Kapitel 12
Einige Tage später erhielt Harry Besuch von einem grauen edel wirkenden Uhu, der ihm mit stolzer, ja Harry fand, fast arroganter Miene einen Brief überreichte. Wie nicht anders zu erwarten, war der eingebildete Vogel der von Draco. Er hätte es ahnen können. Es war so typisch, dass dieser einen besonders großen stattlichen und edlen Vogel brauchte. Obwohl, Harry lächelte, Hedwig, seine erste Eule war auch nicht gerade ein Eulen-Mauerblümchen gewesen… und seine jetzige schwarze Eule war ebenfalls etwas Besonderes… na gut, er vergab Malfoy den auffälligen Vogel.
Er öffnete, nachdem er dem Uhu etwas zu trinken und zu fressen angeboten hatte, was dieser … naserümpfend… abgelehnt hatte und deutlich gemacht hatte, dass er wieder in die Luft wollte, was Harry ihm gestattet hatte, das edel wirkende Pergament.
Sehr geehrter Mr. Potter,
anlässlich des 17. Geburtstags meines Sohnes Scorpius Hyperion findet am nächsten Samstag um 17:00 ein Empfang mit anschließendem Dinner in meinem Anwesen statt.
Es wäre meinem Sohn und mir eine große Ehre, Sie als Gast bei uns begrüßen zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen verbleiben Draco Malfoy und Scorpius Malfoy
Um Abendkleidung wird gebeten !
Harry sah von der bereits angekündigten Einladung auf und runzelte die Stirn. Ob auf jeder Einladung hinter der Aufforderung nach der Abendkleidung DREI Ausrufezeichen waren? Vermutlich nicht… Draco du blöder Mistkerl!
Dann lächelte er. Sein Schatz würde nächsten Samstag volljährig werden. Dann durfte er apparieren, zaubern… siedend heiß fiel Harry plötzlich auf, dass er sich noch gar kein Geschenk für Scorpius überlegt hatte. Merlin, was schenkte man seinem Geliebten, wenn er 17 wurde? Vor allem einem Geliebten, der alles schon hatte. Und zwar von allem das Beste, da sein wichtigtuerischer Vater sich niemals mit etwas anderem zufrieden gab! Er musste unbedingt nachdenken.
Er erinnerte sich an ihr Zusammentreffen am letzen Samstag, an ihren kleinen Abstecher in die Kerker von Hogwarts. Sie hatten nach ihrem leidenschaftlichen Liebesspiel noch längere Zeit beieinander gelegen und geredet, über alles Mögliche und Unmögliche, hatten viel zusammen gelacht. Es war einfach wunderbar gewesen. Und er hatte, nachdem er wieder seine Kleider angezogen hatte, noch das Reich seines Liebsten etwas genauer in Augenschein genommen, die Poster der Quidditch-Mannschaften, die privaten Bücher, hatte das Kästchen gefunden, in dem Scorpius seine Briefe aufbewahrte, es war bereits ein ansehnlicher Stapel zusammen gekommen. Scorpius hatte ihm ein kleines Fotoalbum gezeigt, Fotos von ihm und seinen Eltern, Fotos von Geburtstagen, Weihnachten… Harry war sehr gerührt gewesen, als er erkannte, dass auch Familie Malfoy ein recht normales Familienleben zu haben schien.
