Fallen from grace
Kapitel 12
Hier und jetzt
Der Weg, der sie durch das Schloss führte, kam Hermine vor wie eine endlose Reise, bei der man nicht wusste, wo sie einen am Ende hinbrachte.
Sie gingen schweigend und so hatte sie Gelegenheit, sich über alles Mögliche Gedanken zu machen. Sie fühlte, dass irgendetwas im Kommen war, so wie man die Anspannung vor einem großen Ereignis spüren konnte, ohne sich erklären zu können, warum es so war.
Vorsichtig blickte sie zu Severus hoch, als würde sie sich eine Weisung von ihm erhoffen. Doch sein Gesicht war weiter geradeaus gerichtet, dem ungewissen Ziel entgegen.
Noch immer wirkte er deutlich angespannt und sagte kein einziges Wort, bis er sie in die Kerker hinabgeführt hatte und vor der Tür zu seinen Privatgemächern zum Stehen kam. Auf seinen Wink hin öffnete sie sich und er wies Hermine an, einzutreten. Kerzen flammten an den Wänden auf, das Feuer im Kamin entzündete sich und kurz darauf fiel die Tür hinter ihm ins Schloss und verriegelte sich wie selbstverständlich, um das geheimnisvolle Paar in Snapes Wohnräumen vor den Augen der Öffentlichkeit abzuschirmen.
Er war zuhause. Und Hermine war es instinktiv auch.
In diesem Moment schien beiden bewusst zu werden, was vor ihnen lag, ohne dass sie auch nur ein Wort miteinander wechseln mussten.
Stille breitete sich zwischen ihnen aus, die nur vom Geräusch des Atmens durchbrochen wurde. So standen sie voreinander im Raum und sahen sich an, während Minuten vergingen.
Erst nach einer Weile streckte er seine Hand nach ihr aus. Hermine reichte sie ihm und ließ sich von ihm heranziehen, bis sie mit seiner Brust kollidierte und lachend zum Stehen kam. Im selben Moment legten sich seine Arme um ihren Körper und er drückte sie an sich.
Hermine atmete aus. Sie fühlte sich angekommen und eine leichte Gänsehaut streifte sie, als sie die Hitze spürte, die von seinem Körper ausstrahlte.
Snape senkte den Kopf, wobei ihm seine Haare ins Gesicht fielen, um sie zu küssen. Ihre Lippen verschmolzen zu einer Einheit und es dauerte nicht lange, bis beide nach Sauerstoff rangen.
Mit deutlich geröteten Wangen ließen sie voneinander ab und Severus trat einen Schritt zurück, um seinen Umhang auf dem Sofa abzulegen.
Hermine beobachtete ihn gebannt. Dann, als er fertig war, betrachtete er sie mit einem unbeschreiblichen Feuer in seinen schwarzen Augen. Doch erst nachdem sich ihr Atem wieder beruhigt hatte, begann sie zu sprechen. „Berühre mich, Severus."
Sie sah, dass sich tief in seinem Inneren etwas Verborgenes regte: Lust.
Langsam kam er näher und hielt unmittelbar vor ihr inne. „Ich möchte deine Verletzung sehen", sagte er mit ruhiger und tiefer Stimme.
Hermine biss sich etwas verunsichert auf die Lippe, nickte aber. Dann nahm sie seine Hand und führte sie aufwärts, über ihren Bauch, bis kurz unter ihre Brust. Dort hielt sie inne und drückte vorsichtig seine Handfläche auf ihren Körper. „Hier."
Snape schluckte. Er wirkte vollkommen überwältigt von der Tatsache, dass sie hier mit ihm war und ihn dazu brachte, sich ihr auf so überaus sinnliche Weise zu nähern. Sein Brustkorb hob und senkte sich rapide.
Hermine aber nutzte die Gelegenheit seiner Sprachlosigkeit, um seine Hand weiter nach oben zu führen. Schaudernd presste sie sie mitten auf ihren Busen und stöhnte leise dabei auf.
„Kannst du es spüren?", hauchte sie leise.
Er nickte und raspelte ein „Ja" hervor, ohne sie aus den Augen zu lassen.
Es fühlte sich an, als würde ein stimulierender Blitz durch sie fließen, der von ihrer Brust bis in die Tiefen ihrer Körpermitte zuckte.
Erst jetzt senkte er seinen Blick und seine Finger schlossen sich um das warme Fleisch, das in seiner Hand lag. Hermine stöhnte auf und warf den Kopf in den Nacken. Er beugte sich zu ihr und küsste ihren Hals. Dann fing er langsam damit an, ihre Jacke aufzuknöpfen, dann die Bluse darunter. Als er das getan hatte, befreite er sie daraus, bis ihr Oberkörper nur noch vom BH bedeckt wurde.
Seine Augen blickten auf die frische rote Narbe unterhalb ihrer Brust und er ging vor ihr auf die Knie, um sie mit den Lippen zu liebkosen.
Hermine spürte, dass ihr Körper ganz weich wurde unter seiner Berührung und senkte den Kopf in sein Haar hinein, während er sich sanft küssend und murmelnd über ihre Narbe hermachte.
