Anmerkungen
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 11
Es war der dritte Tag nach dem Verschwinden Hotarus. Jacen hatte inzwischen erfahren, daß er den Aufnahmetest für die Schule bestanden hatte, und in dieselbe Klasse gehen würde wie Ami, Rei, Minako, Makoto und Usagi.
Es war noch früh morgens. Fünf Uhr, um genau zu sein, als der junge Jedi erwachte. Amis tiefe, gleichmässige Atemzüge verrieten ihm, daß sie noch schlief. Er war jedoch nicht mehr müde, also erhob er sich fast lautlos, griff nach seinen Sachen und schlich aus dem Zimmer. Er wusch sich, kleidete sich an und war gerade auf dem Weg in die Küche, als die Haustür aufging.
Amis Mutter stand völlig übermüdet in der Tür.
"Guten Morgen, Jacen. Warum bist du schon auf ?"
Er lächelte freundlich.
"Guten Morgen, Mizuno-san." erwiderte er leise ihren Gruß. "Ich komme mit wenig Schlaf aus, wenn ich eine Jedi-Meditationstechnik verwende. Und ich wollte die morgendliche Ruhe nutzen, um ein wenig nachzudenken."
Sie nickte verständnisvoll und dirigierte ihn in die Küche, wo sie begann, für Beide eine Tasse Tee zuzubereiten.
"Darüber, wie du wieder nach Hause kommst, nicht wahr ?"
"Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, daß das etwas bringen würde." antwortete er nüchtern. "Ich habe nicht den kleinsten Hinweis darauf, wie ich hergelangt bin, also ist eine solche Überlegung nutzlos."
"Also glaubst du nicht, daß du wieder nach Hause kommen wirst ?"
"Oh, das habe ich nicht gesagt, Mizuno-san. Irgendwie werde ich nach Hause kommen. Darüber mache ich mir keine Sorgen."
"Worüber dann ?" fragte Amis Mutter. "Oder willst du nicht darüber reden ?"
"Wir Jedi glauben, daß jedes Ding seinen Platz im Universum hat, und daß jedes Ereignis in einen größeren Kontext passt."
"Du redest von Schicksal, oder ?" fragte sie, während sie ihm eine Tasse Tee reichte und sich zu ihm an den Küchentisch setzte.
"Danke. Ja, das tue ich." erklärte Jacen. "Allerdings nicht im Sinne von Unabänderlichkeit. So etwas wie ein festgelegtes Schicksal gibt es nicht."
"Du klingst da sehr sicher." meinte sie und nippte vorsichtig an ihrem Tee.
"Damals während der Rebellion gegen das Imperium hatte mein Onkel Visionen vom möglichen Tod meiner Mutter und meines Vaters, aber was er gesehen hatte war nur eine mögliche Zukunft. Eine Zukunft, die Wirklichkeit werden konnte, wenn bestimmte Ereignisse eingetreten wären."
"Und das war nicht der Fall, nehme ich an."
Jacen nickte bestätigend.
"Durch Zufall waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort." entgegnete er grinsend. "Wobei man damit eigentlich den Grund für die spektakulärsten Siege über das Imperium beschreiben könnte. Nach Meinung der Jedi gibt es so etwas wie Zufall oder Glück allerdings nicht. Das ist alles das Wirken der Macht."
"Der Macht ?"
Jacen nickte ernst.
"Mein Onkel Luke ist zur Zeit der mächtigste Jedi, den es gibt. Er wuchs auf einer Feuchtfarm auf einem Wüstenplaneten auf und hatte keine Ahnung von seinen Fähigkeiten. Einer von zwei noch lebenden Jedimeistern lebte seit einer Ewigkeit ebenfalls auf dem gleichen Planeten, nur wenige Stunden von Lukes Heim entfernt. Trotzdem liefen sich die Zwei erst durch eine Verkettung seltsamer Vorkommnisse über den Weg, als es notwendig wurde."
Jacen erzählte ihr in groben Zügen die Geschichte von Lukes Aufbruch von Tatooine bis zur Vernichtung des ersten Todessterns bei Yavin. Dann fragte sie ihn nach seinen eigenen Erlebnissen, und er erzählte bereitwillig von sich selbst. Obwohl die Ärztin müde war, fand sie die Geschichte so spannend, daß ihr kein Wort entging.
"Und deshalb mache ich mir Gedanken darüber, weshalb ich hier gelandet bin." beendete er seine Erzählung. "Ich frage mich, ob es irgendeinen besonderen Grund für meine Anwesenheit auf dieser Welt gibt."
"Morgen, Mum. Morgen, Jacen." murmelte Ami, schlurfte zu ihrer Mutter und gab ihr einen Begrüßungskuß auf die Wange.
Erst als Ami die Küche betrat, merkten Jacen und ihre Mutter, wie spät es schon war.
"Morgen, Schatz." begrüßte ihre Mutter sie und umarmte sie liebevoll.
"Guten Morgen, Ami." schloß Jacen sich an.
"Seit wann bist du schon auf ?"
"Seit fünf Uhr."
Ami runzelte überrascht die Stirn.
"Und du bist gar nicht müde ?"
"Nein. Dank einer Jedi-Meditationstechnik komme ich mit drei Stunden Ruhe pro Nacht wunderbar aus." versicherte er ihr grinsend.
"Das würde ich auch gern können."
"Ganz sicher." bemerkte ihre Mutter schmunzelnd. "Damit du noch mehr lernen kannst."
Ami errötete leicht.
"Aber ich würde das auch gern können." fügte sie wehmütig hinzu. "Damit ich mehr Zeit mit dir verbringen kann, Ami-chan."
"Ist schon okay, Mum." sagte Ami sofort. "Du arbeitest jeden Tag so lange, um anderen Leuten zu helfen, also mußt du dich ausruhen, wenn du zu Hause bist. Ich verstehe das."
Ihre Mutter lächelte liebevoll. Tränen schimmerten in ihren Augen.
"Trotzdem habe ich immer das Gefühl dich zu vernachlässigen." murmelte sie.
"Das brauchst du nicht, Mum." versicherte ihre Tochter ihr. "Ich weiss, du liebst mich, und ich liebe dich ebenfalls. Und ich weiss, wenn es wirklich wichtig wird, wirst du für mich da sein. Alles andere ist unwichtig."
Mutter und Tochter umarmten sich, während Jacen beschloß, sich nützlich zu machen. Er deckte den Frühstückstisch.
Abgesehen davon, daß Ami Jacen nochmal einen kurzen Überblick darüber lieferte, was ihn heute an seinem ersten Schultag erwarten würde, verlief das Frühstück ausgesprochen ruhig.