Sie hatten hinterher gemeinsam zu Abend gegessen. Da Draco nicht mehr da gewesen war, hatte Harry darauf bestanden, dass Scorpius bei ihm und seiner Familie saß. Außenstehende dachten sich nichts, dabei, wussten sie doch, dass der Slytherin-Potter mit dem Malfoy-Jungen befreundet war. Nur seine Familie und seine Freunde um ihn herum wussten, dass Scorpius nicht als Freund von Albus am Tisch saß, sondern als Geliebter von Harry. Trotz der pikanten Situation wurde es wider Erwarten ein gemütliches Essen, da vor allem Ginny und Hermine versuchten, es dem Jungen möglichst leicht zu machen. Ihnen war bewusst, dass es für ihn eine sehr schwierige Situation war und wollten ihn nicht noch mehr in Verlegenheit bringen. Bei ihren Kindern sah die Sache anders aus. Während Rose und Hugo sich damit begnügt hatten, ab und an zwischen Harry und Scorpius hin und her zu sehen und zu grinsen, musste Albus wieder einen Schritt zu weit gehen, indem er in einem ruhigen Moment fragte: „Dad, wo wart ihr eigentlich die ganze Zeit?" Und als die beiden Angesprochenen recht verlegen wirkten noch hinzufügte: „Ich dachte, ich hätte euch Richtung Slytherin-Schlafbereich gehen sehen, aber da habe ich mich doch bestimmt geirrt, oder?"
Dass er mit diesem Schuss ins Blaue anscheinend tatsächlich richtig lag, schien ihn über alle Maßen zu amüsieren, bis Ginny ihn streng zur Ordnung rief.
In Nachhinein musste Harry auch grinsen, denn natürlich war recht eindeutig, was die beiden in der Zeit getrieben hatten, in der sie vom Erdboden verschluckt gewesen waren.
Sein Blick fiel wieder auf die Einladung … Abendgarderobe … ein Anzug? Ein Smoking? Nein, das war wohl zu viel … also ein Anzug. Er ging im Kopf seine Anzüge durch, die in seinem Schrank hingen. Anzüge, die er bei wichtigen Anlässen in der Arbeit trug … bei Hochzeiten, oder anderen feierlichen Anlässen … doch wirklich angemessen fand er davon keinen für den Empfang im Malfoy Manor … er brauchte einen neuen Anzug. Eindeutig. Aber er hatte doch keine Ahnung. Was sollte er tun? Ginny fragen? Er konnte nicht seine Exfrau bitten, ihm bei der Kleiderauswahl für ein Fest mit seinem Freund zu helfen … Ron? Der hatte selber keine Ahnung, trotzdem sah er immer gut aus in seinen Anzügen und anderen Kleidern, die er trug … Es lag also auf der Hand. Hermine musste ihm helfen!
Schnell setzte er sich und schrieb ihr eine kurze Nachricht.
Hallo Hermine, ich brauche unbedingt deine Hilfe.
Es ist etwas Schreckliches eingetreten, bei dem ich ohne deine Hilfe zum Scheitern verurteilt bin.
Bitte hilf mir, es ist wirklich dringend!
Gruß, Harry
Eine halbe Stunde, nachdem er den Brief abgeschickt hatte, trat neben ihm eilig eine aufgeregte Hermine Weasley aus dem Kamin in sein Wohnzimmer. Sie sah ihn forschend an, sah sich nervös um „Harry, was ist los? Geht's dir gut? Ist was mit … dem kleinen Malfoy?"
Irritiert zog Harry die Augenbrauen zusammen, was hatte Hermine erwartet hier anzutreffen?
„Hermine, das ging aber schnell. Alles okay hier. Wieso soll was mit Scorpius sein? Außerdem ist der in der Schule, wie du weißt!"
„Naja, ich dachte… ihr hättet es vielleicht etwas übertrieben und er… keine Ahnung"
„Moment mal, was denkst du denn bitte, was ich mit ihm mache, dass es ihm so schlecht gehen könnte, dass ich deine Hilfe brauche? Wir machen keine fiesen SM-Experimente in denen ich ihn stundenlang gefesselt von der Decke hängen lasse oder so, falls du das denkst!" Er schüttelte den Kopf. „Du brauchst dir keine Sorgen um ihn machen. Ich tue ihm nichts an, nur weil ich ein paar Jahre älter bin als er. Es passiert nichts, was wir nicht beide wollen!"
Sie winkte nun ab „Jaja, schon gut. Was ist denn los? Warum brauchst du meine Hilfe? Was ist denn so schrecklich?"
„Ich bin bei den Malfoys eingeladen. Ich brauche einen Anzug!"
„Aha. Ich habe keinen dabei." Sie zuckte mit den Schultern.
