Kapitel 12: Staub
Sonntag, 5. Oktober, 14:42, Fairfax County Hospital, Washington DC
Scully wachte auf und wusste nicht wo sie war. Sie starte ins Weiß.
Nur Augenblicke später erkannte sie, dass es die Decke eines kleinen Zimmers war. Sie hatte keine Ahnung, wie sie hier her gekommen war. Als sie versuchte, den Kopf zu drehen, stöhnte sie. Ihr Nacken war steif und schmerzte. Dennoch gelang es ihr, den Kopf so weit zu neigen, dass sie ihren Blick durch den Raum schweifen lassen konnte.
Wo war Mulder? Er war sonst immer an ihrem Bett wenn sie in einem Krankenhaus aufwachte, denn in einem solchen musste sie sich wohl befinden. Fast enttäuscht war sie, als sie nur ihre Mutter vorfand, die eingenickt in einem Stuhl neben ihrem Bett saß. Scully öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber ihre Kehle war staubtrocken. Suchend ließ sie ihre Augen zum Nachttisch gleiten, aber sie fand kein Wasserglas darauf.
Als sie an sich hinuntersah bemerkte sie die Infusionsschläuche, die unter der Bettdecke verschwanden. Sie wollte einen Arm benutzen um die Decke zu heben, aber als sie einen Widerstand an ihrer rechten Hand spürte, wurde ihr auch klar, wohin die Flüssigkeit aus dem Tropf lief. Nachdem ihre Aussichten auf Wasser also damit gestorben schienen, schluckte sie einige Male trocken und versuchte erneut zu sprechen. Diesmal brachte sie ein heiseres Krächzen zustande: „Wo ist Mulder?"
Ihre Mutter schreckte hoch. „Oh, Dana, du bist wach! Das ist ja schön!"
„Mom, wo ist Mulder?" Der freudige Ausdruck auf Margrets Gesicht wich einer ernsten und traurigen Miene. „Erinnerst du dich nicht mehr?"
„Woran erinnern, Mom?" Ein kaltes Gefühl der Besorgnis beschlich sie.
„Das Feuer, Dana. Fox…" Doch sie musste nicht weiter sprechen. Die Erinnerung kam mit einem Schlag zurück. Wie eine Tonne Ziegelsteine fiel sie Scully in den Magen.
Und der Schmerz kehrte wieder. Es war, als würde sie ihn noch einmal verlieren. Ihre Augen begannen zu brennen, aber keine Tränen wollten kommen. Ihre Schleimhäute waren zu ausgetrocknet als dass sie hätte weinen können. Die Schluchzer ließen sie zittern wie durch einen trockenen Hustenanfall.
„Sch, Dana. Ist ja gut." Ihre Mutter sprach ruhig zu ihr und strich ihrer Tochter tröstend über die Wange. Es dauerte eine Weile bis sie ihre Sprache wieder fand.
„Mom, wie lange bin ich schon hier?"
„Zwei Tage." Scully erschrak.
„Was ist passiert?"
„Ich hatte gehofft, du könntest mir das sagen."
„Ich weiß nur… wir haben uns gestritten… Ich habe ein paar Schlaftabletten genommen und…"
„Dr. Baker und ich haben dich auf dem Boden im Badezimmer gefunden… Gott, ich hatte solche Angst um dich, Dana. Ich dachte, du hast dir was angetan."
„Ich habe nicht versucht, mich umzubringen." Sagte sie – und es war die Wahrheit, obwohl sie sich in diesem Augenblick wünschte, es wäre eine Lüge und sie hätte den Mut dazu gehabt, es zu tun… „Ich habe doch Mulder versprochen, dass ich durchhalte, Mum... Und was hatte Dr. Baker in meiner Wohnung zu suchen?"
„Ich habe geglaubt, es ist besser, wenn er dich mal ansieht. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Und wie's aussieht hatte ich Recht. Du bist nicht hier wegen einer Überdosis…" Margret biss sich auf die Lippe. Das war nicht unbedingt die klügste Wortwahl gewesen, bemerkte sie. Aber Scully reagierte nicht darauf. Also sprach sie weiter. „Du warst so unterernährt und ausgetrocknet… Dr. Baker hielt es für besser, dich in einem Krankenhaus wieder aufzupäppeln."
„Wann kann ich hier weg?" Scully war ungehalten. Sie wollte mit ihren Gefühlen alleine sein und nicht ständig umgeben von fremden Menschen, die ihren Zustand nicht verstanden, nicht begriffen, warum sie in der Verfassung war, in der sie sich befand. Ein Splitter der Wut, die noch in ihr übrig geblieben war, glomm plötzlich auf und erfüllte sie für kurze Zeit mit Willenskraft.
„Wenn du wieder etwas zugenommen hast und alleine essen kannst." Sagte ihre Mutter gerade.
