Kapitel 12


Voldemorts Tod + 8 Jahre


„Das haben sie nicht wirklich getan. Bitte Hermine, sag mir, daß sie das nicht getan haben." Severus Stimme drückte pure Fassungslosigkeit aus.
Hermine lachte.

„Was spricht dagegen, daß sie ihren Sohn nach Albus und dir benennen? Ich habe gehört, daß Draco seinen Erstgeborenen Scorpius genannt hat – DAS ist schrecklich. Aber Albus Severus... nein, ich finde das völlig in Ordnung."

Snape schüttelte immer noch den Kopf.

„Wer hätte gedacht, daß ausgerechnet Ronald Weasley den besten Geschmack beweist, wenn es um die Namensgebung von Kindern geht..."

„Soweit ich weiß, hat die Familie zusammen ‚Rose' ausgewählt.", erklärte Hermine. „Cho wollte sie eigentlich nach ihrer Großmutter benennen, aber das konnte keiner aussprechen. Ron wurde gestern nicht müde, mir zu erklären, daß man der Kleinen jetzt zwar schon ansähe, daß sie die Intelligenz ihrer Mutter geerbt hat und dementsprechend sämtliche Slytherin ausstechen wird, aber er meinte, es könne nicht schaden, wenn die Patentante auch ein bißchen im Kopf habe. Ich habe mich sehr darüber gefreut, daß sie mich gefragt haben. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, Patentante zu werden... Ich fürchte nur, daß er seiner Tochter in den kommenden elf Jahren ein Bild des armen Scorpius übers Bett hängen wird, damit sie von klein auf lernt, wen sie in Hogwarts zu besiegen hat..." Hermine seufzte.

„Manche Dinge ändern sich eben nie." Snape sagte dies zwar ebenfalls mit einem Seufzen, aber man sah ihm an, daß er viel zu guter Laune war, um sich von den Horrornachrichten der „Front", wie sie es nannten, den Tag verderben zu lassen.

„Was macht James?", fragte er stattdessen und Hermine war klar, wie außergewöhnlich es war, daß er sich nach dem Befinden von Harrys und Ginnys Sohn erkundigte.

„Er ist zu klein, um wegen Albus eifersüchtig zu sein. Es geht ihm prächtig."

Sie hielt inne und zögerte.

Snape legte den Kopf schief und sah sie fragend an, während er die beiden Weingläser füllte, die auf dem Terrassentisch zwischen ihnen standen.

„Sev... Neugeborene haben eigentlich immer blaue Augen, die sich später vielleicht noch verändern – aber einige wenige haben schon eine andere Farbe, die sich dann nicht mehr verändert..."

Snape, der die Gläser aufgefüllt hatte, stellte die Weinflasche vorsichtig ab und sah Hermine nicht an, als er mit ewas gedankenverlorenem Blick sagte: „Grüne Augen, nicht wahr?" Er sah zu ihr hoch „Das Kind hat grüne Augen..."

Hermine nickte und versuchte erfolglos, in seinem Blick abzulesen, ob ihn das nun belastete oder nicht.

Aber dann hob er sein Weinglas und hielt es ihr zum anstoßen entgegen.

„Dann wünschen wir dem Jungen doch, daß er ein Slytherin wird. Dann paßt die Robe zu den Augen."

Hermine grinste kurz, während auch sie ihr Glas griff. Entweder es betrübe ihn wirklich nicht oder er wollte sich davon nicht betrüben lassen. Beide Möglichkeiten waren ihr hier und jetzt Recht.

„Auf acht Jahre einer Beziehung, wie sie ungewöhnlicher nicht sein könnte.", sagte er ruhig.

„Auf acht Jahre Geheimniskrämerei und wilden hin und her Apparierens zwischen meinem Tarn-Appartment und unserem Haus, um zu verhindern, daß jemand erfährt, wem mein Herz gehört."

Er lächelte schief und sie stießen an.

Der Wein war gut. Tiefrot und weich. Ein absoluter Genuß.

„Ich habe etwas für dich...", sagte er leise, als er noch einen weiteren Schluck getrunken hatte.

Hermine seufzte.

„Wir haben ausdrücklich gesagt, daß wir uns nichts schenken und ich habe mich daran gehalten. Nach deinem Theater im letzten Jahr habe ich diesmal nichts mitgebracht."

Er stand auf, ging ins Wohnzimmer und dort zum Schrank.

„Dann sieh das hier als Rache für dein Geschenk im vergangenen Jahr."

Er öffnete den Schrank und holte eine schwarze Schachtel daraus hervor in die der Größe nach eine kleine Kristallkugel hineingepaßt hätte.

