Schattennacht

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Fanfiction von Lady of the Dungeon featuring Slytherene


Eine Frage soll vorab beantwortet werden: Nämlich die, warum die Todesser Lucius im Thronsaal gefesselt haben.

Die Todesser haben Lucius auf Befehl Voldemorts gefesselt, als diesem die Idee kam, dass sein ganzes Hauptquartier nicht mehr sicher sein könnte, wenn sein ‚treuer Diener' evtl. doch zum Feind gehört. Als Legilimenten war es dem Dunklen Lord natürlich möglich, Lucius' Gedanken zu lesen. Lucius verdankt sein Leben dem raschen Zugriff der Auroren und Bellas Hang zu ausgiebiger Folter. Sie hat wohl gedacht, sie hätte noch mehr Zeit, um Lucius langsam und mit Genuss umzubringen. Sie hatte auch die perfide Idee, ihn an den Knochenthron zu ketten. Vermutlich mit dem Hintergedanken, dass die Auroren blind auf den Thron zielen würden, weil sie nach der heftigen Verteidigung des Saals durch die Todesser eben dort Voldemort vermuten. Ein Todesurteil für Lucius, der im „friendly fire" umgekommen wäre, wenn…ja wenn nicht Remus sich entschlossen hätte, den Kamikaze-Wolf zu geben, wie Lepra es so schön ausgedrückt hat.

Ende des letzten Kapitels:

„Wo ist meine Tochter? Wo ist Draco?", fragt Lucius.
Severus sieht zum ersten Mal seit Jahren Furcht in den grauen Augen.

Die Frage wird im nächsten Augenblick beantwortet, als eine Gruppe Todesser von Auroren oder Ordensmitgliedern die Treppe hinunter gedrängt wird.

„Versperrt den Weg zum Kamin", ruft jemand.

„Gebt ihn frei, sie haben Geiseln!", brüllt eine schrille Stimme. Severus erkennt Minerva MacGonagall, und die Verwandlungslehrerin klingt panisch. „In Merlins Namen, sie haben ein Kind."


12. Das letzte Duell

Der erste, der die Stufen herunter poltert, ist Greyback. Drohend hat er seinen Zauberstab erhoben. „Ein Zwinkern von euch, und das Balg ist tot!", knurrt er.

Die Auroren haben weiterhin ihre Stäbe auf ihn gerichtet, aber keiner wagt einen Fluch.

Greyback folgen MacNair, Pettigrew, Draco und zuletzt Narcissa. Ganz offenbar hat ein neuer Befehl des Dunklen Lords Greyback und den Henker erreicht, bevor sie Narcissa und Pettigrew etwas antun konnten.

Selène kauert auf MacNairs Arm. Sie weint nicht, aber ihr kleines Gesicht ist tränen- und blutverschmiert. Narcissa hat ihren Stab auf das Mädchen gerichtet.

Ihre kalten blauen Augen erfassen mit einem Blick die Lage.

„Cissy", fleht Lucius. „Oh Merlin, bitte. Gib sie mir."

Der harte Zug um Narcissas Mund vertieft sich.

„Lucius – du elender Verräter. Du hast alles weggeworfen, wofür wir so hart gearbeitet haben, all die Jahre", zischt sie. „Aber der Dunkle Lord wird mich belohnen, wenn er erfährt, dass ich dir den Gar aus gemacht habe. Und ich soll dir etwas ausrichten: Er wird sich persönlich um deine kleine Muggelhure kümmern. Ja, das wird dir vermutlich das Herz brechen."

Sie lacht, und es klingt beinahe wie Bellatrix' irres Gelächter, das zeitgleich aus dem Thronsaal ertönt.

Greyback wirft Floopulver in den Kamin, ruft „Rosier House", und schon sind sie verschwunden.

„Die haben nicht begriffen, dass die Apparitonssperre aufgehoben ist, jetzt wo Voldemort weg ist, oder?", fragt Potter.

