Nach langer Zeit jetzt mal wieder ein neues chap! Hoffe es gefällt euch...
Kapitel 12
Fröhliche Weihnachten!
Heute war Weihnachten und ich war überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Ich weiß auch nicht wieso. Eigentlich liebe ich diese Zeit, wenn alles wie verzaubert scheint, wenn man in fröhlicher Erwartung zusieht wie die Menschen, die man am meisten liebt, freudig die Geschenke auspacken, welche man sorgfältig und mit viel Liebe ausgesucht hatte, wenn es draußen kalt ist und man, warm eingepackt, gemütlich rumsitzt und froh ist, dass diese Momente nicht so schnell vergehen.
Jedes Jahr werde ich hibbeliger, je näher die Feiertage auf mich zukommen, doch dieses Jahr ist mein Weihnachts-Vorfreude-Effekt ausgeblieben. Das erste Mal seit langem (ich glaube, seit der dritten Klasse) verbrachte ich Weihnachten ohne meine Eltern und auch wenn all meine Freunde in Hogwarts geblieben waren, fühlte ich mich seltsam fehl am Platz.
Als ich am Morgen des 25. Dezember aufwachte, warteten schon viele bunt verpackte Päckchen an meinem Bettende auf mich und noch sehr verschlafen, machte ich mich ans Auspacken.
Meine Eltern hatten mir schwarze Wildlederstiefel, viele neue Oberteile und Haarpflegemittel ( das war bestimmt Mums Idee!) geschenkt. Sie hatten mir auch eine ganz liebe Karte geschrieben, durch die ich die beiden noch mehr vermisste. Es war Weihnachten! Da gehören deine peinlichen, langsam sich verschrumpelnden Eltern doch dazu...
Chloe und Evie haben mir viele Kleinigkeiten geschenkt, die alle an gemeinsame Erlebnisse erinnerten.
Vicky hat mir ein Buch geschenkt, das seine Einträge nach meiner Laune ändert; will ich fröhliche Geschichten, so erscheinen welche und so weiter (Ich bin fasziniert! Ich liebe Zauberei!).
Celina schenkte mir ein kleines Schmuckset mit Ohrringen, Kette, Armband und Ring.
Als letztes lag noch ein kleines, schrumpelig-eingepacktes Geschenk auf meinem Bett und obwohl nirgends eine Karte lag die dazugehörte wusste ich schon, wer mir das Geschenk gemacht hatte.
Jedes Jahr hat er mir etwas geschenkt und jedes Jahr war es ein schöneres Geschenk. Aufgeregt riss ich das Geschenkpapier auf und entdeckte ein violett-eingebundenes Büchlein. Ein kleines, verziertes goldenes Schloss war daran befestigt und es war mit einem weichen Material eingebunden, doch ich wusste nicht, aus was es bestand. Jetzt bemerkte ich eine kleine Karte, die aus dem Päckchen gefallen war. Rasch las ich sie durch.
Damit ab jetzt nur der deine Gedanken kennt, dem es gelingt, das Schloss aufzubrechen.
Neben diesen Worten klebte ein kleiner goldener Schlüssel. Ich nahm ihn und öffnete mein neues Buch. Die Seiten hatten einen goldenen Schimmer und ich freute mich schon darauf, diese Seiten mit meiner Feder zu verunstalten.
Lächelnd nahm ich seine Karte, lies mich auf den Rücken fallen und las den Satz tausend mal durch, bis, so schien es mir, es in meinem Herzen fest eingefangen war.
James Potter, was bist du nur für ein Mensch..., dachte ich lächelnd.
Wie soll ich mich bedanken?
Die nächste Frage, die mich verrückt machte.
In meinem Schlafsaal versammelten sich gerade Chloe, Evie, Celina, Vicky und ich und wir veranstalteten eine Mädchenkonferenz. Ich saß auf Chloes Bett, in kurzen Shorts und Gammelshirt, mit wirren Haaren und nackten Füßen. Wir Freundinnen hatten uns alle glücklich umarmt und uns herzlich für die Geschenke bedankt, doch jetzt ging es um ein ernstes Thema.
Der Weihnachtsball.
Heute Abend würden die älteren Schüler (das heißt, alle ab der vierten Klasse) in der Großen Halle in schicken Ballkleidern über das Parkett fegen und Weihnachtspunsch schlürfen und was das Beste war: Dumbledore hatte doch tatsächlich in letzter Minute einen BALL angekündigt. Kein stinknormales Hogwartsfest, wie jedes Jahr, sondern einen richtigen Tanzball mit Begleitung. Endlich hatte unser Schulleiter auf den Schulrat gepfiffen und gesagt: „Morgen Abend, steht es jedem ab der vierten Klasse frei, sich eine Begleitung zu suchen und zu tanzen, bis ihr nicht mehr könnt. Ich wünsche euch allen fröhliche Weihnachten!"
In letzter Minute mussten wir nun aus unseren Partykleidchen Ballkleider machen und versuchten uns an modischen Zaubern.
Meine Begleitung?
Das ist wirklich eine gute Frage.
Wenn ich wüsste, wie ich James für das Geschenk danken sollte, würde er vielleicht mal über seinen Schatten springen und mich fragen. Ich weiß, dass er mich NIE wieder fragen wollte, ob ich mit ihm ausgehe, aber jetzt muss er es einfach tun!
