Soundtrack für dieses Kapitel:
Lonely Day (1. Teil), Chop Suey! (2. Teil) von System of a Down

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Zu sagen, das Ganze hier würde mir nicht total gegen den Strich gehen, wäre eine Lüge.
Am Anfang war das Ganze ja noch irgendwie abgefahren, aber inzwischen nervt es nur noch. Ach, vergesst das.
Es hat schon immer genervt.

Chase verbessert die Sache nicht gerade. Er ist strikt der Meinung, dass es so etwas wie Magie nicht gibt, dass es garantiert auch nur eine Veränderung in unserer DNA ist, dass wir ohne es zu wissen irgendwelche natürlichen Phänomene hervorrufen...

Er gibt erst Ruhe, als ich ihm von meinen wundervollen Erlebnissen als Wirt eines Gottes erzähle. Horus mag zwar ein ganz cooler Typ sein, aber meinen Körper will ich trotzdem für mich.
Um nochmals klarzustellen, dass Magie alles außer Einbildung ist, rufe ich kurzerhand meinen Kampfavatar her. Chase mustert ihn äußerst interessiert. „Na gut, schätze, man kann nichts mehr dagegen sagen." Er grinst leicht. „Aber es gäbe vermutlich schlimmere Götter für das Ganze als Horus, nicht wahr?"
„Mein Onkel hatte eine Zeit lang Seth im Körper. Dagegen ist Horus relativ zahm."
Chase setzt zu einer weiteren Frage an, wird aber von Rins Ruf unterbrochen. „Essen fertig, Leute!"

Nach und nach findet sich unsere kleine Gruppe ein. Scott steht auf und erklärt mit fester Stimme, dass er bereit ist, die Führung zu übernehmen. Um ehrlich zu sein, ich bin wahnsinnig froh darüber, dass niemand mich vorgeschlagen hat.

Während dem Essen lasse ich meine Gedanken ein wenig schweifen. Ich denke an mein Haus, meine Freunde, Familie, meinen Greifen, meine Krokodile...
Was Sadie wohl als Ausrede in der Schule genommen hat? Inzwischen müsste der Unterricht wieder angefangen haben. Die anderen werden ganz krank vor Sorge sein.

Ich sehe mich unauffällig um. Ein angenehmes Schweigen liegt über der Lichtung. Obwohl wir uns erst seit sehr kurzer Zeit kennen, fühlt sich alles irgendwie bekannt an. Vielleicht, weil wir alle einen Traum haben. Einen Traum, unsere Welt zu verbessern, zu beschützen, zu retten.
Menschen verändern sich am laufenden Band. Jeder von uns hat etwas, dass ihn antreibt, dass ihn durch jegliche Schwierigkeit hindurchbringt.
Es ist ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass diese Gefühle in allen Dimensionen vertreten sind.

Aber obwohl wir hier alle zusammen drin hängen, obwohl wir alle ein gemeinsames Ziel haben, komme ich mir schrecklich einsam vor.
Es gibt nichts, was ich mir im Moment mehr wünschen würde, als ein bekanntes Gesicht zu sehen.

Percy zählt nicht.

Die ganze Situation ist einfach so … surreal.

Es wird langsam schwer, etwas Gutes an den Ereignissen zu sehen.

Wir wissen, dass wir es mit einem übermächtigen Gegner zu tun haben... das an sich wäre ja für uns alle nichts Neues. Wir alle sind solche Kämpfe gewöhnt... so gut man sich an Derartiges gewöhnen kann.

Irgendjemand berührt leicht meine Schulter. Ich kann ein leichtes Zusammenzucken nicht verhindern. Ich sehe auf und treffe auf Rins Blick.

„Stimmt was mit dem Essen nicht? Du starrst seit fünf Minuten nur da rein."

„Nein, nein, alles bestens. Ich habe nur... nachgedacht."

„Hm." Rin lässt sich neben mir auf den Boden fallen. „Willst du drüber reden?"

„..." Ich weiß ehrlich nicht, was ich dazu sagen soll. „Das... klingt so, als würdest du dich öfter um... emotionale Probleme kümmern."

