Titel: - Hating Love - - Sounds of Revenge, Part One by: Nyx und Wandelstern, Kap. 10: Mai / Juni / Juli 2003 Inhaltsangabe: Düstere Zeiten, Finsternis ist überall. Der Dunkle Lord Voldemort herrscht grausam über die Welt der Magie. Doch die Hoffnung auf bessere Zeiten lässt eine Gruppe von Zauberern und Hexen nicht aufgeben. Hauptcharaktere: Draco Malfoy, Harry Potter, Ron Weasley, Hermione Granger, Ginny Weasley, Sirius Black, Severus Snape, Remus Lupin, u.a. Anmerkung: "Sounds of Revenge" ist der erste Teil von - Hating Love - und beginnt im Spätsommer 1997. Draco, Harry, Ron, Hermione (...) sind 17 Jahre alt, Ginny, Colin 16. - Hating Love - - Sounds of Revenge ist der erste Teil. Der zweite Teil und der dritte Teil werden an Teil eins anknüpfen und die Fortsetzungen darstellen. Altersfreigabe: ~ ab 13. Feedback: Immer gern gesehen und danke an die, die bisher reviewt haben... onenyx@yahoo.de | wandelsterne@yahoo.de ~~~ www.dark-nyx.de.vu | www.wandelstern.de.vu Disclaimer: Alle wiederkannten Personen gehören Joanne K. Rowling. Wir haben keine Rechte an diese Figuren und verdienen mit der Fanfic kein Geld. Beta: Tanni ^^ knuddelz

- Soals of darkness -

( Wenn Seelen dunkel werden )

~ 10th Chapter ~

Er versank vollkommen im weißen Licht, dass sich vor ihm auftat. Es war alles so still und so ruhig. Er genoss die friedliche Atmosphäre. Ein Mädchen trat ihm entgegen, er kannte es, wusste wer sie war, aber jetzt schien es ihm unmöglich dies zu sagen.

Sie glich einem Engel mit ihrer Anmut und Zierlichkeit und er verlor sich in ihrer grenzenlosen Schönheit.

Dicht vor ihm blieb sie stehen und sah ihn unter ihren dichten Wimpern an.

Sie lächelte ihn an, ihr Lächeln war so süß. Freundlich, strahlend.

Zu strahlend.

Er schaute sie verdutzt an.

Das Lächeln verzerrte sich und ihr Gesicht wurde zu einer Grimasse aus Schmerz und Trauer.

Nebel schlich am Boden entlang und kletterte an ihr empor.

"Nein", rief er und streckte die Hand aus, um nach ihr zu greifen, aber der Nebel hatte sie schon verschluckt.

Schwärze tat sich plötzlich auf.

Er war verwirrt, wollte fliehen, aber seine Beine weigerten sich zu rennen.

Gehetzt sah er sich um, aber er erkannte nichts.

Vollkommene Dunkelheit fiel über ihn her und ließ ihn in einen Strudel der Finsternis versinken.

Die Stille, die Ruhe waren unheimlich geworden.

Und doch genoss er es.

Die Schwärze, die Dunkelheit, die Finsternis... ja, hier fühlte er sich wohl, hier beraubte ihm niemand seine Illusionen, hier war die Wirklichkeit, und Träume, die einen verblendeten, waren fehl am Platz.

Er vergaß das Mädchen, er vergaß die friedliche Atmosphäre...

Angestrengt starrte er in die Dunkelheit. Nur langsam konnte er die Umrisse der Umgebung erkennen. Bäume taten sich vor ihm auf. Dunkle, hohe Bäume, deren Blätter höhnisch in der kalten Stille raschelten und in seinen Ohren dröhnten.

Eine Gestalt trat zwischen den Bäumen aus der Finsternis hervor. Ihr folgten noch mehrere Gestalten. Sie trugen lange weiße Roben und ihre Gesichter waren in den weiten ebenso weißen Kapuzen verborgen. Wie erstarrt blickte er ihnen entgegen, gehetzt nahm er ihre Bewegungen wahr. Er wollte nach seinem Zauberstab greifen, aber er griff in die Leere. Er wollte zurückweichen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Die Gestalten blieben etwa fünf Meter vor ihm stehen und hatten einen Halbkreis gebildet. Stumm sahen sie ihn unter ihren Kapuzen hervor an. Er konnte ein sternenhelles Glühen unter diesen Kapuzen erkennen und nahm an, dass es ihre Augen waren, die so hell funkelten. Sein Herz zog sich unter ihren Blicken zusammen und er musste sich ermahnen, zu atmen. In seinem Kopf drehten sich die Gedanken, dass er glaubte, davon schwindelig zu werden. "Was hast du getan?", hörte er ein kaltes Wispern, dass so anklagend war, dass er wieder zurückweichen wollte. Es gelang ihm nicht. "Was hast du nur getan?" "Ich habe nichts getan!", rief er. "Was wollt ihr bloß von mir?" Ein Blitz schoss warnungslos vom Horizont und erhellte die Umgebung in grelles, bizarres Licht. Schützend hielt er sich die Hände vor die Augen und als er sie wieder fortnahm, waren die Gestalten verschwunden. Verdutzt sah er sich um. "Du wirst ihnen noch einmal begegnen", erscholl ein leises, fieses Krächzen. Sie hallte ein wenig und klang gefährlich. Gehetzt sah er in die Richtung, aus der die unheimliche Stimme kam. "Wer bist du?", fragte er und versuchte, sicher zu klingen. Ein Kichern war die Antwort. Ein irres, krächziges Kichern. "Seit wann stellt ein Slytherin offene Fragen? List und Tücke sollten deine Mittel sein..." Wieder zuckte ein Blitz vom Himmel und nur kurz konnte er eine große, schwarze Gestalt am Waldrand erkennen, die ihn bedrohlich musterte. Dann war es wieder dunkel. "Menschen haben keine Seelen", fuhr die Stimme fort und kicherte dabei. "Menschen haben keine Seelen..." "Sei still'", murmelte er gequält, "hör' auf!" Die Stimme lachte laut, irre und höhnisch. Es blitzte und er konnte wieder kurz die bedrohliche Gestalt erkennen, die den Kopf in den Nacken gelegt hatte, um zu lachen. Es dröhnte in seinen Ohren und er spürte, wie etwas seinen Geist, seine Seele erfasste und daran zog. "Menschen haaaben keine Seeeeeleeeeeeeen.... hrhrhrhr!"

"Nein! Hör' auf!" Schweißgebadet fuhr Draco hoch. Er zitterte.

'Menschen haben keine Seelen! Menschen haaaaben keine Seeeeeleeeeeen!!!', dröhnte furchtbar in seinen Ohren. Sein Herz klopfte und er sah sich gehetzt um, zeitgleich seinen Zauberstab unter seinem Kopfkissen hervorholend.

