12. Der Tag danach

Als Brittany am nächsten Morgen in Santanas Arme aufwachte, fühlte sie sich großartig. Eigentlich war nichts anders als sonst, aber allein der Gedanke an die vergangene Nacht brachte sie zum Schaudern. Sie hätte sich niemals träumen lassen, dass es so unglaublich sein würde. Natürlich erzählten alle immer, dass es toll sei, aber es jetzt selbst erlebt zu haben, machte das Ganze noch besser.

Langsam drehte Brittany ihren Kopf zu ihrer Freundin. Sie war überrascht, als sie sah, dass Santana schon wach war. Sie braunen Augen glänzten, wie Brittany es noch nie zuvor gesehen hatte. „Du bist ja schon wach.", stellte Brittany nüchtern fest. „Ja, Schatz. Ich beobachte dich gerne, wenn du schläfst. Du siehst so niedlich aus!", Santana grinste und drückte ihre Lippen kurz auf die ihrer Freundin.

Sie lagen noch eine Weile eng umschlungen da, doch dann war es Zeit, sich für die Schule fertig zu machen. „Können wir nicht einfach schwänzen?", fragte Brittany. „Ich würde zu gerne, aber wir sollten wirklich gehen! Wir haben doch heute Glee Probe, wegen der Hochzeit von Finn und Rachel! Wir sollten anwesend sein.", meinte Santana, doch sie klang nicht ganz überzeugt von ihren eigenen Argumenten, aber schließlich schob sie Brittany, die enttäuscht brummte, doch ein Stück von sich weg und stieg aus dem Bett.

Als sie nach einiger Zeit fertig mit umziehen und frühstücken waren mussten sie sich wirklich beeilen, damit sie nicht zu spät zur Schule kamen, denn der Unterricht würde in einer halben Stunde beginnen und sie hatten es sich gerade erst in Santanas Auto bequem gemacht.

Und wieder einmal staunte Brittany über die Fahrkünste ihrer Freundin, denn sie schafften es gerade noch so zum Klingeln im Klassenraum zu sitzen. Jedoch, wie sie erst fünf Minuten später bemerkt hatten, im falschen. Erst jetzt merkten sie, dass sie von ihren Mitschülern und dem Lehrer wie Außerirdische angestarrt wurden. „Was ist los?" regte sich Santana auf, „Noch nie zwei Menschen gesehen, die im falschen Zimmer sitzen! Komm Britt, wir gehen." Damit verließen sie und Brittany den Raum, um sich zwei Türen weiter an ihren gewohnten Platz setzen zu können. Sie hatten Glück, da als erste Stunde wieder einmal Spanisch auf dem Plan stand und Mr. Schue sie nach Brittanys endlos erscheinender Entschuldigungsrede nicht weiter bestrafte.

Doch das sollte noch längst nicht alles sein..

Santana hatte schon zwei Stunden eher Schluss, da bei ihr einige Kurse ausgefallen waren. Und somit fuhr sie schon eher zu ihrer Wohnung zurück.

Sie saß gerade gemütlich auf ihrer Couch und simste mit Quinn, als ihr Handy klingelte. Sie sah auf das Display: Rachel Berry.

Santana überlegte kurz, ob sie einfach wegdrücken sollte, entschied sich dann aber doch dafür, ran zu gehen, vielleicht war es ja etwas Wichtiges. Sie drückte auf annehmen und hatte ihr Handy noch nicht mal ganz an ihrem Ohr, als sie Rachel schreien hörte: „Santana, du wirst nicht glauben, was ich hier sehe! Ich bin in der Schule und stehe hinter ein paar Schränken, denn ich will nicht mit reingezogen werden! Da sind einige hirnlose Jungs, die sie einfach so grundlos angegriffen und gegen ihren Spint gedrückt haben! Ich kann nicht hören, worum es geht, doch sie erwähnen manchmal deinen Namen!" Rachel klang ganz außer Atem. „Was? Wer? Wovon redest du?" wollte Santana wissen. „Davon, dass sie keine Chance hat, gegen diese Typen!" „WER hat keine Chance?" Santana wurde nun sauer. „BRITTANY!" Rachel klang jetzt wirklich verzweifelt, „Bitte, du musst ihr helf…" Doch weiter kam sie nicht, denn Santana hatte schon aufgelegt und war zu ihrem Auto gerannt.

So schnell wie sie jetzt zur Schule fuhr, war sie nicht mal am Morgen gefahren. Sie überfuhr drei rote Ampeln, ein paar Kreuzungen und beinahe einen Hund. Doch das alles war ihr in diesem Moment egal. Sie wollte einfach nur so schnell wie möglich zu ihrer Freundin. Als sie endlich auf dem Parkplatz der McKinley stand stürzte sie aus ihrem Auto, ohne es zu verschließen. An solche Kleinigkeiten verschwendete sie jetzt keinen Gedanken. Sie rannte auf die Eingangstür zu und wusste noch nicht einmal, wo Brittany überhaupt war und wie es ihr ging. Santana suchte alle Flure ab, doch nirgends war eine Spur von ihr zu finden. Bis sie plötzlich aus einem der leer stehenden Zimmer etwas wie ein Schluchzen hörte. Sie folgte dem Geräusch und stand 2min später vor der geschlossenen Tür ihres Chorraums. Behutsam öffnete sie diese und trat langsam ein. Zuerst schien alles normal zu sein, doch sie wusste, dass es nicht so sein konnte. Dann entdeckte sie Brittany in einer der hinteren Ecken am Boden sitzend und weinend. Santana setzte sich neben sie und legte ihren Arm um sie. „Britt, was ist los? Was haben sie dir angetan?", wollte Santana wissen. Brittany sah nicht auf, als sie ihr antwortete: „Ein paar Footballspieler haben mich nach der letzten Stunde abgefangen und in eine Ecke gezogen. Sie haben mich beleidigt und gesagt, dass es total abartig ist, dass ich mit dir zusammen bin."

