So, da bin ich wieder.
Dieses Kapitel wird sehr traurig sein, deshalb möchte ich euch jetzt schon mal bitten, mich nicht umzubringen . . .
Eine Reviewerin hat mich auf etwas aufmerksam gemacht: Harry und Draco sind natürlich erst 15 Jahre alt und nicht 16. In dem Fall sind die Zwillinge gerade erst 16 geworden.
Viel Spaß beim Lesen!
„Ich habe die Prophezeiung zerstört."
„Du hast was?"
Sie saßen in Florean Fortescues Eissalon in der Winkelgasse. Harry hatte sich diesen Ort ausgesucht, nicht, weil er Remus nicht vertraute, aber die Gefahr, dass Dumbledore Remus folgte, um ihn zu entführen, war ihm einfach zu groß. Deshalb hatte er es besser gefunden, sich in aller Öffentlichkeit mit dem Werwolf zusammenzusetzen und einen Schallschutzzauber zu weben, um unerwünschte Zuhörer nicht auf ihre Kosten kommen zu lassen.
„Ich habe sie fallen lassen, direkt nachdem ich mir den Wortlaut eingeprägt habe. Wir hielten es für sicherer, jetzt hat Voldemort keine Möglichkeit mehr, sie in die Finger zu bekommen und der Alte kann sich endlich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren."
Remus musste schmunzeln. Die Idee hatte natürlich etwas für sich. „Gut, dann sage ich ihm, dass sich die Sache erledigt hat. Ehrlich gesagt bin ich froh, es war doch sehr lästig, jede zweite Nacht ins Ministerium eindringen zu müssen, nur um dieses lästige Ding zu bewachen. Dabei hätten wir im Ernstfall sowieso nichts machen können. Dumbledore wollte übrigens nicht, dass du die Prophezeiung hörst."
Der Falke hob eine Augenbraue, obwohl er das schon gewusst hatte. „Ach so?"
Remus zuckte mit den Schultern. „Er dachte wohl, du kriegst kalte Füße oder was weiß ich . . .", murmelte er lahm.
Harry schnaubte. „Soso, dachte er das? Richte dem Alten doch bitte aus, ich werde niemals kalte Füße haben. Ich habe nämlich eine erhöhte Temperatur." Er ließ unheilverkündend die Knöchel knacken.
Remus grinste verstehend, er wusste, dass Werfalken nie froren, weil sie eine höhere Körpertemperatur als Menschen hatten, aber ihm war durchaus der Hintersinn in Harrys Worten aufgefallen.
„Ich sage es ihm. Mir ist sein Gesicht noch gut in Erinnerung, als du dich verwandelt hast. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er es nicht darauf anlegt, dich noch ein zweites Mal so zu provozieren!"
„Wir wollen es hoffen. Und, Remus?", Harry war schon aufgestanden, drehte sich aber noch einmal zu dem alten Freund seines Vaters um, „wenn du durch den Orden irgendetwas über Sirius erfährst, lässt du es mich dann bitte wissen?"
„Ja, klar. Mach's gut, Harry."
...
„Ok, das war's." Schätze, du bist jetzt so gesund, wie es möglich ist. Deine Wunden sind sozusagen dauerentzündet, deshalb wirst du wahrscheinlich nie mehr mit vollen Kräften kämpfen können."
„Aber ich lebe. Das habe ich dir zu verdanken."
Eiskristall sah ihn zustimmend an.
Es war halb 9 am Morgen des 2. Aprils. Ein wunderschöner Frühlingstag. Dave Adams war körperlich so weit, die Hochlandfalken wieder zu verlassen. Anfangs hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als mit Lichtgeschwindigkeit von hier zu verschwinden, doch nun erfüllte ihn der Gedanke, von seinen neugewonnenen Freunden Abschied zu nehmen, mit Schmerz. Seit Sirius' „Verschwinden" waren fast drei Wochen vergangen. Die Werfalken hatten versucht, einen Plan zu seiner Befreiung zu schmieden, doch bisher waren die wirklich guten Ideen noch ausgeblieben. Sirius selber hatte Harry eingeschärft, ihn nicht zu befreien, weil die Gefahr sehr groß war, dass bei einer solchen Aktion noch mehr von ihnen in Gefangenschaft gerieten. Der Plan musste deshalb hieb- und stichfest sein. Niemand durfte auch nur den geringsten Zweifel darüber hegen, was er zu tun hatte.
