Vielen Dank für die netten Reviews, Marylein, CaroloveSnape und Mortianna´s Morgana! Marylein deine Tipps wurden gespeichert und notiert! ;-)

Liebe Grüße Gaby

12 Mohnblumen

Sie schickte sogleich eine Eule nach Hogwarts und bat Professor Dumbledore um die Erlaubnis in der Schulbibliothek Nachforschungen betreiben zu dürfen. Prompt kam seine Antwort. Er hatte nichts dagegen. Ihr Geheimnis, dass sie ein Buch über alle Anhänger Voldemorts zu schreiben gedacht und darin auch nicht mit der ungeschminkten Wahrheit geizen würde, war nicht länger mehr ein Geheimnis. Zu auffällig hatte sie ihre Befragungen vorangetrieben und die Zauberwelt war nun mal nicht groß. Wenn irgendetwas Neues von Interesse passierte, so sprach sich das schneller rum als ein Lauffeuer. Das bedeutete für sie, sie musste ihr Bemühungen etwas über Lucius Malfoys Leben herauszufinden verdoppeln, denn es blieb ihr nicht viel Zeit. Er hatte ihr seine Antwort bereits zu kommen lassen. Er wollte sich mit ihr treffen. Angespannt sah sie diesem Treffen bereits jetzt entgegen. Mit ihm war nicht zu spaßen. Eher das Gegenteil. Sie stufte Lucius Malfoy als fast so gefährlich wie Severus Snape ein, nur das er nicht ganz so attraktiv war. Ärgerlich auf sich selbst verbat sie sich sofort wieder diesen Gedanken. Severus Snape war nicht attraktiv!!! Dabei schlug ihr das Herz bis zum Hals und strafte sie sich selbst der Lüge. Morgen würde sie nach Hogwarts reisen und wenn sie Glück hatte etwas über Lucius herausfinden und wenn sie ganz großes Glück hatte, etwas womit sie diesen beeindrucken konnte.

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Am nächsten Abend stieg er gleich nach dem Abendessen in die Eulerei hoch, da er diese Stunde keine Aufsicht hatte. Er wollte diese nutzten ungesehen, da alle anderen beschäftigt waren, um Hermione eine Nachricht zu kommen zu lassen. Dumbledore war ihm schon dicht auf den Fersen und es war besser die Neugierde des alten Mannes nicht noch mehr zu entfachen. Er suchte sich eine Eule aus und band ihr einen kleinen Beutel an den Fuß. Darin befanden sich die Nachricht an sie und der Portschlüssel. Zu gerne würde er ihr Gesicht sehen, wenn sie den Beutel öffnete. Es interessierte ihn einfach ob er ihren Geschmack getroffen hatte oder nicht. Obwohl er sich fast sicher war. Nach einem letzten prüfenden Blick ob die Nachricht auch gut befestigt war, schickte er den Vogel los. Gespannt sah er ihm zu wie er weg flog. In der Erwartung er würde alsbald am Horizont verschwinden sah er ihm nach. Dieser flog auch hoch, einige Meter vom Schloss weg um dann zu wenden und wieder zurück zu kommen. Er zog bedächtig ein, zwei Kreise über dem Schloss und ließ sich dann herabfallen. Severus folgte ihm solange es ging mit den Augen, auch wenn bereits ein Verdacht in ihm zu keimen begann. Sie war hier! Und sie hatte ihm nichts davon gesagt! Wütend eilte er die Treppen hinab. Dafür schuldete sie ihm eine Erklärung und er wäre nicht er, wenn er diese nicht auf der Stelle einfordern würde. So schnell ihn seine Füße trugen eilte er auf die Bibliothek zu, die Augen dabei zornig zusammen gekniffen. So mancher Schüler, der das Pech hatte sich zu dieser Zeit auf demselben Gang wie Severus zu befinden, sprang bei dessen Anblick hastig auf die Seite und war dankbar dass sein Interesse nicht ihm galt. Schwungvoll riss er die Tür zur Bibliothek auf und rauschte in den großen, mit Büchern überfüllten Raum. Er lief zwischen den Regalen durch, auf der Suche nach ihr, dabei nahm seine Wut beständig zu. Wie kam es, dass er sie kaum aus seinen Kopf zu verbannen vermochte, während sie hier scheinbar Seelenruhig……. Was tat sie überhaupt hier? Egal! Sie schuldete ihm eine Erklärung und zwar eine verdammt Gute! Endlich als er um das nächste Bücherregal bog, da entdeckte er sie. Er hatte sie gefunden, doch ihr Anblick ließ ihm den Atem stocken und seine Wut schlicht vergessen.

