Kapitel 12 – Schockzustand

Nachdem James den vollkommen unter Schock stehenden Remus mit einem Beruhigungstrank ins Bett gesteckt hatte, ging er nach unten und dort in den hinteren Teil des Hauses, wo er sein Büro hatte und den einzigen Kamin, der ans Flohnetzwerk angeschlossen war. Den entzündete er und warf eine Hand voll Flohpulver hinein, ehe er den Kopf ins Feuer steckte. "Albus Dumbledore, Schulleiterbüro Hogwarts", sagte er deutlich und spürte wie sich sein Körper auseinander zog und dann das gewünschte Büro vor seinen Augen sichtbar wurde.

Albus Dumbledore saß gerade an seinem Schreibtisch, als das im Kamin flackernde Feuer plötzlich grün aufloderte und der Kopf von James Potter darin erschien. "Was gibt es, James?", fragte er auch sogleich besorgt, sich zu dem Kopf im Feuer auf seinem Stuhl herumdrehend.

"Entschuldigen Sie die späte Störung. Aber es gibt Neuigkeiten. Die würde ich nur ungern über den Kamin besprechen. Wer weiß, wer alles mithört. Könnten wir uns treffen? In der Wohnung von Remus Lupin?", sagte James knapp. Nein, solche Dinge besprach man wirklich nicht über den Kamin. Es gab genug Spitzel im Ministerium und wenn auch nur einer von denen im Büro für die Kaminregulierung arbeitete waren sie hier in Gefahr, wenn die Todesser immer noch hinter Celine her waren

Albus, der wusste, dass James Potter ihn niemals um so etwas bitten würde, wenn es nicht unbedingt nötig war, seufzte leise. Gerade jetzt war er eigentlich unabkömmlich. Gleich war eine Lehrerbesprechung und wie sah es denn aus, wenn der Schuldirektor zu der eigens von ihm angesetzten Konferenz nicht erschien? "Es tut mir leid, James, aber im Moment bin ich hier unabkömmlich. Wenn du mir vielleicht ‚umschreiben' könntest, um was es geht, dann bin ich mir sicher, dir vielleicht anderweitig helfen zu können."

James seufzte. Natürlich. Der Schulleiter hatte auch andere Verpflichtungen. Ganz andere. Aber das konnte nicht warten und nicht so besprochen werden. Egal, was er sagte, es würde auf ihn zurückfallen und er musste auch an seine zukünftige Frau denken. Wenn die Todesser Celine jagten und einfach nur aus den Augen verloren hatten, es aber einen Spion dort gab, wo man dieses Gespräch mithörte, war Lily in Gefahr und das würde er niemals zulassen.

"Nein. Es wäre mir lieber, wenn wir das persönlich besprechen würden. Könnte ich vielleicht vorbei kommen? Ich weiß, dass die Kamine im Schloss für Reisen gesperrt sind. Es ist aber überaus wichtig.", beschwor James den Mann, der auch schon sein Schulleiter gewesen war.

Bedauernd seinen Kopf schüttelnd, erwiderte Albus Dumbledore freundlich, besorgt, aber auch bestimmt: "Es tut mir leid, James – wirklich. Aber du weißt, ich kann den Antireisezauber nicht von den Kaminen in Hogwarts nehmen." Dass dies etwas war, das noch aus der Zeit der Gründer stammte und er allein einfach nicht stark genug dafür war, brauchte er ja nicht erzählen.

Da er aber die Dringlichkeit in James Potters Stimme und seinen Worten durchaus ernst nahm, bot er stattdessen an: "Wenn es wirklich keinen Aufschub duldet, kann ich jemanden in Remus' Wohnung schicken, der sich dort mit dir trifft, dir wenn möglich hilft und mir dann berichtet."

James haderte mit sich. Sicher vertraute er allen aus dem Orden. Es war ein Frevel dies nicht zu tun, aber… nein. Nein diese Sache war besser mit dem Schulleiter zu besprechen. Persönlich. "Ich nehm den üblichen Weg übers Dorf, Sir. Das dauert nur ein paar Minuten länger. Es ist besser, wenn Sie es als Erster erfahren. Alles andere könnte Probleme bringen." Oh Ja. Und was für Probleme. Gefangene von Todessern, die wieder freigelassen wurden, galten als bedenklich, selbst im Orden war man solchen Leuten gegenüber skeptisch.

