Titel: Rollenspiel

Autor: Laren aka Cyrrer

Disclaimer: Ich besitze absolut keine Rechte an Gundam Wing. Und ich gedenke auch keinen müden Pfennig mit diesem Geschreibsel zu verdienen.

Betadank: wie immer an Zanna. ‚knuddel' besonders nach dem heroischen Kampf mit der modernen Technik

Hi, das ich das Kapitel heute noch hochlade, hätte ich fast nicht mehr gedacht. Fertig ist es ja schon länger, aber erst hatte Zanna keine Zeit zum betan, dann war ich auf Dienstreise und dann wollte das Speichermedium die Geschichte nicht mehr hergeben…

Aber jetzt ist alles fertig und ich wünsch euch viel Spaß beim lesen.


Duo schnaubte, als er den Hörer des Vidphones auflegte. Ausgelacht hatte Wufei ihn! Und so was schimpfte sich nun Freund. Gut, zunächst hatte Wufei noch nicht gelacht, sondern nur lang und breit über die Ungerechtigkeit lamentiert, dass Duo ihn mitten in der Nacht geweckt hatte.

Duo hatte versucht sich mit ‚Zeitverschiebung' herauszureden, wurde dann aber grummelnd darüber belehrt, dass zwischen Brüssel und London nur eine Stunde lag. Na ja, das hatte Duo halt in seiner Hast vergessen. Genauso wie ihm nicht bewusst gewesen war, dass es inzwischen schon tief in der Nacht war.

Duo hatte sich kurz entschuldigt, erklärt das er gerade mit einem wichtigen Projekt beschäftigt war und darüber die Zeit vergessen hatte. Aber nachdem er Wufei dann endlich erklärt hatte, wieso er ihn angerufen hatte, da wurde er tatsächlich ausgelacht.

Wufei erklärte ihm aufs ausführlichste, dass er auf gar keinen Fall irgendwelche Codeknacker-Programme der Preventer an Duo weiter geben könne. Für was für ein Projekt auch immer. Der einzige Weg, wie Duo jemals an diese Programme kommen würde, wäre wenn er Agent bei den Preventers werden würde. Und mit diesen Worten – und sich noch mal wegen dem geweckt werden beschwerend – legte Wufei auf.

Duo starrte immer noch auf den leeren Monitor. Ungerechtigkeit! Die ganze Welt hatte sich gegen ihn verschworen. So viel war sicher! Für einige Sekunden war er tatsächlich am überlegen, ob er nicht den Preventer beitreten solle. Une hatte immer gesagt sie würde ihn und Heero wieder zurück nehmen.

Aber er hatte es bei den Preventers gehasst und würde jetzt nicht wieder bei dieser Organisation angekrochen kommen. Außerdem, wenn er sich richtig erinnerte, dann müsste er erst eine dreimonatige Ausbildung durchlaufen bevor sie ihn an irgendetwas Geheimes ran lassen würden. Und soviel Zeit hatte er nun mal nicht.

Also würde er nicht wieder Preventer Agent werden. Genauso kurz spielte er mit dem Gedanken sich bei den Preventer einzuhacken um dort die entsprechenden Hackerprogramme klauen zu können. Aber diese Idee legte er ganz schnell als völligen Unsinn zur Seite. In der Zeit hätte er sicherlich auch auf „normalem" Wege Heeros Spiel gehackt.

Genau, er musste jetzt bloß aufhören hier in Panik zu verfallen und die ganze Sache mit Ruhe angehen. Dann würde das schon klappen. Und vor allem, brauchte er endlich etwas Schlaf. Morgen konnte er dann wieder frisch ans Werk.

Gesagt getan, Duo schaltete endlich seinen Computer ab und schlurfte zu seinem Bett. Er fiel wie ein lebloser Stein darauf und war tatsächlich relativ schnell eingeschlafen. Und dass obwohl er so vollkommen aufgedreht war.

Es war ein langer aber unruhiger Schlaf. Ein Traum schien in einer Endlosschleife gefangen zu sein und quälte ihn immer wieder aufs Neue. In diesem Traum hatte er Heero dicht bei sich, sie umarmten sich waren kurz davor sich zu küssen – nur damit Heero dann plötzlich aus Duos Armen entrissen wurde und verschwand.

Also Duo zum vierten Mal schweißgebadet erwachte, beschloss er, dass es vielleicht besser wäre aufzustehen. Mühsam quälte er sich aus dem Bett. Er war völlig gerädert. Kein Wunder, denn wie ihm ein Blick auf seine Uhr bestätigte, dann hatte er mal gerade vier Stunden geschlafen. Und das nachdem er beinahe 24 Stunden lang wach gewesen war.

