Wieder angekommen
Fr. 01.09.1995
Der sprechende Hut erstarrte wieder und in der großen Halle klatschte es laut Beifall. Doch zwischen dem großen Jubel war mehr als nur heitere Fröhlichkeit auszumachen. Ein Flüstern und Wispern hallte mit durch den Raum und auch Hermine war ganz mulmig zu Mute.
„Ist dieses Jahr ein bisschen abgeschweift, was?", sagte Ron mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Und völlig zu Recht", erwiderte Harry, der sich ausnahmsweise darum bemühte, ein vernünftiges Gespräch mit seinen Freunden zu führen. Nachdem Ron und Hermine mit der Liste der Schulbücher auch das Vertrauensschüler-Abzeichen mitgesandt bekommen hatten, war Harry sauer, wie ein wütender Stier, der rot sah. Hermine versteckte sich ihr Abzeichen sogar unter dem buschigen, langen Haar, sodass sie nicht aus Versehen noch Salz in seine Wunden streute. Er hat es sich nicht ausgesucht, der Auserwählte zu sein und litt schwer darunter, dass Dumbledore ihn zu ignorieren schien. Wenn er doch einfach nur vertrauen könnte, doch Hermines Hoffnungen waren vergebens und sie nahm es Harry nicht einmal übel.
Nachdem Sie all ihren Pflichten als Vertrauensschülerin nachgekommen war, setzte sie sich in ihrem Lieblingssessel im Gemeinschaftsraum vor den Kamin. Es waren noch nicht einmal zwei Stunden um und ihre wichtige Aufgabe erschien ihr wie eine Last. In ihren Augenwinkeln sah sie ein Schild aufblitzen:
TONNENWEISE GALLEONEN!
Will das Taschengeld nicht mit deinen Ausgaben Schritt halten?
Willst du ein wenig Gold nebenher verdienen?
Melde dich bei Fred und George Weasley,
Gyffindor-Gemeinschaftsraum,
zwecks einfacher und praktisch schmerzfreier Teilzeitarbeit.
„Die haben sie doch nicht mehr alle", entrüstete sich Hermine und holte den Aushang herunter. Die würden ihre Schützlinge garantiert nicht zu Versuchskaninchen machen. Das musste sofort unterbunden werden. In ihrem Kopf fühlte Hermine sich ein wenig wie Professor McGonagall und sie fing unweigerlich an zu lachen. Dies bedeute aber nicht, dass die Zwillinge mit ihren Machenschaften durchkommen würden!
Mo. 04.09.1995
„Bevor wir mit der heutigen Lektion beginnen", sagte Snape, glitt hinüber zu seinem Pult und starrte in die Runde. Er kündigte an, dass er nur die besten in seine UTZ-Zauberklasse aufnehmen würde. Für die ZAGs wird harte Arbeit gefordert und er freute sich darauf, die Schwachmaten in seiner Klasse aussortieren zu können.
Hermine fragte sich nicht weiter, wieso ihn sein sadistisches Verhalten zu solch einer Befriedigung verhalf. Sie wusste es bereits, fehlten nur einige wenige Puzzleteile, die ihr helfen würden, zu verstehen, wieso er sein wahres Gesicht hinter dieser Fassade verstecken musste.
Genau wie Harry, Ron und Hermine vorausgesagt hatten, hätte Snape ihnen kaum einen schwierigeren, kniffligeren Zaubertrank zur Aufgabe machen können.
Nach einiger Arbeitszeit räusperte der Professor sich.
„Ein leichter silberner Dampf sollte inzwischen von ihrem Trank aufsteigen", und Hermine blickte selbstsicher auf ihr Ergebnis. Als Snape daran vorüberglitt, blickte er kommentarlos an seiner Hakennase vorbei darauf, was hieß, dass er nichts auszusetzen fand.