Da James darauf bestand und es offenbar wirklich etwas höchster Dringlichkeitsstufe war, nickte Albus Dumbledore bestätigend. "Also gut, James. Ich warte dann auf dich."

"Ich bin in zehn Minuten da", sagte James und verschwand aus dem Kamin.

Ohne sich nun noch länger um den Kopf im Kamin zu kümmern, wandet sich der Direktor an eines der verzauberten Bilder. Diesmal eine alte Hexe mit wild wuchernden weißen Haaren, die vor etwas mehr als zweihundert Jahren den Posten des Direktors von Hogwarts innegehabt hatte. "Meine Liebe, würdest du bitte Minerva darüber in Kenntnis setzen, das ich mich zur Besprechung verspäte?"

Kaum hatte er ausgesprochen, blinzelte die alte Hexe ihm kurz zu und war aus dem Bild verschwunden. Albus wusste, dass dasselbe Bild – nun bestimmt mit der Hexe – in Minervas Büro hing. Kaum eine Minute später war die weißhaarige Alte wieder in ihrem Bilderrahmen im Schulleiterbüro erschienen und richtete ihm aus, dass die Professorin für Verwandlungskünste seine Nachricht, wenn auch nicht sehr begeistert wirkend, immerhin erhalten hatte.

James verschwendete keine weitere Minute. Ohne noch einen Blick ins Wohnzimmer zu werfen, um seine Verlobte nicht bei der Arbeit zu stören, griff er sich seinen Umhang von der Garderobe und rief: "Ich muss noch mal weg, Schatz. Ein Notfall!" Er wollte nicht, dass Celine erfuhr, dass er dem Ordensleiter bescheid gab. Vielleicht würde sie das in Panik versetzen, oder irgendeine andere Reaktion auslösen. Er wartete auch gar nicht die Antwort ab, sondern verließ das Haus auf schnellstem Wege, um in das Zaubererdorf zu apparieren.

Stumm verfluchte er die Schutzschilde, die über dem Schloss lagen. Dafür dass man per Apparation nicht näher als einen Kilometer heran kam. So schnell er auf zwei Beinen konnte, rannte er los – sich hier zu verwandeln, war ihm zu gefährlich. Er könnte gesehen werden und das würde ernsthafte Probleme mit sich bringen. War er doch immer noch unregistriert. Und auf Ärger war er nun wirklich nicht aus und an seinem Job hing er auch. Also musste er sich mit diesem langsamen Weg begnügen.

Fast zehn Minuten nach dem Ende des Gesprächs mit dem Schulleiter ging James auf das Portal des Schlosses zu. Es war immer wieder ein unheimliches Gefühl hierher zu kommen, auch nach dem Ende seiner eigenen Schulzeit. Er fühlte sich hier einfach wohl. Hogwarts vermittelte eine Sicherheit, die er nicht mal im Ministerium empfand.

Severus Snape war ebenfalls gerade auf dem Rückweg zum Schloss. Er hatte im verbotenen Wald noch einige Wurzeln geholt, die man nur Nachts ernten durfte und die ein gutes Alibi dafür darstellten, weshalb er Draußen herum lief.

Auf dem Weg zum Haupteingang sah er eine andere Person auf das Schloss zukommen und blieb stehen, um zu sehen, wer das war.

Als James eine Person beim Tor entdeckte und hielt kurz verwundert inne. Eigentlich hatte er nicht erwartet, dass ihn jemand abholte. Albus wusste ja, dass er kam. Etwas langsamer näherte er sich der Person und konnte sein Erstaunen kaum verbergen. "Das glaub ich nicht.", flüsterte er leise zu sich selbst und umfasste seinen Zauberstab, in der Tasche seines Umhangs, ehe er sich dem Mann, den er seit der ersten Klasse verabscheute, zuwandte. "Schniefelus. Was hast du denn hier verloren?", fragte James, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, seinen Unmut darüber zu verbergen, einen Anwärter der Todesser, denn das war dieser fetthaarige, eingebildete Slytherin sicher, hier anzutreffen.

Als er erkannte, wer dort kam, Sekunden bevor dieser ihn ansprach, verzog Severus das Gesicht. "Potter...", knurrte er abfällig und betrachtete den Schwarzhaarigen vor sich, als wäre er ein lästiges Insekt. "Die Frage ist, was hast du hier verloren?" Angst hatte er vor James Potter schon lange nicht mehr. Allerdings griff er, genau wie der andere, in seiner Robe nach seinem Zauberstab.

