Neben James wird auch ganz schön brutal in diesem Kapitel. Aber die 18 steht nicht nur Lemons.
Auch der ‚liebe' James gehört zu SM (na wenn das nicht doppeldeutig ist^^)
Alice saß am Frühstückstisch; sie hatte gesehen, dass ihre Qualen heute nicht erst nach dem Mittag stattfinden würden, also verschlang sie so viel, wie sie essen konnte; wie eine Henkersmahlzeit. Gerade als sie den letzten Bissen heruntergeschluckt hatte, näherte sich ihr einer der Wächter; sie wunderte sich, wo Richard heute war. Er hatte ziemlich deutlich klar gemacht, dass er derjenige Wächter sei, der Alice überall hin begleiten würde; einer der anderen Wächter hatte immer noch ein Gefühl der Luftnot, wenn er in Richards Nähe war, obwohl die Male längst verschwunden waren. Richard musste also wegen einer wichtigen Sache außer Haus sein; gerade heute, dachte sich Alice, als sie dem bulligen Mann in das Behandlungszimmer folgte.
„Miss Brandon, setzen sie sich doch", Dr. van Grieg begrüßte sie mit einem aufgesetzten Lächeln.
„Es tut mir Leid, wenn ich ihren Tagesplan durcheinander gebracht habe, aber ich glaube wir sind kurz davor einen Durchbruch zu landen." Er hatte ein Funkeln in den Augen, das Alice Angst machte; sie blickte auf ihre Füße. Van Grieg kam hinter dem Tisch hervor und setzte sich lässig auf die Kante vor Alice; nur wenige Zentimeter trennten sie jetzt.
„Wer ist Jasper, Miss Brandon?", sein Blick klebte an ihren Augen; er lächelte triumphierend, als sie kaum merklich zusammenzuckte.
Das war es also, was ihre Strafe auslösen würde, dachte Alice. Sie hatte nur die Konsequenzen gesehen; nicht, was dort hinführen würde. Sie blieb stumm.
„Ich frage nur noch ein weiteres Mal", warnte van Grieg, „Wer ist Jasper, Alice? Was hast du letzte Nacht gesehen. Wage es nicht mich anzulügen! Ich war in deiner Zelle; ich war dabei, als du die Vision hattest."
Alice erschauderte bei dem Gedanken, dass dieser widerliche Mörder in ihrer Zelle war; ihr so nah. Aber sie wusste, dass Jasper auch da gewesen sein musste; dass hatte er ihr versprochen also war sie zu keiner Zeit in echter Gefahr; anders als jetzt. Sie schaute dem Dr. in die Augen; mit Entschlossenheit zeigte sie, dass sie nichts über die Vision sagen würde, selbst jetzt, wo sie überführt war.
„Ich frage mich wirklich, wer er ist; ein ungewöhnlicher Name; keiner unserer Insassen oder Angestellten heißt so. Aber wer er auch ist, er wird dich nicht davor retten können, was ich gleich mit dir vorhabe. Du hattest genügend Chancen, dich mir zu öffnen, meine Liebe. Ich hätte dir alles gegeben. Mit deinen Fähigkeiten hätten wir zusammen reich werden können; dann hätte ich dieses Loch hier verlassen können; aber du hast dich entschieden. Verabschiede dich von dem Gedanken, ihn je wieder zu sehen.", er drückte auf den kleinen Knopf auf dem Tisch.
„Nein", Alice hielt sich eine Hand vor dem Mund.
„Ah, sie spricht ja doch", van Grieg lachte. „Nur zu, Kleines. Ich werde einer der letzten Menschen sein, mit denen du die Gelegenheit hast zu sprechen."
