Langsam senkte sich die Nacht über Suna Gakure. Vereinzelt leuchteten kleine Sterne am Firmament und kündigten das Erscheinen des Mondes an. Stille senkte sich über das Land und nur ein lauer Wind strich durch die einsamen Straßen der Stadt. Nur noch in vereinzelten Häusern brannte Licht und außerhalb der schützenden Mauern lag alles im Dunkeln. Einer der wenigen Menschen, die in dieser Nacht keinen Schlaf finden wollten, saß einsam am Dach seines großen Anwesens und starrte hinauf zu den Sternen. Alles schien in dieser Nacht friedlich zu sein, warum konnte er dann keine Ruhe finden? Ohne es zu merken, wanderten seine Augen hinunter in die Straßen von Suna und instinktiv suchte er nach jenem Ort, an dem er wusste, dass sich dort der Grund seiner schlaflosen Nächte befand. Ob sie vielleicht an ihn dachte? Oder schlief sie schon?
Er beugte sich leicht nach vorne, um ihre Wohnung besser erkennen zu können und musste feststellen, dass bei ihr kein Licht mehr brannte. Also schlief sie schon. Ob er nach ihr sehen sollte?
Diesen Gedanken verwarf er aber sofort wieder, als er sich an das letzte Mal erinnerte, als er seinen Eingebungen gefolgt war. Vielleicht sollte er etwas spazieren gehen um sich abzulenken? Das war sicher ungefährlich (dachte er zumindest). So kletterte er geschickt vom Dach seines Hauses hinunter und schlüpfte, wie er es schon oft getan hatte, in sein Zimmer. Kurz streckte er seine Glieder, die vom Sitzen am Dach steif geworden waren und schlich so leise wie möglich aus dem Haus. Die Haustür knarrte leise, als sie hinter ihm ins Schloss fiel und sein Herz einen Satz machte. In der Stille der Nacht klang dieses Geräusch unnatürlich laut und der Kazekage befürchtete schon jemanden geweckt zu haben. Daher verweilte er einen Moment lang und sah sich kontrollierend um. Erst als er überzeugt hatte, dass sich nichts rührte, setzte er seinen Weg fort. Er wollte auf keinen Fall gesehen oder gar in seiner Einsamkeit gestört werden und daher hielt er sich bei seinem Spaziergang tief in den Schatten der Häuser. Seine Gedanken gingen wieder einmal auf Wanderschaft und riefen ihm immer wieder Sakura in sein Gedächtnis zurück. Obwohl er sie erst heute Morgen gesehen hatte, schien er sie schon wieder zu vermissen und ohne ihr fröhliches Lachen schien seine Welt trist und Grau zu sein. Über sich selbst schockiert runzelte er die Stirn. Er konnte doch nicht, schon nach so kurzer Zeit, so sehr an ihr hängen? War er denn ein kleines Kind, das nicht ohne seine Mutter auskam? Nein, definitiv nicht! Bisher hatte er niemanden gebraucht und dass würde sich jetzt auch nicht ändern.
Aber ihre unglaublichen grünen Augen, die ihn immer so sanft ansahen… In Gedanken schalt sich Gaara selbst und fuhr sich verzweifelt mit den Händen durchs Haar. Ihre seidig glänzenden Haare dufteten nach Kirschblüten und umspielten im Wind sanft ihr Gesicht… Verzweifelt schlug der Rotschopf mit der flachen Hand gegen eine Hausmauer und spürte dumpf den pulsierenden Schmerz. Unwillig starrte er die dunkle Mauer an, die nur kalt und abweisend zurückstarrte. Scheiße, dache er sich wütend und schüttelte seine schmerzende Hand. Verstimmt wandte er sich ruckartig ab und ging zu seinem Zimmer zurück. Dieser Spaziergang war doch keine so gute Idee gewesen wie er zuerst gedacht hatte.
