Disclaimer: Alle aus Harry Potter bekannten Charaktere gehören einzig und allein JK Rowling.
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Danger Games 12
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„Bitte, Lucius. Tritt ein und setz dich." Voldemort schob die Tür zu seinem Arbeitszimmer auf und ließ seinem Gast den Vortritt. Er wies auf einen weich gepolsterten Sessel direkt vor dem Kamin und wartete, bis der blonde Zauberer Platz genommen hatte, ehe er langsam in den Lucius' direkt gegenüber stehenden Lehnstuhl glitt. Ein wohlwollendes Lächeln erhellte seine unmenschlichen Züge.
Lucius erwiderte das Lächeln mit einem unruhigen Flattern im Magen und hoffte, man würde ihm nicht ansehen, wie sehr die vergangenen Stunden an seinen Nerven gezehrt hatten. Die beiden Männer hatten gerade ihr gemeinsames Abendessen hinter sich gebracht und jede einzelne Sekunde, die er in der Gesellschaft seines Herrn und Meisters zugebracht hatte, war für Lucius eine Qual gewesen, ein Alptraum aus Anspannung und Furcht, zugebracht in stetiger Erwartung, dass jeder Augenblick sein letzter sein könnte. Denn schon als er die Einladung angenommen hatte, war ihm klar gewesen, dass er diesen Abend vermutlich nicht überleben würde.
Bisher jedoch hatte Voldemort ihn verschont. Mehr noch, während des gesamten Essens war er ein perfekter Gastgeber gewesen und bald wurde offensichtlich, dass Voldemort mit ihm spielte. Er spielte mit Lucius Ängsten und gaukelte ihm vor, alles wäre in Ordnung, indem er sich betont liebenswürdig gab. Doch gerade diese unglaubliche Freundlichkeit des Mannes, den er erst vor kurzem bitter enttäuscht hatte und der nun mehr denn je sein Leben und seine Zukunft in Händen hielt, machte ihm viel mehr Angst, als offene Drohungen es gekonnt hätten.
Als Folge war das Oberhaupt der Malfoy-Familie immer nervöser geworden, erwartete er doch jeden Augenblick, dass sein Leben von dem grausamen grünen Licht des Avada Kedavra verschlungen wurde. Nichts geschah und bald wurde ihm klar, dass er zumindest an diesem Abend sicher war. Wahrscheinlich sah Voldemort die ganze Angelegenheit unter dem Gesichtspunkt des persönlichen Nutzens und ihn jetzt töten zu lassen, war reine Verschwendung. Der Dunkle Lord würde ihn nicht einfach so beseitigen lassen, nicht, solange noch die geringste Möglichkeit bestand, Lucius für seine Zwecke einzusetzen.
Und so drehte sich für ihn alles nur noch um die Frage, was um alles in der Welt Voldemort von ihm fordern mochte. Die Ungewissheit machte ihn wahnsinnig und mittlerweile hoffte Lucius, irgendetwas möge geschehen, ganz gleich was, wenn es nur endlich das Ende dieses entsetzlichen Abends bedeutete.
„Ich bin froh, dass du meiner Einladung gefolgt bist. Das, was wir zu besprechen haben ist nicht für fremde Ohren bestimmt."
Als hätte er jemals eine Wahl gehabt... Lucius gab sich alle Mühe, sein Lächeln beizubehalten und sich die Panik, die sich einer glühenden Woge gleich durch seine Eingeweide fraß, unter keinen Umständen anmerken zu lassen. Allein bei dem Gedanken daran, dass es überhaupt irgendetwas gab, das Voldemort unbedingt in privatem Rahmen mit ihm besprechen wollte, rann ihm ein eisiger Schauer über den Rücken, während gleichzeitig die Gewissheit in ihm wuchs, dass der Dunkle Lord mehr von ihm fordern würde, als er jemals zu opfern bereit war.
