Das nächste Mal, dass Rabastan Hermine besuchte, hatte er ein Geschenk für sie dabei. Hermine saß am Tisch und löste gerade das Kreuzworträtsel aus einem Tagespropheten, den ihr Rabastan vor einiger Zeit gegeben hatte. Die Zeitung war veraltet, aber Hermine war froh, eine Beschäftigung zu haben.

„Ms. Pyrites, unsere Zuckerbäckerin, hat schon mit der Weihnachtsbäckerei angefangen und als ich ihr von Ihnen erzählt habe, hat sie mir etwas für Sie mitgegeben."

Er überreichte ihr eine kunstvoll verzierte Schachtel mit Schokoladenkuchen, Plätzchen und Lebkuchen.

„Sie sagten doch, dass Sie Schokoladenkuchen mögen?"

„Danke schön", sagte Hermine und errötete „Das ist… nett… von Ihnen."

„Lassen Sie es sich schmecken. Sie haben in letzter Zeit wenig gelesen, ist mir aufgefallen."

„Ich habe leider nichts mehr. Alles ausgelesen. Und über dem Märchen habe ich schon zu lange gegrübelt."

„Ich habe dazu noch etwas herausgefunden, ich werde es Ihnen demnächst erzählen", sagte Rabastan. „Was die Bücher angeht, ich bin mir sicher, Lucius und Narcissa haben nichts dagegen, wenn Sie sich ein Buch aus ihrer Bibliothek ausleihen."

Sie sahen ihn verwundert an. „Meinen Sie das ernst?"

„Die beiden sind nicht so. Ich lass meine Überredungskünste spielen." Er zwinkerte ihr zu und ihre Wangen färbten sich rosa.

„Und wie geht es Ihnen?" Rabastan setzte sich auf die Tischkante und sah sie vielsagend an. „Ich habe Sie kürzlich sehr nachdenklich am Fenster stehen sehen. Sie sahen traurig aus. Vermissen Sie Ihre Freunde?"

„Ja, natürlich", sagt sie leise. „Können Sie es nachvollziehen, wenn ich sage, dass es mich hier sehr anödet?"

„Das kann ich Ihnen durchaus nachfühlen", sagte Rabastan und lächelte verständnisvoll.

„Ich sitze den ganzen Tag in diesem Zimmer und… dann sehe ich Sie ab und zu, aber sonst…"

„Ich überlege mir etwas. Wir könnten einen Ausflug nach draußen machen", meinte Rabastan. „Aber Sie verstehen sicher, dass ich dafür eine Gegenleistung erwarte. Sie waren bisher ziemlich… verschlossen über gewisse Dinge. Sie verstehen sicher, dass ich natürlich etwas von Ihnen erwarte. Wir hatten ja einen Deal. Wenn Sie mir etwas sagen, dann… bekommen Sie eine Gegenleistung und das kann ein Gang an die frische Luft sein. Ich habe diesen Blick in Ihren Augen gesehen. Ich war selbst sehr lange eingesperrt, wie Sie wissen. Sie sehen sich nach Freiheit, habe ich Recht?"

Hermine fühlte sich bedrängt. „Ich verstehe das natürlich", sagte sie nachdenklich „und ich weiß natürlich, dass… Sie gewisse Dinge von mir erwarten. Ich weiß nur nicht, wie ich Ihnen das alles sagen soll. Ich… Sie werden mich doch töten, oder? Und meine Freunde auch?"

„Diese Absicht habe ich nicht", sagte Rabastan fast ein bisschen beleidigt und Hermine glaubte ihm. Sie glaubte ihm sofort, wenn er sagte, dass er persönlich diese Absicht nicht verfolgte, aber es war Fakt, dass Voldemort Harry töten wollte. Und Hermine war in der neuen Ordnung nur ein wertloses Schlammblut. Wenn man sie nicht direkt tötete, würde sie in Askaban sterben.

„Ich glaube Ihnen das, aber es gibt andere, die das wollen."

Hermine überlegte fieberhaft, wie sie sich aus der Situation manövrieren konnte. Die Aussicht, nach draußen in den Garten zu kommen, war nicht nur wegen der frischen Luft verlockend. Es war auch eine Chance, endlich zu fliehen, doch solange sie ihren Zauberstab nicht hatte, war es ein riskantes Unterfangen.