In diesem Moment kam der bullige Wächter wieder in den Raum und nahm Alice mit in den Keller. Van Grieg dicht auf ihren Fersen. Alice wurde an einen eine Liege gefesselt; Arme, Beine und Kopf waren unbeweglich. Dann näherte sich der Wächter mit einer Rasierklinge; Alice zuckte zusammen, als sie das glänzende Metall sah; sie hatte es kommen sehen, sagte sie sich; es ist Schicksal; nichts wird es ändern können; es gab keinen Grund, Grieg noch die Freude zu machen, ihre Angst sehen zu können, also blieb sie stark.
„Wartet, Ted! Ich mache das.", van Grieg nahm die Klinge entgegen. „Ihr könnt dann gehen! Ich will die nächsten Stunden nicht gestört werden!", sein Blick war teuflisch; Ted war froh, hier nur Angestellter und nicht Insasse zu sein, als er den Raum verließ.
Der Dr. stellte sich genau hinter Alice Kopf, als er sich zu ihr runter beugte und ihr fast zärtlich ins Ohr flüsterte: „Weißt du, eigentlich würde es reichen deine Schläfen zu rasieren, damit deine Haare nicht Feuer fangen, wenn ich die Elektroden gleich in deinen Kopf steckte, aber diese Haare waren mir schon länger ein Dorn im Auge", er fuhr ihr vorsichtig über den Kopf und kämmte ihre schwarze Mähne mit seinen Fingern durch, „Ich will das du nie wieder die Chance hast, dich hinter ihnen zu verstecken", er schnitt die ersten Strähne grob ab, dann zog er an einer weiteren; der Schmerz war dumpf; er zog an vielen Haarwurzeln „Ich will, dass du begreifst, wie dumm es ist, etwas vor mir zu verstecken", eine weitere Strähne fiel zu Boden, „egal ob dein Gesicht", weitere schwarze Haare, „oder deine Gedanken", von ihren langen Haaren war nichts übrig geblieben; kurz wie ein Jungenhaarschnitt blieb ihr Kopf zurück, als er die Klinge an ihren Schläfen ansetzte und nun endlich die Stellen kahl schor, die für die Elektroden gebraucht wurden.
Dann wechselte er die Werkzeuge; die Elektroden waren spitz und lang; er strich sie ihr am Dekolleté entlang, den Hals herauf; das Metall hinterließ eine Spur auf ihren Wangen, als er es mit etwas mehr Druck über ihre Haut zog; schließlich kam er an ihren Schläfen an; er richtete die Elektroden auf und rammte sie ihr mit Kraft bis zum Anschlag in den Schädel; er war regelrecht erregt bei der Vorstellung, in sie eingedrungen zu sein. Alice holte einmal schlagartig Luft, konnte jedoch einen Schrei unterdrücken.
Das Blut tropfte auf die Liege und in einem Rinnsal auf den Kellerboden; es war nicht das erste. Man konnte eine Lache an getrocknetem Blut ausmachen, es wäre sinnlos gewesen, es jedes Mal zu reinigen, wenn neues herunter tropfte.
Van Grieg drehte sich um und schaltete das Gerät ein; zunächst auf einer niedrigen Stufe. Ein weißer Blitz zuckte vor Alice Augen; der Schmerz war unerträglich. Der Strom nahm ihr jegliche Wahrnehmung außer dem Schmerz. Ihre Lippen waren hart aufeinander gepresst; ihre Atmung war schnell aber kein Ton verließ ihren Mund. Van Griegs Finger zuckten an der Maschine; er konnte sich kaum Zügeln den Regler zu drehen; nur ein kleines Stück, zwang er sich. Das Gefühl von Macht war berauschend, obwohl es ihn reizte, dass Alice nicht schrie.
Als die zweite Welle Alice traf, biss sie sich auf die Unterlippe, ihre Augen rollten in den Kopf zurück und sie wurde bewusstlos; ein Zustand ohne Schmerzen; Gnade. Van Grieg drehte den Regler herunter und stürmte zur Liege. Seine Hand traf Alice hart im Gesicht und hinterließ eine Platzwunde auf derselben Wange, die schon am Vortag etwas abbekommen hatte. Alice erwachte mit einem Stechen im Gesicht und einem unvorstellbaren Kopfschmerz, der sie wahnsinnig machte. Sie wollte betteln, um den Tod, um Erlösung, als sie ihre Augen aufschlug und das widerliche Gesichts van Griegs grinsend direkt über ihr sah.