Dave hatte mehr über den vermeintlichen Massenmörder wissen wollen, darüber waren sie dann ins Gespräch gekommen und hatten sich auch über viele andere Dinge unterhalten. Der Auror konnte gar nicht glauben, wie dumm das Ministerium war, und er auch, da er alles für bare Münze nahm, was sie ihm und seinen Kollegen verzapft hatten. Nun, jetzt war er ja klüger.
„Es ist Zeit." Sturmwind und Sonnenuntergang standen unten und warteten auf ihn. Sie würden ihn mit einem der Hippogreife nach Hogsmeade bringen, von da aus konnte er mit dem Flohnetzwerk weiterreisen. Da fiel ihm etwas ein.
„Wartet. Ich möchte euch einen magischen Schwur leisten, damit ich, ob gewollt oder ungewollt, nichts über eure Geheimnisse erzählen kann."
Sonnenuntergang hob anerkennend eine Augenbraue. Sie hatte es bewusst nicht von ihm verlangt, weil sie wollte, dass er selber auf diese Idee kam.
„Ich, Dave Adams, schwöre bei meiner Magie und meinem Leben, sämtliches Gedankengut sowie alle Geheimnisse der Werfalken des Hochland-Clans zu schützen und sie in keinster Weise an Dritte weiterzugeben."
Die Anwesenden nickten zufrieden. Nun waren ihre Geheimnisse außer Gefahr. Ein solcher Schwur war absolut narrensicher und konnte auch durch Legilimentik, Denkarien oder Veritaserum nicht gebrochen werden. Insbesondere was Merlin betraf, musste nicht unbedingt an die Öffentlichkeit gelangen.
…...
Als Dave eine halbe Stunde später per Flohnetzwerk im Ministerium ankam, ging er auf direktem Weg zu Scrimgeour, dem Leiter der Aurorenzentrale. Als er vor dessen Bürotür stand, versuchte er verzweifelt, seine Nervosität niederzukämpfen. Er hoffte, dass er ein halbwegs guter Schauspieler war. Scrimgeour würde ihm bestimmt auch von Sirius Black berichten. Er durfte sich nichts anmerken lassen.
Dave atmete noch einmal tief durch und klopfte an.
„Herein?"
Er trat leise ein und schloss die Tür. Der Chef der Auroren erhob sich überrascht.
„Dave, da bist du ja. Haben dich die Werfalken also am Leben gelassen? Wie geht es dir?"
„Hallo, Rufus. Am Leben gelassen ist gut, ich wäre tot ohne sie. Jetzt geht's mir wieder einigermaßen. Ich hoffe, es gab keine Toten, während ich krank war?"
Scrimgeour verneinte. Er sah so freudig aus wie ein kleines Kind, das kurz davor steht, seinen Eltern eine schöne Überraschung zu machen. „Dreimal darfst du raten, was passiert ist", jauchzte er unterdrückt.
Dave verzog sein Gesicht zu einer ratlosen Miene und spielte den Ahnungslosen. „Weiß nicht, wurde vielleicht ein neuer Verteidigungszauber erfunden?"
„Viel besser."
„Wurde . . . keine Ahnung . . . irgendein Todesser gefangen oder so?"
„Ja! Und nicht irgendeiner, sondern Sirius Black höchstpersönlich!"
Dave ließ seinen Kiefer nach unten fallen. „Der Sirius Black?"
Scrimgeour lächelte nur triumphierend.
„Wie? Wann?"
„Vor ungefähr drei Wochen. Er ist im Ministerium herumgeschlichen, in der Mysteriumsabteilung, frag mich nicht, was er dort wollte, aber Dawlish und ein paar Kollegen haben ihn dort aufgegabelt und festgesetzt."
„Hat er geredet?", fragte Dave interessiert.
Nun verdüsterte sich die Miene des Aurorenchefs.
„Nein. Nicht, dass sie ihn nicht befragt hätten, aber er hat sämtliche Antworten verweigert. Und er hat immerhin äußerst nützliche Informationen intus."
Er redete sich immer mehr in Rage.
„Drei Wochen sind vergangen, weißt du, drei, und wir haben nichts aus ihm rausgekriegt, kein einziges Wort. Die haben alles versucht, um ihn zum Reden zu bringen, ohne Erfolg. Ich werde ihn . . ."