Brittany hätte noch viel mehr erzählen können, aber Santana hatte schon genug gehört.

Sie stand auf, sagte Brittany noch kurz, dass sie sich nicht vom Fleck bewegen sollte und erst dann viel ihr auf, das Brittany einige rote Flecke im Gesicht hatte. Teilweise waren die Stellen geschwollen und blau. Santana fühlte sich als würde sie gleich um sich schlagen, so wütend war sie. Das war Körperverletzung und dafür würden diese Typen hart bezahlen! Sie lief, ja rannte fast, durch die gesamte Schule, um diese Typen zu suchen. Mit jedem Schritt wurde sie wütender und sie wollte ihnen einfach nur noch zeigen, wie hart sie schlagen und treten konnte. Keiner, wirklich KEINER redete so mit ihrer Brittany und tat ihr auch noch sowas an! Santana war fast blind vor Wut, als sie einige Typen auf dem Parkplatz vor der Schule stehen sah. Sie hatten alle Footballjacken an.

Santana rannte auf sie zu und drängte sich in die Mitte der kleineren Gruppe. „Was fällt euch ein Brittany so zu behandeln? Ihr habt kein Recht irgendetwas über sie zu sagen!" Santana schrie vor Wut alle auf einmal an. Nun trat einer von ihnen vor, bis er nur ca. 10 cm vor Santana stand. „Wir haben nichts falsch gemacht, wir haben einfach nur unsere Meinung gesagt. Und wir können ja nichts dafür, wenn sie so eine kleine dumme Lesbe ist." Nun lachten sie alle laut auf. Der vordere, offensichtlich stolz über seine Ansprache, ging zurück zu den anderen und klatschte dabei mit einigen ab, die ihren vermeintlichen Sieg schon jetzt lautstark feierten. Doch mit dem, was jetzt kam, hatten sie nicht gerechnet. Santana trat vor, holte weit aus, und schlug dem Typ, der gerade ihre Brittany beleidigt hatte, mitten ins Gesicht. Ein zweiter stellte sich vor seinen Freund, doch Santana ließ sich auch davon nicht abschrecken und knockte auch ihn mit einem präzise gezielten Tritt an eine unschöne Stelle aus. Nun sagte keiner von ihnen mehr etwas. Sie alle sahen Santana geschockt an, da sie selbst nicht vermutet hätten, dass sie zu so etwas in der Lage sei. Anscheinend hatten die Jungs eingesehen, dass sie hier keine Chance mehr hatten, denn sie wichen nun mit einem geflüsterten „Sorry." Zurück und verschwanden hinter der nächsten Ecke. Doch Santana hatte jetzt keine Zeit ihren Triumpf zu feiern. Sie rannte zurück in die Schule, zu dem Klassenzimmer, in dem sie Brittany hatte sitzen lassen. Doch als sie da ankam entdeckte sie nur den Hausmeister, der gerade dabei war, die Tür abzuschließen. „Was machen sie da?" schrie Santana, „Meine Freundin ist noch da drinnen, sie können doch nicht einfach die Tür zuschließen! Lassen sie mich sofort vorbei!" Santana fauchte ihn wütend an. „Tut mir leid Mädchen, aber hier in diesem Raum ist niemand mehr, du kannst gern nachsehen." meinte er verdutzt. Nachdem Santana kurz in das Zimmer gesehen und festgestellt hatte, dass Brittany wirklich nicht mehr da war, lief sie raus auf den Gang, um wenn nötig die komplette Schule nach ihr abzusuchen. Doch lange brauchte sie dafür nicht, denn schon als sie um die nächste Ecke bog entdeckte sie Brittany, die offenbar versucht hatte sich selbst mit den Kerlen anzulegen. Doch da sie noch aussah wie vorher und auch keine neuen blauen Flecken oder sonst irgendwas dazugekommen waren, hatte sie sie anscheinend noch nicht gefunden, worüber Santana in diesem Moment wirklich erleichtert war. „Britt, was machst du denn hier auf dem Gang? Ich dachte du wartest da in dem Zimmer auf mich!" Santana schaute sie vorwurfsvoll an. Brittany sah Santana in die Augen. „Ich wollte dir beweisen, dass ich mich auch ohne deine Hilfe gegen diese Typen wehren kann. Doch leider habe ich sie noch nicht gefunden.." Nun musste Santana grinsen. „Du weißt doch, dass du das nicht allein machen musst. Dafür hast du doch mich. Und ich habe diesen Kerlen mal gezeigt, was Rache auf aus Santana Art bedeutet." Sie lächelte Brittany zu, nahm sie in den Arm und ging gemeinsam mit ihr hinaus auf den Parkplatz zu ihrem Auto.