12. Kapitel
Rose schreckte aus dem Schlaf auf und blickte sich verwirrt um. Für einen Moment wusste sie ihre Umgebung nicht einzuordnen, doch schließlich verriet ihr das vertraute Summen der TARDIS die Antwort. Ach ja richtig, wir sind wieder an Bord.
Nachdem sie Alfred abgesetzt hatten, hatte sich der Doktor zunächst gemeinsam mit der TARDIS daran gemacht, das Schiff mit den notwendigsten Räumen auszustatten. Denn bis auf den Kontrollraum und die beiden leeren Räume, welche sie im Bunker gesehen hatten, war noch nicht viel vorhanden. Und so hatten sie nach zwei Stunden intensiver Arbeit zumindest eine Küche und ein gemeinsames Zimmer mit angrenzendem Bad. Alles Weitere konnte warten.
Schließlich waren sie und der Doktor erschöpft ins Bett gesunken. Rose wusste nicht genau, wie viele Stunden vergangen waren, seitdem sie zuletzt geschlafen hatte, aber ihrer Müdigkeit nach zu urteilen, waren es zu viele gewesen. Und so hatte es nur wenige Augenblicke gedauert, bis sie in ihren wohlverdienten Schlaf gesunken war. Doch nun hatte sie etwas geweckt, nur was? Sie wandte den Blick vorsichtig zum Doktor hinüber, welcher immer noch an sie gekuschelt in einen tiefen Schlaf gesunken war. Und bei seinem Anblick fiel es ihr ein: der Traum, richtig. Das Heckenlabyrinth mit den sich verschiebenden Wänden. Warum träume ich immer und immer wieder davon? Oft war sie in diesen Träumen allein, floh vor diesem Mann und versuchte die TARDIS zu erreichen, welche jedoch stets unerreichbar schien. Manchmal war aber auch der Doktor bei ihr und sie erkundeten gemeinsam die Biegungen und Windungen des Heckenlabyrinths. Doch heute Nacht war irgendetwas anders gewesen, nur was? Warum konnte sie sich nicht erinnern? Und warum blieb auch jetzt, nach dem Aufwachen, das Gefühl endloser Traurigkeit in ihr zurück?
Seufzend warf sich Rose auf die andere Seite, doch gerade als sie sich zum Aufstehen wandte, ergriff die Hand des Doktors sanft die ihre.
„Rose? Was ist los? Kannst du nicht schlafen?"
Seufzend drehte sie sich wieder auf den Rücken. „Ich hab schlecht geträumt", erklärte sie mürrisch und starrte in die Dunkelheit.
„Wieder derselbe Traum? Das Labyrinth?" wollte der Doktor wissen.
„Ja, aber dieses Mal war etwas anders. Wenn ich nur wüsste was es war. Hast du nicht gesagt, dass immer wiederkehrende Träume darauf hindeuten können, dass sich in der Realität etwas verändert hat, woran man sich aber noch flüchtig erinnern kann? Könnte das so etwas sein?"
„Schon möglich", stimmte der Doktor nachdenklich zu. „Aber sagtest du nicht, in deinem Traum gäbe es auch eine TARDIS? Diese TARDIS?" Rose nickte stumm gegen seine Schulter.
„Dann kann dieser Traum nicht in der Vergangenheit liegen, auch nicht in einer veränderten Realität. Auch wenn ich halb Mensch bin, steckt immer noch ein Stück Timelord in mir. Timelords sehen alle Realitäten, die sie erlebt haben und erinnern sich genau an sie. Und ich kann mich an kein Heckenlabyrinth erinnern."
Rose nickte grüblerisch. „Aber warum habe ich diesen Traum dann immer und immer wieder?"
„Ich habe keine Ahnung. Tut mir Leid", antwortete der Doktor und zog sie mit dem Rücken an seine Brust, wo er seine Nase in ihrem Nacken vergrub und träumerisch seufzte.
„Versuch noch ein wenig zu schlafen Rose. Wir haben morgen viel vor." Rose nickte. Doch sie wusste, dass sie noch eine sehr lange Zeit wachliegen würde.