„Rufus, beruhige dich. Ich bin sicher, sie schaffen es noch." Er war sich sicher. Wenn Sirius nicht schnell hier rauskäme, hatte er keine Chance, seine Geheimnisse noch lange für sich zu behalten.
Der Angesprochene nickte leicht. „Ich hoffe, dass du Recht hast."
„Ich bin neugierig: Kann ich ihn mal sehen?"
Scrimgeour schüttelte bedauernd den Kopf. „Tut mir leid, Dave, aber das geht nicht. Er ist hochgefährlich, sie müssen immer zu fünft sein, wenn sie seine Tür öffnen, auch bei der Verabreichung der Spritze mit dem Anti-Magie-Serum. Du bist noch nicht fit genug. Es gibt übrigens auch eine schlechte Nachricht."
Dave sah ihn fragend an.
„Zwei unserer Kollegen haben uns verraten."
Jetzt war er überrascht. „Bitte?"
„Weißt du noch, was Shacklebolt uns erzählt hat, wo er Spuren von Black gesehen haben will?"
„Im Tibet, glaub ich. Oh . . . aber dann . . ."
Dave dachte scharf nach. Kingsleys Nachforschungen hatte er komplett vergessen, seit er Sirius kennengelernt hatte. Aber jetzt viel es ihm siedend heiß wieder ein, dass der Gestaltwandler doch angeblich nach Tibet geflohen war. Hatte der dunkelhäutige Auror den Falken etwa gedeckt?
„Genau. Wir haben ihn natürlich sofort gefeuert. Tonks hat versucht, ein gutes Wort für ihn einzulegen, aber der Minister war sofort misstrauisch. Sie musste dann auch gehen."
„Das sind . . . überraschende Neuigkeiten.", gab Dave so neutral wie möglich kund.
„Ja", seufzte Scrimgeour müde. Er stellte Dave noch ein paar Fragen zu den Werfalken, bekam aber nur unverbindliche Antworten. Schließlich trennten sie sich mit dem Beschluss, dass Dave erst mal mit Schreibtischarbeit wiedereinsteigen sollte, etwas, das dem Auror zwar nicht passte, aber er bemühte sich, zufrieden auszusehen.
...
Falkenauge, Nebelwolke und noch zwei andere Mitglieder des Hochland-Clans flogen durch die Nacht. Sie hatten einen raffinierten Plan ausgeheckt, wie sie Nachtstern unter den geringstmöglichen Schwierigkeiten befreien konnten. Nun zogen sie lautlos nach Süden in Richtung London.
Sie waren gerade eine Viertelstunde unterwegs, als vor ihnen plötzlich eine Gruppe von ungefähr zehn Werfalken auftauchte. Sie hielt genau auf sie zu.
Was wollen die?, dachte Nebelwolke misstrauisch an Merlin gewandt.
Ich weiß es nicht, sie haben ihre Schilde oben, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass sie uns nichts Gutes wollen.
Die fremden Falken kamen näher. Nun erkannten sie die meisten von ihnen. Es waren Einzelgänger. Doch da jeder von ihnen wusste, dass die meisten der Einzelgänger inzwischen auf Voldemorts Seite standen, trug diese Erkenntnis nicht unbedingt zu ihrer Beruhigung bei.
Schau an, wen wir hier haben, dachte einer der entgegenkommenden Falken höhnisch. Es war Funkelauge, einer der zu Voldemort übergelaufenen Einzelgänger. Merlin und seine Speichellecker. Da ist uns das Glück doch hold.
Was wollt ihr?, fragte Merlin ruhig. Wenn es zu einem Kampf kommen sollte, hätten die Anderen zwar zahlenmäßig bessere Chancen, aber er wusste auch, ohne sich selbst loben zu wollen, dass er in Magie weit besser bewandert war als jeder andere Gestaltwandler.
Na, was schon? Euch töten. Der Dunkle Lord will euch endlich auslöschen. Aber die wenigen ehemaligen Einzelgänger, die in euren Fideliuszauber eingeschlossen sind und wissen, wo sich euer Versteck befindet, reichen nun mal nicht aus, um euch alle zu beseitigen, nicht wahr? Da du, Merlin, der Geheimniswahrer bist, brauchen wir dich nur zu töten, dann kann uns nichts mehr davon abhalten, allen Todessern den Ort eures kleinen Häuschens zuzuflüstern, teilte ihm Funkelauge höhnisch mit. Und dann . . .