Blaise drehte sich schlaftrunken zu ihm hin. Sie schlief nicht jeden Abend bei ihm, so dass er zusammenfuhr, als er ihre Hand auf seinem Arm spürte.

Hastig fuhr er herum und setzte seinen Zauberstab an ihrer Schläfe. "Wer - ", fing er gepresst an, und hielt plötzlich inne.

Blaise, die Augen mittlerweile weit aufgerissen, starrte ihn an. "Draco", stieß sie keuchend hervor. "Was soll das?"

Er hörte immer noch das Kichern, aber er merkte, wie es abklang und immer leiser wurde.

Erst jetzt realisierte Draco seine vertraute Umgebung, und dass die Gestalt, die er gerade bedrohte, seine Freundin war. "Blaise!", rief er perplex aus und riss seinen Zauberstab zurück.

Blaise richtete sich auf und sah ihn an. "Was ist los?"

Draco starrte zurück, noch halb in seinem dunklen Traum gefangen. "Nichts. Schlaf' weiter."

"Du hattest einen Albtraum?"

Draco legte sich zurück. "Es ist vorbei." Er griff nach Blaises Hand und drückte sie kurz. "Gute Nacht."

Das gemeine Kichern wurde noch einmal kurz lauter, als er die Augen schloss und versuchte, wieder einzuschlafen, versuchend, die Erinnerungen des Traumes zu verbannen.

'Menschen haben keine Seelen', nahm er in Begleitung des Kicherns ein heiseres gefährliches Flüstern aus weiter Ferne wahr. 'Ihr habt nichts zu verlieren. Licht wird euch niemals fehlen. Dunkelheit könnt ihr nicht ignorieren.'

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Hermione lächelte, als Cho sich zur ihr an den Tisch im Gemeinschaftsraum setzte. Es war noch sehr früh am Morgen.

"Hallo Cho."

"Hallo!" Cho warf ihr einen freundlichen Blick zu. Zu freundlich. "Und, wie geht's?"

"Gut..." Hermione sah wieder von ihrem Buch auf. Normalerweise redeten sie beide kaum.

"Ungewohnt, dich ohne Harry zu sehen. Und ohne Ron."

Hermione warf Cho einen längeren Blick zu. Cho hatte einen Verhörton angenommen. Anspannung lag in ihrer Stimme. Warum? "Na, wir hocken doch nicht den ganzen Tag aufeinander", grinste sie.

"Du siehst so verliebt aus", warf ihr Cho plötzlich an den Kopf.

Hermione blinzelte verwirrt, dann musste sie lächeln. 'Verliebt...' "Ja... das kann gut sein."

"Also bist du verliebt..."

Hermione runzelte die Stirn, als sie wahrnahm, dass Cho sich gepresst anhörte. 'Was war denn nur los mit ihr? "Ja, ich glaube schon", lächelte sie etwas unbeholfen. Sie fragte sich in Gedanken, was Cho das anging, biss sich aber auf die Zunge, um es nicht laut auszusprechen. Sie wollte Cho nicht unnötig provozieren.

Cho zog ihre Augenbrauen zusammen.

"Ehm, Cho, warum fragst du?"

"Du liebst Harry, nicht wahr", zischte sie plötzlich. Die feinen, dunklen Augenbrauen waren finster zusammengezogen. In ihren mandelförmigen dunklen Augen blitzte es auf.

Hermione riss die Augen auf. "Was?"

"Du liebst Harry?" Cho machte sich nicht mehr die Mühe, nicht erbost zu klingen. Wütend funkelte sie Hermione an und packte plötzlich ihren rechten Arm. "Harry liebt aber nicht dich! Vergiss ihn, er ist außer deiner Reichweite!"

"Cho...", fing Hermione wieder an, aber Cho war schon aufgesprungen, sie endlich wieder loslassend. "Du wirst niemals eine Chance bei ihm haben. Und komme nicht auf die Idee, mir ihn auszuspannen, es wäre pure Zeitverschwendung, Granger!"

Ehe Hermione etwas sagen konnte, war Cho davon gestürmt.

Verwirrt sah sie ihr hinterher. "Was sollte das denn jetzt?", murmelte Hermione kopfschüttelnd und starrte auf die geschlossene Tür, die Cho laut hinter sich zugeschlagen hatte. 'Sie muss Harry lieben...'

"War das Cho, die die Tür gerade so laut zugeschlagen hatte, dass es mich wundert, dass keiner davon wach geworden ist?", drang eine helle Stimme an ihr Ohr.

"Wie?" Hermione sah auf und blickte in Ginnys müdes, aber grinsendes Gesicht. "Oh, guten Morgen, Ginny!", strahlte sie.

Ginny beugte sich zu ihr herab und küsste sie zur Begrüßung auf die Wange. "Guten Morgen..." Sie setzte sich dorthin, wo Cho soeben noch gesessen hatte und blickte ihre Freundin fragend an. "Was war denn mit Cho?"

Hermione seufzte. "Sie hat mir unterstellt, Harry zu lieben."

Ginny starrte sie an. "Cho liebt Harry?", fragte sie halb neugierig, halb belustigt.

Hermione wiegte den Kopf hin und her. "Scheint so... sie hat mich angeschrieen und mir eine Eifersuchtsszene gemacht." Sie wusste, dass Ginny es nicht rum erzählen würde. Ginny gehörte nicht zu den Klatsch-und-Tratsch- Mädchen.

"Und?" Ginny sah Hermione gespannt an.

Sie blinzelte verwirrt. "Wie und?" Dann verstand sie. "Oh", lachte sie. "Nein, ich will nichts von Harry."

"Aber warum denkt sie es dann? Sie muss doch einen Grund dafür haben..."

Hermione hob die Schultern. "Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich mit Harry so gut befreundet bin... vielleicht wirkt es für Außenstehende so?" Sie musterte Ginny. Ob sie selbst noch etwas für Harry empfand? "Willst du eigentlich noch was von ihm?"

Ginnys hellbraune Augen weiteten sich. Sie lachte. Ihr Lachen klang etwas arrogant, wie Hermione überrascht feststellte. "Natürlich nicht."

Als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. Als hätte sie nie für Harry geschwärmt. Hermione hob automatisch abwehrend die Hände. "Ich hab' ja nur gefragt. Schließlich..."

Ginny winkte ab. "Kinderkram. Ich bin erwachsen geworden, Hermione." In ihren großen Augen glitzerte es belustigt.

Hermione starrte Ginny an. Sie wirkte auf einmal so selbstsicher. "Ist eigentlich noch etwas passiert, während deiner Gefangenschaft?", fragte sie plötzlich. Sie wusste selbst nicht, wieso sie auf einmal auf dieses Thema kam...

