Shadow
Wenn ich ehrlich war dann hatte ich nach Kyoyas Ansage überhaupt keinen Plan was ich damit anfangen sollte, ich wusste ja noch nicht mal was er wirklich damit meinte.
Aber ich war dann schon etwas überrascht als der schwarzhaarige mich mit einem scharfen Kopfnicken aufforderte ihm zu folgen und mich in einen Raum führte, in welchem zwei Sofa einander gegenüber von einem kleinen Tisch standen und dahinter ein Schreibtisch vor dem Fenster mit einem bequem aussehenden Stuhl.
Fragend zog ich eine Augenbraue hoch als der andere mir bedeutete mich hinzusetzen, während Kyoya irgendwelche Papiere vom Schreibtisch nahm und sich mir schließlich gegenüber setzte.
„Hn. Du bist zwar erst seit kurzem an dieser Schule, hast aber bewiesen dass du nicht wie die anderen Herbivore bist. Als Mitglied des Disziplinar Komitees wird es deine Aufgabe sein für die Ordnung der Schule zu sorgen, bei der Einhaltung deren Regeln von allen anderen. Der Einsatz von Gewalt zur Erreichung des Friedens ist dabei legitim.", erklärte der Junge vor mir und nahm die Papiere entgegen die er mir hin hielt.
„Okay? Ehrlich gesagt habe ich kein Plan warum ich jetzt plötzlich… aber egal, es klingt nach Spaß… heißt sobald ein gewisser jemand uns unser Eigentum zurück gibt.", entgegnete ich ruhig und verstaute die Papiere nach einem kurzen Blick darüber in meine Tasche, während meine Mundwinkel ein wenig in die Höhe gingen, aber nur kaum.
Kyoya nickte darauf nur und lehnte sich auf seinem Platz zurück und schloss seine Augen, der kleine Vogel hatte es sich derweilen auf seinem Kopf bequem gemacht.
„Damit du weißt was du zu tun haben wirst, wirst du mich für die erste Zeit begleiten.", kam es noch einmal leise von ihm, woraufhin ich leise summend zustimmte.
„Hey Kyoya, wie heißt eigentlich der Kleine?", fragte ich nach einer Weile nachdem ich einfach selber schweigend dagesessen hatte und mit halbgeschlossenen Augen mein Umfeld betrachtete, Kyoya öffnete auf meine Frage hin kurz eines seiner Augen.
„Hibird.", antwortete er schlicht und knapp, meine Lippen verzogen sich zu einem kleinen grinsen und ich schloss nun auch meine Augen, während ich meinen Kopf auf eine Hand abstützte.
„Hm, süßer Name. Weißt du was Kyoya, ich mag dich. Ich bin mir sicher das es noch sehr interessant werden wird.", summte ich einfach vor mich hin.
Während ein kleiner gelber Federball die Schulhymne zu zwitschern begann, war das einzige was ich als Antwort von dem anderen mitbekam, da ich meine Augen noch immer geschlossen hielt, die Verlagerung von Kyoyas Gewicht auf dem Sofa.
Es dauerte nicht lange bis Dino und Lal uns wieder zu sich riefen.
Zwei Tage, zweit Tage lang nachdem ich ins Disziplinar Komitee aufgenommen wurde, bestand mein Tag aus Ketten, Metall, Tonfas, Peitschen, Kugeln und anderer Art von Training, wie auch die Patrouillen zu welchen Kyoya begann mich mitzunehmen.
Ich musste zugeben, dass es wirklich interessant war den schwarzhaarigen zu begleiten und Schüler die die Regeln brachen „zu Tode zu beißen".
Zudem, es blieb bei dem Ganzen nicht nur bei Schülern, Kyoya befasste sich auch mit Schlägertypen anderer Schulen und wenn ich es richtig sah auch Leuten von der Yakuza, beziehungsweise durfte ich mich auch oft genug mit an den meist etwas einseitigen Kämpfen beteiligen.
Und ehrlich?
Es fühlte sich gut an wildfremde Leute zu vermöbeln, welche einem zuerst beleidigten und dann aufgrund des Geschlechts und Statur unterschätzten.
Ich glaube, meine Art mit ihnen umzugehen war im Endeffekt dann nicht anders als wenn Kyoya sich um die Typen gekümmert hätte… okay, vielleicht war ich ein klein wenig zurückhaltender, aber ich sah es nichts aufs Töten ab, nicht unbedingt…
Ich kannte den schwarzhaarigen zwar wirklich erst seit kurzem aber von dem was ich in dieser Zeit mitbekommen durfte, war mir klar das der Leiter des Disziplinar Komitees keine halben Sachen machte und immer eine ordentliche Arbeit hinlegte seinen Opfern eine ordentliche Lektion samt Krankenhausaufenthalt zu erteilen.
Die ganze Zeit folgte ich ihm wie ein Schatten und auch im Training begannen wir uns langsam zusammen gegen unsere Tutoren zu verbünden.
Es war zwar komisch mit jemand anderem zusammen zu arbeiten, aber andererseits machte dies so vieles leichter, es war witziger.
Man hatte die Chance den Gegner mehr zu verwirren, sicher zu wiegen den einen soweit zu haben nur um von dem anderen niedergestreckt zu werden.
Kusakabe Tetsuya, ebenfalls ein Mitglied des Komitees und wie ich schnell mitbekam rechte Hand Kyoyas, war ebenfalls hin und wieder bei den Patrouillen dabei und sorgte dafür das am Ende aufgeräumt wurde… auch wenn das Ganze ein klein wenig dubios klang, aber hey, ich bin mit der Mafia aufgewachsen, da war sowas an der Tagesordnung.
Der schwarzhaarige mit der seltsamen Frisur war dabei ein wenig überrascht als er mich zuerst gesehen hatte, da sich im Disziplinar Komitee ansonsten keine Mädchen befanden, doch nahm es nach einem Kommentar Kyoyas einfach so hin.
Er war es auch der begann zu kommentieren das ich wie Kyoyas Schatten auf den Patrouillen war, wenn wir zusammen unterwegs waren, etwas das die Leute um uns herum mitbekamen, analysierten.
So kam es auch das ich schnell in den Geflüsterten Gesprächen unter den Schülern bekannt wurde, unter anderem als erstes Mädchen welcher in unmittelbarer Nähe Kyoyas gesichtet und von diesem auch wahrgenommen wurde.
Mich interessierte es eigentlich nicht viel, aber ein Gedanke kam mir dann doch schon in den Kopf.
Hinter den Wolken ist der Mond nichts weiter als ein Schatten, gedimmtes Licht und unterschätzt.
Aber niemand sollte diesen unterschätzen sollten die Wolken den Blick schließlich frei geben.