Hermine hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was in der Schachtel sein konnte und streckte die Hände danach aus, als er zum Tisch zurückkam, aber er setzte sich und stellte den schwarzen Würfel erst einmal vor sich ab.

„Ich habe lange mit mir gerungen, ob es in Ordnung ist, aber du hast in den vergangenen Jahren so viel über schwarze Magie gelernt, daß ich denke, daß du so weit bist..."

Hermines Augen wurden etwas größer und sie hielt die Luft an. Jetzt ahnte sich, was sich im Inneren der Schachtel befand. Aber sie ließ ihn weitersprechen.

„Du hast gelernt, daß sie schwarz, aber nicht böse ist. Ich habe dich gelehrt, daß jede Großartigkeit auf dieser Welt zum Guten wie zum Bösen benutzt werden kann. Yin nicht ohne Yang. Tag nicht ohne Nacht. Weiß nicht ohne Schwarz..." mit diesen Worten schob er ihr die Schachtel rüber.

„Wenn du es noch immer möchtest, fange ich heute an...", sagte er mit dunkler Stimme.

Hermines Hände zitterten ein wenig vor Aufregung, als sie die Schachtel öffnete.

Darin lagen, eingebettet in samtigen Stoff, eine Art Skalpell und ein Tintenfaß mit einer nachtschwarzen Flüssigkeit darin.

Fasziniert betrachtete sie die beiden Gegenstände und sah dann zu Severus hoch.

„Ja, ich möchte es noch immer.", erklärte sie fest und man sah in ihren Augen, wie ernst es ihr damit war. „Ich bin eine Hexe und ich möchte mein Potential komplett ausschöpfen."

„Du weißt", gab er zu bedenken „daß du gerade in deiner Abteilung im Ministerium einen riesen Ärger bekommst – wenn sie dich nicht sogar entlassen – wenn das herauskommt?"

Sie nickte und streichelte dabei vorsichtig über die schwarze Schachtel.

„Wann?", war ihre einzige Frage.

„Wann immer du willst.", antwortete er und Hermine stand augenblicklich auf.

„Jetzt. Sofort."

Er lächelte.

„Das war nicht anders zu erwarten. Trink dein Glas aus und dann räumen wir den Tisch beiseite. Ich möchte es hier draußen auf der Terrasse machen."

Hermine nickte erneut.

So schnell heruntergeschüttet, machte der Wein sie etwas schwindelig, aber sie war sich nicht sicher, ob das nicht eventuell auch die Aufregung sein konnte...

Wenige Minuten später lag sie mit entblöstem Oberkörper auf den warmen Holzbohlen. Um sie herum standen dutzende von Kerzen und neben ihr kniete Severus, der nun beide Gegenstände aus der Schachtel herausgeholt und neben sich gestellt hatte.

„Du weißt, daß ich den Schmerz nicht magisch mildern kann und werde?"

Hermine schluckte zwar, nickte aber wieder.

„Ich habe in ‚Runen-Rätsel' gelesen, daß Geschlechtsverkehr nach der Prozedur ein deutlich besseres Ergebnis vespricht.", erklärte Hermine mit einem nicht besonders ernsthaften Unterton.

Snape zog die Augenbrauen hoch und sah sie skeptisch an.

„Ist das aus diesem unsäglichen Werk von Eberhard Engerlinger?"

Hermine nickte und Snape seufzte. „Ohne diesen Zusatz hätte er wohl in seinem ganzen Leben niemanden ins Bett bekommen... nein, es ist nicht notwendig und du wirst gleich eine Menge Dinge im Sinn haben. Aber Sex wird sicher nicht dazugehören."

Er zog sich das Hemd über den Kopf und warf es über die Kerzen hinweg in Richtung des Wohnzimmers. Die Zeichen auf seinem Oberkörper schienen sich im flackernden Licht der Kerzen wie lebendige Wesen zu bewegen, aber Hermine wußte, daß es nur eine Täuschung des Auges war. Zu oft schon hatte sie diesen Effekt gesehen und bewundert. Seine dicken, schwarzen Haare hingen ihm inzwischen etwa eine Handbreit über die Schultern herab und er strich sie sich jetzt auf einer Seite hinter das Ohr, damit sie ihm nicht im Weg sein würden.

Dann endlich begann er...

Er legte seine Hand auf die Mitte ihres Oberkörpers, kurz unter ihrer Brust und ließ sie dort so lange liegen, bis seine und ihre Haut an dieser Stelle die gleiche Temperatur hatten. Er schloß die Augen und begann diverse Formeln zu murmeln.