„Gut. Dann kommt als erstes dieser Tropf weg." Scully griff unwirsch nach der Kanüle, die an ihrem rechten Handrücken befestigt war, und wollte sie entfernen.
„Dana, nicht…" Ihre Mutter versuchte, sie davon abzubringen, aber Scully war entschlossen, nicht länger als nötig hier zu bleiben.
„Lass mich, Mom. Ich weiß, was ich tue. Ich bin Ärztin, schon vergessen?"
Ein Geräusch an der Türe ließ beide aufblicken. Eine Schwester betrat das Zimmer. „Oh, Miss Scully! Sie sind wach!" Dann stockte sie, als sie sah, dass ihre Patientin gerade dabei war, sich in Eigenregie von den Infusionen loszuschießen. „Aber was machen Sie denn da?" Mit zwei Schritten war sie am Bett.
„Ich entferne meine Infusionen, das sehen Sie doch. Ab sofort esse ich wieder selber, wenn Sie gestatten… Haben Sie vielleicht einen Tupfer?" Die Schwester war nicht gewohnt, so angesprochen zu werden, außer von einem Arzt. Also reichte sie ihr das Gewünschte und betrachtete schweigend, wie Scully fachmännisch die Kanülen und Schläuche entfernte. „Und könnte ich bitte ein Glas Wasser haben?"
„Selbstverständlich." Die Krankenschwester verließ den Raum um auch das zu bringen. Augenblicke später kam sie zurück, nur um die eben noch so resolute und selbstbewusste Patientin weinend in den Armen ihrer Mutter zu finden. Und diesmal kamen Tränen. Der Funke der Wut war ebenso schnell verglüht wie ein vom Himmel fallender Komet.
Margret sah auf. „Könnten sie meiner Tochter vielleicht ein Beruhigungsmittel bringen?" Die Schwester nickte und ging wieder.
Eine halbe Stunde später schief Scully wieder. Das Medikament zeigte seine Wirkung. Was Margret verwunderte, war die widerstandslose Einnahme der Tabletten. So etwas war sie von Dana nicht gewohnt. Sie war eher skeptisch gegenüber jeglicher Art von Pillen. Das zeigte, welch eine Veränderung in ihrer Tochter vorgegangen sein musste, dass sie selbst von so einfachen Prinzipien abfiel.
Andererseits war sie sichtlich noch immer sehr erschöpft. Margret hoffte, dass Danas Willenskraft von alleine wiederkehren würde, wenn es ihr besser ging. Inzwischen würde sie die Arbeiten übernehmen, für die sie zu schwach war. Unter anderem stand ein Begräbnis an, erinnerte sie sich. Scully hatte ihr gerade gesagt, dass es einen Zettel mit Anweisungen gab, was zu tun sei, bevor sie wieder in Tränen ausgebrochen war. Aber weil ihre Tochter noch mindestens zwei Tage im Spital würde bleiben müssen, überlegte sie weiter, war es wohl besser, wenn sie das übernahm.
Sie stand auf und beschloss, sich auf die Suche nach diesem Zettel zu machen. Dazu würde sie in die Wohnung ihrer Tochter zurückfahren müssen. Sie kündigte der diensthabenden Schwester an, dass sie für einige Stunden weg müsse, und verließ das Krankenhaus.
Sonntag, 5. Oktober, 18:13 Uhr, Fairfax County Hospital, Washington DC
Scully wachte wieder auf nachdem sie mehrere Stunden geschlafen hatte, aber sie fühlte sich nicht wesentlich besser. Zwar war die Müdigkeit nun vergangen, aber zu dem Gefühl der inneren Leere hatte sich noch etwas anderes, äußerst Unangenehmes dazugesellt. Sie erkannte erst nach längerem Überlegen, dass es Hunger war.
Ihr Magen war seit – ja, wie lange eigentlich? – seit bestimmt eineinhalb Wochen nicht mehr richtig gefüllt worden. Aber so hungrig sie auch war, sie glaubte nicht daran, dass sie etwas würde essen können. Denn ihren Appetit hatte sie an dem Tag verloren, als man Mulders Diagnose gestellt hatte. Und doch… Sie würde essen müssen, wenn sie hier wieder heraus wollte.
Im selben Moment betrat ihre Mutter wieder den Raum. Ihr Gesicht sah müde aus.
„Mom…" flüsterte sie heiser. Margret sah erst jetzt, dass sie wach war.
„Oh, Dana, Liebes! Was ist denn?" Schnell ließ sie sich auf dem Stuhl neben dem Bett nieder und nahm Scullys Hand.
„Wo warst du, Mom?"
„Ich habe angefangen, das B… den Zettel mit den Anweisungen durchzuarbeiten. Es hat eine Weile gedauert, aber ich denke, für´s erste hab ich alles in die Wege geleitet." Scully nickte und zwang sich, das Thema sofort zu wechseln.
„Ich habe Hunger, Mom." Sofort hob sich Margrets Stimmung.