Ginny sah sie kurz verwirrt an. "Wie meinst du das? Ich hab' dir doch alles erzählt."

"Ja", murmelte Hermione. "Ja, das hast du."

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Die Tatsache, dass Ginny ihrer Freundin - und auch allen anderen - nicht alles erzählt hatte, wollte sie ihr natürlich nicht auf die Nase binden.

Ginny wusste selber nicht, warum sie Viperus verschwiegen hatte. Natürlich, sie hatte von einem Jungen erzählt, der hin und wieder "zur Kontrolle" zu ihr nach unten kam, jemand, der Voldemorts Vertrauen zu genießen schien, aber sie hatte mit keinem Wort ihre Gespräche erwähnt. Mit keiner Silbe hatte sie seinen Namen ausgesprochen, von ihren verwirrenden Gefühle ganz zu schweigen. Und das Schlimmste war, fand Ginny, dass sie noch nicht einmal ein solch' schlechtes Gewissen hatte. Es war zwar da und als sie Hermione ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht log, meldete es sich, aber nur schwach. Ihr Herz zog sich kurz zusammen, wissend, dass sie ihre Freundin anlog, aber das war es auch schon. Schließlich ging es den anderen nichts an, mit wem sie über was gesprochen hatte.

'Er ist dein Feind', hörte sie die schwache Stimme ihres Gewissens. 'Du musst deinen Freunden von ihm berichten. Nicht er ist es, der dein Vertrauen genießen sollte, sondern deine Freunde. Durch das Zurückhalten von Informationen begehst du Verrat.'

Verrat. Ginny starrte in die Leere. Mit einem Mal schrie ihr Gewissen auf und übertönte alles andere, was durch ihren Kopf und durch ihr Herz ging. Durch Körper und Seele.

Verrat.

'Mein Gott', dachte sie. 'Was tue ich hier bloß? Warum erzähle ich ihnen nichts von Viperus?'

'Weil es einen Verräter gibt', meldete sich eine andere Stimme in ihrem Kopf. 'Und diese Tatsache besagt, dass du niemandem mehr vertrauen kannst. Es ist also besser, wenn du es ihnen auch weiterhin verschweigst.'

'Ausreden!', heulte ihr Gewissen auf. 'Der Verräter würde von Viperus wissen, demnach kannst du es deinen Freunden erzählen! Du musst es sogar!'

'Aber wenn du ihnen alles erzählst, könntest du ihn in Schwierigkeiten bringen...'

'Er ist ein Feind! So etwas hat dich nicht zu interessieren!'

"Oh, Gott, seid still!", flehte Ginny flüsternd den zwei Stimmen in ihrem Kopf zu. "Hört auf!"

"Was?", drang Hermiones Stimme an ihr Ohr.

"Was?" Ginny starrte ihre Freundin erschrocken an. Sie hatte vollkommen vergessen, dass sie immer noch bei Hermione im Gemeinschaftsraum saß.

"Wer soll still sein?" Hermione sah sie stirnrunzelnd an. "Mit wem redest du da bloß?"

"Mit niemandem", sagte Ginny schnell. "Ich habe nur laut gedacht."

"Aha." Hermione schüttelte leicht den Kopf. "Du solltest vielleicht mal ausschlafen, statt so früh aufzustehen?"

Ginny seufzte. "Ja. Ich konnte nur nicht länger schlafen."

Hermione lächelte und nahm Ginnys linke Hand zwischen ihre. "Ach, Süße, leg' dich wieder hin, wir brauchen alle unseren Schlaf."

"Warum bist du denn dann schon wach?" Ginny grinste kurz.

"Ich bin ja auch gestern früh ins Bett gegangen und habe nicht die Nacht mit Colin durchgelabert", zwinkerte Hermione.

"Habe ich nicht", rechtfertigte sich Ginny sofort, aber Hermione grinste nur. "Da du geschlafen hast, kannst du das überhaupt nicht wissen", feixte Ginny, stand auf, wuschelte Hermione durch das Haar und drehte sich gähnend um. "Ich werde mich wirklich noch etwas hinlegen."

"Mach' das, bis nachher."

Ginny ging in Richtung ihres Schlafraumes, als eine Tür, an der sie soeben vorbeiging, geöffnet wurde und ein verschlafener Draco im Türrahmen stand.

Sie sah in müde graue Augen. "Morgen, Malfoy", sagte Ginny knapp.

"Gottverdammt, bin ich müde", entgegnete Draco missmutig. Er überflog mit schnellen Blicken den Gemeinschaftsraum, aber fand offenbar nicht das, was er suchte.

Ginny hob eine Augenbraue. "Warum bist du dann aufgestanden?"

Ein wie-witzig-Blick traf sie. "Man konnte hier wahrhaftig besser schlafen, als du dich noch in den Klauen Voldemorts befandest."

Ginny schürzte die Lippen. "Du kannst mir ja sicheres Geleit bieten und mich dort abliefern. Für deinen Schlaf, versteht sich."

Sie sah für einen Bruchteil einer Sekunde Überraschung in Dracos Augen aufblitzen. "Seit wann bist du so schlagfertig, Weasley? Das sind ja ganz neue Töne. Da hast du wohl einen guten Lehrmeister gehabt, was", spottete er, ehe er wieder zurücktrat und die Tür schloss.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Am Nachmittag.

Draco war gerade auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum, als die Septembersonne sich zwischen den Wolken hervorschob und durch die Burgfenster schien. Sie tauchte den blonden Jungen in goldenes Licht.

'Bist du das?', hörte Draco plötzlich wieder die samtweiche, traurig klingende Mädchenstimme. Er blieb abrupt stehen und schaute unwillkürlich aus dem Fenster. Er verengte blinzelnd die Augen, als ihn die Sonnenstrahlen blendeten.

"Wer bist du?", fragte er und fing an, sich umzusehen, obgleich er wusste, dass die Stimme sich nur in seinem Kopf geschlichen hatte, fähig, sich immer und immer wieder zu melden.

'Warum bist du hierher gekommen?', fuhr die schöne, liebliche, aber von Trauer erfüllte Stimme fort.

"Was?" Draco zog finster die Augenbrauen zusammen. Es verwirrte ihn. Und er mochte es nicht, wenn ihn etwas verwirrte. Verwirrung bedeutete, dass man etwas nicht mehr unter Kontrolle hatte und das passte ihm ganz und gar nicht.

Natürlich hörte er jetzt nichts mehr. Fein, dachte Draco grimmig, wenn du glaubst, mit mir spielen zu können, tue es. Ich verliere nie.

