Seit drei Jahren lebten Edge und Christian nun schon unter der Führung von Gangrel als Vampire. Anfangs hatten sie noch Spaß ihre neuen Fähigkeiten auszutesten. Doch in letzter Zeit kam es des öfteren zu Streitigkeiten zwischen Edge und Gangrel. Der Grund dafür war Edges Sehnsucht nach etwas mehr Freiheit. Er wollte gerne auch mal Nächte nur mit Christian umherziehen oder auch einfach mal ganz alleine sein. Dafür hatte er sich in den letzten Wochen endlich ein kleines Geheimversteck gesucht, in dass er sich zurückzog, während die beiden anderen noch auf der Jagd waren. Er selber begnügte sich damit, nur soviel Blut zu trinken, um die nächsten 24 Stunden ohne jeden Kräfteverlust zu überstehen. Es gab nur eins, was sich Edge noch mehr wünschte, als ab und zu seine Ruhe zu haben. Er wollte so gerne mal wieder zurück in seine Heimat. Einfach ein paar Tage wieder in Toronto verbringen und heimlich alte Freunde beobachten. Dieser Wunsche war der einzige Grund, warum ihn sein Bruder zum Teil verstehen konnte. Er traute sich nur nicht gegen Gangrel zu stellen, da dieser sein leiblicher Vater war. Christian hatte immer die Befürchtung, dass Gangrel genauso reagieren könnte, wie Edges leiblicher Vater, der ihn immer wieder geschlagen hatte. Jedes mal, wenn sich Edge und Gangrel stritten, kamen diese Erinnerungen wieder hoch und er verzog sich in eine dunkle Ecke, um dem allem aus dem Weg zu gehen.

- Drei Wochen später-

Christian konnte diese ganzen Streitigkeiten nicht mehr ertragen und versuchte Gangrel zu beruhigen. In dieser Nacht merkten sie das erste mal, dass sich Edge heimlich verdrückt hatte. Gangrel war darüber nicht sehr erfreut und wollte Edge suchen, um ihn zur Rede zu stellen. Christian stellte sich ihm in den Weg und schaute ihn verzweifelt an:

„Lass ihn gehen, er wird schon wieder kommen. Wir sollten respektieren, dass er alleine sein will."

„Er weiß aber, dass er alleine noch mehr gefährdet ist, als sonst." Aus einer dunklen Gasse wird ihnen eine Nachricht zu geworfen in der steht:

Ich habe vor drei Tagen mit Edge

Geredet. Er hat ein kleines Versteck,

in das er sich zurückzieht und die

ganze Nacht über bleibt. Macht euch

keine Sorgen um ihn.

-Jaques-

Christian schaute Gangrel an, der nicht wusste, was er zu dieser Nachricht sagen sollte. Als erster fand Christian seine Sprache wieder:

„Lass ihm sein Geheimversteck. Wenn er morgen in unser Versteck zurückkommt, kannst du ja mit ihm reden. Vielleicht kannst du ihm ja auch das Gefühl geben, dass es okay für dich ist, wenn er ein paar Stunden für sich hat, solange er vor Sonnenaufgang wieder bei uns im Versteck auftaucht."

„Woher nimmst du nur immer das Verständnis für deinen Bruder her?" Gangrel schaute Christian wie ein besorgter Vater an.

„Erstens er ist eben halt mein Bruder und zweitens kann ich seinen einen Wunsch verstehen."

„Und welcher wäre das?"

„Einfach mal für ein paar Tage nach Toronto zurückkehren zu können."

„Und dann wohl ein paar Leute schocken und verarschen?"

„Warum nicht? Edge hat nun mal sehr an seinen Freunden gehangen."

„Ich weiß nicht so wirklich, ob das gut wäre."

„Lass uns später darüber reden, mit Edge und dann erkläre ihm einfach, warum du es nicht willst. Ein einfaches „nein" reicht ihm nicht."

- kurz vor Sonnenaufgang in der selben Nacht -

„Edge, ich wusste, dass du zurückkommst. Geht es dir besser?" Christian hockte sich neben seinen Bruder, der sich schon zum schlafen hingelegt hatte. Edge schüttelte nur den Kopf.