„Das ist ja wunderbar! Ich werde dir eine Suppe besorgen." Scully nickte wieder denn etwas Besseres fiel ihr im Moment auch nicht ein. „Ich bin gleich wieder da." Margret erhob sich und ging zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um. „Wir schaffen das schon, Dana. Zusammen bekommen wir das hin."
Als Scully wenig später eine Schale Suppe auf dem Nachttisch stehen hatte und begann, die heiße Brühe zu löffeln, schien ihr mit jedem Löffel, den sie schluckte, etwas mehr von ihrer Kraft wiederzukehren. Sie empfand den Hunger nun intensiver, genau so, wie alles andere, was in der letzten Woche noch kaum eine emotionale Reaktion hervorgerufen hätte. Es war, als würde die Wärme des Essens in die Leere ausstrahlen, die sie in sich trug, und sie wieder ein wenig mit Leben erfüllen.
Als sie fertig gegessen hatte, brachte ihre Mutter das Geschirr in die Küche zurück. Während dessen, konnte Scully etwas nachdenken – und zum ersten mal seit langer Zeit tat sie das auch wirklich und folgte nicht nur der unendlichen Schleife, in der sie gefangen gewesen war, dem Kreis ohne Anfang und Ende, bei dessen Begehung sie doch nur wieder dort ankam, wo sie aufgebrochen war.
Zum ersten Mal konnte sie ihren Geist so weit aus der Starre befreien, dass sie fähig war, die vergangenen Ereignisse in ihrer notwendigen Gesamtheit zu betrachten - und sie begann etwas zu fühlen, von dem sie nie gedacht hätte, dass es real sein könnte und dass sie es in diesem Zusammenhang fühlen würde: Wut. Nicht darüber, was sie getan hatte, sondern weil Mulder so grausam gewesen war, es von ihr zu verlangen.
Überrascht stellte sie fest, dass sie nun an ihn denken konnte, ohne wieder in Tränen auszubrechen. Doch bevor sie den Gedanken auch nur beenden konnte, überwältigte sie wieder das Gefühl den unermesslichen Verlustes, den sie erlitten hatte, und sie brauchte eine Weile, um die aufsteigende Trauer zu bezwingen.
Aber sie schaffte es, so unglaublich es war, sie schaffte es wirklich, dieses übermächtige Ungetüm von einer Emotion, von dem sie so lange unterdrückt worden war, zu besiegen und auf einmal schien es ihr klein und kraftlos. Sie konnte nicht glauben, dass so etwas Winziges sie so lange in Schach gehalten hatte.
Wieder fühlte sie Wut. Wie war es möglich, dass sie so schwach geworden war um sich von so etwas unterdrücken zu lassen?
Nur Mulder konnte sie so schwächen.
Mulder hatte sie so schwach gemacht. Es war seine Schuld, dass sie jetzt im Krankenhaus lag und es gab keinen Grund, sich wegen ihm die Augen auszuheulen.
Das war ein Wendepunkt in Scullys bisherigem Leben, der Augenblick, in dem sie sich von Mulder lossagte und beschloss, sich nicht weiter von seinem Geist, der sie zu verfolgen schien, wo immer sie war, tyrannisieren zu lassen. Es war immer noch ihr Leben, und bitte! Er hatte unbedingt gewollt, dass sie lebte und sie würde sich daran halten!
In diesem Moment kam Margret zurück. Sie brauchte nur einen Blick auf ihre Tochter zu werfen, die nun wieder aufrecht in ihrem Bett saß, und sie wusste, dass sich etwas geändert hatte: Sie würde weitergehen.
„Mom." Scully sah ihrer Mutter in die Augen.
Jetzt war sich Margret sicher, dass sich etwas geändert hatte. Diese Augen, die sie nun forschend musterten, waren blau und klar und offen, so offen, wie Scully sich in diesem Augenblick ihrer Umwelt gegenüber fühlte. Der einzige Mensch auf der Welt, der vielleicht mehr gesehen hätte als ihre eigene Mutter und Scully selbst, war tot und so konnte niemand auf den dunklen Fleck in Scullys Seele hinweisen, der noch immer wie ein hässlicher Makel an ihr haftete.
Aber es war bedeutungslos. Scully begann wieder das Leben in sich zu spüren und das war jetzt das einzig Wichtige. Margret setzte sich zu ihrer Tochter auf die Bettkante.
„Geht es dir besser?"
„Viel besser." Ein kleines Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht und Margret war überrascht über die neuerliche Veränderung.
„Das ist schön… du musst doch nächsten Samstag fit sein… wenn du Fox die letzte Ehre erweisen willst." Gleich darauf bereute sie, was sie gesagt hatte, erwartete, dass Danas verhältnismäßig gute Laune wieder ins Gegenteil umschlagen würde, aber dem war nicht so.
