Es dauerte gar nicht lange, bis Kim ein kleines Pflänchen entdeckte. „Und was genau soll das sein?", fragte sie Stirnrunzelnd. Ich kramte mein Handy aus der Tasche. „Nicht verzagen, Google fragen!", grinste ich. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dieser Pflanze um ein Buschwindröschen handelte. „Sie ist wirklich hübsch", flüsterte Viola. Gut, fehlen ja nur noch zwei. „Guckt mal, da hinten blüht noch etwas!", kreischte Kim. Sie rannte drauf los. Im Halbschatten einer kleinen Lichtung, blühte ein riesiger, gelber Busch. „Oh die kenne ich!", sagte Nathaniel. „Das sind Elfenblumen. Die wachsen en Masse bei uns hinter dem Haus". Viola nahm den Aufgabenzettel und trug die Pflanze ein. Nathaniel beugte sich zu dem Strauch und pflügte eine Blume ab. „Für dich!", sagte er leise. Ich gab ihm einen schnellen Kuss auf die Wange. „Danke!". Er wurde rot. Kim und Viola tauschten wieder vielsagende Blicke. „Ach hier seit ihr!", sagte eine bis zu den Ohren grinsende Melody. Irgendetwas störte mich an diesem Grinsen. „Nathaniel, darf ich kurz mit dir sprechen?". Er guckte uns achselzuckend an und entfernte sich mit Melody ein paar Schritte. „Kommt, wir suchen die nächste. Eine letzte fehlt noch", sagte Kim. Wir liefen die Lichtung noch ein Stückchen ab. „Mensch, hier findest du ja richtig viel!", sagte Kim begeistert, die schon wieder die nächste Pflanze entdeckt hatte. „Du bist echt gut!", sagte ich. „Tjaha", grinste sie. „Jetzt werden wir Amber bestimmt schlagen!". Ihr Enthusiasmus steckte Viola und mich mit an. Wir grinsten beide mit. Ich drückte den beiden mein Handy in die Hand, damit sie die Blume nachgucken konnten. In der Zwischenzeit legte ich die Blüte von Nathaniel in mein Buch. Ich wollte sie pressen, damit sie länger hielt. „Waldmeister", sagte Kim begeistert. Wir waren fertig mit den Blütenpflanzen. Wo blieb bloß Nathaniel? Er stand noch immer abseits von uns und war in eine hitzige Diskussion mit Melody verwickelt. Sie diskutierten?! Ein Zucken durchfuhr meine Magengrube. Irgendetwas stimmte da nicht! Melody hüpfte regelrecht davon, während Nathaniel mit einer Grabesmiene auf uns zukam. Diesmal war ich es, die mit Kim vielsagende Blicke tauschte. „Alles in Ordnung", fragte ich ihn. „Das kann dir doch egal sein", antwortete er schnippisch zurück. Das war wie ein Faustschlag ins Gesicht. Meine Vermutung hatte sich also bestätigt! Das Grinsen von Melody war ein schlechtes Zeichen gewesen.
