12. Schnuffel

Sie gab es vorerst auf, zu versuchen hinter die Bedeutung des Liedes zu kommen, von dem sich nicht mal wusste, ob es von Bedeutung war. Sie fragte auch Snape nicht danach, denn er hatte kein Gespür für so etwas.

Sie hatte andere Verpflichtungen, sich einer weitere Erkältung in Hogsmeade einfangen zum Beispiel!

Suzette hatte keine andere Wahl. Am folgenden Wochenende musste sie Potter und seinen Freunden bei ihrem Ausflug nach Hogsmeade folgen. Langsam kam ihr diese Aufgabe recht sinnlos vor, denn was konnte schon passieren, wenn Harry in einer belebten Straße, am hellsten Tag ein paar Socken für seinen Hauselfenfreund kaufen ging?

Zu Suzettes großer Freude beschlossen die Freunde offensichtlich schon recht bald wieder zum Schloss zurückzugehen. Es war noch hell und so musste Suzette sich gut verstecken, um den drei nicht auszufallen.

Was Suzette nicht alles mit sich machen ließ! Jetzt folgte sich auch noch drei Teenagern unbemerkt beim Bummeln in einem Dorf... Suzette konnte es nicht fassen, wie tief sie gesunken war, als sie etwas hinter den Ron, Harry und Hermine, abseits des Weges in gebückter Haltung durchs Gebüsch am Wegrand schlich.

Die drei hielten plötzlich an und Suzette erlitt fast einen Herzinfarkt. Vor nichts hatte sie mehr Angst, als vor dem, was sie über die Wiese kommen sah. Ein Hund! Nein! Ein Wolf! Nein! Ein Grimm! Ein Wolfshund, ein schwarzer! Und sie war es, die gegen ihn kämpfen musste, falls er die Kinder angriff! Ihr blieb der Atmen stehen, als Harry dem Hund offensichtlich freudig zuwinkte und das Tier ebenso freudig mit dem Schwanz wedelte. Die drei folgten dem Tier über die Wiese über die es gekommen war und Suzette musste wohl oder über hinterher.

Suzette mochte es nicht unsichtbar zu sein. Sie mochte es fast genauso wenig, wie den Vielsafttrank zu trinken, was sie als absolut ekelhaft empfand. Doch über offenes Gelände konnte sie Harry und dem Köter nicht so ohne weiteres folgen.

Sie seufzte und mit einem Wimpernschlag, begann es in ihrer Magengegend erbärmlich zu jucken, zu kratzen. Das Gefühl dehnte sich über den ganzen Körper aus und sie war nun gänzlich unsichtbar. Es handelte sich um einen Zauber, der ganz schön an die Substanz ging, denn wenn man die Konzentration verlor wurde man sofort wieder sichtbar, außerdem musste man permanent aufpassen, dass man sich nicht dem Zustand hingab und womöglich niemals wieder sichtbar werden würde. Zudem juckte die Unsichtbarkeit entsetzlich und es war nicht gut für die Haut.

Sie folgte also den Freunden und dem Hund, der sie ohne Zweifel witterte. Hunde witterten sie immer! Sie schien einen magische Anziehungskraft auf Hundenasen zu haben, immer fingen die Viecher an zu bellen und die Zähne zu fletschen, wenn sie an ihnen vorbeiging. Was wenn der Hund sie wahrnahm und sie vor lauter Panik sichtbar wurde?

Der Hund führte Ron Hermine und Harry in eine Höhle, in der der Hund offensichtlich schon einige Tage gehaust hatte. Überall lagen tote Rattenkadaver herum. Suzette ekelte sich und konnte geradeso verhindern, dass ihr Füße sichtbar wurden.

Sie beschloss, die stinkende Höhle nicht zu betreten und das Geschehen von einem Baum in der Nähe aus zu beobachten. Hunde konnten nicht klettern! Ja, das erschien ihr sicher. Noch einen kleinen Schallverstärkungszauber von der Höhle auf ihr Ohr gelegt und hinaufgeklettert! Pip ließ sich neben ihr nieder und leistet ihr Gesellschaft.

In Höhle geschah schließlich etwas unglaubliches: Der große, beängstigende Hund verwandelte sich in deinen dreckigen, abgemagerten Mann, der sich über das Essen, dass Harry ihm mitgebrachte hatte, hermachte, als hätte er in den letzten Tagen nur Rattenkadaver zu sich genommen.

Bald bestand kein Zweifel mehr, dass es sich bei dem Mann um Sirius Black handelte. Sirius Black, ein Animagus, ein Hund! Suzette konnte ihn jetzt schon nicht leiden.

Er begann zu sprechen, allerdings wirkte der Schallverstärkungszauber nicht optimal, was daran lag, dass Suzette zu viel Energie für ihre Unsichtbarkeit aufbringen musste. Was sie verstand war, dass Harry Barty Crouch in Snapes Büro erwischt haben musste.