Auf seinem Weg zurück, kam er zufälliger Weise an Sakuras Wohnung vorbei und blieb unter ihrem Balkon stehen. Verdrossen sah er nach oben und rang innerlich mit sich selbst. Er wusste, er sollte es lieber lassen, aber er wollte wenigstens kontrollieren, ob sie auch abgeschlossen hatte. Immerhin war sie ja noch nicht ganz außer Gefahr (das redete er sich wenigstens hartnäckig ein). So sprang er auf ihren Balkon und verharrte kurze Zeit am Geländer, um unschlüssig durch die dunklen Fenster zu sehen. Was war, wenn sie noch munter war, oder ihn bemerkte? Sie würde auf keinen Fall so etwas sagen wie: „Ach Gaara! Schön das du mir nachspionierst!" Aber er spionierte ja nicht. Er kontrollierte nur, ob sie sicher in ihrer Wohnung war. Nervös sah er noch einmal nach links und rechts, damit er sich sicher sein konnte, nicht beobachtet zu werden. Das fehlte gerade noch, dass ihn jemand dabei sah, wie er sich an der Tür einer fremden Wohnung zu schaffen machte!
Mit eisiger Ruhe trat er an die Balkontür heran und drückte die Klinke nach unten. Nichts geschah und dies wäre der Moment gewesen, in dem sich Gaara hätte zurückziehen sollen, aber er tat es nicht. Irgendetwas hielt ihn zurück und vielleicht war es einfach nur das Bedürfnis sie wieder zu sehen, dass ihn dazu brachte, das Türschloss mit seinem Sand zu knacken. Ein selbstgefälliges Grinsen huschte über sein Gesicht, als das Schloss sich mit einem leisen Klicken öffnete und er in die dunkle Wohnung trat. Er fand sich in einem kleinen Wohnzimmer wieder, das nur spärlich möbliert war. Eine kleine Couch stand an die Wand geschmiegt und ihr gegenüber befand sich ein kleiner Fernseher. Kaum drei Schritte von dem Kazekage entfernt befand sich auch schon der kleine Esstisch, an dem ,vor nicht all zu langer Zeit, Sakura mit Temari zu Abend gegessen hatte. Zu seiner Linken führte eine Tür in die Küche und schräg rechts von ihm gelangte man in einen kleinen Flur. Dorthin wandte sich der Rotschopf auch sofort und schlenderte mit wild schlagendem Herzen in jene Richtung, in der er ihr Schlafzimmer vermutete. Er öffnete die Tür am Ende des Flurs und wurde sofort durch den Anblick der schlafenden Sakura belohnt. Innerlich seufzte er auf und kam ihr langsam näher. Sein Blick glitt über ihren schlanken Körper, der unter der dünnen Decke gut zu erahnen war. Sanft hob und senkte sich ihre Brust in regelmäßigen Abständen und ihr Gesicht war entspannt und (für ihn) engelsgleich. Tiefe Sehnsucht danach sie zu berühren, ihr seidiges Haar zu spüren, die glatte Haut unter seinen Fingern zu fühlen überkam ihn und er glitt wieder an die Seite ihres Bettes. Lautlos kniete er sich vor dem Bettrand nieder und strich sanft über ihre im Mondlicht blasse Haut. Sie sah so zerbrechlich aus, dass er sich kaum traute sie anzufassen. Zufrieden seufzte Sakura im Schlaf und wandte sich, wie auch in den Nächten davor, ihrem Besucher zu. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht und Gaara wurde vom Anblick ihrer zarten Lippen gefangen. Zärtlich zeichnete er mit seinem Finger ihre volle Unterlippe nach und biss sich dabei angestrengt auf die eigene, um dem Drang zu widerstehen sie zu küssen. Das Lächeln auf ihrem Gesicht vertiefte sich und sie rückte mit ihrem Kopf noch ein Stückchen weiter auf den Rotschopf zu, der noch immer von ihrem Anblick gefesselt war. Sie hatte ihn bezaubert, denn auch wenn sein Verstand ihn anschrie und dazu treiben wollte, den Raum so schnell wie möglich zu verlassen, so rührte er sich keinen Millimeter vom Fleck. Wie hypnotisiert glitten seine Blicke über ihr Gesicht und blieben immer wieder an ihren verführerischen Lippen hängen. Wie sie wohl schmeckten? Der Wunsch das herauszufinden wurde