Merlin versuchte, den zuhausegebliebenen Rest der Hochländer zu alarmieren, konnte aber keinen erreichen, da die Telepathie natürlich nur funktionierte, wenn beide Gesprächspartner verwandelt waren, was im Moment nicht der Fall war. Er fluchte und gab ein Zeichen, umzukehren. Doch während sie in die andere Richtung zurückflogen und ihre Feinde mit Flügelrauschen die Verfolgung aufnahmen, tauchten aus dem Wald unter ihnen zehn weitere Falken auf. Außerdem kamen nochmal mindestens zwei Dutzend Todesser auf Besen angeflogen. Diese Armee stürzte sich nun auf die vier Hochlandfalken und kreiste sie von allen Seiten ein.
Dieses Geschehen wurde jedoch von den letzten beiden lebenden Einzelgängern beobachtet, die nicht auf Voldemorts Seite standen. Es waren Nachtschatten und Zedernflug, die ganz in der Nähe mitten im Wald in einem kleinen Häuschen lebten. Sie hatten zwei Kinder, die sie nicht in all dem Trubel des Hochland-Clans hatten groß werden lassen wollen, deswegen hatten sie sich, anders als Bernsteinfeder und Feuerstern, die Eltern von Schneesturm und Feuerflügel, für ein Leben außerhalb des großen Clans entschieden.
Durch die lauten Fluggeräusche hellhörig geworden, ließen sie sich als Falken in die Lüfte tragen und sahen entsetzt, was Merlin und seinen Gefährten bevorstand.
Wir müssen ihnen helfen!, dachte Nachtschatten entschlossen und wollte sich in den inzwischen ausgebrochenen Kampf stürzen. Zedernflug jedoch, die einen kühlen Kopf behielt, flog ihm in den Weg und drängte ihn zurück.
Du kannst ihnen nicht helfen. Es ist aussichtslos, völlig egal, ob vier oder sechs Falken gegen diese riesige Zahl an Todessern kämpfen. Wir haben zwei Kinder!
In diesem Moment hatte Merlin sie entdeckt. Versucht nicht, uns zu helfen. Warnt die anderen und rettet euch, bat er sie verzweifelt. Durch diesen kleinen Moment der Unaufmerksamkeit abgelenkt, hatten Funkelauge und zwei seiner Gefährten, Schneefeuer und Windschatten, Gelegenheit, mit ihren Krallen und Schnäbeln und ihrer Magie an ihn heranzukommen.
Avada Kedavra!
Schneefeuers Fluch traf den Ersten und Ältesten aller Werfalken mitten in die Brust. Der Körper trudelte in die Tiefe und landete in einer großen Tanne. Kurz darauf waren auch seine drei Begleiter tot, doch nicht ohne einige Feinde mit in den Tod gerissen zu haben.
Zedernflug und Nachtschatten wechselten entsetzte Blicke.
Bring Yumaq und Finn in Sicherheit! Ich fliege hin, ich bin schneller als du, dachte Zedernflug an Letzteren gewandt und schoss davon.
…...
Harry, der Morgenstern, ging unruhig in seinem Zimmer auf und ab. Schneesturm versuchte zwar, ihn abzulenken, aber bisher mit eher mäßigem Erfolg. Und dabei war das Rettungskommando gerade mal seit 20 Minuten fort. Morgenstern wusste selber, wie sinnlos es war, jetzt schon nervös zu sein, aber er hatte einfach ein schlechtes Gefühl.
Shira umarmte ihn von hinten.
„Morgenstern, du musst dir keine Sorgen machen. Merlin höchstselbst ist bei der Rettungstruppe dabei. Sie werden es schaffen, ihn zu befreien."
„Ja, aber sie sind nur zu viert! Warum wollten sie mich nicht mitnehmen?"
„Es wäre zu auffällig, wenn eine größere Truppe da antanzen würde. Die Vier sind sehr gute Kämpfer, um nicht zu sagen die Besten. Und wir wissen Beide, dass du noch zu jung bist für eine solche Mission.", sagte Schneesturm sanft und küsste ihn beruhigend in den Nacken.
„Die besten Kämpfer . . . warum ist Sonnenuntergang dann nicht dabei?"
„Na, einer muss ja auf uns aufpassen, oder?"
Sie hatten dieses Gespräch heute in dieser oder ähnlicher Form schon dreimal geführt, aber da Harry im Moment sowieso von nichts Anderem reden konnte, versuchte Schneesturm ihn so zu beruhigen.
