Kapitel 11
In San Simeon angekommen, wurde Sara im Therapiezentrum gleich von Dr. Sloan in Empfang genommen.
„Sara, schön sie wohlbehalten in San Simeon zurück zu haben."
Die Ärztin blickte auf ihre Uhr und bemerkte wie spät es schon war.
„Ich möchte gerne mit ihnen über ihren Aufenthalt in Las Vegas und die Verhandlung sprechen. Da es aber schon so spät ist, schlage ich vor, wir unterhalten uns Morgen darüber. Erholen sie sich erstmal. Ich denke die Verhandlung war nicht leicht für sie. Wir sprechen uns morgen früh."
Sara war zu müde, um etwas dazu zu sagen, und nickte nur. Die Frauen verabschiedeten sich voneinander, bevor sich ihre Wege trennten.
Erschöpft ließ sich Sara auf ihr Bett fallen, als sie ihr Zimmer erreichte. Ihre Gedanken kreisten immer wieder um die letzte Nacht mit Grissom.
Was habe ich nur wieder getan? Vor allem was habe ich Grissom angetan. Er muss sich benutzt vorkommen. Ich habe ihn benutzt um mich besser zu fühlen. Und jetzt geht es mir schlechter als vorher. Hoffentlich beeinflusst das nicht meine Therapie. Gerade wo ich von mir selber sagen kann, dass ich Fortschritte gemacht habe. Ich muss versuchen ihn aus dem Kopf zu bekommen und an mich selber denken.
Sara war so müde, dass sie es nicht mehr in ihre Schlafsachen schaffte und in ihren Klamotten einschlief, die sie während des Fluges anhatte.
Am nächsten Tag ging Sara zum Frühstück, wo sie auf die anderen Frauen vom Therapiezentrum traf. Sara war nie ein geselliger Mensch, doch unter den Frauen fühlte sie sich wohl. Sie hatten alles das Gleiche durchmachen müssen. So wussten sie auch, was Sara bei der Verhandlung durchgemacht hatte. Genauso wussten sie, dass Sara jetzt nicht darüber sprechen wollte. So begrüßten sie Sara herzlich und versuchten sie so gut wie möglich abzulenken.
Gestärkt durch das Frühstück und den Small Talk mit den Frauen, ging Sara zu Dr. Sloans Büro, wo sie schon von der Ärztin erwartet wurde.
„Guten Morgen, Sara."
Sara nahm platz und begann ihr Gespräch mit der Ärztin. Tapfer berichtete Sara ihr den Verlauf der Verhandlung. Das Ganze noch mal Revue passieren zu lassen, wühlte Sara sehr auf. Dr. Sloan bemerkte, dass irgendetwas mit Sara nicht stimmte. Ihre ärztliche Intuition sagte ihr, dass irgendetwas vorgefallen sein musste. Sie ließ Sara aber in Ruhe weiter berichten, bevor sie ihre Fragen stellte. Nachdem Sara meinte, alles Wichtige erzählt zu haben, reichte Dr. Sloan ihr ein Taschentuch, da Sara den Kampf gegen ihre Tränen verloren hatte, während sie sprach.
„Wie haben sie reagiert, Sara, als sie ihre Kollegen wieder trafen?"
Saras Lächeln war Dr. Sloan eigentlich schon Antwort genug, aber Sara beantwortete ihre Frage.
„Der erste Moment war merkwürdig. Ich hatte Angst, wie sie auf mich reagieren, da ich sie vor meiner Zeit in San Simeon nicht gerade wie Freunde behandelt habe. Aber als ich ihre freudigen Gesichter sah und sie mich herzlich in Empfang genommen hatten, habe ich mich gefreut und gleichzeitig geborgen gefühlt. Ohne sie hätte ich die Verhandlung nicht überstanden."
„Es freut mich, dass sie ihre Kollegen wieder an ihrem Leben teilhaben lassen. Das ist wichtig für sie und wird auch wichtig für ihre Zukunft sein."
Sara versuchte sich auf das Gespräch zu konzentrieren, aber ihre Gedanken schweiften immer wieder ab zu Grissom. Sie sah immer wieder seinen verletzten Gesichtausdruck vor Augen. Dr. Sloan bemerkte Saras Abwesenheit und überlegte, was oder wer der Grund sein konnte.