„Was ist los mit dir Großer. Ich glaube Gangrel macht sich auch schon Sorgen um dich." Christian drehte sich Hilfe suchend zu Gangrel um, der auch sofort zu den beiden rüber kam.

„Edge, du weißt, dass du mit mir reden kannst. Über alles."

„Dann erkläre mir endlich, warum wir nicht für ein oder zwei Wochen nach Toronto zurückkehren können. Eine Woche nur Grel, nur eine."

„Es tut mir Leid mein Großer. Aber im Moment wäre es für alle Vampire zu gefährlich. Dieses Jahr findet das große Slayertreffen ausgerechnet dort statt. Ich weiß, ich hätte es dir schon früher erklären sollen. Sie wollen dort dieses Jahr wieder neue Slayer in den Vorsitz aufnehmen und ein Slayer muss sich wohl beweisen, weil er in letzter Zeit nur Mist gebaut hat. Er muss mindestens einen Vampir aus dem Hohen Rat erledigen. Deshalb bleiben alle aus dem Rat dem Ort des Treffens fern und wir sollen es auch tun." Edge drehte sich langsam zu den beiden um.

„Ich verstehe, aber was passiert mit dem Slayer, wenn er seine Aufgabe nicht erfüllen kann?"

„Er wird seines Amtes als Anführer seiner Slayergruppe enthoben und wahrscheinlich sogar verdammt weit runtergestuft. Dabei wird sein Nachfolger nicht so sonderlich geschätzt, weil er seinem Namen alle Ehre macht."

„Wieso, wie heißt er denn?", wollte Christian wissen.

„Seinen richtigen Namen kennt so gut wie keiner. Alle kennen ihn nur unter dem Namen Angel. Und er soll wohl wirklich wie ein Engel rüberkommen."

„Aber nicht der Angel, der gerade mal ein halbes Jahr jünger ist als Chrissy?"

„Ich müsste lügen, wenn ich es euch 100ig bestätigen würde."

„Beim besten Willen Edge, der Angel und Nummer 1 einer Slayergruppe. Der Typ hatte ja noch weniger Lust Vampire zu jagen, als ich."

„Das schon kleiner Bruder, aber er konnte immer sehr gut seine ihm zugewiesenen Leute zusammenhalten. Das müsstest du doch wohl besonders gut wissen."

„Wieso? Hat Chrissy nicht mit dir im Team gearbeitet?"

„Nur selten. Meistens habe ich ihn mit Angel und seinen Jungs arbeiten lassen. Alles Leute, die zu Slayern erzogen wurden, dies aber gar nicht wollten."

„Für wir gefährlich haltet ihr ihn?"

„Wenn er will, kann er verdammt gefährlich werden. Auf der anderen Seite hat er aber auch mit einigen eigenen Problemen zu kämpfen. Er hat damals schon versucht, etwas über seinen Vater zu erfahren. Aber wer bitte ist in Toronto zur Zeit die Nummer 1 ?", wollte Edge wissen.

„Ein Typ namens Kenny."

„Kenny ist mein Nachfolger geworden? Wieso er?"

„Man dachte er wäre besser als alle anderen."

„Okay was die Jagdergebnisse betrifft schon, aber ansonsten." Edge war verwirrt.

„Da würde ich aber lieber Kenny weiterhin als Nummer 1 sehen wollen, als Angel."

„Stellt sich nur die Frage, wie du das anstellen willst. Oder hat mein kleiner Bruder schon eine Idee?"

„Weiß nicht so recht. Die Frage ist ja, ob Gangrel mitspielt."

„Erkläre mir und deinem Bruder doch erst mal, was du vor hast."

„Wenn ich es in den letzten Tagen richtig mitbekommen habe, gibt es doch bei euch im Rat einen Vampir namens Marcus, den so einige los werden wollen."

„Stimmt schon. Aber was genau stellst du dir vor?"

„Was wäre, wenn wir Marcus nach Toronto locken und ihn an Kenny ausliefern würden. Kenny würde die Nummer 1 bleiben und ihr wärt euer kleines Problem los."