Denn Voldemort war niemals grundlos freundlich, begegnete niemandem so entsetzlich höflich, wenn er nicht irgendetwas wollte. Nichts von dem, was er tat, geschah ohne Hintergedanken. Was immer also Voldemort von ihm wollte, war entweder so wichtig, dass niemand sonst davon erfahren durfte oder, was wahrscheinlicher war, extrem gefährlich und dazu gedacht, ihn für sein Versagen bei der Beschaffung der Prophezeiung zu bestrafen.
Dieser Gedanke war nicht dazu angetan, Lucius zu beruhigen, denn was immer Voldemort sich auch für ihn ausgedacht hatte, es würde ihn wieder einmal einen Teil seiner Selbst kosten, seine Seele vergiften und ihm mit gnadenloser Härte vor Augen führen, welch entsetzlichen Fehler er begangen hatte, dieses größenwahnsinnige Halbblut zu unterstützen.
Mühsam wahrte Lucius eine gleichgültige Miene, lehnte sich nahezu gemütlich in seinem Sessel zurück und schlug scheinbar völlig entspannt die Beine übereinander. Zeit, seinem Herrn ein wenig Honig ums Maul zu schmieren. Wer weiß? Vielleicht gelang es ihm sogar, die Strafe, wenn schon nicht abzuwenden, so doch wenigstens zu mildern. „Ich bin derjenige, der Euch zu danken hat. Eure Einladung ist eine große Ehre für mich und ich kann es kaum erwarten, den Grund meines Hierseins zu erfahren. Ihr wisst, ich würde alles für Euch tun. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, Euch enttäuscht zu haben und bin froh über jede noch so kleine Gelegenheit, erneut Euer Wohlwollen zu erringen."
Atemlos wartete Lucius, was der andere nun tun mochte. Denn auch wenn Voldemort ein grausamer und gnadenloser Gebieter war, so war er doch empfänglich dafür, reinblütige Zauberer vor sich kriechen zu sehen, etwas, das Lucius bisher meistens hatte vermeiden können. Doch wenn es ihm half, sich selbst oder seine Familie zu retten, dann gab es nichts, was Lucius nicht tun würde um dieses Ziel zu erreichen.
Schon bald nachdem er sich dem Dunklen Lord angeschlossen hatte, war ihm klar geworden, dass dieser nichts so sehr genoss, wie anderen seine Überlegenheit zu beweisen und nur zu bald hatte Lucius gelernt, seinen Stolz zum Wohle des Überlebens herunterzuschlucken und sich vor einem Geschöpf in den Staub zu werfen, das eigentlich in jeder Hinsicht weit unter ihm stand.
Er hätte wirklich auf seine Frau hören sollen. Narzissa hatte ihn immer gewarnt, bis es schließlich zu spät für sie beide war, umzukehren.
„Weißt du, das bewundere ich so an dir. Keine unnötigen Entschuldigungen, keine weiteren Ausreden. Kein Versuch, die Schuld auf andere abzuwälzen. Ich bin froh zu sehen, dass du die zweite Chance, die ich dir zu geben bereit bin, auch tatsächlich verdienst." Voldemort fuhr sich genüsslich mit der dunklen Zunge über die mißgestalteten Lippen und Lucius fühlte, wie ihm das gerade verzehrte Abendessen hochkam. Eigentlich sollte er sich nach all diesen Jahren wirklich an diesen Anblick gewöhnt haben, aber dennoch... Hastig kramte er ein Taschentuch aus seiner Robe und erlaubte sich ein gequältes Husten.
Rote Augen verengten sich bedrohlich und schenkten ihm einen mißtrauischen Blick. Scheinbar besorgt beugte Voldemort sich vor und fragte lauernd: „Das klingt gar nicht gut. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes?"
Hastig schüttelte Lucius den Kopf und steckte sein Taschentuch wieder ein. „Verzeiht, Herr. Es ist alles in Ordnung."