„Wie genau wissen wir denn nun, wo wir eigentlich hin müssen?" fragte Rose, während sie auf dem Kommandosessel lümmelte und dem Doktor dabei zusah, wie er an der TARDIS herumdoktorte. Dabei hatte er den Schallschrauber, wenn er ihn nicht brauchte, zwischen die Zähne geklemmt und machte sich wechselweise an den Kabeln unter der Steuerkonsole und dem Bildschirm samt Tastatur zu schaffen.
„Inzwischen häufen sich die Veränderungen in der Realität und es ist beinahe unmöglich zu sagen, welche Veränderung welche anderen Veränderungen bedingt. Glücklicherweise haben wir das hier!" erklärte der Doktor und zeigte mit einem stolzen Grinsen auf den Monitor der TARDIS.
„Was ist das?" fragte Rose verwirrt und starrte mit gerunzelten Augenbrauen auf eine komplexe Computergrafik voller Diagramme und Grafiken, die für sie absolut keinen Sinn ergaben.
„Das sind die Aufzeichnungen der TARDIS. Wir haben das Glück, dass sie in diesem Universum gewachsen ist. Wie bei den Jahresringen eines Baumes hat sich die Geschichte in der Struktur der TARDIS verewigt, so dass wir sie jetzt ablesen und analysieren können. Siehst du hier?" Er zeigte auf verschiedene Teile des Monitors, an welchen die Kurven der Diagramme plötzlich einen Hüpfer nach oben oder unten machten. „Das sind Anomalien im Zeitstrom. An diesen Stellen der Geschichte hat sich also etwas verändert. Jetzt müssen wir nur noch die temporäre Matrix extrapolieren…" Er drückte ein paar Tasten des eingebauten Computers „und schon wissen wir, an welche Orte wir zu welcher Zeit reisen müssen. Brillant, nicht?"
Rose schmunzelte. „Ein bisschen. Nein, im Ernst. Es ist brillant, dass unsere TARDIS diese Aufzeichnungen gemacht hat." Sie streichelte liebevoll die Steuerkonsole und kam sich dabei einen kurzen Moment lang merkwürdig vor. „Ohne sie wären wir einfach aufgeschmissen!"
Sie sah, wie das Gesicht des Doktors einen leicht säuerlichen Ausdruck annahm und küsste ihn neckend auf die Wange. „Aber abgesehen davon hilft es natürlich auch, so einen cleveren und gutaussehenden Partner zur Hand zu haben", flüsterte sie ihm ins Ohr und schlagartig hellte sich seine Miene wieder auf. „Männer und ihr Ego", dachte sie mit einem Schmunzeln.
„Wem sagst du das!" seufzte die TARDIS als Antwort in ihrem Kopf.
„Wo sind wir?" fragte Rose, nachdem sie sich nach einer etwas holprigen Ladung wieder auf die Füße gerappelt hatte. Der Doktor stand hingegen völlig unberührt an der Konsole und zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Dort wo ich schon immer mal hinwollte. Am 3. Mai 1937 an Bord der „Hindenburg", dem größten und bekanntesten Luftschiff seiner Zeit. Laut der TARDIS fand der Absturz in der alten Realität niemals statt, weswegen Zeppeline in diesem Universum danach ihre Blütezeit erlebten. Doch nachdem unser zeitreisender Freund den Zeitstrom verändert hat…"
„…waren die Zeppeline plötzlich verschwunden", ergänzte Rose nickend. „Heißt das, er hat sie abstürzen lassen? Aber warum?"
Der Doktor zog sein Jackett über und ging zur Tür. „Nun, das ist die Frage, nicht wahr? Lust es herauszufinden?"
„Und ein Luftschiff auszukundschaften, von dem ich weiß, dass es bei diesem Flug abstürzen wird? Unbedingt!"
Der Doktor grinste und hielt ihr die Tür der TARDIS auf. „Na dann, nach Ihnen Miss Tyler!"
Lachend trat Rose durch die Tür und landete in etwas, was wie ein Maschinenraum aussah. Die Wände erinnerten eher an eine Art Metallgerüst und überall war das Schnaufen und Wummern von Maschinen zu hören.
„Interessant", meinte Rose unbekümmert in Richtung des Doktors. „Ich war noch nie im Maschinenraum eines Zeppelins. Zumal dieses hier geradezu antik ist!"
