12. Wahrer Wert
Rip kam wieder zu sich und fragte sich einen Moment lang, was eigentlich passiert war und wo er sich befand. Und auf wem er lag. Die Antwort auf letztere Frage lautete Mick Rory, und das machte Rip klar, dass die letzten Tage kein Alptraum gewesen waren, sondern tatsächlich passiert waren. Auf diese Erfahrung hätte ich definitiv verzichten können….
Rip bemerkte, dass Mister Rory offensichtlich wach war, und meinte deswegen schnell: „Das ist mir alles sehr unangenehm, Mister Rory."
Rory gab ein wegwerfendes Geräusch von sich. „Das muss es nicht sein", meinte er, „Omegas haben Kuschel-Phasen nach ihren Hitzen, das ist nun mal so. Und ich wette, du hast eine Stresshitze hinter dir, also…" Er zuckte mit seinen Schultern, als wäre das alles nichts Besonderes. Rip fragte sich nur am Rande, woher er wohl so viel über Omegas wusste, formulierte diese Frage aber nicht. Es gab wirkliches Dringenderes, womit sie sich auseinander setzen mussten.
„Auf jeden Fall sollten wir nie wieder darüber sprechen", meinte er deswegen nur.
„Beruhig dich, es ist ja nichts passiert. Und wir waren beide angezogen. Nun ja, ich war angezogen, und du warst es später auch", gab Rory zurück. Rip erinnerte sich unangenehm berührt daran, wie er von Mister Rory und Miss Jiwe wie ein kleines Kind angezogen worden war. Dabei handelte es sich eindeutig nicht um eine seiner Lieblingserinnerungen. (Nicht, dass er von diesen besonders viele hätte, vor allem nicht in letzter Zeit).
„Wissen wir etwas Neues über die anderen?", fragte er dann.
„Noch nicht", sagte Rory, „Der Prinz hat Leute zu dieser Sonderauktion geschickt, bei der sie wohl den Schönling verticken wollen. Wenn wir Glück haben, konnten sie ihn kaufen oder haben zumindest mitbekommen, an wen er verkauft wurde."
„Ist Miss Jiwe mit ihnen gegangen?", fragte Rip weiter.
„Das hielten die nicht für angebracht. Sie sucht nach Ray", lautete die etwas missgelaunte Antwort.
„Aha." Hier schwangen ein paar Untertöne mit, die Rip einiges sagten, aber ihn auch beunruhigen. Und warum war Sara nicht hier? Hätte sie noch schon lange ankommen sollen? Ich sollte jetzt nicht an Sara denken, rief er sich selber zur Ordnung.
Rory beobachtete ihn schräg von der Seite. „Andere sind ihr ganzes Leben lang ein Omega", merkte er an, „Du wirst lernen damit zu leben. Es gibt schlimmere Schicksale." Rip nahm an, dass er damit recht hatte, nur wollte ihm im Moment kein einziges dieser hypothetischen schlimmeren Schicksale einfallen.
Dann kam Miss Jiwe mit festen Schritten ins Zelt geschritten, was Rip dazu veranlasste vor Schreck von Mister Rory und der Liege, auf der sie beide lagen, zu fallen und auf dem Boden zu landen.
„Rip! Alles in Ordnung?", fragte Miss Jiwe besorgt und half ihm auf die Beine.
„Ja, alles ist gut, nur mein Stolz hat gelitten", behauptete Rip, „Gibt es Neuigkeiten?"
„Ja, angeblich gute", erwiderte die Soldatin, „Mon-El will, dass wir alle ins türkise Zelt kommen."
Rory murmelte irgendetwas Unverständliches über die Zelte der Daxamiten vor sich hin, aber keiner achtete wirklich darauf, während sie sich ins besagte Zelt aufmachten.
Das türkise Zelt schien die Operationszentrale der Daxamiten darzustellen, nicht nur der Prinz befand sich hier, sondern auch diverse andere Daxamiten, die eifrig hin und her liefen, Informationen miteinander austauschten, und sich gegenseitig Gegenstände übergaben. Rip empfand das Ganze als eine Spur zu hektisch für seinen Geschmack.