„Nicht einschlafen, mein Prinzesschen! Sonst verpasst du doch den ganzen Spaß", nein sie würde ihm nicht mehr geben, worüber er triumphieren würde; jeden anderem, aber ihm würde sie keinen Schrei und kein Betteln geben; sie würde langsam sterben. Der Gedanken an Jasper kam ihr vor die Augen; sie hatte sich so gewünscht, mit ihm zu fliehen. Aber er wollte sie anscheinend nicht so wie sich selbst; ganz ähnlich wie schon Richard. War es denn wirklich besser so zu sterben, als ein Monster zu werden? Sie würde es wohl nie erfahren.
Bevor sie den Gedanken zu Ende denken konnte, durchstieß sie ein weiteres Mal der Schmerz, diesmal noch stärker als zuvor; ihr Körper wölbte sich unter dem Strom; ihr Rücken wurde auf unnatürlich Weise durchgedrückt; man konnte den Geruch von verbranntem Fleisch riechen, von den Stellen, in denen die Elektroden in ihrem Kopf steckten. Sie versank ein weiteres Mal in eine tiefe Ohnmacht.
Richard hatte die Tagesschicht. Es war seine Aufgabe, die großen Tore zu überprüfen, bevor er, die Zellen öffnete und einige der Patienten zum Frühstück brachte. Er war verleitet seine Aufgabe in unmenschlicher Geschwindigkeit durchzuführen, um schnell nach Alice zu sehen. Es fiel ihm schwer dem unbekannten Vampir zu trauen, selbst wenn Alice ihr gesamtes Vertrauen in Jasper setzte. Eine kleine Bewegung könnte ausreichen, ihr Leben für immer zu beenden und Jasper musste noch nie über etwas so Verletzliches wachen. Aber er blieb in menschlicher Geschwindigkeit und ging zu den Eisentoren.
Dort angekommen drehte der Wind; er brachte sich augenblicklich in eine defensive Postionen; seine Sinne waren geschärft. Ein weiterer Vampir trieb sich in den Wäldern herum; sehr nahe der Anstalt. Hätte Alice das nicht kommen sehen müssen; eine weitere Gefahr für ihr wertvolles Leben. Warum kamen in letzter Zeit so viele Vampire hier vorbei; die letzten fünf Jahre hatte sich kein einziger hier her verirrt. Dem Geruch folgend begab er sich vorsichtig in die Wälder, dann immer schneller dem unbekannten Geruch folgend.
James war eher zufällig in dieser Richtung unterwegs, als er den Geruch eines weiteren Vampirs aufnahm; Jaspers Spur war noch immer leicht zu vernehmen. James macht sich mehr aus Langeweile daran der Spur zu folgen; sein Gespür zu trainieren. Er war noch ein ziemlich junger Vampir, wenige Jahre alt, aber er wusste von seinem Schöpfer, dass seine Fähigkeiten Menschen oder Vampire aufzuspüren seine Gabe war. Er musste noch daran feilen, deshalb hatte er es zu einem Sport gemacht schwierige Opfer zu jagen; Menschen mit besonderem Blut. Meist verschlang er bei seinen Jagden ein paar Unglückliche zwischendurch; Kollateralschaden, wie er es nannte.
In letzter Zeit hatte er aber niemand interessanten gerochen, also folgte er Jaspers Fährte nur um seine Sinne zu testen. Er hoffte inständig, dass Jasper ein schwächerer Vampir als er war, damit er ihn bedrohen konnte; zur Flucht animieren; nur um ihm anschließend zu folgen und umzubringen. Das gleiche hatte er mit seinem Meister getan, als es nichts mehr von ihm zu lernen gab; der Alte hatte es schnell bereut so ein krankes Wesen wie James geschaffen zu haben.