„Sara, ich kann mich gut an den Tag erinnern, als Dr. Grissom sie hierher brachte. Ihre Bindung war kühl, aber dennoch hatte ich das Gefühl sie beide verbindet noch etwas anderes. Etwas Besonderes.
Ist es so offensichtlich, oder ist Dr. Sloan eine so gute Ärztin, dass sogar sie, die uns nur kurz zusammen gesehen hat, mitbekommen hat, dass etwas zwischen mir und Grissom ist. Eigentlich war und ist da ja nichts. Wir hatten lediglich Sex. Ein One-Night-Stand. Was rede ich mir da eigentlich ein? Für mich war es mehr als das. Nur kann ich es nicht zu geben.
„Mich verbindet mit Dr. Grissom einzig die Tatsache, dass wir Kollegen sind. Er ist mein Vorgesetzter.", versuchte Sara emotionslos rüber zu bringen.
„Und wie was das Aufeinandertreffen mit ihm?"
Dr. Sloan bemerkte an Saras Reaktion, dass sie die
richtige Frage gestellt hatte. Denn Sara rutschte nun unwohl auf
ihrem Stuhl hin und her.
Soll
ich ihr jetzt wirklich die Wahrheit erzählen? Klar, ich war sauer
auf ihn, dass er mich nach San Simeon gezerrt hat, aber mittlerweile
bin ich ihm dankbar.
„Ich habe mich auch gefreut ihn wieder zu sehen."
Die beiden Frauen sahen sich abwartend an. Sara hoffte, dass Dr. Sloan nicht weiter nachfragen würde, doch der Blick der Ärztin verriet ihr, dass diese gerne mehr erfahren würde.
„Dr. Grissom und ich kennen uns schon sehr lange. Wir haben uns auf einer Konferenz der Forensic Academy, am College von San Francisco getroffen. Dr. Grissom war damals Gastdozent für ein Forensik-Seminar.
Sara erzählte der Ärztin noch, wie sie nach Las Vegas kam und wie das Verhältnis zwischen Grissom und ihr in der Zeit war. Sie gab Dr. Sloan aber einen Grund zu denken, dass sie in Grissom verliebt war. Die erfahrene Psychologin erkannte aber anhand Saras momentaner Zurückhaltung, dass es mit ihm zu tun haben musste, das zwischen Sara und Grissom irgendetwas vorgefallen war. Für heute war es allerdings genug.
„Ich würde sagen, wir reden dann Morgen weiter. Sollten sie den Drang verspüren, mit jemandem reden zu wollen, sie wissen ich bin jederzeit für sie da.", gab sie Sara lächelnd zu wissen.
„Danke.", sagte Sara noch, bevor sie sich schnellen Schrittes zu ihrem Zimmer begab.
So recht
wusste Sara nichts mit sich anzufangen. Sie hatte jetzt absolut keine
Lust auf die Aktivitäten im Therapiezentrum. Das war das Gute, dass
es keine Pflicht war,daran teilzunehmen. Sara stand vor ihrem Fenster
und starrte auf das Meer, wo die anderen Frauen sich gerade beim
Schwimmen vergnügten. Sie war beeindruckt, wie manche von ihnen
trotz ihrer Narben, die einige von ihren schrecklichen Erlebnisse
davon getragen hatten, so her zeigen konnten. Sara hingegen lief
trotz der Wärme mit Jeans und Longsleeve rum, wo die Ärmel fast bis
zu den Fingern reichten.
Wieder kamen ihr die Gedanken an Grissom.
Sie plagte noch immer das schlechtes Gewissen.
Sollte
ich wirklich ein schlechtes Gewissen haben? Grissom hat mich oft
genug verletzt. Aber ich weiß, dass es nicht vergleichbar ist, mit
dem, was ich ihm angetan habe.
Sara schnappte sich etwas Kleingeld aus ihrem Nachtschrank und ging zum Münztelefon, welches sie seit einigen Wochen benutzen durfte. Sie wählte Grissoms Nummer, welche sie im Kopf hatte. Doch bei der letzten Ziffer versagt ihr mal wieder der Mut. Enttäuscht von sich selbst, ging Sara zurück in ihr Zimmer.