„Sie haben doch gesagt, Sie erzählen mir etwas über das Buch… aber erst demnächst. Ich überlege mir bis dahin etwas. OK?"

„Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit."


Sie sprachen viel über sich selbst und erzählten einander von ihrem Leben. Hermine stellte überraschend fest, dass sich Rabastan durchaus dafür interessierte, wie sie in der Muggelwelt aufgewachsen war, und Rabastan musste zugeben, dass es willkommen war, Interesse für seine Welt und sein Leben zu erfahren.

Hermine verstand sich mit Rabastan von Mal zu Mal besser und ihr Kontakt wurde persönlicher. Sie sah ihren Treffen irgendwann mit gewisser Vorfreude entgegen. Sie fühlte sich in seiner Gegenwart wohl und sicher und manchmal vergaß sie, dass sie eigentlich immer noch eine Gefangene im Malfoy- Anwesen war. Die Welt, die er ihr eröffnet hatte, war ihr davor völlig unbekannt gewesen und sie merkte wie selten zuvor, dass man gewisse Dinge nicht aus Bücher erfahren oder lernen konnte.

Wenn sie miteinander redeten, dachte Rabastan oft nicht mehr an seinen Auftrag. Er verlor beizeiten sein eigentliches Ziel, nämlich Informationen über den Potter- Jungen von Hermine zu bekommen, aus den Augen, weil er ihre Plaudereien so schätzte. Er stellte bedrückt fest, dass ihn die Zeit, die er in Askaban verbracht hatte, von der Welt entfremdet hatte. Das Mädchen gab ihm wieder Einblicke in die Welt zurück und sie eröffnete ihm dazu eine andere Sichtweise auf völlig neue Dinge. Im Laufe der Zeit konnte er Interesse nicht mehr nur vorgeben oder als Mittel zum Zweck heucheln, er sprach mit ihr, weil er es gern tat. Sie war anders, als alle Menschen und alle jungen Frauen, die er bisher getroffen hatte, und sie hatte etwas Faszinierendes an sich, das er weiter ergründen wollte.

Obwohl ihre Geschichten nicht hätten unterschiedlicher sein können, verband sie etwas miteinander. Hermine empfand zum ersten Mal in ihrem Leben etwas, dass sie weder von Harry noch von Ron bisher erfahren hatte. Rabastan Lestrange behandelte sie wie eine junge Frau, wie eine erwachsene Person, und für ihn war sie kein wandelndes Lexikon, das im Notfall mit Wissen einsprang. Bei ihm hatte sie das Gefühl, dass er die richtige Hermine in ihrer ganzen Persönlichkeit mit all ihren Facetten in ihr sah und ihr dafür Wertschätzung zuteilwerden ließ.

Sein Interesse, sein Charme und seine einfühlsame Art schmeichelten ihr ungemein. Sie musste sich eingestehen, dass sie gern in seiner Gegenwart war und dass er ihr Herz höher schlagen ließ. Was anfänglich bloße Sympathie gewesen war, entwickelte sich allmählich in etwas Stärkeres. In ihr hatte sich ein Durcheinander an unterschiedlichen Gefühlen gebildet. Ihr Verstand wusste schon lange, was mit ihr los war, aber ihr Herz wollte es sich nicht eingestehen. Hermine verdrängte die aufkeimenden Gefühle für Rabastan und redete sich ein, dass alles in Ordnung war, nur um die immer lauter werdende Scham und die Schuldgefühle nicht zulassen zu müssen.

Einmal erlaubte ihr Rabastan sogar, in die Bibliothek des Malfoy- Anwesens zu gehen und sich Bücher mitzunehmen. Er hatte sein Versprechen eingelöst. Sie wusste nicht, wie die Malfoys darüber dachten, sie versuchte, sich nicht weiter darüber Gedanken zu machen und die Gelegenheit einfach nur willkommen zu heißen, denn sie hatte schon lange nichts mehr, mit dem sie sich beschäftigen konnte. Sie musste feststellen, dass die Malfoys eine breitgefächerte Auswahl an Büchern besaßen. Viele waren über schwarze Magie, aber viele handelten auch von Geschichte, Mythologie oder Kunst.

Sie sprachen auch wie angekündigt ein weiteres Mal über das Märchen der Drei Brüder. Rabastan erzählte Hermine, was er in Rita Kimmkorns Buch gelesen hatte. Wie zu erwarten, war sie nicht nur überrascht, sondern bestürzt, dass Dumbledore in die schwarzen Künste verwickelt und mit Gellert Grindelwald befreundet gewesen war.