„Verdammt!", flucht Severus, und tatsächlich ist Lucius im selben Augenblick verschwunden.

„Wo hat er den Stab her?", faucht Severus.

„Er hat meinen", sagt Remus.

„Wo ist er hin?", brüllt der junge Auror mit hochrotem Kopf, der Malfoy eben schon festnehmen wollte.

„Rosier House, das haben Sie doch gehört!", zischt Severus.

Sofort erfasst wilde Hektik die Gruppen von Auroren. Narcissa und die anderen Todesser werden nicht weit kommen, das ist klar. Die Frage ist nur, ob Lucius und seine Tochter den kurzen Zeitraum bis zur Ergreifung der vier überleben.

„Jemand muss Voldemort aufhalten", sagt Remus.

„Wo ist Voldemort?", ertönt Dumbledores Stimme, der eben in den Korridor appariert.

„Wenn Mrs. Malfoy nicht gelogen hat, ist er im St. Mungos, um Charlene Blanche und ihr Baby zu töten", sagt Minerva mit zittriger Stimme. Die Verwandlungslehrerin sieht aus, als stünde sie kurz vor dem Kollaps.

Dumbledore tauscht einen Blick mit Kingsley. „Deine besten Auroren, der Orden, Harry und ich."

Severus blickt in entschlossene, ernste Gesichter.

„Reißen wir ihm den Arsch auf", sagt Moody.

Im nächsten Moment schreit Remus auf und greift sich an den Arm. Wieder ist das Zischen der weißen Schlange überdeutlich. Er reißt einem der Auroren den Stab aus der Hand und ruft „Rosier House, Dachgeschoß", dann flackert seine Gestalt und er ist verschwunden.

Severus schließt die Augen und disappariert. Potter wird den Dunklen Lord ohne den Zaubertränkemeister besiegen müssen. Mit Dumbledore an seiner Seite wird es auf Severus nicht ankommen.

Im nächsten Augenblick steht er im Halbdunkel eines zweistöckigen Dachbodens. Jemand hat hier eine Art Atelier eingerichtet, überall stehen Leinwände und halbfertige Skulpturen. In dem trügerischen Zwielicht könnte man einen reglosen Feind nicht von einer Statue unterscheiden. Severus gleitet hinter das kopflose Abbild eines Zentauren und wagt einen Ruf.

„Remus?"

„Hier!" Der Werwolf kommt aus seiner Deckung hervor. „Sie sind hinter der Tür."

Er weist auf eine doppelflügelige Tür, an deren weißer Oberfläche eimerweise Blut herunter läuft.

Auf dem Boden davor liegt MacNair, dem jemand mit einem Sectum Sempra den Brustkorb aufgeschlitzt hat und das Herz heraus gerissen.

„Lucius scheint einen wirklich schlechten Tag zu haben. Er tötet sonst nie derart blutig", bemerkt Severus trocken.

Sein Sarkasmus verbirgt die Angst, die er empfindet. Lucius ist kein genialer Duellant, gegen die drei verbliebenen Todesser hat er kaum eine Chance. Vier, verbessert er sich. Draco ist auch noch da.

„Er hat seinen eigenen Sohn geschockt", sagt Remus leise, und reduziert das Ergebnis von Severus' Rechnung wieder auf drei. „Draco liegt unten auf der Treppe. Der ist erst mal raus aus dem Spiel."

Eine Detonation ist aus dem verschlossenen Raum zu hören, und dieser folgt höhnisches Gelächter. Narcissas Stimme durchdringt die gespenstische Stille, die dem Knall folgt.

„MacNair ist erledigt. Starke Leistung für einen mittelmäßigen Duellanten wie dich, Lucius. Hätte ich dir gar nicht zugetraut. Aber wenn du den Stab nicht fallen lässt, ist sie tot."

„Töte sie, und du stirbst als nächste", erwidert Lucius eisig.