Schließlich packten die Kinder ihre Lunchboxen ein, verabschiedeten sich von Amis Mutter und machten sich auf den Weg zur Schule. Ami trug zwar unter ihrer Schuluniform noch einen Verband, aber die angeknacksten Rippen lieferten ihr nur eine Entschuldigung, um nicht am Sportunterricht teilnehmen zu müssen. Unterwegs gesellten sich noch Minako und Makoto zu ihnen, die Ami mit Bemerkungen über sie und ihren neuen 'Freund' irritierten. Vor dem Schultor trafen sie schließlich auch auf Rei.
"Guten Morgen, Leute." begrüßte die angehende Shinto-Priesterin Jacen und ihre Freundinnen. Sie schob sich eine Strähne ihres langen, schwarzen Haars aus dem Gesicht und grinste belustigt.
"Also ihr Zwei gebt ein echt schönes Paar ab, Ami."
Ami errötete sofort und funkelte Rei böse an.
"Jetzt fang du nicht auch noch an, Rei."
"Aber sie hat doch Recht." feixte Minako.
"Oder findest du Jacen etwa nicht süß ?" fügte Makoto grinsend hinzu.
Nun wurde sogar Jacen rot, der bis dahin gar nicht begriffen hatte, daß er mit Amis neuem Freund gemeint gewesen war.
Er beugte sich zu Ami vor und flüsterte ihr ins Ohr:
"Mach dir nichts draus. Einfach ignorieren."
Ami nickte zustimmend, doch sofort rief Minako:
"Guckt mal wie süß ! Zwei verliebte Turteltäubchen !"
Sofort stimmten Rei und Makoto mit ein. Erst die Schulglocke erlöste Ami und Jacen von ihren Qualen.
Die Mädchen machten sich auf den Weg in ihre Klasse, während Jacen zum Lehrerzimmer ging und sich bei Herrn Matsumoto meldete, dem Klassenlehrer seiner neuen Klasse.
Pünktlich zum Beginn des Unterrichts erschien Matsumoto-sensei mit Jacen im Schlepptau in der Klasse.
"Klasse, ab heute haben wir einen neuen Schüler hier."
Der Lehrer trat zur Seite, und Jacen verbeugte sich und stellte sich vor, wie Ami es ihm erklärt hatte.
"Hallo. Mein Name ist Jacen Mizuno. Ich hoffe, wir werden alle gute Freunde werden." Er richtete sich wieder auf und lächelte freundlich. Mit einiger Sorge registrierte er die intensiven Blicke, die ihm einige Mädchen aus der Klasse zuwarfen. Das Getuschel wegen seines Nachnamens entging ihm natürlich auch nicht. Genausowenig wie die Blicke, die seine neuen Klassenkameraden Ami zuwarfen.
"Ich bin übrigens ein Cousin von Ami." fügte er deshalb hinzu. Wie erwartet entspannte diese Information die Lage für Ami ein wenig.
Matsumoto-sensei wollte ihm gerade einen Platz zuweisen, als plötzlich die Klassentür aufflog, und eine rot angelaufene, keuchende Usagi sich an den Türrahmen klammerte, um nicht vor Erschöpfung zusammenzubrechen.
"Entschuldigung,...mein...Wecker ist...schon wieder..." begann sie kleinlaut, wurde aber vom Lehrer unterbrochen.
"Sparen sie sich den Atem, um sich zu erholen, Tsukino. Die Strafe für verspätetes Erscheinen zum Unterricht dürfte ihnen ja nicht ganz unbekannt sein, also setzen sie sich einfach, und versuchen sie, morgen pünktlicher zu sein."
An dieser Stelle kicherten die meisten Schüler, und Usagi schlich mit hängenden Schultern zu ihrem Platz.
"Mizuno, setzen sie sich auf den freien Platz zwischen Aino und Tsukino." wies der Lehrer ihn an. "Der Punktzahl in ihrem Aufnahmetest nach hege ich die schwache Hoffnung, daß ihre Anwesenheit in ihrer Nähe positive Auswirkungen auf die beiden Damen haben wird."
Wieder kicherte der überwiegende Teil der Klasse.
Minako und Usagi schauten verlegen zu Boden, während Rei, Makoto und Ami verzweifelt so taten, als würden sie von alldem gar nichts mitbekommen.
==============================
Hotaru war völlig erledigt. Seit zwei Tagen trainierte sie den Umgang mit der Macht. Stundenlang ließ sie Dinge durch die Gegend schweben oder arbeitete an entsprechenden Fitnessmaschinen an der Verbesserung ihrer Ausdauer. Und in ihrer fast nicht existierenden Freizeit ruhte sie sich aus, schrieb an ihrem nächsten Brief an ihre Eltern, oder hing mit Midori bei Zirkonite rum - auch wenn die Bilder aus den Krisenregionen, die die Frau ständig anschaute, sie deprimierten. Als sie gefragt hatte, wann denn der Meister mit seinen Unterweisungen beginnen würde, hatte er ihr erklärt, daß Midoris und Zirkonites Training bereits Teil der Ausbildung waren, und daß er diesen Teil den Beiden überlassen hatte, weil es erstens sehr einfache Übungen waren, die nicht zwangsläufig die Aufsicht eines großen Meisters bedurften, und daß er zweitens mit wichtigen Arbeiten beschäftigt war, die ihn im Moment sehr beanspruchten.
"Warum kann ich nicht als Sailor Saturn trainieren ?" hatte sie Midori einmal gefragt.
Daraufhin hatte Midori nur gelächelt und gesagt, sie solle versuchen, als Hotaru stärker zu werden, denn das würde ihre Stärke als Sailor Saturn potenzieren. Außerdem solle sie ihren Körper nicht vernachlässigen, weil es leichter sei, die Macht durch einen gesunden Körper zu lenken als durch einen schwächlichen.
"Im Übrigen wird das körperliche Ausdauertraining dein geistiges Durchhaltevermögen ebenfalls verbessern." hatte Midori erklärt. "Aber der wichtigste Grund, warum du als Hotaru trainieren sollst ist, weil es der Meister so angeordnet hat."
Nun befand sie sich keuchend und schwitzend auf einem Laufband. Zweieinhalb Kilometer hatte sie schon hinter sich, und sie sollte solange weitermachen, bis sie nicht mehr konnte, hatte Zirkonite gesagt. Dies würde zweifellos bald der Fall sein.
Nach einiger Zeit betrat Midori den Raum und stellte sich auch auf ein Laufband. Sie rannte mit kräftigen, rhytmischen Bewegungen, während der integrierte EKG-Monitor nur eine minimale Erhöhung der Herzfrequenz anzeigte.