Es war jetzt nun schon einen Monat her, seit der Gerichtsverhandlung. Sara hatte seitdem nichts von sich hören lassen. Außer Grissom schrieb sie allen Briefe. Catherine hatte sogar mit ihr telefoniert, um den Besuch abzusprechen. Grissom griff in seine Schublade und holte das Bild raus, welches er in Saras Wohnung fand. Sie lächelte ihn auf dem Foto so an, dass bei diesem Anblick ebenfalls ein Lächeln sein Gesicht erhellte. Das gab ihm Mut. Er wählte die Nummer, die ihm als Erstes zu Info des Therapiezentrums leitete. Doch bevor das erste Freizeichen ertönte, kam Catherine in sein Büro, was ihn dazu bewegte, schnell wieder aufzulegen.
„Stör' ich?", fragte sie.
„Nein. Geht niemand ran,", log er.
„Willst du darüber reden?", fragte Catherine, die bemerkte, dass mit ihm etwas nicht stimmte.
„Es gibt nichts, worüber wir reden sollten. Ich bin nur froh, dass Shelton hinter Gitter ist und ich hoffe, dass Sara jetzt erfolgreich und in Ruhe ihre Therapie in San Simeon zu Ende bringen kann.", versuchte er Catherine abzuwimmeln, was ihm auch gelang. Auch wenn Catherine nur aufgab, da sie wusste, dass Grissom nicht mit ihr reden würde.
„Na gut, mach' aber nicht mehr lange. Wir treffen uns morgen Punkt 8.00Uhr am Flughafen. Wir wollen vorher noch etwas frühstücken", informierte sie ihn.
„Ich kann nicht mitkommen, Catherine."
„Was?", fragte sie entsetzt.
„Sara freut sich auf uns."
Sicher
nicht auf mich!
„Sag' ihr bitte von mir liebe Grüße, aber ich muss den Fall noch bearbeiten. Und das wird noch einige Zeit dauern. Sie wird es verstehen."
„Das ist nicht dein Ernst, oder doch? Du weißt, wie sehr sie uns momentan braucht. Denkst du nicht sie, wird enttäuscht sein? Das tut ihr sicher nicht gut. Fall hin oder her. Die Leiche läuft dir sicher nicht weg.", gab Catherine schroff zurück.
Sie hasste es, wenn Grissom so war. Wusste aber genau, sie würde jetzt gegen eine Wand reden. Seine Entscheidung stand fest und die würde er auch nicht ändern.
Sara braucht mich ganz sicher nicht. Das hat sie mir allzu verständlich gemacht.
„Deine Entscheidung steht fest?", fragte Cath, obwohl sie die Antwort schon längst kannte.
„Ja", antwortete er matt und wandte sich wieder seinem Papierkram zu.
Kopfschüttelnd verließ Catherine daraufhin sein Büro und konnte sich den Kommentar: ‚so wird das nie was', nicht verkneifen.
Am nächsten Tag war es dann soweit. Nick, Warrick, Catherine und Greg waren voller Vorfreude Sara wieder zu sehen und hofften, dass Sara weitere Fortschritte gemacht hatte. Es war mittags, als sie ankamen. Sara wartete schon am Eingang auf ihre Freunde. Sie war etwas enttäuscht zu sehen, dass Grissom nicht dabei war. Auch wenn sie es geahnt hatte und ihm nicht böse sein konnte.
„Sara!", rief Greg schon von weitem und war der Erste, der sie in seine Arme schloss.
Sie begrüßte auch die anderen Drei so herzlich, wir Greg und war überwältigt von dem Gefühl der Freude, das sie ihr übermittelten. Vor Rührung rann ihr eine einzelne Träne an der Wange runter, als sie in der Umarmung von Warrick war.
„Hey Cookie. So schlimm uns zu sehen?", neckte Warrick sie liebevoll.
Dafür schlug Sara ihm spielerisch auf die Schulter.
„Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich freue euch zu sehen."
Sara zeigte ihnen die Anlage und ihr Zimmer. Als Dr. Sloan ihnen über den Weg lief, stellte sie ihnen auch ihre Ärztin vor, welche erfreut war zu sehen, was für positive Auswirkungen der Besuch hatte. Sara wirkte fröhlich und unbeschwert.
„Ich zeige euch jetzt meinen Lieblingsplatz", sagte Sara zu ihren Freunden, als Dr. Sloan sich wieder von ihnen verabschiedete.
Die Vier waren gespannt, was Sara für einen Lieblingsplatz hatte, denn sie führte ihre Freunde durch ein Waldstück, entlang des Meeres.
