Woher hast du das?", bohrte sich Toms Bariton unnachgiebig in den Gehörgang Hermines, die einen Augenblick lang zu sehr mit der Frage beschäftigt war, was den Horcrux wohl dazu veranlasste sich ruhig zu verhalten anstatt die einmalige Gelegenheit zu nutzen, Kontakt zu seiner selbst aufzunehmen, ihr hier und jetzt den Garaus zu machen und die Geschichte nach seinem Belieben zu ändern – was im Wesentlichen doch einen Vorteil für Voldemort bedeutet hätte. Oder? War Hermine nicht deshalb erst unfreiwillig in der Vergangenheit gelandet? Wegen diesem Ding? Oder war der Horcrux innerhalb der Reise durch Raum und Zeit womöglich kaputt gegangen, ja zerstört worden?
Hermine hatte bislang geglaubt, das Seelenteil hätte sich gut in ihrer Tasche eingenistet. Sie mochte gar nicht dran denken, was passierte, wenn Voldemorts Horcrux den Aufenthalt in dieser Zeit nicht überlebte. War das Medaillon unter Umständen nicht stark genug, das Paradoxon auszugleichen, das es durch seine Anwesenheit selbst produzierte? Und was bedeutete das für ihre Rückkehr? Für ihre Zeit? War das ein Vorteil, oder der schlimmste Nachteil der Hermine und der Gegenwart passieren konnte?
Der Gryffindor wurde von ihrer Hypothesenachterbahn schwindelig. Zuviele Fragen, zu wenig Antworten.
Schließlich nickte Hermine stoisch, fuhr sich mit dem Handballen über die Augen und streckte in vorsichtiger Bestimmung die Hand aus: "Bitte gib mir das zurück." Hoffentlich erkannte Tom nicht, wie gespannt die Brünette auf eine Reaktion der Halskette wartete, hoffentlich erkannte er nicht, dass er ein Artefakt der übelsten Sorte in der Hand hielt, dessen Inhalt und Begebenheit ihn mit Sicherheit mehr interessiert hätte, wie ihr Hiersein. Hoffentlich …
"Wieso? Ich kenne das Symbol, es ist hier überall im Schloss." Riddle hob seinen Arm ein wenig, damit das Medaillon aus Hermines Reichweite verschwand; sie fühlte sich verspottet wie ein dummes Kind, dem man das Spielzeug geklaut hatte. "Aber es gehört dir nicht", argumentierte sie stur, ihr Kiefer mahlte. Der Slytherin zuckte bloß die Schultern: "Doch, wenn ich es will, dann tut es das."
Ein verzweifeltes Seufzen im Mundwinkel, leckte sich die Gryffindor über die Lippen und angelte in ihrem Beutel stattdessen grob nach dem Tagespropheten: "Okay, hör zu, Riddle. Bitte. Das Ding dort ist wichtig für mich", Hermine kämpfte ihren aufsteigenden Ekel herab. „Es ist meine Aufgabe, es in meine Zeit zurück zu bringen. Es sollte genauso wenig hiersein, wie ich es bin. Gib es zurück und ich erzähl' dir so viel über mich, wie ich kann … aber ich kann dir nichts anvertrauen, wenn du mir nicht einmal die Chance gibst mich vernünftig zu erklären."
Hermine wartete bis die rissigen Mauern des verlassenen Ganges ihre Worte verschlungen hatten, dann wagte sie sich behutsam nach Tom zu strecken; der wiederum musterte das Schmuckstück zwischen seinen Fingern mittlerweile nachdenklich, leistete jedoch überraschend wenig Widerstand, als die Brünette die Kette schließlich wieder einforderte und ihm stattdessen den zerbeulten Tagespropheten in die Hand drückte.
Die Aufmerksamkeit des hoch Gewachsenen schlug dabei schneller um, wie das Wetter im schottischen Hochland: zuerst knitterten sich seine Augenbrauen hinter der Zeitung bis zur Nasenwurzel, dann stockte er, strich es glatt und deutete offen verwirrt, auf das Foto von Dolores Umbridge: "Diese Frau trägt deine Kette. Hast du sie ihr gestohlen?"
"Ja. Nein…", erwiderte Hermine zu schnell, nickte und schüttelte gleichsam wieder den Kopf. Die Situation wurde mit jedem Herzschlag delikater und um nicht zu sagen anstrengend; Tom ließ nicht locker.
"Bist du eine Diebin?" Die Gryffindor winkte ab und deutete die neuerliche Redseligkeit des Slytherins zweifellos als sicheres Zeichen dafür, dass er sie für nicht mehr ganz so ominös verrückt und verlogen hielt, wie wenige Minuten zuvor, wo er laut abgewogen hatte sie ins Nirvana zu hexen.