"Du kannst die Macht aus deiner Umgebung in dir selbst aufnehmen, um deine Kraft und Ausdauer zeitweilig zu erhöhen." erklärte Midori ihr ohne langsamer zu werden oder aus dem Tritt zu kommen. "Auch deine Geschwindigkeit und deine Reflexe kannst du so steigern."
"Und...wie...mach ich...das ?" keuchte Hotaru erschöpft.
"Du weisst, daß die Macht sich in allem befindet, also auch in dir." antwortete Midori. "Und du weisst, wie du die Macht in leblosen Objekten manipulieren kannst. Die Methode, mit der du die Macht in dir selbst manipulierst, ist fast dieselbe. Allerdings ist es für einen Neuling wie dich schwerer, sich auf die Anwendung der Macht zu konzentrieren, wenn du gleichzeitig noch etwas anderes tust. Da das im Kampf aber häufig notwendig sein wird, ist das hier eine gute Anfangsübung dafür."
Midori fuhr fort, Hotaru die feinen Unterschiede zu erklären. Dann versuchte Hotaru Midoris Anweisungen in die Tat umzusetzen. Nach wenigen Anläufen bemerkte sie erfreut, daß ihr das Laufen plötzlich viel leichter fiel. Sie konnte ihr Lauftempo schließlich halten, ohne wie eine alte Dampflok zu schnaufen, und auch ihre Herzfrequenz bewegte sich wieder in gesunde Regionen hinein.
Enthusiastisch steigerte sie ihr Tempo ein wenig und verstärkte gleichzeitig ihren Zugriff auf die Macht, die nun fühlbar durch ihren Körper floß.
"Wenn du die Macht einsetzt, um deine körperlichen Fähigkeiten zu verbessern, solltest du dir noch eine Sache merken." beendete Midori zufrieden ihre Unterweisung zu diesem Thema. "Wenn du aufhörst, beende zuerst die körperliche Tätigkeit und erst danach die Manipulation der Macht. Hältst du diese Reihenfolge nicht ein, kann das gefährlich für deinen Körper werden."
Hotaru nickte und lächelte glücklich.
"Das habe ich mir schon immer gewünscht." hauchte sie, von ihrer Freude überwältigt.
"Was ?"
"Als Hotaru so herumrennen zu können wie andere Kinder."
"Ich würde sagen, du dürftest jetzt deutlich besser als jedes Kind sein. Vermutlich sogar besser als ein gewöhnlicher Erwachsener." erwiderte Midori kichernd.
Midori ließ Hotaru noch eine Weile laufen, doch als diese keine Anstalten machte, von selbst aufzuhören, stoppte sie sie.
"Du hast jetzt sechzig Kilometer in vier Stunden zurückgelegt." meinte Midori grinsend. "Das reicht für heute, denke ich."
"Ich habe gar nicht gemerkt, daß ich so lange gelaufen bin." bemerkte Hotaru staunend.
"Du lernst schnell." lobte Midori sie. "Nun laß uns sehen, wie gut du die Macht einzusetzen vermagst, um deine Reflexe zu verbessern."
Sie führte Hotaru in die Mitte der großen Trainingshalle, die sie bisher für das Training im Bewegen von Objekten benutzt hatten. Überall im Raum lagen Steine, Metallrohre und andere Dinge verstreut. Dann gab sie ihr ihr Lichtschwert.
"Der Knopf dort an der Seite aktiviert die Waffe." erklärte Midori ihr. "Sei aber vorsichtig mit der Klinge. Wenn du dich damit selbst triffst, geht es dir schlecht."
Hotaru, die sich noch sehr gut daran erinnerte, wie gut die Klinge Stahl schneiden konnte, nickte ernst.
"Was soll ich tun ?"
"Ich werde ans Ende der Halle gehen. Dann werde ich die Macht benutzen, um mit einigen Gegenständen, die hier rumliegen, nach dir zu werfen." erklärte Midori. "Deine Aufgabe ist es, dich nicht treffen zu lassen, also weich entweder aus, oder lenk die Objekte ab."
"Mit dem Lichtschwert."
"Oder auf jede andere Art, die dir einfällt. Es gibt keine besonderen Regeln oder Einschränkungen. Wenn du in einen richtigen Kampf verwickelt bist, gibt es schließlich auch keine Regeln, die dir sagen, womit du kämpfen darfst, nicht wahr ?"
"Aber ich soll das wieder als Hotaru tun, richtig ?"
"Exakt." Midori nickte. "Denk dran, daß du die Bewegung der Objekte mit der Macht wahrnehmen kannst. Und die ersten Teile werde ich langsam bewegen, damit du dich daran gewöhnst, die Macht für mehrere Aufgaben gleichzeitig einzusetzen."
Hotaru nickte zustimmend. Ihre Erfahrungen mit Midori und Zirkonite hatten ihr gezeigt, daß sie alles lernen konnte, was die Zwei versuchten ihr beizubringen. Das gab ihr Selbstvertrauen. Und der Glaube an sich selbst war wichtig für die Anwendung der Macht. Das hatte Midori ihr ja selbst gesagt.
"Bist du bereit ?" rief Midori vom anderen Ende der Halle.
Hotarus Hände umfassten den Griff des Lichtschwerts fester. Dann drückte sie auf den Aktivierungsknopf, und mit einem aggressiven Summen tauchte die blutrote Energieklinge auf. Vorsichtig schwang sie die Waffe hin und her, um sich an das Gefühl zu gewöhnen. Da die Klinge kein Gewicht hatte, war die Waffe selbst für ein junges Mädchen wie sie leicht zu handhaben.
"Ich bin bereit." verkündete sie schließlich.
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Als es an der Tür klingelte, war Setsuna gerade in der Küche damit beschäftigt, sich einen Tee zuzubereiten. Sie war schon den ganzen Morgen über beunruhigt gewesen, ohne dafür einen Grund benennen zu können. Eine Tasse Tee würde ihren überreizten Nerven da sicher gut tun.
Setsuna war bereits auf dem Weg zur Tür, als sie plötzlich von der draußen wartenden Person eine dunkle Ausstrahlung spürte. Die Ausstrahlung war nur sehr schwach, und so vage, daß sie sich unmöglich zuordnen liess. Die Person vor der Tür konnte ein Abgesandter einer finsteren Macht, aber ebensogut ein einfacher Räuber sein.
Diese Ungewissheit war es, die Setsuna zögern liess. Sollte ihr Gegenüber ein einfacher Verbrecher sein, wäre es sicher übertrieben, ihm als Sailor Pluto gegenüberzutreten. Für einen kurzen Moment erwog sie einen Abstecher zum Tor der Zeit, um sich Gewissheit zu verschaffen, aber bevor sie das tun konnte, erhielt sie die benötigte Antwort auf anderem Wege.