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Am folgenden Abend brach sie nach Hogwarts auf. Sie wollte die Bibliothek für sich alleine haben und da um diese Zeit alle Kinder sich in ihren Aufenthaltsräumen aufhielten, standen ihre Chancen gut. Und ein jemand anderer würde doch sicher auch in seinen Räumen sein und könnte sie somit nicht belästigen, oder gar ablenken. Sie brauchte auf der Suche nach der Wahrheit einen klaren Kopf. Wenn etwas Verwerfliches in seiner Vergangenheit passiert war, dann verdammt noch mal musste sie das wissen. Er war ihr auf eine merkwürdige, kranke Art und Weise wichtig, wichtig geworden. Schon merkwürdig, sie hatte in all den Jahren kaum einen Gedanken an ihn verschwendet. Erst als sich in ihr diese Idee mit dem Buch und den Täterprofilen zu einer ernsten Sache entwickelte, kam sie wieder auf ihn. Die rechte Hand des Teufels – so würde sie das Kapitel über ihn nennen. Tief holte sie Luft. Zuerst aber war Lucius Malfoy dran. Jeder Mensch hatte etwas zu verbergen und er ganz sicher. Eigentlich gehörte er hinter Schloss und Riegel, aber er wusste schon immer wie er seine gerechte Strafe umgehen konnte. Eine Schmeichelei dort, eine Lüge da und schon war er wieder ein freier Mann. Als sie nach solanger Zeit die Bibliothek von Hogwarts wieder betrat, nahm sie der für diesen Raum so eigene Geruch auf der Stelle wieder gefangen. Sie liebte diesen Ort. Unzählige Stunden hatte sie als Schülerin hier verbracht und jede davon war für sie etwas Besonderes gewesen. Ehrfürchtig strich sie mit den Fingern über die zum Teil schon alten Buchrücken. Verzückt lass sie einige Titel. Es war für sie wie wenn sie alte Freunde treffen würde. Vorne beim Eingang standen alle Bücher über die Geschichte der Zauberer und der magischen Welt, dann kamen die magischen Geschöpfe, Erdkunde, Botanik, Fluglehre und Quidditch, Zauberstäbe und ihre Entstehung und, und, und. Ganz hinten gab es vor der verbotenen Abteilung ein Archiv. Hier wurden die Jahrbücher aller Schüler die jemals in Hogwarts waren gelagert und aufbewahrt. Sie wälzte sie einzeln durch und besah sich die Fotos die sie zu den jeweiligen Schuljahrgängen fand. Quidditchspiele, Wettbewerbe, Gruppenfotos, Abschlussfotos, all das war vorhanden und sie besah sie sich der Reihe nach. Sie entdeckte Lucius auf mehreren Fotos und zuerst fiel ihr dabei nichts Interessantes auf, bis sie genauer hinsah. Neben ihm stand immer derselbe Junge. Gemeinsam winkten sie mal albern in die Kamera, ein andermal jagten sie sich gegenseitig mit den Besen, scheinbar waren beide Quiddichspieler, beim Abschlussfoto sahen sie ernst und feierlich in die Kamera und doch wirkten beide auch eine Spur wehmütig, ein bisschen traurig auf Hermione. Zwischen den Beiden herrschte eine Vertrautheit, die sie früher von Harry und Ron kannte. Sie würde diesen Jungen, inzwischen Mann, besuchen und ihn über Lucius befragen. Sie sah unter das Foto und lass die Namen die dort standen. Lucius Malfoy, Arthur Hastings…..Ihre Gedanken begann zu rotieren, sie hatte das todsichere Gefühl etwas zu übersehen, aber nur was? Bevor sie diese Überlegung weiterverfolgen konnte, riss sie eine Eule die heftig hinter ihr ans Fenster klopfte aus diesen und erschreckte sie beinahe zu Tode. Überrascht öffnete sie das Fenster und ließ das Tier ein. Energisch streckte diese ihr ihren Fuß entgegen und drängte sie förmlich ihr ihre Last abzunehmen. Vorsichtig band sie den kleinen Beutel los und ließ die Eule wieder frei. Nachdem sie das Fenster wieder sorgfältig geschlossen hatte, öffnete sie den kleinen Beutel neugierig, ihr Herz schlug ihr dabei bis zum Hals. Sie wusste woher die Nachricht kam und alles in ihr schrie Endlich!

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Sachte schüttete sie den Inhalt auf ihre Hand. Ein kleines Stück Pergament und eine Mohnblume kamen zum Vorschein. Aufgeregt lass sie den kurzen Satz und musste über diesen schmunzeln. War das nicht wieder typisch für ihn? Keine langen Erklärungen, keine blumige Einleitung, keine schmalzige Verabschiedung, nichts. Nur zwei knappe Sätze mit einer klaren Forderung. Das einzig kryptische an der Nachricht war, was er ihr zeigen wollte. Unbewusst spielte sie mit der roten Blume und ließ sie spielerisch über ihre Lippen gleiten, dabei lag ein zärtlich verträumter Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ohne sich dessen bewusst zu sein, sah sie aus wie eine Frau die im Begriff stand sich hoffnungs- und rettungslos in den falschen Mann zu verlieben.