"Hat dir noch niemand beigebracht, dass es unhöflich ist, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten?", fragte James Potter übertrieben höflich, bereit Snape zu verfluchen, sollte er es auch nur wagen, seinen Zauberstab gegen ihn zu erheben. Ihn warnen, dass er es mit einem Auroren zu tun hatte, war überflüssig. James war nicht im Dienst.

"Du hast hier nichts verloren, Potter... schon gar nicht mitten in der Nacht.", war Snapes einzige Reaktion darauf. "Also verschwinde wieder. Oder hast du schon ein Balg in die Welt gesetzt, das bereits hier ist?" Wie er diesen Mistkerl verabscheute. Allein der Anblick Potters ließ ihn bereits einen ekligen Geschmack im Mund bekommen.

James Miene verfinsterte sich. Dieser arrogante Bastard. Also schön, er forderte ihn ja geradezu heraus. Wenn er es so haben wollte; Bitte. Lily war nicht hier, um ihm dazu eine Standpauke zu halten, ebenso wenig wie der Direktor. Und im Grunde konnte Snape ja nicht wissen, dass er nicht im Dienst war. Also setzte er eine entsprechende Miene auf, straffte seine Schultern und sagte. "Meine Gründe dafür hier zu sein, gehen dich nichts, Schniefelus. Ich bin Auror, damit habe ich das Recht jederzeit überall aufzutauchen. Und das bringt mich wieder zu der Frage, was du hier zu schaffen hast. Denn du bist sicher kein Auror. Merlin sei Dank. Wenn wir schon so tief gesunken wären, Gestalten wie dich aufnehmen zu müssen."

Severus fing an zu lachen. "Ich habe es nicht nötig, mich beim Ministerium zu verdingen, Potter. Ich bin Professor hier und ich frage mich, wie du je die Qualifikation in Zaubertränke schaffen konntest, um zu diesem Verein zu kommen. Aber wahrscheinlich hat Evans dich durchgebracht... so wie bei allem anderen auch.", murmelte er abfällig und drehte sich zum Tor, um das Schloss zu betreten. Dabei fragte er sich, was Potter hier wollte. Vielleicht konnte er es herausfinden?

In James kochte die Wut hoch. Dieser arrogante, eingebildete Schnösel. Was bildete er sich eigentlich ein? Er hatte noch nie betrogen. Wie auch? Ihre Federn waren doch immer gegen jegliches Schummeln verzaubert worden. "Gryffindors haben es nicht nötig zu betrügen. Wir schaffen unsere Noten und unseren Erfolg allein. Ihr dagegen braucht wohl so einen hirnverbrannten Idioten wie Voldemort, der euch zeigt, wie man Karriere macht.", fauchte James ihm nach. Es kostete ihn alle Mühe, sich nicht von hinten auf diesen Widerling zu stürzen oder ihn von hinten durchzuhexen. Und zwar richtig. Aber er hatte sein Temperament im Griff. Vor fünf Jahren noch hätte er sich fast ohne zu zögern auf Snape gestürzt, aber heute? Lily hatte wohl doch einen guten Einfluss auf ihn. Er war ruhiger geworden.

Snape ging auf diese Worte und die Schmähung des Namens seines Meisters nicht weiter ein. Das würde Potter, wenn auch vermutlich nur mit Glück, bei dem Mangel an Hirn, zeigen, dass er sich bereits weit mehr der Dunklen Seite zugewandt hatte, als alle dachten. Mit wehenden Roben verschwand der Zaubertrankprofessor in Richtung der Kerker.

James hatte eigentlich damit gerechnet, dass sein ehemaliger Hass-Schulkamerad sich auf ihn stürzen würde, aber da dies ausblieb, machte er sich auf den Weg zum Büro des Schulleiters. Einen Weg, den er im Schlaf fand, so oft war er ihn schon gegangen. Aber auf halbem Wege blieb er stehen. "WAS? DER IST HIER LEHRER?", rief er aus und wirbelte herum. "Oh, Merlin. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Spinnt Dumbledore denn nun völlig? Einen Todesser als Lehrer hier einzustellen ist doch der totale Wahnsinn." James atmete aber erst einmal tief durch. Darüber würde er später noch mit Dumbledore sprechen. Erst gab es wichtigere Dinge zu klären. Also setzte er seinen Weg schnellen Schrittes fort.