„Sind wir noch auf dem Grundstück vom Therapiezentrum?", fragte Nick, nachdem sie schon 10 Minuten unterwegs waren.
„Keine Ahnung, aber wir sind da.", sagte Sara, als sie an eine Art Bucht ankamen.
„Wow!", kam es gleichzeitig von Cath und Nick.
Die Bucht war klein mit einem Sandstrand. Ein kleiner Steg führte ins Wasser, auf dem die CSIs sich bewegten. Der Steg reichte 50m ins Meer. Als sie am Ende des Stegs ankamen, sahen sie erst die wirkliche Schönheit von Saras Lieblingsplatz. Man hatte einen schönen Blick übers Meer und die Sonne tat ihr Übriges. Sara setzte sich. Woraufhin die anderen sich neben sie setzten. Sie lehnte sich auf ihre Arme zurück und sog die frische Luft ein.
„Hier komme ich her, wenn ich die Gespräche satt habe und einfach nur meine Ruhe haben möchte.", informierte Sara ihre Kollegen mit geschlossenen Augen.
„Das ist wirklich wunderschön hier, Sara.", bemerkte Catherine.
Nach Catherines Worten kehrte eine lange Stille ein. Sie genossen die Sonne und die Melodie, die das Schilf spielte, bevor Nick die Stille unterbrach.
„Wie geht die Therapie voran, Sara?"
Verdammt Nick. Ich genieße gerade die Zeit mit euch und du fragst so etwas? Aber ich weiß ja, er macht sich nur Sorgen.
„Versteh' mich nicht falsch, Sara. Ich möchte nur wissen, wann du wieder bei uns in Vegas bist. Wir vermissen dich."
„Glaub mir, Nicky, ich vermisse euch auch. Aber die Therapie tut mir gut. Es gibt zwar gelegentlich Rückfälle, dennoch geht es weiter voran. Manchmal, vor allem wenn ich an diesem Platz bin, genieße ich die Zeit hier richtig. Kein lauter Las Vegas-Lärm, keine Leichen. "
„Noch nicht.", warf Greg grinsend dazwischen.
„Einfach keine Plätze, Gesichter oder sonst irgendetwas, was mich an Shelton erinnert.", fuhr Sara nachdenklich fort, ohne auf Gregs Kommentar zu reagieren.
Und kein verletzter Gil Grissom, dem ich unter die Augen treten muss.
Catherine bemerkte, wie tief Sara in ihren Gedanken hing. Sie wusste irgendetwas bedrückte Sara und hatte nichts mit der Entführung zu tun. Erst jetzt fiel ihr auf, dass Sara nicht einmal nach Grissom fragte. Für sie schien Sara also nicht verwundert zu sein, dass Grissom nicht mitgekommen war.
„Jungs? Holt ihr uns Mädels was zu trinken? Es ist ganz schön heiß hier draußen.", sagte Catherine und blickte dabei eindringlich zu Warrick, der sofort verstand.
„Was? Den ganzen Weg noch mal zurück und wieder her?" protestierte Greg.
„Komm' schon Greggo…", zerrte Nick seinen Freund nach oben und blickte ihn ernst an.
Greg hatte sofort verstanden und ging ohne weiteren Mucks mit Nick und Warrick zurück zum Therapiezentrum.
Sara hatte ihre Position nicht um einen Millimeter verändert. Noch immer streckte sie ihre Nase Richtung Sonne. Catherine tat es ihr gleich.
„Wie fühlst du dich?" fragte Catherine ohne ihre Position zu verändern.
Sara seufzte laut. Es behakte ihr noch immer nicht, mit anderen Leuten über ihr Gefühlsleben zu reden.
„Das hört sich nach einer schweren Last an,", kommentierte Cath Saras Seufzer.
Noch immer sprach Sara kein Wort. Lediglich ihre Gesichtsfarbe wurde etwas blasser.
„Lass' mich raten… Grissom?"
Als Antwort bekam Catherine die Tränen zu sehen, die sich in Saras Augen bildeten. Ein leichtes Nicken, bestätigte Catherines Vermutung. So langsam ergab alles einen Sinn. Weshalb Sara nicht nach Grissom fragte und dieser nicht mit nach San Simeon wollte.
„Was hat er jetzt wieder angestellt?" fragte Catherine ärgerlich.