„Aber nein", lacht Narcissa. „Du hast nur einen Angriff, und wir sind zu dritt. „Aber ich mache dir ein Angebot: Du stirbst, sie lebt."

„Du solltest wissen, dass ich nicht so naiv bin", zischt Lucius.

„Das werden wir gleich wissen", sagt Narcissa. „Peter, gib mir das Balg. Hallo, Kleine", zwitschert sie süßlich. „Das dort drüben ist übrigens dein Vater. Sieh ihn dir genau an, denn er wird gleich für dich sterben."

Sie muss dem Kind den Stab an den Hals oder auf die Brust setzen, denn als sie „Avada…" sagt, schreit Lucius auf.

„Nein, Narcissa!"

„Hast du mir doch noch etwas zu sagen, Lucius, mein geliebter Ehemann?", höhnt Narcissa.

„Wir kommen nicht rein", knurrt Remus indes. „Auf der verdammten Tür liegt ein verfluchtes Siegel."

„Dann holen wir sie raus", sagt Severus. „Dein Job. Ruf nach Greyback."

„Oh Merlin, davon habe ich Jahrzehnte geträumt", sagt Remus sarkastisch. Doch er ballert mit der Faust gegen die Tür.

„Greyback, du mieses Vieh, komm raus! Hier ist Remus Lupin, und wenn du nicht raus kommst, komme ich rein. Es ist Zahltag!"

Sie hören Greyback lachen, Narcissa fluchen und Pettigrew warnen.

„Fenrir, nicht."

Doch schwere Schritte kommen eiligst auf die Tür zu, dann wird sie von innen aufgerissen.

„Wo bist du, du Schande unserer Art?", brüllt Greyback, und seine Augen rollen in wilder Mordlust umher.

„Hier!" sagt Remus und greift ihn von hinten an.

Es geht viel zu schnell für Severus, der schon den Stab gezückt und nicht damit gerechnet hat, dass Remus angesichts von Fenrirs Anblick vergisst, wie sich Zauberer eigentlich duellieren. Remus und Fenrir verkrallen und verbeißen sich ineinander und er hat keine Chance, zu zielen. Er könnte Remus treffen. Die beiden Werwölfe rollen polternd die Treppe hinunter, ein untrennbares Knäuel aus Beinen, Armen und Zähnen.

Ein Blick in den nun geöffneten lichtdurchfluteten Raum offenbart Severus eine groteske Szene. Lucius hat seine Deckung aufgegeben. Er steht Narcissa und Pettigrew gegenüber. Sein Stab zielt auf seine Frau, die den ihrigen an Selènes Kehle hat. Pettigrew zielt auf Lucius.

„Einmal nur, Malfoy, will ich dich auf den Knien sehen!", quiekt der Animagus. „Wir töten dich und lassen den Wechselbalg hier frei. Die Auroren sind schon unten im Haus. Sie werden sie finden."

Lucius' Blick ist auf Narcissa und seine Tochter geheftet.

„Slytherin Ehrenwort", sagt Narcissa. „Du stirbst, sie lebt."

Zu Severus' absolutem Entsetzen lässt Lucius seinen Stab sinken und geht auf die Knie. Er kapituliert.

„Stab weg!" ruft Narcissa.

Das Klackern von Lucius' Zauberstab ist hohl und leise.

Sein Blick ruht auf seiner Tochter.

„Selène. Weißt du noch, wie der Schlangenzauber geht, den ich dir im Wald gezeigt habe?"

Die Kleine nickt mit todernstem Gesicht.

Narcissa lacht. „Wie rührend, Lucius. Wirklich, jetzt reicht es aber. Töte ihn, Peter."

Pettigrew grinst. „Avada…"

Petrificus!", schreit Selène, und sie hat mit beiden Händen Narcissas Stab gepackt und die Spitze gegen das Kinn der blonden Hexe gedrückt. Die Überraschung erkauft Severus und Lucius Sekundenbruchteile, auch wenn der Zauber des Kindes nur kurz wirkt und Narcissa sie nur umso fester packt.