Die Person vor der Tür hatte das Zögern ihres Opfers ebenfalls gespürt, und daraus den Schluß gezogen, daß sie sich die Tür selbst würde öffnen müssen, um hereinzukommen. Sie aktivierte ihr Lichtschwert und zerstörte damit das Türschloß. Ein kleiner Schubser mit der Macht öffnete daraufhin die Tür, und Ravana sah sich einer ziemlich verblüfften Setsuna Meiyoh gegenüber.
"Guten Tag. Ich hoffe, ich komme nicht allzu ungelegen."
Ihr höfliches Lächeln und ihr freundlicher Tonfall passten so gar nicht zur Methode ihres Eindringens. Ebensowenig passten sie zu dem aktivierten Lichtschwert in ihrer rechten Hand.
Setsuna trat irritiert einen Schritt zurück, und ihr ungebetener Gast fasste dies als Einladung auf, einzutreten.
"Sie kommen unerwartet, aber nicht unbedingt ungelegen." entgegnete Setsuna, während sie versuchte, ihre sich überschlagenden Gedanken zu ordnen und Zeit zu gewinnen. "Auch wenn ihre Art Türen zu öffnen etwas irritierend ist."
"Es lag nicht in meiner Absicht, sie zu verärgern." erwiderte die rotblonde Frau gelassen. "Aber mein Besuch bei ihnen ist wichtig, und ich hatte das Gefühl, daß sie auf mein Klingeln nicht so wie erwünscht reagieren würden."
"Verstehe." meinte Setsuna mit einem gezwungenen Lächeln und führte die Frau ins Wohnzimmer.
"Setzen sie sich doch. Ich hab gerade Tee gemacht, also wenn sie wollen..."
Als die Frau mit einem Nicken ihr Lichtschwert abschaltete und sich setzte, war Setsuna bereits halb auf dem Weg in die Küche.
°Das verschafft mir die Gelegenheit, mich zu verwandeln, und dann werden wir Zwei mal Klartext reden.°
Plötzlich fühlte sie sich von einer unsichtbaren Hand festgehalten.
"Andererseits möchte ich ihnen keine unnötigen Umstände machen."
Setsuna drehte sich um und sah, daß die Frau ihre linke Hand in ihre Richtung ausgestreckt hatte.
°Sie hat einen Zauber benutzt. Sie ist gefährlich.°
Dann hob Setsuna ihre rechte Hand, in der sie die ganze Zeit über etwas verborgen hatte, was auf den ersten Blick wie ein Füllfederhalter aussah.
"Pluto Planet Power,..."
Sie kam nicht dazu, den Transformationsspruch zu beenden. Eine unsichtbare Kraft riß ihr das magische Artefakt aus der Hand und ließ es zu jener Frau herüberfliegen, die es geschickt mit der linken Hand auffing.
"Aber, aber...wer wird denn gleich so aggressiv werden ?" tadelte sie die geschockte Setsuna kopfschüttelnd.
"Was ?...Wie...?"
"Die Macht." antwortete Ravana lapidar, während sie sich von ihrem Platz erhob.
"Die...Macht ?"
"Ganz genau. Aber sag mal, ist es nicht furchtbar umständlich, sich erst verwandeln zu müssen, bevor man Zugriff auf seine Kräfte hat ?" fragte Ravana unschuldig.
Setsuna warf ihr einen eisigen Blick zu.
"Ich bin geneigt, dir zuzustimmen."
Ravana lächelte amüsiert und warf dann einen kurzen Blick auf Setsunas Transformationsstab.
"Interessant."
"Was ist interessant ?"
"Das Ding sieht fast so aus wie Hotarus."
Setsuna wurde bleich.
"W-was hast du mit ihr gemacht ? Wo ist sie ?"
Ravanas Lächeln wurde eine Spur breiter.
"Wo sie ist, ist doch völlig unwichtig. Und was wir mit ihr tun ? Nun, wir bringen ihr bei, die Macht zu nutzen."
"Und warum ?"
"Liegt das nicht auf der Hand ?" fragte Ravana erstaunt. "Das steigert ihren Wert."
Setsuna fühlte sich, als würde eine eisige Hand ihr Herz umklammern, als sich ein Verdacht in ihr zu regen begann.
"Wert ?" fragte sie vorsichtig. "Als was ?"
"Als Verbündete natürlich. Als was sonst ?" Sie genoß den seelischen Schmerz ihres Gegenübers, also drehte sie die Klinge gleich noch einmal in der Wunde um. "Und wenn wir sie auf unsere Seite gezogen haben, werden wir mit ihrer Hilfe nach und nach alle anderen Senshi zur Dunklen Seite der Macht bekehren."
"Das...das kann euch unmöglich gelingen." keuchte Setsuna schockiert. "Wir werden das verhindern. Und wir werden auch Hotaru aus euren Klauen befreien."
"So ? Falls das tatsächlich geschehen sollte, wird dieses Ereignis leider ohne deine Gegenwart stattfinden, Sailor Pluto, denn angesichts der bevorstehenden Ereignisse können wir es uns nicht erlauben, Jemanden auf dieser Welt wandeln zu lassen, der die Zeitlinie manipulieren kann."
Wäre sie in der Lage gewesen, sich zu bewegen, hätte Setsuna nun den Kopf hängen lassen.
"Wie habt ihr Hotaru dazu gebracht, euch diese Information zu geben ?" fragte sie niedergeschlagen.
"Wir haben sie einfach nur gefragt." erklärte Ravana grinsend. "Abgesehen von euren Identitäten ist sie sehr freigiebig mit Informationen."
"Ich...verstehe."
Mit einem leichten Ausdruck des Bedauerns trat Ravana näher an Setsuna heran und hob ihr Lichtschwert.
"Ich versichere dir, daß ich das hier nicht aus persönlichen Gründen tue, Sailor Pluto. Dein Tod ist das Ergebnis reiner Sachzwänge, also nimm es bitte nicht persönlich, okay ?"
Diese Kaltschnäuzigkeit verschlug Setsuna glatt die Sprache. Sie konnte noch immer keinen Muskel rühren, obwohl sie während des gesamten Gesprächs versucht hatte, sich zu befreien. Wenn kein Wunder geschah, würde sie hier sterben.
Setsuna warf noch einen letzten Blick auf die näherkommende Klinge des Lichtschwerts.
Dann lächelte sie und schloß die Augen.
Für immer.
?
