„Ich hab sie gerufen als ich eure Stimmen hörte. Sam, du wirst hier bleiben und weiter zur Schule gehen. Dean, du wirst dich dafür verantworten müssen, dass du Sam von uns ferngehalten hast. Wir wussten ihr kommt wieder und haben einfach nur darauf gewartet" erklärte John.
Einer der Polizisten wollte gerade zu Dean, aber Sam stellte sich vor seinen Freund. „Du hast keine Ahnung wovon du sprichst. ICH hab Dean zu allem gedrängt. ICH hab ihm keine Ruhe gelassen. ICH bin mit ihm mit, denn er hat mir die Wahl gelassen und es war die beste Entscheidung. ICH GEHE zur Schule und habe ein gutes Leben mit ihm. IHR werdet mich nie wieder sehen wenn ihr das durchzieht" fauchte er seine Eltern an.
Der Ordnungshüter sah zwischen den Familienmitgliedern herum, bis sein fragender Blick bei John hängen blieb. Der nickte nur leicht, während Mary begann zu schluchzen. „Du bist minderjährig Sam. Du bleibst hier und Dean wird in U-Haft genommen" entschied er.
Sam sah erschrocken zu Dean, der unter Schock zu stehen schien. Langsam kniete er sich vor ihn und nahm dessen Hände in seine. „Ich ruf Bobby an. Wir holen dich da raus und fahren wieder zurück, so wie wir es gesagt haben. Ich liebe dich Dean, dass weißt du und niemand kann mich davon abhalten" erklärte er eindringlich.
Mary krümmte sich bei Sams Worten und weinte hemmungslos. Sie wollte das nicht so. Alles in ihr schrie danach die Polizei hinauszuwerfen und ihre Jungs in den Arm zu nehmen. Als John und sie unzählige Male darüber sprachen, klang alles ganz einleuchtend.
Dean war der Böse und musste weg. Diesmal so, dass Sam und er nicht zusammen kommen konnten. Sam hätte Abstand und Zeit und würde erkennen wie falsch das alles war. So konnten sie wenigstens einen Sohn behalten.
Anscheinend hatten sie aber das Band zwischen ihren Söhnen und auch Sams Stärke und Entschlossenheit unterschätzt. Nie hätten sie gedacht, dass Sam sich so gegen sie stellen würde.
Auch Dean reagierte auf Sams Worte und sah ihn an. Nichts erinnerte mehr an den Jungen, den er aus dem Internat geholt hatte. Nichts erinnerte mehr an seinen kleinen Bruder. Vor sich sah er die Person die er liebte, die ihn liebte und mit der er zusammen sein wollte.
Vor sich hatte er seinen Partner, der zwar noch sehr jung war, aber trotzdem gerade hundertprozentig hinter ihm stand und für ihn kämpfte. Sogar gegen seine Eltern.
„Ich liebe dich auch. Holt mich da raus damit wir wieder in unser Leben können. Okay?" meinte er und drückte Sams Hände. Sam nickte und küsste ihn kurz. Dean stand auf und ging auf die Uniformierten zu. Ohne John oder Mary noch eines Blickes zu würdigen ließ er sich abführen.
Mary wollte ihm nach und zurückhalten, aber ihr Körper reagierte nicht und sie stand einfach nur da.
Sam sah ihm nach bis er im Polizeiwagen saß. Dann nahm er sein Handy, wählte Bobbys Nummer und ging raus. Er ignorierte das Mary zusammenbrach und auch die wütenden Rufe seines Vaters.
„Hey Bobby. Wir, Dean braucht deine Hilfe. Ich weiß du hast gerade viel zu tun, aber könntest du vielleicht…"
„Ich fahr gleich los. Bleib wo du bist Junge" unterbrach ihn der Ältere und die Leitung wurde ohne Weiteres unterbrochen. Am liebsten hätte Sam im Impala gewartet, aber da die Fahrt hierher fast einen ganzen Tag dauerte, würde ihm das zu lange werden.
Kurz überlegte er zu Castiel zu gehen, aber er wollte Dean nicht noch mehr in Schwierigkeiten bringen und auch da sein wenn Bobby kam. Schweigend ging er zurück ins Haus, ignorierte seine Eltern weiter und steuerte zielstrebig Deans ehemaliges Zimmer an.
Überrascht stellte er fest, dass alles noch genau so war wie er es in Erinnerung hatte. Nur die Dean-typische Unordnung fehlte. Seufzend ließ er sich auf das Bett fallen und schloss die Augen. Seine Gedanken waren bei Dean.
Egal wie oft John und Mary auch zu ihm kamen, auf ihn einredeten, ihn wütend oder verzweifelt beschimpften. Er sprach kein Wort mit ihnen und weigerte sich aus dem Zimmer zu kommen.
Zwischendurch rief Bobby noch einmal an und wollte genau wissen was passiert war. Nachdem Sam ihm alles erzählt hatte war das Telefonat auch schon wieder beendet. Obwohl der Bärtige mit ihm nur die Fakten durchgegangen war, fühlte er sich nach dem Gespräch besser.
Er wusste Bobby würde sie nicht im Stich lassen und alle Hebel in Bewegung setzten, die er zur Verfügung hatte. Ganz im Gegenteil zu seinen Eltern vertraute er ihm bedingungslos was Dean und sich anging.
Erst als das typische Dröhnen von einem von Bobby letzten Schrottautos zu hören war stand er auf. Unten hörte er schon aufgeregte Stimmen und ging darauf zu. „Hey Bobby. Gut das du da bist" sagte er mit fester Stimme und sah den Älteren dankbar an.