Severus hatte auf halbem Weg die Treppe hinunter wieder umgedreht und schlich sich zurück. Lautlos folgte er James, der es ihm mit dem lauten Schrei mehr als leicht machte. Grinsend, aber mehr als vorsichtig ging Snape weiter. Wenn Potter wirklich ein Auror war, war dies sicher auch notwendig. Obwohl er sich wirklich nicht vorstellen konnte, dass das Ministerium schon so tief gesunken war, Leute wie Potter auszubilden. Aber dann war der Sieg des Dunklen Lords nur umso näher.

Potter wollte also zum Schulleiter, wie Snape bemerkte. Dorthin würde er ihm nicht folgen und ihn belauschen können. Also versteckte er sich in einem Klassenzimmer in der Nähe des Wasserspeiers und wartete, auf die Rückkehr des anderen. Vielleicht redete der ja häufiger mit sich selbst und er konnte mehr erfahren.

Der Wasserspeier stand weit offen, als James ihn ereichte, zu seiner Erleichterung. Er hatte schon befürchtet, raten zu müssen. Zwar schränkte die bekannte Vorliebe für Süßigkeiten, vor allem Muggelsüßigkeiten, dies ein, aber selbst davon gab es Unmengen und James kannte nur die wenigsten. Ohne zu zögern, schritt er die Wendeltreppe nach oben. Mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend. Normalerweise war er immer in Begleitung von Sirius hier rauf gegangen und dann hatten sie auch immer eine Strafarbeit oder Moralpredigt erwartet. Jetzt hier hinaufzugehen, ohne den Schulverweis fürchten zu müssen, war… ungewohnt. Oben angekommen hielt James vor der großen schweren Eichentür inne.

"Komm herein, James.", rief Albus, der die Schritte auf der Treppe gehört hatte und den Wasserspeier bereits kurz nach ihrem Gespräch durch den Kamin angewiesen hatte, erst einmal offen zu bleiben.

Als die Treppe nicht gleich wieder zuging, fällte Severus eine schnelle Entscheidung. Er schlüpfte auf die Stufen hinter den Wasserspeier und ging sehr langsam nach oben. Als James bereits in Dumbledores Büro verschwunden war, kam der Tränkelehrer oben an und versteckte sich in einer Nische direkt hinter der Tür. Wenn jemand durch die Tür kam und zur Treppe ging, würde derjenige ihn nicht sehen können. Er müsste schon in die Gegenrichtung gehen und genau nachsehen. Neugierig lauschte Severus, ob er etwas hören konnte.

James tat, wie ihm geheißen, und warf kurz einen Blick in die Runde. Verändert hatte sich das Büro nicht im Geringsten. "Guten Abend, Sir. Tut mir leid, wenn ich Sie von wichtigen Dingen abhalte.", entschuldigte er sein aufdringliches Verhalten über den Kamin.

"Du sagtest, es ist dringend, James.", meinte Albus nur, da er nun wirklich keine Zeit für weitere Aufschübe hatte. Schließlich hatte er noch eine wichtige Besprechung mit seinem Stellvertreter und Minerva und diese schätzte es ganz und gar nicht, wenn er gerade zu Schulanfang seine Pflichten vernachlässigte. Sie war immer zu besorgt, dass das Ministerium und diejenigen, die dort gegen ihn arbeiteten, irgendwann genug Gründe gesammelt hätten, um einen erneuten Versuch zu starten, ihm den Direktorenposten der Schule für Hexerei und Zauberei zu entziehen. Allen voran Lucius Malfoy.

James sah sich einmal kurz um, um sicher zu gehen, dass die Tür auch wirklich geschlossen war und niemand sie mehr hören konnte. Die Schutzzauber über dem Büro zu überprüfen, sparte er sich in diesem Fall. Er vertraute da ganz auf Dumbledore. Der würde schon dafür gesorgt haben, dass niemand lauschen konnte. "Celine Dumont ist zurück. Seit etwa einer halben Stunde.", ließ James dann seine Bombe platzen.