Plötzlich sah er aus den Augenwinkeln eine düstere Gestalt, direkt schräg hinter ihm.

Er fuhr herum, eiskalt lief es ihm über den Rücken - die Gestalt aus seinem Traum - aber da war nichts mehr.

Ein Kichern. Leise, nur kurz. Voller Hohn.

Hastig griff Draco nach seinem Zauberstab. Was ging denn jetzt ab?

Eine Stimme, sie klang gemein und krächzend. Bedrohlich und gefährlich.

'Menschen haben keine Seelen.' Sie drang deutlich an Dracos Ohr, aber er wusste nicht, woher sie kam. Bildete er sich das alles nur ein, oder hörte er sie tatsächlich?

Wieder sah er aus den Augenwinkeln die dunkle Gestalt. Rote Augen, die sich auf ihn gerichtet hatten, ihn durchbohrten und sich an seiner Seele festsaugten.

Er fuhr erneut herum - da war aber nichts!

Es war plötzlich dunkeler geworden, die Sonne hatte sich wieder hinter dunkle Wolken gekrochen.

Es fing an zu regnen.

Draco rührte sich nicht. Angespannt, den Zauberstab in der Hand, lauschte er in die Stille hinein.

Wieder das Kichern. Kurz und leise. Finster.

'Ihr habt nichts zu verlieren', fuhr die gehässige Stimme fort.

Draco zwang sich ruhig zu atmen.

Er hörte plötzlich etwas laut tropfen. Als o es hineinregnen würde. Langsam sah Draco zum Burgfenster. Dort tropfte rote Flüssigkeit von draußen an der Steinfensterbank entlang, hinunter auf den Boden.

Klatsch machte es immer, wenn ein Tropfen auf den kalten Boden aufschlug.

Blut.

Draco hob seinen Zauberstab.

Das muss Blut sein.

Er riss die Augen auf. Woher kam es? Was hatte es zu bedeuten? 'Das Blut derer', fiel ihm die irrige Stimme aus einem seiner dunklen Träume ein, als er in Blut ertrunken war.

Ihm lief wieder ein kalter Schauern über den Rücken, als er plötzlich neben sich die schwarze, unbekannte Gestalt bemerkte.

Langsam, wie in Zeitlupe, drehte er sich vollendend zu ihr um. Schweiß brach in ihm aus. Wurde er langsam verrückt?

"Hallo Draco", sagte sie in einem bedrohlichem, lauerndem Ton. Er spürte den Blick der Gestalt auf seiner Seele ruhen.

'Licht wird euch niemals fehlen', flüsterte sie leise, dann war sie wieder verschwunden.

Das Kichern.

Plötzlich wurde der Korridor in blitzhelles, bizarres Licht getaucht, für einen kurzen Augenblick.

'Dunkelheit könnt ihr nicht ignorieren', hörte er noch einmal die finstere Stimme, begleitet vom höhnischen Kichern. Diesmal stand die Gestalt auf seiner anderen Seite, ehe sie wieder verschwand.

Draco sah wie gehetzt zu allen Seiten.

Das Kichern wurde lauter. Es dröhnte in seinen Ohren.

Das Blut von der Fensterbank tropfte noch immer zu Boden herab.

Noch einmal sah er die Gestalt, sehr kurz.

Dann rannte Draco los. Weg, er wollte einfach nur weg.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Ginny ging durch die Burg, als jemand um die Ecke fegte und mit ihr zusammenprallte.

Sie keuchte auf, als sie beide hart zu Boden flogen.

"Kannst du nicht aufpassen", fuhr sie die Person wütend an und erstarb, als plötzlich ein Zauberstab auf ihre Stirn gerichtet wurde.

Erst jetzt erkannte sie Draco. Gehetzt blickte er sie aus seinen eisgrauen Augen an, doch in dem Moment, in dem er sie erkannte, gewann augenblicklich die Ausdruckslosigkeit seine Augen, gepaart mit Hohn und Arroganz.

"Weasley, verdammt, musst du mir im Weg stehen?", fragte er finster, ließ seinen Zauberstab sinken und rappelte sich auf.

Ginny stand ebenfalls auf. Empört starrte sie ihn an. "Bitte? Falls du es schon vergessen hast, du warst derjenige, der wie ein Irrer um die Ecke gerannt ist."

Dracos Augen verengten sich zu Schlitzen.

"Vor wen bist du denn davongelaufen?" Ginny musterte ihn und Erstaunen wuchs in ihr, als sie kleine Schweißperlen auf seiner Stirn bemerkte, sein schnelles Auf- und Abheben seiner flachen Brust... "Was ist los?" Alarmiert sah sie ihn an.

Draco winkte ab. Dann ging er an ihr vorbei, unterließ es natürlich nicht, sie aus dem Weg zu rempeln und verschwand.

Ginny blieb stehen, wo sie war und starrte in die Richtung, aus der Draco geflüchtet war. Sie lauschte unwillkürlich in die Stille hinein und fragte sich, wovor er davongerannt war.

Ein Kichern.

Ginny erstarrte.

Ein leises, gemeines Kichern drang an ihre Ohren. Es war nah, aber doch irgendwie fern, es klang vertraut, und doch so fremd.

Sie machte einen Schritt in die Richtung, aus der das Kichern kam. In die Richtung, aus der Draco geflohen war.

Sie lugte vorsichtig um die Ecke.

Es war recht dunkel, aber sie konnte dort niemanden sehen.

Und plötzlich riss sie entsetzt die Augen auf. Sie nahm eine Gestalt wahr, im Schatten, eine düstere, dunkle Gestalt. Sie starrte direkt zu ihr, blickte direkt in ihre Augen.

"Du kannst nicht entkommen", hörte sie eine leise, krächzende Stimme.

Und dann war sie verschwunden.

In dem Augenblick fand Ginny ihr Leben wieder, sie schrie auf, machte kehrt und rannte los. Weg. Einfach nur weg.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Sirius zuckte leicht zusammen, als ohne Vorwarnung die Tür des Gemeinschaftraumes aufgerissen wurde und ein Mädchen mit feuerroten Haaren hereingeschlittert kam.

"Ginny!", rief Ron und sprang auf. "Was ist passiert?"

Sie hatten eine kurzfristige Versammlung einberufen und Ginny war die Einzige, die noch gefehlt hatte. Ein recht blasser und noch leicht etwas außer Atem gewesener Draco war kurz vor ihr endlich aufgetaucht.

Auch Ginny war blass und außer Atem. Abrupt blieb sie stehen, als sie die anderen sah und starrte sie an.

Entsetzt? Sirius runzelte die Stirn.

"Was... was ist denn hier los?", stammelte Ginny schwach.

"Eine Versammlung, wurde auch Zeit, dass du hier auftauchst", grinste Fred.