Der Doktor grinste und ging den schmalen gerüstartigen Steg in Richtung der nächsten Tür entlang. „Also dann? Wollen wir?" fragte er und öffnete ohne abzuwarten die Tür. Sie folgte ihm mit einem freudigen Lächeln.
„Ah, so wie es aussieht, sind wir noch gar nicht abgehoben!" bemerkte der Doktor, als er sich neugierig über eines der kleinen Fenster im Gesellschaftraum beugte. „Siehst du? Die Gangways sind noch heruntergelassen und diese freundlichen Herren da kontrollieren die Fahrkarten der Passagiere. Wie gut, dass wir schon an Bord sind."
Rose schob sich neben ihn und folgte seinem Blick „Ja, ist schon ärgerlich, dass wir kein gedankenmanipulierendes Papier mehr haben. Kannst du mithilfe der TARDIS vielleicht Neues machen?"
„Möglich", antwortete der Doktor fröhlich und wandte sich wieder in Richtung des Raumes um. „Aber nicht heute. Komm, wir mischen uns ein wenig unter die Leute."
Rose grinste. „Geh schon mal vor Sherlock. Ich sehe noch kurz aus dem Fenster", meinte sie und spürte, wie der Doktor sich daraufhin von ihr entfernte. Da endlich klammerte sie sich fester an das Geländer vor dem Fenster und lehnte ihren Kopf gegen die kühle Scheibe. Schon seit sie das Schiff betreten hatten, fühle sich ihr Kopf an, als würde er gleich in zwei Hälften bersten und als sie jetzt den Blick aus dem Fenster schweifen ließ, musste sie feststellen, wie ihre Sicht verschwamm.
Schließlich klarte ihr Blick auf und sie sah, wie gerade der letzte Passagier und nach ihm die zwei Angestellten an Bord gingen. Kaum waren diese aus ihrem Blickfeld verschwunden, wurden auch schon die Gangways nach oben eingefahren. Da sah sie aus der Ferne einen jungen Mann in schwarzem Anzug auf das Luftschiff zueilen. In der einen Hand hielt er eine schmale Ledertasche, während der die andere Hand nutzte, um seinen schwarzen Bowler beim Rennen festzuhalten. Etwa 50 Meter vom Zeppelin entfernt kam er schließlich zum Stehen, blickte erst ratlos in Richtung der Stelle, an der vor kurzem noch die Gangways gestanden hatten und begann dann wild in Richtung des Schiffes zu winken. Als er schließlich Rose am Fenster entdeckte, zeigte er aufgeregt auf sich und dann auf das Schiff. Rose verstand. Doch noch bevor sie etwas unternehmen konnte, spürte sie, wie ein Ruck durch das Schiff ging und sie sich langsam aber stetig vom Boden lösten. Zu spät. Der Mann im Melonenhut hatte den Einstieg verpasst.
Erneut ging ein Ruck durch das Schiff und Rose war für einen Moment so, als hätte sie gerade ein Déjà-vu erlebt. Doch sie konnte den Augenblick nicht genau benennen und so vertrieb sie das Gefühl mit einem Kopfschütteln und wandte sich um, um nach dem Doktor zu suchen. Sie sah ihn bei einer Gruppe von zwei Männern im schicken Anzug und deren weiblichen Begleitungen, welche blinkende Abendkleider und aufwändig frisierte Haare zur Schau trugen. Sie wollte sich gerade auf den Weg zu ihnen machen, als die Tür zum Aufenthaltsraum ein weiteres Mal aufgestoßen wurde. Herein trat der Mann mit dem Melonenhut, welchen sie eben noch hatte draußen stehen sehen.
Wie seltsam. Er hatte den Hut zwar nicht mehr auf dem Kopf, sondern hielt ihn in der rechten Hand. Dafür war jetzt sein blondes, vom Wind zerzaustes Haar zu sehen. Sie hätte schwören können, dass das Schiff soeben ohne ihn gestartet war. Hastig warf sie noch einmal einen Blick aus dem Fester auf das riesige Flugfeld, doch weit und breit war niemand zu sehen. Selbst wenn der Melonenmann sich inzwischen wieder auf den Rückweg gemacht hatte, hätte sie ihn von hier oben sehen müssen.