Es war jetzt später Vormittag, und Duo wusste dass er noch sehr viel zu erledigen hatte. Er musste die Reise vorbereiten, Dan bescheid sagen, alles wichtige für die nächsten zwei Monate packen und dann wäre es vielleicht doch nicht schlecht, wenn er noch ein wenig Schlaf finden würde. Er wollte morgen auf keinen Fall Heero begegnen und wie der Tod auf Rädern aussehen. Immerhin musste er hier gegen „Eye Candy" bestehen. Duo schnaubte.

Während er hastig mit dem packen begann, wurde ihm bewusst, dass er bis zu seiner Ankunft bei Heero wohl keine Zeit mehr für seine kleine Hacker-Mission finden würde. Das ärgerte ihn schon, aber er sah ein, dass es wichtigeres gab.

Zum Beispiel mit Dan zu reden. Doch wenn Duo befürchtet hatte, dass sein Agent/Lektor/Verleger sauer wäre weil er Hals über Kopf nach Kalifornien abhaute, dann hatte sich Duo aber geirrt. Dan war begeistert und war sofort am Überlegen Duo bei mehr als nur einer Vertragsverhandlung dabei haben zu wollen. Duo tat sein bestes um dies abzuwehren, aber gegen Dan kam er nur sehr schlecht an. Na ja, wo er doch schon in der Stadt sein würde, was könnte da das eine oder andere Meeting schon schaden? Außer dass es ihm kostbare Zeit von seiner „Mission Heero zurückgewinnen" abziehen würde.

Trotzdem stimmte Duo seufzend zu. Dan war so begeistert, dass er Duo sofort alle bisherigen Vertragsvorlagen als Kopie schickte – damit Duo da auch schon mal reinschauen konnte. Wegen der Bedingungen und dem Umfang der Nutzungsrechte. Und Duo hatte wirklich nicht das Herz Dan zu beichten, dass er dafür nun wirklich keine Zeit finden würde. Aber das war nicht schlimm. Alles, was von Dan abgesegnet wurde, war OK für Duo. Was sollte da schon groß schief gehen? Die wollten sein Buch verfilmen, mehr nicht.

Das Gespräch plätscherte noch kurz vor sich hin und Duo glaubte schon er wäre gut davon gekommen, als Dan ihn auf die nächsten Kapitel ansprach. Die er natürlich unbedingt sofort – am besten vorgestern – haben wollte. Und dabei hatte er erst fünf Kapitel von Duo bekommen! Aber So waren sie die Sklaventreiber. Nie zufrieden!

Duo seufzte tief und versprach dann zumindest während des Fluges an dem Buch weiter zu schreiben. Hacken konnte er im Flugzeug sowieso nicht und das letzte Mal war er unheimlich produktiv während eines Fluges gewesen. Wenn er wieder soviel Kapitel schaffen könnte, dann könnte er diese ja Häppchenweise an Dan verfüttern und sich dadurch den Sklaventreiber für eine Weile vom Halse halten.

Danach begann Duo mit dem packen. Es war gar nicht so einfach, denn es war ja für eine längere Zeit. Mindestens für zwei Monate – und wenn es nach Duo ginge für immer. Genau in dem Moment wurde Duo bewusst, dass ein Zusammensein mit Heero vielleicht auch einen Umzug bedeuten würde. Aber das war kein Hindernis für Duo. Seinen Beruf konnte er überall ausüben. So viel lag ihm an London nun auch nicht und seine Freunde waren sowieso über die ganze Welt und die Kolonien verstreut. Wozu gab es schließlich Vidphones und Emails? Wichtig war nur, dass er immer in Heeros Nähe sein würde.

Als er endlich fertig war, sprach er nur noch kurz mit seiner älteren Nachbarin um sie dazu zu bewegen seine Blumen zu versorgen. Danach holte er sich etwas vollkommen ungesundes – aber um so schmackhafteres – von einem Imbiss und fiel nach dem Essen vollkommen erschöpft ins Bett.

Diese Nacht waren die Träume nicht mehr ganz so schlimm, vielleicht weil sich Duo inzwischen etwas beruhigt hatte. Sicher Jamie war eine Gefahr die nicht zu unterschätzen war. Aber andererseits, er kannte Heero. Nicht nur dass sie beste Freunde waren und zwei Kriege miteinander gekämpft hatten, nein sie waren auch ziemlich lang zusammen gewesen. All die schönen Momente die sie gehabt haben waren ein Vorteil den Jamie nicht besaß. Sicher, sie hatten sich im bösen getrennt, aber wenn er Heero von seinen redlichen Absichten überzeugen konnte, dann wäre es doch gelacht, wenn sich dieser statt dessen für jemand anderes entscheiden würde. Und jeden noch so kleinen Zweifel an dieser Theorie verbannte Duo jetzt erst einmal. Um alles andere konnte er sich kümmern, sobald er in Kalifornien etwas zur Ruhe gekommen wäre.