°....° = jemand denkt
"...." = jemand sagt
{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)
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Darth Saturn - The Dark Harvest
Teil 11
Es war der dritte Tag nach dem Verschwinden Hotarus. Jacen hatte inzwischen erfahren, daß er den Aufnahmetest für die Schule bestanden hatte, und in dieselbe Klasse gehen würde wie Ami, Rei, Minako, Makoto und Usagi.
Es war noch früh morgens. Fünf Uhr, um genau zu sein, als der junge Jedi erwachte. Amis tiefe, gleichmässige Atemzüge verrieten ihm, daß sie noch schlief. Er war jedoch nicht mehr müde, also erhob er sich fast lautlos, griff nach seinen Sachen und schlich aus dem Zimmer. Er wusch sich, kleidete sich an und war gerade auf dem Weg in die Küche, als die Haustür aufging.
Amis Mutter stand völlig übermüdet in der Tür.
"Guten Morgen, Jacen. Warum bist du schon auf ?"
Er lächelte freundlich.
"Guten Morgen, Mizuno-san." erwiderte er leise ihren Gruß. "Ich komme mit wenig Schlaf aus, wenn ich eine Jedi-Meditationstechnik verwende. Und ich wollte die morgendliche Ruhe nutzen, um ein wenig nachzudenken."
Sie nickte verständnisvoll und dirigierte ihn in die Küche, wo sie begann, für Beide eine Tasse Tee zuzubereiten.
"Darüber, wie du wieder nach Hause kommst, nicht wahr ?"
"Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, daß das etwas bringen würde." antwortete er nüchtern. "Ich habe nicht den kleinsten Hinweis darauf, wie ich hergelangt bin, also ist eine solche Überlegung nutzlos."
"Also glaubst du nicht, daß du wieder nach Hause kommen wirst ?"
"Oh, das habe ich nicht gesagt, Mizuno-san. Irgendwie werde ich nach Hause kommen. Darüber mache ich mir keine Sorgen."
"Worüber dann ?" fragte Amis Mutter. "Oder willst du nicht darüber reden ?"
"Wir Jedi glauben, daß jedes Ding seinen Platz im Universum hat, und daß jedes Ereignis in einen größeren Kontext passt."
"Du redest von Schicksal, oder ?" fragte sie, während sie ihm eine Tasse Tee reichte und sich zu ihm an den Küchentisch setzte.
"Danke. Ja, das tue ich." erklärte Jacen. "Allerdings nicht im Sinne von Unabänderlichkeit. So etwas wie ein festgelegtes Schicksal gibt es nicht."
"Du klingst da sehr sicher." meinte sie und nippte vorsichtig an ihrem Tee.
"Damals während der Rebellion gegen das Imperium hatte mein Onkel Visionen vom möglichen Tod meiner Mutter und meines Vaters, aber was er gesehen hatte war nur eine mögliche Zukunft. Eine Zukunft, die Wirklichkeit werden konnte, wenn bestimmte Ereignisse eingetreten wären."
"Und das war nicht der Fall, nehme ich an."
Jacen nickte bestätigend.
"Durch Zufall waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort." entgegnete er grinsend. "Wobei man damit eigentlich den Grund für die spektakulärsten Siege über das Imperium beschreiben könnte. Nach Meinung der Jedi gibt es so etwas wie Zufall oder Glück allerdings nicht. Das ist alles das Wirken der Macht."
"Der Macht ?"
Jacen nickte ernst.
"Mein Onkel Luke ist zur Zeit der mächtigste Jedi, den es gibt. Er wuchs auf einer Feuchtfarm auf einem Wüstenplaneten auf und hatte keine Ahnung von seinen Fähigkeiten. Einer von zwei noch lebenden Jedimeistern lebte seit einer Ewigkeit ebenfalls auf dem gleichen Planeten, nur wenige Stunden von Lukes Heim entfernt. Trotzdem liefen sich die Zwei erst durch eine Verkettung seltsamer Vorkommnisse über den Weg, als es notwendig wurde."
Jacen erzählte ihr in groben Zügen die Geschichte von Lukes Aufbruch von Tatooine bis zur Vernichtung des ersten Todessterns bei Yavin. Dann fragte sie ihn nach seinen eigenen Erlebnissen, und er erzählte bereitwillig von sich selbst. Obwohl die Ärztin müde war, fand sie die Geschichte so spannend, daß ihr kein Wort entging.
"Und deshalb mache ich mir Gedanken darüber, weshalb ich hier gelandet bin." beendete er seine Erzählung. "Ich frage mich, ob es irgendeinen besonderen Grund für meine Anwesenheit auf dieser Welt gibt."
"Morgen, Mum. Morgen, Jacen." murmelte Ami, schlurfte zu ihrer Mutter und gab ihr einen Begrüßungskuß auf die Wange.
Erst als Ami die Küche betrat, merkten Jacen und ihre Mutter, wie spät es schon war.
"Morgen, Schatz." begrüßte ihre Mutter sie und umarmte sie liebevoll.
"Guten Morgen, Ami." schloß Jacen sich an.
"Seit wann bist du schon auf ?"
"Seit fünf Uhr."
Ami runzelte überrascht die Stirn.
"Und du bist gar nicht müde ?"
"Nein. Dank einer Jedi-Meditationstechnik komme ich mit drei Stunden Ruhe pro Nacht wunderbar aus." versicherte er ihr grinsend.
"Das würde ich auch gern können."
"Ganz sicher." bemerkte ihre Mutter schmunzelnd. "Damit du noch mehr lernen kannst."
Ami errötete leicht.
"Aber ich würde das auch gern können." fügte sie wehmütig hinzu. "Damit ich mehr Zeit mit dir verbringen kann, Ami-chan."
"Ist schon okay, Mum." sagte Ami sofort. "Du arbeitest jeden Tag so lange, um anderen Leuten zu helfen, also mußt du dich ausruhen, wenn du zu Hause bist. Ich verstehe das."
Ihre Mutter lächelte liebevoll. Tränen schimmerten in ihren Augen.
"Trotzdem habe ich immer das Gefühl dich zu vernachlässigen." murmelte sie.
"Das brauchst du nicht, Mum." versicherte ihre Tochter ihr. "Ich weiss, du liebst mich, und ich liebe dich ebenfalls. Und ich weiss, wenn es wirklich wichtig wird, wirst du für mich da sein. Alles andere ist unwichtig."
Mutter und Tochter umarmten sich, während Jacen beschloß, sich nützlich zu machen. Er deckte den Frühstückstisch.
Abgesehen davon, daß Ami Jacen nochmal einen kurzen Überblick darüber lieferte, was ihn heute an seinem ersten Schultag erwarten würde, verlief das Frühstück ausgesprochen ruhig.