„Zumindest erklärt das, warum Dumbledore das Zeichen da reingezeichnet hat", meinte Hermine und strich mit dem Finger über das Dreieck. „Wenn er Grindelwald kannte…"

„Das ist wahr", sagte Rabastan.

„Das Zeichen muss aber doch eine tiefere Bedeutung haben, oder?"

„Die Vermutung liegt nahe, aber ich weiß leider auch nichts Näheres dazu."

„Ich verstehe jetzt auch, warum Sie meinten, dass meine Argumentation der von Grindelwald nicht unähnlich war", sagte Hermine nachdenklich. „Wenn Dumbledore und Grindelwald zusammen die Herrschaft über die Muggel angestrebt haben…"

„Darüber war ich genauso überrascht", gab Rabastan ehrlich zu. „Und Dolohow, den ich nochmal gefragt habe, auch. Er ist Osteuropäer und kennt die Geschichten über Grindelwald aus seiner Kindheit und Jugend, aber das war selbst ihm neu."

„Woher glauben Sie weiß Rita Kimmkorn das?"

„Darüber haben wir auch spekuliert", sagte Rabastan. „Wir, das heißt Narcissa, Lucius und ich, wir denken, dass jemand, der Dumbledore kannte, ihm sehr nahestand, ausgepackt hat, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Rita hat so ihre Methoden."

Hermine schnaubte verächtlich. Rita Kimmkorn und ihre sogenannten „journalistischen" Methoden kannte sie zur Genüge.

„Haben Sie auch eine konkrete Vorstellung davon? Irgendeinen Namen?", fragte Hermine interessiert.

„Also wir glauben, dass es Bathilda Bagshot war. Dolohow meinte das, denn er konnte sich dunkel daran erinnern, dass Bathilda die Tante von Grindelwald ist. Das hat Rita auch im Buch geschrieben. Grindelwald muss sie in seiner Jugend besucht haben und das war die Gelegenheit, als er Dumbledore traf."

„Haben Bathilda und die Dumbledores im selben Ort gewohnt? Also ich weiß, dass Bathilda in Godric´s Hollow lebt, aber…"

„Ja, genau. Dumbledore lebte dort auch. Wie gesagt, es liegt nahe, dass sie geplaudert hat. Sie muss die Familie gekannt haben."

Hermine nickte.

„Die Suche, auf die Dumbledore Sie und Ihre Freunde geschickt hat, hat das etwas mit Grindelwald zu tun?", fragte Rabastan. „Ich meine, wenn diese Verbindung so offensichtlich dargelegt wird. Die Dinge, die Sie suchen…"

„Das hat nichts mit Grindelwald zu tun", sagte Hermine. Sie hatte sich genau zurechtgelegt, was sie Rabastan erzählen wollte. Sie hatte sich lange genug den Kopf darüber zerbrochen und war schließlich zu einer passenden Strategie gekommen.

„Und mit was hat es etwas zu tun?", fragte Rabastan.

„Bitte versprechen Sie mir etwas", bat Hermine und sie war sich nicht ganz sicher, warum sie es tat. „Bitter behalten Sie das, was ich Ihnen jetzt sage, vorerst für sich. Ich… Ich habe ja schon mal gesagt, dass ich Sie in Schwierigkeiten bringen könnte, wenn Sie zu viel wissen. Das habe ich sehr ernst gemeint. Ich möchte wirklich nicht, dass Ihnen… etwas passiert."

„OK", sagte Rabastan nickend. Es war klar, dass er sein Versprechen früher oder später brechen musste, aber vorerst beschloss er, sich einfach anzuhören, was sie zu sagen hatte. Ihre Geheimniskrämerei machte ihn neugierig und er wollte mehr erfahren.

„Dumbledore hat Harry, Ron und mir einen Auftrag gegeben, das wissen Sie ja schon. Niemand sonst weiß davon. Das Medaillon, das wir Umbridge gestohlen haben, hat damit zu tun, was wir suchen."

„Das weiß ich alles schon."

Hermine atmete tief durch. Sie war diese Szene gedanklich ein paar Mal durchgegangen. Sie hatte sich ihre Worte wohlzurechtgelegt, konnte aber nicht verhindern, dass sie Herzklopfen hatte.