Voldemort nahm seine Entschuldigung reglos zur Kenntnis und für einen kurzen Moment befürchtete Lucius, der Augenblick sei letztlich doch gekommen, indem er für sein Versagen zur Rechenschaft gezogen wurde. Bereits zu dem Zeitpunkt, als er das Gefängnis verlassen hatte, war ihm klar gewesen, dass Voldemort nur darauf wartete, ihn endlich bestrafen zu können, wobei auch diese plötzliche Maske aus Freundlichkeit nur zu gut ins Bild passte, denn nichts liebte dieses Monster mehr, als sein Opfer in falscher Sicherheit zu wiegen, um danach umso härter zuschlagen zu können.
Schließlich, nach einigen qualvoll langen Sekunden, lehnte der Dunkle Lord sich wieder zurück und die Gefahr schien vorüber. Zumindest vorläufig.
„Bevor wir zum Geschäftlichen kommen, solltest du zunächst einmal wissen, dass ich dir deinen kleinen Aufenthalt in Azkaban nicht übelgenommen habe. Falls du das befürchtet hast, dann kannst du ganz beruhigt sein. Jeder macht Fehler und du warst bisher immer eines der verlässlichsten Mitglieder meines Kreises. Ich werde dir ein einmaliges Versagen nicht übelnehmen."
Nun wurde es Lucius' wirklich übel. Die Drohung war unüberhörbar und die Konsequenzen für ein erneutes Versagen, aus welchen Gründen auch immer, standen ihm deutlich vor Augen. Nun war er beinahe froh, von seinem Herrn eingeladen worden zu sein. Anscheinend wollte Voldemort ihm tatsächlich noch eine Chance geben.
Hatte er Erfolg, dann hatte er einen kleinen Teil, vielleicht sogar die gesamte Schuld beglichen, doch wahrscheinlicher war, dass es sich um ein Selbstmordkommando handelte, bei dem die Erfolgsaussichten gleich null waren. Doch wie auch immer das ganze ausging, er würde dafür sorgen können, dass seine Familie vor der Rache dieses Irren sicher war.
„Ich möchte mit dir über deinen Sohn reden."
Lucius fühlte sich, als hätte jemand einen Eimer eiskalten Wassers über ihm ausgeleert. Fassungslos starrte er den ihm gegenüber sitzenden Zauberer an, wobei er seine Finger in die Armlehnen des Sessels krallte, um nicht den Halt zu verlieren. Ihm war entsetzlich schwindlig und nur seine von frühester Kindheit an trainierte Selbstbeherrschung verhinderte, dass er Voldemort die Mühe ersparte und jetzt und hier Selbstmord beging, indem er sein Gegenüber angriff.
Völlig ahnungslos gegenüber den Qualen, die sein Besucher gerade durchmachte, nahm Voldemort sich ein Glas Rotwein von dem Tablett, das bereits bei ihrem Eintreten zusammen mit einigen Kanapees auf dem neben ihm stehenden Tisch auf die beiden Männer gewartet hatte und nippte genüßlich an der samtigen Flüssigkeit. Das Lucius' Gesicht bei seiner Eröffnung jegliche Farbe verloren hatte, schien ihm glücklicherweise entgangen zu sein.
„Wie ich bereits angedeutet habe, wird es für Draco Zeit, seinen Platz unter meinen Gefolgsleuten einzunehmen. Bevor ich ihn jedoch in den inneren Kreis aufnehmen kann, muss er in den nächsten Monaten seinen Wert für uns und unsere Sache beweisen."
„Selbstverständlich, Herr. Ich werde ihn gerne auf eine meiner Mission mitnehmen." Niemand konnte seiner Stimme anhören, wie schwer es ihm fiel, diese Worte auszusprechen und Lucius betete, er würde dieses Treffen durchhalten ohne sich zu verraten. Wenn das alles war, was Voldemort forderte, mochte sogar eine Chance bestehen, Draco unauffällig in Sicherheit zu bringen.
