Nachdem mich seit dem letzten Update immer wieder Leute anschreiben wegen der Geschichte, werde ich versuchen, wieder regelmäßiger zu adden!
Hier also, seit langem, das nächste Kapitel!
Ganz herzlichen Dank für Eure Geduld!!!
In den nächsten zwei Wochen verbesserte sich sein Befinden immer mehr. Die Attacken, die mit Herzrasen und Atemnot einhergingen, waren fast verschwunden und er kam die Treppe jetzt innerhalb von fünf Sekunden anstelle von fünf Minuten hoch. Dr. Clements, der inzwischen weitere zwei Male hereingeschaut hatte, war zufrieden und versprach dem förmlich bettelnden Severus auch ja nicht wiederzukommen.
Das Einzige, was ihm immer noch Probleme bereitete, war die Muggelwelt an sich. Große Probleme … Sehr große sogar! Selbst mit Hermines hatte er sich arrangieren können, sie versuchte auch, ihm alles zu erklären, aber irgendwie kam er mit diesem ganzen Zeug einfach nicht zurecht. Und es gab manchmal Situationen, da wussten auch Hermines Eltern nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollten. Zum Beispiel als er den Videorekorder für einen Toaster hielt und sich dann wunderte, warum das Brot zerkrümelte und nicht warm wurde. Oder dass er es in regelmäßigen Abständen schaffte, Hermine´s Computer abstürzen zu lassen (obwohl er immer besser damit zu Recht kam). Oder als er versuchte im Wasserkocher Spaghetti zu machen …
Auch der Herd war hier in der Muggelwelt eine Sache, die komplizierter war, als man es ihm ansah. So war es nicht verwunderlich, dass es dem ach so begabten Tränkemeister die ersten Male tatsächlich passierte, dass ihm irgendetwas anbrannte oder zerkochte. Aber er sei nicht der Erste, dem das passierte, beruhigte ihn Hermine jedes Mal.
Allerdings war es für ihn, seit dem er ihn wirklich bedienen konnte, endlich etwas Gewohntes: Ein Topf, in dem etwas köchelte und er präzise dosierte Zutaten hinein gab, war allemal besser als diese so genannten „Fertiggerichte", die es bei diesen Muggeln gab. Und mit denen seltsame Dinge passierten, wenn man vergaß, die Verpackung wegzuwerfen, bevor man sie in die Mikrowelle stellte.
Wenn er nicht gerade mit Kochen beschäftigt war, so frönte er seinen neu gewonnenem Hobby: Muggelfilme. Denn er hatte sich eingestehen müssen, dass es so was bei Magiern einfach nicht gab. Auf der Suche nach einem Film, den er noch nicht zweimal gesehen hatte, durchforstete Severus ungefähr drei Wochen, nach seiner Ankunft bei den Grangers, eines späten Abends, das Haus., wobei ihm in der Küche auf dem Schrank der braune Umschlag auffiel, in dem seinen Krankenakte war. Und einen Videokassette. Neugierig angelte er das Päckchen vom Schrank, holte die Kassette raus und ging ins Wohnzimmer. Dort schaltete er den Fernseher und den Videorekorder, der inzwischen wieder funktionstüchtig war, ein, schob das Video ein und drückte auf die Play-Taste. Während das Video anfing, setzte er sich mit angezogenen Beinen auf die Couch. Zuerst war nichts zu sehen, der Bildschirm blieb schwarz. Mit einem Mal erschien ein grün gefliester Boden und jemand hielt ein Schild in die Kamera, auf dem Snape, geb. ?, OP Nr. 7, 03:38 Uhr, 26.07.97 stand. Das Schild wurde wieder weggenommen und die Kamera an ihren wohl vorgesehenen Platz montiert, so dass die Linse auf einen mit Leder bezogenen Tisch gerichtet war. Ringsum standen allerlei Gerätschaften, die ihm völlig fremd waren.
Snape wurde unwohl zu mute. Nervös rutschte er auf der Couch herum, nicht wissend, ob er ausmachen oder weiterschauen sollte. Das Band lief natürlich weiter und nahm ihm die Entscheidung ab. Es wackelte kurz an der Kamera und mit einem Mal war die Unterhaltung mehrerer Menschen zu hören, die sich um ein Ruby-Spiel drehte. Oder, nach der Meinung der Leute, wohl eher um den unfähigen Schiedsrichter. Irgendwo klappte in dem Raum eine Tür und das Gespräch brach abrupt ab. „Jetzt aber schnell!" rief eine Stimme, die Severus vage bekannt vorkam. Leute in grünen Kitteln versammelten sich mit einem Mal an der einen Seite des Tisches, während an die andere eine Liege heran geschoben wurde, auf der jemand lag, aber nicht zu erkennen war. Snape merkte, wie ihm der Schweiß ausbrach, er hatte das dumme Gefühl, dass er es selbst sein würde. Und wie befürchtet sah er, als man die Person auf den Ledertisch hievte, dass er es wirklich war. Er musste sich eingestehen, dass er wirklich schlecht aussah: Seine Haut hatte in dem grellen Licht des Raumes einen grauen Ton angenommen und feiner Schweiß glänzte auf seinem Gesicht.