„Gut, ihr seid hier", wurden sie vom Prinzen begrüßt. Er wirkte weniger einschüchternd als in Rips Erinnerung, aber in seiner Erinnerung wirkten im Moment alle Alphas einschüchternd. „Wir haben gute Neuigkeiten, wir glauben einen Weg gefunden zu haben Signale durch das Störfeld nach draußen zu senden, ihr solltet also in der Lage sein euer Schiff zu kontaktieren. Vom Markt selbst sind wir leider immer noch funktechnisch abgeschnitten, aber trotzdem ist es ein Fortschritt", erklärte der Prinz. Rip hatte sich eigentlich Neuigkeiten anderer Natur erhofft, welche die die anderen Omegas oder Sara betreffen würden.
„Gut, ich werde mit dem Professor reden. Vielleicht weiß er Neuigkeiten über die anderen", meinte Miss Jiwe und wurde dann von einem Daxamiten zu einer Art Funkpult gelotst. Rip ertappte sich dabei, dass er daraufhin damit anfing näher an Mister Rory heranzurücken. Was tue ich nur? Das hier sind nicht meine Feinde. Sie haben mich gerettet und scheinen nichts dafür als Gegenleistung zu verlangen. Trotzdem, es waren Fremde. Und Rip fühlte sich in ihrer Gegenwart nicht unbedingt besonders wohl. Er wünschte sich, er wäre bereits wieder an Bord der Waverider, aber solange seine Omega-Kameraden noch irgendwo hier waren, schuldete er es ihnen weiterhin nach ihnen zu suchen und alles daran zu setzen sie zu retten.
„Alles in Ordnung?"
Rip drehte sich zum Fragensteller um. Es handelte sich um einen braunhaarigen Daxamiten in den mittleren Jahren, der ihn freundlich ansah, und der, wie Rip überrascht feststelle ein Omega war. „Ja, ja, danke, ich bin nur etwas … mitgenommen. Das wird schon wieder", erklärte Rip langsam, „Gehören Sie auch zur daxamtischen Delegation?"
„Sozusagen", erwiderte der Omega, „Mein Name lautet Lar-Gand."
Rip streckte ihm seine Hand entgegen und schüttelte diese. „Rip Hunter", erklärte er.
Rory schien das Gespräch mitbekommen zu haben, denn er meldete sich unaufgefordert zu Wort. „Und wer bist du? Der König?", wollte er wissen.
Rip fragte sich, wie er auf so eine Idee verfallen war, wo es doch offensichtlich war, dass Omegas in der daxamitschen Gesellschaft nicht besonders viel zu sagen hatten. „Was?", verteidigte sich Rory, „Er riecht nach dem Prinzen!" Rip konzentrierte sich auf seinen Geruchssinn, doch er war dem Prinzen bisher nicht nahe genug gekommen um sich dessen Geruch einzuprägen.
„Oh, nein", meinte Lar-Gand schließlich, „Ich bin nicht …. Es ist schwierig. Mon-Els Mutter ist die Königin von Daxam. Sie war einmal mein Alpha, aber das ist lange her."
„Und dann hat sie dich an ihren Sohn weitergereicht?", vermutete Rory.
„Mister Rory!", zischte Rip empört. Mick Rory schien nicht einmal das Wort Diskretion zu kennen, wie er wieder einmal eindrucksvoll bewies.
„Was?!", wollte der Pyromane wissen, aber Rip hatte im Augenblick nicht die Nervenstärke dazu um lange und breit auszuführen, warum er sich jetzt schon wieder daneben benahm.
„Nein, so ist das nicht", meinte Lar-Gand, „Nicht so, wie Sie meinen, Mister Rory. Mon-El…" Doch er unterbrach sich, als Miss Jiwe wieder ankam und den Kopf schüttelte. „Niemand hat geantwortet, weder Gideon, noch der Professor", erklärte sie, „Da stimmt irgendetwas nicht."