Als er sich unbewusst St. Helen näherte, witterte er plötzlich eine weitere nicht-menschliche Spur; diesmal ganz frisch; der Geruch kam auf ihn zu; schnell. Er begab sich in Angriffsposition; er wusste, würden beide Vampire zusammen gehören, hätte er keine Chance. Außer…ja außer es war ein Paar. Die Angst umeinander würde das Spiel noch viel interessanter machen; wenn sie füreinander kämpften. Er müsste sich ein paar Tricks einfallen lassen, um sie Einzeln zu erwischen, aber das wäre der Spaß seines Lebens; er hatte es noch nie mit zwei Gegnern aufgenommen.
Als er Richard Gestalt sehen konnte, lachte er still in sich hinein; er wusste zwar, dass man einen Vampir nie unterschätzen sollte, aber Richard sah einfach nicht wie ein typischer Kämpfer aus. Das Spiel konnte beginnen.
Als Richard die Aura des Vampirs zu spüren bekam, war er augenblicklich in Panik; es würde anders als mit Jasper werden; das war gewiss. Dieser Vampir strahlte eine Arroganz und Überheblichkeit aus, die widerlich war, aber viel schlimmer, war das Gefühl, das über allem lag, für alles verantwortlich war. Neid. Er schien nie zufrieden mit etwas zu sein; immer gierig nach mehr. Von oben herabguckend, um seine eigene unbedeutende Existenz zu verstecken.
Ein falsches Wort; ein Anreiz und dieser Vampir könnte sein größter Feind werden. Er durfte Alice nicht erwähnen, oder seine Arbeit. Aber wie konnte er die Menschen schützen? Würde er das Sanatorium erwähnen würde dieser unheimliche Vampir es direkt aufsuchen; er musste ihn weglocken, aber wohin? Kein Mensch oder Vampir hatte es verdient mit diesem Scheusal Bekanntschaft zu machen, aber selber konnte er ihm nichts entgegen setzen; zu schwach für einen Kampf. Da kam ihm eine Idee; er würde es nicht gerne tun, aber vermutlich wäre Jasper in der Lage dieses Scheusal zu beseitigen, für Alice Sicherheit würde er dieses Opfer doch wohl begehen. Auch wenn es offensichtlich war, dass er Töten verabscheute, schien er ein ausgesprochenes Talent dafür zu haben.
Als er in Hörweite war, sprach er mit ruhiger und fester Stimme: „ Hallo, junger Freund. Mein Name ist Richard Knudson. Was führt dich in diese verlassene Landschaft, in der man kaum als Single-Vampir genug Blut bekommt", er lachte trocken, in der Hoffnung James würde den Wink richtig verstehen und nicht als Herausforderung.
James konnte sehen, wie angespannt Richard war; kein Wunder er war eindeutig unterlegen. Aber etwas stimmte an ihm nicht; er hatte nicht nur einfach Angst, um sein eigenes Leben; er versuchte etwas zu verstecken. Warum hatte er sein Singleleben betont, wenn doch eindeutig noch ein weiterer Vampir hier gewesen war. Hatte er ihn erledigt oder war er hier nur zufällig vorbeigezogen? Er blieb auf der Hut; es war sein Spiel, er würde sich nicht in die Karten gucken lassen.
„Hallo, Richard", er beugte den Kopf leicht, „ich bin James", er lachte kurz und gehässig „meinen Nachnamen habe ich schon länger nicht mehr benutzt. Lass mich überlegen…ich glaube es war Foster."
„Schön dich kennenzulernen, James." Entgegnete Richard höflich.
„Ja, schön. Sag Richard; lebst du hier? Du scheinst dich hier auszukennen, wenn du sagst, dass es ringsum kaum Blut für einen Vampir gibt", er legte seinen Kopf neugierig zur Seite.