übermächtig und er kam ihrem Gesicht immer näher. Sein Verstand heulte verzweifelt auf und versuchte ihn von dieser selbstmörderischen Aktion abzuhalten, aber Gaara hatte schon vor einiger Zeit die Kontrolle über seinen Körper verloren. Mit angehaltenem Atem näherte er sich Zentimeter für Zentimeter. Er konnte den Duft ihrer Haare wahrnehmen, spürte die Wärme, die ihr Körper ausstrahlte und beugte sich noch etwas tiefer über das Bett, bis seine Lippen endlich die ihren Berührten. Ein Prickeln lief durch seinen gesamten Körper. Eine Ewigkeit schien zu vergehen in der nichts anderes existierte als der Geschmack ihrer Lippen, der süßliche Geruch der von ihr ausging und das wundervolle Gefühl ihrer Berührung. Sein Herz raste und schien gleich zerplatzen zu wollen. Er war so in seinen Empfindungen gefangen, dass er zuerst nicht merkte, dass Sakura ihre Arme um seinen Nacken geschlungen hatte und ihn sachte näher an sich heranzog. Überrascht hätte er beinahe den Kuss gelöst, doch sie ließ es nicht zu. Mit sanfter Gewalt zog sie ihn wieder näher zu sich heran und stupste sanft mit ihrer Zunge gegen seine geschlossenen Lippen. Seinen Empfindungen folgend öffnete er seinen Mund und spielte zärtlich mit ihrer Zunge. Es schien sich alles um ihn herum zu drehen und er wollte nur noch mehr. Immer verlangender wurden seine Küsse und Sakura antwortete ihm mit der gleichen Leidenschaft. Sie presste ihren Körper an den seinen und während eine Hand ihm zärtlich durchs Haar strich, fuhr die andere seinen Rücken hinab. Durch ihre Berührung löste sie in ihm kleine Schauer aus und er bekam eine Gänsehaut. Ihm wurde zugleich heiß und kalt und er spürte wie seine Leidenschaft wuchs. Wenn er nicht bald seinen Kuss löste, so würde er nicht mehr in der Lage sein sie in dieser Nacht zu verlassen. Obwohl sein Körper nach mehr verlangte, musste er seine Lippen von den ihren trennen um nach Luft zu schnappen und als er seine Augen öffnete, begegnete er ihrem Blick. In ihren Augen konnte er lesen, dass sie mehr wollte, viel mehr. Er spürte, wie sein Körper darauf reagieren wollte, aber inzwischen hatte er wieder eine minimale Kontrolle über sich zurück gewonnen und er hielt unsicher inne. Tat er wirklich das Richtige? Was war wenn sie seine Gefühle nicht erwiderte? Wenn er ihr nicht geben konnte, was sie wollte?
Sein Verstand kämpfte gegen seine Gefühle und er senkte sein Gesicht wieder nieder, aber diesmal strich er nur mit seiner Nase sanft über die ihre. Sie erwiderte diese zärtliche Geste ruhig, als würde sie seine innere Anspannung spüren. Sanft streichelte sie seinen Nacken und als sich ihre Lippen zum letzten Mal kurz trafen, fühlte sich ihr Kuss wie Schmetterlingsflügel an. Ohne ein Wort zu sagen schälte er sich aus ihrer Umarmung und verließ beinahe fluchtartig den Raum. In ihm tobte ein Kampf der Gefühle und er wusste kaum wo ihm der Kopf stand.

Sakura lag einige Augenblicke noch wie erstarrt in ihrem Bett und konnte kaum glauben was soeben passiert war. War das eben wirklich Gaara in ihrem Zimmer gewesen? Ruckartig setzte sie sich auf und eilte ihm durch den kleinen Flur nach. Sie war völlig verwirrt und folgte den nicht gerade leisen Geräuschen, die der Kazekage bei seiner Flucht verursachte. Kurz wunderte sich Sakura noch, dass er scheinbar ins Wohnzimmer gelaufen war, folgte ihm aber ohne weiter darüber nachzudenken. Sie wollte mit ihm über das eben geschehene sprechen. Empfand er vielleicht etwas für sie? Oder wollte ihre eigene Sehnsucht ihr das nur einreden? Sie betrat gerade das dunkle Wohnzimmer, als sie seinen dunklen Schatten vom Balkon springen sah. Sofort eilte sie hinaus und sah hinunter in die Dunkelheit der Nacht.
„Gaara?", hauchte sie kaum hörbar.