Ihr blieben die ständigen Zurückweisungen seinerseits nicht verborgen.
„Er ist nicht schuld, Cath. Diesmal habe ich Mist gemacht.", gab Sara Catherine tränenreich zu wissen.
„Was ist passiert, Sara? Ihr saht bei der Gerichtsverhandlung noch so vertraut miteinander aus."
Sollte ich es Cath erzählen? Es geht sie eigentlich nichts an und es ist auch nichts, worüber man unbedingt mit anderen Leuten spricht. Aber sie ist eine Frau. Vielleicht versteht sie mich.
Ohne Cath an zublicken, öffnete sich Sara ihrer Kollegin.
„Nach der Verhandlung bin ich noch in mein Appartment gefahren. Ich hatte das dringende Bedürfnis zu duschen, da ich das Gefühl hatte, Sheltons Geruch noch immer an mir zu haben und mich einfach dreckig fühlte. Als ich aus der Dusche kam, stand Grissom in meiner Wohnung."
Catherine ahnte was jetzt kommen würde, wollte aber nicht so recht daran glauben, da Grissom, wie auch Sara nicht die Menschen für einen One-Night-Stand waren.
„Ich weiß nicht, was in mich gefahren war, aber in dem Moment, wo er vor mir stand, wollte ich mit ihm schlafen. Seine Berührungen und Gesten an dem Tag taten so gut, dass ich einfach nur dachte, mit Grissom zu schlafen würde all meine Erinnerungen an die Entführung löschen. Ich hoffte, ich würde mich danach besser fühlen."
„Und fühlst du dich besser?" fragte Catherine.
Sara schüttelte leicht ihren Kopf. Zum ersten Mal seit langer Zeit, sah Sara zu Catherine, die geschockt, aber zugleich mitfühlend anblickte.
„Oh, Sara.", sagte Catherine nur und nahm ihre schluchzende Kollegin in den Arm.
Wie, als würde sie ihre Tochter Lindsay nach einem verpatzten Date trösten, wiegte sie Sara in ihren Armen hin und her und strich ihr beruhigend über den Rücken. Aus Sara brach alles raus. Sie ließ sich in Catherines Arme sinken. Ihr war völlig egal, dass ihre Kollegin sie so am Ende sah.
Nach einigen Augenblicken entspannte sich Sara in der Umarmung ihrer Kollegin und mittlerweile auch Freundin. Saras schluchzen wurde weniger.
„Ich habe ihn benutzt, Catherine. Und danach habe ich ihn weggeschmissen wie ein Stück Müll. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass es mir nichts bedeutete und ich die ganze Zeit nur an Shelton dachte. Was hab ich nur getan?"
„Hey. Da gehören immer noch Zwei dazu. Grissom hätte auch nein sagen können. Er wusste genau, wie es zur der Zeit um deine Gefühle und Emotionen steht."
Sara löste sich aus der Umarmung und sah Catherine mit hochgezogener Augenbraue an. Catherine musste grinsen.
„Du hast Recht. Grissom und Gefühle, das passt nicht zusammen. Aber er hätte es trotzdem besser wissen müssen. War es denn für dich mehr als nur Sex?" fragte Cath unverblümt.
Sara löste sich ganz aus der Umarmung und starrte ins Wasser. Allein diese Reaktion war Catherine Antwort genug.
„Glaub mir, Sara, es ist mir nicht entgangen, dass du was für Grissom übrig hast. Seit du in Las Vegas bist, weiß ich, dass zwischen dir und Gil etwas Besonderes ist. Und es ist tragisch, dass ihr trotz der vielen Jahre noch immer nicht zueinander gefunden habt.", lächelte sie Sara an, die daraufhin ebenfalls lächelte.
„Ich denke der Zug ist endgültig abgefahren. Nachdem was ich Grissom, als ich ihm das letzte Mal sah, an den Kopf geknallte habe, will er mich wahrscheinlich nicht mal mehr im Labor haben."
Einzelne Tränen fielen aus Saras Augen ins Meer.
„Hey. Das glaub ich nicht. Ich weiß nicht, was du ihm genau gesagt hast und ich will es auch gar nicht wissen. Aber was ich weiß, ist, dass du für ihn mehr als nur eine Kollegin bist. Gib ihm etwas Zeit, bis er die Sache etwas verdaut hat. Du konzentrierst dich jetzt auf deine Therapie, denn ich habe keine Lust mehr die einzige Frau in der Nachtschicht zu sein. Glaub'mir, ich fange bald an mich wie ein Kerl zu benehmen.", lachte Catherine und brachte Sara wieder zum Lächeln.