„Die Gegenstände, die wir suchen, müssen wir zerstören, damit wir den Dunklen Lord aufhalten können. Das Medaillon hat schon mal jemand anderes vor uns gesucht. Deshalb ist Regulus Black verschwunden."

Rabastan sah sie für einen Moment an, so als hätte er sie nicht verstanden. „Was haben Sie gerade gesagt?"

„Regulus Black hat das Medaillon als erster gesucht und gefunden. Deshalb ist er verschwunden", sagte Hermine selbstsicher. Die Wirkung ihrer Worte trat wie erwartet ein. Rabastans Blick war eine Mischung aus purem Unglauben und Verwirrtheit.

„Regulus Black? Wie… Wie haben Sie von ihm erfahren? Woher wissen Sie das alles? Niemand weiß, was mit ihm passiert ist!"

„Wir haben es erfahren. Wir haben den alten Hauselfen gefragt", erklärte Hermine. „Kreacher", fügte sie auf Rabastans fragenden Gesichtsausdruck hinzu. Seine Miene hellte sich auf.

„Verstehe. Er wusste es also die ganze Zeit, was mit Regulus passiert ist. Das ist… Das haut mich gerade um. Und er ist verschwunden, sagen Sie?"

„Nicht nur", sagte Hermine. „Er…"

„Er was?", hakte Rabastan nach.

„Er war doch auch ein Todesser?"

„Ja, der jüngste von uns allen."

„Er hat den Dunklen Lord verraten. Er war am Schluss nicht mehr auf Ihrer Seite. Und er hat den Tod gewählt. Er wollte ursprünglich dasselbe tun wie wir heute, aber hat es nicht geschafft. Er starb. Er ließ Kreacher schwören, niemandem davon zu erzählen. Deshalb wusste es niemand. Harry hat Kreacher von Sirius geerbt und weil wir das gleiche versuchen wie Regulus damals, hat sich uns Kreacher anvertraut."

Rabastan sagte nichts, sondern sah nachdenklich zu Boden. „Keiner wusste all die Jahre, was mit ihm geschehen ist. Seine Mutter ist daran zugrunde gegangen. Das ist Wahnsinn."

„Das ist, mehr kann ich Ihnen im Moment leider nicht sagen."

„Ich glaube, mehr müssen wir auch nicht sagen, denn… Ich bin ehrlich gesagt gerade ziemlich sprachlos", gab Rabastan zu.


Ein paar Tage nach Hermines Offenbarung entschloss sich Rabastan, Narcissa und Lucius darauf anzusprechen. Nachdem Narcissa Regulus´ Cousine war, kannte sie ihn näher als er und konnte ihm wohl am besten Auskunft darüber geben, was damals vor seinem Verschwinden passiert war.

Er musste sein Vorhaben jedoch noch einige Zeit verschieben, denn dazwischen geschah etwas anderes, dass die Situation völlig verändern sollte.

Rabastan kam eines Morgens ins Esszimmer und wollte sich eine Tasse Kaffee einschenken, als er von einem sehr ernsten Lucius in Empfang genommen wurde.

„Rabastan, heute Morgen kam eine Eule mit einem Brief vom Ministerium", sagte sein Schwager und die Nachricht ließ nichts Gutes verheißen.

„Vom Ministerium? Was wollen die denn?", fragte Rabastan alarmiert.

„Der Brief war von Yaxley. Er möchte dich sprechen."

„Mich sprechen?" Rabastan sah Lucius fragend an. „Wozu?"

„Er hat nicht geschrieben, um was es geht, nur dass es wichtig ist. Du sollst umgehend kommen."

Yaxley erwartete Rabastan bereits im Atrium, als dieser durch den Besuchereingang schritt. Es war Vormittag und die meisten Angestellten arbeiteten in ihren Büros, sodass die Gänge ungewöhnlich verlassen wirkten. Ein paar Leute eilten mit Unterlagen zu den Aufzügen.

„Du wolltest mich sehen, Yaxley?"

„Ja." Rabastan fiel sofort auf, wie ernst Yaxley war.

„Wir haben… eine schlechte Nachricht, Rabastan. Es betrifft euren Gast am Malfoy Manor. Komm am besten in mein Büro mit."

„Hermine? Was ist mit ihr?"