„Ähm, ja. Ein paar Kilometer in diese Richtung", Richard deutete in die entgegengesetzte Richtung des Sanatoriums, „liegt eine kleine Stadt und da ich der einzige Vampir war, konnte ich es mir leisten in der Nähe zu bleiben und regelmäßig dort zu speisen. Aber ich bleibe nicht allzu gerne dort in der Nähe, also lebe ich hier weiter draußen. Aber es ist halt nur eine kleine Stadt und nach den Opfern, die ich schon verursacht habe, werde ich wohl auch bald weiterziehen müssen, bevor die Volturi auf den Plan treten", er versuchte witzig zu klingen aber wählte die Bedrohung der Hüter bewusst, um James abzulenken.
„Und kommen hier häufiger andere Vampire vorbei, so wie ich, und machen deinen Tag schwer?", James lachte, um die Stimmung aufrecht zu erhalten. Er ließ sich von der Warnung nicht abschrecken; den Volturi war scheißegal, was ein einzelner Vampir so alles anstellte, solange er sich dabei nicht öffentlich filmen ließ; so viel konnte sein Meister ihm noch sagen, bevor er ihn köpfte.
„Nein eigentlich nicht. Du bist der erste, seitdem ich hier bin. Man sucht als Vampir ja doch lieber die dicht besiedelten Landstriche auf, wenn man nicht gerade emotional an einen Ort gebunden ist."
„Das ist ja höchst interessant, weil ich nämlich die Fährte eines weiteren Vampirs aufgenommen habe, die in diese Richtung führt", er zeigte zum Sanatorium, „und wenn du dich hier so gut auskennst, solltest du ihm begegnet sein, oder?", er legte seinen Kopf auf die andere Seite und ließ seine Halswirbel knacken.
Verdammt. Richard war ertappt. Aber wie konnte es sein, dass James Jasper riechen konnte; er selbst konnte nichts davon wahrnehmen und Jasper war nur einmal hier entlang gekommen, hatte nicht einmal gerastet. Er hatte ihn nicht erwähnt, weil er nicht wusste, wie James darauf reagieren würde. Er wusste es immer noch nicht.
Er könnte mit seinem starken Freund drohen, doch würde James ihn wahrscheinlich gleich töten. Wenn er ihn als Freund nur erwähnte, würde die Tatsache James sicher neidisch machen; Freunde waren selten unter Vampiren. Aber jetzt, wo James ihn riechen konnte, würde ihn das direkt in Richtung Alice treiben; er musste das verhindern.
„Achso, ja. Das war ein Unfall. Wenn man mit dem Essen spielt. Haha. Das muss der Neugeborene sein, den ich vor kurzem ungewollt verwandelt habe. Ich versuche ihn unter Kontrolle zu bringen, aber behalte ihn lieber weit weg von der Stadt. Er ist unberechenbar. Du würdest nicht gern in seiner Nähe sein. Ich bin noch nicht gewohnt, ihn in meiner Gegenwart zu haben, deswegen habe ich ihn vorher noch nicht erwähnt. Wenn er bei Verstand ist, werde ich ihn wegschicken. Es war wirklich nur zufällig, dass ich ihn nicht getötet habe; als ich ihn wiedergefunden habe, dachte ich, es wäre besser ihn zumindest in unsere Regeln einzuführen", er hofft, dass die Mischung aus Bedrohung durch einen starken unkontrollierbaren Vampir und zwangloser Bindung zu diesem James weder provozieren noch neidisch machen würde.
„Ja, wenn man mit dem Essen spielt", stieg James auf Richards Witz ein. Er war unentschlossen. Auf einen Kampf mit einem Neugeborenen hatte er keine Lust. Tatsache ist, dass er gegen seinen Schöpfer nur eine Chance hatte, weil die letzten Reste seines eigenen Blutes noch in seiner Zirkulation schwirrten.