„Nein, ich muss mir einen kaufen und wollte dich bitten, mir dabei zu helfen. Ich habe da doch keine Ahnung…"
„Frag doch deinen Mini-Malfoy, der ist doch der Sohn seines Vater was das angeht!"
„Also, erstens ist „mein Malfoy" nicht Mini. Und zweitens soll es eine Überraschung werden." Er schob ihr die Einladung hin. „Und drittens ist mein ganz privater Malfoy leider zusammen mit unseren Kindern in einem großen dunklen Zauberschloss eingesperrt."
„Ist der Kleine denn bei der Feier überhaupt dabei? Er ist doch im „Zauberschloss" eingesperrt!", gab Hermine nun zu bedenken.
„Ich denke schon, wahrscheinlich hat Draco es irgendwie hinbekommen, dass er das Wochenende zu Hause verbringen kann."
Hermine nickte. War schon möglich. „Warum sind da eigentlich drei Ausrufezeichen hinter dem Hinweis auf Abendkleidung?", fragte sie plötzlich schmunzelnd.
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich schätze, das war ein charmanter Hinweise meines Schwiegervaters in spe, dass ich nicht im Trainingsanzug mit Badelatschen erscheinen soll."
Hermine kicherte.
„Sehr witzig! Hilfst du mir nun?"
„Ja, okay, jetzt gleich? Die nächsten Tage sieht es nämlich nicht gut aus zeitlich."
„Dann jetzt gleich. Ich hole nur meine Jacke und mein Geld."
Vier Stunden später stand Harry wieder in seinem Wohnzimmer, dieses Mal in einem schicken edlen Anzug, dunkelgrau, schmal geschnitten, mit einem weißen Hemd und dunkelgrauer Fliege – Hermine hatte gesagt, dass sie eigentlich lieber Krawatten mochte, da Harry jedoch seinen Festumhang über den Anzug ziehen wollte, hatte sie eine Fliege empfohlen, da das besser zum Umhang passte. Harry hatte ihr zugehört, den Grund nicht verstanden, und trotzdem auf sie gehört. Und er fand sich gut. So könnte er sich sicherlich bei den Malfoys blicken lassen. Er wollte schließlich nicht, dass Scorpius sich für ihn schämen musste.
Samstag, Anfang November, 16:45, die Frisur saß… natürlich noch nicht…
Merlin! Das konnte doch nicht sein! Er zerrte verzweifelt an seinen Haarsträhnen herum, doch er schien es nur noch schlimmer zu machen… also gab er auf, beschloss, so zu tun, als sei das Chaos auf seinem Kopf gewollt und betrachtete den Rest – eigentlich ganz akzeptabel. Der schicke teure Anzug machte schon einiges wett. Und Harry roch gut, er hatte sich extra noch eine teures Parfum gegönnt… tja… mehr konnte er wohl leider nicht bieten.
Seufzend griff er sich das Geschenk mit der Karte, das auf der Kommode bereit lag, und begab sich zum Kamin, um ins Malfoy Manor zu flohen. Er musste nicht vor die Grundstücksgrenze apparieren und durch die Eingangstür kommen, so wie die andere Gäste, das war doch schon mal eine Auszeichnung.
Nervös trat er in den Kamin, sagte die Adresse und trat einen Augenblick später in der imposanten Eingangshalle des Manors wieder heraus. Es sah anders aus als bei seinem letzten Besuch. Stehtische mit weißen Tischdecken waren aufgestellt, Blumengestecke und Blumenvasen standen hier und da herum, und lockerten die strenge Atmosphäre etwas, auch wenn die Blumen selbstverständlich nicht bunt sondern nur weiß waren. Bei Merlins Bart, Scorpius wurde heute volljährig und nicht beerdigt, Draco war manchmal wirklich seltsam.