Als Snape zurückwich bemerkte sie, dass sie an der Stelle, die zuvor noch geziept hatte, überhaupt keine Schmerzen mehr hatte. Verwundert tastete sie die Narbe ab und stellte erstaunt fest, dass sie beinahe verschwunden war.
„Wie hast du das gemacht?", fragte sie ungläubig.
Er warf ihr ein sanftes Lächeln zu. „Das ist derselbe Zauber, den ich schon hundert Mal bei mir eingesetzt habe. Erinnerst du dich?"
„Ja. Doch wie kommt es, dass bei mir nicht mehr als ein blasser Strich zu sehen ist, während auf deiner Hand eine deutliche Narbe zurückgeblieben ist?"
Er zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. „Mein Körper ist wohl schon zu sehr an den Zauber gewöhnt. Außerdem hängt es stark von der Art der Verletzung ab, wie sehr der Spruch wirkt. Du hattest Glück. Bei dir wird auf Dauer nicht viel zu sehen sein."
Hermine sah liebevoll auf ihn hinab und zerwuschelte ihm das schwarze Haar. „Danke, Severus."
Er nickte. Doch statt zu antworten küsste er sie auf den Bauch. Hermine atmete scharf ein. Sie spürte, dass seine Hände über ihre Hüften strichen und schloss die Augen.
„Severus?"
„Ja."
Nervös kaute sie auf ihrer Lippe herum. „Du willst mich doch, oder?"
Er hielt inne und blickte zu ihr empor, das Gesicht wie in Stein gemeißelt und ganz ernst. „Ja. Mehr als alles andere."
Erleichtert atmete sie auf. „Gut. Ich wollte nur sicher gehen."
Verwundert blinzelte er sie an. „Hermine ..."
„Warte, Severus. Du hattest Recht, es war richtig, sich damit Zeit zu lassen. Aber jetzt weiß ich, dass ich dich wirklich will. Und nur dich. Ich möchte nicht weiter damit warten, bis ich meinen Abschluss gemacht habe. Was heute passiert ist, hat mir die Augen geöffnet. Jeder Tag könnte unser letzter sein. Wir wissen nicht, was uns noch bevorsteht. Doch ich möchte jeden Augenblick mit dir genießen und ich möchte dich spüren. Hier und jetzt."
Er seufzte tief. Dann stand er auf und nahm ihr Gesicht in seine Hände. „Ich möchte nicht, dass du das überstürzt, nur weil wir vielleicht morgen tot sein könnten, Hermine. Ich möchte, dass es besonders für dich wird. Und ich möchte, dass du weißt, dass ich alles tun werde, um ..."
„Schschsch." Sie legte sanft aber bestimmt ihren Finger auf seinen Mund. „Es ist gut, Severus. Mit dir weiß ich, dass es besonders wird. Es ist meine Entscheidung. Und ich habe sie getroffen. Du sollst es sein. Keiner sonst."
Er antwortete nicht, sondern stand einfach nur vor ihr, den Blick gesenkt, das Gesicht von seinen Haaren verborgen.
Hermine wartete. Sie wusste, dass er mit sich kämpfte. Er wollte nur das Beste für sie und sie wusste es zu schätzen. Dennoch war es ihre Entscheidung.
Langsam drehte sie seinen Kopf, sodass er sie anblicken musste. Ihre Augen trafen sich und verzehrten sich nach einander. Dann näherten sich ihre Lippen. Sie küssten sich, lang und innig.
Hermine spürte das Feuer, das in ihrem Inneren erwachte. Sie sehnte sich so sehr danach, ihn zu spüren, ihm so unendlich nahe zu sein, dass sie ihre Angst beinahe vergaß. Sie hatte Bücher darüber gelesen und Geschichten darüber gehört, geprägt von den unterschiedlichsten Meinungen. Einige Mädchen hatten den Sex verabscheut, während andere es als das schönste Glücksgefühl auf der ganze Welt beschrieben, mit ihrem Partner vereint zu sein.
Für Hermine stand fest, dass sie Severus wollte. Und er wollte sie. Mehr zählte im Moment noch nicht. Der Rest würde sich ganz von allein ergeben.
Snape hatte sie ganz sanft von ihrer restlichen Kleidung befreit. Dann, als sie nackt vor ihm stand, konnte er den Blick nicht von ihr wenden.
„Du bist wunderschön", sagte er mit rauer Stimme.
Hermines Mundwinkel entspannten sich erleichtert. Dann sah sie gebannt dabei zu, wie Severus mit geschickten Fingern die unzähligen Knöpfe auf seiner Brust und an seinen Ärmeln öffnete, das Tuch löste und zusammen mit dem schwarzen Frack zu Boden segeln ließ. Sie blickte auf das weiße Hemd und ein eigenartiges Gefühl überkam sie, als ihr bewusst wurde, dass vermutlich keine Frau zuvor ihn auf diese Weise erlebt hatte. Stolz schwelgte in ihrer Brust und ihre Erregung wuchs mit jeder seiner schönen Bewegungen an.