Aber er war nicht der Typ aufzugeben. Er musste sich die Sache zumindest selbst nochmal ansehen, bevor er dieses Spiel aufgab; vielleicht log ihn dieser alte Mann ihn ja an, um sich zu schützen. Gegen ihn hätte er definitiv leicht gewonnen. Aber ein einfacher Kampf war ihm zu langweilig. Er brauchte den Kick der Jagd. Vielleicht war ja noch nicht alles verloren. Erstmal ließ er den Alten in falscher Sicherheit zurück. Er würde ihm in einem gebührenden Abstand zu seinen ‚Neugeborenen' folgen und dann weiter entscheiden.
„Tja, Richard, dann hat es mich gefreut deine Bekanntschaft zu machen. Aber auf einen jungen Wilden habe ich nun wirklich keine Lust. Und es liegt mir natürlich fern in deinen Jagdgründen zu wildern. Ich bin mir sicher in der nächsten Stadt findet sich schon was für mich; ich habe auch erst vor kurzem gegessen, sodass ich es bis dahin noch aushalten werde. Einen schönen Tag noch", er verschwand.
Richard wusste, dass etwas nicht stimmte. Es lag einfach nicht in der Natur dieses Vampires so zu reagieren; freundlich, höflich. Aber er gab ihm auch keinen Grund, weiter nachzuhaken. Es war doch die beste Möglichkeit, oder? Keiner war in Gefahr? Das ungute Gefühl blieb in seinem Bauch. Er überlegte noch einige Minuten, was er tun solle, als er sich auf den Rückweg machte.
Seine Abwesenheit würde schon längst bemerkt worden sein. Was würde Alice wohl denken, wenn er sie nicht zum Frühstück abholen würde. Da war er wieder; der dringende Gedanke schnell bei ihr zu sein und sich zu vergewissern dass es ihr gut ging. Er hastete zurück zu den Mauern von St. Helen. Dort angekommen bemühte er sich menschliche Geschwindigkeit aufrecht zu halten, anstatt seinen Trieben folgend so schnell zu laufen, dass kein menschliches Auge ihn wahrnehmen würde. Er grüßte die Torwache hastig im Vorbeigehen und murmelte etwas davon, dass er die ständigen Schreie nicht aushalten konnte und die Ruhe der Wälder brauchte. Im Sanatorium begab er sich direkt zum Frühstücksaal. Alice war nicht da. Merkwürdig. Es wäre doch gewiss ein anderer Wärter da gewesen sie abzuholen. Er ging in ihre Zelle, überrascht Jasper, und nur Jasper dort anzutreffen.
„Was machst du noch hier und wo ist Alice?", sagte er panisch.
„Wie meinst du das: Wo ist Alice? Solltest du das nicht wissen; du läufst doch dort draußen rum und hast sie ständig im Auge. Ich bin nur hier, weil ich gehofft habe, sie bald wieder zu sehen. Ich kann nicht länger in den Wäldern bleiben. Sie braucht mich; das hat sie gestern Abend deutlich gemacht", der Gedanke, dass der Richard anscheinend nicht wusste, wo Alice ist, verstärkte nur die Angst, die er die Nacht schon hatte. Irgendwas hatte sein Name bei dem Dr. ausgelöst und es war nichts Gutes.
„Ich hab keine Lust mich mit dir zu streiten. Ich habe in den Wäldern einen weiteren Vampir getroffen, deswegen war ich eine Weile weg und konnte nicht für Alice da sein. Der Typ ist gefährlich und aggressiv. Ich hoffe, er ist weg, wie er meinte. Aber irgendetwas sagt mir, dass dieser Typ Ärger machen wird. Jasper, ich kann nichts gegen ihn machen. Das musst du übernehmen. Sei wachsam. Ich muss Alice suchen. Es sollte ja nicht so schwer sein ihren Geruch hier zu finden. Bis später!", er drehte sich schon um, als Jasper ihn zurückhielt.