Kleine Menschengruppen, die sich unterhielten standen im Raum verteilt, die meisten schienen sich zu kennen. Er kannte niemanden. Leise Klaviermusik war zu hören, wie im Fahrstuhl, dachte Harry grinsend, doch das war wohl Sitte auf solchen Festlichkeiten. Er wusste es nicht, er war noch bei keinem solch steifen Empfang wie diesem hier gewesen. Armer Scorpius, der hätte doch bestimmt lieber eine Party mit seinen Freunden gehabt… aber nun ja, ein Malfoy hatte eben keinen Spaß zu haben. Er sah sich um, was sollte er tun? Einige Leute sahen irritiert zu ihm herüber, da er aus dem Kamin gekommen war und nicht durch die Tür.
Eine Frau, vermutlich etwas älter als er, in einem knallroten tief dekolletierten bodenlangen Kleid kam auf ihn zu, ein Glas mit Elfenwein in der Hand.
„Guten Abend, Sir, Sie scheinen ein guter Freund von Mr. Malfoy zu sein – Sie sind durch den Kamin gekommen." Sie streckte ihm augenzwinkernd die Hand hin, mit dem Handrücken nach oben, was Harry verwundert vermuten ließ, dass sie so etwas wie einen Handkuss erwartete. Zögernd nahm er die Hand, schließlich wollte er nicht unhöflich sein, obwohl diese Frau ihm mehr als unsympathisch war. Er hielt den Handrücken vor seinen Mund, hatte er doch mal irgendwo gelesen, dass man nicht wirklich küsste, und öffnete gerade den Mund, um sich vorzustellen, da wurden ihre Augen merklich größer und auf ihren etwas zu rot geschminkten Lippen erschien ein erkennendes Lächeln „Sie sind Harry Potter! Wie dumm von mir, dass ich Sie nicht gleich erkannt habe. Mein Name ist Penelope Deeplake. Aber das wissen Sie ja sicher."
Nein, das hatte er nicht gewusst, und es war ihm auch egal.
„Äh…schön Sie kennen zu lernen…", murmelte er nun.
In diesem Moment trat jemand zu ihnen, von dem Harry niemals gedacht hätte, dass er sich über sein Erscheinen mal freuen würde.
„Draco, mein Lieber, warum haben Sie mir denn nicht erzählt, dass Sie Mr. Potter eingeladen haben? Dann hätte ich mir doch etwas Hübscheres angezogen…" Sie klimperte mit ihren falschen Wimpern.
Draco lächelte charmant „Aber aber meine Teuerste, Sie sehen doch wie immer einfach hinreißend aus!"
Harry musste ein lautes Lachen unterdrücken und starrte Draco amüsiert an. Dieser legte der Frau nun eine Hand auf die Schulter und beugte sich etwas zu ihr „Schließen Sie sich doch schon einmal Ms Whitehead und Lady Burkley an, ich komme dann gleich noch einmal zu Ihnen. Ich muss nur kurz etwas Geschäftliches mit Mr. Potter besprechen – Sie wissen schon, langweiliger Männerkram!" er lächelte wieder auf diese charmante Art, die bei Frauen seltsamerweise so gut ankam. Und es wirkte, offenbar bekam die seltsam aufdringliche Frau nicht mit, dass Draco sie gerade schlicht weggeschickt hatte. Sie zwinkerte ihm recht plump zu und ging dann, nicht ohne versucht verführerisch mit dem Hintern zu wackeln auf die besagten Frauen zu.
Harry kicherte „Danke! Oder… ist sie deine… hast du was mit ihr?"
„Merlin bewahre! Potter, für wie armselig hältst du mich? Ich habe Geschmack."
„Trotzdem danke, dass du mich vor ihr gerettet hast!"
„Naja, nicht, dass ich es nicht amüsant finde, dich leiden zu sehen, aber ich wollte nicht riskieren, dass du an Scorpius Geburtstag mit einer alternden Schabracke abstürzt und mein Sohn sich hinterher die Augen ausheult!"
„Stimmt, Malfoy, dazu wäre es bestimmt gleich gekommen!", Harry verdrehte die Augen.
„Eben"
„Danke für die Einladung nochmal!", wechselte Harry nun das Thema „Wo ist denn das Geburtstagskind?"
