Justice
Wahrheit
Teil 12
Eben jener stand seit geraumer Zeit bei den Halliwells im Wohnzimmer und machte Terror, wollte endlich wissen wo Chris war und liess sich selbst von Leo nicht beruhigen.
"Wir wissen es doch selber nicht, er kam und ging und wir warten selber!" Piper sah Kiran verständnislos an. "Du solltest zum Hotel zurück, er wollte doch wieder zu dir kommen oder?"
"Wird er aber nicht. Ich weiss es. Ihr könnt ihn erreichen! Warum tut ihr es nicht?"
"Wir können was?" Piper sah ihn fragend an. "Und wie können wir ihn erreichen?"
"Was weiss ich! Ihr kennt ihn länger als ich..." Kiran hibbelte unruhig herum, murmelte undeutliche Worte. "Ich fühl ihn nicht, ich fühl ihn nicht. Er muss weg sein. Weit weg..." Er trat wieder vor Leo. "Versuch zu ihm zu
kommen! Es geht nicht! Nicht wahr? Du hast es schon versucht!"
"Wovon redest du?" Die Schwestern und auch Leo sahen ihn nun fragend an. "Was bist du?", fragte alle Vier im Chor.
"Wieso heisst es hier immer gleich 'Was bist du'? Ist doch egal wer ich bin, ich weiss wer ihr seid und wer Chris ist und dass er nicht in dieser Welt ist. Jedenfalls gerade nicht!"
"Du weisst wer wir sind?" Die Schwestern gingen sofort in Angriffstellung und Leo griff sich Kiran am Kragen. "Was hast du mit Chris gemacht?"
"Lass mich!", fauchte Kiran und erstarrte. "Geh zu ihm...er ist zurück...los!"
"Was?" Leo fühlte in sich hinein und sah dann zu Piper, die langsam nickte. Kaum das Leo das Okay seiner Frau hatte, beamte er sich zu Chris.
"Woher weisst du das alles?", fragte Piper nun Kiran. "Du spürst ihn? Du spürst Chris?"
"Ich und er...wir beide...na ja...du weisst schon und das...verbindet eben..."
"Dann, wenn du weisst wer er ist, weiss er auch was du bist?"
Leo war nun endlich bei seinem Sohn angekommen und erschrak, als er ihn sah, sofort beamte er sich zurück ins Haus der Halliwells, denn von weitem waren schon die Polizeisirenen zu hören.
Piper schrie entsetzt auf, als sie Chris in Leos Armen erblickte. "Oh mein Gott!" Unweigerlich schossen ihr Tränen in die Augen. "Leo...ist er...ist er..." Mit zittrigen Fingerspitzen strich sie Chris ein paar verschwitzte
Fransen aus der Stirn.
"Nein.. noch nicht...", flüsterte Leo und begann ihn langsam zu heilen, zumindest die gröbsten Verletzungen konnte er so behandeln.
Piper lief hinter ihm her die Treppe hoch, wo Leo Chris in ihre Bett legte. Auch Kiran folgte den beiden und beobachtete alles mit immer grösser werdenden Entsetzen, welches sich auch nicht dadurch verringerte, dass
Phoebe und Paige ihm zur Seite standen und ihn festhielten.
Chris erwachte nicht, als Leo ihn geheilt hatte. Die Kräfte des Wächters waren erschöpft und er konnte nun nichts mehr für ihn tun. Phoebe und Paige, hielten Kiran fest und blickten dennoch entsetzt auf ihren Neffen.
"Wer hat ihm das nur angetan?", fragte die beiden immer wieder.
Kiran riss sich nun los und ging neben dem Bett in die Knie. Behutsam nahm er Chris' Hand in die Seine und küsste die Fingerspitzen. "Bitte, Baby, bleib bei mir...", hauchte er und strich mit der anderen Hand über die
blasse Wange seines Freundes. "Bitte, bitte tu mir das nicht an..." Kirans Augen schlossen sich, doch ein Wind, der durch das Zimmer rauschte wirbelte seinen Pony hoch und legte ein stark leuchtendes Zeichen in Form
eines Sterns frei.
