Kapitel 12

Alice Sicht

Ich hatte einen entspannten Tag im Bett verbracht und dank Jessica sogar schon die Hausaufgaben von heute fertig. Nur die Stunden nach der Mittagspause musste ich wohl morgen nachholen. Zufrieden ließ ich mich in die Kissen sinken, als es an der Tür klingelte. Die Schulzeit war gerade seit zehn Minuten um und Harry hatte einen Schlüssel. Wütende knurrte ich und ging runter um die Tür zu öffnen.

Vor mir stand Jasper. „Jasper? Was machst du den hier?" Wie war er so schnell von der Schule bis zu mir gekommen? Er musste wie der Teufel gefahren sein, oder die letzte Stunde geschwänzt haben.„Du warst nicht in der Schule und ich dachte ich könnte dir die Mathematikhausaufgaben vorbeibringen. Außerdem sollten wir mit unserem Projekt langsam anfangen." Das war eine akzeptable Antwort und so ließ ich ihn herein. „Mein Zimmer ist oben links." Dann folgte ich im in den ersten Stock und in mein Zimmer. Er schaute sich kurz um und musterte die beiden verschlossenen Türen. „Das Bad ist gleich hier links." Damit dürfte seine unausgesprochene frage beantwortet sein. Ich setzte mich mit den Zetteln sie er mir gegeben hatte auf mein Bett und sah zu ihm auf. „Du kannst dich ruhig hinsetzen." Er setzte sich vorsichtig neben mich und ich widmete mich wieder dem Material. „Also, wie wollen wir mit unserem Projekt anfangen?"

Er holte seine eigenen Zettel aus seiner Schultasche und wir begannen mit unserem Projekt. Die Anspannung vom Anfang verflog schnell und wir redeten immer offener miteinander. „Nein, nein, nein. Wenn dann müssen wir den Sinussatz benutzen." Ich konnte mich vor Lachen kaum noch halten. Mittlerweile lag ich auf dem Bauch und hatte meine Beine in der Luft. Jasper lag neben mir auf dem Rücken und hielt sich eine Zeichnung vor das Gesicht. „Wieso das?" Der Lachkrampf war vorbei ich konnte wieder normal reden. „Weil du meine Zeichnung falsch herum hältst." Er grinste und drehte das Blatt. Das Projekt war für eine Woche konzipiert, aber wir arbeiteten es an diesem Abend komplett durch. Danach schien es keinen Grund zu geben, warum er sofort verschwinden sollte und so blieb er noch eine Weile. Er setzte sich auf und ich drehte mich auf den Rücken, um mir nicht den Hals zu verdrehen, wenn ich ihn ansah. Er sah wirklich gut aus. Seine blonden Locken hingen zerzaust um sein Gesicht und seine Augen schienen zu leuchten. Warum gingen ihm die anderen Schüler immer aus dem Weg, genau wie seinen Geschwistern? Mir fiel auf, dass wir schon eine Weile nicht mehr geredet hatten, sondern uns einfach nur ansahen. Die Stille war jedoch nicht peinlich, sondern fühlte sich gerade zu behaglich an. Wir hörten das Knarren der Haustür, als Harry von seiner Schicht nach Hause kam und Jasper stand auf und ging Richtung Tür. „Wir sehen uns dann morgen in der Schule?" Ich nickte und er verschwand im Flur. „Alice bist du wach? Hast du vielleicht...Oh!" Die Haustür ging wieder auf und zu und ich wusste, dass Jasper gegangen war.

Mein Vater streckte den Kopf zur Tür herein. „Warum war den der Sohn von Dr. Cullen bei dir?" „Ach nichts wichtiges Dad. Wir sitzen in Mathe neben einander und er hat mir die Hausaufgaben gebracht. Außerdem mussten wir ein Projekt zusammen abgeben und das haben wir dann gleich erledigt." Harry schien sich wieder zu beruhigen und trat jetzt ganz ins Zimmer. „Hast du Hunger?" Mein Magen machte ein verlangendes Geräusch, was Harry richtig deutete. „Gut, dann übernehme ich heute das Kochen." Er verschwand in der Küche und ich hörte das Scheppern von Töpfen. Ich wusste, dass er mir eine Hühnerbrühe machen würde und freute mich auf die heiße Mahlzeit. Dabei schweiften meine Gedanken wieder zu Jasper. Ich hatte ihn noch nie etwas essen sehen und auch keines seiner Geschwister. In Gedanken versunken machte ich mich auf den Weg in die Küche. Eine heiße Brühe und ein guter Film waren jetzt eine schöne Abwechslung und Harry hatte keine Einwände, als ich ihn fragte ob ich den Fernseher heute haben durfte. Während ich es mir auf dem Sofa gemütlich machte, erinnerte ich mich an die Worte von gestern Abend, die ich im Halbschlaf zu hören geglaubt hatte. Das Verhältnis zwischen mir und meinem Dad schien wieder zu heilen und das war mehr als ich gehofft hatte. Als Harry mir die Hühnerbrühe reichte musste ich lächeln. Vielleicht wurde alles wieder wie früher...