Ein Schatten der alten Trauer zog über Scullys Gesicht wie eine vor der Sonne vorüber ziehende Wolke, aber gleich darauf war es wieder fort. Sie nickte nur ernst.
„Ich weiß, Mom… Ich hoffe, du kannst bis dahin alle Vorbereitungen treffen... Ich möchte... ich werde mich nicht damit belasten." Es klang logisch, aber irgendetwas in Scullys Stimme ließ einen gewissen Widerstand heraushören. Margret beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, nicht zu diesem Zeitpunkt.
Sie hatte alles im Griff und würde rechtzeitig mit dem Durcharbeiten der Anweisungen fertig sein. Nur ob sie einen Sarg aus Texas bekommen würde, war noch nicht sicher. Sie hatte lange nach der Telefonnummer des Bestattungsunternehmens gesucht und als sie sie schließlich fand und dort anrief, sagte man ihr, dass die Lieferung eine Woche dauern würde und mehrere hundert Dollar kostete. Sie hatte zugesagt, den Sarg zu kaufen und die Transportkosten zu übernehmen, wenn er innerhalb von 5 Tagen ankommen würde. Wenn nicht, war immer noch Zeit ein hiesiges Modell zu beschaffen.
Die Blumenarangements waren da schon wesentlich leichter zu bekommen und der Platz auf dem Friedhof war ebenfalls gebucht. Es fehlte nur noch die Gästeliste und die Einladungen mussten verschickt werden und das würde sie jetzt erledigen. Sie stand auf.
„Ich muss noch einige Sachen besorgen. Geht es dir soweit gut, dass ich dich verlassen kann?"
„Natürlich, Mom. Geh nur, ich komm schon klar."
Die folgenden Tage im Krankenhaus brachten für Scully anstrengende Gymnastikstunden und einen strengen Ernährungsplan mit sich. Sie hatte absichtlich ein straffes Programm gewählt, um möglichst schnell aus dem Spital entlassen zu werden. Zwischen den Übungsstunden hatte sie genügend Zeit um nachzudenken und je mehr sie das tat, desto mehr gab ihr die unterschwellige Wut in ihren Gedanken Kraft.
Immer wenn sie nicht mehr konnte und während der Übungseinheiten der Erschöpfung nahe war, lenkte sie ihre Gedanken auf Mulder und verwandelte ihre Wut in Energie. Grimmig trainierte sie unter den wachsamen Augen ihrer Physiotherapeutin weiter. Mulder hatte sie hier hergebracht, da war es nur recht und billig, dass er sie auch wieder hier herausholte.
Manchmal waren ihre Gefühle so unbezähmbar, dass sich zu dem Schweiß, der ihr übers Gesicht rann, auch Tränen gesellten. Dann wischte sie sich immer energisch mit dem Ärmel ihres Krankenhausmantels über die Augen. Sie wollte nicht um ihn weinen und schon gar nicht, dass es jemand sah. Ihre Ehre verbat es ihr – und ihr neu erwachter Stolz. Das hier war ihr Leben. Sie würde es nicht von ihm zerstören lassen.
Ihre Mutter war nun nicht mehr ständig im Krakenhaus, sondern begann, ihr eigenes Leben wieder aufzunehmen. Ihre Tochter war in guten Händen und sie erholte sich rasch. Es bestand kein Grund, sie ständig zu beobachten. Überhaupt war sie fast wieder so wie die Dana, die sie einmal gekannt hatte. Sie lachte wieder – wenn auch ihr Humor irgendwie zynisch und bitter geworden war, ähnlich wie Mulders Art, Witze zu machen.
Margret konnte sich nun sachlich über alles mit ihr unterhalten, ohne dass sie dabei aufpassen musste, Mulder nicht zu erwähnen. Wenn sie es jedoch tat, fiel ihr auf, wurde Dana auf einmal hart und verschlossen. Fast ohne jegliche Gefühlsregung schien sie über ihn sprechen zu können.
Einerseits war es schön, dass sie sich so schnell gefangen hatte, andererseits war es seltsam.
Noch vor wenigen Tagen war Scully ein Wrack gewesen, zitternd und weinend, ohne die Fähigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen. Margret wusste auch, was Mulder für sie bedeutet hatte, wie ungeheuer wichtig er in ihrem Leben gewesen war, und deshalb verwunderte es sie, dass diese Phase des Trauerns nur so kurz gewesen war und so vollständig beendet sein sollte.
Wenn es wirklich so war, war es gut.
Wenn nicht… darüber wollte sie nicht nachdenken. Es war zu schön, einfach wieder normal mit ihr zu reden. Und doch: das schreckliche Geheimnis, das sie teilten, lastete schwer auf Margret, viel schwerer als es Scully selbst zu drücken schien. Wie ein Damoklesschwert hing es über ihren Unterhaltungen und keiner wagte es – trotz allem Anschein von wieder eingekehrter Normalität – das betreffende Thema auch nur zu streifen.