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So fand er sie. Mit diesem verzückt, verträumten Ausdruck auf dem Gesicht, dabei die Blume in der Hand mit der sie zärtlich über ihre Lippen strich. Ob sie an ihn dachte? Sie saß mit dem Rücken zum Fenster und so warf das bereits im Schwinden stehende Licht seinen Glanz über sie. Sie sah aus wie eine Elfe, die aus versehen zwischen diese staubigen und alten Bücher gelandet war. Sie war in diesem Augenblick einfach nur wunderschön. Schöner als er sie jemals zuvor gesehen hatte und er prägte sich das Bild für immer ein. In seinem Herzen würde er sie von nun an immer so sehen. Dabei trug sie nichts außergewöhnliches, nichts Besonderes. Wieder steckten ihre Beine in Jeans und ihr Oberkörper wurde von einer schlichten Bluse bedeckt. Nichts Aufregendes, nichts was sein Blut in Wallung bringen dürfte – eigentlich. War er nicht gerade voller Zorn hier herein gestürmt? Er wusste es nicht mehr. Er wusste nur er wollte ihr nahe sein, sonst nichts. Bis jetzt hatte sie ihn noch nicht entdeckt und so sollte es auch bleiben. Er verbarg sich hinter einem der decken hohen Bücherregale und beobachtete sie weiter. Würde sie seiner Einladung folgen? Schon sah er wie sie sich erhob, die Bücher alle schloss und zurück schob. Sie würde! Sein Herz schlug heftig, diesmal nicht vor Wut, sondern vor Freude. Leise lief er zum Eingang. Er musste dafür sorgen, dass er vor ihr am vereinbarten Ort war. Er wollte ihr Gesicht sehen, wenn sie gewahr wurde wohin er sie gelockt hatte.

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Er postierte sich leicht außerhalb von dem Punkt an dem sie erscheinen musste. Sie hatte ihn mit einem Buch geködert, ohne vielleicht wirklich ermessen zu können welchen Wert Bücher in seinem Leben darstellten. Sie waren für ihn seine besten, seine einzigen Freunde gewesen, waren es noch immer. Sie waren die Zuflucht die er in seiner Welt nie hatte. Wenn alles rund um ihn zusammen zu brechen drohte, dann wusste er wohin er gehen konnte. In ihre Welt, die Welt der Bücher. Er erlebte dort Abenteuer, war ein Held und eignete durch sie so viel wie möglich an Wissen an. Alles was er dort fand und erlebte machte ihm sein Leben erträglicher. Ungefragt tauchten jene Bilder an die er nie wieder denken wollte vor seinen Augen auf und bereiteten ihm so schreckliche Qualen. Er ballte die Hände zu Fäusten und drängte sie nieder. Ohne es zu wissen hatte ihm Hermione Granger noch ein zweites Geschenk an jenem Abend gemacht. Ihm war es durch hartes Mentales Training gelungen seine Gespenster der Vergangenheit erfolgreich im Zaum zu halten und nieder zu ringen. Kaum noch dachte er an sie, führte ein fast zufriedenes Leben, doch seit jenem Abend drängten sie mit aller Macht zurück in sein Bewusstsein. All seine Opfer verlangten nach Gerechtigkeit, nach Sühne. Er spürte die Panik in sich, sein Herz zog sich krampfartig zusammen.

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Sprich nie wieder darüber! Es ist nie passiert!" Er hatte vor vielen, vielen Jahren, nachdem er zu viel getrunken hatte, einmal mit Lucius über jenen schicksalhaften Tag gesprochen. Grob hatte er ihm diese Worte als Antwort entgegen geschleudert. Blass und fahl sah er ihn dabei an, auch ihn hatten die Ereignissen nicht unberührt gelassen, nur scheinbar konnte dieser sie besser verdrängen. Von da an hatte er nie wieder versucht darüber zu sprechen. Mit keiner Silbe erwähnte er was bei der Zeremonie zur Aufnahme der neuen Mitglieder im Kreis um Voldemort tatsächlich passiert war. Nicht einmal an jenem Abend, wo Hermione ihn betäubt hatte, sprach er davon, aber wie von selbst kamen sie wieder und quälten ihn. Bei Tag in dem sie sich ungefragt in seinen Geist drängten und bei Nacht in seinen Träumen. Dabei begannen diese sehr angenehm. Er befand sich nackt in seinem Bett und unter ihm lag Hermione, auch sie war nackt, voller Leidenschaft. Heiß und feurig ging ihr Atem und stöhnend wand sie sich unter seinen Stößen. Es war ein Traum voller Verheißungen und Erotik. Er sah ihre schönen, wohlgeformten Brüste, knetete sie sanft mit den Händen, doch dann drangen lange dunkle Schatten in seinen Traum. Hermione blickte schreckensstarr über seine Schulter, ein gellender Schrei stieg aus ihrer Kehle empor. Wie in Zeitlupe wandte er den Kopf und da waren sie. Standen stumm und anklagend um sein Bett. Er kannte sie. Jeden einzelnen von ihnen. Ihre Gesichter hatten sich unauslöschlich in sein Gehirn gebrannt. Ihre Namen trug er auf seiner Seele. Flehend sah er sie an und bat wortlos um Vergebung. Einer Vergebung die er nie erlangen würde. Zu unaussprechlich war was er getan hatte, was sie alle getan hatten und dafür gab es keine Vergebung. Schweigen griffen ihre kalten Hände nach ihm und zerrten ihn mit sich in die Dunkelheit…..