Der Flug am nächsten Tag war dann nicht ganz so produktiv wie es sich Duo – und Dan – gewünscht hätte, aber er schaffte es trotz aller gedanklicher Ablenkung zwei Kapitel fertig zu stellen. So langsam näherte er sich auch dem Ende des Buches. Und was ihm auffiel war, dass seine zwei Hauptpersonen sehr viel weniger Probleme hatten sich ihre Liebe einzugestehen und zueinander zu finden, als in der Realität.

Manche Leute lasen um zu vergessen – Duo schrieb.

Ansonsten verlief der Flug sehr ereignislos. Aber das war vielleicht auch besser so, Duo hatte schließlich immer Probleme damit jemand anderen die Steuerung eines Shuttles zu überlassen. Da war er für jede Ablenkung dankbar.

Nachdem das Flugzeug gelandet war und Duo versuchte sein Gepäck zusammen zu suchen, da wurde ihm plötzlich richtig mulmig im Magen. Gleich würde er Heero wieder sehen. Er freute sich total darauf, aber er war auch sehr angespannt, weil er auf keinen Fall etwas falsch machen wollte.

Doch all diese Anspannung fiel wie auf einen Schlag von Duo ab, als er Heero am Ausgang der Ankunftshalle stehen sah. Der ehemalige Wing Pilot hatte also sein Versprechen wahr gemacht und holte ihn ab. Eine Welle der Erleichterung durchströmte Duo. Zwar hatte er nicht wirklich befürchtet, dass Heero nicht zu seinem Wort stehen würde, aber es war trotzdem unheimlich schön ihn dort vor zu finden.

Ohne groß darüber nachzudenken eilte Duo auf den anderen zu, ließ einfach seine Koffer auf den Boden fallen und umarmte Heero. Es war nur eine kameradschaftliche Umarmung, aber Duo war trotzdem froh dass Heero sie ohne weiteres erwiderte. Er schien nicht mehr vollkommen davon überrascht zu sein, wenn Duo seine körperliche Nähe suchte. Das war ein großer Fortschritt.

„Hn Baka, lass mich los," grummelte Heero, als die Umarmung etwas länger als nötig dauerte.

Duo lockerte tatsächlich seinen Griff und bog seinen Kopf so, dass er Heero grinsend ins Gesicht sehen konnte. „Schöne Begrüßung ist das," witzelte er.

Ein ultra kurzes Lächeln erhellte Heeros Gesicht. „Schön das du da bist," sagte er und man konnte seinem Tonfall entnehmen dass er dies auch wirklich so meinte. Duos Herz pochte wie wild. „Wie war dein Flug?"

Duo zuckte nonchalant mit den Schultern. „Wie immer."

Heero schüttelte den Kopf. „Wie immer?" vergewisserte er sich. „Das arme Flugpersonal. Du hast sie wahrscheinlich in den Wahnsinn getrieben."

Erwachsen wie er war, streckte Duo seine Zunge raus. „Hab ich gar nicht. Ich war ganz brav. Und ich hab sogar fleißig an meinem Buch geschrieben. Das wird mir diesen Sklaventreiber von einem Verleger vom Hals halten."

Heero schaute ihn kurz verwirrt an, doch dann bemerkte er, dass Duo scherzte und lachte frei auf. Er stupste Duo mit der Schulter an. „Komm, lass uns gehen," dann hob er einen von Duos Koffern hoch. „Uff, Baka wie viel Tonnen schleppst du denn mit dir rum?"

„Nur das nötigste Heero," besänftigte Duo. Dann rückte er seine Notebooktasche zurecht und hob den zweiten Koffer.

„Hn, wenn das nur das nötigste ist, wie lange hast du denn vor hier zu bleiben?" Heero steuerte in Richtung des Parkhauses während er sprach.

‚Für immer' dachte Duo, aber er würde sich lieber auf die Zunge beißen, als dies jetzt schon zu enthüllen. Soweit war er noch nicht mit seiner Mission. „Ein paar Wochen, vielleicht zwei Monate. Ist das ein Problem? Brauchst du die Wohnung?" Duo hatte plötzlich die Vision, dass er ihre Wohnung verlassen musste um demnächst Jamie Platz zu machen. Er schüttelte sich innerlich, neuer Stoff für weitere Alpträume.