Waffenstillstand. Für den Augenblick.
Plötzlich wurde der Dunkelhaarige auffällig ruhiger, die Aufmerksamkeit zurück auf den Tagespropheten gerichtet, eine steile Falte auf der sonst so makellosen Stirn, die erahnen ließ was in seinem Kopf gerade vor sich gehen mochte. Seine grauen Augen tanzten sichtbar über die Zeilen, die Nachrichten, die Buchstaben und endlich auch das Datum. Wenn er verstand, was für eine Reise Hermine hinter sich hatte, so verbarg er seine Reaktion allerdings ziemlich gut.
"Kennen wir uns in deiner Zeit?", fragte Tom dann.
"Das darf ich dir nicht sagen", konterte Hermine leise; und es stimmte. Es stimmte und Tom wusste es.
"Natürlich nicht. Wie dumm von mir", Riddle presste den Mund zu einem ironischen Strich zusammen und gluckste hohl: "Das bedeutet, du könntest dennoch bluffen. Ich muss dir glauben – trotzdem verrätst du mir höchstens nur Triviales, denn alles andere könnte deine Zeitlinie durcheinander bringen, oder unser beider Existenzen gefährden, wie du behauptest.
Wiederum hältst du mich auf einer Armlänge Abstand und in Alarmbereitschaft, weil du die Macht hast mir mit meiner Zukunft zu drohen. Sehr clever. Du könntest alles wissen, und doch nichts." Hermine reagierte mit einem ruhigen Zwinkern, sie merkte kaum wie sie vor Angst und Anspannung den Atem anhielt: "Also glaubst du mir?"
"Dumbledore tut es, oder? Und diese Sache mit Nicholas Flamel ..? Nun, es ist haarsträubend und, um nicht zu sagen, das Verrückteste was ich je gehört habe … aber dennoch … –" Riddles Daumen strich über das alte Zeitungspapier, er rieb es flüchtig zwischen den Fingern, nur um zu prüfen ob es echt war.
„Hast du dieser Frau die Kette tatsächlich gestohlen, oder nicht?" Die Gryffindor strich sich das Haar hinters Ohr: „Genau genommen gehört ihr das Medaillon nicht, auch wenn sie es auf dem Foto trägt…", wich sie der Frage ungeschickt aus. Schweigen. Die Kälte, die von der Mauer ausging, verursachte Hermine Gänsehaut; sie steckte Slytherins Relikt langsam in den Beutel zurück.
„Du darfst mir nicht sagen, ob wir uns kennen – aber du weißt, was ich getan habe", wiederholte Tom dann nach einer Weile besonnen ihre Worte, ihre Handlung beobachtend, mit missbilligt gekräuselten Falten zwischen den Augenbrauen.
Die Möglichkeit, plötzlich von ihrer Verschwiegenheit abhängig zu sein, dämmerte ihm wohl gemächlich. Dabei war der kontrollierte Anflug von Zorn, der jetzt von ihm ausging, auf Hermines unverblümte Erpressung verständlich.
Reue fühlte sie dabei keine, denn Tom Riddle widerwillig winden zu sehen wie ein Fisch am Haken – und das zu Harrys Sicherheit und nicht zuletzt zu ihrer eigenen – erfüllte einen dunklen Teil in Hermine Granger mit Genugtuung.
„Genug, um dich zu belasten."
Riddles Adamsapfel presste sich sichtbar gegen den steifen Kragen seines Hemdes, als er hart auf ihre Drohung schluckte. Hinter seiner Stirn begann es zu arbeiten, vielleicht wog er jetzt doch darüber ab, ob er sie am Leben ließ oder auf der Stelle umbrachte und inwieweit er das Risiko eingehen wollte, seine Zeitlinie dadurch zu beeinflussen.
„Ich sage nichts, wenn du nichts sagst, Riddle", bot Hermine Tom schließlich an, worauf er mehrmals hintereinander zwinkerte. „Versteh' mich nicht falsch, es ist mir in keiner Weise egal was du getan hast. Du musst dich vor mir nicht verstellen und du kannst mir nichts vormachen. Ich will nur zurück nach Hause in meine eigene Gegenwart, nicht mehr und nicht weniger. Selbst wenn ich dich aufhalten wollte – und glaube mir, das würde ich nur allzu gern – steht es nicht in meiner Macht das zu entscheiden, wenn ich keine Katastrophe auf meiner Zeitachse verursachen will. Manche Dinge passieren eben, und dazu gehören du, deine Taten und deine Arroganz nun mal auch."
Hermine holte tief Luft und erklärte sich weiter, bevor Tom eine Möglichkeit fand sie in ihrem wackeligen Wagemut zu unterbrechen: „Am besten gehst du mir einfach aus dem Weg. Ich will ohnehin nichts mit dir zu tun haben."