"Was ist passiert?", wiederholte Ron.

Ginny wandte den Blick zu ihrem Bruder. "Nichts", versicherte sie ihm etwas verstört.

"Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen", wandte Sirius ein. 'Wie Draco', dachte er unwillkürlich.

Das Mädchen sah ihn aus großen Augen an. Nur kurz wandte sie den Blick ab - zu Draco, wie er feststellte, doch es war nur ein kurzer Augenblick. Dann lachte sie. Unsicher, aber sie lachte. "Worum geht es denn heute?", fragte sie, während sie sich hinsetzte.

Wieder erfolgte ein schneller Blickwechsel zwischen Draco und Ginny.

Sirius nahm es aber nicht mehr weiter zur Kenntnis, sondern fuhr fort.

"Wir haben Nachricht erhalten, dass Hagrid und Remus sich in London aufhalten.

Ginny riss die Augen auf. In ihren Augen fing es an zu leuchten. "Ehrlich?"

Sirius nickte. "Wir planen gerade, wie wir sie holen, weil sie in Gefangenschaft geraten sind."

"Oh", machte Ginny bedrückt.

"In London wimmelt es von Todessern", warf Hermione ein.

"Deswegen bin ich dafür, dass Draco und Blaise die Aktion übernehmen", schlug Sirius vor.

"Aber", fing Harry an, bekam aber einen Rippenstoß von Ron. Sein bester Freund flüsterte ihm etwas zu, Hary nickte und protestierte nicht mehr.

Draco grinste selbstgefällig. "Warum ausgerechnet wir beide?"

"Ihr seid im Slytherinhaus groß geworden, ihr dürftet mit List. Tücke und Todessergedanken am ehesten mit vertaut sein", erklärte Sirius knapp. "Seit ihr denn damit einverstanden?"

Blaise hatte ihn empört angestarrt, nickte jetzt aber.

Dracos Grinsen wurde breiter, aber auch er nickte. "Natürlich." Etwas Lauerndes lag in seiner Stimme, aber Sirius ließ sich nicht von ihm provozieren.

Snape stand auf. "Dann kommt", forderte er Draco und Blaise auf, "wir besprechen mit Black alles weitere."

"Und was ist mit uns?", fragte Colin erstaunt. "Wir wollen auch wissen, was abgeht."

Ein kalter Blick des Zaubertrankmeisters traf ihn. "Je kleiner der Kreis der Eingeweihten, umso geringer die Chance, verraten zu werden, Creevey. Logik scheint dir fremd zu sein." Snape wandte sich um und schritt zur Tür.

"Und wenn Blaise oder Draco die Verräter sind? Oder Sie?", rief Harry laut.

Sirius seufzte und stand auf. "Dann könnte man den Verdacht weiter einschränken, sollte bei der Aktion etwas schief gehen." Er sah Harry an. "Es tut mir leid. Ich hoffe, du verstehst, dass wir nur Blaise und Draco besprechen wollen, was zu tun ist, weil sie die Aktion übernehmen."

Harry biss sich auf die Unterlippe. "Ich finde das trotzdem nicht in Ordnung."

Snape drehte sich wieder um. Ein spöttisches Lächeln lag auf seinen Lippen. "Je eher du dich mit der Realität anfreundest, umso besser, Potter." Dann wandte er sich ab und öffnete die Tür.

Sirius warf Harry noch einen entschuldigten Blick zu und ging ebenfalls.

Blaise und Draco erhoben sich und folgten ihm und Snape.

Beim Vorbeigehen grinste Draco Harry an. "Es scheint, dass Snape und Sirius das Sagen hier übernommen haben, was? Das war's wohl mit deinem Anführerposten."

"Halt die Fresse, Malfoy", knurrte Ron.

"Lass' dir mal einen neuen Spruch einfallen, Wiesel", konterte Draco, dann ging er hinaus.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Ginny war auf dem Weg zum Abendessen, als sich Draco ihr in den Weg stellte.

"Was willst du?", fragte sie ihn kühl.

"Was hast du gesehen?" Kalt ruhten seine Augen auf ihr.

Sie wusste sofort, wovon er sprach. Er musste die Gestalt ebenfalls gesehen haben. Das konnte keine Einbildung von ihr gewesen sein, da war sie sich sicher. Aber warum war sie da? Was wollte sie? "Erzähl' du mir, was du gesehen hast", wich sie seiner Frage aus.

Draco zog die Augenbrauen zu einem V. "Weich' mir nicht aus, Weasley. Antworte."

Ginny verschränkte die Arme. "Oder...?"

Sie merkte die Finsternis, die in seinen Augen kurz aufloderte, ehe er den Mund öffnete, um ihr mit einer garantiert nicht gerade freundlichen Antwort entgegenzukommen.

"Schatz?", mischte sich jemand ein.

Draco schloss seinen Mund wieder und verdrehte die Augen.

Blaise trat auf sie zu. "Kommst du...". Sie verstummte, und sah abwechselnd von ihrem Freund zu Ginny. "Was ist?", fragte sie misstrauisch.

Draco drehte sich zu ihr um. "Nichts. Lass' uns was essen gehen." Ohne Blaise zu berühren, ging er an ihr vorbei, die Treppen runter.

Blaise warf Ginny noch einen verwirrten Blick zu, dann folgte sie Draco.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Draco und Blaise lauerten in einem der gespenstisch verlassenen Muggelhäuser in London und lugten aus einem der Fenster hinaus. Sie waren bereits in der Nacht hergekommen und hatten beobachtet und gewartet.

Nun war es mitten am Tag. Und es war dunkel.

Düstere Gestalten in schwarzen Umhängen, die Gesichter in weiten, spitzen Kapuzen verhüllt, zogen stumm durch die Straßen.

Sie nahmen ihr Tempo nur verlangsamt wahr.

Das Dunkle Mal, ein gehässig grinsender Totenkopf, aus dessen Mund sich eine Schlange windet, schwebte überall am finsteren Himmel über London.

"Das ist unheimlich", wisperte Blaise. Sie spürte die vertraute Kälte, die von Draco ausging.

"Es ist faszinierend", flüsterte er zurück.

Sie warf ihm einen schnellen Seitenblick zu, er spürte es. "Du bist ja auch ein Spinner", zog sie ihn auf, worauf sie einen Rippenstoß kassierte.

"Siehst du das Haus, direkt gegenüber?", fragte er leise. Er klang angespannt.

Blaise nickte. Dann fiel ihr auf, dass er ihr Nicken vielleicht nicht gesehen hatte und fügte ein "Ja" hinzu.

"Von dort das vierte Haus, links. Dort sind sie."

"Laut deiner Mutter", stellte sie fest. "Draco?", fragte sie nach einer kurzen Pause.