Donnerstag, 9. Oktober, 10.30 Uhr, Fairfax County Hospital, Washington DC
Scully hatte erstaunliche Fortschritte während der letzten Tage gemacht. Sie war zwar immer noch zu mager für ihre Größe, aber das Untergewicht war nicht mehr lebensbedrohlich. Ihre Muskulatur war genügend aufgebaut worden, dass sie bedenkenlos wider nachhause konnte.
Sie hatte sich nach der letzten Trainingseinheit an diesem Morgen von der Therapeutin verabschiedet und hatte auch im abschließenden Gespräch mit dem Psychologen, der sich um sie kümmerte, den Arzt davon überzeugen können, dass es ihr gut ging und sich niemand um ihren geistigen Zustand zu sorgen braucht. Ihr waren diese Sitzungen eher lästig als hilfreich erschienen denn sie war sich auch ohne fremde Hilfe klar geworden, wie sie die vergangenen Ereignisse bewältigen konnte.
Endlich war ihr Leben von der Last namens Fox Mulder befreit. Sie war völlig gesund! Leider war es nun einmal vorgeschrieben, dass man sich in solchen Fällen mit einer Fachkraft für diese Bereich unterhielt…
Nun war sie in ihrem Zimmer um ihre Sachen zu packen. Es klopfte und ihre Mutter betrat den Raum mit einer kleinen Sporttasche. Scully sah auf und lächelte sie an. „Danke, Mom. Ich dachte schon, ich müsste das ganze Zeug im Arm nachhause tragen." Dankbar nahm sie die Tasche entgegen und stopfte die Kleidungsstücke, die sie gerade sorgfältig, mehr, um sich von anderen Gedanken abzulenken, als um sie Platz sparend zu verstauen, zusammengelegt hatte, achtlos in die Tasche.
Sie wollte nun so schnell wie möglich raus aus diesem Gebäude. Sie würde den typischen Geruch von Krankenhäusern wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang nicht mehr riechen können, so viele schlechte Erinnerungen waren damit verknüpft. Mit einer raschen Handbewegung zog sie den Reißverschluss der Tasche zu und warf sie sich über die Schulter.
„Wir können gehen." Sie durchquerte den Raum und kam neben ihrer Mutter an der Tür zum Stehen.
„Ach Dana, lass mich das doch tragen."
„Ich mach das schon, Mom… danke trotzdem." Auf dem Flur verabschiedete sie sich im Vorbeigehen noch bei sämtlichen Schwestern, die sie betreut hatten, dann traten beide auf den Parkplatz vor dem Krankenhaus hinaus.
Die Sonne schien und es war ein wunderschöner Herbsttag. Die Bäume hatten fast alle Blätter verloren und schienen nur noch als tote Gerippe in den Himmel zu ragen.
‚Aber ich lebe' dachte Scully ‚Es geht mir gut.'
Wie oft sie diesen einfachen Satz zu Mulder gesagt hatte! Aber diesmal war es wahr. Sie fühlte sich gesund, voll Energie. Gierig atmete sie die frische Herbstluft. Wie lange war es her, dass sie frische Luft geatmet hatte?
Es schien eine Ewigkeit zwischen dem heutigen Tag und dem Morgen zu liegen, an dem sie mit Mulder auf der Terrasse gestanden hatte, und doch… Irgendwie erwartete sie, als sie ihren Blick über den Parkplatz schweifen ließ, irgendwo Mulders Wagen stehen zu sehen – und Mulder, der neben der Fahrertüre stand, sie nur durch sein charmantes Lächeln, das so unschuldig und voller Freude war wie das eines kleinen Jungen, willkommen hieß und mit einer Hand auf das Autodach klopfte, um sie aufzufordern, einzusteigen.
Und wenn sie dann im Auto säßen und miteinander scherzten, wäre alles wieder so wie vorher, keine Spur der Sorge und der Angst um sie in seinen Augen, keine Verzweiflung über ihren Zustand, den er für seine Schuld hielt…
Scully schüttelte energisch den Kopf. Das war alles Vergangenheit. Sie überlegte sich, was sie tun würde, wenn er auch heute gekommen wäre um sie abzuholen. Sie würde zu ihm gehen mit schnellem, festem Schritt und ihm ohne zu zögern eine schallende Ohrfeige verpassen.
Dann würde er sie mit seinem Hundeblick ansehen und verständnislos „Scully…" flüstern, aber tief in seinen Augen würde sie sehen, dass er nichts anderes erwartet hatte. ‚Ja, schlag mich!' würden sie sagen. ‚Schlag mich denn ich habe es verdient.'
Und diesmal würde sie ihn nicht beruhigen und versuchen, sein Gewissen zu besänftigen. Sie würde ihn anschreien: „Du Mistkerl! Warum hast du mir das angetan? Es ist deine Schuld, dass es mir schlecht geht. Du machst mich krank! Ich möchte dich nie wieder sehen!" Sie würde den verletzten Ausdruck in seinen Augen ignorieren, sich einfach umdrehen und weggehen. Und sie würde sich kein einziges Mal mehr nach ihm umsehen...