Ron und Harry hatten dabei weniger Glück. Missmutig blickte Snape auf deren schleimig braune Brühe herab und forderte sie auf, schon einmal aufzuräumen, bevor sie noch alles in die Luft jagten. Er lies es sich nicht nehmen, ihnen noch Extra-Hausaufgaben aufzugeben und jeweils 5 Punkte für die Verschwendung seiner Zeit abzuziehen.
Hermine seufzte schweren Herzens, während sie ihr fertiggestelltes Mischmasch in eine Phiole abfüllte, sie ordentlich zukorkte und ihr Ergebnis Snape auf's Pult legte.
Als es endlich läutete, war Harry als Erster aus dem Kerker verschwunden. Auf dem Weg zum Klassenzimmer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste, holten Ron und Hermine ihn ein. Mitfühlend klopfte sie ihrem Freund auf die Schulter.
„Was soll's", sagte Harry missmutig, „wann war Snape denn jemals fair zu mir?"
Weder Ron, noch Hermine antworteten ihm.Alle drei wussten genau, dass Snape und Harry eine absolute Feindschaft gegeneinander hegten, seit Harry zum ersten Mal den Fuß über die Schwelle von Hogwarts gesetzt hatte.
„Ich hatte eigentlich gedacht, er würde dieses Jahr vielleicht ein bisschen netter sein", beschwichtigte Hermine ihn.
Ron sah sie entsetzt an: „Wieso das denn?", Hermine erschrak. Sie wusste ehrlich gesagt selbst nicht, wieso sie so etwas Absurdes dachte. „Ihr habt wahrscheinlich Recht… Doch eigentlich kämpfen wir doch für dieselbe Sache, nicht? Ich meine im Orden."
Den Rest des Weges schritten die Freunde schweigend nebeneinander her.
Als sie das gesuchte Klassenzimmer betraten, fanden sie die neue Professorin Umbridge bereits am Pult auf sie wartend sitzen.
Sie begrüßte die Klasse und fragte gleich auch nach mehr Disziplin. Ihr würde kein vorsichtig gemurmeltes Guten Tag ausreichen. Die Schüler sollten aufstehen, sie anständig begrüßen und ihre Zauberstäbe wegstecken.
Nachdem sie zehn Minuten in dem Kapitel Allgemeinheiten für Anfänger rumgelesen hatten, meldete Hermine sich zu Wort. Doch die neue Lehrerin ignorierte sie gewissenhaft. Geduldig ließ Hermine ihre Hand oben. Immerhin war sie schon von Snapes Unterricht aus gewöhnt, nicht drangenommen zu werden.
Als immer mehr Schüler anstelle ihrer Bücher, Hermine ansahen, erhob Umbridge ihr Wort:„Wollen Sie eine Frage zu dem Kapitel stellen, meine Liebe?", fragte sie Hermine, als hätte sie diese eben erst bemerkt.
„In ihren Kurszielen steht nichts davon, wie man defensive Zauber einsetzt."
Umbridge entkam ein entzücktes Lachen. „Natürlich nicht! Wieso sollten Sie denn auch diese einsetzen müssen? Vertrauen Sie denn nicht dem Ministerium?"
Die Klasse brach in ein nervöses Murmeln aus und was nun geschah, war ein reinstes Desaster. Verschiedene Schüler meldeten sich, um Einwände zu liefern. Miss Umbridge hielt Stand und verteidigte eisern ihren Standpunkt, bis Harry sich zu Wort meldete:
„Also wenn uns das Ministerium schützt, wieso verleugnet es dann immer noch die Rückkehr Voldemorts?"
Nun war es still, keiner redete mehr und alle starrten verblüfft auf Harry, der sich aus seinem Stuhl erhoben hatte.
„Nun, lassen sie mich einige Dinge klar und deutlich sagen."
Professor Umbridge stand auf und beugte sich, die kleinen Wurstfinger auf dem Pult gespreizt, zur Klasse vor.
„Man hat Ihnen gesagt, dass ein gewisser schwarzer Magier von den Toten zurückgekehrt ist und erneut sein Unwesen treibe. Das ist eine Lüge." Jedes einzelne Wort ihres letzten Satzes betonte sie bedacht.