„Er kommt gleich. Ach, Potter, bevor ich es vergesse. Scorpius lag mir die ganze letze Woche in den Ohren damit. Möchtest du über Nacht bleiben?"
Als er das Aufblitzen in Harrys Augen sah meinte er kalt lächelnd: „Potter. Nicht was du schon wieder denkst. Du wirst das Zimmer meines Sohnes nicht betreten! Du schläfst natürlich im Gästezimmer. Aber er wollte gerne morgen mit dir frühstücken, ohne die anderen Gäste halt. Weiß der Teufel, wieso."
„Oh… also, naja, warum nicht? Wenn es dich nicht stört?" Eigentlich war ihm völlig egal, ob er Draco störte, so lange er bei Scorpius sein konnte.
„Natürlich störst du mich. Meinst du, ich finde es gut, dein tumbes Gesicht morgen beim Frühstück schon wieder zu sehen?"
Dann umso lieber, dachte Harry hämisch.
„Gut, ich werde mich mal um meine anderen Gäste kümmern. Wir sehen uns noch, Potter."
Harry nickte und sah sich weiter um. Er hielt noch immer sein Geschenke für Scorpius in der Hand und kam sich langsam etwas dämlich vor, hier so rumzustehen…
Doch das Warten hatte sich gelohnt, denn in diesem Moment ging die Sonne in der trüben Eingangshalle auf. Scorpius Malfoy schritt elegant die Treppe herunter, einen stolzen Ausdruck auf seinen jungen schönen Zügen. Die Haare waren wie immer modisch zerstrubbelt – sahen tadellos frisiert aus. Der schwarze Anzug, perfekt auf seine schmale Figur zugeschnitten, betonte diese hervorragend. Auch er trug ein weißes Hemd, allerdings hatte er eine Krawatte gewählt, und da er bei sich zu Hause war, trug er auch keinen Umhang. Er sah zum Anbeißen aus, und mit leichtem Unbehagen sah Harry eine Gruppe junger Mädchen, die die Köpfe zusammen steckten und tuschelten. Es sah so aus, als überlegten sie gerade, wie sie sich heute Abend am besten in Scorpius Bett schummeln konnten.
Scorpius blieb auf der Treppe stehen, ließ seinen Blick durch die Halle schweifen, sah Harry, ein Strahlen erschien auf dem hübschen Gesicht und er nickte ihm zu. Dann verstummte die Musik und die Menschen wandten ihre Blicke dem jungen Mann auf der Treppe zu. Dieser lächelte nun so hinreißend, dass Harry die Knie wacklig wurden, und begann zu sprechen: „Verehrte Gäste, liebe Freunde, ich möchte mich, natürlich auch im Namen meines Vaters, herzlich für Ihr Kommen bedanken. Ich hoffe, Sie genießen unsere kleine Feierlichkeit und wir verbringen einen kurzweiligen Abend miteinander. Ich freue mich jetzt schon auf die Köstlichkeiten, die mein Vater sicher mit dem ihm eigenen guten Geschmack für uns hat zubereiten lassen! Auf einen schönen Abend!" er erhob sein Glas, die anderen taten es ihm nach, doch Harry hatte noch nichts zu trinken. In diesem Moment tappste einer der Hauselfen auf ihn zu und hielt ihm ein Tablett mit vollen Gläsern hin „Wünscht Mister Potter etwas zu trinken, Sir?"
„Ja, danke." Er nahm eines der Gläser und trank wie die anderen einen Schluck aus seinem Glas.
Der Wein schmeckte gut, er betrachtete die goldene Farbe, als er plötzlich eine Hand aus seinem Arm spürte, Scorpius war neben ihn getreten.
Ihre Augen trafen sich… Grün versank in Grau… schließlich riss Harry sich los und räusperte sich. Er lächelte und meinte dann verlegen „Hallo Scorpius, ich würde dir gerne zum Geburtstag gratulieren…meinst du, ich darf dich umarmen?"