„…kedavra!"

Grünes Licht surrt auf Lucius zu, der sich zur Seite wirft.

Expelliarmus!" ruft Severus, und entwaffnet Narcissa.

Diese kreischt auf und schreit: „Seht sie sterben!"

Plötzlich hat sie einen Dolch in der Hand.

Lucius, der seinen Stab aufgehoben hat und Pettigrew angreift, verliert für eine Sekunde den Fokus.

Sectum sempra!" Pettigrews Fluch trifft ihn mitten in die Brust.

Mit schreckensgeweiteten Augen starrt Lucius auf die Klinge des Dolches, der sich auf seine Tochter nieder senkt. Und Severus kann nicht helfen, denn er muss der Phalanx von Flüchen ausweichen, die Pettigrew schleudert.

„Lilli!" schreit Selène. „Lilli, hilf mir!"

Mit einem Krachen erscheint die kleine Hauselfe, sie sieht Narcissa, Selène und den Dolch, ihre Augen weiten sich und ihre Ohren legen sich an. Es ist ein Tauschzauber, Elfenmagie. Dort, wo eben noch Selène war, ist jetzt die Elfe, und statt ihrer steht die Vierjährige mitten im Raum.

Accio!" ruft Severus und das Mädchen wird von der Kraft seines Fluchs durch den Raum gerissen, zu ihm auf den Arm.
Protego!"

Pettigrews ‚Sectum sempra', für den der Animagus einen gewisse Vorliebe entwickelt zu haben scheint, prallt an dem Schutzschild ab. Ein grauer Schatten rast durch den Raum und reißt Pettigrew von den Füßen, dessen panischer Schrei in einem erstickten Gurgeln erstirbt.

Stupor!", zielt Severus, Selène auf dem Arm, auf Narcissa, die getroffen zusammen bricht.

Es ist der letzte Fluch dieser Nacht.

Selène klammert sich an Severus und weint. Severus' Blick wandert über die reglosen Gestalten von Lucius und Pettigrew, die beide in sich stetig ausbreitenden Blutlachen liegen, hin zu Remus, der ein paar Meter weiter auf dem Fußboden kauert und sich übergibt.
Severus setzt Selène ab, die zu Lilli läuft, die ebenfalls auf dem Boden liegt. Er muss die Treppe sichern, Greyback könnte noch….doch nein. In Greybacks Kehle klafft ein Loch, das dieser unmöglich überlebt haben kann. So wie in Pettigrews Hals. Remus hat tatsächlich alle Rechnungen beglichen.'
Und jetzt – endlich – nachdem alles vorbei ist, sind die Schritte von vielen Menschen auf der unteren Treppe zu hören, und die Auroren haben die Sperre zwischen dem unteren und dem oberen Stockwerk durchbrochen.

Severus hastet in den Raum zurück, wo Selène neben Lucius' kniet, und über seine blutverschmierten Haare streicht. Hinter ihr steht Lilli, die Narcissas Messerattacke offenbar besser überstanden hat, als Severus je für möglich gehalten hätte.

„Master Snape, Sir", piepst sie. „Sie müssen den Werwolf wegbringen, sonst die Auroren nehmen ihn mit nach Askaban, oder schlimmer. Lilli wird sagen, dass sie die Männer getötet hat."

Die kleine Hauselfe schließt die weinende Selène in ihre dürren grünbraunen Ärmchen.

Severus nickt und läuft zu Remus. Lilli hat Recht. Auroren reagieren auf Werwölfe, die sich aggressiv verhalten, mehr als allergisch. Von Gesetzes wegen könnten sie Remus jetzt und hier exekutieren.

„Wir müssen disapparieren", sagt Severus und zieht Remus auf die Füße.

„Oh, Master Lucius, Sir", piepst Lilli, in ihrer Stimme schwingt Verzweiflung mit und Tränen rollen aus den großen Augen. "Oh, oh, Master Lucius. Arme Miss Selène."