Hermines Herz schlug so stark, daß sich jeder Schlag auch als deutliche Bewegung unter Snapes Hand abzeichnete. Als die Formeln in einen leisen Singsang übergingen, öffnete er die Augen und griff zu der Flasche. Der Verschluß ließ sich nur schwer herausziehen, aber irgendwann war es geschafft und Snape schüttete sich eine kleine Menge des Inhaltes in eine hohle Hand. Nachdem er die Flasche, offen wie sie noch war, wieder auf die Holzbohlen gestellt hatte, ließ er die schwarze Flüssigkeit in einem feinen Rinnsaal auf Hermines Körper laufen. Sie verteilte sich genau auf der Stelle, auf der gerade eben noch seine Hand gelegen hatte und blieb dort wie eine tiefschwarze Pfütze stehen.

Erneut legte der Zauberer unter dem Rezitieren der Formeln, die in ihrer ständigen Wiederholung einem Mantra nicht unähnlich waren, seine Hand auf die Stelle und nach und nach vesackte die Farbe in Hermines Haut, als sei diese ein Schwamm, der in der Lage war, die Flüssigkeit in sich aufzunehmen.

Als die Oberfläche nur noch leicht schimmerte, griff Snape zu dem Skalpell und begann ohne zu zögern mit den ersten Schnitten.

Hermine biß die Zähne aufeinander und gab nur ein unterdrücktes Stöhnen von sich.

Er schnitt nicht tief, aber überall so tief, daß die Farbe in Hermines Haut dort auf eine seltsame, nicht erklärbare Weise zu einem besonders schwarzen Strich zusammenlief. Mit Hilfe des Skalpells schnitt Snape ihr auf diese Weise das Bild einer Schlange in die Haut, die sich mehrfach um sich selbst drehte und so zu einem doppelten, gedrehten Kreis verschlang, bevor sie sich selbst in die Schwanzspitze biß. Es dauerte, gemessen daran, daß das Bild zwar klein aber doch recht aufwändig war, gar nicht besonders lange, aber Hermine kam es wie eine Ewigkeit vor und Severus hatte gerade erst die Hälfte geschafft, als ihr bereits stille Tränen an den Seiten ihres Gesichts herab und in die Haare liefen. Aber sie wollte sich nicht die Blöße geben, zu jammern.

Snape arbeitet unbeirrbar an dem Bild weiter, bis auch der letzte, winzige Schnitt gemacht war.

„Es ist fast geschafft", flüsterte er ihr zu, als er den Singang kurz unterbrach.

Hermine sagte nichts. Sie wollte nur, daß es endlich vorbei war.

Snape legte das Messer zur Seite und nahm erneut das Fläschchen hoch.

Diesmal ging er nicht den Umweg über seine Hand, sondern goß den Inhalt langsam und vorsichtig über Hermines Haut.

Im Gegensatz zur ersten Berührung mit ihrer Haut, bei der eben diese eingefärbt worden war, spülte der Inhalt der Flasche nun alle überschüssige Farbe die noch in Hermines Körper eingebettet war weg. Es blieben nur die sorgfältigen, rabenschwarzen Linien des Symbols das sie nun zierte.

Snape hatte die Arbeit so angestrengt, daß sein Oberkörper von der Anstrengung feucht schimmerte. Aber nun war es beendet.

„Ich bin fertig.", sagte er leise. „Du hast es geschafft."

Jetzt entfloh Hermine vor Erleichterung doch ein kurzes, leises Schluchzen, das sie aber sofort wieder im Griff hatte.

Sie blieb noch einen Moment liegen, bevor sie sich von Snape aufhelfen ließ. Fasziniert sah sie an sich herunter und lief dann ins Haus, um sich vor den großen Spiegel im Schlafzimmer zu stellen.

Ehrfürchtig legte sie ihre Hände um das Symbol herum. Sie wagte noch nicht es zu berühren. Es blutete und das leuchtende Rot lief ihr in einer feinen Bahn den Bauch herunter, aber das Zeichen war von beeindruckender Intensiver Schönheit.

Snape trat hinter sie, umfaßte sie und reichte ihr gleichzeitig ein kleines, sauberes Tuch.

Hermine wischte das herablaufende Blut weg und stellte zufrieden fest, daß der Blutfluß bereits langsamer wurde.

„Und du willst nach wie vor der Welt zeigen, daß alle Arten der Magie zum Guten eingesetzt werden können?

„Das will ich.", erklärte sie bestimmt und wischte sich ein paar letzte Tränen aus dem Gesicht um ihn mit leuchtenden Augen im Spiegelbild anzusehen.

Er umfaßte sie von hinten und sah sie ebenfalls an.

„Ich kann dir nicht sagen, wie unglaublich stolz ich auf dich bin, meine geliebte Schwarzmagierin", mit diesen Worten küßte er sie auf die Schulter und zog sie noch etwas fester an sich heran.


TBC