Scorpius nickte „Ich denke, gegen eine Umarmung zum Geburtstag ist wohl nichts zu sagen. Ich bitte sogar darum!"
Harry lächelte und legte kurz seine Arme um den Jungen, drückte ihn zärtlich an sich, dann überreichte er ihm das kleine Päckchen, das er in der Hand hielt. „Hier, eine Kleinigkeit für dich, mein Süßer. Ich hoffe, es gefällt dir."
Scorpius lächelte freudig und nahm zunächst die Karte in die Hand, die auf der Schachtel lag.
Mein lieber Scorpius,
ich wünsche dir zu deinem Geburtstag, dass all deine Wünsche in Erfüllung gehen.
Ab heute bist du volljährig. Und ich freue mich wahnsinnig darauf, dein gesamtes Erwachsenenleben an deiner Seite zu sein.
Ich werde immer für dich da sein und dir jeden Wunsch von den Augen ablesen. Ich liebe dich sehr.
Dein Harry
Scorpius lächelte verführerisch als er Harry in die Augen sah „JEDEN Wunsch? A propos… bleibst du heute Nacht hier?"
Harry schluckte. Dann nickte er. „Aber dein Vater hat mir schon gesagt, dass ich keinen Schritt in dein Zimmer setzen darf."
„Aber Harry… dann komm ich halt zu dir…" Er zwinkerte ihm lasziv zu und griff nach der Schachtel, die Harry bei Scorpius' letztem Satz beinahe fallen gelassen hatte. Meinte der Junge das ernst? Sollte heute doch mehr als ein unschuldiger Kuss in einem leeren Korridor drin sein? Freudige Erwartung strömte durch seinen Körper, doch auch etwas anderes… Nervosität.
Scorpius sah ihn an und zog eine Augenbraue hoch „Alles klar, Schatz? Darf ich?" Er hielt die Schachtel hoch.
„Na klar, ist ja für dich!"
Scorpius hob den Deckel ab und fand darin ein Pergament. Irritiert sah er Harry an „Ein Liebesbrief?"
„Mach es auf"
Scorpius entrollte das Pergament, seine Augen wurden groß, blitzen fröhlich, und er wandte sein strahlendes Gesicht Harry zu „Ist das dein Ernst?"
Harry nickte und zuckte verlegen mit den Schultern. SO ein überschwängliche Freude hatte er jetzt doch wieder nicht erwartet. Scorpius achtete nicht auf die anderen Gäste, sondern fiel Harry um den Hals „Das ist toll! Wann geht's los?"
Draco trat zu ihnen „Scorpius, reiß dich zusammen, die Leute schauen schon. Etwas mehr Contenance wenn ich bitten darf. Was ist denn los?"
„Harrys Geschenk!" Er hielt seinem Vater das Pergament hin. Dieser las, was darauf stand und sah dann Harry an „Potter, das kommt nicht in Frage! Du willst, dass Scorpius Autofahren lernt? Er ist ein Zauberer! Wieso sollte er das können?"
„Weil es ihm Spaß macht, wir sind…", in dem Moment fiel ihm ein, dass Scorpius ja heimlich bei ihm gewesen war… andererseits war er hinterher von Draco ertappt worden, also wusste er ja davon „Wir sind Auto gefahren, als er bei mir war. Und er war begeistert und sagte, das würde er auch gerne können…"
„Aber das ist gefährlich! Und er ist kein Muggel, verdammt nochmal."
„Auch nicht gefährlicher als Quidditch zu spielen. Und natürlich ist er kein Muggel. Bin ich auch nicht und trotzdem macht es Spaß."
Draco sah auf seinen strahlenden Sohn, verkniff sich die weiteren Kommentare, die ihm auf der Zunge lagen und nickte schließlich großzügig. „Na gut, wenn du unbedingt willst. Aber jetzt reißt euch zusammen. Und, Scorpius, kümmere dich auch um deine anderen Gäste!" Damit verschwand er wieder in der Menge.