Doch so viel Befriedigung ihr diese Gedanken auch in diesem Moment verschafften, Scully wusste im selben Augenblick, dass sie das niemals tun könnte, tun würde. Sie schämte sich für ihre Schwäche, die sie sich trotz allem eingestehen musste. Mulder machte sie schwach – und gleichzeitig hatte er sie stark gemacht…
Wiederum musste sie sich ermahnen. Das war jetzt vorbei. Sie würde alleine stark sein. Sie brauchte ihn nicht, es war angenehm gewesen, sich auf ihn verlassen und stützen zu können, aber sie brauchte ihn nicht.
Nicht mehr.
Niemals.
Inzwischen waren sie beim Auto angekommen. Margret schloss auf und nahm Scully die Tasche aus der Hand um sie in den Kofferraum zu stellen. Scully setzte sich auf den Beifahrersitz, schnallte sich an und wartete, dass ihre Mutter losfuhr. Als der Wagen vom Parkplatz rollte, sah Margret kurz verstohlen zu ihrer Tochter hinüber. Sie starrte gradaus auf die Straße. Es war still, zu still und so beschloss Margret, ein Gespräch anzufangen.
„Wir müssen nicht mal einkaufen fahren. Ich habe das Notwendigste besorgt und in deiner Wohnung abgeliefert."
„Danke." Scully war dankbar für die Unterbrechung ihrer Gedanken und fing den zugeworfenen Ball auf. „Ich hoffe, du hast auch sonst schon alles besorgt."
„Ja, alles klar für… Samstag." Scully nickte, erwiderte aber nichts. „Alle werden kommen."
„Sehr gut… Und Bill und Charlie, was ist mit ihnen? Wie gehet es ihnen?"
Scully wechselte das Thema. Sie versuchte es wie eine Frage klingen zu lassen, ob ihre Brüder auch an den Feierlichkeiten teilnehmen würden, obwohl sie wusste, dass sie nicht auf der Gästeliste standen. Aber sie wollte sich nicht noch mehr Zeit mit wütenden Gedanken über Mulder verschwenden. Ein unverfängliches Gesprächsthema war da eher etwas für sie.
Beide unterhielten sich die ganze Fahr über bis zu Scullys Apartment über die Familie. Darüber, was Bill, Tara und ihr kleiner Neffe machten und ob Charlie sie bald wieder einmal besuchen würde.
Vor Scullys Haus stellte Margret den Wagen ab und begleitete Scully die Stiegen hinauf vor ihre Tür. Sie schloss auf und kam mit herein. Scully sah sich um. Alles sah so aus wie an dem Tag, als sie das Haus verlassen hatte. Sogar der unaufgeräumte Schreibtisch war nicht angefasst worden, der einzige Fleck in Scullys Wohnung, der irgendwie unordentlich war.
Sie würde sich darum kümmern, wenn ihr danach war.
Einzige Veränderung war der gefüllte Kühlschrank. Ihre Mutter hatte wirklich an alles gedacht. Sogar frisches Eis war im Gefrierfach. Was Margret nicht verriet, war, dass sie den Medizinschrank ausgeräumt hatte. Außer Desinfektionsmittel und Wundversorgungsmaterial hatte sie alles entfernt, was Scully verwenden hätte können um sich zuzudröhnen, falls sie doch wieder in Depression verfiel.
Stattdessen hatte ihre Mutter einen Notizzettel an die Innenseite der Schranktür geheftet: ‚Tut mir leid wegen der fehlenden Tabletten, aber ich möchte, dass du mich anrufst, wenn es dir schlecht geht. Ich liebe dich! Mum'
Darunter hatte sie ihre Nummer geschrieben. Nicht dass ihr Tochter sie nicht auswendig kannte und sie im Telefon eingespeichert war, aber sie wollte einfach auf Nummer sicher gehen, dass sie zur Hand war, wenn Dana sie brauchte, aber nicht an sie gedacht hatte.
„Ich lass dich dann alleine. Mach´s gut." Margret umarmte ihre Tochter und küsste sie auf die Wange. „Und noch was: ich hol dich dann am Samstag so gegen zwei ab. Die Feier beginnt um drei. Bis dann."
Als ihre Mutter gegangen war, ließ Scully sich erst mal auf das Sofa im Wohnzimmer fallen und atmete tief durch. Sie musste sich überlegen, was sie jetzt tun wollte, denn so dazusitzen war nicht gut für sie. Also beschloss sie, als erstes die Reisetasche auszuräumen. Dazu drehte sie die geöffnete Tasche einfach über dem Wäschekorb um sodass alle Kleidungsstücke heraus fielen. Sie machte sich nicht die Mühe, in dreckige und noch saubere Wäsche zu trennen. Es würde alles gewaschen werden müssen.
