Ich wurde von einem Feuer geweckt. Mein ganzer Oberkörper stand in Flammen, oder es fühlte sich zumindest so an.

War ich tot? Wo war Jasper? War ich in der Hölle?

Ich konnte mein Herz hektisch schlagen hören, also war ich nicht tot. Der Schmerz war unerträglich, ich wollte schreien und flehen, dass jemand mein Leiden beenden sollte, doch irgendwie war ich es auch gewöhnt. Jaspers Tod war mit so viel Schmerz verbunden, ich war abgehärtet und hatte gelernt, ihn zu akzeptieren.

Was mir im Moment größere Sorgen bereite, war, dass ich nicht wusste wo ich war oder was mit mir passiert war. Ich konnte etwas hartes unter mir spüren, also war ich nicht mehr im Wasser.

Aber was war passiert? Ich wollte sterben, einfach nur sterben. War das zu viel verlangt?

Das Brennen verstärkte sich, nun wurde mein ganzer Körper von den Flammen aufgefressen. Ich hätte schwören können, dass ich mir die Wirbelsäule gebrochen hatte als ich auf den Felsen gefallen war. Irgendetwas musste mich geheilt haben. Wie konnte das sein?

Keine Antwort auf meine Frage findend, fing ich an über Jasper nachzudenken. Es lenkte mich von dem höllischen Brennen ab und gab mir neuen Mut.

Ich sah sein Gesicht vor mir, so klar wie noch nie. Seine gelockten Haare umrahmten sein Gesicht wie ein Heiligenschein, seine Augen leuchteten vor Glück. Ich hörte seine Stimme, so rau, tief und doch musikalischer, als jedes Instrument, das ich je gehört hatte.

Ich hatte das Gefühl, dass diese Erinnerungen jetzt wichtiger waren als sonst.

Ich durchlebte jeden Moment, jede Berührung mit Jasper noch einmal. Ich hatte schon jetzt so viel vergessen, die Zeit hatte die Tafel abgewischt um Platz für Neues zu schaffen. Doch ich musste mich erinnern.

Stunden oder auch Tage verstrichen. Ich hatte kein Zeitgefühl, jeder Moment fühlte sich gleich aber auch völlig anders als der letzte an.

Irgendwann begann ich, mein Umfeld wahrzunehmen, auch wenn meine Augen geschlossen waren. Ich konnte viele Schritte hören, Schreie. Dann und wann kam jemand in den Raum, in dem ich mich befand. Ich konnte die Schritte dieser Person hören, so leicht und irgendwie tänzelnd. Manchmal kam auch eine Person mit dumpfen, trampelnden Schritten. Wahrscheinlich ein Mann. Konnte man das überhaupt hören?

Die Zeit ging weiter, und das Brennen begann, sich von meinen Füßen und Händen zurückzuziehen. Ich war erleichtert, doch dieses Gefühl verschwand, als der Schmerz in meinem Herzen umso schlimmer wurde.

Jetzt fühlte es sich wirklich an, als würde ich sterben. Ich fokussierte mich auf Jasper, versuchte ruhig zu bleiben. Ich würde es aushalten, für ihn.

Mein Herz schlug so schnell wie noch nie, ich hatte Angst es würde vor Anstrengung stehenbleiben.

Was passierte mit mir?

All das Brennen bündelte sich in meinem Herz. Ich schrie, zum ersten Mal seit das alles begonnen hatte.

Sofort hörte ich Schritte die sich meinem Raum näherten. Es waren die Tänzerin und der Trampel.

„Sie ist fast fertig. Du wirst ihre Ausbildung übernehmen." Die Stimme klang hell und wunderschön, zu rein um zu einem Menschen zu gehören.

„Natürlich, Miss Tinsley" antworte eine nicht weniger schöne, männliche Stimme.

Ich hörte das Rascheln von Stoff, als die Tänzerin sich umdrehte und den Raum verließ.

Mein Herz galoppierte auf seine letzten Schläge zu, ich konnte es spüren.

Mein letzter Gedanke galt Jasper, bevor mein Herz endgültig stehen blieb.

Ich hörte, wie dem Mann der Atem stockte. „Unglaublich." murmelte er, so leise, dass ich es normalerweise gar nicht verstanden hätte.

„Du kannst die Augen aufmachen." Er hatte gemerkt, dass ich zögerte.

Ich beschloss, ihm zu vertrauen. Ich hatte niemanden.

Langsam schlug ich meine Augen auf, und wurde überwältigt von was ich sah.