„Trotzdem, ich hab so ein Gefühl, dass heute irgendetwas Schreckliches passieren wird. Ich werde es einfach nicht los . . . Etwas Furchtbares wird passieren, Shira, ich weiß es genau, ich spüre es!"
Sie drehte ihn vorsichtig um und sah in seine weit aufgerissenen Augen. Dann nahm sie seine Hand.
„Komm, lass uns nach unten gehen. Vielleicht solltest du mit Eiskristall reden."
Er nickte beunruhigt, froh, dass sie ihn ernst nahm.
Die anderen Werfalken waren ebenfalls beunruhigt. Ihre Sinne waren weit schärfer als die der Menschen, sie alle spürten, dass etwas nicht in Ordnung war.
Gerade als die beiden Teenager hereinkamen, flog etwas durch das Fenster, wobei es die Scheibe zerbrach. Es kam auf dem Boden zum Liegen und verwandelte sich in eine junge (naja, jung dem Anschein nach) Frau. Es war Zedernflug; Harry kannte sie, denn sie war manchmal hier zu Besuch.
„TodesserfalkenhabenMerlinget ötetderFideliusistgebrochens iewerdenjedenAugenblickhiers einundsiesindnichtaufGefange neaussiewollenunseinfachalle töten", brachte sie hervor.
Die Anderen erstarrten vor Wut und Trauer.
Echonebel bewahrte einen kühlen Kopf. „Ihr vier", er deutete auf die Teenager, „ihr fliegt augenblicklich nach Hogsmeade und versteckt euch dort in der Heulenden Hütte."
„Wir sollen euch im Stich lassen?", fragte Draco entsetzt.
In diesem Moment ertönten Fluggeräusche von unzähligen Flügeln und Besen.
„Ja! Und wenn ihr nicht sofort verschwindet, dann belege ich euch mit dem Imperius! Alle vier!"
Er schien es ernst zu meinen. Die Teenager verschwanden widerwillig, bevor er seine Drohung wahr machen konnte. Im Kampf würde es ihm schließlich nicht helfen, wenn er auch noch einen Imperius aufrecht erhalten musste. Die Falken hatten sich bereits verwandelt und stürzten sich voller Wut und Schmerz auf die Angreifer. In diesen Wirren konnten die Vier schnell verschwinden, doch sie drehten sich um und schossen Zauber auf die Todesser.
Echonebel, der das sah, schoss auf sie zu und benutzte Verscheuchzauber, um sie zu vertreiben. In diesem Moment fiel ihm ein dunkelbrauner Falke in den Rücken und hackte wie wahnsinnig auf ihn ein. Feuerflügel, die sich noch nie um den Gebrauch von schwarzer Magie geschert hatte, schoss einen Avada Kedavra auf den Angreifer ab.
Danke, dachte Echonebel knapp. Und jetzt verschwindet, bevor ich nochmal was abkriege, weil ich durch euch abgelenkt bin.
Die Teenager machten sich davon. Sie hatten ein schlechtes Gewissen wegen dem Vorfall, aber auch wegen der Tatsache, dass sie ihre Gefährten im Stich ließen. Sämtliche Werfalken, die nicht zum Hochland-Clan gehörten, griffen an, und zusätzlich auch noch eine gute Hundertschaft von Todessern. Die Hochländer hatten so gut wie keine Chance, lebend aus der Sache rauszukommen, völlig egal, wie viele Gegner sie dabei zur Strecke brachten.
…...
In der Heulenden Hütte zu warten war eine Qual. Stunden vergingen, ohne dass irgendetwas geschah. Die Vier saßen eng aneinander gedrückt in der Ecke des Schlafzimmers, wo Sirius damals Peter entlarvt hatte, vor, wie es Harry schien, endlosen Zeiten in einem anderen Leben.
Irgendwann schliefen sie erschöpft ein, doch war ihnen der Segen des Vergessens nicht lange vergönnt. Ein Flügelrauschen ertönte, von dem sie sofort aufwachten. Die Vier wechselten besorgte Blicke. Wer war das?
Vorsichtig sahen sie zum Fenster hinaus und atmeten erleichtert aus. Es waren Hochlandfalken.
„So wenige?", flüsterte Shira entsetzt.