Heero drehte sich kurz zu ihm um, seine Stirn war in Falten gelegt. „Nein, kein Problem. Ich hatte nur nicht erwartet dass deine Recherchen hier solange dauern würden."

„Nun," sagte Duo gedehnt, „Es geht ja nicht nur um Recherchen. Da sind auch noch diese Vertragsverhandlungen zu denen mein Verleger mich praktisch zwingt," er lächelte breit um seinen Worten die Spitze zu nehmen. „Und außerdem werde ich mir viel Zeit für meine zwei besten Freunde nehmen. Nadine hab ich schon lange nicht mehr gesehen, und ich werde dich sooft es geht von der Arbeit entführen."

Heero schaute ihn aus großen Augen an, dann nickte er zustimmend. Duo hätte Freudentänze aufführen können. So wie der andere in letzter Zeit drauf war, hätte es auch genauso gut sein können, dass er nicht so freigebig mit seiner Zeit und Gesellschaft wäre. Und dann hätte Duo sich etwas Schlaues einfallen lassen müssen um sein Ziel zu erreichen. Es hatte scheinbar geholfen, dass er erklärt hatte, dass sein neues Interesse an Heeros Gesellschaft nichts mit Quatre zu tun hatte. Er hatte durch seien Beschreibungen von Quatres „Spanischer Inquisition" den anderen wohl viel zu wachsam werden lassen.

Kurz darauf erreichten sie die Heeros geparktes Auto. Duo seufzte tief. Der andere fuhr immer noch einen alten ausgebeulten Kombi. Sicher, jetzt war es gar nicht mal schlecht – immerhin hatten sie dadurch genug Platz für sein ganzes Gepäck. Aber für den CEO einer angesehenen, hippen Computerspiel Firma war das nicht wirklich das passende Fahrzeug. Heero bräuchte einen kleinen schwarzen Sportflitzer, beschloss Duo. Ein schickes Auto, bei dem es Duo Spaß machen würde es auszuleihen. Er grinste bei der Vorstellung und setzte diesen Punkt auf die lange Liste was er alles mit Heero machen würde.

Nachdem sie das Gepäck bequem in den Kofferraum gestapelt hatten, fuhren sie auch schon los. Heero war nicht besonders gesprächig während der Fahrt, aber es war ein gemütliches Schweigen. Hin und wieder sagten sie etwas und genossen einfach die Nähe des anderen.

Nach etwas mehr als der Hälfte der Fahrt gähnte Duo. „Boah bin ich müde. Diese Shuttleflüge schaffen mich wirklich."

„Hn, wir sind ja gleich da. Dann könntest du dich schlafen legen."

Duo warf einen flüchtigen Blick nach draußen. Es war zwar langsam dunkel, aber es kam Duo noch so überhaupt nicht nach schlafen vor. Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin noch auf die andere Zeitzone eingestellt. Wenn ich jetzt schlaf, dann bin ich in drei Stunden wach und morgen und übermorgen nicht mehr zu gebrauchen. Mein Schlafrhythmus ist sowieso vollkommen durcheinander, da werde ich mich lieber gleich richtig an eure Zeit gewöhnen. Aber Hunger hätte ich."

„Hn, ich hab ein paar Lebensmittel besorgt und bei dir in den Kühlschrank getan."

Duo blinzelte. „Danke, das ist furchtbar nett von dir." Es freute ihn wirklich, dass Heero an so eine Kleinigkeit gedacht hatte. Aber andererseits, es sollte ihn nicht dermaßen überraschen. Heero hatte schon vor Jahren, schon damals als sie noch zusammen waren, viel über menschliche Interaktion gelernt. Er war nicht mehr der perfekte Soldat, der nicht an so etwas für die Mission unbedeutendes denken würde.

„Aber weißt du was," fügte Duo hinzu. „Ich glaub ich will lieber essen gehen. Existiert das Thailändische Restaurant an der Straßenecke noch?" In dem kleinen Laden hatten sie mindestens einmal die Woche gegessen. Es war lecker, preiswert und keiner von ihnen hatte Essen kochen müssen.

„Ich glaub schon," antwortete Heero.

„Wunderbar, dann lade ich dich ein."

Es wirkte kurz so, als wenn Heero nicht sehr begeistert wäre. „Bist du nicht müde? Es wäre doch einfacher wenn du dir nur etwas zum mitnehmen holst."

Duo wischte diese Einwand mit einer Handbewegung fort. „Ach was. Ich freu mich schon mit dir dort essen zu gehen. So wie in alten Zeiten."