„So gefällst du mir schon besser", sagte Cath und trocknete Saras Tränen mit ihrem Ärmel.
„Du schaffst das, Sara. Ich bin mir sicher, dass auch du bald ein glückliches Leben führen wirst und deine Vergangenheit hinter dir lassen kannst. Mit oder ohne Grissom."
„Ich hoffe es.", antwortete Sara leise.
Die Frauen genossen noch ein wenig die Stille, bevor die Jungs wieder kamen, bepackt mit mehreren Getränkedosen.
„Habt ihr den Getränkeautomat geplündert?" fragte Cath, als sie sah, welche Menge an Getränken sie mitbrachten.
„Naja, um euch Frauen alles recht zu machen, muss man eine große Auswahl haben. Und da ich meine Sara glücklich machen möchte, hab ich das komplette Sortiment mitgebracht", zwinkerte Greg Sara zu, die mit sich kämpfte nicht laut los zu lachen.
„Danke, Greggo. Mein Held."
Sara stand auf und ging auf ihre männlichen Kollegen zu. Vor Greg blieb sie stehen und verpasste ihm einen leichten Kuss auf die Wange.
„Jetzt kann ich zufrieden sterben.", meinte Greg erfreut.
„Sara! Was hast du getan? Greg wird sich die Wange nie wieder waschen.", scherzte Nick.
Alle lachten daraufhin laut los und amüsierten sich, wie so oft, auf Gregs Kosten. Sara wählte sich aus der Vielfalt der Getränke eine Orangen Limo aus und zusammen mit den Jungs setzte sie sich wieder zu Catherine. So verbrachten sie den Rest des Nachmittags. Sie unterhielten sich über die Arbeit und einige interessante Fälle. Nick berichtete stolz von seiner neuen Freundin, mit der er schon seit 2 Monaten zusammen war.
Die Stimmung war fröhlich und heiter. Sara fühlte sich so gut wie schon lang nicht mehr.
Ich könnte mich noch immer dafür Ohrfeigen, dass ich wirklich der Annahme war keine Freunde zu haben. Dabei habe ich die besten Freunde, die man sich vorstellen kann. Sie sind für mich da und schaffen es mich auf andere Gedanken zu bringen. So wohl habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.
Als die Sonne so langsam unterzugehen schien, machten sich die Fünf auf den Weg zurück zum Therapiezentrum.
Für Greg, Nick, Warrick und Catherine war es auch an der Zeit sich von Sara zu verabschieden. Ihr Taxi wartete schon.
Warrick und Nick verabschiedeten sich als Erste mit einer festen Umarmung.
„Mach's gut, Cookie und pass' auf dich auf.", sagte Warrick liebevoll.
„Es war schön dich wieder zu sehen, Sara. Und ich hoffe wir haben dich bald wieder im Lab zurück.", lächelte Nick ihr zur, bevor er und Warrick ins Taxi stiegen.
Greg nahm seine Freundin ebenfalls in den Arm und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
„Wenn du zurück bist, lad' ich dich zum Essen ein. Als Dank für den Kuss."
Grinsend wartete er auf eine Reaktion. Ganz unverhofft drückte Sara ihm erneut einen Kuss auf die Wange.
„Das macht noch einen DVD-Abend zusätzlich!", lachte sie ihn an.
„Dein Wunsch ist mir Befehl. Bis bald, Sara", verabschiedete sich Greg und stieg ins Taxi.
Catherine trat an Sara ran.
„Ich wünsche dir noch alles Gute für den Rest deiner Therapie. Du weißt, wenn du mit jemandem reden möchtest..."
„…ruf ich dich an", beendete Sara lächelnd Catherines Satz.
Cath zog Sara in ihr Arme.
„Das meine ich ernst, Sara. Mir liegt sehr viel daran, dass es dir gut geht und du glücklich wirst."
„Danke, Cath. Das weiß ich zu schätzen. Auch wenn ich mich frage, womit ich das verdient habe, nachdem ich euch so vor den Kopf gestoßen habe, als ihr euch um mich gesorgt habt und mir helfen wolltet."