Sie öffneten ein Fenster und die Falken flogen herein. Nachdem sie sich verwandelt hatten, sahen sie die vier Jugendlichen mit einer unsäglichen Trauer in den Augen an. Es waren Echonebel, Sternennacht, Sonnenuntergang und Rubinherz, eine vergleichsweise junge Falkin, mit der Harry bisher noch nicht so viel zu tun gehabt hatte.
„Wo sind die Anderen?", wagte es schließlich Draco, die Frage zu stellen, die ihnen wohl allen auf der Zunge brannte, obwohl jeder von ihnen die Antwort wusste.
Echonebel schüttelte nur den Kopf.
„Wir sind die Einzigen vom Clan, die überlebt haben. Außer uns hat es noch Zedernflug geschafft. Sie und Nachtschatten sind die letzten Einzelgänger, die nicht auf der Dunklen Seite stehen. Alle anderen sind zu Voldemort übergelaufen.
Wir konnten den Gegnern herbe Verluste zufügen, die Mörder Merlins sind alle tot. Nach meiner Einschätzung haben noch sieben Falken der anderen Seite überlebt. Irgendwann mussten wir trotzdem den Rückzug antreten, sie hatten gut 200 Todesser auf ihrer Seite.
Nachtschatten und Zedernflug und ihre Kinder Yumaq und Finn treffen sich mit uns in einer Stunde an der nördlichsten Spitze von Loch Lomond. Wir suchen uns alle zusammen ein Versteck und dann sehen wir weiter. Aber vorher sollten wir eine Schweigeminute halten."
Harry war wie gelähmt und sein Kopf fühlte sich seltsam leer und ausgebrannt an. Fast alle tot . . . Merlin, Eiskristall, Sturmwind, Feuerstern, Bernsteinfeder . . . Schneesturm und Feuerflügel waren jetzt auch Waisen, genau wie er. Tröstend umarmte er seine Freundin. Jetzt war er richtig froh, dass Sirius gerade im Ministerium festsaß, sonst hätte er ihn wahrscheinlich auch verloren.
Nach einiger Zeit machten sie sich schweigend auf den Weg nach Loch Lomond.
Hochland-Clan:
Harry – Morgenstern (m): goldenes Gefieder, 15 Jahre
Shira – Schneesturm (w): strahlend weißes Gefieder, 16 Jahre
Draco – Silberschweif (m): silbergraues Gefieder, 15 Jahre
Yael – Feuerflügel (w): braunes Gefieder mit rötlichen Flügeln; Shiras zweieiige Zwillingsschwester, 16 Jahre
Sirius – Nachtstern (m): nachtschwarzes Gefieder, 35 Jahre
Sternennacht (w): schwarzes Gefieder mit vielen einzelnstehenden weißen Federn, 116 Jahre
Rubinherz (w): braun-weiß gesprenkeltes Gefieder, 243 Jahre
Sonnenuntergang (w): orange-braunes Gefieder, 737 Jahre
Echonebel (m): grauweißes Gefieder, 925 Jahre
Merlin – Falkenauge † (m): braun-weißes Gefieder, 1077 Jahre
Feuerstern † (m): rötliches Gefieder, 248 Jahre; Vater von Schneesturm und Feuerflügel
Bernsteinfeder † (w): bernsteinbraunes Gefieder, 320 Jahre; Mutter von Feuerflügel und Schneesturm
Sturmwind † (m): sturmgraues Gefieder, 532 Jahre; Gefährte von Sonnenuntergang
Nebelwolke † (w): hellgraues Gefieder, 470 Jahre
Saphirauge † (w): blaugraues Gefieder, in Menschengestalt saphirblaue Augen, 906 Jahre
Eiskristall † (w): blauweißes Gefieder, 287 Jahre, sehr gute Heilerin
ca. ein Dutzend weitere Hochlandfalken †
(Nicht mehr) Einzelgänger:
Nachtschatten (m): schwarzes Gefieder, 503 Jahre
Zedernflug (w): hellbraunes Gefieder, 487 Jahre
haben zwei Kinder – Yumaq (w, 14) und Finn (m, 7) – , leben alleine und schließen sich nach dem Hochlandmassaker den anderen Überlebenden an.
Dunkle Seite:
u.a.
Funkelauge † (m): dunkelbraunes Gefieder, 678 Jahre
Schneefeuer † (m): rotweißes Gefieder, 765 Jahre
Windschatten † (m): graues Gefieder, 498 Jahre