Rose rieb sich die Stirn. Es war aber trotzdem möglich, dass der Neuankömmling nur eine große Ähnlichkeit mit dem Mann draußen hatte. Denn sie war sich sicher, dass der Andere draußen geblieben war und sie ohne ihn abgeflogen waren. Wie also sollte er hier sein? Doch es schadete nicht, noch einmal nachzuforschen. Wenn es derselbe Mann war, dann würde sie das aus der Nähe sicher erkennen. Und so setzte Rose ihr unschuldigstes Lächeln auf und ging zielstrebig auf den Neuankömmling mit dem Melonenhut zu.
„Hallo. Ich bin Rose – Rose Tyler. Das war ja ganz schön knapp mit Ihrem Zustieg…" begann sie und hielt dem Mann zum Gruß ihre Hand hin, welche dieser auch ein wenig verwirrt ergriff.
„Nun, sehr erfreut, Miss Tyler. Sind Sie nicht in Begleitung? Eine Frau ihres Alters und ihrer Schönheit – verzeihen sie – sollte nicht…"
Rose lächelte, auch wenn sie innerlich die Augen rollte. War ja klar, dass auch in einer veränderten Realität die Frauen immer noch einen Mann als Aufpasser brauchten. „Keine Sorge. Ich bin mit dem Doktor hier. Er ist da drüben", erklärte sie und zeigte unauffällig in Richtung ihres Gefährten.
„Ich verstehe", erwiderte der Melonenmann vorsichtig. „Da ich bei Ihnen keinen Ehering sehe, nehme ich an, dass er Ihr Bruder ist."
Rose wollte zuerst zustimmen, doch dann packte sie der Schalk im Nacken. Außerdem sträubte sich alles in ihr bei dem Gedanken, den Doktor als ihren Bruder zu bezeichnen. Armer Tony. Wir holen dich wieder.
„Um ehrlich zu sein, ist er nicht mein Bruder", sagte Rose und zwinkerte ihrem Gegenüber zu. Dieser errötete und räusperte sich.
„Aber was ist mit Ihnen?" fragte Rose schließlich, als der arme Mann nur verlegen zu Boden blickte. „Ich hätte schwören können, dass wir ohne sie gestartet sind."
„Nun ja, beinahe", erwiderte er verlegen. „Mein Taxi geriet in einen Verkehrsstau. Aber ich konnte das Luftschiff zum Glück noch erreichen, bevor sie die Gangways eingefahren haben. Das war sozusagen ein Zustieg in letzter Sekunde", meinte er und grinste. Rose erwiderte sein Grinsen jedoch nicht. Irgendetwas war hier seltsam. Sie wusste nur noch nicht, was.
Rose' Kopfschmerzen wurden im Laufe des Tages besser und nach einigen Stunden an Bord waren sie schließlich gänzlich verschwunden. Sie und der Doktor nutzten die Zeit, um die anderen Passagiere kennen zu lernen und sich ein Bild von der Crew zu machen. Insgesamt waren neben ihnen beiden 72 Passagiere an Bord, überwiegend reiche Bürger des römischen Reiches. Doch auch zwei Wissenschaftler des Caesar-Instituts, einem auf dem technischen Bereich führenden Institut, und ein Priester waren zugegen.
„Eine bunt zusammengewürfelte Truppe", stellte der Doktor heiter fest, während er an dem bunten Cocktail nippte und der gediegenen Musik des Pianos lauschte. Zumindest sah es für den unbeteiligten Beobachter so aus. Rose jedoch sah, wie seine Augen unauffällig von Fahrgast zu Fahrgast huschten.
„Man könnte meinen, sie tratschen über uns", meinte er nachdenklich und deutete mit dem Kopf in Richtung einer Gruppe Damen, wie hinter vorgehaltener Hand tuschelten.
„Tun sie wahrscheinlich auch", sagte Rose grinsend. „Wir tragen keinen Ehering und ich habe eventuell fallen gelassen, dass du nicht mein Bruder bist." Sie setzte ein wölfisches Grinsen auf.
„… und den guten Damen so jede Menge Stoff zum tratschen geliefert. Verstehe."
Rose rollte die Augen. „Ich bitte dich. Wir beide – Bruder und Schwester? So weit reichte meine Vorstellungskraft einfach nicht."
In diesem Moment hellte sich seine Miene auf, doch noch bevor er etwas erwidern konnte, wurde Rose von hinten an der Schulter angerempelt und stolperte gegen den Doktor.