„Du mißverstehst da etwas, Lucius. Draco wird nicht von dir eingewiesen werden. Ich möchte, dass er während seiner Ferien bei einem der anderen Todesser eine Art...Lehre macht. Ja, das ist das richtige Wort. Er soll in die Lehre gehen."
Lange wusste Lucius einfach nicht, wie er reagieren sollte. Er fühlte sich absolut hilflos, auch wenn er besser als jeder andere wusste, wie hinterlistig Voldemort war. Plötzlich fiel ihm auf, das sein Schweigen viel zu lange dauerte und so räusperte er sich hastig und fragte mit leisem Unglauben in der Stimme: „Ihr wollt meinen Sohn in die Lehre schicken, Herr?"
„Stellst du meine Anweisungen etwa in Frage?", konterte Voldemort mit leicht zusammengekniffenen Augen und Lucius beeilte sich, sein Mißtrauen zu zerstreuen.
„Natürlich nicht, mein Lord! Aber..." Er zögerte kurz und überlegte, ob er es wagen konnte, seinen Bedenken Ausdruck zu verleihen und kam zu dem Schluss, dass Voldemort dies höchstwahrscheinlich erwartete. Jetzt alles stillschweigend hinzunehmen, würde ihn nur unnötig misstrauisch machen. „Bitte nehmt es mir nicht übel, aber um ganz ehrlich zu sein, gibt es niemanden, dem ich die Ausbildung meines Sohnes guten Gewissens anvertrauen würde. Darf ich daher fragen, wen Ihr für seine Ausbildung auserkoren habt?"
„Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden." Der Dunkle Lord ließ den dunkelroten Wein nachdenklich im Glas kreisen, während er seinen Gedanken nachhing. „Ich werde es dich zu gegebener Zeit wissen lassen und Dracos Lehrer dann zu dir schicken. Er, oder sie, wird in deinem Haus wohnen und während der Ferien ein Auge auf deinen Sohn haben."
„Ich verstehe nicht..." Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte Lucius, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Ein Todesser unter seinem Dach? Aber warum, wenn er selbst doch anwesend war? Nur, um ihn zu überwachen? Vertraute Voldemort ihm denn gar nicht mehr? „Warum lasst Ihr mich nicht die Ausbildung meines Sohnes übernehmen? Ich garantiere Euch, dass er innerhalb kürzester Zeit einer Eurer wertvollsten Gefolgsleute werden wird."
Bitte, lass ihn darauf eingehen...
„Ich bin sicher, dass du besser als jeder andere geeignet bist, diese Aufgabe zu erfüllen und mir tut es wirklich leid, deinem Sohn diese einmalige Chance vorzuenthalten. Aber ich befürchte, dir wird die nötige Zeit dafür fehlen." Voldemort stellte sein Weinglas beiseite und erhob sich langsam. Er näherte sich seinem Gast mit gemessenen Schritten und legte ihm in einer beunruhigenden Geste der Zuneigung die Hand auf den Kopf, wobei seine Finger zärtlich mit Lucius' seidigen Haarsträhnen spielten.
„Auf dich wartet eine ganz besondere Aufgabe, mein Lucius." Lächelnd beugte er sich vor und brachte seinen Mund dicht an Lucius' Ohr. „Denk nicht, ich wäre so dumm, dich nach dem Fiasko im Ministerium in der nächsten Zeit von der Leine zu lassen. Du wirst da sein, wo ich dich immer im Auge behalten kann und das bedeutet, dass du während all unserer Unternehmungen von nun an meiner Seite sein wirst. Verstanden?"
Fassungslos beobachtete Lucius, wie sein Gebieter zu dem kleinen Tisch zurückkehrte und sein Weinglas auffüllte. Immer schon hatte er gewusst, wie rachsüchtig dieses rotäugige Monster sein konnte, doch nie zuvor war der Zorn seines Herrn gegen ihn selbst gerichtet gewesen. Zum ersten Mal erfuhr der blonde Zauberer, wie es sich anfühlte, wenn Voldemort darauf aus war, jemanden zu vernichten.