„Hm klingt gar nicht übel. Ich werde mal heute Nacht den Rat aufsuchen und mit ihnen darüber reden. Ihr könnt euch in der Zwischenzeit Gedanken machen, wie wir ihn dahin locken können, ohne das er Verdacht schöpft."

„Ich glaube, das ist das Problem an meinem Plan. Ich habe nicht mal annähernd eine Idee, was wir ihm auftischen könnten. Aber ich glaube, darüber will ich jetzt gar nicht nachdenken." Christian fielen schon die Augen zu.

!ich glaube auch, wir sollten erst mal eine Runde schlafen. Obwohl ich gespannt bin, was der Rat dazu sagen wird. Schlaft gut Jungs." Doch nur Christian antwortete ihm. Edge war schon während des Gesprächs der beiden fest eingeschlafen.

Kurz nach Sonnenuntergang waren es Christian und Gangrel, die als erstes wach wurden. Als sie zu Edge rüberschauten, stellten sie fest, dass er noch tief und fest schlief.

„Ich glaube, wir sollten ihn noch etwas schlafen lassen. Wenn er wach ist, geht ihr beiden auf Jagd nach Nahrung. Ich glaube, das hat unser Großer in letzter Zeit etwas vernachlässigt."

„Machen wir. Ich nehme an, du wirst jetzt den Hohen Rat aufsuchen?" Gangrel nickte kurz und verschwand.

Etwa 1 ½ Stunden später wachte Edge auf und schaute seinen Bruder verschlafen an.

„Wo ist Gangrel?"

„Er ist schon beim Hohen Rat."

„Wieso habt ihr mich nicht geweckt?"

„Weil du den Schlaf gebraucht hast und du außerdem im Schlaf so süß und unschuldig aussiehst. Aber jetzt sollten wir beide erst einmal ordentlich auf Jagd gehen, damit du wieder zu Kräften kommst und wir darüber nachdenken können, wie wir Marcus nach Toronto lotsen können."

„Ich muss nachher mal noch eine Runde mit dir alleine über meinen Traum reden. Ich traue mich nicht mit Gangrel darüber zu reden."

„Wieso? Hast du den Traum schon länger?"

„Seit ungefähr zwei Wochen. Aber jetzt habe ich Hunger." Als sie endlich satt waren, gingen sie zum Strand und setzten sich ans Wasser.

„Los jetzt erzähl von deinen Träumen. Du weißt, wir Vampire träumen nicht unbedingt. Manchmal sind die Träume Dinge, die wirklich passieren. Vor allem, wenn die Träume immer wiederkommen."

„Deshalb wollte ich ja mit dir darüber reden. Also in meinen Träumen taucht immer eine Person auf, die nach jemanden sucht. Ich habe immer das Gefühl, dass die Person nach mir sucht. Nur kann ich mir nicht erklären, warum. Es kommt jedoch kein bösartiges Gefühl auf. Eher so, als wenn es etwas positives wäre."

„kannst du die Person beschreiben?"

„Vom Aussehen nicht. Aber von seiner Art und Weise scheint er so eine Mischung aus uns beiden zu sein."

„Hm das erinnert mich an einen Traum, von dem Gangrel mir erzählt hat. Nur war die Person nicht auf der Such nach jemandem, sonder hat sich mit Gangrel in den Haaren gehabt. Eine dritte Person stand im Hintergrund und war zwischen Gangrel und unserem unbekannten hin- und hergerissen."

„Würde mich nicht wundern, wenn es sich in den Träumen um die gleich Person handelt. Hilfst du mir, mit Gangrel darüber zu reden?"

„Fällt es dir so schwer, ihm zu vertrauen?"

„Irgendwie schon. Vor allem weil ich das Gefühl habe, dass uns wesentlich mehr Freiheit zu steht."

„Was hältst du davon, wenn du dich etwas in dein eigenes Versteck verziehst und ich rufe dich dann, wenn Gangrel hier ist."

„Dann kann ich gleich hier bleiben. Er ist schon auf dem Weg hier her."

„Woher weißt du das?"

„Ich spüre es immer, wenn er gleich hier ist."

„Wieso kann ich ihn nicht spüren?"

„Das musst du dir von Gangrel erklären lassen. Ich habe davon keine Ahnung."

- Forstsetzung folgt -