„Remus, komm jetzt. Wo ist dein Stab?"

Accio Stab", flüstert Remus, dem ebenfalls Tränen in den Augen stehen und der schon wieder würgt.

Severus schließt den Umhang um Remus, der zittert und schwankt. Jetzt erst bemerkt Severus die klaffende Wunde an Remus' Schulter, die seine hellbraune Robe dunkelbraun färbt.

„Hogsmeade, Eberkopf", flüstert Severus. Leise genug, dass die Auroren es nicht hören, und unerwartet genug, dass man ihn dort nicht suchen wird. Sie disapparieren.

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„Aberforth!", ruft Severus, und er kann selbst die Panik in seiner Stimme hören.

Im Eberkopf ist es dunkel, die Tür scheint verriegelt zu sein, und bleiches Licht dringt durch die blinden Fenster in den verlassenen Schankraum. Eine Ziege läuft blökend hinter der Theke hervor und mustert die Neuankömmlinge mit gelblichen Augen.

„Aberforth, ich bin es, Severus. Remus ist bei mir, er ist verletzt."

Die Tür zu einem der Nebenräume wird aufgestoßen, und Albus' Bruder taucht mit erhobenem Zauberstab auf.

„Ich bin Remus John Lupin, Werwolf, und ich habe als Schüler einmal eine Ziege in deinem Garten gerissen, und es tut mir immer noch Leid", keucht Remus.

Endlich fasst der alte Zauberer Vertrauen.

„Warum seid ihr nicht auf dem Weg zu Poppy?", knurrt er.

„Dort wird man Remus suchen", sagt Severus mit zusammen gebissenen Zähnen. Das Zittern, das durch den Körper des Werwolfs läuft, macht ihm Sorgen. Er scheint viel Blut zu verlieren. „Du musst Poppy herholen."

„Sie wird bald alle Hände voll zu tun haben", widerspricht Aberforth, aber dann ruft er doch die Medihexe zur Hilfe.

Eine Stunde später sitzt Severus in einem Zimmer im oberen Stockwerk des Eberkopfes auf einem Sessel neben einem Bett. Remus' Verletzungen sind erheblich, eine großflächige Bisswunde in der Schulter, aber nichts, was einen Werwolf umbringen würde.

Severus hingegen hätte Pomfrey nur zu gerne mit hoch in die Schule genommen. Seine Rippenbrüche sind geheilt, aber die Nachwirkungen der Cruciati werden seine Nervenfunktion noch eine Weile beeinträchtigen. Dass er überhaupt zaubern konnte, ist eigentlich ein Wunder.

„Wärest du doch nur nicht so ein sturer Idiot!", hat sie ihn angeschrieen.

Doch er hat nur den Kopf geschüttelt und darauf beharrt, bei Remus zu bleiben.

Jetzt sitzt er in dem weich gepolsterten Sessel, und das heiße Butterbier in seiner Hand wird ihm in den Kopf steigen. Er betrachtet Remus, der die Augen geschlossen hat, doch um dessen Mund der Schmerz Spuren hinterlassen hat.

„Bei der nächsten Wahnsinnsaktion dieses Kalibers werde ich dich persönlich in den Hundehimmel befördern", sagt Severus leise. „Was hast du dir dabei nur gedacht, Remus, einfach ohne Deckung durch diese Tür zu springen. Wie ein verdammter Kamikaze-Pilot!"

„Ich hatte doch Deckung", gibt Remus ebenso leise zurück. „Harrys ‚Expelliarmus', und dann eure ganzen Zauber."

Severus gibt nur ein Ächzen von sich. Er ist am Ende. „Sie haben alle drei auf dich gezielt. Avada kedavra und dann ist etwas Schweres auf den Boden geprallt."

„Das war ich. Ich bin unglücklich aufgekommen", erklärt Remus.