„Du bist furchtbar blass, Lucius. Ich hoffe, ich habe dir nicht die Weihnachtslaune verdorben. Aber mach dir keine unnötigen Sorgen. Ich wäre niemals so unmenschlich, dir nicht wenigstens zwei oder vielleicht sogar drei ungestörte Tage mit deinem Sohn zu gönnen. Also mach gefälligst ein fröhliches Gesicht oder ich muss noch denken, du weißt meinen Großmut nicht zu würdigen." Der Dunkle Lord hob das Glas und prostete seinem Untergebenen spöttisch zu. „Cheers."
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Todmüde bog Harry in den Gang ein, der ihn zu seinem Turm führte. Der Tag war mehr als anstrengend gewesen und nachdem er sich bei Snape entschuldigt hatte, wollte er nur noch eines: schlafen und vorzugsweise alles vergessen, was in den letzten Stunden geschehen war.
Lustlos murmelte er das Passwort, kletterte durch die Öffnung und schob das Gemälde dann möglichst leise wieder an seinen angestammten Platz zurück. Nur wenige Meter noch bis zu seinem Schlafraum und Harry wollte nicht riskieren, jetzt noch Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und von irgendjemandem angesprochen zu werden. Gleich hatte er es geschafft...
Doch das Schicksal hatte anderes mit ihm vor.
Erleichtert öffnete er die Tür zum Schlafraum und blieb wie angewurzelt stehen. Auf seinem Bett saß Ron und sortierte scheinbar völlig in sich versunken die Karten, die er im Laufe der Jahre aus den Schokofrosch-Packungen gesammelt hatte.
Sein Freund sah auf, machte jedoch keinerlei Anstalten, das Bett zu räumen. Er schob lediglich seine Karten zusammen und steckte sie in die Hosentasche, bevor er aufstand und den schwarzhaarigen Zauberer entschlossen anblickte.
„Wir müssen uns unterhalten, Harry."
Nicht schon wieder. Um ein Haar hätte Harry frustriert aufgestöhnt, doch auch wenn Ron manchmal wirklich eine Nervensäge sein konnte, er war immer noch sein bester Freund und verdiente zumindest, dass er ihm eine zweite Chance gab.
„Und worüber?" Er wusste, dass die Müdigkeit seiner Stimme einen gelangweilten Unterton verlieh und er wusste auch, dass dies seinen Freund auf die Palme treiben würde, doch er war inzwischen viel zu erschöpft, um darauf Rücksicht zu nehmen.
Zu seiner nicht geringen Überraschung jedoch hatte er sich geirrt. Ron wirkte überhaupt nicht wütend, sondern seine Antwort klang merkwürdig traurig.
„Ich mache mir Sorgen um dich, Harry. Seit Tagen scheinst du nicht mehr du selbst zu sein. Im Unterricht bist du völlig unkonzentriert und wenn man dich fragt, was los ist, wirst du regelrecht ungehalten. Direkt nach den Hausaufgaben verschwindest du meist so schnell, dass wir keine Möglichkeit haben, mit dir zu reden und dann tauchst du erst am späten Abend wieder auf und machst ein Riesengeheimnis um das, was du die Stunden zuvor getrieben hast. Du gehst uns aus dem Weg und gibst uns das Gefühl, das wir dir nur noch lästig sind. Warum vertraust du dich uns nicht an? Wir sind deine Freunde. Freunde haben keine Geheimnisse voreinander."
„In diesem Fall doch", gab Harry müde zurück und drängte sich an dem anderen vorbei. Vielleicht würde Ron aufhören, wenn er ihn nur lang genug ignorierte. Er wollte nicht schon wieder in eine ihrer endlosen Debatten über die Rechte und Pflichten von Freunden verwickelt werden, doch er hätte wissen müssen, dass Ron ihn nicht so einfach davonkommen lassen würde.
