A/N: Und hier sind wir wieder, ich muss sagen, es hat schon mal länger mit nem Update gedauert! ^^ Bin ganz stolz auf mich, dass ich hier gerade tatsächlich poste, wo im Moment alles leicht Karussell und Achterbahn fährt ;DD
Mal wieder ein kleiner Auszug aus den Büchern dabei, ihr werdet's erkennen ;)
Des Weiteren gibt es eine kleine Neuerung – musikalische Untermalung. Link, sowie Titel und Interpret sind an der passenden Stelle eingefügt für die, die Lust darauf haben ;) Jeder Film hat schließlich Hintergrundmusik, und ich als Musik-Junkie komme nicht umhin, Musik und Schreiben zu verbinden, schließlich läuft auch immer was, wenn ich Ideen notiere oder es entwickelt sich was beim einnehmen der täglichen Dosis… ;D
Viel Spaß euch jedenfalls und ich bin wie immer gespannt auf eure Rückmeldung! :)
Bevor wir hier aber endgültig loslegen, möchte ich noch ein paar Worte an meinen anonymen Namenlosen richten:
Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, mir ein Review zu hinterlassen, das ist hier schließlich alles andere als selbstverständlich! Leider hast du mir nicht die Möglichkeit gegeben, dir persönlich zu antworten, aber nachdem das sicher gewollt war, wirst du dich bestimmt auch so nicht an meiner Antwort stören.
Verstehe ich das richtig, dass sich dir die Story zu langsam entwickelt? Nun, das Ganze folgt einem Plan, und den werde ich auch einhalten. Und dann sagtest du noch, gar nichts sei passiert… hm, was soll denn deiner Meinung nach passieren? Lass' es mich mal so ausdrücken: Eine neue Lehrerin ist passiert, eine OC, die – um nicht als Mary Sue zu enden / zu entarten – langsam an die Geschehnisse herangeführt und ebenso vorsichtig mit der Geschichte verwoben werden muss. So sehe ich das, so lautet der Plan.
„geht gut" ist mir jetzt so bisher noch nicht als Kompliment untergekommen, daher bin ich mir, v.a. in der Kombination mit dem redundanten „sehr", über die korrekte Auffassung nicht ganz schlüssig. Doch da du ja anscheinend alle elf bisherigen Kapitel gelesen hast, gehe ich davon aus, dass es dir trotz allem gefällt. Und das freut mich :)
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Das Wetter wurde von einem Tag auf den anderen sommerlich heiß. Vier Tage waren für die Prüfungen vorgesehen und so viel beaufsichtigen zu müssen, hielt Severus permanent auf Trab, sodass er kaum Zeit hatte, über etwas anderes als Tests nachzudenken. Besonders erfreulich waren die praktischen Teile, bei denen er die Chance bekam, quasi jeden Schüler nervös zu machen, indem er bloß hinter ihnen stand und beobachtete. Was für einen Heidenspaß bereitete es ihm zu sehen, wie ein Erstklässler ein paar Zutaten des Vergessenstranks vergaß. Jedes Mal wieder ein Highlight!
Selbstverständlich gab es auch wieder die üblichen Ohnmachtsanfälle und Nervenzusammenbrüche in den ZAG- und UTZ-Jahrgängen, doch Poppy schien genug Tränke auf Vorrat zu haben, zumindest meldete sie sich nicht bei ihm. Was ihm auch nur recht war nach… ihrem letzten Zusammentreffen.
Die letzten Arbeiten waren vor einer knappen Stunde abgegeben worden und Severus war gerade auf dem Weg ins Lehrerzimmer, um sich den ersten Stapel zum Korrigieren zu holen (grundsätzlich lagerten alle Prüfungsbögen dort aus Sicherheitsgründen), als er auf den ansonsten wunderbar stillen und menschenleeren Gängen das wild tuschelnde Trio von Gryffindor vorfand. Leise trat er näher, verstand aber nur noch etwas mit „Dumbledore", bevor die kleine Granger ihn bemerkte und alle drei ihn wie vom Donner gerührt anstarrten.