Albus, der gerade damit beschäftigt gewesen war, noch einige Unterlagen, die er zu der Besprechung hatte mitnehmen wollen, zu sortieren, ließ selbige langsam wieder zurück auf den Schreibtisch sinken und blickte dem ihm im Raum gegenüber stehenden jungen Mann durchdringend über seine Halbmondbrille hinweg an. "Wie?", fragte er schließlich nur, mit betont ruhiger Stimme.

"Celine Dumont. Das Mitglied, das bei dem Angriff vor drei Monaten verschwunden ist. Sie ist heute wieder aufgetaucht. Um genau zu sein bei Remus. Sie war ziemlich verletzt und Remus hat sie zu uns gebracht. Lily kümmert sich grad um sie.", berichtete James nun etwas ausführlicher, da er sich sicher war, dass er die volle Aufmerksamkeit des Schulleiters hatte.

"Verstehe …", nickte Albus langsam, während er die Papiere nun endgültig Papiere sein ließ und hinter seinen Schreibtisch in den hohen Lehnsessel sank.

Nach einer kleinen Weile nachdenklichen Schweigens fragte er schließlich wie beiläufig: "Glaubst du, sie ist entkommen?"

Albus ließ sich seine innere Anspannung nicht anmerken. Er wusste genauso gut wie James, dass bisher niemand, der einmal von den Todessern verschleppt worden war, diesen aus eigener Kraft entkommen war. Wenn, dann wurden welche von Auroren, oder Ordensmitgliedern befreit. Aber entkommen – niemals. Nie – außer es bestand Grund dazu, dass man sie hatte entkommen ‚lassen'.

Severus lauschte angespannt, konnte aber nur die Hälfte der gesprochenen Worte verstehen. Dennoch gelang es ihm sich zusammen zu reimen, was genau gesagt wurde, zumal er Celine Dumont in den Ferien kurz etwas näher kennen gelernt hatte. Bei diesem Gedanken schlich sich ein hinterhältiges, hämisches Grinsen auf sein Gesicht.

James fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, wie immer, wenn er verlegen war. Das war eine Angewohnheit, die er einfach nicht ablegen konnte. Und Dumbledores Frage war kniffelig.

"Schwer zu sagen. Es ist so... Sie hat... sie hat versucht Remus umzubringen. Zumindest hat er das gesagt. Mehr war aber nicht aus ihm rauszubekommen. Er steht völlig unter Schock. Ich hab ihm erstmal was zur Beruhigung gegeben und er schläft heute Nacht bei uns. Ich wollte Morgen noch mal mit ihm reden. Und Celine... sie spricht kein Wort. Aber ihre Verletzungen sehen übel aus. Richtig übel. Und sie hat ne Menge Blut verloren. Remus sagte so was in der Art", vervollständigte er seine Erklärung um das, was er wusste.

"Deswegen dachte ich auch wir treffen uns in Remus' Wohnung. Immerhin ist sie dort von ihm gefunden worden.", fügte er hinzu.

Er wusste wirklich nicht, was er davon halten sollte. Zum einen war Celine eine hervorragende Kämpferin, die einiges auf den Kasten hatte und James hatte großen Respekt vor ihr, andererseits und das war eine Tatsache, entkam niemand einfach so den Todessern.

"Vielleicht findest du wirklich weitere Hinweise in Lupins Wohnung, James.", murmelte der Mann, dem man auf einmal sein Alter anzumerken schien, leise vor sich hin, ehe er wieder in normaler Stimmlage zu sprechen begann: "Wenn ihre Verletzungen wirklich so schwer sind und Lily das bestätigen kann, glaubst du, ihr könnt ausreichend für sie sorgen? Es wäre, glaube ich, keine gute Idee, sie ins St. Mungo zu bringen und …", kurz zögerte der Zauberer, "im Hauptquartier ist sie unter den vorherrschenden Umständen nicht willkommen."

James nickte nur, auch wenn ihm in diesem Moment nach einer ganz anderen Reaktion zu Mute gewesen wäre. Celine eine Überläuferin, das war einfach total hirnrissig. Aber die Befürchtung des Direktors war wohl, dass man sie umgekrempelt hatte. Bei Merlin, er betete inständig, dass ihm das nie passieren würde.