Schweigend knöpfte Severus das Hemd auf und warf es zu den anderen Sachen auf den Boden. Dann zog er mit einem Griff das Unterhemd über den Kopf, strich sich die widerspenstigen Strähnen aus dem Gesicht und stand mit nacktem Oberkörper vor ihr, die Hände an den Seiten ruhend, wartend.
Seine Haut war blass und er wirkte auf den ersten Blick so strahlend schön auf sie, dass ihr fast die Tränen kamen. Er war schlank und sehnig gebaut und so ganz anders, als sie es erwartet hätte. Er war einfach etwas Besonderes. Doch nachdem ihre Augen den ersten Blick verarbeitet hatten, bemerkte sie, dass sein ganzer Oberkörper von unzähligen Narben aller Art überzogen war. Kleine Narben, große Narben, tiefe Narben, oberflächliche, gezackte und geradlinige Narben. Viele waren weiß, einige fast verblasst. Doch auch neue waren darunter.
Ihr Puls raste wie verrückt und Sekunden vergingen, ehe sie wusste, was sie sagen sollte. Aus Angst, etwas falsch zu machen, trat sie wortlos näher und legte ihre Hand auf sein Herz. Sie fühlte, wie stark es schlug, fast so, als würde er nur darauf warten, dass sie ihn verstoßen würde.
Er war unsicher, keine Frage. Doch Hermine tat es nicht. Sie konnte ihn nicht zurückweisen, so sehr fühlte sie sich zu ihm hingezogen. Für sie bestand er aus wesentlich mehr, als nur aus schrecklichen Narben. Sie waren ein Teil von ihm, sie waren jedoch nicht er.
Vorsichtig senkte sie den Kopf und drückte ihm einen Kuss auf die Brust. „Das ist für dich", flüsterte sie leise.
Sie spürte, dass er schluckte. Dann presste er sie an sich, küsste sie aufs Haupt und auf die Stirn, hielt sie fest und innig in seinen starken Armen.
Hermine ließ ihre Hände tiefer gleiten, hinab zu seinem Gürtel, doch er holte sie ein und öffnete erst ihn, dann die Hose. Ungeduldig befreite er sich daraus, bis er nur noch eine Shorts anhatte, durch die seine Erregung deutlich zum Vorschein kam.
Ihr Herz klopfte, als sie ihn so sah und ihn so nah bei sich spürte. Ganz plötzlich kehrte das Gefühl der Angst in sie zurück, die Angst vor dem Unbekannten.
Severus musste ihren Blick gesehen haben, denn auf einmal griff er nach ihrer Hand.
„Berühr ihn", forderte er sanft und legte ihre Hand auf den harten Schaft, der in der Shorts steckte. Sie fühlte die Hitze, die harte Schwellung seines Fleisches unmittelbar vor sich. Überwältigt sog sie Luft in ihre Lungen und riss die Augen auf. Nie zuvor hätte sie sich das erträumen lassen.
Severus drückte ihre Hand fester an sich und beide stöhnten leise auf.
Ein Schauder lief ihr über den Rücken, als sie den tiefen Ton aus seiner Kehle hörte. Nicht lang darauf spürte sie, dass er sie auf seine Arme hob und mit ihr durch eine kleine Tür in seinem Schlafzimmer verschwand.
Behutsam legte er sie auf das Bett und befreite sich aus der Shorts. Hermine dachte, ihr Herz würde zerspringen, als sie sah, dass er sich gänzlich nackt über sie beugte. Seine Erregung stieß dabei aufreizend gegen ihre Schenkel, während Severus sich auf den Unterarm stützte und sie anblickte. Zärtlich schob er ihr eine Strähne hinters Ohr und sie blinzelte verlegen.
„Ich glaube, ich habe doch Angst", flüsterte sie mit etwas Panik in der Stimme.
Er nickte. „Da bist du nicht allein." Es klang etwas sarkastisch, was in Anbetracht der aufgeheizten Stimmung nur dazu führte, sie aufzulockern.
Erst jetzt fiel ihr wieder ein, dass er all die Jahre gewartet hatte. Eine unglaubliche Erleichterung überkam sie und zugleich neuer Mut.
Ein sanftes Lächeln tauchte auf ihrem Gesicht auf und sie griff in seinen Nacken, um ihn zu sich zu ziehen. Erneut trafen ihre Lippen aufeinander, erneut gaben sie sich dem Kuss hin. Immer mehr senkte er sich auf sie und presste seine Erregung gegen ihren Körper.
Hermine erzitterte wohlig und vergrub ihre Hände tief in seinen Haaren. Sie fühlte sich überwältigt, als sie ihren Professor so nah und intim bei sich spürte. Kein Wort der Welt vermochte das auszudrücken, was ihr auf dem Herzen lag: Sehnsucht, Leidenschaft, inniges Vertrauen. Vor allem aber etwas, was sie bis vor kurzem nie für möglich gehalten hätte: Liebe.