Schließlich packten die Kinder ihre Lunchboxen ein, verabschiedeten sich von Amis Mutter und machten sich auf den Weg zur Schule. Ami trug zwar unter ihrer Schuluniform noch einen Verband, aber die angeknacksten Rippen lieferten ihr nur eine Entschuldigung, um nicht am Sportunterricht teilnehmen zu müssen. Unterwegs gesellten sich noch Minako und Makoto zu ihnen, die Ami mit Bemerkungen über sie und ihren neuen 'Freund' irritierten. Vor dem Schultor trafen sie schließlich auch auf Rei.
"Guten Morgen, Leute." begrüßte die angehende Shinto-Priesterin Jacen und ihre Freundinnen. Sie schob sich eine Strähne ihres langen, schwarzen Haars aus dem Gesicht und grinste belustigt.
"Also ihr Zwei gebt ein echt schönes Paar ab, Ami."
Ami errötete sofort und funkelte Rei böse an.
"Jetzt fang du nicht auch noch an, Rei."
"Aber sie hat doch Recht." feixte Minako.
"Oder findest du Jacen etwa nicht süß ?" fügte Makoto grinsend hinzu.
Nun wurde sogar Jacen rot, der bis dahin gar nicht begriffen hatte, daß er mit Amis neuem Freund gemeint gewesen war.
Er beugte sich zu Ami vor und flüsterte ihr ins Ohr:
"Mach dir nichts draus. Einfach ignorieren."
Ami nickte zustimmend, doch sofort rief Minako:
"Guckt mal wie süß ! Zwei verliebte Turteltäubchen !"
Sofort stimmten Rei und Makoto mit ein. Erst die Schulglocke erlöste Ami und Jacen von ihren Qualen.
Die Mädchen machten sich auf den Weg in ihre Klasse, während Jacen zum Lehrerzimmer ging und sich bei Herrn Matsumoto meldete, dem Klassenlehrer seiner neuen Klasse.
Pünktlich zum Beginn des Unterrichts erschien Matsumoto-sensei mit Jacen im Schlepptau in der Klasse.
"Klasse, ab heute haben wir einen neuen Schüler hier."
Der Lehrer trat zur Seite, und Jacen verbeugte sich und stellte sich vor, wie Ami es ihm erklärt hatte.
"Hallo. Mein Name ist Jacen Mizuno. Ich hoffe, wir werden alle gute Freunde werden." Er richtete sich wieder auf und lächelte freundlich. Mit einiger Sorge registrierte er die intensiven Blicke, die ihm einige Mädchen aus der Klasse zuwarfen. Das Getuschel wegen seines Nachnamens entging ihm natürlich auch nicht. Genausowenig wie die Blicke, die seine neuen Klassenkameraden Ami zuwarfen.
"Ich bin übrigens ein Cousin von Ami." fügte er deshalb hinzu. Wie erwartet entspannte diese Information die Lage für Ami ein wenig.
Matsumoto-sensei wollte ihm gerade einen Platz zuweisen, als plötzlich die Klassentür aufflog, und eine rot angelaufene, keuchende Usagi sich an den Türrahmen klammerte, um nicht vor Erschöpfung zusammenzubrechen.
"Entschuldigung,...mein...Wecker ist...schon wieder..." begann sie kleinlaut, wurde aber vom Lehrer unterbrochen.
"Sparen sie sich den Atem, um sich zu erholen, Tsukino. Die Strafe für verspätetes Erscheinen zum Unterricht dürfte ihnen ja nicht ganz unbekannt sein, also setzen sie sich einfach, und versuchen sie, morgen pünktlicher zu sein."
An dieser Stelle kicherten die meisten Schüler, und Usagi schlich mit hängenden Schultern zu ihrem Platz.
"Mizuno, setzen sie sich auf den freien Platz zwischen Aino und Tsukino." wies der Lehrer ihn an. "Der Punktzahl in ihrem Aufnahmetest nach hege ich die schwache Hoffnung, daß ihre Anwesenheit in ihrer Nähe positive Auswirkungen auf die beiden Damen haben wird."
Wieder kicherte der überwiegende Teil der Klasse.
Minako und Usagi schauten verlegen zu Boden, während Rei, Makoto und Ami verzweifelt so taten, als würden sie von alldem gar nichts mitbekommen.
==============================
Hotaru war völlig erledigt. Seit zwei Tagen trainierte sie den Umgang mit der Macht. Stundenlang ließ sie Dinge durch die Gegend schweben oder arbeitete an entsprechenden Fitnessmaschinen an der Verbesserung ihrer Ausdauer. Und in ihrer fast nicht existierenden Freizeit ruhte sie sich aus, schrieb an ihrem nächsten Brief an ihre Eltern, oder hing mit Midori bei Zirkonite rum - auch wenn die Bilder aus den Krisenregionen, die die Frau ständig anschaute, sie deprimierten. Als sie gefragt hatte, wann denn der Meister mit seinen Unterweisungen beginnen würde, hatte er ihr erklärt, daß Midoris und Zirkonites Training bereits Teil der Ausbildung waren, und daß er diesen Teil den Beiden überlassen hatte, weil es erstens sehr einfache Übungen waren, die nicht zwangsläufig die Aufsicht eines großen Meisters bedurften, und daß er zweitens mit wichtigen Arbeiten beschäftigt war, die ihn im Moment sehr beanspruchten.
"Warum kann ich nicht als Sailor Saturn trainieren ?" hatte sie Midori einmal gefragt.
Daraufhin hatte Midori nur gelächelt und gesagt, sie solle versuchen, als Hotaru stärker zu werden, denn das würde ihre Stärke als Sailor Saturn potenzieren. Außerdem solle sie ihren Körper nicht vernachlässigen, weil es leichter sei, die Macht durch einen gesunden Körper zu lenken als durch einen schwächlichen.
"Im Übrigen wird das körperliche Ausdauertraining dein geistiges Durchhaltevermögen ebenfalls verbessern." hatte Midori erklärt. "Aber der wichtigste Grund, warum du als Hotaru trainieren sollst ist, weil es der Meister so angeordnet hat."
Nun befand sie sich keuchend und schwitzend auf einem Laufband. Zweieinhalb Kilometer hatte sie schon hinter sich, und sie sollte solange weitermachen, bis sie nicht mehr konnte, hatte Zirkonite gesagt. Dies würde zweifellos bald der Fall sein.
Nach einiger Zeit betrat Midori den Raum und stellte sich auch auf ein Laufband. Sie rannte mit kräftigen, rhytmischen Bewegungen, während der integrierte EKG-Monitor nur eine minimale Erhöhung der Herzfrequenz anzeigte.