Die Schwester sahen erstaunt auf die beiden Männer vor sich und auch Leo wich etwas zurück und beobachtete es schweigend.
Erst als Chris die Augen endlich aufschlug legte sich der Wind und Kiran beugte sich zu ihm. "Es tut mir so leid Baby...ich konnte dich nicht schützen...bitte verzeih mir..."
Chris Augen jedoch waren leer, kein Ton kam über seine trockenen, spröden Lippen und er wandte den Blick ab, konnte und wollte Kiran nun nicht ansehen.
Kiran biss sich auf die Lippen. Dann richtete er sich auf. "Dafür werden sie büssen! So was dürfen sie einfach nicht tun! Das ist...einfach nicht gerecht!" Wieder fegte ein Wind durch das Zimmer. "Ich werd für Gerechtigkeit sorgen, mein Liebster. Sie werden nie wieder jemandem etwas antun..." Damit wandte Kiran sich zum Gehen und drängte sich an Phoebe und Paige vorbei aus dem Zimmer.
"Kiran!" Piper hielt ihn am Handgelenk fest. "Wo willst du hin? Du kannst Chris jetzt nicht allein lassen, er braucht dich! Er liebt dich!"
"Ich liebe ihn doch auch. Mehr als alles andere und deswegen muss ich das jetzt erledigen." Kiran machte sich sanft los und polterte die Treppe hinab und stürmte dann aus dem Haus.
Erst nach und nach drangen nun Kirans Worte in Chris' Geist vor und Erkenntnis machte sich in ihm breit.
"Nein...", flüsterte Chris auf dem Bett und sah zu Leo. "Du darfst das nicht zulassen, nicht wieder... er ist es... er ist es..."
"Was? Was ist er?" Leo setzte sich zu seinem Sohn und hielt ihn behutsam fest.
"Kirin...", flüsterte Chris und sah seinen Vater flehend an. "Bitte halt ihn auf... bring ihn zu mir."
"Er ist...das Kirin? Aber wie...ich meine...wie soll man ihn aufhalten? Er will Gerechtigkeit für das was dir widerfahren ist...natürlich..." Nun fiel es auch Leo wie Schuppen von den Augen und er blickte zu den drei
Schwestern.
Diese sahen sich fragend an. "Gibt es eine Möglichkeit ihn aufzuhalten? Wir könnten ihn herrufen und einen Bannkreis erstellen, dann könnte er zumindest nicht mehr fort."
"Ein wütendes Kirin festhalten?" Leo sah zweifelnd aus. "Zudem...soll er diese Mistkerle erledigen..."
Chris jedoch widersprach. "Er.. er wird keine Chance haben...er...ich..." Chris war eindeutig zu schwach um weiter zureden, aber Tränen standen in seinen Augen.
Derweilen hatte Kiran sich auf den Weg in die Unterwelt gemacht. Chris' Spur der Angst zu folgen war nicht schwer und schliesslich trat er das Tor zur Festung von Kronos ein!
Die Dämonen blickte zur Tür und grinsten. "Uhh.. neues Frischfleisch, der von vorhin war ja leider zu schnell wieder verschwunden."
"Ihr...", fauchte Kiran und noch während die Dämonen hämisch grinste umgaben den Jungen blaue Flammen, verschluckten ihn und aus ihnen stieg ein wahrer Teufel in Form eines Kirins empor.
Die Vier richteten sich auf und griffen zu ihrem Waffen. "Du wagst es?"
Das Kirin schnaubte nur und trat auf die Männer zu, das Horn als Waffe gesenkt. 'Ihr werdet büssen!', erklang seine Stimme in den Köpfen der Dämonen.
Diese verteilen sich nun um mit dem Wesen vor ihnen zu kämpfen. "Niemand wird hier büssen...", keifte Kronos und griff das Kirin an.