„Hey, passen Sie doch auf!" rief sie und rieb sich die schmerzende Stelle. Als sie sich umwandte, sah sie einen Mann von etwa 40 Jahren, der einen Smoking mit weißem Hemd und Fliege trug. Er hatte rotes Haar, was er in einem Seitenscheitel streng zur Seite gekämmt hatte und stechende, blaue Augen. Diese jedoch waren weit aufgerissen und musterten Rose mit gehetztem Ausdruck.
„Entschuldigen Sie, Miss. Ich habe nicht aufgepasst. Überall diese Stimmen. Das macht einen doch einfach wahnsinnig, finden Sie nicht?"
Rose runzelte die Stirn. „Mein Name ist Rose Tyler und das ist der Doktor."
Bei dem Wort „Doktor" versteifte sich ihr gegenüber jedoch schlagartig und sein Ausdruck wurde sogar noch aufgeregter. „Sie sind Doktor? Hoffentlich nicht einer von denen! Ich sage Ihnen, mich kriegen Sie nicht wieder in die Finger. Lieber stürze ich mich geradewegs aus der Ladeluke!"
Rose trat vorsichtig einen Schritt auf den Mann zu und sagte beruhigend: „Keine Sorge. Der Doktor ist keiner von denen. Vielmehr interessiert er sich für… außergewöhnliche Geschehnisse und geht diesen auf den Grund." Sie trat noch einen Schritt näher an den Rotschopf heran und flüsterte verschwörerisch: „So auch diese Stimmen. Ist doch schon eigenartig, finden Sie nicht?"
Sofort nickte der Mann eifrig und blickte sich um. „Außer uns scheint sie jedoch niemand zu hören. Dabei schwöre ich Ihnen, ich bin nicht verrückt, auch wenn die es gesagt haben."
Der Doktor klatschte begeistert in die Hände und deutete auf einen der Tische. „Was halten Sie davon, wenn wir uns setzen. Dann können Sie uns erzählen, was Sie so beobachtet haben. Und vielleicht kommen ich und meine … Assistentin der Sache auf die Spur."
Begeistert willigte der Mann ein. „Dann glauben Sie mir also? Sie glauben an die Stimmen und dass ich nicht verrückt bin?"
Der Doktor setzte sich gut gelaunt dem Mann gegenüber an den Tisch und musterte ihn interessiert mit schief gelegtem Kopf. „Selbstverständlich! Verrückt sind die wenigsten … auch wenn diese Quacksalber es gerne behaupten. Oft hat das Hören von Stimmen oder das Sehen von Dingen die sonst keiner sieht einen einfachen Grund – den, das da wirklich etwas ist. Also: Was genau sagen Sie denn, die Stimmen?"
Noch bevor Rose die Antwort des Mannes hören konnte, verschwamm plötzlich ihre Sicht und die hatte für einen Moment ein Fiepen im Ohr.
Als ihre Sicht wieder aufklarte, sah sie den rothaarigen Mann plötzlich durch den Eingang der Bar taumeln und einen Mann im Smoking anrempeln. Dabei verschüttete dieser etwas von seinem Drink auf den Boden. „Hey, passen Sie doch auf, Sie Idiot!" Der rothaarige entschuldigte sich verlegen, was jedoch nur dazu führte, dass der Andere ihn noch weiter beschimpfte. Schließlich schlurfte ihr Bekannter mit hängenden Schultern davon und ließ sich auf einen der Hocker an der Bar sinken, wo er prompt einen Drink bestellte.
„Findest du nicht auch – Rose?" Die Stimme des Doktors riss sie aus ihrer Trance und sie blickte sich verwirrt am Tisch am. Dort saß der rothaarige Mann im Smoking und schien in ein angeregtes Gespräch mit dem Doktor vertieft zu sein. Dabei war er doch gerade … oder war er nicht? Rose schüttelte verwirrt den Kopf, woraufhin der Doktor sie besorgt musterte.
„Rose? Ist alles in Ordnung? Du wirkst blass…" fragte er und legte ihr sanft die Hand auf den Unterarm.
„Sind es die Stimmen? Haben Sie sie gehört, Miss?"
Rose wandte sich dem Doktor zu und schüttelte den Kopf. „Ehrlich gesagt weiß ich es nicht."