"Hm?" Endlich wandte ihr Freund ihr seinen Kopf zu. "Warum hast du Sirius und Snape nicht erzählt, dass deine Mutter dir den Aufenthaltsort der Gefangenen verraten hatte?"

"Sie haben doch selbst gewusst, wo sie sich aufhielten", entgegnete er unbekümmert.

"Fast", korrigierte sie ihn. "Sie haben nur Vermutungen aufgestellt."

In Dracos grauen Augen glitzerte es. "Und ihre Vermutungen lagen erstaunlich gut. Siehst du, es ist die Hausnummer 5. Sie haben uns gesagt, dass sie glauben, dass es Haus Nummer 5 sei."

Blaise kniff die Augen zusammen und starrte auf das Haus. Dunkel erkannte sie die Ziffer "5". Dann nickte sie. "Ja", sagte sie langsam. "Du hast recht."

Draco grinste sie an. "Ich habe immer recht." Dann beugte er sich vor, schlang seine linke Hand um ihren Nacken und zog sie zu sich. Ihre Lippen fanden sich automatisch und Blaise öffnete ihren Mund. Sie spürte, wie seine Zunge elegant über ihre Lippen glitt, ehe sie die ihre fand und mit ihr spielte. Der Kuss zog sich in die Länge und Blaise wunderte sich über die extreme Intensität. Schließlich brach Draco den Kuss und sah sie aufmerksam an. "Dann mal los."

Blaise nickte stumm und schluckte. Sie war etwas aufgeregt.

Der Todesserzug hatte sein Ende genommen und die Straßen wirkten leer. Einsam und verlassen. Rasch kletterten sie aus dem Fenster und schwangen sich auf die Besen, um in die Luft zu gleiten. An Haus Nummer 5 angekommen, flogen sie vorsichtig von Fenster zu Fenster, bis sie drei Gestalten erkennen konnten, die auf dem Boden lagen.

"Drei?", murmelte Blaise verwirrt. "Das können sie nicht sein. Es war nur von zweien die Rede."

"Anderswo sind alle Räume leer", hielt Draco dagegen.

"Und keine Wachen." Blaise war erstaunt.

"Vor der Zimmertür, wahrscheinlich. Den können wir nicht sehen."

"Aber wie können ungehindert durch das Fenster einbrechen?" Blaise sah ihn zweifelnd an. "Was für eine Falle soll das sein?"

Sie sah, wie Draco kurz zusammenzuckte und zog die Augenbrauen zusammen.

"Eine Falle?", fragte er gedehnt. Er schien nachzudenken. "Das ist keine Falle", sagte er dann überzeugt. "Schau, sie sind hier im fünften Geschoss. Selber fliehen können sie nicht, ohne sich das Genick zu brechen. Und dass jemand von ihrem Aufenthalt weiß, der sie befreien könnte, damit rechnet doch kein Schwein."

"Hmm..." Blaise dachte nach. Klang logisch, was Draco meinte.

"Und ein wenig Risiko ist immer dabei", fügte er grinsend hinzu.

"Ou, Draco!", zischte Blaise. "Das ist nicht witzig.", aber der Slytherin lachte nur.

Dann zauberte er das Fenster offen und flog geschickt hinein. Blaise blieb draußen und hielt Wache.

Sie hörte, wie Draco "Volltreffer" murmelte und die Tür aufzauberte. Sie hörte ihn einen Zauberspruch murmeln, dem ein dumpfes Geräusch folgte - er hatte die Wache ausgeschaltet. Dann machte Draco sich dabei zu Schaffen, die offensichtlich bewusstlosen und gefesselten Gefangenen zu befreien und wach zu bekommen.

"Waschischlosch?", hörte sie eine Stimme murmeln, die eindeutig Hagrid gehörte.

"Wacht endlich auf", vernahm sie Dracos kalte Stimme. Er klang genervt. "Wir sind im Auftrag von Black und Snape hier und bringen euch in Sicherheit."

"Sirius?", fragte eine zweite Stimme, die plötzlich hellwach zu klingen schien. Das musste Remus Lupin sein. "Draco Malfoy! Ich fasse es nicht!"

"Ja, mann. Wer ist dieser Junge hier? Er muss hier bleiben." Blaise hörte, wie Draco zwei kleine Besen groß zauberte.

"Der Junge kommt mit!", protestierte Hagrid. Dann lachte er. "Mann, mann, ihr seid echt schnell mit euren Befreiungsaktionen! Respekt!"

"Ja, klasse, dass du uns befreien kommst", murmelte Remus, immer noch ungläubig.

"Ihr", korrigierte Blaise leise von draußen in das Fenster hinein. "Und nun beeilt euch, ehe man uns entdeckt!"

"Gut, hier, Werwolf, dein Besen. Und hier, Halbriese, ist deiner. Der Junge fliegt bei einem von euch mit oder bleibt hier. Bürgt ihr für ihn? Nicht, dass er eine kleine, verräterische Schlange ist..." Draco klang hart.

Blaise seufzte. Konnte Draco seine Sticheleien denn nicht einmal sein lassen?

Sie hörte auch Remus seufzen. "Nett, wie eh und je."

Kurze Zeit später schwebten Draco, Remus und ein nett aussehender Junge und Hagrid neben ihr in der Luft auf ihre Besen.

"Endlich", stieß sie erleichtert hervor.

"Miss Zabini, hallo", lächelte Remus und Hagrid nickte ihr freundlich zu.

"Yonathan, das sind Blaise Zaibini und Draco Malfoy", stellte Hagrid die beiden Rebellen vor. "Das ist Yonathan. Den haben wir aufgelesen."

"So sieht er auch aus", murmelte Draco.

"Malfoy?", wiederholte der Junge mit weitaufgerissenen Augen.

Draco nickte und lächelte gefährlich, als er sich zu dem Jungen vorbeugte. "Angst?", fragte er lauernd und genüsslich zugleich.

"Lass' das", mischte sich Blaise verärgert ein. "Kommt jetzt."

Draco richtete sich wieder auf und maß sie mit einem kühlem Blick. "Dann flieg doch los", spottete er leise.

Sie presste die Lippen aufeinander. 'Was ist bloß los mit ihm?' Sie flog los, registrierend, dass die anderen hier hinterher flogen.

"Wo geht es hin?", fragte Remus. "Und wie habt ihr uns gefunden?"

"Wie geht es den anderen? Mit wem habt ihr überhaupt Kontakt?", fragte Hagrid. "Übrigens wurd'n wir so gut behandelt, bis auf, dass wir gefesselt wurden. Muss wohl daran liegn, dass wir nich so wichtig sind, oder was meint ihr?"

