Die ominöse Liebe

Am Abend, als Ted im Schlafsaal ein Buch las, kam Toby hereingestürmt und knallte die Tür zu.

Stumm blickte Ted auf.

„Was soll das?", fragte er.

„Victoire liebt einen anderen", sagte Toby bissig und schmiss sich auf sein Bett.

„Hat sie das gesagt?", fragte Ted.

„Jap", antwortete Toby und schlug sein Kissen zurecht, „Aber nicht, wer es ist. Er sollte sich auch besser wünschen, dass ich es niemals herausfinde!"

Sie schwiegen.

„Sag mal, du warst doch die ganzen Ferien über mit ihr im Fuchsbau. Hat sie da jemandem geschrieben, oder hattet ihr Besuch?", fragte Toby nach einiger Zeit.

Ted schüttelte den Kopf.

„Nein", sagte er dann langsam.

Irgendwie blieb ihr Gespräch dann so im Raum stehen, da der Schlafsaal sich nun füllte und Toby sein Problem natürlich nicht gleich jedem auf die Nase binden wollte, doch Ted musste noch lange darüber nachdenken und er schlief nicht gut in dieses Nacht.

Am nächsten Morgen versuchte er Victoire aufzufinden, doch irgendwie, war diese verschwunden. Während der Mittagszeit, begegnete Ted ihr dann in der Bibliothek.

„Alles in Ordnung?", fragte er.

„Ja", sagte Victoire sofort und schrieb an ihrem Aufsatz weiter.

Doch Ted ließ sich davon nicht abwimmeln.

„Ich habe gehört, du hast dich von Toby getrennt", sagte Ted und setzte sich unaufgefordert neben sie.

„Das ist schon richtig", sagte Victoire, „aber ich will nicht darüber reden."

Ted verdrehte die Augen. Manchmal konnte Victoire echt zickig sein.

„Darf ich dann fragen, wer der andere ist, der dir jetzt gefällt", fragte Ted und sah sie durchdringend an. Er musste es wissen.

Victoire sah auf. Sie sah ihm ganz tief in die Augen, was Ted ein flaues Gefühl im Magen gab.

„Sag mal, hat Annie keine Zeit, oder warum bist du hier? Ich habe keine Lust mit dir oder irgendjemandem darüber zu reden, klar?", giftete sie ihn plötzlich an.

Verletzt wich Ted zurück.

„Bin ich jetzt irgendwer?", fragte er.

Sie schüttelte den Kopf und versank dann wieder in ihrer Arbeit. Ted beobachtete sie noch einige Minuten, doch dann ging er.

„Hast du irgendetwas herausgefunden?", fragte Toby Ted später in Kräuterkunde.

„Gar nichts", antwortete er, „auch bei mir weigert sie sich darüber zu reden, aber wenn ich dir einen Tipp geben darf. Vergiss es einfach. Es sieht echt so aus, als wäre da alles gelaufen."

Toby verdrehte sie Augen.

„Warum passiert das eigentlich immer mir?", fragte er und notierte die Wirkungen von Sippelpilzen falsch.

„Weißt du noch damals mit Emelda war es dasselbe", meinte er, „aber irgendwie war das mit Vicky wichtiger. Wenn ich irgendwann herausbekomme, wer der Typ ist, kann er sich auf etwas gefasst machen. Glaubst du er geht noch nach Hogwarts?"
Ted zuckte die Schultern.

„Ich denke schon", sagte er.

Immerhin war Victoire auch erst fünfzehn. Da hatte man kaum etwas mit älteren zu tun. Außerdem wer sollte das denn bitte gewesen sein, dachte Ted. Sie waren die gesamten Ferien zusammen gewesen. Gut, er hatte nicht mitbekommen, wem sie geschrieben hatte, oder ob sie überhaupt jemandem geschrieben hatte, aber getroffen hatte sie niemanden. Da war er sich tot sicher. Die einzige männliche Person, die ungefähr in ihrem Alter war, mit der Victoire etwas in den Weihnachtsferien zu tun gehabt hatte, war er selbst, aber das war natürlich ganz was anderes. Immerhin waren sie nur Freunde, sehr gute Freunde...

Plötzlich erinnerte er sich an ihre Schneeballschlacht und Ted wurde heiß und kalt zugleich. Er erstarrte. War es möglich?

Ted schluckte, während seine Feder sein Pergament durchbohrte.

„Alles in Ordnung?", fragte Toby plötzlich.

Ted sah ihn verwirrt an.

„Natürlich", sagte er heiser.

Immer wieder führte er sich die Szene vor Augen, als sie in den Schnee gefallen waren.

Wenn das stimmte, was er sich da gerade zusammenreimte, dann hatte er indirekt die Beziehung seines besten Freundes zerstört.

Unsicher blickte er hinüber zu Toby, der weiter schrieb. Ein unheimlich schlechtes Gewissen überkam ihn. In Hufflepuff ging es doch darum loyal zu sein, aber das war er nicht gewesen.

Ted schluckte hart, immer und immer wieder.

War ihm die Beziehung von Victoire und Toby nicht von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen? Er hatte es nie gut geheißen sie mit ihm zusammen zu sehen. Hatte er sich nicht insgeheim gefreut, als sie sich von ihm getrennt hatte? War er nicht erleichtert gewesen?

Er war ein schlechter Freund, dachte er.

Was hatte er nur getan?