Erstaunt sah Lily, wie Roxa an Sirius gelehnt vor der ganzen Grossen Halle schlief. Es war Frühstückzeit und die beiden fingen nicht wenige Blicke ein. Ausserdem hätte Lily schwören können, dass an jedem Tisch die Mädchen gerade abfällig über Roxa redeten.

Lily ging auf die beiden und James, der neben Remus und Peter sass, zu.

„Hi, Schatz!", sagte James, als Lily sie erreicht hatte.

„Lily! Alles gute zum Einmonatigen!", sagte Roxa, die sich wieder aufgerichtet hatte, schläfrig.

Lily grinste. „Roxa, dass hätte James sagen müssen und nicht du!" Lily wusste ganz genau, dass Roxa es gesagt hatte, damit James es nicht vergass. Gestern erst hatte Lily zu Alice und Roxa gesagt, dass es sie wunder nimmt, ob James so etwas wie die Tatsache, dass sie nun schon einen Monat zusammen waren, registrierte.

Früher hätte es Lily wütend gemacht, dass Roxa sich absichtlich und sehr offensichtlich auf James Seite schlug und ihn deckte, doch nun machte es ihr nichts aus. Es war nett von Roxa, dass sie versuchte, jeden möglichen Streit oder Nicht-Streit zu schlichten, bevor er überhaupt entstehen konnte.

James sah sie unschuldig an. „Alles gute zum Einmonatigen!", sagte er dann und versuchte nicht zu grinsen.

Lily lachte und setzte sich ihm auf die Knie. „Soll ich mir die Ohren zuhalten, damit du Roxa danke sagen kannst?"

„Ne, erledige ich, wenn sie wach ist", sagte James lächelnd.

Lily sah wieder zu Roxa, die sich wieder an Sirius gelehnt hatte und schlief. „Was hat sie? Ich hab sie noch nie so müde erlebt."

„Schlaftrank", erklärte Sirius. Grinsend sah er zu ihr runter, dann nahm sein Blick etwas mitfühlendes an. „Er verliert gleich die Wirkung."

„Wieso hat sie einen Schlaftrank genommen?", fragte Lily erstaunt.

„Weil Snape ihn mir gestern ins Getränk gemischt hat", erklärte James. „Roxa hat es gesehen."

„Und wieso hat sie ihn getrunken, anstatt wegzuleeren?"

„Zauber", murmelte Roxa. Beinahe hätte man sie nicht verstanden.

Sirius nickte. „Man konnte den Becher nicht ausschütten, nur austrinken. Roxa hatte angst, dass er so zurück zu den Hauselfen kommt und wenn diese Schlaftrank trinken, fallen sie ins Koma und das wollte sie nicht."

„Das war meine letzte gute Tat für die nächsten 13 Jahre", murmelte Roxa leise und schläfrig.

Sirius lachte. „Noch drei Minuten, dann verliert er die Wirkung, Süsse", beschwichtigte er sie sanft.

„Ihr wisst schon, dass euch jeder anstarrt?", fragte Lily Sirius besorgt. Sirius hatte mal gesagt, es wäre besser, wenn niemand wisse, was zwischen den beiden liefe.

Sirius schnaubte. Dann legte er einen Arm um Roxa, worauf das Geflüster gleich noch lauter wurde.

„Tatze, gibt es nicht schon genug Gerüchte um und über dich?", fragte James grinsend.

„Die Gerüchte werden nicht über Tatze sein, sondern über mich", murmelte Roxa stöhnend. „Alle starren mich an!", seufzte sie. Dann schlug sie die Augen auf und sah sich erstaunt um. „Ich bin wach!", sagte sie beinahe jubelnd.

„Gut", sagte Sirius, dann verdüsterte sich seine Miene. „Wir haben nämlich Verteidigung gegen die Dunklen Künste"

Roxa stöhnte .

Seit das Schuljahr begonnen hatte war Professor Francer ihr neuer Lehrer in Verteidigung. Das Problem: er war ein Auror. Und er hatte schon mit den Blacks, ebenso wie mit den Lestranges zutun bekommen. Er war überzeugt davon, dass diese beiden Familien an der Spitze der schwarzmagischsten Familien England standen. Soweit hatte er ja recht, das Problem war nur, dass er deshalb sowohl Sirius als auch Roxa genau gleich behandelte, wie jeden Slytherin. Er konnte sie nicht ausstehen.

Mit absolut schlechter Laune setzten sich Sirius und Roxa wenig später ins Klassenzimmer in die Hinterste Reihe. Neben ihnen die Rumtreiber, Lily und Alice.