Reißen die schlechten Nachrichten denn niemals ab?, fragte sich Rip bitter. Als ob sie nicht schon genug Probleme hätten.
In diesem Moment meinte Mon-El laut: „Schickt sie herein! Hey, Freunde von der Erde, ich denke, das dürfte euch gefallen, wir haben nicht nur euren Omega gefunden, sondern auch euren verlorengegangen Alpha, samt Beta. Sie sollten jeden Moment hier eintreffen."
Sara! Rip drehte sich automatisch zum Zelteingang um und sah, dass Rory und Miss Jiwe es ihm gleich taten. Wenig später trat tatsächlich Sara durch den Zelteingang, auch wenn sie sich offensichtlich verkleidet hatte, doch trotz seltsamer Haarfarbe und ungewöhnlichem Outfit war es eindeutig Sara. Rip spürte unglaubliche Erleichterung in sich aufsteigen. Sie blieb wie erstarrt stehen, als sie ihn sah.
„Rip", stellte sie fest. Er nickte ihr zu. Hinter ihr tauchte Jax auf, ebenfalls seltsam verkleidet, auf eine Art, die Rip ihm verboten hätte, wenn er das Sagen gehabt hätte. Und dann von diesem hereingeführt ein etwas wackelig auf den Beinen stehender Dr. Heywood (der immer noch nackt war).
„Nathaniel", murmelte Miss Jiwe neben Rip und hatte sich dann auch schon in Bewegung gesetzt. Dr. Heywoods Blick fiel auf sie, und seine Miene leuchtete auf, als er sie erkannte. „Amaya", sagte er und wollte einen Schritt auf sie zumachen, doch dabei wäre er fast umgefallen, wenn Jax ihn nicht aufgefangen hätte. „Langsam Mann!", warnte der den Omega.
Miss Jiwe hatte die Neuankömmlinge inzwischen erreicht und umarmte nun Dr. Heywood, der die Umarmung erfreut erwiderte. Rip wandte seinen Blick von den beiden ab und wieder Sara zu, die ihn immer noch anstarrte, als könnte sie nicht fassen ihn zu sehen. Rip öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch Sara war aus ihrer Erstarrung erwacht und rannte auf ihn zu und umarmte ihn dann fest. Rip sank seufzend in die Umarmung. Sara. Jetzt wird alles gut.
Nur ungerne löste er sich wieder von ihr. „Es tut gut euch alle zu sehen", sagte Sara zu den anderen, „Und…" Sie stutzte, sah sich prüfend im Raum um, und fragte dann scharf: „Hey, Moment, wo ist Ray?!"
Nun, vielleicht würde ja doch nicht alles gut werden, zumindest nicht für sie alle.
Gideons Sensoren verfolgten den Kampf zwischen Professor Stein und Eobard Thawne mit. Der Professor war leider nicht besonders geschickt darin mit Dr. Palmers Anzug umzugehen, auch wenn dieser leicht zu steuern war. Im Gegenzug dazu war Eobard Thawne leider ein sehr geschickter Speedster, der die Wände der Waverider entlang lief, als wären diese dazu gemacht, und sich nicht einmal von Elektroschocks, die er dabei bekam, beeindrucken ließ. Die Schüsse des Professors gingen auf jeden Fall alle an ihm vorbei, und das freute ihn offensichtlich besonders. Gideon war ja eigentlich nicht darauf programmiert worden Sympathie oder Antipathie für Menschen zu hegen, aber Eobard Thawne konnte sie eindeutig nicht leiden.
„Professor, man hat versucht uns zu erreichen. Es war ein daxamitisches Signal, aber Miss Jiwes Stimme war am anderen Ende der Leitung", informierte sie den Professor.
„Wenn sie nicht gesagt hat, dass sie innerhalb der nächsten Minuten hier sein wird, dann wird das warten müssen", gab der Professor zurück, „Ich bin hier gerade sehr beschäftigt. … Verdammt, wie zielt Raymond nur mit diesem Ding?!"