"Wir sind hier, um euch zu befreien", lautete Dracos unfreundliche Antwort. "Nicht, um euch neugierige Fragen zu beantworten. Folgt uns und seid still."

Blaise seufzte. "Draco, Schatz?", flötete sie.

"Ja?" Draco flog schneller, um sie einzuholen.

"Warum bist du so gemein?", zischte sie ihm zu, damit die anderen sie nicht hörten.

"Gemein?" Draco lachte kurz höhnisch auf. "Nenne mir einen Grund, warum ich mit Riesen und Werwölfen länger als nötig sprechen sollte." Er hatte absichtlich laut gesprochen.

"Oh, du..." Blaise suchte nach Worten. "Was ist überhaupt los mit dir?"

"Nichts", lautete die offene Antwort ihres Freundes. "Was soll sein? Du weißt genau, dass ich einige Meinungen nicht geändert habe, nur, weil wir mit ihnen zusammenarbeiten."

Blaise seufzte wieder, schaute kurz gen Himmel, nur um zu registrieren, dass die dicke, dunkle Wolkendecke die Sonne noch immer nicht durchließ, ehe sie wieder Dracos Blick fixierte. "Warum bist du so abweisend?", fragte sie leise. Sie musste wieder nach vorne schauen, um nicht irgendwo vor zu fliegen.

Sie überflogen gerade die Londoner Innenstadt. Auch sie war leer. Wo waren nur all die Todesser?

Schnell sah Blaise wieder zu Draco - und erstarrte. Der ausdrucklose Blick, mit dem er sie maß, gefiel ihr überhaupt nicht. "Was ist?", fragte sie lahm.

"Nein", sagte er schlicht.

Sie blinzelte. "Was?"

"Nein", wiederholte er. "Meine Antwort auf deine Frage."

"Welche Frage?" Blaise hob die Augenbrauen und fixierte Draco mit ihren Augen. Sie flogen nicht länger weiter, sondern schwebten ruhig in der Luft.

"Was ist los? Warum fliegt ihr nicht weiter?", drang Remus' Stimme an ihr Ohr, aber sie ignorierte ihn.

Blaise zitterte. Sie glaubte zu wissen, welche Frage Draco meinte.

"Ob aus unserer Beziehung etwas Ernstes werden könne", bestätigte der Slytherin ihre Vermutung.

Blaise fuhr sich mit der Zunge über die trockene Unterlippe. "Du willst Schluss machen?"

Draco sah sie an und kämpfte plötzlich um sein Gleichgewicht, als Blaise sich vorgebeugt, sein Besenstil gepackt und daran gerüttelt hatte. Als ob sie ihn wachrütteln wollte.

"Du willst Schluss machen?", wiederholte sie, nun etwas lauter.

Draco wich mit seinem Besen zurück.

"Oh je", kommentierte Hagrid.

Draco flog nach unten, bis er Boden unter den Füßen hatte und Blaise folgte ihm rasch.

"Hey, ich dachte, wir sollten so schnell wie möglich von hier verschwinden", rief Hagrid.

"Das gibt es doch nicht", stieß Remus genervt hervor und folgte den beiden Jugendlichen.

Blaise und Draco standen nun mitten in der Londoner Innenstadt und starrten sich an.

"Ich fürchte, ja", beantwortete der blonde Junge endlich ihre Frage.

Blaise schnappte nach Luft. Sie konnte es kaum fassen. "Einfach so? Aus heiterem Himmel?" 'Warum?'

"Es hat nichts mit dir zu tun", versicherte Draco ihr.

"Oh. Na, dann", spottete sie. Ihre grünen Augen waren zu engen Schlitzen verengt. "Na los, nenn' mir den Grund."

Draco hob die Achseln und fixierte einen leeren Punkt über ihren Kopf. "Ich will einfach keine Beziehung."

"Warum nicht?"

"Weil... weil ich einfach keine haben will, okay? Es ist aus, Blaise."

Blaise stieß einen langen Atem aus. "Liebst du eine andere?"

"Nein." Draco klang ruhig. Und ehrlich. "Ich halte es nur für töricht in Zeiten wie diesen eine Beziehung zu haben. Liebe blendet."

"Oh, Draco", lachte Blaise ungläubig auf. "Du willst nur nicht verletzlich wirken, stimmt's? Du hast Angst, dich in mich zu verlieben - oder überhaupt in irgendein Mädchen. Du willst nicht abhängig sein." Sie schüttelte den Kopf. "Du bist echt..."

Draco legte den Kopf schief. "Ja?", fragte er, als sie nicht weitersprach. Er klang lauernd.

"Gott, du bist echt so scheiße berechenbar!", schrie Blaise plötzlich. Sie war wütend. Wie konnte Draco einfach so mit ihr Schluss machen? Wie konnte er bloß?

"Eure Beziehung in Ehren, aber könnt ihr das nicht woanders ausdiskutieren?", mischte Remus sich zornig ein.

Blaise ignorierte ihn wieder. Sie war nur noch auf Draco fixiert. In ihren Ohren rauschte es. Sie hörte ihren Puls klopfen.

"Halt die Klappe, Werwolf", wies Draco Remus zurecht, ohne den Blick von Blaise zu lassen. "Blaise, ich bin vernünftig", antwortete er ihr. "Seien wir doch mal ehrlich, wie lange wäre das mit uns gut gegangen? Es war doch alles bloßer Zeitvertreib."

"Du spinnst", presste Blaise leise hervor. Dann stampfte sie plötzlich mit dem Fuß auf. "Du glaubst, immer alles unter Kontrolle haben zu müssen!", schrie sie dann. "Du tötest deine Gefühle, um ja einen kühlen Kopf zu bewahren! Boah, Draco, irgendwann wird dich deine Ausdruckslosigkeit auffressen! Warum kannst du dich nicht einmal zu deinen Gefühlen gestehen?"

"Gefühle?" Auch Draco wurde lauter. "Ich hege dir gegenüber keine Gefühle, Süße. Ich empfinde nichts für dich." Sein Blick war stumpf.

"Oh, dann war das alles nur ein Spiel?" Blaise konnte es kaum fassen.

"Ich habe nicht vor, mich in dich zu verlieben! Und ehe dies geschieht, mache ich lieber Schluss."

Blaise lachte hart. "Wie einfach du es dir doch machst, Draco!"

"Mensch, Blaise, kapier' doch endlich! Du kannst dir die scheiß Liebe in dieser Zeit nicht leisten!" In Dracos Augen war es fast schwarz vor Aufruhr.

Blaise blitzte ihn an. "Ach ja? "Nur weil du keine Gefühle besitzt, heißt das noch lange nicht, dass andere keine haben! Das gibt dir noch lange nicht das Recht, mit anderen Leuten zu spielen!"