"Du kannst die Macht aus deiner Umgebung in dir selbst aufnehmen, um deine Kraft und Ausdauer zeitweilig zu erhöhen." erklärte Midori ihr ohne langsamer zu werden oder aus dem Tritt zu kommen. "Auch deine Geschwindigkeit und deine Reflexe kannst du so steigern."
"Und...wie...mach ich...das ?" keuchte Hotaru erschöpft.
"Du weisst, daß die Macht sich in allem befindet, also auch in dir." antwortete Midori. "Und du weisst, wie du die Macht in leblosen Objekten manipulieren kannst. Die Methode, mit der du die Macht in dir selbst manipulierst, ist fast dieselbe. Allerdings ist es für einen Neuling wie dich schwerer, sich auf die Anwendung der Macht zu konzentrieren, wenn du gleichzeitig noch etwas anderes tust. Da das im Kampf aber häufig notwendig sein wird, ist das hier eine gute Anfangsübung dafür."
Midori fuhr fort, Hotaru die feinen Unterschiede zu erklären. Dann versuchte Hotaru Midoris Anweisungen in die Tat umzusetzen. Nach wenigen Anläufen bemerkte sie erfreut, daß ihr das Laufen plötzlich viel leichter fiel. Sie konnte ihr Lauftempo schließlich halten, ohne wie eine alte Dampflok zu schnaufen, und auch ihre Herzfrequenz bewegte sich wieder in gesunde Regionen hinein.
Enthusiastisch steigerte sie ihr Tempo ein wenig und verstärkte gleichzeitig ihren Zugriff auf die Macht, die nun fühlbar durch ihren Körper floß.
"Wenn du die Macht einsetzt, um deine körperlichen Fähigkeiten zu verbessern, solltest du dir noch eine Sache merken." beendete Midori zufrieden ihre Unterweisung zu diesem Thema. "Wenn du aufhörst, beende zuerst die körperliche Tätigkeit und erst danach die Manipulation der Macht. Hältst du diese Reihenfolge nicht ein, kann das gefährlich für deinen Körper werden."
Hotaru nickte und lächelte glücklich.
"Das habe ich mir schon immer gewünscht." hauchte sie, von ihrer Freude überwältigt.
"Was ?"
"Als Hotaru so herumrennen zu können wie andere Kinder."
"Ich würde sagen, du dürftest jetzt deutlich besser als jedes Kind sein. Vermutlich sogar besser als ein gewöhnlicher Erwachsener." erwiderte Midori kichernd.
Midori ließ Hotaru noch eine Weile laufen, doch als diese keine Anstalten machte, von selbst aufzuhören, stoppte sie sie.
"Du hast jetzt sechzig Kilometer in vier Stunden zurückgelegt." meinte Midori grinsend. "Das reicht für heute, denke ich."
"Ich habe gar nicht gemerkt, daß ich so lange gelaufen bin." bemerkte Hotaru staunend.
"Du lernst schnell." lobte Midori sie. "Nun laß uns sehen, wie gut du die Macht einzusetzen vermagst, um deine Reflexe zu verbessern."
Sie führte Hotaru in die Mitte der großen Trainingshalle, die sie bisher für das Training im Bewegen von Objekten benutzt hatten. Überall im Raum lagen Steine, Metallrohre und andere Dinge verstreut. Dann gab sie ihr ihr Lichtschwert.
"Der Knopf dort an der Seite aktiviert die Waffe." erklärte Midori ihr. "Sei aber vorsichtig mit der Klinge. Wenn du dich damit selbst triffst, geht es dir schlecht."
Hotaru, die sich noch sehr gut daran erinnerte, wie gut die Klinge Stahl schneiden konnte, nickte ernst.
"Was soll ich tun ?"
"Ich werde ans Ende der Halle gehen. Dann werde ich die Macht benutzen, um mit einigen Gegenständen, die hier rumliegen, nach dir zu werfen." erklärte Midori. "Deine Aufgabe ist es, dich nicht treffen zu lassen, also weich entweder aus, oder lenk die Objekte ab."
"Mit dem Lichtschwert."
"Oder auf jede andere Art, die dir einfällt. Es gibt keine besonderen Regeln oder Einschränkungen. Wenn du in einen richtigen Kampf verwickelt bist, gibt es schließlich auch keine Regeln, die dir sagen, womit du kämpfen darfst, nicht wahr ?"
"Aber ich soll das wieder als Hotaru tun, richtig ?"
"Exakt." Midori nickte. "Denk dran, daß du die Bewegung der Objekte mit der Macht wahrnehmen kannst. Und die ersten Teile werde ich langsam bewegen, damit du dich daran gewöhnst, die Macht für mehrere Aufgaben gleichzeitig einzusetzen."
Hotaru nickte zustimmend. Ihre Erfahrungen mit Midori und Zirkonite hatten ihr gezeigt, daß sie alles lernen konnte, was die Zwei versuchten ihr beizubringen. Das gab ihr Selbstvertrauen. Und der Glaube an sich selbst war wichtig für die Anwendung der Macht. Das hatte Midori ihr ja selbst gesagt.
"Bist du bereit ?" rief Midori vom anderen Ende der Halle.
Hotarus Hände umfassten den Griff des Lichtschwerts fester. Dann drückte sie auf den Aktivierungsknopf, und mit einem aggressiven Summen tauchte die blutrote Energieklinge auf. Vorsichtig schwang sie die Waffe hin und her, um sich an das Gefühl zu gewöhnen. Da die Klinge kein Gewicht hatte, war die Waffe selbst für ein junges Mädchen wie sie leicht zu handhaben.
"Ich bin bereit." verkündete sie schließlich.
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Als es an der Tür klingelte, war Setsuna gerade in der Küche damit beschäftigt, sich einen Tee zuzubereiten. Sie war schon den ganzen Morgen über beunruhigt gewesen, ohne dafür einen Grund benennen zu können. Eine Tasse Tee würde ihren überreizten Nerven da sicher gut tun.
Setsuna war bereits auf dem Weg zur Tür, als sie plötzlich von der draußen wartenden Person eine dunkle Ausstrahlung spürte. Die Ausstrahlung war nur sehr schwach, und so vage, daß sie sich unmöglich zuordnen liess. Die Person vor der Tür konnte ein Abgesandter einer finsteren Macht, aber ebensogut ein einfacher Räuber sein.