„Guten Nachmittag. An solch einem Tag solltet ihr nicht hier drin sein." Was hatten diese Kinder jetzt schon wieder vor? Die Prüfungen waren geschrieben, konnten sie nicht einfach ihre Freiheit genießen wie alle anderen halbwegs normalen Schüler auch? „Ihr solltet lieber vorsichtig sein, sonst könnte man noch glauben, ihr hecktet etwas aus. Und Gryffindor kann es sich wirklich nicht leisten noch mehr Punkte zu verlieren, nicht wahr?" Erwischt, sowas von erwischt! Zu gern hätte er gewusst bei was! Wie schade, dass Albus vor ein paar Minuten ins Ministerium gerufen worden war, sonst hätte er ihn gleich befragt, ob er irgendetwas mit Potter geplant hatte…
Als sie sich in Richtung Hof wandten, rief Severus ihnen noch eine Warnung hinterher – gar nicht mal unehrlich, er würde sie wirklich zu gerne von der Schule fliegen sehen!
Im Lehrerzimmer saßen lediglich Filius und Aurora, die plaudernderweise dabei waren, die ersten Klausuren zu korrigieren. Auf Severus' Platz stapelte sich das Pergament so hoch, dass man beinahe Angst bekam, eine ganze Rindersippschaft dafür ausgerottet zu haben. Welche Freude. Ohne seinen Kollegen mehr als zuzunicken, packte er sich einen Teil unter den Arm und stieß die Tür wieder auf. Kaum trat er hinaus, fand er Hermine Granger vor sich. Langsam wurde ihm dieses Spiel zu blöd.
„Was machen Sie hier, Miss Granger?", raunzte er sie wenig begeistert an.
Das Mädchen schien sich schnell etwas auszudenken, doch was aus ihrem Mund kam, klang – unglaublicherweise – sogar plausibel: „Ich warte auf Professor Flitwick, Sir. Ich habe eine Frage wegen der Prüfung und…"
Augenverdrehend ging Severus wieder hinein. „Filius. Dein Typ wird verlangt. Granger hat wohl Angst, nur 99,9% des Lehrbuchinhalts wiedergekäut zu haben."
Filius warf ihm einen halb entrüsteten, halb amüsierten Blick zu und folgte ihm. „Miss Granger, wie kann ich Ihnen helfen?..."
Innerlich den Kopf schüttelnd machte Severus sich davon in sein Büro. Die Kleine musste sich echt mal mit ihren Prioritäten befassen, und das kam von ihm!
Beim Abendessen fand Severus auf einmal Minerva auf dem Platz neben seinem vor. Das konnte ja nichts Gutes bedeuten…
„Severus", flüsterte sie, kaum dass er sich gesetzt hatte, „Potter, Weasley und Granger wissen vom Stein der Weisen!"
„Wie bitte?!"
„Ja! Ich habe sie vorhin beim herumschleichen bemerkt – sie wollten Albus sprechen. Sie glauben, jemand möchte den Stein stehlen. Ich habe ihnen gesagt, dass das unmöglich ist, aber wie sind sie überhaupt erst darauf gekommen? Wenn schon Erstklässler es wissen, wohin ist es dann noch durchgesickert? Die anderen sagen alle, ich soll mir keinen Kopf machen und das morgen mit Albus bereden, aber…"
In Severus rang Zorn über diese Dreistigkeit mit einem leichten Schock ob dieser Informationen, wobei er gleichzeitig noch versuchte sich einen Plan zwecks Quirrell aus den Fingern zu saugen. Wusste der Kerl Bescheid, würde er vermutlich in dieser Nacht versuchen den Stein an sich zu nehmen. Dazu musste er herausgefunden haben, wie er an Hagrids Hundebiest vorbeikam. Und jetzt war Dumbledore weg – Zufall? Unter diesen Umständen wohl eher weniger! Das Puzzle setzte sich von selbst zusammen und es gefiel ihm überhaupt nicht.
„Wo ist Quirrell?"
„Quirrell? Aber Severus, das ist doch jetzt gar nicht von Belang, hörst du mir denn nicht zu!? Der Stein der…"
Severus aber war schon auf dem Weg aus der Halle. Er musste diesen miesen Mistkerl aufhalten, koste es, was es wolle. Der Dunkle Lord durfte nicht wieder auferstehen, niemals. Dumbledore hätte seine Methoden sicher nicht gutgeheißen, doch mit ein paar Sprüchen, die zugegebenermaßen eher auf der dunklen Seite der Grenze zwischen Schwarz und Weiß angesiedelt waren, hatte er bald sichergestellt, dass Quirrell sich entweder nicht im Schloss aufhielt oder, was ihm in diesem Moment sehr viel wahrscheinlicher schien, sich durch einen ebenso schwarzmagischen Zauber tarnte. Möglicherweise mithilfe des gewaltigen Wissens des Dunklen Lords. Auch kein Geist oder Gemälde, das er antraf, wusste etwas über den Verbleib des Verteidigungsprofessors. Seit dem frühen Abend hatte ihn niemand mehr gesehen. Frustriert machte Severus sich selbst auf die Suche und er fing damit in der Eulerei an, wo er Albus eine dringende Nachricht schickte, sofort wieder nach Hogwarts zurückzukehren. Wenn er Quirrell nirgends finden konnte, musste er vom Allerschlimmsten ausgehen – und er persönlich hatte keine Ahnung, wie man das Monster ruhigstellte. Allein Dumbledore hatte von Anfang an die Lösungen zu jeder Aufgabe gewusst. Oh, hätte er bloß besser Acht gegeben!
