Pinneberg, 02.09.2007
Hallo Lisa,
es ist mir nicht einmal bei der ersten Antwort so schwer gefallen wie jetzt, meinen Brief an dich zu beginnen. Lisa, es tut mir so leid! Am liebsten hätte ich sofort den nächsten Flug genommen und dich besucht, als ich vom Tod deines Vaters gelesen habe. Ich hätte dir auch viel eher geschrieben, aber wir haben wirklich Stress mit der Band gehabt.
Vielleicht tröstet es dich ein Bisschen, dass ich deinen Rat befolge. Ich bin für zwei Wochen zu meinen Eltern nach Pinneberg gefahren. Okay, ich werde froh sein, wenn ich endlich wieder in London bin, aber ich spüre doch, dass ich das Kartenspielen mit meinem Vater und das Kochen mit meiner Mutter viel bewusster erlebe und genieße als vorher. Mein Vater und ich reden viel, ich glaube, das habe ich dir zu verdanken! Bestimmt ist es nur ein schwacher Trost, aber vielleicht wenigstens etwas?
Lisa, nimm David seine Reaktion nicht übel! Du kennst ihn doch! Er war noch nie der große Meister darin, Gefühle zu zeigen, wenn er nicht in dramatischer Pose dabei auftreten konnte und das wäre jetzt ja wohl am allerwenigsten angebracht. David ist einfach nur unsicher und hilflos. Er weiß nicht, wie er sich dir gegenüber in dieser Situation verhalten soll. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte eine Lebenspartnerin, die so unendlich traurig ist - wahrscheinlich hätte ich auch nicht die rechten Worte. Was sagt man in einer solchen Situation? Was tut man? Wie bleibt man stark? Man muss doch stark bleiben, wenn der andere gerade schwach ist! Ich denke so oder so ähnlich werden Davids Gedanken sein. Er wird dich nicht verletzen wollen. Er will dir einfach nur zeigen, dass es weiter geht und dass du stark bist. Stärker, als du selber denkst.
Ach Lisa, ich würde so gerne noch irgendetwas Tröstendes sagen, aber wie tröstet man, wenn es eigentlich keinen Trost gibt? Lass deine Trauer zu! Versuch nicht, sie zu verdrängen! Aber denke immer daran, dein Vater würde niemals wollen, dass du nicht mehr nach vorne schaust wegen ihm.
Voller Mitgefühl grüßt
Rokko
PS:
Ich habe deiner Mutter eine Beileidskarte geschickt. Ich hoffe doch, sie nimmt es mir nicht übel! Leider habe ich diese Reaktion von ihr erst in Betracht gezogen, als die Karte schon im Briefkasten verschwunden war.