„Ich dachte, du bist tot. Ich…habe mir Sorgen gemacht." Der zweite Satz ist noch leiser, aber Remus verfügt über ein brillantes Gehör.

„Da siehst du, wie es mir die ganzen letzten Wochen erging", sagt er. „Du hast eine Himmelfahrtsmission nach der anderen mitgemacht. Jedes mal, wenn Du-weißt-schon-wer dich rief, dachte ich: Diesmal kommst du nicht wieder zurück."

„Hätte es dir etwas ausgemacht?", fragt Severus missgelaunt, einfach weil er so unendlich müde ist und nicht zugeben will, dass auch seine Kräfte irgendwann erschöpft sind. Selbst mit eiserner Disziplin gibt es eine Grenze dessen, was man ertragen kann.

„Idiot", sagt Remus. Und wieder nimmt er Severus' Hand.

Sie schweigen. Sie hatten genug Courage, um dem Dunklen Lord die Stirn zu bieten, und jetzt verlässt sie beide der Mut, als es darum geht, ein paar Worte zu sagen. Aber vielleicht, denkt Severus, wird es auch ohne Worte gehen, für eine Weile, wenigstens solange, bis sie sich daran gewöhnt haben, zueinander zu gehören.

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Zwei Stunden später kommt Poppy zurück. Schweiß steht auf ihrer Stirn, es muss hektisch zugehen auf der Krankenstation, trotzdem will sie nach den beiden sehen. Ihre Augen leuchten und sie lächelt, als sie zur Tür herein tritt.

„Psst, leise", mahnt Remus. „Er ist eben eingeschlafen."

Severus liegt mehr auf dem Sessel als er sitzt, der Kopf ist ihm in den Nacken gefallen, der Mund steht etwas offen, und ein leises Schnarchen entkommt ihm im regelmäßigen Rhythmus seines Atems. Pomfrey streicht dem Slytherin behutsam eine dunkle Strähne aus der Stirn.

„Morgen früh will ich ihn in der Schule sehen. Bis dahin habe ich ein paar Tränke mitgebracht. Remus – wir haben gesiegt."

Sie sagt es leise, im Nachsatz, so als sei es nicht Besonderes, das der Krieg damit beendet ist.

„Ist Voldemort…?"

Sie nickt. „Man könnte sagen, er ist platt. Jedenfalls sehen wir ihn so schnell nicht wieder."

„Und Harry?" Remus muss es einfach wissen.

„Der Junge hat kaum ein paar Schrammen", sagt Poppy. „Alle hatten großes Glück. Remus, eine finale Schlacht ohne Tote auf unserer Seite. Ich hätte das nie geglaubt."

„Charlene, Jamie, Selène?", erkundigt sich Remus.

„Die Kleine wurde von einer Hauselfe ins St. Mungos gebracht, sie ist jetzt wieder bei ihrer Familie." Poppy ist umfassend informiert.

„Was ist mit Malfoy?", fragt Remus.

„Der Junge wird derzeit von den Auroren verhört. Soweit ich weiß, hat er nur einen ziemlich heftigen Schockzauber abbekommen."

„Das weiß ich doch", sagt Remus. „Es war meiner. Aber ich meinte nicht Draco, sondern seinen Vater."

Poppy seufzt. „Der hat weniger Glück gehabt, wie ich hörte. Sie wissen noch nicht, ob er durchkommt. Wenn du mich fragst – angesichts eines Lebens oder doch vieler Jahre in Askaban, die ihm bevorstehen, wäre der Tod vielleicht gnädiger."

Sie sieht Remus fragend an. „Kommt ihr zurecht hier? Die Liste mit der Reihenfolge der Tränke ist in dem Korb. Du wirst ihn gleich wecken müssen."

Sie lässt ihren Stab noch einmal über Severus gleiten. „Auch unverschämt viel Glück", murmelt sie. „Beim heiligen Äskulap, wirklich viel Glück."


TBC