Der Tränkemeister war, auch wenn er es nicht zugegeben hätte, fast am Rande der Verzweiflung, als Minerva ihn in einem Korridor im zweiten Stock fand. Sofort schleppte sie ihn zu ihrem Büro.
„Ich habe alle Beteiligten zusammengerufen, nur Quirrell ist wie vom Pharaonengrab verschluckt." Sie stieß die Tür auf und wies ihn an, sich zu setzen. Die anderen sahen mittlerweile auch hochgradig besorgt aus. „Ich weiß nicht, was das bedeutet, warum…"
„Weil er es ist, der den Stein stehlen will", seufzte Severus resigniert.
„Wie bitte?!" Erschrocken schlug Minerva eine Hand vor den Mund. „Das ist nicht wahr oder? Du weißt, dass ich solche Scherze nicht leiden kann, Severus!"
„Das ist kein verdammter Scherz!", blaffte er sie an. „Seh' ich etwa so aus als würde ich Scherze machen?!"
„Aber wie… es weiß doch keiner von den Hindernissen der anderen, oder?", fragte Pomona. „Wie kam er an die Information?"
„Das meiste haben wir gemeinsam aufgebaut", wandte Filius ein. „Er könnte da etwas mitgekriegt haben. Von deiner Teufelsschlinge weiß ich schließlich auch. Und Severus hat ein ganzes Regal an Fläschchen da runter geschafft, das kann einem schon auffallen…"
Minerva blickte unglücklich drein und suchte fieberhaft nach einem Rettungsanker. „Aber das von Hagrid… Das weiß niemand, da war keiner von uns dabei! Hagrid?"
Der geschockte Ausdruck auf Hagrids Gesicht sagte alles.
Stöhnend sank Severus gegen die Lehne seines harten Stuhls und schloss für einen Moment die Augen. Quirrell hatte es irgendwie aus dem Halbriesen heraus gekitzelt, verdammt sei er! Verdammt seien sie beide! Und Albus, dass er nicht hier war!
„Wir können nur hoffen, dass Albus bald zurück ist. Ich habe ihm eine Nachricht geschickt", meinte er tonlos.
„Wirklich?" In Minervas verzweifelten Augen glomm Hoffnung auf. „Lasst ihn uns abfangen!"
„Könnten wir nicht zusammen…? Vielleicht haben wir gemeinsam eine Chance, Quirrell aufzuhalten?", wandte Pomona ein.
„Könnt's probier'n. Fluffy is' ruhig, wenn ma' Musik spielt", sagte Hagrid düster. „Jetz' isses eh nich' mehr wichtig…"
Nun war es an Severus, das Gesicht zu verziehen. „Wir würden an meinem Hindernis scheitern. Es… es sind Tränke im Spiel und der essentiellste reicht nur für maximal zwei Personen. Angenommen Quirrell ist schon dort unten – und wir müssen davon ausgehen – …"
„… könnte nur einer von uns weitergehen", beendete Minerva seinen Satz. „Das ist viel zu gefährlich! Wer weiß, auf welche Ideen er kommt! Es hilft alles nichts, wir müssen auf Albus warten."
„Vielleicht aber nicht ihn abfangen, sondern Quirrell, wenn er wieder aus den Gewölben hochkommt", schlug Filius vor.
Die übrigen nickten. Eilig liefen sie hinauf in den dritten Stock. Severus meinte einmal einen Schatten um eine Ecke verschwinden zu sehen, doch selbst des Nachts herumstreunende Schüler hatten in dieser Situation all ihre Relevanz eingebüßt. Nervös und wachsam stellten sich die Lehrer in einem Halbkreis um die Tür herum auf, die Zauberstäbe gezogen, oder in Hagrids Fall die Fäuste zum Kampf bereit geballt. Ihre Blicke wanderten vom einen zum anderen, wie um sich der Kräfte der Kollegen zu versichern. Die Anspannung aller war deutlich fühlbar, die Luft schien von ihr zu vibrieren.