Lily und Alice sassen früher immer in der vordersten Reihe, doch da Lily nun neben James sitzen wollte und dieser sich partout weigerte, in die erste Reihe zu sitzen, hatte Lily ganz einfach nachgegeben. Alice hingegen wollte wieder nicht ohne Lily in der ersten Reihe sitzen und so war nun die letzte reihe ziemlich überfüllt.

„Monster!", begann Francer den Unterricht dramatisch. Sofort verdrehten Sirius und Roxa die Auge. „Ein allgemeiner begriff für alle bösen Kreaturen.", sprach der Lehrer weiter. Er schritt in der Klasse umher. „Glücklicherweise haben wir hier sozusagen eine Expertin für Monster!", sagte er.

Roxa stöhnte. „Toll, wirklich, ganz toll!", murmelte sie leise und sarkastisch.

Francer blieb vor Roxa stehen. Im Raum herrschte Totenstille, obwohl der Lehrer fast der gesamten Klasse den Rücken zukehrte. „Miss Lestrange, sie kennen sich ja mit Monstern aus, nicht war?"

„Tu ich das? Wie kommen sie darauf?", fragte Roxa monoton.

„Immerhin ist es ein offenes Geheimnis, dass deine Familie schon seit sicher 15 Jahren behauptet, dass sie es geschafft hätten, ein gefährliches Monster zu bändigen und unter ihr Kommando zu bringen. Richtig?", fragte Frances süsslich.

Roxa spannte sich an, genauso wie Sirius neben ihr. Er wusste offensichtlich, um was es ging. „Darüber weiss ich nicht viel", sagte Roxa abwehrend.

„oh doch, ich denke schon. Was ist es, dass ihr gezähmt habt? Ein Zombie?", fragte er.

Roxa schnaubte. „Zombies sind sabbernde, dämliche Wesen. Da gibt es nicht viel, was man kontrollieren kann."

„Wie wahr, wie wahr. Dämonen?"

„Soviel ich weiss halten diese sich nicht auf der Erde auf, sondern nur unter der Erde, in der Hölle. Wieso sollte einer so dämlich sein, an die Oberfläche zu kommen?", wehrte Roxa ab.

„Das ist ein Argument. Vampir?", fragte er weiter und seine Augen leuchteten auf.

Nun verstanden auch die übrigen Rumtreiber, mitsamt Lily und Alice, um was es eigentlich ging. Die Lestranges hatten wirklich ein Monster gezähmt. Einen Vampir. Roxa. Und sie sahen auch, dass Frances von Anfang an zu Vampire tendiert hatte, und Roxa so in eine kleine Sackgasse laufen lassen wollte.

„Wohl kaum", sagte diese allerdings kalt.

„Und wieso nicht?"

„Weil man Vampire nur auf eine Art zähmen kann. Und diese art ist vom Gesetz her verboten", sagte Roxa unschuldig.

„Doch sie kennen diese Methode?", fragte Frances verwundert.

„Ich hab darüber gelesen", sagte Roxa schlicht.

„Und wie, Miss Lestranges, kann man einen Vampir zähmen?", fragte er stirnrunzelnd.

„Mit dem Curciatus-Fluch", sagte Roxa leise.

Erstaunt sahen die Rumtreiber sie an. Alle ausser Sirius. Der starrte geradeaus und verzog das Gesicht zu einer Grimasse.

„Ganz recht. Ich hoffe wirklich für sie, Miss Lestrange, dass wir nicht den Anhaltspunkt finden, dass in deiner Familie doch ein Vampir gezähmt wurde. Es würde führ euch alle Askaban bedeuten... und selbstverständlich dürftet ihr zuvor noch zuschauen, wie der Grund eurer Macht, nämlich der besagte Vampir, gepfählt wird.", er tat so, als wäre das bedauernswert.

Etwas flammte in Roxas Augen auf. Vielleicht Trotz, überlegte Lily, doch sie lag falsch.

„Sie werden keine Vampire oder Särge in unserem Keller finden", sagte sie höhnisch.

Sirius zuckte kaum Merklich zusammen, als er ihren Tonfall hörte. So redete sie nur mit ihren beiden Brüdern. Zu solchen, die sie wirklich hasste. Ihre stimme war kalt und es schwang Gefahr in ihrem Ton mit, der einem Automatisch einen Schauer über den Rücken jagte.

Erstaunt sah Frances sie an.

„Ich kann es nicht leiden, wenn man mir etwas unterstellt. Und es ist sicherlich nicht die Sicherste Methode, zum mit mir zu reden"; sagte sie. Kalt, gefährlich und angriffslustig. In ihren Schwarzen Augen schimmerte keine Wut, nur Verachtung und... Blutdurst.