Ich ging in unser Bad, wusch mich und stellte irgendwas mit meinen Haaren an, so dass sie ihr wirres Dasein verloren. Ich schlüpfte in eine gemütliche Hose, zog Pantoffeln an und murmelte: „Ich geh frühstücken."
Niemand antwortete mir. Meine Freundinnen zauberten ja auch gerade Ballkleider.
Seufzend stieg ich die Treppe herab und traf auf Sirius.
„Hey, hat Chloe schon eine Begleitung für heute Abend?", fragte er mich.
Ich zuckte mit den Achseln.
„Keine Ahnung, bestimmt. Aber du kannst dich ja hinten anstellen, falls derjenige abspringt." Ich lächelte ihn lieb an.
Er grinste: „ Oder ich sorg einfach dafür, dass derjenige aufjedenfall abspringt!"
Ich schüttelte den Kopf und stieg durch das Porträtloch.
Was Jungs für Ideen im Kopf haben, wieso geht er nicht einfach zu ihr und sagt ihr klipp und klar, dass er sie will und weiß, dass sie ihn auch will?
Sie sind zu stolz. Oder zu feige. Wo waren die echten Jungs, die sich das einfach trauten, egal was andere dachten. Die es selbst in die Hand nahmen, ein Mädchen, das ihnen gefiel zu fragen, anstatt zuerst die Freundin zu belöchern, ob sie schon jemanden hat.
Ich setzte mich neben Daria Melas, unsere Zimmergenossin, an den Gryffindortisch und unterhielt mich mit ihr, während ich mein Toast mit Erdbeermarmelade verspeiste.
Wo war James? Ich konnte ihn nirgends entdecken.
Als ich wieder im Gryffindorturm war, setzte ich mich neben Chloe auf einen Sessel im Gemeinschaftsraum und sagte ohne Umschweife, während ich in das Feuer im Kamin starrte: „Sirius will mit dir zum Ball gehen."
Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass sie nickte und mich ansah.
„Ja, er hat mich schon gefragt."
„Und?"
„Ich hab ja gesagt."
„Cool."
„Vicky geht mit Dickon."
„Was echt? Ich hätte nicht gedacht, dass sie mit so einem Langweiler gehen würde."
„Sie mag ihn eben."
„Ach so. Und hat Evisa auch schon jemanden?"
Chloe zögerte. „Naja, du kennst doch Rasim Baysworth?!"
Ich setzte mich ruckartig auf. „WAS? Das ist nicht dein Ernst! Baysworth?"
Chloe setzte sich nun auch auf um mit mir auf Augenhöhe zu sein. „OK, er ist ein Slytherin und seine Eltern sind höchstwahrscheinlich Schwarzmagier. Aber...die beiden haben sich verliebt. Ich find das schön. Wie bei Romeo und Julia."
„Chloe, wir beide sind Evies beste Freunde und wir sind Muggleabstämmig. Denkst du nicht, er wird Probleme damit haben? Vielleicht wird er sogar versuchen, sie gegen uns aufzuspielen."
„Evie würde da niemals mitmachen. Und wenn er wirklich deswegen was gegen uns haben sollte, ist doch sein Problem. Aber gönn Evie doch ihr Glück. Sie hätte nämlich nie gedacht, dass er das öffentlich machen würde. Heute Abend wissen es all seine Freunde."
„Natürlich gönn ich es ihr. Ich kenne ihn bloß nicht und ich hab mit Slytherins bis jetzt nicht viele gute Erfahrungen gemacht, das weißt du ja."
Chloe nickte. „Ja. Aber – du musst dir auch noch eine Begleitung suchen. Oder wartest du auf Mr. Bell?", grinste sie fies.
Oh. Den hatte ich schon fast vergessen.
„Ha-Ha. Naja, ich weiß auch nicht. Keiner will mich."
Chloe stand auf und schaute mich entsetzt an. „Nein Lily, DU willst keinen."
Sie sah mich bedeutungsvoll an und ging die Treppe hoch, die zu den Schlafsäälen führte.
Na toll. Doch ich will einen. Aber nur den. Und er will mich nicht. Ich seufzte und stand deprimiert auf.
Da sah ich ihn endlich. Er stand mit dem Rücken zu mir und sprach mit irgendjemandem.
Ich vergaß alles und rief quer durch den Raum: „James!"
Er drehte sich verdutzt um und kam dann zögerlich auf mich zu. Ich sah ihn an und sagte irgendwie verlegen: „Danke für das Geschenk. Es hat mir wirklich gefallen."
Er lächelte mich an und sagte: „Ja, das freut mich."
Ich nickte. Er tat es mir nach.
Stille.
Halloo?
„Also, willst du mich nicht fragen?", sagte ich.
Scheiß drauf, was hatte ich zu verlieren?
James schaute mich etwas verwirrt an. „Ähm, was meinst du?"
„Ob ich mit dir zum Ball will."
Er sah mich mit leicht nach oben gezogenen Augenbrauen an und sagte: „Ich weiß nicht. Eigentlich wollte ich das nie wieder tun. Willst du mich nicht fragen?"
Ich biss mir kurz auf die Lippe und schüttelte leicht lächelnd den Kopf.
Ich wollte unbedingt dass er es tat.
Er seufzte theatralisch. „Lily Evans, willst du mit mir ausgehen?"
Ich sah ihn an, tat so, als würde ich ernsthaft überlegen, lächelte dann und sagte: „Ja!"