„Geben Sie auf, Professor! Sie habe keine Chance!", höhnte Thawne und versuchte dem Professor seine Hand durch den Körper zu vibrieren, doch dieser schrumpfte sich im letzten Moment davon.
„Diese Schrumpffunktion beginnt langsam mich wirklich zu nerven!", knurrte Thawne, als er sich nach dem geschrumpften Professor umsah.
„Tatsächlich sind Miss Jiwe und die anderen auf dem Weg hierher. In wenigen Minuten werden sie hier sein, es wäre ratsam, wenn Sie sich Ihren Kollegen anschließen würden, Mister Thawne", wandte sich Gideon an ihn.
„Vergiss es. Zweimal falle ich nicht auf denselben Trick herein", erwiderte Thawne, „Meine Version von Gideon ist im Übrigen um einiges nützlicher als du es bist!"
„Es besteht kein Grund beleidigend zu werden", fand Gideon und durchsuchte ihre Datenbank nach wirksamen Gegen-Beleidigungen gegen den Speedster.
„Das wird langsam langweilig, Professor. Wir sollten-" Mitten im Satz unterbrach sich Thawne und erstarrte. Es war als würde er etwas spüren, das nur er wahrnehmen konnte. „Verdammt!", schimpfte er dann noch und war dann plötzlich blitzartig aus dem Korridor verschwunden. Gideon befürchtete nun ihrerseits ein Täuschungsmanöver, doch ihre Sensoren bestätigten, dass Thawne die Waverider verlassen hatte.
„Sie können wieder rauskommen, Professor, er ist weg", verkündete Gideon.
Der Atomanzug nahm wieder Normalgröße an und landete im Korridor. „Du musst es nicht so klingen lassen, als hätte ich mich versteckt, weißt du?", meinte der Professor, „Denn das habe ich nicht getan, ich habe nur taktisch in Kleinform verhindert, dass Thawne mich tötet. Wo ist er überhaupt?"
„Er hat das Schiff verlassen", erklärte Gideon.
„Aber … wieso? Ich hatte ihn nicht gerade in Bedrängnis gebracht", wunderte sich der Professor, „Es sei denn … natürlich, die Speed Force jagt ihn doch, und wie es scheint hat sie ihn auch hier im Weltall gefunden. Umso besser. Und jetzt sollten wir damit beginnen das Schiff zu verbarrikadieren, nur für den Fall, dass die Legion auf die Idee kommt zurückzukommen."
Gideon konnte ihm, was das anging, nur zustimmen.
Ray war immer der Meinung gewesen, dass er niemals einen Beliebtheitswettbewerb gewinnen würde, besonders nicht, wenn es um Omega-Beliebtheit ging. Deswegen war er umso überraschter über die Tatsache, dass sich tatsächlich ein Kund gefunden hatte, der Interesse an ihm, und nur ihm, gezeigt hatte.
Aber es war passiert, und nun musste er lernen damit zu leben, ob er wollte oder nicht. Im Augenblick überwog natürlich die Oder-Nicht-Seite. Zumindest hatte ihn kein Außerirdischer erstanden, der aussah wie das gelbe Ding, das ihn verkauft hatte. Oder irgendeiner mit ekeligen Tentakeln oder ähnlichen Problemzonen. Nein, sein neuer Meister sah durchaus menschlich aus. Zumindest fast, wenn man von der Hautfarbe und der Stirn absah. Er wirkte wie ein Alien aus den „Star Trek"-Serien der 90'er, und damit konnte Ray leben. Womit er nicht leben konnte, war der Gedanke diesem Kerl zu gehören.
„Du erinnerst mich an einen Kryptonier, den ich mal kannte", erklärte Rays neuer Meister gerade, „Der sah so ähnlich aus wie du, und hatte auch solche herrlichen Muskeln. Ich bin mir sicher, wir beide werden viel Spaß miteinander haben."