Er hatte die letzte Bemerkung kaum ausgesprochen, da spürte Duo auch schon, dass er damit wohl einen Fehler begangen hatte. Heeros Hände verkrampften sich merklich um das Lenkrad. Scheinbar war es keine so gute Idee den anderen an ihre gemeinsame Vergangenheit zu erinnern. Duos Mund schaltete auf Automatik und plapperte einfach weiter, hoffte so den unangenehmen Moment zu überspielen. „Die machen einfach das beste Erdnußcurry das es gibt. Und die Thom Kha Gai die sie servieren ist auch nicht von schlechten Eltern. Schön scharf."

Duo wusste nicht, ob es an seinem Geplapper lag, aber Heero entspannte sich wieder. Trotzdem speicherte Duo die Erkenntnis, dass Heero nicht allzu gern an ihre Vergangenheit erinnert werden wollte gut weg. Er konnte nur hoffen das Heero so reagierte, weil er traurig war dass es vorbei war und nicht weil er nie wieder auf diese Art und Weise etwas mit Duo zu tun haben wollte. Das könnte sonst zu einem kleineren Rückschlag bei Duos Mission führen.

Duo atmete tief durch und ermahnte sich zum tausendsten mal, Nadines Ratschlag zu befolgen. Er musste erst wieder Heeros Vertrauen gewinnen bevor er an einer tieferen Beziehung zwischen ihnen arbeiten konnte. Gerade diese kleinen Momente zeigten dies all zu genau. Aber Duo würde auf die richtige Gelegenheit warten können, er würde nichts übereilen und damit erst recht alles kaputt machen. Vollkommen egal ob diese tickende Zeitbombe namens Jamie über seinem Kopf schwebte oder nicht.

Und etwas weiteres wusste Duo auch, er durfte nicht zu verkrampft an die Sache herangehen. Damit würde er sicher nur das genaue Gegenteil erreichen. Natürlich war es viel schwerer sich an seine guten Vorsätze zu halten, als sie aufzustellen.

Kurz darauf hatte Heero den Wagen in der Tiefgarage des Hauses geparkt. Schwer beladen machten sie sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Als sie dann die Haustür erreichten, klopfte Duos Herz doch ziemlich aufgeregt.

Er hatte die Wohnung schon seit Jahren nicht mehr betreten. Bei den meisten seiner Besuche hier in der Stadt war er bei Nadine unter gekommen. Als er dann die Wohnung betrat schaute er sich zunächst vollkommen erstaunt und auch enttäuscht um.

Alles war umgestaltet worden. Natürlich hatte Duo gewusst dass dies passiert war. Schließlich war erst er und dann Heero ausgezogen. Sie hatten jeweils ihre Sachen und auch Möbel mitgenommen. Außerdem hatte die Firma die Wohnung renoviert und neutral möbliert, als entschieden wurde sie für Mitarbeiter und Gäste zu verwenden.

Nichts erinnerte mehr an ihre erste gemeinsame Wohnung. Sicher die Räume waren noch die gleichen, aber das Flair, die Einrichtung, einfach alles war anders. Duo kam sich mehr wie ein Besucher als ein Besitzer vor. Dies war nicht mehr ihr Heim. Nicht mehr der erste Ort der ihnen gemeinsam gehört hatte, den sie gemeinsam gestaltet hatten.

Duo seufzte tief und ließ seinen Koffer auf den Boden fallen, dann legte er die Notebooktasche auf den Schreibtisch der im großen Wohnraum stand. Er drehte sich einmal um die Achse und sah dabei alles an. „Das sieht sehr edel aus," erklärte er. Edel, ja genau dass traf es. Bei der Umgestaltung der Wohnung hatte ein Innenarchitekt sicher viel Geld verdient. Die Möbel, die Bilder, die Accessoires, alles war aufeinander abgestimmt und sicher nicht gerade billig gewesen.

Und nichts erinnerte mehr an das perfekte Chaos, dass ihre beiden Sachen früher hier gebildet hatten. Duos Krimskrams, Heeros Computerzubehör. Obwohl so vollkommen unterschiedlich hatten diese Gegenstände miteinander harmonisiert. Duo erinnerte sich fast schmerzlich daran, wie viel Spaß sie bei der Einrichtung der Wohnung gehabt hatten. Sie hatten alles selbst gemacht, zusammen die Möbelläden durchsucht und sich an den Renovierungen versucht. Sie waren ein Team gewesen.

Verdammt, wieso war er nur so blind und so dämlich gewesen und hatte das alles weggeschmissen? Obwohl er es in den letzen Wochen schon mehr als tausend mal getan hatte, hätte sich Duo in dem Moment am liebsten wieder selbst in den Hintern getreten.

„Hn. Welches Schlafzimmer möchtest du?" fragte Heero.

