Kapitel 11: Eine Überraschung für Jude

Es waren einige Stunden vergangen und es war bereits abends geworden. Timothy Howard musste immer noch über seine Begegnung mit Jude lächeln. Sie war kein so leichtes Opfer wie die meisten Menschen und gerade das, war das reizvolle an ihr. Sie war stur, willensstark und hatte ein Feuer in sich, welches sich nur schwer beschreiben ließ. Damals als er noch Mary Eunice' Körper hatte, hatte er Jude mit einer Elektroschocktherapie „behandelt", die ihr fast das Hirn heraus gekokelt hätte. Man hätte meinen sollen, es hätte sie gebrochen aber genau das Gegenteil geschah. Sie schien immer stärker zu werden und genau das, war das besondere an ihr. Sie war ein würdiger neuer Partner und auch wenn sie noch nicht bereit war, bald würde sie es sein und dann hörte Miss Judy Martin ihm….mit Leib und Seele. Und Timothy wollte beiden, ihren Leib und ihre Seele.

Langsam stand Timothy auf und machte sich auf den Weg, um eine besondere Überraschung für Jude vorzubereiten. Er wollte das dunkle in ihrer Seele zum Vorschein bringen, er wusste es war dort. Wie einen schlafenden Hund, musste das kleine böse Monster in ihr erst geweckt werden und er wusste genau, war es erst einmal geweckt, dann schlief es nicht mehr ein. Es würde gefüttert werden wollen und hier gab es so viele Seelen, die geradezu dafür gemacht waren. Schon zu viele tausende Jahre konnte es die tiefen Abgründe der menschlichen Seele sehen und egal wie sehr die meisten Menschen sich auch wehrten, dass Böse war stärker als ihr Willen.

Auch Judy Martin würde erkennen, dass es keinen Sinn machen würde sich zur Wehr zu setzten. Und heute, kam ihre erste große Bewährungsprobe. Timothy kicherte vor sich her, als er zu Judes Zelle ging. Er konnte es kaum erwarten ihr Gesicht zu sehen, wenn sie seine Überraschung erblickte. Er konnte sich gut vorstellen, dass sie schockiert, irritiert und angsterfüllt sein würde aber dann, und dessen war er sich sicher würde das Dunkle in ihr siegen.

Langsam schloss Timothy die Tür zu Judes Zelle auf und sah sich noch einmal um, um sicher zu gehen dass sie niemand sah.

„Jude?" sagte Timothy leise und sah, dass Jude mit dem Rücken zu ihm lag „Jude, lassen Sie das Theater, ich weiß dass Sie nicht schlafen. Ich spüre es….Kommen Sie, wir machen einen kleinen Ausflug."

Jude musste sich nicht umdrehen, um zu wissen wer in ihre Zelle kam. Noch bevor Timothy etwas gesagt hatte, wusste sie das er es war…..oder besser gesagt das was Timothy jetzt war. Sie hatte Angst aber dennoch war sie ganz ruhig und wartete einfach ab, was nun geschehen würde. Er hatte ihr gesagt was er früher oder später von ihr verlangen würde, aber dass er so früh zu ihr kam hätte sie nicht gedacht. Doch dann sagte er, sie würden einen Ausflug machen. Einen Ausflug? Langsam setzte sich Jude aufrecht hin und blickte zu Timothy. In dem schwachen Licht und mit dem dunklen Grinsen im Gesicht, sah er aus wie der Leibhaftige….und das war er wahrscheinlich auch. Jude starrte Timothy nur an und versuchte noch ein bisschen Menschlichkeit in seinen einst so liebeswerten Gesicht zu erkennen, doch alles was sie noch sah, war eine Maske des Bösen.

„Kommen Sie Jude. Sie wissen doch, dass kämpfen nichts bringt. Also entweder Sie kommen jetzt freiwillig mit oder ich muss Sie bestrafen wegen ungehorsam."

Schon allein das Wort Bestrafung, ließ Jude wie von allein aufstehen. Sie wollte nicht einmal daran denken, was er tun würde obwohl sie es sich fast denken konnte. Schon zuvor in ihrem alten Büro kam er auf die Rohrstöcke zu sprechen und Jude wollte gar nicht daran denken. Die Schmach wäre wahrscheinlich schmerzhafter als der harte Stock auf ihrem Arsch.

Jude zog ihr Nachthemd noch etwas weiter nach unten und sah zu Timothy „Wohin gehen wir?" fragte sie und sie konnte kaum glauben wie ängstlich und klein ihre Stimme klang. Sie verfluchte sich dafür, denn sie wusste wenn sie jetzt nicht stark bleiben würde, dann würde er gewinnen.

„Das meine Liebe, ist eine Überraschung. Kommen Sie." Er packte Jude am Oberarm und zog sie mit sich durch die dunklen Korridore von Briarcliff. Mit jeden Schritt geriet Jude mehr und mehr in Panik, denn sie kannte diesen Weg. Nein, Stockschläge waren nicht das schlimmste, es war der Raum hinter dieser Tür.

Timothy trat hinter Jude und packte sie fest an den Schultern, mit einen breiten Grinsen und lauten lachen stieß er Jude etwas nach vorn „Nun los! Öffnen Sie die Tür und sehen Sie was ich für Sie arrangiert habe."

Dieser Raum weckte so schreckliche Erinnerungen in Jude und ihre Hände zitterten wie Wild, als sie nach der Türklinke griff. Mit stockenden Atem und rastenden Herz öffnete Jude die Tür zum Elektroschockraum. Doch was sie da sah, ließ sie geradezu versteinern. Was sollte das? Eines war sicher, die Liege war heute Nacht nicht für sie reserviert.