„Das ist KEINE Lüge!", entgegnete Harry, puterrot vor Zorn. „Ich hab ihn gesehen, ich hab mit ihm gekämpft!"
„Nachsitzen, Mr Potter!", sagte Professor Umbridge triumphierend und setzte noch einen drauf: „Ich tue dies doch nur zu ihrem Besten", und mit diesen Worten entließ sie die Klasse.
Di. 05.09.1995
Sorgenvoll besahen Hermine und Ron sich Harrys Hand, auf der sich blutige Narben bildeten mit der Aufschrift: „Ich soll keine Lügen erzählen."
Sie erschrak: „Harry, du musst damit zu Dumbledore gehen! Du kannst das nicht auf dir sitzen lassen!", doch ihr Freund verneinte sturr: „Und dann? Ich will ihr diese Genugtuung nicht geben und Hermine, ehrlich gesagt… Dumbledore schert sich einen Dreck um mich!"
„Das ist nicht wahr Harry, er ist nur beschäftigt! Wann lernst du endlich zu vertrauen?", entgegnete sie, aber wurde von Ron zum Schweigen gebeten.
Dass diese beiden Blindfische nicht sehen, was hier vor sich geht. Umbridge hatte Harry soeben aufs Übelste gefoltert und die beiden wollen ruhig sitzen bleiben und Tee trinken?
„Bitte Hermine, versteh' doch!", lenkte Harry ein. „Ich muss das selbst regeln." Und sie nickte. Sie würde ihn unterstützen. Egal, wie seine Entscheidung ausfiel.
Die nächsten Wochen verliefen immer schlimmer. In Askaban kam es zu einem Massenausbruch und Umbridge festigte ihre Schreckensherrschaft und ließ sich als Großinquisitorin aufstufen. Die Lehrer wurden von ihr geprüft und ihr war es erlaubt, Entlassungen zu vollziehen. Erst neulich kam es zu einer Szene auf dem Innenhof Hogwarts. Hautakteure waren Umbridge und die gefeuerte Professorin Trelawney. Erst im letzten Moment schritt Dumbledore ein und erlaubte der Wahrsage-Lehrerin zumindest auf dem Schulgelände wohnen bleiben zu können. Abgesehen von diesem einen Vorfall, scherte sich Dumbledore, wie Harry bereits gesagt hatte, einen Dreck um die Situation und das machte Hermine sehr wütend. Des Weiteren hing neuerdings anstatt der ganzen Porträts (die im gesamten Schlosse abgehangen wurden) eine neue Dekoration in der großen Halle. Geschmacksloser ging es nach Hermine nicht, aber wen kümmerte schon ihre Meinung.
Sa. 07.10.1995
PER ANORDNUNG DER GROSSINQUISITORIN VON HOGWARTS
Alle Schülerorganisationen, Gesellschaften, Mannschaften, Gruppen und Klubs sind mit sofortiger Wirkung aufgelöst
(Auch die Quidditchmannschaften wurden aufgelöst.)
PER ANORDNUNG DER GROSSINQUISITORIN VON HOGWARTS
Die Nutzung jeglicher Produkte der Weasleys ist strikt verboten
PER ANORDNUNG DER GROSSINQUISITORIN VON HOGWARTS
Jungen und Mädchen dürfen sich nur auf höchstens 20 cm nähern
PER ANORDNUNG DER GROSSINQUISITORIN VON HOGWARTS
Die Schüler haben sich morgens ordentlich einzukleiden
Diese und viele Weitere. Insgesamt 87 neue Anordnungen, Maßnahmen und Regeln (Hermine ließ es sich nicht nehmen, sie genauestens zu inspizieren und zu zählen). Hogwarts versprach mit dem Winter ein noch dunklerer Ort zu werden und sie war entschlossener denn je, etwas dagegen zu unternehmen.
Neu eingerahmte zusätzliche Maßnahmen und Regeln schmückten den einst so glorreichen Saal.