"Lily hat mir nicht genau gesagt, wie schlimm es ist, aber sie wird tun, was sie kann. Und wenn es doch nicht anders geht, finden wir eine Lösung. Irgendwie bekommen wir das hin. Soll ich Ihnen gleich bescheid sagen, wenn ich irgendwas finde oder einer der Beiden, Remus oder Celine, noch was sagen? Oder erst morgen Abend?", fragte der ehemalige Gryffindor dann.

Albus brauchte um eine Antwort nicht lange überlegen. "Solange keine akute Bedrohung besteht – für oder durch Celine – reicht es, wenn du mich Morgen auf dem Laufenden hältst, James."

Dass dieser ja vorsichtig sein sollte und auf alles gefasst, hoffte er ihm damit klar genug gemacht zu haben.

"In Ordnung", sagte James und wollte schon gehen, als ihm noch etwas anderen einfiel. "Sagen Sie mal... stimmt es, dass Severus Snape hier als Lehrer arbeitet? Ich hab ihn vorhin getroffen und er sagte so etwas." Der ehemalige Gryffindor gab sich nicht mal die Mühe, freundlich über seinen ehemaligen Schulkameraden zu sprechen, wusste Dumbledore doch genau, wie sie zueinander standen. Aber er musste das wissen. Er konnte es nicht einfach auf sich beruhen lassen.

"Sie sind heute schon der zweite Rumtreiber, der mich darauf anspricht.", erwiderte Albus Dumbledore mit einem leichten Lächeln auf seinem faltigen Gesicht, dabei mit voller Absicht die zuvor geherrscht habende vertrauliche Anrede fallen lassend, da er es überhaupt nicht schätzte, gleich zweimal an einem Tag auf bereits ausreichend geklärte Dinge hingewiesen zu werden, "und wie Mister Lupin zuvor, kann ich Ihnen versichern, dass alle notwendigen Vorkehrungen zum Schutze der Schüler getroffen sind. Mister Snape hat die Probezeit ohne den geringsten Zwischenfall, oder Verdachtsmoment überstanden und ich kann ehrlich betonen, dass er ein hervorragender, wenn auch manchmal seinem eigenen Haus zu sehr zugewandter Lehrer ist."

James sah ihn kurz verblüfft an. Remus hatte mit Dumbledore auch schon darüber gesprochen? Wenn das so ist, kann ich mir jedes weitere Wort sparen. Außerdem gibt es wirklich Wichtigeres, schloss James. Remus war immer der Besonnenere und ruhigere von ihnen. Der, dem der Schulleiter am meisten vertraut hatte. Immerhin hatte er ihm auch die Aufgabe überlassen, die Anderen etwas zur Vernunft zu bringen, indem er ihn zum Vertrauensschüler machte.

"Wenn Sie das sagen, Professor.", erwiderte James und verabschiedete sich. Er nahm sich dennoch vor, Snape mal gründlich zu durchleuchten. Wer wusste schon, wer das im Ministerium gemacht hatte. Denn Snape war und blieb nun mal eine Schlange. Eine falsche Schlange, um genau zu sein.

Erleichtert und zugegebenermaßen auch ein wenig verwundert, öffnete der Schuldirektor mit einem Schwenk seines eben hervorgezogenen Zauberstabes die große Bürotür und blickte dem Anführer der damals als Rumtreiber bekannt und wohl auch vor allem berüchtigt gewordenen Viererbande nach. Wenn von jemandem, dann hätte er von James Potter mehr Widerstand, wenn auch sinnlosen, aber immerhin Widerstand, gegen die Einstellung von Severus Snape als Zaubertranklehrer erwartet. Nun er würde gewiss nicht traurig darüber sein, einer erneuten Diskussion über diesen ganz speziellen Punkt zu entgehen.

Schweigend sah er dem durch die Bürotür tretenden Mann hinterher, bis dieser auf der hinabführenden Treppe schließlich aus seinem Blickfeld verschwunden war und die Tür sich hinter ihm wieder geschlossen hatte.

James konnte es nicht fassen. Wie konnte man einem Slytherin nur glauben? Wie konnte man diesen Schlangen nur vertrauen! Niemals. Niemals würde er dazu bereit sein. Eher fraß er seinen alten Rennbesen. Es war doch ein Witz. Snape und sich nichts zu Schulden kommen lassen. Der Slytherin war alles andere als doof. Erst recht, wenn er unter Voldemorts Fuchtel stand. Snape hatte unter Garantie aufgepasst, in dieser Zeit bei nichts erwischt zu werden.