„Harry, bitte! Das kann jetzt nicht dein Ernst sein!" Mit festem Griff umklammerte der Rotschopf Harrys Arm und drehte ihn wieder zu sich herum. „Du bist mein bester Freund und ich dachte, dass auch ich dir etwas bedeute. Lass uns über alles reden. Zusammen werden wir sicher eine Lösung für deine Probleme finden."
„Ich. Kann. Nicht." Harry hatte genug. Der ganze Tag war eine einzige Katastrophe gewesen und jetzt kam auch noch sein bester Freund und machte ihm Vorwürfe. Im Augenblick ging ihm sein Leben wirklich auf die Nerven. „Ich darf es dir nicht sagen, Ron. Das ist nichts, wobei du oder Hermine mir helfen könntet. Im Gegenteil. Wenn ihr Bescheid wüßtest, würdet ihr mich in Gefahr bringen. Also frag mich nicht weiter und ich erzähle dir auch keine Lügen."
Seine Worte schienen einen Nerv zu treffen, denn als er Ron ansah, erkannte er die ersten Anzeichen beginnenden Zorns in dessen Blick. „Verdammt, Harry! Wir sind Freunde! Du weißt doch, was Freundschaft bedeutet, oder nicht? Es bedeutet, sich dem anderen anzuvertrauen! Warum vertraust du mir nicht?!"
„Natürlich vertraue ich dir, Ron! Aber versteh endlich, dass ich dir nichts sagen kann. Wenn es nur um mich ginge, würde ich dir alles erzählen. Aber dies ist nicht nur mein Geheimnis und ich werde ihn sicherlich nicht hintergehen, nur um deine Neugier zu befriedigen."
Rasch zog er seinen Pullover über den Kopf und warf ihn achtlos beiseite. Die Hose folgte ebenso schnell und gleich darauf kuschelte er sich bereits in seinem Schlafanzug in die weichen Kissen. Mit einem zufriedenen Seufzen schloss er die Augen, doch seine Ruhe war nur von kurzer Dauer.
„Du machst es dir verdammt einfach, weißt du das?"
Es reichte. Er wollte nur noch seine Ruhe und wenn er es sich dabei mit Ron verscherzte, dann konnte er es auch nicht ändern. Zu viel war in den letzten Tagen geschehen, zu anstrengend waren die Stunden mit Snape gewesen von ihren Auseinandersetzungen ganz zu schweigen und Harry hatte mittlerweile nicht das geringsten Funken Geduld übrig.
„Hör zu, Ron. Ich möchte dich nicht verletzen, aber auch wenn du es nicht glauben kannst, es gibt wirklich Dinge, die ich ohne die Hilfe meiner Freunde erledigen kann und das, was ich heute nachmittag getan habe, gehört definitiv dazu. Es geht mir gut, ich war nicht in Gefahr umgebracht zu werden und jetzt bin ich müde und will schlafen."
Damit drehte Harry seinem Freund den Rücken zu und beschloss, sich auf keinerlei Diskussion mehr einzulassen.
„Du solltest dir mal zuhören!" Rons Stimme klang nicht länger wütend oder zornig. Er schien genauso am Ende zu sein wie Harry. „Was ist nur mit dir geschehen? Du bist völlig anders als sonst! So, als wärst du nicht mehr du selbst."
Harry verkniff es sich, darauf zu antworten. Wenn er jetzt reagierte, würde er seinen Freund mit Sicherheit noch mehr vor den Kopf stoßen als er es ohnehin schon getan hatte und dafür sorgen, dass dieser garantiert nie wieder ein Wort mit ihm wechselte. Ging er andererseits dieser Konfrontation erst einmal aus dem Weg, dann bestand wenigstens noch die Möglichkeit, hinterher alles erklären und kitten zu können.
Entschlossen drehte Harry sein Gesicht der Wand zu und schwieg.
Minutenlanges Schweigen dehnte sich zwischen den beiden Freunden aus, dann wandte Ron sich enttäuscht ab und zog sich zurück. „Damit dürfte wohl alles gesagt sein."
Er erhielt keine Antwort.
tbc