Dann fiel ihr ein, dass irgendwo in der Wohnung noch die Sachen herumliegen mussten, die sie bei Mulder im Krankenhaus getragen hatte. Sie durchstreifte die Räume auf der Suche danach und bald fand sie einen kleinen Wäschehaufen hinter der Badezimmertür, genau dort, wo sie sich ausgezogen hatte.
Sie sammelte die Teile auf. Einen Augenblick war sie mit den Gedanken woanders, da hatte sich ihr Körper selbstständig gemacht: Sie hatte ihre Nase in den Arm voll Schmutzwäsche gesteckt. Nun stieg ihr das Aroma ihres eigenen Schweißes in die Nase, gemischt mit einem feinen Desinfektionsmittelgeruch – und dem typischen Mulder-Duft. Einen herrlichen Moment lang war ihr als stünde er hinter ihr, so nahe dass er sie umarmen könnte. Fast fühlte sie seinen warmen Atem an ihrem Hals…
Sofort ließ sie die Wäschestücke fallen als hätte sie sich die Hände verbrannt. Natürlich! Wie konnte sie das nur vergessen? Sie hatte nächtelang mit diesem Pyjama neben ihm geschlafen, an ihn gekuschelt, im selben Bett. Da war es nicht verwunderlich, dass besonders diese Kleidungsstücke nach ihm rochen.
Sekunden später hatte sie sich wieder gefasst. Entschlossen hob sie alles wieder auf. Sie warf aber nichts davon in den Wäschekorb sondern stopfte alles sofort in die Waschmaschine. Der Mulder-Geruch musste auf der Stelle ausgewaschen werden, zum einen, weil er in ihr eine brodelnde Wut auslöste, die von den mit dem Duft verknüpften Erinnerungen herrührten, zum anderen, weil sie wusste, dass sie sonst niemals von ihm loskommen könne, da sie bald der Versuchung nicht mehr widerstehen würde, ihr Gesicht immer wieder in diesen Stoff zu vergraben, der einmal seine Haut gestreift hatte.
Und dann, so befürchtete sie, würde ihre Schwäche zurückkehren.
Das durfte nicht geschehen.
Nachdem sie das Gerät eingeschaltet hatte und wieder keine Beschäftigung hatte, entschied sie sich, das Gymnastik-Programm für den heutigen Nachmittag zu erledigen, welches ihr ihre Therapeutin aufgegeben hatte. Doch auch diese Übungen dauerten nicht lange. Danach saß sie wieder auf dem Sofa und dachte nach. Sie überlegte, ob sie sich etwas vom Japaner oder aus der Pizzeria kommen lassen sollte aber sie änderte ihren Entschluss: sie würde selbst kochen. Dann hatte sie wenigstens etwas zu tun.
In ihrem Kühlschrank waren genügend Zutaten eingelagert, die ihr wenigstens erlauben, einen Toast zu machen. Nach dem Essen begann sie, die Wohnung zu säubern. Zuerst saugte sie Staub, dann wischte sie den Fliesenboden in der Küche und im Bad feucht. Anschließend machte sie sich daran, den Schreibtisch aufzuräumen. Wie lange hatte sie das schon nicht mehr getan?
Sie fand einige Kopien von Fallberichten, die sie zusammen mit Mulder bearbeitet hatte. Die Papiere wanderten in den Mülleimer. Das Bureau hatte die Akten ohnehin bereits abgelegt.
Danach teilte sie die verbleibenden Blätter in zwei Stapel ein: unbeschriebene Seiten und Dokumente, die sie noch bearbeiten musste. In den meisten Fällen bedeutete das, dass es Briefe waren, die sie noch zu beantworten hatte, Rechnungen, die einbezahlt werden mussten, und ein Gehaltscheck, der noch nicht eingelöst war.
Ganz unten unter einem der Stapel fand sie einen Bilderrahmen, der mit dem Glas nach unten auf dem Tisch lag. Ohne nachzudenken drehte sie ihn um.
Es war ein Bild von Mulder.
Vor langer Zeit hatte sie es heimlich aus dem Papierkorb im Büro gefischt weil er es offenbar nicht mehr haben wollte. Dabei lächelte er doch so schön auf diesem Foto. Sie hatte das Bild eingerahmt und auf ihren Schreibtisch gestellt, damit sie beim Arbeiten an ihren Akten immer daran erinnert würde, warum sie das alles tat.
Wenn Mulder sie besucht hatte, hatte sie das Bild immer unter einen der Stapel auf dem Tisch gelegt. Aus irgendeinem Grund hatte sie nicht gewollt, dass er es sah, und sie musste wohl nach seinem letzten Besuch vergessen haben, dass sie es versteckt hatte. Sekundenlang klebten ihre Augen an seinem schönen Gesicht, dann riss sie sich los und legte den Rahmen wieder umgedreht auf die Tischplatte.