Vielleicht hätte er dem Schulleiter doch seine Meinung sagen sollen. Remus war immer der Besonnenere, aber damit auch der Vorsichtigere. Er hatte Respekt vor dem wesentlich älteren Schulleiter. James war dagegen ganz anders. Er hatte immer gelernt seine Meinung zu sagen. Vor allem wenn ihm etwas nicht passte. Das Problem hierbei war, er hatte auf Hogwarts keinerlei Weisungsbefugnis. Das Schulschloss stand nicht unter dem Befehl des Ministeriums. Selbst ein Verhör eines Verdächtigen, war er Schüler oder Lehrer des Schlosses, musste hier auf dem Hogwartsgelände durchgeführt werden. "Nun reiß dich zusammen, James.", schalt er sich selbst leise. "Du hast jetzt Wichtigeres zu tun."

Dann nickte er sich selbst zu und beeilte sich zu Remus' Wohnung zu kommen.

Severus hatte vor allem den Schluss der Unterhaltung mit Genugtuung verfolgt. Dumbledore schien ihm also wirklich so weit zu Vertrauen, dass er nichts mehr gegen ihn kommen ließ. Zufrieden grinsend folgte er Potter dann vorsichtig nach unten und verschwand, als dieser durch das Eingangstor gegangen war, in den Kerkern. Das würde Voldemort sicher interessieren. Aber er konnte nicht schon wieder zu Travers gehen. Immerhin kam er gerade erst aus Hogsmeade.

Mit leicht gerümpfter Nase betrat James Potter einige Minuten später den Block, in dem sein Freund wohnte. Obwohl, wohnen konnte man das nicht nennen. Es war eher ein Hausen. Überall Mäusedreck, der Putz fiel von den Wänden und irgendwo im Haus dröhnte laute Punkmusik, gegen das sich ein Pärchen im Streit anbrüllte. Wie hältst du das nur aus, Moony? Das verstand James wirklich nicht. Sicher war ihm klar, dass sein Freund sich, auf Grund von Geldmangel, nicht viel leisten konnte, aber so was hier? Dabei hatte er ihm schon so oft angeboten, dass er bei ihnen wohnen konnte. Platz genug war im Haus bei weitem. Er konnte sowohl das Gästezimmer beziehen, als sich auch in den noch zwei freien Kellerräumen eine Wohnung einrichten. James war sogar dazu bereit, den Keller noch etwas weiter auszubauen und magisch zu vergrößern. Gut eine Kellerwohnung war auch nicht grad das Gelbe vom Ei, aber allemal besser als dieses Loch. Doch Remus hatte vehement mit der Begründung abgelehnt, niemandem zur Last fallen zu wollen und James konnte sagen, was er wollte, sein Freund blieb dabei. Letztendlich hatte er sich dann darauf beschränkt, Remus bei sich einzuquartieren, wenn er mal wider völlig pleite war, egal was er sagte und wie unangenehm es ihm war. Niemals würde er zulassen, dass sein Freund unter einer Brücke schlief.

Remus' Wohnungstür stand sperrangelweit auf. Vorsichtig und mit gezogenem Zauberstab betrat er sie, um nicht noch eine unliebsame Überraschung zu erleben. Doch hier war niemand. Allerdings kam auch James leicht die Galle hoch, als er das Bad betrat. Dass Remus da einen Schock bekommen hatte, war kein Wunder.

Systematisch suchten seine Augen alles ab, doch er fand nichts. Nichts bis auf Blut und ein Messer. Behutsam… mit einem Taschentuch nahm er es in die Hand und erstarrte. "Silber. Das ist Silber", flüsterte er leise. Das hatte Remus also damit gemeint, Celine habe versucht, ihn umzubringen. "Gut dass sie ihn damit nicht erwischt hat", seufzte James und steckte das Messer ein. Er würde nachher mal ein ernstes Wort mit der Frau über diese Waffen gegen einen Werwolf reden müssen. Gegen den Werwolf, der sein Freund war.

Da es sonst nichts an Spuren gab, auch keine magischen, wie der Auror nach einem Prüfzauber feststellte, machte er mit einem Schlenker seines Zauberstabs die Sauerei weg und versiegelte dann die Tür, um Einbrecher fernzuhalten.

Anschließend apparierte er nach Hause, wo Lily neben Celine am Sofa saß.

TBC