Empört bemerkte er, dass man ihn komplett ausgezogen hatte und er splitternackt dort herumlag. Was ihn aber noch mehr aus der Fassung brachte, war der gewaltige Bluterguss auf seinem Oberbauch. Der Größe und satten Farbe nach zu urteilen wäre Madam Pomfrey wohl in ein mittleres Koma gefallen. Man deckte ihn jetzt mit dunkelgrünen Tüchern so zu, dass man genau das Zentrum des Blutergusses freiblieb, während andere an den Geräten herumfummelten und dann irgendwelche Kabel und Sonden an ihn anschlossen. Zur gleichen Zeit schob jemand ein weiteres Wägelchen heran, auf dem Instrumente lagen, die jeder Folterkammer zur Ehre gereicht hätten. Dann nahm jemand ein Wattebällchen in ein Zange, tunkte es in Schüssel und begann die Flüssigkeit, die verdächtige Ähnlichkeit mit Sojasoße hatte, auf der freien Stelle großzügig zu verteilen. Nun traten alle an den Tisch heran, einer Snape erkannte ihn als Dr. Beckham, nahm ein Skalpell, welches auf dem Wägelchen gelegen hatte und schaute erwartungsvoll in die Runde. „Alles bereit?" Jeder nickte und Dr. Beckham wandte sich wieder Severus zu, setzte das Skalpell an und schnitt mit einer raschen routinierten Bewegung den Bauch auf.
Entsetzt schloss Snape die Augen und eine Welle der Übelkeit durchflutete ihn. Es war eine Sache, wenn man fremde verletzte Leute sah, aber zuzuschauen, wie einem selbst der Bauch aufgeschnitten wurde … Ein Schaudern durchfuhr ihn und er spürte, wie sich alle Härchen bei ihm aufstellten. Inzwischen hatte Dr. Beckham beim Video–Severus sich weiter vorgearbeitet, man hatte Adern mit Hilfe von Klemmen abgedichtet und mit einem Metallgerät die Öffnung in seinem Bauch fixiert. Fröhlich schnippelte der Arzt immer tiefer, bis ihm mit einem Mal ein „Großer Gott!" entfuhr und plötzlich alles voller Blut war. Hektisch begannen einige Lämpchen an den Geräten zu blinken und ein durchdringendes Piepen erfüllte den Raum.
„Abklemmen! Abklemmen sagte ich! Wieso sah man das auf dem Ultraschall nicht? Gott, was für eine Sauerei! Ich seh´ nichts mehr! Absaugen, Schwester. Los!"
Was in den nächsten zwei Minuten geschah, sah Severus nicht, da er panisch sich die Augen zu gehalten hatte, doch das immer unanständiger werdende Fluchen des Arztes regte seinen Phantasie auf eine Art und Weise an, die ihm ganz und gar nicht lieb war.
Schließlich, als die Menschen auf dem Band wieder ruhiger wurden und auch das nervige Piepen abbrach, wagte es Snape, einen vorsichtigen Blick durch seine gespreizten Finger hindurch auf den Bildschirm zu werfen. Seine Übelkeit stieg rasant an und drückte nun äußerst unangenehm gegen seinen Kehlkopf. Die grünen Tücher rings um den Schnitt, sowie die Hände des waren blutgetränkt. Eine Weile blieb alles ruhig, mit äußerster Vorsicht legte Dr. Beckham die verletzte Leber frei, immer auf eine weitere Katastrophe bedacht.
Das Gesicht des Arztes verfinstere sich immer mehr. „Mein Gott, was ist da nur passiert …? Das sieht ja aus, als hätte ihm jemand eine Handgranate in den Bauch gesteckt … Ted!" Der Arzt drehte sich vom Tisch weg und schaute über seine Schulter aus dem Bild hinaus. "Ted, mach mal Musik an, irgendwas aufbauendes!" Er wandte sich wieder dem Tisch zu und arbeitete weiter. Nach etwa einer halben Minute hatte Ted wohl etwas gefunden, denn Dr. Beckham zeigte über seine Schulter hinweg einen nach oben gehaltenen äußerst blutigen Daumen, als der Gesang von zwei sehr klaren und hellen Männerstimmen, die von ihren seltsamsten Träumen erzählten (Simon and Garfunkel: Last night I had the strangest dream), den Raum erfüllten.
Die Situation wurde immer surrealer für Snape. Er spürte, wie sich immer mehr Speichel in seiner Mundhöhle ansammelte, konnte sich aber noch beherrschen. Die Leider wechselten, irgendwann sangen die beiden Männer mal Scarborogh Fair, was er sogar kannte, bis mit einem Mal Dr. Beckham den Kopf schüttelte.
„Das wird nichts, der Teil hier ist einfach zu zerfetzt, ich werde ihn entfernen müssen. Passen Sie auf, hier ist eine recht große Arterie, die sehr angegriffen aussieht, es könnte recht schnell passieren, dass Sie …" In diesem Moment platzte das besagte Gefäß. Der Arzt ließ einen unflätigen Fluch hören und brüllte sein Personal Anweisungen zu, es abzuklemmen, abzusaugen und gefälligst neue Blutkonserven zu holen. „Der blutet ja wie ein Schwein …" war das letzt, was Severus hörte, bevor er aus dem Wohnzimmer Richtung Bad wankte, jeweils eine Hand krampfhaft gegen seine Leber und Mund gepresst. Er machte sich nicht einmal mehr die Mühe, das Licht anzumachen, als er es erreichte, sondern schlitterte nur schnurstracks auf die Toilette zu, in die er sich auf das Heftigste übergab.