Doch dieses fuhr nur einmal kurz herum und Horn prallte auf Klingen welche in tausend Stücke zerbarst. 'Niemand vergreift sich an meine Seele!'
Methos schluckte, als ihm klar wurde, was das Geschöpf meinte. "Hab ich nicht gesagt, dass war eine dumme Idee..?"
"Aber du hast nichts von einem wildgewordenen Kirin erzählt!", schrie Kronos, während er zurückwich.
"Woher sollte ich denn das wissen?" Just in dem Moment wurde Methos von dem Kirin regelrecht niedergetrampelt und versuchte das Horn mit seinem Säbel abzuwehren, als das Fabelwesen mit einem mal von ihm abliess. 'DU warst nicht dabei..!', schnaubte es und keilte nach hinten aus und schmetterte Silas an die Wand, vergass dabei aber die beiden anderen Gegner.
Diese griffen nun von der Seite an und warfen sich fast auf das Wesen.
Durch Buckeln versuchte Kirin den Ballast wieder abzuwerfen.
Doch die Dämonen schienen genau zu wissen was sie taten und Kronos rammte seinen Dolch in die Flanke des Kirins.
Welches mit einem Schrei herumfuhr und dem Dämonen mit seinem Horn die
Schwerthand abschlug. Schnaubend starrte es seinen Gegner an.
Nun standen nur noch zwei von ihnen auf ihren Beinen. "Verschwinde endlich!" keuchte Caspian und ging wieder auf das Wesen zu. "Du hast keine Chance."
'Nicht ehe ihr alle Drei zerstört seit...'
"So einfach ist das nicht bei Unsterblichen...", keuchte Kronos und nahm sein Schwert mit der verbleibenden Hand wieder auf.
Auch Silas hatte sich nun wieder erhoben und stand neben Caspian. Methos war der einzige, der hinter dem Kirin stand und sich nicht mehr am Kampf beteiligte.
Was dem Kirin ziemlich egal war, so lange es nur jene vernichten konnte, die Chris Unrecht angetan hatten. Vor Wut schäumend stand es vor den Dämonen und stampfte immer wieder auf, liess die Erde zittern, um den Gegnern das Gleichgewicht zu nehmen.
"Meinst du ehrlich uns so besiegen zu können?"
Kirin stampfte erneut auf und brachte damit immerhin einen der Dämonen zu Fall. Kaum dass Silas am Boden lag, trat Kirin zu. Der Kopf des Dämonen wurde unter der Wucht des gewaltigen Hufes regelrecht zerquetscht und zersprang wie eine überreife Wassermelone.
Sofort wichen die anderen beiden zurück und blickten erschrocken auf ihren
Toten Kameraden.
Doch Kirin war noch lange nicht fertig mit ihnen und stürmte mit gesenktem Horn auf sie zu.
Die Dämonen hielten nicht mehr lange durch, ehe das Horn des Tieres sie durchbohrte.
Nun war Kirin aber auch völlig fertig und blickte misstrauisch zu Methos. Nur noch geballte Willenskraft hielt es aufrecht.
"Du solltest lieber gehen, ehe die anderen Dämonen es merken...", sagte dieser und trat zur Seite.
Kirin schnaubte und schritt an Methos vorbei, versuchte schnellst möglich die Unterwelt zu verlassen. Doch hinter sich zog es eine Spur aus silberfarbenen Blutflecken.
Leo hatte sich inzwischen von seinem Sohn überreden lassen und war selber in die Unterwelt gekommen um Kiran zu suchen, eigentlich nicht Kiran, sondern dessen anderes ich, was nun leibhaftig vor ihm stand. "Kiran...
Kirin, ich soll dich zu Chris bringen...", sagte er und ging langsam auf das Fabelwesen zu.
Welches im ersten Moment zurück wich und mit der Hinterhand einknickte. Die Schwerthiebe hatten teils klaffende Wunden hinterlassen und besonders aus einer am Hals sickerte unablässig Blut.
"Lass mich dir helfen...", sagte Leo und trat näher.