„Schon gut Junge. Geh nach draußen und warte dort auf mich. Ich rede noch mit deinen Eltern und dann holen wir Dean." Ohne auf Johns Protest zu achten nickte Sam und ging davon ohne sich umzusehen.
„Was fällte ihnen ein? Wer sind sie? Sam ist unser Sohn und minderjährig. Er geht nirgendwo hin und schon gar nicht mit einem Fremden" schimpfte das Winchester Familienoberhaupt.
„Jetzt hören sie mir einmal genau zu. Anstatt das Sam in Ruhe und mit Vernunft mit ihnen reden konnte musste er mich rufen um ihm und Dean zu helfen. Sie haben alles falsch gemacht was es gibt. Als die Jungs zu mir gekommen sind waren sie unübersehbar ineinander verschossen und konnten sonst nirgendwo hin. Nicht mehr und nicht weniger.
Durch die Ablehnung von hier wurden sie gezwungen zusammen zu wachsen. Sam hat sich in den letzten Monaten vom kleinen Bruder und Deans Bewunderer zu einem gleichwertigen Partner für ihren Adoptivsohn entwickelt.
Dean wurde vom großen Bruder und Beschützer zu einem liebevollen und rücksichtsvollen Partner für Sam. Spätestens jetzt haben sie beide verloren. Hätten sie abgewartet und etwas toleranter reagiert, wer weiß, vielleicht wären sie heute nicht mehr zusammen.
So aber wurden sie untrennbar und eine Einheit. Ich freu mich für die Beiden und werde für sie da sein. Etwas, dass eigentlich die Eltern tun sollten."
Ohne auf eine Antwort zu warten und mit grimmigem Gesichtsausdruck drehte sich Bobby um und ging zu Sam, der schon im Impala saß. Er nickte dem Jüngeren zu und folgte ihm dann zur Polizeistation.
John und Mary konnten gar nicht so schnell reagieren, wie sie wieder alleine waren. John bekam einen Wutanfall und zertrümmerte die Esszimmerstühle, während Mary einen Nervenzusammenbruch erlitt und von der Rettung ins Krankenhaus gebracht werden musste.
Außer den unmittelbaren Nachbarn bekam das allerdings niemand mehr mit.
Sam parkte direkt vor dem Eingang des Präsidiums während Bobby in eine Seitenstraße fuhr. Als er auf den Impala zuging, stand der Jüngere schon davor. „Was denkst du was du hier machst? Setz dich wieder da rein" meinte Bobby und zeigte von Sam auf den Wagen.
„Was? Nein! Ich geh mit. Dean ist da drinnen" protestierte Sam. „Hör zu Kleiner. Ich hab euch Jungs versprochen für euch da zu sein, aber auch euch nicht in mein Leben hineinzuziehen. Ich kann nicht da reinspazieren und Dean ohne irgendwelche Tricks rausbekommen. Also bleibst du schön hier und machst dich unsichtbar. Die Leute kennen dich als seinem Bruder und das kann ich gerade nicht gebrauchen" bestimmte der Ältere und sah Sam ungeduldig an.
Der Jüngere gab sich geschlagen und stieg wieder ein. Bobby sah noch kurz an sich runter und nickte Sam dann zu. Zerknitterte Anzugshose, weißes Hemd und ein nicht einmal gespielter gestresster Gesichtsaudruck mussten reichen um Dean wieder zu bekommen.
Im Eingangsbereich saßen ein paar junge Polizisten an ihren Schreibtischen und schauten mehr oder weniger begeistert auf ihre Arbeit. Bobby grinste verschlagen. Mit denen hätte er leichtes Spiel und er freute sich direkt darauf einmal wieder etwas direkt zu erledigen und nicht nur die Anweisungen zu geben.
„Mit wem muss ich reden wenn ich zu Dean Winchester will?" rief er laut in den Raum. Eine Beamtin sah hoch und musterte ihn, bevor sie ihn zu sich winkte. „Was wollen sie von ihm?" fragte sie ohne ihn richtig anzusehen. Er setzte sich unaufgefordert auf einen Stuhl.
„Ich nehme ihn mit." „Bitte was?" Sie sah Bobby irritiert an und auf einmal hatte er ihre volle Aufmerksamkeit. „Hat ihnen niemand Bescheid gesagt?" wollte er wissen. Die Polizistin schüttelte den Kopf. Bobby sprang auf.
„Was soll das schon wieder? Meine Enkelin wird heute sieben und hat mich schon drei Mal angerufen wo ich bin. Und wo bin ich? Ich bin hier weil ich zugestimmt habe den Jungen noch schnell abzuholen und zu uns zu bringen. Rufen sie meinen Vorgesetzten an und klären sie das schnell. Sonst bin ich hier weg und sie bleiben auf dem ganzen Mist alleine sitzen" rief er theatralisch und funkelte die Beamtin zornig an.
Eingeschüchtert nickte sie zögerlich. „Okay, aber wer sind sie?" wollte sie wissen. Bobby setzte sich wieder und atmete genervt durch. „Ich bin von der Jugendwohlfahrt. Wir haben Dean unter Beobachtung seit er bei den Winchesters ist. Die armen Teufel haben ja keine Ahnung wen sie sich da ins Haus geholt haben. Aber er war noch so klein und wir hatten die Hoffnung, dass er es schaffen könnte" erklärte er bereitwillig.
„Aha und wer ist er?" fragte sie skeptisch. „Seine Familie besteht aus einer langen Reihe von Verbrechern, Dealern und sonstigen miesen Typen. Wir haben ihn da raus geholt und er wurde zur Adoption freigegeben. Mit der Bedienung ihn zu uns zu holen wenn er auffällig werden sollte. Seine Akte sollte schon lange hier sein. Also, was ist? Rufen sie nun an oder soll ich gehen?"