Er zuckt nur mit den Schultern. Neugier packt mich. „Wieso eigentlich? Ich meine, du hast doch genug Stress mit dem ganzen 'Sohn Satans' Kram. Wieso lädst du dich dann mit noch mehr Problemen voll?"

Rin schweigt eine Weile. Sein Schweif peitscht unruhig umher. „Hab noch nicht so wirklich drüber nachgedacht. Schätze, es macht mich glücklich zu sehen, dass ich etwas erreichen kann. Und wenn ich sehe, dass jeder Mensch Probleme hat, die ihm immer wieder das Gefühl geben, wertlos zu sein. Ich helfe ihnen gerne dabei, sie zu überwältigen. Wenn man immer wieder sieht, wie Probleme gelöst werden, hat man irgendwie weniger Schwierigkeiten, seine eigenen zu meistern."

Ich lasse mir diese Worte durch den Kopf gehen. Wie oft wünsche ich mir, ein freundliches Ohr zu haben, dass mich für meine Schwäche nicht verachtet?

Aber als Pharao kann ich mir das nicht leisten.

„Und schaffst du es? Deine eigenen Schwierigkeiten?"

Rin scharrt mit dem Fuß am Boden herum. „Meistens. Aber im Moment bin ich vermutlich nicht mal der mit den meisten Problemen."

Ich merke, dass ihn etwas belastet. „Du machst dir Sorgen um einen Freund. Einen, dem du nicht helfen konntest."

„Ryuji Suguro. Hatte so gut wie überhaupt keine Kindheit, hat seine Familie verlassen um Exorzist zu werden und Satan zu besiegen, Und kürzlich hat er seine besten Freunde verloren. Der eine hat ihn einfach plötzlich mitten in einem Kampf angeschrien, er solle sich nicht so aufspielen, der andere war die ganze Zeit über ein Spion. Ich würde ihm gerne helfen, aber er lässt niemanden mehr wirklich an sich ran. Dagegen sind meine Probleme eher gering... und ich habe meinen Bruder, der mir da durch hilft. Suguro hat niemanden."

„Vielleicht könntest du ja derjenige werden."

Er nickt, jetzt deutlich entspannter.

„Und bei dir?"

„Ich... versuche der Starke zu sein, irgendwie durchzuhalten. Die anderen brauchen jemanden, der für sie da ist, der ihre seelischen Wunden heilt."

„Das scheint etwas zu sein, dass jeder hier tut."

„Hm?" Jetzt verwirrt er mich irgendwie.

„Ist dir aufgefallen, dass jeder hier versucht, allen anderen zu helfen, aber selbst keine Schwäche zeigen will? So kann das nichts werden. Wenn wir das hier schaffen wollen, müssen wir einander vertrauen können. Aber bei manchen scheint es ja bereits zu sein. Du und Percy, Legolas und Eragon. In kleinen Gruppen kommt das Vertrauen schon."

Ich überdenke seine Worte. Ja, er hat Recht. Es ist irgendwie seltsam... als wir alle diese Visionen gesehen haben, waren wir wie ausgewechselt. Wir haben es irgendwie geschafft, uns zusammenzureißen, und sind bereit, uns dem hier zu stellen.

Gemeinsam.

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Wenn ich Saphira schon vorher vermisst habe, so wird es jetzt immer schlimmer.
Wir waren schon öfter voneinander getrennt, aber noch nie ohne auch nur die leiseste Chance auf eine Rückkehr an die Seite des anderen.

Wir Drachenreiter sind erst mit unserem Partner komplett.
Zwei Hälften eines unglaublichen Ganzen. Einer kann ohne den anderen nicht sein.
Nicht lange. Ich habe bei Brom gesehen, wie es ist, seinen Drachen zu verlieren. Ich habe bei Glaedr gesehen, wie es ist, seinen Reiter zu verlieren.

Ich hoffe, Saphira geht es gut.

Meine Gedanken streifen über meine Familie, meine Heimat, mein Leben!

Ich fühle mich so hilflos wie in dem Moment, als ich gelähmt vor Galbatorix stand. Wir haben zwar alle Kampferfahrung, aber nicht in solchen Situationen.

Ich sehe hinüber zu den anderen. Carter und Rin scheinen in eine tiefere Diskussion verwickelt zu sein. Chase und Percy messen sich in einem Faustkampf. Legolas sitzt in einer Baumkrone und lauscht. Scott sitzt tief in Gedanken versunken am Rand der Lichtung.

