Dies ist das letzte Kapitel von "Ein Auftrag mit Konsequenzen". Danach beginnt der nächste Teil meiner Geschichte.
2.7 Konsequenzen
Taliesen nickte "Gute Arbeit, Zevran. Hier ist dein Lohn."
Zevran nahm den Beutel entgegen, er wog schwer. Er überprüfte den Inhalt - zweihundert Andris! Das war ungewöhnlich viel für einen Handlanger. Glücklich ließ er den Beutel ein paar mal in seiner Hand hüpfen "Vielen Dank!"
Taliesen wirkte, als wollte er noch etwas sagen. Doch er räusperte sich nur und wies auf die Tür: "Du kannst dann gehen, Zevran..."
Zevran nahm seinen Beutel, sprang auf und tat, wie ihm befohlen.
Erschöpft, aber gut gelaunt, ging er zum Zimmer seines capo. Er stellte sich Sergios erfreutes und stolzes Gesicht vor, wenn er von seinem Erfolg berichten würde. Zu seiner Überraschung war es nicht Sergio, der ihm öffnete, sondern Valentin, einer seiner Schützen. Zevran schaute ihn fragend an: "Wo ist Sergio? Unterwegs?"
Valentin schaute verwirrt "Dann weißt du es nicht? Nein, du warst die ganze Zeit weg, du kannst es wohl noch nicht wissen..."
Er wies auf einen Stuhl und nahm selbst auf einem anderen Platz. Zevran setzte sich zögernd hin, eine plötzliche Ahnung schnürte ihm Magen und Kehle zu. Valentin atmete einmal tief durch und räusperte sich, ehe er Zevran in die Augen sah:
"Ein Auftrag ist schief gegangen. Sergio ist tot, und drei seiner Männer. Wir anderen konnten entkommen."
"Wann..." fragte Zevran tonlos. Seine weit aufgerissenen Augen starrten ungläubig in das Gesicht des groß gewachsenen Halbelfen.
Valentin seufzte "Vier Tage ist das jetzt her. Wir überlegen gerade, ob wir die Gruppe neu ordnen oder uns einer anderen anschließen wollen. Taliesen ist interessiert, so heißt es..."
"Wie..." Zevrans Ton blieb unverändert.
Valentin zuckte die Schultern. "Die genauen Umstände kenne ich nicht. Goisar war am nächsten dran. Er war unser Späher an dem Abend."
Zevran senkte den Blick, nickte still. Tränen waren nicht angebracht. So war das Leben einer Krähe. Entweder man erledigte seinen Auftrag, oder man starb. Jedem konnte das passieren, jeden Tag.
Er verließ stumm das Zimmer und ging in sein eigenes. Den Geldbeutel hätte er am liebsten weggeworfen. Es war ihm nun klar, warum es so viel war - ein großer Teil davon wäre Sergios Geld gewesen. Taliesen hatte es gewusst. Wer weiß, wie lange schon. Und hatte ihm nichts gesagt.
Zevran legte sich auf sein Bett, ohne sich auszukleiden, schaute aus dem Fenster in die Nacht. Trauer, Hass und Wut bildeten einen zähen, schwarzen Klumpen in seinem Magen. Auch wenn er den Ablauf des Abends nicht kannte und es nicht wissen konnte, stand für ihn fest, dass Goisar die Verantwortung für Sergios Tod trug. Und schlimmer - er, Zevran, hätte da sein müssen, er war der Späher...
Was sollte nun werden? Er war noch nicht sechszehn, ist gerade erst fünfzehn geworden. Er war nicht tätowiert, durfte keine Aufträge auf eigene Hand übernehmen. Nicht einmal als Ausbilder durfte er arbeiten, obwohl er im Trainingsraum - inoffiziell - oft die jüngeren trainierte. Und er hatte auch nicht die geringste Lust, sich einer anderen Gruppe anzuschließen. Erst Recht nicht der von Taliesen.
Eine Weile blieb Zevran liegen, erschöpft, ausgelaugt, fassungslos. An Schlaf war nicht zu denken, dennoch spukten Traumbilder durch seine Gedanken: seine frühe Kindheit im Bordell, die Imagination seiner Mutter, das Traumbild, das er von ihr hatte, ihre Handschuhe, dar Dalish-Junge auf dem Sklavenmarkt.
Die Turmuhr schlug drei, als Zevran seine Zimmertür leise hinter sich schloss. Er trug seine Lederrüstung, auch die Handschuhe und hatte ein kleines Bündel auf dem Rücken. In der Hand trug er eine Phiole. Eine andere Zimmertür öffnete sich lautlos, er schlich sich zu dem Bett in dem ein dunkelhaariger Elf lag, fest schlafend. Zevran öffnete die Phiole und ließ einige Tropfen auf dessen Lippen fallen. Der Elf regte sich im Schlaf, leckte die Tropfen ab.
Plötzlich öffneten sich die schwarzen Augen. In Todesangst fixierten sie Zevrans hellbraune. Goisar versuchte zu schreien, aber die Stimmbänder waren bereits gelähmt. Er versuchte, sich zu regen, aber die Bewegungen waren unkontrolliert, auch die Muskellähmung hat bereits begonnen. Atem und Herz würden bald folgen. Zevran schloss die Phiole vor Goisars Augen und steckte sie wieder ein. Der Ausdruck in seinem Gesicht war von eiskalter Zufriedenheit. Er flüsterte sehr leise, aber deutlich: "Das ist für Sergio. Und für die Handschuhe. Addio, compagno mio!"
Zevran verließ lautlos das Haus und folgte den dunklen Gassen in Richtung Flussufer.
= Ende =
"Addio, compagno mio" - italienisch, ähm... sorry antivisch für: "Lebewohl, mein Kamerad!"