Sie schloss die Augen und seufzte. So wütend sie auch auf ihn war, sie war noch nicht so weit, dass sie dieses Bild fortwerfen könnte. Und solange es umgedreht war, musste sie es ja nicht ansehen.
Donnerstag, 9. Oktober, 19:45 Uhr, Dana Scullys Apartment, Washington DC
Es war Abend geworden und Scully wurde langsam aber sicher müde. Ihre Kraftreserven für den heutigen Tag waren aufgebraucht. Sie musste schlafen. Sie stand von der Couch im Wohnzimmer auf, von wo aus sie ferngesehen hatte, und ging in die Küche. Sie würde noch einige Löffel Eis essen bevor sie sich hinlegte. Das beruhigte die Nerven und senkte den Adrenalinpegel, der durch ihren stetig unter der Oberfläche brodelnden Zorn in die Höhe getrieben worden war. Danach würde sie schlafen können.
Sie wählte ihr Nachtgewand sehr sorgfältig aus: ganz hinten in ihrem Schrank hatte sie noch ein altes Nachthemd, das sie seit Jahren nicht mehr getragen hatte. Es war nicht mit der Sorte Erinnerungen behaftet, die sie jetzt meiden wollte. Perfekt für ihre Nachtruhe.
Als sie unter die Decke schlüpfte und kurz darauf die Augen schloss, erschienen keine Bilder hinter ihren Lidern. Das war gut. Sie würde auch zuhause so schlafen können, wie sie es im Spital wieder erlernen hatte müssen: ohne Sedativa, ohne Schmerzmittel.
Außerdem waren die Träume, vor denen sie sich so fürchtete, nun seltener. Sie kamen nur noch ein- oder zweimal pro Nacht und vergingen schnell. Immer noch erwachte sie daraus weil sie sich selber weinen hörte, aber sie war sich nicht mehr so sicher, ob es Tränen der Trauer oder der Wut waren. Beides war möglich.
Am Freitagmorgen wachte sie erstaunlich ausgeruht auf. Sie war in der Nacht nur einmal kurz aufgewacht – aus den üblichen Gründen – aber hatte den Schock schnell überwunden. Zu sehr hatte sie die emotionale Achterbahn, die sie noch vor einer Woche durchlaufen hatte, erschöpft. Das Gefühl der Verzweiflung erreichte nicht mehr seine ursprüngliche Kraft. Sie stieg aus dem Bett und begab sich ins Badezimmer um sich zu duschen und dann anzuziehen. Sie wollte einen Spaziergang machen. Es war Zeit, dass sie sich wieder unter Leute begab.
Als sie aus dem Haus trat, trugen sie ihre Füße wie von selbst. Sie bemerkte drei Blocks von ihrem Arbeitsplatz, dem Hoover-Building, entfernt, dass sie darauf zusteuerte. Irgendwie musste sie in den morgendlichen Routine-Modus gelangt sein, der sie täglich zur Arbeit brachte, wenn sie nicht mit dem Auto fuhr. Sie hatte geglaubt, dieses Programm aus ihrem Gedächtnis gelöscht zu haben.
Erschrocken blieb sie stehen. Dort wollte sie nicht hin. Zu viele Menschen, die sie ansprechen würden, zu viele Erinnerungen, die über sie herfallen könnten. Ruckartig drehte sie sich um und lief schnurstracks den Weg zurück, den sie gekommen war. Auf halber Strecke verfiel sie in einen gemächlichen Trab, den sie immer beim Joggen anschlug. Das würde die vormittägliche Gymnastikeinheit ersetzten und sie hätte, wenn sie ihre Wohnung erreichte, genügend Zeit, sich in Ruhe vor den Fernseher zu legen um sich ablenken zu lassen. Vielleicht würde es sich dadurch vermeiden lassen, dass ihre Gedanken ständig zum nächsten Tag wanderten. Mulders Begräbnis würde stattfinden und sie war sich nicht mehr sicher, wie sie zu diesem Ereignis stand.
Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass er es nicht wert war, dass sie sich noch einmal einer solchen Belastung auszusetzen. Sie hatte mehr als genug für ihn getan. Da brauchte sie nicht auch noch müßig an seinem Grab stehen wenn sie diese Zeit bereits dazu verwenden könnte, mit ihrem Leben neu zu beginnen – oder wenigstens weiterzumachen. Dazu musste sie die Vergangenheit hinter sich lassen, und er war nun mal ein Teil davon.
So einfach war das.
Es würden auch so genügend Gäste kommen.
"I didn't know if I would ever feel the same. / The way I used to feel before you'd gone. / I didn't know if the ache would ever go away. / I only knew I had to go on. […]Yesterday I was trying so hard not to cry, / but today I feel fine." Keri Noble: "Let it rain"