Barty Crouch? Suzette glaubte sich verhört zu haben, aber Sirius fragte sicherheitshalber noch mal nach: „Barty Crouch?".

„Ja! Es stand auf eurer alten Karte.", sagte Harry.

„Aber Barty Crouch war immer ein Gesetzesfanatiker! Damals ist er mit voller Härte gegen Todesser und Sympathisanten vorgegangen. Er war es, der mich ohne Prozess nach Askaban gesteckt hat. Er hat seinen eigenen Sohn in Askaban sterben lassen und nach der Quidditch-Weltmeisterschaft seine Hauselfe des guten Rufes wegen verstoßen.", erzählte Sirius. Hermine hingegen blieb skeptisch: „Was kann er in Snapes Büro suchen? Und vor allem, wieso tut er es, wenn er doch sonst so gesetzestreu ist?".

„Ich weiß es nicht! Ron, könntest du nicht mal deinen Bruder nach Crouch fragen? Er ist doch sowas wie sein Stellvertreter.", überlegte Sirius.

„Lieber nicht!", antwortete Ron, „Mit Percy steh ich im Moment nicht so besonders.".

„Was ist mit Karkaroff?", wollte Harry wissen, „Was kann er von Snape wollen?".

„Es sind beides ehemalige Todesser.", sagte Sirius, „Mit dem Unterschied, dass Dumbledore Snape vertraut.".

„Karkaroff etwa nicht?", wollte Hermine wissen. „Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist es höchst verdächtig von ihm, dass er sich mit Snape kurzschließen will.", erklärte Sirius und meinte darauf: „Severus ist ein brillanter Zauberer. Er konnte schon in seinem ersten Schuljahr mehr Flüche als die Hälfte der Oberstufe. Vielleicht erwartet er irgendeine Art Hilfe von ihm. Auf dem linken Unterarm, sagst du?". Kein Wort mehr und Suzette kniff die Augen zusammen, um zu sehen, was in der Höhle vor sich ging.

Dann fragte Sirius: „Was ist mit dieser Suzette Smith, Harry?".

„Sie ist eine ehemalige Todesserin.", sagte Harry schnell und Hermine ergänzte: „Dumbledore hat sie an die Schule geholt.". „Sie ist Snapes Handlangerin!", fuhr Harry fort, „Professor Moody wird nicht müde uns vor ihr zu warnen!". „Niemand vertraut ihr, weil sie von der Schule geflogen ist, nachdem sie einen Jungen fast umgebracht hat.", erzählte Ron, „Aber eigentlich ist sie nicht übel, sie hat mir den Festumhang...".

„Ja ja!", unterbrach in Harry, „Sie ist seltsam und jeder scheint bei ihrem Namen zusammen zu zucken!".

„Dumbledore hat sie an die Schule geholt?", versicherte sich Sirius. „Ja!", machte Harry, „Aber...".

Plötzlich überkam Suzette ein schmerzhafte Schwäche, der nur mit der dauerhaften Unsichtbarkeit zusammenhängen konnte. Ihr wurde übel und sie zwang sich vom Baum zu klettern, sich hinter einen Strauch zu schleppen und wieder sichtbar zu werden. Schlagartig ging es ihr besser, nur hören was in der Höhle gesprochen wurde konnte sie nicht mehr. Der Schallverstärkungszauber hatte den Geist aufgegeben.

Sie wartete nicht auf die drei Freunde, sondern ging allein zum Schloss empor und versuchte sich einen Reim auf die seltsame Beziehung zwischen Harry und dem gesuchten Mörder Black zu machen. Offensichtlich schien von ihm keine Gefahr für den Jungen auszugehen. Sie hatte im übrigen auch absolut keine Lust mehr diesen Kindern hinterher zu spionieren. Dumbledore verlangte da eine ganzen Menge dafür, dass er bis heute noch kein einziges Wort über ihre Herkunft zu ihr geäußert hatte.

Völlig durchgefroren kam Suzette in der Eingangshalle von Hogwarts an und wurde sogleich von Igor Karkaroff abgefangen:

„Suzette, bitte! Ich muss mit ihnen sprechen!".

„Bitte!", sagte Suzette gleichgültig, denn der arme Mann tat ihr auf diese amüsierende Art leid, war er doch schon bei Snape eiskalt abgeblitzt. Sie konnte sich denken worum es ging.

„Suzette, was werden sie tun? Was können wir tun? Sie werden uns finden, sie werden uns suchen!".

Suzette zuckte mit den Schultern: „Fliehen sie!".

„Das hat Severus mir auch geraten. Aber...". „Ich denke, für Leute wie uns gibt es zwei Möglichkeiten, wie wir uns entscheiden können: Wir können zurückkehren oder gegen ihn kämpfen! Stellung müssen wir auf jeden Fall beziehen!", sagte Suzette. „Sie können aber auch fliehen und ihr Leben unwesentlich verlängern. Ich meine, sie... sie sind hier der feige Verräter! Ich denke eine Rückkehr ist für sie undenkbar.". Suzette ließ Karkaroff stehen und glitt elegant die Treppen zu den Kerkern nach unten.