Sie stiegen in den Aufzug und fuhren in die Abteilung für Magische Strafverfolgung, wo Yaxley seit Übernahme des Ministeriums arbeitete.

Yaxley trat hinter seinen Schreibtisch und wies Rabastan an, sich zusetzen.

„Also was ist nun. Du hast doch gesagt, es ist so dringend."

Yaxley nickte. „Sieh dir das mal an. Das ist die vorläufige Ausgabe des Tagespropheten von morgen. Wir überlegen noch, ob wir das so rausgeben oder nicht."

Yaxley überreichte ihm eine Zeitung und Rabastan überblickte das Titelblatt.

„Ach du lieber Himmel", murmelte Rabastan.

„Wirst du es ihr sagen?", fragte Yaxley vorsichtig.

„Ich muss wohl, ich habe keine Wahl", sagte Rabastan, jedoch hatte er keine Ahnung, wie er das bewerkstelligen sollte. Er stand vielleicht vor der größten Herausforderung seit er seinen Auftrag erhalten hatte.

„Weiß die Familie schon Bescheid?"

„Ja. Wir haben ein paar Leute dorthin geschickt. Sie waren schon da und…"

„Kann ich mir die Zeitung ausleihen?"

„Nimm sie mit", sagte Yaxley.


Hermine saß auf ihrem Bett und las eines der Bücher, das sie sich von den Malfoys geliehen hatte, als Rabastan ihr Zimmer betrat. Als sie ihn erblickte, lächelte sie ihn an, legte ihr Buch beiseite und erhob sich.

„So schnell hatte ich gar nicht mit Ihnen gerechnet", sagte sie. Ihr Lächeln erstarb bald, als sie sah, wie ernst Rabastan war.

„Was ist mit Ihnen?"

„Heute bin ich leider nicht hier, um mit Ihnen zu plaudern, Ms. Granger. Ich habe leider… eine sehr… traurige Nachricht."

Er legte die Zeitung auf den Tisch. Hermine nahm sie vorsichtig und sah sich die Titelseite an. Als sie begriffen hatte, glitt die Zeitung aus ihrer Hand. Die Papiere verteilten sich auf dem Boden. Sie war wie gelähmt.

„Yaxley hat gesagt, dass eine Gruppe Greifer Mr. Weasley aufgegriffen hat. Es muss wohl zu einem Kampf gekommen sein und dabei… Es tut mir sehr Leid."

„Das ist alles nicht wahr. Nein, das kann nicht sein", raunte sie.

Rabastan näherte sich ihr vorsichtig. „Ms. Granger, es tut mir so Leid, aber es… Es ist wahr."

Sie sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an und wich kopfschüttelnd vor ihm zurück.

„Nein!", sagte sie ungläubig. „Nein, Sie lügen!"

Ihre Augen schwammen plötzlich in Tränen. Sie wollte ins Bad flüchten, doch Rabastan packte sie am Handgelenk und hielt sie zurück.

„Nein, lassen Sie mich!", schrie Hermine. Sie wehrte sich. Sie schlug und trat um sich, aber Rabastan hielt sie trotzdem fest und drückte sie an sich.

„Nein! Nein! Ich will nicht! Lassen Sie mich…", sagte Hermine und schlug nach Rabastan, doch ihr Geschrei verstummte und sie weinte plötzlich heftig. Ihr Körper erschlaffte in seinen Armen und ihr Widerstand erstarb. Sie drückte sich an seine Brust und weinte bitterlich. Rabastan hielt sie fest und strich ihr beruhigend über den Kopf.

Ihre Knie gaben nach und sie sank kraftlos zu Boden. Rabastan umschlang sie fester mit seinen Armen und fing sie auf. Er schaffte es, sie zum Bett zu tragen. Sie sanken darauf nieder und Hermine klammerte sich noch stärker an ihn. Sie schluchzte und wimmerte. Ihr Gesicht war nass von Tränen, ihre Augen gerötet.

Rabastan fühlte sich hilflos und wusste nicht, was er tun oder sagen sollte. Er hielt sie nur fest und strich ihr über die Haare. Wollte ihr zeigen, dass er sie verstand und dass sie nicht allein war.

Ihr Weinen und Wehklagen schien nie enden zu wollen. Sie verharrten bis spät in die Nacht nebeneinander, bis Hermine vor Erschöpfung an Rabastan gelehnt einschlief.