"Bis vor eurer Landung habe ich echt gedacht, 'Mensch, wie geschickt die zwei doch die Rettungsaktion handhaben'", wandte Remus wieder säuerlich ein. "Aber jetzt habt ihr offensichtlich vor, uns alle an den Feind auszuliefern."

Das brachte Blaise wieder zur Besinnung. Betroffen sah sie die drei soeben Befreiten an, die hinter ihnen gelandet waren.

Offensichtlich auch Draco. Denn er hielt, gelassen wie er war, seinen Zauberstab auf die drei und musterte sie bedrohlich. "Ein Wort zu den anderen von dieser Szene hier und ihr werdet es bereuen." Er klang leise und doch hallten seine Worte über die leere Innenstadt.

Remus presste die Lippen aufeinander. "Ich finde nicht, dass du - "

"Wollt ihr in Sicherheit gebracht werden, oder nicht?" Draco verhöhnte ihn.

Remus gab nach. "Natürlich wollen wir das."

"Dann gebt uns euer Wort."

Blaise verfolgte stumm die Szene und mischte sich nicht ein. Auch ihr war es lieber, wenn die anderen nicht davon erfahren würden, wie sie ob gleich aller Gefahr, die hier lauerte, sich inmitten von London angeschrieen hatten. Was war nur in sie gefahren!

"Ich verspreche es", sagte Remus, und Hagrid und Yonathan wiederholten es.

"Gut", nickte Blaise kühl und schwang sich auf ihren Besen. "Dann nichts wie los, ehe man uns noch entdeckt."

"Meine Rede", murmelte Hagrid in seinen Bart hinein.

Blaise warf noch einen langen Blick auf Draco, als sie sich in die Lüfte empor stießen.

Sein helles Haar schien in der Dunkelheit des Tages zu leuchten.

Sie sah ihm in die Augen. Sie waren dunkel.

Der Kuss von vorhin... jetzt war klar, warum er so intensiv war. Draco hatte ihr einen Abschiedskuss gegeben. Ihm war von Anfang an klar gewesen, dass er Schluss machen würde. Vielleicht hatte er nicht damit gerechnet, dass es während ihres Rückfluges passieren würde, aber er hatte es noch an diesem Tag tun wollen. Einfach so. Sie starrte ihn böse an.

Als er ihren Blick erwiderte, sah sie schnell weg und flog zur Spitze der kleinen Gruppe.

Draco würde die Nachhut bilden. Es war ihr egal, Hauptsache, sie musste ihn nicht sehen.

Wut glomm in ihr Herz auf. Unstillbare Wut. Und Enttäuschung.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Draco bildete das Schlusslicht der Gruppe und starrte Blaise in den Rücken.

Es war richtig, dass er Schluss gemacht hatte. Er hatte nicht mehr viel für sie empfunden und er gestand sich ein, dass sie nur Zeitvertreib für ihn gewesen war.

Aber war er das nicht auch für sie gewesen? War sie nicht nur deswegen wütend, dass es ein Junge es wagte, sie zurückzustoßen? Er lächelte. Er kannte Blaise. Er hatte sie in ihrer Arroganz getroffen. Slytherin-Ehre. Damit spielte man nicht und er war sich bewusst, dass er vielleicht noch einen hohen Preis für die Verletzung eben dieser zahlen würde.

'Aber ich bin ein Malfoy', dachte er. 'Und Malfoys fragen nicht nach den Preisen. Sie zahlen, weil sie es sich leisten können.'

Draco und Blaise wechselten während des ganzen Rückfluges kein Wort miteinander. Sobald sie London verließen, wurde der Himmel heller und sie steuerten ihr Versteck als Zwischenstopp an, um die Nacht abzuwarten.

Sobald es dunkel genug war, setzten sie ihren Flug fort.

Natürlich gab es in der Burg ein riesengroßes Wiedersehen mit Remus, Hagrid und den anderen.

Nachdem sie sich alle fast zu Tode umarmt und alles gleichzeitig erzählt hatten, wie Draco abfällig beobachten konnte, wandte man sich ernsteren Themen zu.

Er erhob sich, um schlafen zu gehen.

"Malfoy?" hielt Sirius ihn zurück. "Verlief alles korrekt?"

Er drehte sich um und fing Blaises Blick auf. "Ja", sagte er langsam. "Es gab keine Zwischenfälle."

Blaise nickte zustimmend und Draco unterdrückte ein unwillkürliches Lächeln. Wenn es eines gab, was so hoch geschätzt wurde, wie die Slytherin- Ehre, dann war es die Zusammenarbeit, die stets galt, solange man selbst dadurch profitieren konnte.

Draco löste seinen Blick von ihr und sah Sirius an. Neben ihm stand Ginny, die ihn aufmerksam musterte.

"Sirius, wir müssen darüber reden, wer mir die Briefe geschickt hat, von denen ich dachte, sie wären von dir", sagte Remus, der dazu getreten war, eindringlich und leise, so dass es wohl außer Sirius nur Ginny und Draco hören konnten.

Sirius nickte, warf Draco noch einmal einen dankbaren Blick zu und folgte seinem Freund.

Ein rascher Blick zur Seite vergewisserte Draco, dass Blaise in ihr Schlafraum verschwunden war.

Er wollte sich ebenfalls in sein Raum begeben, als er merkte, wie Ginny sich ihm zögernd näherte.

Er hielt also inne und sah sie misstrauisch an. "Was willst du, Weasley?"

"Ich habe ein Gedicht gehört", fing sie leise an und fixierte ihn mit ihren großen, hellbraunen Augen. Sie lächelte, aber er merkte, dass es ein falsches Lächeln war. Sie wirkte unsicher und das Lächeln sollte ihre Unsicherheit verbergen, wie eine Maske.

"Und was sagt dir, dass es mich interessieren würde?", gab er schroff zurück.

"Nun, weil ich mir irgendwie sicher bin, dass du es kennst", sagte sie und trat auf ihn zu.

Draco verschränkte die Arme vor seiner Brust. "Erzähl' schon, Weasley, ich habe nicht vor, unnötig meine kostbare Zeit mit dir zu verschwenden."

"Keine Sorge, es ist schnell aufgesagt", lächelte Ginny. Sie stand nun direkt vor ihm, nah genug, um flüstern zu können. Sie öffnete den Mund, stellte sich auf die Zehenspitzen, um es in sein Ohr wispern zu können.

Und plötzlich spürte er Dunkelheit. Dunkelheit, nichts als Dunkelheit. So nah. Ganz nah.

"Menschen haben keine Seelen.
Ihr habt nichts zu verlieren.
Licht wird euch niemals fehlen.
Dunkelheit könnt ihr nicht ignorieren."