„Was denkst du mit wem Harry Potter sich heimlich trifft?", fragte Suzette, als sie in Snapes Büro eintrat.

„Mit wem?", fragte Snape mit böse verzogenem Gesicht. „Sirius Black!", antwortete Suzette.

„Der Pate.", murmelte Snape und beließ es dabei.

Es kam Suzette vor, als war es ein Fehler gewesen Snape einzuweihen, irgendwie kam es ihr vor, als habe er sich auf den Jungen grundlos eingeschossen.

„Er war es nicht!", sagte sie weiter, „Er ist nicht bei dir eingebrochen.".

Snape antwortete nicht.

„Severus?", fragte Suzette noch einmal vorsichtig, „Was weißt du über St. Germain?".

Snape schaute verwundert auf, überlegte kurz und sagte schließlich: „Das ist mehr das Fachgebiet von Sybill. Die steht auf diesen Esoterikkram.". Er blickte sie abschätzig an, „Du doch nicht etwa...". „Nein, nein... war nur so 'ne Frage.".

Der Abend war noch jung und mit Sev wohl im Moment nichts anzufangen. Er hatte seine schwierige halbe Stunde. Also stieg Suzette die unzähligen Treppen zum Turm der Wahrsagerin hinauf. Schon von weitem konnte man die stickige, schweflige Luft riechen und als Suzette anklopfen wollte, überkam sie erst mal ein furchtbarer Hustenanfall.

Sibyll Trelawney hockte allein, offensichtlich mit einem Glas Sherry in der Hand, das sie sofort vor Suzette versteckte, in ihrem Turmzimmer und starrte abwechselnd auf die violetten Schaden aus ihrem Kamin und in die Abenddämmerung aus dem Fenster: „Ich wusste, dass sie kommen, Suzette! Setzten sie sich!".

Suzette setzte sich auf eine der Schülerpulte und fragte ein weinig kleinlaut, denn Trelawney hatte sich noch nicht zu ihr umgedreht: „Was können sie mir über den Grafen von St. Germain sagen?".

„Oh Suzette! Das ist nun wirklich Aberglaube!". Suzette war verwundert über diese Aussage.

„Als Wahrsagerin muss man genau abwägen, was man glaubt und was nicht. Zum Glück habe ich die Gabe wirklich wahrsagen zu können und weiß, was man glauben sollte, ohne lächerlich zu wirken.".

„Sagen sie mir trotzdem, wer er war?", bohrte Suzette weiter.

„Er war ein schwarzer Magier. Nichts weiter! Kein Seelenwanderer oder Zeitwandler oder was auch immer sie gelesen haben mögen. Ein brillanter, aber schwarzer Magier!".

„Ich weiß, aber wieso sagen einige, er sein ein echter Heiliger und wieso betet man ihn an?".

„Eine Muggelbewegung vor etwa 25 Jahren! Man glaubte an allerhand Humbug, an das nahende Wassermannzeitalter, Friede und Freiheit. Dabei war die Menschheit nie stärker von den Dunkeln Mächten bedroht als zu dieser Zeit.".

„Und man hat ihn angebetet?", wollte Suzette wissen.

„Es gab sicherlich ein paar Freaks, die ihn als Heiligen verehrt haben, ja. Aber glauben sie mir, völlig zu unrecht!", sagte Trelawney. „Danke.", sagte Suzette enttäuscht und wollte das Turmzimmer schon wieder verlassen, als ihr eine weitere Zeile des Liedes in den Kopf schoss: „Was sind die Saint Marie de la Mer?".

„Saint Marie de la Mer? Das ist eine kleine Küstenstadt in Südfrankreich. Es lohnt sich wirklich mal dorthin zu fahren, Suzette. Sehr gute Schwingungen! Leider zieht es zu viele Muggel dorthin, die die Energie des Ortes missverstehen.".

„Was ist denn mit den Muggeln dort?", fragte Suzette ungeduldig. „Die selben Freaks, die St. Germain verehren! Tanzen spontan auf den Straßen. Selbsternannte Spirituelle, Künstler! Glauben sie mir, mit so etwas hat meine Gabe nichts zu tun!".

Trelawney von Freaks sprechen zu hören amüsierte Suzette, aber sie durfte sich nicht anmerken lassen, wie lächerlich sie diese Frau fand. „Und dort gab es sicher einen Marienkult.", kombinierte Suzette haarscharf sie Zeile „Black Madonna" aus ihrem Lied hinzu.

„Sie verehren dort dunkelhäutige Marienstatuen, ja. Es ist lächerlich, was man alles tut, wenn der Verstand benebelt ist. Zum Glück ist meiner klar!". „Danke", murmelte Suzette erneut und stieg die Stufen wieder hinab.