„Meins," antwortete Duo bevor er es sich anders überlegen konnte. Und so war es auch besser. Denn selbst mit all der Veränderung die diese Wohnung durchlebt hatte, fühlte sich Duo noch nicht in der Lage in ihrem gemeinsamen zu schlafen. Irgendwie schien das nicht richtig zu sein, dass würde er erst tun, wenn sie wieder zusammen wären.

„Das andere ist aber größer," war Heero ein.

Duo machte schnell eine abwehrende Handbewegung. „Kein Problem. Ich mochte die Aussicht von dem kleinen Zimmer besser. Wenn du die Koffer dorthin tragen könntest, dann pack ich hier schnell das nötigste aus und dann bin ich auch schon fertig."

„OK," erwiderte Heero und ging mit den Gepäckstücken in die gewünschte Richtung.

Duo blickte ihm noch kurz nach, dann holte er schnell sein Notebook aus der Tasche und stellte es auf den Schreibtisch. Ein paar Sekunden später waren die Kabel verbunden. So, dieses Möbelstück hatte er schon mal für sich erobert. Jetzt fehlte nur noch eines.

Andächtig holte Duo ein kleines gerahmtes Photo und eine Schraubenmutter aus der Tasche. Das Photo war nach dem Ende des ersten Krieges von allen fünf Gundam Piloten gemacht worden. Duo liebte dieses Bild. Sie waren da alle noch so furchtbar jung gewesen und sie hatten alle vollkommen glücklich ausgesehen. Die Schraubenmutter war das einzige Stück, dass er von seinem alten Kumpel Deathscythe hatte behalten können.

Nachdem er diese beiden Gegenstände auf den großen Couchtisch gestellt hatte, kam sich Duo zum ersten Mal heute in dieser Wohnung heimisch vor. Jetzt hatte er alles was er brauchte. Ein paar Klamotten, sein Notebook, seine Erinnerungen und Heero.

Vielleicht sollte er den Wing Piloten in der Wohnung anketten, damit dieses Gefühl nicht mehr weggehen konnte. Duo schüttelte über sich selbst den Kopf. Dann ging er kurz ins angrenzende Badezimmer um sich ein wenig frisch zu machen. Der Shuttleflug dauerte nur wenige Stunden, trotzdem kam er sich vollkommen durchgeschwitzt vor.

Als er aus dem Badezimmer kam, fand er Heero, der neugierig die Mutter in die Hand genommen hatte und sie betrachtete. „Hast du dieses alte Stück immer noch?" fragte er.

„Aber natürlich. Das einzige Erinnerungsstück das ich von Deathscythe hab. Wo ich bin, da ist auch dieses Stück Gundanium." Duo grinste während er das sagte.

Heero schaute ihn bedeutend an, dann legte er die Mutter wieder auf das Regeln. „Wenn du fertig bist, dann können wir ja gehen."

Gesagt, getan. Ein paar Minuten später saßen sie in dem gemütlichen Restaurant. Im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Läden, hatten die Besitzer hier auf einen Großteil der üblichen Kitsch-Accessoires verzichtet. Alles war effizient und gemütlich eingerichtet. Wahrscheinlich hatte der Laden Heero deshalb so gut gefallen.

Es könnte natürlich auch am Essen liegen. Diese Erkenntnis traf Duo, als er den ersten Löffel seiner Lieblingssuppe schlürfte. Er hatte noch keinen anderen Laden gefunden, die die Thom Kha Gai so gut hinbekamen. „Mjamm! Ist das lecker!" erklärte er aus tiefstem Herzen.

Heero nickte bestätigend.

Sie ließen sich Zeit beim essen. Die Atmosphäre war entspannt und sie unterhielten sich über Gott und die Welt.

„Wie geht es mit deinem Buch voran?" fragte Heero als sie beim Hauptgericht angekommen waren.

Ein Bissen vom Erdnuss-Curry und Duos Magen frohlockte. „Super," erklärte er. „Ich bin sogar etwas schneller als unser Zeitplan vorschreibt. Wir werden wohl keine Probleme haben, es im März heraus zu bringen. Mein Verleger prophezeit grandiose Verkaufszahlen."

Heero sah ihm tief in die Augen. „Das ist gut. Du hast schon so lange nichts mehr geschrieben."

Duo zuckte fast zusammen. Verdammt, bald musste er Heero und den anderen aber wirklich von seinem Pseudonym erzählen. So ging es nicht mehr weiter, irgendwann würde er sich noch in eine Lüge verheddern. Er nahm sich fest vor, dieses Thema anzusprechen, wenn sie das nächste Mal alle beisammen waren. Auf jeden Fall noch bevor das Buch heraus kam.