„Das bedeutet, ich muss dir vertrauen", konterte er mit einer wieder gefundenen Sanftheit in der dunklen Stimme, die schneidend einem Todesurteil glich. Der Slytherin neigte abwägend den Kopf: „Ich weiß nicht, ob ich das kann." Mit einem Blick zurück auf den Tagespropheten, kräuselten sich seine Lippen in ein verzerrtes Lächeln. Er rollte die Zeitung auf, hakte sich mit dem Zeigefinger an Hermines Beutel ein und öffnete die Kordel weit genug, um den Tagespropheten hindurch zu stecken.
„Ich fürchte diesen Gefallen kann ich dir nicht tun, Hermine Hawking. Nein, ich fürchte sogar, du wirst meine Anwesenheit noch eine Weile länger ertragen müssen, bis du einen Weg gefunden hast, um in deine Zeit zurück zu kehren. Selbst wenn ich es bin, der dein Rätsel löst – sofern dein ganzes Gerede wirklich der Wahrheit entspricht."
Da war sie wieder, Riddles grenzenlose Überheblichkeit.
Hatte Hermine für einen Sekundenbruchteil angenommen, Tom würde sie einfach so in Ruhe lassen? Hatte sie wirklich angenommen, sie konnte ihm von Zeitreisen erzählen, von der Zukunft, seine dunkelsten Geheimnisse ausplappern und verschwinden? War sie naiv genug zu glauben, Tom würde riskieren sie unbeobachtet zu lassen?
Hatte sich vorhin eine Schlinge um Hermines Hals gelegt, fühlte sie sich jetzt wie an die Leine genommen, mit dessen Ende der Schulsprecher amüsiert zwirbelte. Er machte ihr Glauben, in Kontrolle zu sein, schenkte ihr einen Funken Überlegenheit und erlaubte dem Lockenkopf sogar eine Drohung, sowie die lächerliche Sicherheit am längeren Hebel zu sitzen.
Doch er würde sie nicht gehen lassen. Nicht ohne weiteres.
Hermine schätzte, dass Tom sie im Zweifelsfall wirklich beseitigte und eine Veränderung der Zeit in Kauf nahm, das geringere Übel wählte sozusagen. Zwar war er kein Narr und verabscheute unnötige Risiken über die er keine Kontrolle hatte, konnte die Granger jedoch nur ahnen wozu der Slytherin fähig war, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlte. Schlangen schnappten zu, sobald ihr Leben von einem Triumph abhing.
Das boshafte Funkeln seiner Augen verriet seinen Wahn, das flüchtige Zucken seiner Mundwinkel bestätigte ihre Furcht. Er spielte das Spielchen mit, noch. Wenn Hermine klug war, hielt sie Toms Interesse an ihrer Person aufrecht so lange sie konnte. Ein neuerlicher Drahtseilakt.
„Komm…", entschied Tom schließlich, machte der Gryffindor höflich Platz und wies einladend auf den Wandteppich, durch welchen er sie Augenblicke zuvor so unsanft gestoßen hatte. „Deine neuen Freunde warten sicher schon auf dich, wollen wir ihnen keinen Grund geben, sich Sorgen um dich zu machen."
**** |[x]| ****
ZUM KAPITEL Was, wie? Tom macht das jetzt einfach so mit?
Ja. Nö. Lasst euch überraschen. Ich hatte viele Versionen von diesem Kapitel. Ich hatte eine Version, in der Tom Hermine tatsächlich verhexte. Ich hatte eine Version, in der sich Hermine mit Tom duellierte, nur um dann zu verlieren und noch einige andere Ideen… keine davon hat mir gefallen; schließlich probierte ich mit der Wahrheit zu spielen, weil ich so einige Facetten von Toms Charakter ausreizen kann. Zum Beispiel seine bodenlose Neugierde, seinen Forscherdrang und seinen Hang Regeln zu brechen. Seine Furcht, von der Schule zu fliegen ist eine Schwäche die ich Hermine unbedingt nutzen lassen musste.
Ebenso gefiel mir an dieser Version des Kapitels, dass Tom und Hermine eine Basis finden konnten, auf der sie wohl oder übel miteinander auskommen müssen. Toms Intellekt ist zu wertvoll bei der Suche nach einem Weg für Hermine nach Hause, als dass ich ihn so früh in der Story verspielen wollte. Und, klar, der Reiz den Helden mit dem Feind zusammen arbeiten zu lassen ist ein Klischee, das ich unglaublich interessant finde.
Was glaubt ihr, wieso hat sich der Horcrux vor Tom nicht zu erkennen gegeben?
Oder hat er's vielleicht doch und Hermine hat es einfach nicht gesehen? Und zu welchen Konflikten könnte es ab sofort kommen?