Auch dem Lehrer lief es Kalt den Rücken hinunter. Doch bevor er etwas sagen konnte, löste sich Sirius endlich aus seiner Starre. Er berührte Roxa nur leicht an der Schulter mit seiner Hand, aber sie beruhigte sich sofort. Sie senkte den Blick.

Die Schulglocke klingelt und genau gleichzeitig stand Roxa auf und verliess das Schulzimmer. Schnell folgten ihr die anderen. Sie lehnte im Gang gegen eine Wand und schloss die Augen.

„Alles okay?", fragte Lily vorsichtig, während sie Roxa besorgt musterte.

Um sie herum liefen die Schüler in ihre nächsten Unterrichtsstunden, doch die Rumtreiber blieben einfach stehen. Nach und nach leerten sich die Gänge, bis sie wieder alleine dastanden.

Erst dann öffnete Roxa ihre Augen wieder.

Ihre sonst so schwarzbraune Augen hatten alles braune verloren und waren jetzt nur noch schwarz. Schwarz mit einem gefährlichen, roten funkeln. Sie war ganz blass hatte die Zähne schmerzlich fest zusammengepresst. Um ihre Augen hatten sich Leiche Schatten gebildet.

Lily wusste, dass Vampire tiefe Schatten unter den Augen hatten, und dahingegen waren die von Roxa kaum merkbar, doch sie waren da.

Lily fühlte Mitleid, irgendetwas stimmte nicht mit ihr, doch sie hatte auch Angst.

Sie alle standen etwa einen Meter von ihr entfernt, als würden sie Sicherheitsabstand halten. Alle, ausser Sirius. Und dieser trat gerade noch einen Schritt näher.

Besorgt berührte er ihre Wange. Er hatte es vorhin schon mit einer blossen Berührung geschafft, Roxa zu beruhigen.

„Was ist los?", fragte er besorgt. Lily hatte ihn noch nie besorgt gehört. Sie wunderte sich, wie seine sonst so höhnische Stimme mit dem arroganten oder sarkastischen Tonfall auf einmal so sanft sein konnte.

Leicht schüttelte Roxa den Kopf. „Er war so nah...", flüsterte sie. Sie bewegte die Lippen kaum.

„Es hätte dir nur ärger gemacht, wenn du ihn umgebracht hättest", sagte Sirius leise und beschwichtigend.

„Ich weiss", sagte Roxa. Es klang so, als würde sie sich über sich selbst ärgern. Langsam verschwand das rote Funkeln aus ihren Augen.

James, der die Arme um Lily geschlungen hatte, entspannte sich.

„Er ist es nicht wert, dass du von der Schule fliegst. Und schon gar nicht, dass du dein Leben wegwirfst. Es wird alles gut.", sagte Sirius beschwichtigend.

Ihre Augen wurden wieder braunschwarz, die Schatten unter den Augen verschwanden und sogar ihre Haut kriegte wieder etwas Farbe. Sie sah wieder aus wie ein normaler Mensch.

Erleichtert nahm Sirius die Hand von ihrer Wange. „Wieder gut?"

Sie nickte. Dann schüttelte sie sich, als wolle sie irgend einen Gedanken loswerden.

„Raven?", fragte James vorsichtig. „Was war verdammt noch mal los?"

„Er hat mir mit dem Tod gedroht", flüsterte sie. „Ohne es zu wissen. Und er hat gesagt, meine ganze Familie würde in Askaban landen...!"

„Ich dachte, du hasst deine Familie?", fragte James erstaunt.

„Tu ich auch. Alle. Ausser meiner kleinen Schwester...", sagte sie immer noch leise.

„Du hast eine Schwester?", fragte Alice jetzt erstaunt.

Roxa nickte. „Sie ist erst sieben. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie wegen mir sterben würde. Schon gar nicht, wenn sie zu den Dementoren kommen würde." Sie begann, leicht zu zittern.

James nickte nur. Er hatte verstanden, wieso sie beinahe ausgerastet wäre. Auch Lily verstand es. Sehr gut sogar.

Roxa lehnte sich immer noch an der wand an. Sie sah erschöpft aus. Lily kannte diesen Ausdruck. Sie hatte ihn immer dann, wenn sie irgendetwas nicht gut fand, es aber leider nicht ändern konnte.

„Komm, Süsse. Wir müssen in den Unterricht", sagte Sirius besorgt.

Roxa nickte und liess sich von Sirius mitziehen.