Auf einmal kamen Schritte näher, schnelle Schritte.
Doch sie erklangen nicht von hinter der Tür…
Wie ein Wirbel aus Magenta und Silber hastete Albus Dumbledore auf sie zu.
„Albus!", rief Minerva überrascht aus, doch noch bevor sie etwas Weiteres sagen konnte, war er an ihnen vorbei.
„Ich weiß. Harry."
„Harry?!"
„Was meint er mit „Harry"? Er will doch nicht sagen, dass Potter…!"
* „In All Conscience" – Epica *
Severus wurde eiskalt bei dem Gedanken. Er hatte versagt. Potter war dort unten, womöglich erledigt durch eines der Hindernisse (seines?), oder, noch schlimmer, in Quirrells Gewalt. Der Dunkle Lord würde den Jungen töten, würde seine grausame Tat nach zehn langen Jahren des Wartens endgültig beenden! Nur mit Mühe behielt er ein passives Gesicht bei. Lily… Sie wäre völlig umsonst gestorben – warum hatte sie sterben müssen? Wegen ihm, wegen seiner Schwäche und der verfluchten Prophezeiung! Er hatte sie verraten, er hatte sie getötet! Und nun tötete er auch noch ihren einzigen Sohn, den er doch um alles in der Welt hatte beschützen wollen – für sie!
Sorgen machten sich die anderen vier auch, das konnte er in ihren Augen lesen, jedoch sprach niemand ein Wort und sicher konnte niemand von ihnen auch nur ansatzweise nachvollziehen, was gerade in diesem Moment in ihm vorging. Keiner wollte wahrhaben, dass ein Erstklässler, dass Harry Potter sich auf diese gefährliche Sache eingelassen hatte – mit aller Wahrscheinlichkeit ohne zu wissen, was ihn erwartete. Doch sie hatten nicht auch noch zusätzlich die Last dieser unfassbaren Schuld zu tragen.
Musik ertönte aus der Kammer mit dem Zerberus, eine nervenzerschreddernde Melodie, die ihm vage bekannt vorkam. Muggel… Mozart? Egal.
Die Ablenkung war kurz. Wo blieb Dumbledore? Wie viele Hindernisse mochte er wohl schon hinter sich haben?
Minerva begann unruhig auf und ab zu laufen. Pomona und Filius versuchten krampfhaft Ruhe zu bewahren, aber ihre Gesichter und Haltungen verrieten sie. Hagrid gab sich gar nicht mehr die Mühe; dicke Verzweiflungstränen kullerten in sein tischtuchgroßes, rot gepunktetes Taschentuch, sickerten durch seinen drahtigen Bart.
Niemand sonst hier im Schloss ahnte etwas, doch wenn sie am nächsten Morgen den Tod eines Mitschülers bekannt geben mussten… es könnte das Ende sein, für Hogwarts und in diesem Fall für die gesamte magische Welt.
Von einem Augenblick auf den anderen juckte und stach Severus' Dunkles Mal wie unter der Behandlung von Feuerameisen. Irgendetwas passierte, er wusste es, und es war ausnahmslos böse. Wenn sich der Lord so stark regte, musste er seinem Ziel sehr nahe sein, körperlos wie er war.
Hinter der Tür scharrte und knurrte das Hundeungetüm, Fluffy, bis Hagrid schließlich hineinging und mit tiefer, kummervoller Stimme ein altes Muggelkirchenlied anstimmte. Den Zauberern auf dem Gang lief eine Gänsehaut über den Rücken, während Fluffy sich beruhigte und zufrieden grummelnd ausatmete.
Plötzlich stoppte der Gesang. „Harry…!"
Im nächsten Moment eilte Dumbledore heraus, den leblosen Schüler in den Armen.
„Oh großer Merlin! Albus!"
„Er lebt, Minerva, aber er muss dringend in die Hände eines Heilers."
Seine Lehrer folgten ihm in den Krankenflügel, wo sich eine entsetzte, aus dem Schlaf gerissene Poppy sofort an die Wiederherstellung ihres Schützlings machte.