Diese Ungewissheit war es, die Setsuna zögern liess. Sollte ihr Gegenüber ein einfacher Verbrecher sein, wäre es sicher übertrieben, ihm als Sailor Pluto gegenüberzutreten. Für einen kurzen Moment erwog sie einen Abstecher zum Tor der Zeit, um sich Gewissheit zu verschaffen, aber bevor sie das tun konnte, erhielt sie die benötigte Antwort auf anderem Wege.
Die Person vor der Tür hatte das Zögern ihres Opfers ebenfalls gespürt, und daraus den Schluß gezogen, daß sie sich die Tür selbst würde öffnen müssen, um hereinzukommen. Sie aktivierte ihr Lichtschwert und zerstörte damit das Türschloß. Ein kleiner Schubser mit der Macht öffnete daraufhin die Tür, und Ravana sah sich einer ziemlich verblüfften Setsuna Meiyoh gegenüber.
"Guten Tag. Ich hoffe, ich komme nicht allzu ungelegen."
Ihr höfliches Lächeln und ihr freundlicher Tonfall passten so gar nicht zur Methode ihres Eindringens. Ebensowenig passten sie zu dem aktivierten Lichtschwert in ihrer rechten Hand.
Setsuna trat irritiert einen Schritt zurück, und ihr ungebetener Gast fasste dies als Einladung auf, einzutreten.
"Sie kommen unerwartet, aber nicht unbedingt ungelegen." entgegnete Setsuna, während sie versuchte, ihre sich überschlagenden Gedanken zu ordnen und Zeit zu gewinnen. "Auch wenn ihre Art Türen zu öffnen etwas irritierend ist."
"Es lag nicht in meiner Absicht, sie zu verärgern." erwiderte die rotblonde Frau gelassen. "Aber mein Besuch bei ihnen ist wichtig, und ich hatte das Gefühl, daß sie auf mein Klingeln nicht so wie erwünscht reagieren würden."
"Verstehe." meinte Setsuna mit einem gezwungenen Lächeln und führte die Frau ins Wohnzimmer.
"Setzen sie sich doch. Ich hab gerade Tee gemacht, also wenn sie wollen..."
Als die Frau mit einem Nicken ihr Lichtschwert abschaltete und sich setzte, war Setsuna bereits halb auf dem Weg in die Küche.
°Das verschafft mir die Gelegenheit, mich zu verwandeln, und dann werden wir Zwei mal Klartext reden.°
Plötzlich fühlte sie sich von einer unsichtbaren Hand festgehalten.
"Andererseits möchte ich ihnen keine unnötigen Umstände machen."
Setsuna drehte sich um und sah, daß die Frau ihre linke Hand in ihre Richtung ausgestreckt hatte.
°Sie hat einen Zauber benutzt. Sie ist gefährlich.°
Dann hob Setsuna ihre rechte Hand, in der sie die ganze Zeit über etwas verborgen hatte, was auf den ersten Blick wie ein Füllfederhalter aussah.
"Pluto Planet Power,..."
Sie kam nicht dazu, den Transformationsspruch zu beenden. Eine unsichtbare Kraft riß ihr das magische Artefakt aus der Hand und ließ es zu jener Frau herüberfliegen, die es geschickt mit der linken Hand auffing.
"Aber, aber...wer wird denn gleich so aggressiv werden ?" tadelte sie die geschockte Setsuna kopfschüttelnd.
"Was ?...Wie...?"
"Die Macht." antwortete Ravana lapidar, während sie sich von ihrem Platz erhob.
"Die...Macht ?"
"Ganz genau. Aber sag mal, ist es nicht furchtbar umständlich, sich erst verwandeln zu müssen, bevor man Zugriff auf seine Kräfte hat ?" fragte Ravana unschuldig.
Setsuna warf ihr einen eisigen Blick zu.
"Ich bin geneigt, dir zuzustimmen."
Ravana lächelte amüsiert und warf dann einen kurzen Blick auf Setsunas Transformationsstab.
"Interessant."
"Was ist interessant ?"
"Das Ding sieht fast so aus wie Hotarus."
Setsuna wurde bleich.
"W-was hast du mit ihr gemacht ? Wo ist sie ?"
Ravanas Lächeln wurde eine Spur breiter.
"Wo sie ist, ist doch völlig unwichtig. Und was wir mit ihr tun ? Nun, wir bringen ihr bei, die Macht zu nutzen."
"Und warum ?"
"Liegt das nicht auf der Hand ?" fragte Ravana erstaunt. "Das steigert ihren Wert."
Setsuna fühlte sich, als würde eine eisige Hand ihr Herz umklammern, als sich ein Verdacht in ihr zu regen begann.
"Wert ?" fragte sie vorsichtig. "Als was ?"
"Als Verbündete natürlich. Als was sonst ?" Sie genoß den seelischen Schmerz ihres Gegenübers, also drehte sie die Klinge gleich noch einmal in der Wunde um. "Und wenn wir sie auf unsere Seite gezogen haben, werden wir mit ihrer Hilfe nach und nach alle anderen Senshi zur Dunklen Seite der Macht bekehren."
"Das...das kann euch unmöglich gelingen." keuchte Setsuna schockiert. "Wir werden das verhindern. Und wir werden auch Hotaru aus euren Klauen befreien."
"So ? Falls das tatsächlich geschehen sollte, wird dieses Ereignis leider ohne deine Gegenwart stattfinden, Sailor Pluto, denn angesichts der bevorstehenden Ereignisse können wir es uns nicht erlauben, Jemanden auf dieser Welt wandeln zu lassen, der die Zeitlinie manipulieren kann."
Wäre sie in der Lage gewesen, sich zu bewegen, hätte Setsuna nun den Kopf hängen lassen.
"Wie habt ihr Hotaru dazu gebracht, euch diese Information zu geben ?" fragte sie niedergeschlagen.
"Wir haben sie einfach nur gefragt." erklärte Ravana grinsend. "Abgesehen von euren Identitäten ist sie sehr freigiebig mit Informationen."
"Ich...verstehe."
Mit einem leichten Ausdruck des Bedauerns trat Ravana näher an Setsuna heran und hob ihr Lichtschwert.
"Ich versichere dir, daß ich das hier nicht aus persönlichen Gründen tue, Sailor Pluto. Dein Tod ist das Ergebnis reiner Sachzwänge, also nimm es bitte nicht persönlich, okay ?"
Diese Kaltschnäuzigkeit verschlug Setsuna glatt die Sprache. Sie konnte noch immer keinen Muskel rühren, obwohl sie während des gesamten Gesprächs versucht hatte, sich zu befreien. Wenn kein Wunder geschah, würde sie hier sterben.
Setsuna warf noch einen letzten Blick auf die näherkommende Klinge des Lichtschwerts.
Dann lächelte sie und schloß die Augen.
Für immer.
?