„Der Dr. muss irgendetwas mit ihr angestellt haben; er war gestern Nacht hier, als sie im Schlaf meinen Namen geflüstert hat. Er hat darauf ziemlich merkwürdig reagiert. Bitte, Richard, lass mich mit dir kommen. Ich kann nicht draußen nach einem Vampir suchen, wenn ich nicht weiß, was mit ihr ist.", sein Ausdruck wurde flehend; er machte sich wirklich Sorgen um Alice.
„Das geht nicht, Jasper und das weißt du auch. Du kannst hier nicht mit mir rumlaufen. Das ist nicht gerade ein Ort, wo Gäste willkommen oder häufig sind, selbst wenn du deinen Durst vergessen kannst", Jasper Gesicht zeigte Entschlossenheit; er würde nicht gehen bevor er nicht wusste, wie es Alice ging, „also gut, warte hier. Ich werde sie suchen. Wenn ich sie gefunden habe, komme ich wieder, erzähle dir von ihrem Zustand, dann gehst du und suchst die Umgebung nach diesem James ab. Wenn er weg ist, umso besser, dann kommst du wieder her und kannst heute Nacht wieder bei Alice bleiben. Wenn er aber noch da ist, musst du dich um ihn kümmern. Er ist eine viel zu große Gefahr für die Menschen hier, ganz besonders für Alice. "
„Du verlangst von mir, dass ich einen fremden Vampir töte, nur weil er hier in der Nähe ist und ich im Gegensatz zu dir in der Lage bin, ihn zu killen? Wärst du mit mir auch so vorgegangen, wenn du die Chance gehabt hättest?", Jasper sträubte sich dagegen schon wieder als Mordinstrument, als Soldat für einen schwächeren Vampir zu dienen, nur weil dieser ihm eine verdrehte Logik andrehen wollte. Auch Maria hatte ihre Reden geschwungen, um ihm von der Notwendigkeit des Todes zu überzeugen. Er hatte sich nach vielen Jahren Unterwerfung dagegen entschieden, warum sollte er jetzt in dieses Schema zurückfallen?
„Bitte Jasper, ich weiß, dass du nicht töten willst und ja, vielleicht reagiere ich etwas über. Aber es bestehen zwei Fakten: Erstens, es geht um Alice. Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich würde mein Leben für sie lassen und seines erst recht. Nein ich hätte dich nicht getötet, selbst wenn ich es gekonnt hätte, weil du ihr Engel bist; unter anderen Umständen vielleicht. Zweitens, ich habe die Aura dieses Vampires gespürt. Er ist nicht wie wir. Er ist von Neid zerfressen. Wenn er sieht, welche Gefühle wir für Alice haben, wird er sie zerstören; nur aus Spaß. Ich will ihn erst gar nicht in ihre Nähe kommen lassen. Also muss er schon vor den Mauern von St. Helen vernichtet werden, wenn er noch da ist. Ich geh jetzt Jasper; kann ich mich auf dich verlassen? Ich komme wieder und berichte, dann gehst du los?"
Jasper nickte nur und setzte sich auf Alice Bett, als Richard verschwand. Er verstand Richard. Trotz seiner Abneigung gegen Gewalt fühlte er den Drang Alice beschützen zu müssen; wenn nötig auch so. Würde er sein Leben für sie geben? Ja, definitiv; sein Leben war nichts wert. Sie schaffte es trotz ihrer körperlichen Schwäche und der Tatsache, dass sie hier eingesperrt war, zwei hoffnungslose Vampire zu verwandeln; ihre Herzen zu berühren, mit einem einzigen Blick aus diesen faszinierenden Smaragd-Augen. Diese Hoffnung durfte nicht sterben; sie durfte nicht sterben.
Na? Wer ist schlimmer? Der Doktor, der Alice als Fall betrachtet oder James, der nur den Snack in ihr sieht? REVIEW!