„Quirrell ist tot", erklärte Albus schließlich, als sich die Gemüter ein wenig beruhigt hatten. „Voldemort" – ein kollektives Zusammenzucken – „ hatte seinen Körper besessen und er starb, als dieser ihn im Stich ließ. Es ist ihm nicht gelungen, den Auftrag zu erfüllen." Er zog den Stein der Weisen aus seiner Tasche. Poppy, die bis zu diesem Moment nicht eingeweiht gewesen war, starrte ungläubig darauf. „Ja, verehrte Poppy, der Stein wurde hier aufbewahrt, da mein Freund Nicholas Flamel ihn nach einigen seltsamen Vorkommnissen in Gefahr sah. Nun, wie es scheint, hatte er Recht. Unter den gegebenen Umständen bin ich mir jedoch sicher, dass er der Zerstörung dieses Artefakts zustimmen wird."
Die Professoren und die Schulkrankenschwester hatten Mühe, all die Informationen auf einmal zu verdauen.
Überraschenderweise fing sich Poppy als Erste wieder. Sie strich über die weiße Bettdecke und sagte: „Der Junge wird womöglich ein paar Tage brauchen, bevor er wieder fit ist, er ist komplett ausgelaugt. Was er braucht, ist Ruhe. Schulleiter, ich werde Sie informieren, sobald er aufwacht."
„Und was nun?", fragte Minerva erschöpft, sobald sie wieder auf dem Gang standen. „Wie sollen wir den Schülern vom gewaltsamen Ableben eines ihrer Lehrer berichten?"
„Ich werde mir darüber Gedanken machen, aber zuerst sollte es das gesamte Kollegium erfahren. Bitte ruft den Rest der Belegschaft und Mr Filch zusammen. Minerva, Severus, ihr kommt bitte mit mir."
Die beiden Angesprochenen fühlten sich nicht wirklich in der Lage, noch Weiteres zu erfahren, beugten sich aber gehorsam ihrem Schicksal. Mit je einer Tasse Tee in den Händen lauschten sie den Ausführungen ihres Vorgesetzten. Nicht mal Minerva protestierte mehr, nachdem Albus zum hundertsten Mal Lord Voldemort beim Namen nannte, jedoch war sie so weiß im Gesicht als könnte sie jeden Augenblick in Ohnmacht fallen.
„Sie wussten also, dass der Dunkle Lord sich in Albanien aufhielt, und auch, dass Quirrell auf seinen Reisen genau dort wart, haben ihn aber dennoch wieder eingestellt?!", fragte Severus aufgebracht, nachdem der Schulleiter geendet hatte.
„Selbstverständlich wusste ich das, ich lasse Tom nicht aus den Augen."
„Dass Quirrell eine leichte Beute ist, wussten Sie aber genauso! Das war alles geplant, richtig? Sie wollten ihn aus der Reserve locken und Potter sich nebenbei schon mal beweisen lassen!"
„Severus!"
„Nichts da, Minerva! Du weißt selbst, dass es stimmt!", fuhr er sie an. „Du kennst ihn lang genug, das ist genau seine Vorgehensweise!"
Die Professorin für Verwandlung schluckte schwer. „Dann war Quirinus auch der Grund für das mysteriöse Einhornsterben, mit dem sich Hagrid das ganze Jahr über abkämpfen musste…" In ihrem Kopf schien sich ein Bild zusammenzufügen. „Diese Strafarbeit… Albus, du hättest es mir sagen müssen! Ich habe die Kinder damit in Lebensgefahr gebracht!"
„Es ist nichts passiert", beschwichtigte Dumbledore.
„Ja, aus purem Glück! Du hast sie an Informationen kommen lassen und dabei waren sie letztendlich die ganze Zeit auf der Hut vor dem Falschen! Wenn etwas geschehen wäre…! Merlin, sie dachten, der Übeltäter wäre Severus!"
„Na wie typisch!", knurrte dieser, doch sein Groll galt primär dem Schulleiter. Wie konnte man ein paar Erstklässler nur bei vollem Bewusstsein und mit Absicht einer solchen Gefahr aussetzten?! Leider wusste er aus eigener Erfahrung genug über die Wichtigkeit von Dumbledores Bauern… Manchmal fragte er sich, ob dieser mächtige Zauberer in Wahrheit tatsächlich all seine Mitmenschen nur als Schachfiguren in einem gewaltigen Spiel ansah, in dem er auf gar keinen Fall verlieren durfte…
„All diese Details", setzte der alte Mann nun neu an, ohne auf den Protest seiner Stellvertreterin einzugehen, „sollten möglichst nicht verbreitet werden. Und nun lasst uns zur Versammlung gehen, die anderen werden schon warten."