Nur heute würde er noch nichts sagen. Dass er jetzt Fantasy Romane schrieb, obwohl er dieses Genre früher genau wie Heeros Rollenspielleidenschaft immer verdammt hatte, dass könnte vielleicht etwas blöd wirken. Das würde er Heero erklären, wenn dieser nicht mehr daran zweifelte, dass sie immer noch beste Freunde waren.

„Geschrieben hab ich schon so einiges. Nur kein großes politisches Buch."

„Hn, ich hatte fast schon befürchtet, du hättest das Schreiben aufgegeben."

Duo blickte Heero mit echtem Entsetzen an. „Ich das Schreiben aufgeben? Niemals! Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich Autor werden würde. Aber das ist genau dass, was richtig für mich ist."

„Es ist gut das du deinen Weg gefunden hast."

Eine kurze Pause entstand. Und Duo beeilte sich diese zu überbrücken. „Und wie sieht es bei dir aus? Machen dir deine Manager immer noch das Leben zur Hölle?"

Heero wiegte seinen Kopf hin und her. „Es ist besser geworden, seit ich den größten Quertreiber entlassen habe."

„Das ist gut!" grinste Duo.

„Ja, das ist es. Trotzdem machen sie sich immer noch Sorgen um die Zukunft von Wing."

Duo warf Heero einen verwirrten Blick zu. „Wieso denn das?"

„Nun, sie befürchten, dass durch Gordons Weggang sich die Qualität der nächsten Spielegenerationen verschlechtern könnte."

Duo runzelte die Stirn. „Aber ich dachte die Spiele sind dein Baby? Welchen Einfluss kann Gordon da schon gehabt haben?"

„Nun das ist so. Gordon war immer unser Spielleiter. Das ist derjenige der sich die Abenteuer die die Gruppe erlebt ausdenkt."

„Und?" fragte Duo neugierig.

„Und am Anfang, bei allen Versionen von Deathscythe, da hat Gordon auch zu der Geschichte die Grundidee gehabt. Natürlich wurde das alles noch verfeinert und verglichen zu den Rest das Deathscythe ausmacht ist es nur ein kleiner Teil. Aber die Fans lieben dieses Spiel ja auch, weil es neben der unglaublichen Effekte und Tricks auch eine halbwegs intelligente Geschichte aufweisen kann. Das unterscheidet uns von so vielem Mist der auf dem Markt ist."

„Ok, versteh ich. Weil Gordon bisher die… ich nenn es mal kreativen Ideen zur Geschichte hatte, befürchtet dein Vorstand jetzt, dass die nächsten Spiele seelenlos werden."

Heero nickte. „Genau so ist es. Diese Angst ist natürlich vollkommen unbegründet. Schon jetzt arbeiten mehrere gute Storyautoren für uns. Die werden Gordon ohne weiteres ersetzen können. Aber besonders jetzt, wo ich daran denke Deathscythe auslaufen zu lassen, da wird mein Vorstand nervös."

Duo zuckte zusammen. „Wieso willst du Deathscythe auslaufen lassen?"

„Nun ja, ich finde zwei Sequels zu einem Spiel, das reicht aus. Deathscythe ist immer noch ein Top Spiel und wird es sicher auch noch auf Jahre hinaus leiben. Aber ich will mich nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Und ab jetzt nur noch weitere Add-Ons zu diesem Spiel herausbringen. Ich stehe nicht gern still."

Ein verräterisches Leuchten erhellte Heeros Augen. Duo lächelte tief. „Oh, du hast wohl schon konkrete Pläne?"

Der andere nickte begeistert. „Ich will eine vollkommen neue Welt erschaffen. Mit einem vollkommen neuen Spielprinzip. Wir stehen im Moment in Verhandlung über die Rechte an einer Buchserie. Wenn wir die bekommen, dann könnte das der nächste Meilenstein im Computerspiel-Genre sein. Du kannst dir gar nicht vorstellen, welche Tricks wir einbauen wollen."

Heero geriet ins schwärmen. Und Duo wurde es warm ums Herz. So begeistert hatte er den anderen schon lange nicht mehr erlebt. Duo lauschte noch eine Weile den Beschreibungen. Dann sagte er. „Das hört sich alles wahnsinnig aufregend an. Ich hätte im Leben nicht vermutet, was alles hinter der Entwicklung eines Spieles steckt. Aber auch wenn ich nicht viel Ahnung von dem ganzen hab, ich glaub das wird ein Renner."

„Das hoffe ich auch," bestätigte Heero.