„Mach' dir keine Gedanken darüber. Das haben wir längst alle vergessen. Wir lieben dich und sind froh, dass es dir besser geht. Wir wollen, dass du wieder die alte Sara wirst. Und glaub' mir, das mit Grissom wird schon."
„Ich hoffe es."
„Das wird es."
„Danke, Cath. Für Alles."
„Gern geschehen, Sara. Bis bald.", sagte Cath lächelnd und stieg dann zu den Anderen ins Taxi.
Sara winkte ihnen noch hinterher, bevor sie sich wieder ins Haus begab, wo sie auf Dr. Sloan traf.
„Der Nachmittag scheint sehr schön gewesen zu sein?"
„Das war er wirklich. Ich bin froh, dass meine Freunde mich besucht haben."
„Freunde? Ich dachte es wären ihre Kollegen?"
„Sind sie auch.", lächelte Sara ihr nur zu.
„Fühlen sie sich besser?"
„Definitiv!", gab Sara zufrieden von sich.
Sie verabschiedete sich wieder von ihrer Ärztin und ging zurück auf ihr Zimmer.
Am nächsten Tag kam Grissom, wie schon seit Wochen, stunden früher ins Lab. Er wollte seinem Kopf keine Ruhe gönnen, um nicht zu oft an Sara denken zu müssen. Seine Bücher und sein Papierkram waren sein momentaner Mittelpunkt. Er war gerade mit einem Bericht zum gestrigen Fall zu Gange, als er lautes Gelächter auf dem Flur hörte.
Sekunden später sah er Greg, Nick, Warrick und Cath an seinem Büro vorbeigehen.
„Hey Boss!", riefen sie allesamt.
„Hey!", rief er ihnen hinterher und widmete sich wieder dem Bericht.
„Was er nicht bemerkte, war, dass Catherine stehen geblieben war und in sein Büro trat. Er bemerkte sie erst, als Catherine sich, in dem Stuhl vor seinem Schreibtisch, platz nahm.
„Was gibt es, Catherine?", fragte er mürrisch.
„Liebst du sie noch?"
Grissom verschluckte sich bei Catherines direkter Frage.
„Bitte was?"
„Du weißt, was ich meine."
„Ich denke das geht dich nichts an."
„Das geht mich sehr wohl etwas an, wenn es dabei um eine Freundin von mir geht.", wurde Catherine wütender.
Grissom seufzte laut auf.
„Gil, rede mit ihr."
„Wieso sollte ich mit ihr reden?"
Catherine antwortete ihm nicht, sah ihn stattdessen ärgerlich an. Ihr Blick sprach Bände.
Weiß Catherine etwa, was nach der Verhandlung zwischen mir und Sara passierte? Sie muss es wissen, sonst wäre sie nicht so verärgert. Sara hat mich in dieser Nacht zutiefst verletzt, aber ich bin derjenige, der es soweit hat kommen lassen. Vielleicht sollte ich wirklich mit ihr reden. Sie hat mir zu verstehen gegeben, nicht mehr als Freundschaft für mich zu empfinden. Aber im Moment bin ich ihr nicht mal ein Freund.
„Ich werde mit ihr reden, Cath."
„Gut. Das wird auch Zeit."
„Wie geht es ihr?"
„Besser. Wir haben einen schönen Nachmittag zusammen verbracht. Dennoch weiß ich, dass sie sich gewünscht hätte, dass auch du mit gewesen wärst."
„Vielleicht sollte ich sie auch besuchen.", sagte er plötzlich und sah Catherine fragend an.
„Mach' das. Sie wird sich über deinen Besuch freuen."
„Meinst du?"
„Grissom!"
„Verstehe."
Catherine verließ daraufhin sein Büro und ließ Grissom mit seinen Gedanken allein.
Cath weiß es also und sie gibt mir zu verstehen, dass Sara mich trotzdem sehen möchte und ich mit ihr reden soll. Habe ich etwa doch noch eine Chance bei Sara? Ich darf nicht zuviel hoffen. Es wäre schon schön genug, wenn sie überhaupt mit mir redet. Ein Besuch in San Simeon wäre schon mal ein Anfang. Trotzdem sie mir diese barschen Worte an den Kopf geworfen hat, vermisse ich sie wahnsinnig. Hoffentlich freut sie sich wirklich mich zu sehen.
TBC