*OoOoO*
Mitten in der Nacht wurde Arian durch lautes Klopfen an ihrer Tür geweckt. Hastig schlüpfte sie in ihren Bademantel, der sie als Fan der Quidditchnationalmannschaft von Wales auswies und leise die walisische Nationalhymne sang, und öffnete. Vor ihr stand Pomona mit äußerst besorgter Miene.
„Entschuldige, Arian, aber es gibt eine Notfallversammlung. Nachdem ich in der Nähe war, hab' ich es nicht für nötig gehalten, dir einen Patronus zu schicken…"
Arian nickte verwirrt und gähnte verhalten, als sie auf den Flur trat und die Tür hinter sich zuzog, jedoch nicht ohne sich vorher zu vergewissern, dass sie ihren Zauberstab bei sich hatte.
Die halbe Belegschaft war in Morgenmäntel gehüllt und sah sich konsterniert an, bis endlich der Schulleiter das Zimmer betrat und den Grund für das nächtliche Zusammenkommen zu erklären begann. Minerva und Snape, in deren Begleitung er erschienen war, ließen sich mit nahezu identischen säuerlichen Gesichtsausdrücken auf zwei Stühlen am anderen Ende des Raumes, möglichst weit entfernt von ihm, nieder.
„Meine verehrten Kollegen. Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass uns in dieser Nacht ein tragischer Verlust ereilt hat. Unser Kollege Quirinus Quirrell verlor vor weniger als zwei Stunden sein Leben, als er scheiterte, einen Auftrag im Namen Lord Voldemorts auszuführen."
Schockiertes Aufkeuchen erfüllte den Raum. Vereinzelt waren ungläubige Worte wie „Tot?" oder „Du-weißt-schon-wer?" zu hören.
„Der Professor war besessen von dem bisschen, das von Voldemort nach dessen Sturz noch übrig ist. Seine Aufgabe war es, für seinen Herrn den Stein der Weisen zu stehlen, der hier unter dem Schloss versteckt lag. Aber machen Sie sich keine Sorgen, Voldemort ist wieder untergetaucht und der Stein wird zerstört werden."
Arian überlief ein eiskalter Schauer. Voldemort. Allein den Namen zu denken, bereitete ihr eine unbeschreibliche Gänsehaut, dabei hatte sie zu dessen Hochzeiten nicht einmal auf der Insel gelebt. Die grausigen Bilder und Berichte, die sie damals gesehen und gehört hatte, reichten vollkommen aus, damit ihr übel wurde. Wie hatte das passieren können, in einer Schule voller Kinder? Und dann war auch noch ein Lehrer darin verwickelt gewesen, dazu noch der ständig stotternde Quirrell! Wenn überhaupt hätte so etwas zu Snape gepasst und nicht zu solch einer jämmerlichen Kreatur…
Das rätselhafte Artefakt war nun auch enttarnt – der Stein der Weisen, lieber Merlin! Kein Wunder, dass keiner darüber hatte reden wollen, er war sagenhaft, legendär. Einzigartig. Fast grenzte die Sache an ein fantastisches Abenteuer, fantastisch, aber auch ein Stück weit unverantwortlich.
Dumbledore bat um Ruhe und fuhr fort: „Dank gebührt hier dem mutigen Eingreifen von Harry Potter und seinen Freunden. Harry hat Quirinus letztendlich davon abgehalten, sich den Stein anzueignen. Im Augenblick befindet er sich auf der Krankenstation, doch Poppy versicherte mir, er würde sich erholen."
Erleichtertes Gemurmel.
Arian verstand die Welt nicht mehr. Wieder sah sie hinüber zu Minerva, die ihren Blick mit einem steifen Schulterzucken erwiderte. Not amused. Wie auch.
„Gehen Sie wieder zu Bett. Morgen werde ich es beim Frühstück bekannt geben, doch bitte behalten Sie Voldemorts Beteiligung an der Sache für sich. Gute Nacht."
Noch lange saß Arian hellwach in ihrem Wohnzimmer, starrte den Mond an ohne ihn wirklich zu sehen und lauschte der Singstimme ihres Bademantels.
‚Ei gwrol ryfelwyr, gwladgarwyr tra mâd, tros ryddid gollasant eu gwaed.'
‚Ihre tapferen Krieger, so wunderbare Patrioten, vergießen für die Freiheit ihr Blut.'
Welche Ironie…