Duo konnte diese Hoffnung gut verstehen. In der Öffentlichkeit wurde Wing immer mit Gordon und Heero gemeinsam verbunden. Dieses neue Projekt war praktisch seine Art sich von diesem Image freizuschwimmen. Sollte dieses neue Spiel der Erfolg werden nach dem es sich anhörte, dann würde Gordon bald in Vergessenheit geraten.

„Das sind ja tolle Pläne. Wann wird dieses Spiel herauskommen?"

„Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, vielleicht in eineinhalb Jahren."

„Wow, so lang?"

„Wir erschaffen da eine neue Welt Duo, das dauert so seine Zeit."

„Also für meine Bücher brauch ich nicht so lang," witzelte Duo.

Und tatsächlich, anstatt ärgerlich zu werden, lächelte Heero nur.

„Und damit bist du denn jetzt vollkommen beschäftigt?" hakte Duo nach.

Ein Kopfschütteln antwortete ihm. „Nein nicht nur. Im Moment konzentrier ich mich eher auf die Planung für die World-Convention?"

„Äh…." sagte Duo. „Was ist das?"

Heero sah ihn vollkommen ungläubig an, so als könnte er nicht fassen, dass jemand das nicht wusste. „Das ist die größte Convention/Messe die es im Rollenspiel Sektor gibt. Alle großen Spielefirmen werden sich dort den Fans vorstellen. Das ist jedes Jahr ein riesiges Ereignis."

„Sorry, sagt mir immer noch nicht viel."

Heero legte sein Besteck zur Seite und begann ernsthaft zu erklären. „Stell es dir als Messe vor. Eigentlich alle Firmen die in diesem Genre etwas anbieten, haben dort ihre Stände, stellen ihre Produkte vor. Die Besucher – die Fans und unsere Kunden – kommen um sich über Neuheiten zu informieren. Und um einander zu treffen. Es gibt dort Spielturniere, viele erscheinen in ihren Kostümen. Um es kurz zu sagen, es ist ein großes Happening."

„Aber ihr habt doch gar kein neues Spiel, oder? Deathscythe 3 ist schon seit November im Handel."

Heero winkte ab. „Das hat ja nichts zu sagen. Wir werden natürlich trotzdem groß auf der Messe vertreten sein. Die Fans erwarten dass. Dort werden unsere Meisterschaften ausgetragen, es gibt Cheatertreffen und und und. Ach ja und ich werde natürlich auch da sein."

Auch dieses Thema schien Heero zu begeistern. Duo konnte sich zwar nicht wirklich vorstellen, wie der ehemalige Gundam Pilot sich in einer so schwer zu beherrschenden Menschenmenge wohl fühlen konnte, aber es war sicher auch nicht verkehrt für Heeros Ego, wenn er sich unter seine bewundernden Fans begab. Wenn Duos Beobachtungen korrekt war, dann verehrten die Deathscythe Spieler dessen Erfinder fast abgöttisch. Das konnte nicht schaden.

„Wann ist denn diese Convention?" fragte Duo. Er hatte so am Rande mitbekommen, dass dort auch Meisterschaften ausgetragen wurden. Wahrscheinlich würde dieser Jamie sich das nicht entgehen lassen.

„Anfang März," erklärte Heero.

OK, bis dahin wollte Duo den anderen eh für sich erobert haben. Und wenn das bedeutete, dass er zu so einer Convention gehen musste, dann war es halt so.

Während des Redens hatten sie beide das Essen beendet. Heero blickte auf seine Uhr. „Oh schon so spät. Ich muss morgen früh raus."

Duo seufzte, aber daran war wohl nichts zu ändern. „Kein Problem Heero. Ich danke dir für deine Gesellschaft. Wann hast du morgen Feierabend?"

„So gegen sieben, denke ich. Wieso fragst du?"

„Wenn du magst, dann würde ich gerne etwas mit dir unternehmen."

„Was denn?" fragte Heero argwöhnisch.

„Das ist ein Geheimnis," erklärte Duo schnell. Eigentlich wusste er nur noch nicht genau was er denn tun wollte.

Heero schien für einige Momente überlegen zu müssen. „Willst du dich nicht mit Nadine treffen?" hakte er noch einmal nach.

Duo schüttelte den Kopf. „Nein, die treffe ich tagsüber. Was sagst du jetzt zu meiner Idee?"

Heero stockte noch einmal, doch dann nickte er. „OK, dann treffen wir uns morgen."

„Super!" grinste Duo. Er hatte schon befürchtet, dass Heero nein sagen würde. Und diese Option war bei seinem großartigen Plan eigentlich nicht vorgesehen. Jetzt musste er sich nur noch etwas neutrales, nettes ausdenken, dass sie morgen machen konnten. Duos Gehirn fing sofort an zu arbeiten. Er freute sich schon auf den nächsten Tag.