Ray war sich da nicht so sicher. Und er wollte auch keinen Spaß mit seinem neuen Meister haben. Dass dieser einen Muskel-Fetisch hatte, war ihm schon aufgefallen, als er von dem Alpha erstanden worden war, und jeder weitere Kommentar in die Richtung hatte ihn in dieser Auffassung nur bestärkt und weiter beunruhigt. Wer hätte gedacht, dass mir mein durchtrainierter Körper einmal zum Verhängnis werden würde, dachte Ray bitter, Dabei halte ich mich doch in Form, weil ich eigentlich nicht wie ein typischer männlicher Omega aussehen will. Und natürlich, weil ich nicht wie ein Opfer aussehen will. Und jetzt werde ich genau zu dem – zu einem Opfer.
Ray wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, seit er gekauft worden war, aber ihm war als wären Ewigkeiten vergangen. Sein neuer Meister schien kein besonderes Interesse daran zu haben ihn so schnell wie möglich vom Sklavenmarkt wegzuschaffen, sondern zerrte ihn quer durch diesen hinter sich her, als wäre er auf Shoppingtour und Ray seine Begleitung.
Der Sprengstoff-Kragen war Ray abgenommen worden, als er verkauft worden war, dafür hatte ihm sein neuer Meister eine Art Leine mit einem Kettenhalsband daran um den Hals gelegt, und führte ihn an dieser spazieren. Ray würde ja sagen, dass er sich wie ein Hund fühlte, aber Hunde, da war er sich ziemlich sicher, bekamen wenigstens Wasser und Futter, während das einzige, das seinen Weg in Rays Mund gefunden hatte, irgendwelche Drogen gewesen waren, die ihn wuschig im Kopf machten. Vermutlich dienten sie hauptsächlich dazu ihn an der Flucht zu hindern, doch wenn Ray ehrlich war, dann wollte er im Moment nicht einmal fliehen, da er nicht wusste, wohin er hätte fliehen sollen. Um ihn herum waren überall Sklaven und Skavenhalter und Sklavenhändler, und er hatte keine Ahnung was aus Nate und Rip geworden war und ob Sara, Mick und Amaya überhaupt noch ihm suchten, und wenn ja, wo sie nach ihm suchten. Er wollte nicht so weit gehen zu sagen, dass er aufgegeben hatte, aber … nun ja, vermutlich hatte er aufgegeben.
„Wir beide werden viel Spaß miteinander haben", prophezeite ihm sein neuer Meister gerade, „Vor allem im Bett. Ich hatte schon öfter Omegas in meinem Besitz, und alle waren sich einig darüber, dass ich der beste Liebhaber war, den sie je hatten."
Ray ersparte es sich darauf hinzuweisen, dass sie das vermutlich nur gesagt hatten, weil sie gedacht hatten, dass sie es sagen mussten. Und er hatte keine besonders große Lust herauszufinden, ob diese Behauptung nun stimmte oder nicht. Er wollte von diesem muskelfetischistischen Alien nicht angefasst werden. Er wollte wissen, was aus Rip und Nate geworden war. Er wollte zurück auf die Waverider. Er wollte Mick. Und er brauchte dringend etwas zu trinken, ansonsten würde er bald ohnmächtig werden.
Ihm war unglaublich heiß, und er hatte zu schwitzen begonnen, womit er noch mehr Körperflüssigkeit verlor. „Meister? Meister, ich brauche dringend eine Pause", meldete er sich schließlich zu Wort.
„Was? Oh, ja, klar. Bald. Es dauert nicht mehr lange, aber ich will diese Ecke hier noch abgehen", meinte sein Besitzer.
Na toll. Hätte mich nicht wenigstens jemand kaufen können, der sich genug um mich schert, um auf meine Gesundheit zu achten, wenn schon nicht auf mein Wohlbefinden?! Ray hatte einfach kein Glück mit seinen Alphas, wie es schien. Nein, das hier ist nicht mein Alpha, es ist ein Alpha, der denkt mich besitzen zu können, aber das ist widerrechtlich. Ich bin ein freier Omega, ich bin kein Sklave! Ray konnte spüren, dass ihm Tränen in die Augen stiegen. Auch das noch! Als ginge es ihm nicht sowieso schon mies genug.