Vielleicht ist die Sache gar nicht so schlimm. Wir leben alle noch. Wir haben eine reelle Chance auf einen Sieg.

Ein paar Minuten vorher hatte Chase auch noch zugegeben, dass er uns nicht von allen seiner Fähigkeiten erzählt hatte, aber wirklich gestört hatte sich daran keiner.

„Yrch!" Legolas springt vom Baum und zieht seinen Bogen.

Augenblicklich sind alle Augen bei ihm.

„Legolas! Was ist los?" Percy wirkt irgendwie skeptisch.

Der Elb wirft einen gehetzten Blick in die Runde. „Orks. Ich habe euch von ihnen erzählt. Mindestens ein Hundert von ihnen sind auf dem Weg hierher, und sie haben Warge bei sich!"

Scott runzelt leicht die Stirn. „Macht euch kampfbereit. Keine von diesen Kreaturen darf lebend entkommen!"

Ich ziehe Brisingr aus der Scheide.

In einiger Entfernung wird Geschrei laut. Dann stürmen wolfartige Bestien, wohl die Warge, mit Orks am Rücken aus dem Dickicht hervor. Sie kreisen uns ein, greifen aber nicht an.

Scott gibt ein leichtes Handzeichen, ein Signal zu warten. Es passt mir nicht unbedingt. Ich lege mir bereits ein paar der dreizehn Todesworte zurecht. Aber ebenso wie ich die Gedanken der Orks nicht spüren kann, werden sie wohl auch nicht funktionieren. Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.

Einer der Orks reitet seinen Warg näher an uns heran. Er ist größer als der Rest, beinahe einen halben Meter höher als Scott und Legolas, die wohl ohne Zweifel die größten unserer Truppe sind.

„Uruk'hai!", zischt Legolas wütend.

Der Ork verzieht sein narbenübersätes Gesicht in ein scheußliches Grinsen. „Ganz recht, Elbling! Dachtest du, eine so wichtige Aufgabe wird niederen Orks überlassen? Wie auch immer. Ihr habt ein paar Sekunden Zeit, euch zu ergeben, und euer Tod wird schnell und schmerzlos sein. Weigert euch und wir werden ein wenig Spaß haben. Wer von euch hat das Sagen?!"

Scott tritt entschlossen vor. „Das bin ich. Und die Antwort lautet 'Nein'!"
Mit diesen Worten reißt er die Brille von den Augen und lässt seine optischen Strahlen direkt auf das Herz des anderen los. Die Wucht des Aufschlages reicht, um ein Loch in den Körper des Orks zu schlagen und seine Leiche über 20 Meter weit weg schleudert.

Ich schleudere so schnell wie möglich die ersten der Todesworte hinaus, aber sie bleiben wirkungslos.

Legolas schießt mit unglaublicher Präzision, wie sie nicht einmal die Elfen Alagäsias haben, einen Ork nach dem anderen ab.

Percy bewegt sich wie eim Dämon durch ihre Reihen, sein Schwert blitzt im blutroten Licht der untergehenden Sonne. Ein Sturm umwirbelt ihn und schützt ihn vor den Angriffen der Gegner.

Carter wird vom Licht eines gigantischen Avatars mit Falkenkopf umhüllt. Er springt ebenfalls ohne Rücksicht auf Verluste in die Schlacht, das leuchtende Schwert rast auf die Orks zu wie ein Lichtblitz.

Chase hält seinen türkisen Laser Bo-Stab in der Hand und schleudert die Gegner damit einfach zur Seite.

Rin hat sich körperlich verändert, er wirkt jetzt wirklich wie ein vollblütiger Dämon. Er lässt seine blauen Flammen über die Reihen der Orks fegen und setzt mit seinem Schwert Kurikara hinterher.

Ohne die Warge wäre der Kampf sicher schnell beendet. So muss ständig einer von uns irgendwo improvisieren um nicht als Abendessen zu enden.

Wir werden immer weiter zurückgedrängt.

Und über all den Tumult klingt Legolas' Stimme. „Da kommen noch mehr!"

Was jetzt?