Misstrauisch beäugte das Kirin den Zweibeiner, stützte seinen Kopf, aber schon auf seinem Knie ab und schnaubte schliesslich ergeben.
Also trat Leo erneut näher, doch immer noch recht vorsichtig, da er genau wusste, das ein Kirin kein ruhiges Schmusetier war. Er berührte es nur mit einer Hand, dann beamte er sich und das Wesen zurück in das Halliwell
Haus.
Etwas ungeschickt, war das Wohnzimmer doch recht eng. Kirin erkannte das und begann schwach, dann immer stärker zu leuchten, bis es schliesslich wieder menschliche Gestallt angenommen hatte.
Leo war sofort an seiner Seite um den bewusstlosen Kiran aufzufangen und auf das Sofa zu legen. Überall hatte er offene Wunden und Verletzungen um die sich der Wächter nun kümmerte, doch reichte es nicht für alle, hatte er doch kur vorher auch seinen Sohn heilen müssen und selbst dieser war noch nicht wieder ganz gesund.
Und seltsamerweise schien Kiran über keinerlei Selbstheilungskräfte zu verfügen, wie man es sonst von einem Einhorn annehmen sollte.
Also heilte Leo erst einmal alle grösseren Wunden und blickte dann auf Piper die neben ihn getreten war. "Wie geht es Chris?", fragte er leise.
"Er schläft endlich. Die meisten äusseren Verletzungen sind verheilt...was ist mit Kiran?"
"Er wird wieder, auch wenn es seltsam ist, das er sich nicht selber heilen kann, aber er braucht Schlaf, vielleicht sollten wir ihn in..." Leo senkte den Blick und schüttelte den Kopf darüber, das er das wirklich vorschlug.
"Vielleicht sollten wir ihn in Chris Bett bringen."
"Warum nicht? Sollen sie sich gegenseitig stärken und hey...guck mal..."
Kiran hatte die Augen aufgeschlagen und sah sich verwirrt um. "Wo sind..."
"Hey..." Leo lächelte ihn an. "Ich hab dich in der Unterwelt aufgelesen, du sahst ziemlich ramponiert aus...", sagte er und deutete auf die kleineren Verletzungen.
"I-ich kann nicht...", brachte Kiran mühsam hervor, die Halsverletzung hinderte ihn noch immer ziemlich am Sprechen. "Ich hab keine...", kam es deshalb nur krächzend von ihm und er schnappte nach Luft.
"Was?", fragte Leo leise. "Was hast du nicht?"
"Meine...Selbst...heilungs...kräfte sind...weg..."
Leo sah wieder zu Piper und dann erneut auf Kiran. "Du bist sehr erschöpft, sicher wird es nur daran liegen, du solltest dich nun ausruhen, genau wie Chris."
"Nei..n, Chris hat...sie...aber...ist...ist okay...braucht sie..."
Leo schüttelte leicht den Kopf und berührte Kiran um ihn und sich nach oben in Chris' Zimmer zu beamen. "Kiran, du solltest sie dir wieder zurückholen. Chris geht es gut, viel besser als dir." Zum Beweis deutete er auf Chris, der tief und fest schlief und dem man fast nichts mehr davon ansah, was geschehen war.
Kiran blickte ihn traurig an. "Aber er...er..." Mühsam zog der blonde Junge Luft in seine Lungen. "Er ist so schwach...", brachte er dann hervor, schnappte aber sofort wieder angestrengt nach Luft.
"Chris geht es gut, sein Körper ist gesund, seine Seele ist es die leidet, doch das kann niemand heilen, keine Selbstheilungskräfte und auch ich nicht... nur er selbst."
Schwach griff Kiran nach Chris' Hand und zog sich an seine Lippen. "Ich würde dir so gern helfen...", erklang seine Stimme leise in Chris' Kopf, bis tief in seinen Traum hinein.
"Du kannst ihm nur helfen, wenn du selber wieder gesund wirst...", sagte Leo und stand dann auf. "Ich denke ich sollte euch allein lassen."