„Verdammt, ich glaube, ich habe mich verirrt", meinte sein neuer Meister.
Ray unterdrückte jede Art von Reaktion. Warum nur hatte er bei so jemanden landen müssen? „Lass mich einen Moment lang nachdenken", forderte sein Meister, „Ja, ich weiß schon: Die Daxamiten haben hier in der Nähe ihr Lager aufgeschlagen, glaube ich. Das ist ein guter Orientierungspunkt. Wenn wir deren Zelte finden, dann wissen wir wieder, wo wir sind, und finden zu meinem Schiff zurück."
Ray wollte nicht zu dem Schiff dieses Kerls zurückfinden. Er wollte nur seine Ruhe. Sie waren endlich ein paar Sekunden stehen geblieben, aber nun rannten sie schon wieder weiter sinnlos durch die Gegend. Ich kann und will nicht mehr, beschloss Ray und blieb stehen. Und dann ließ er sich zu Boden gleiten und setzte sich mitten auf dem Weg hin.
Diese Tat traf seinen Meister offensichtlich überraschend, der deswegen fast mitten im Schritt ausgerutscht und hingefallen wäre und ihn nun verdattert anstarrte. „Was machst du denn?!", beschwerte er sich, „Ist das eine Art Rebellion? Ich habe doch gesagt, dass wir gleich Pause machen."
„Ich bin müde, durstig und hungrig, Meister. Und ich wurde entführt, versklavt und verkauft. Ich vermisse meine Freunde. Ich vermisse mein Rudel. Ich vermisse meinen Alpha. Beide davon. Ich bin ein freier Mann, oder zumindest sollte ich das sein! Und ich weigere mich auch nur noch einen weiteren Schritt zu tun!", verkündete Ray und unterdrückte wieder die Tränen. Warum passierten solche Dinge nur immer ihm?
„Hör mal, würdest du bitte aufhören eine Szene zu machen? Wir werden schon von allen angestarrt. Das ist doch peinlich", meinte sein Meister beschwörend.
„Ich mache keine Szene! Ich wurde von Piraten entführt und zu einem Sklaven gemacht! Und das schon vor Tagen! Ich habe meinen längest überfälligen Nervenzusammenbruch!", erwiderte Ray aufgelöst, „Tut mir ja sehr leid, wenn der ungelegen für Sie kommt!"
„Bitte lass das und steh auf. Wir können über alles reden. Im Schiff, später. Zwing mich nicht dich vor all diesen Leuten hier zu disziplinieren!", warnte ihn sein Meister.
Ray war ziemlich egal, ob er diszipliniert werden würde oder nicht. Er konnte einfach nicht mehr weiter. Er hatte keine Kraftreserven mehr übrig, und ihm war so unglaublich heiß.
„Jetzt komm schon. Du bekommst auch was Süßes, sobald wir auf dem Schiff sind", versuchte ihn sein Meister zum Aufstehen zu überreden, als wäre er ein kleines Kind.
Ray schüttelte nur seinen Kopf.
„Zwing mich bitte nicht dir weh zu tun!", forderte sein Meister erneut, doch Ray machte keine Anstalten zu kooperieren. Er starrte seinen Meister trotzig an, der ihn wiederum wütend ansah und dann etwas aus seinem Mantel holte, das aussah wie ein Schlagstock. Vielleicht hoffte er, dass der Anblick alleine Ray Beine machen würden, doch das tat er nicht. Ray hatte nicht vor aufzustehen.
„Du lässt mir keine andere Wahl", seufzte sein Meister und holte mit dem Stock aus, doch bevor der Ray traf, wurde dieser Mitten im Schlag aufgehalten. Ray sah hoch und traute seinen Augen nicht.
„Wenn du deinen Kopf behalten willst, dann lässt du das lieber bleiben", warnte eine tiefe Stimme den Mann mit dem Schlagstock.
„Mick?!"
A/N: In ein bis zwei Kapiteln wird diese Fic abgeschlossen sein, schätze ich.
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