„Wohl eher seine Gäste als meine…" murmelte Scorpius und Harry grinste „Geh ruhig, Süßer… wir haben noch die ganze Nacht. Ich kann es kaum erwarten, wieder meinen Namen von dir zu hören…" Er leckte sich wie zufällig über die Lippen.
Scorpius seufzte und schluckte „Hör auf damit, Harry, sonst muss ich dich leider hier vor allen Gästen vernaschen!"
„Oh nein, Mr. Malfoy! Contenance!" hauchte Harry gespielt entrüstet, äffte Dracos Ton dabei nach und lachte dann.
Das Essen, was pünktlich um 19:00 serviert wurde, war in der Tat köstlich, anscheinend hatte Draco wirklich einen guten Geschmack, was das anging. Harry war genau gegenüber von Scorpius platziert worden, was den beiden die Gelegenheit gab, sich zu unterhalten. Er hatte inzwischen, in Aussicht auf die Nacht und bei dem guten Essen deutlich bessere Laune bekommen und wollte sich amüsieren.
„Also Scorpius, Sie sind jetzt volljährig. Ein großer Schritt. Und, wenn Sie mir die Frage gestatten, wie sieht es denn in der Liebe bei Ihnen aus?" Harry sah unschuldig über den Tisch und ignorierte Dracos Keuchen, als er seine Erbsen vor Schreck einatmete. „Haben Sie denn schon eine Freundin?"
Scorpius schaute scheinbar verlegen auf seinen Teller und schüttelte scheu den Kopf.
„Aber aber, so ein hübscher junger Mann wie Sie! Da werden die Mädchen doch Schlange stehen!"
„Die richtige Person war noch nicht dabei. Ich habe da sehr genau Vorstellungen." Er lächelte Harry an, als könne er kein Wässerchen trüben.
„Mögen Sie uns denn sagen, wie die Person sein muss, die Ihr Herz erobern kann, junger Mann?"
Nun schauten auch einige der Umsitzenden interessiert, denn wer auch immer den Malfoy-Erben einmal abbekam, sie hatte ausgesorgt. Er war reich, sah unbestreitbar fabelhaft aus, hatte tadellose Manieren.
„Nun, Mr. Potter, wenn Sie mich so fragen… ich denke, auf jeden Fall sollte sie dunkle Haare haben, fast schwarz wäre schön. Und keine langen Haare!"
Harry nickte und schob sich einen Bissen von seinem Braten in den Mund. Löste die Augen jedoch nicht von seinem sexy Geliebten.
„Naja, und die Augen… grünlich würde mir glaube ich gefallen… grüne Augen, in denen man sich verlieren kann…" Er versank in den Augen seines Gegenübers und Draco wechselte inzwischen seine Gesichtsfarbe sekündlich von weiß zu rot und wieder zurück.
„Soso. Haben sie sonst noch Vorstellungen von ihrer Traumperson?"
Scorpius überlegte kurz „Die Person sollte mutig sein. Sie sollte bereits etwas geleistet haben, vielleicht so etwas wie… Sie, Mr. Potter."
Dracos Herz blieb stehen, doch die Umsitzenden lachten über das charmante Kompliment des jungen Mannes.
Harry grinste „Sie haben ja genaue Vorstellungen, Scorpius. Und da findet sich niemand?"
„Leider nicht… Sir." Der gleichsam unschuldige und hinreißende Augenaufschlag ließ Harry schneller atmen.
„Ach, Scorpius, mir fällt gerade auf, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, ich passe genau in die Vorstellung Ihrer Traumperson!" Er lachte herzlich, und alle Zuhörer mit ihm. Scorpius grinste. Und Draco krampfte seine Hand um sein Messer. Er hatte im Prinzip nichts dagegen, dass die Verbindung preis gegeben wurde, aber nicht so. Das musste sorgfältig geplant werden. Und es sollte am besten auch bereits ein Hochzeitstermin feststehen um Gerüchten vorzubeugen. Merlin, er würde Potter nachher umbringen!
„Ich denke, Scorpius hat noch genügend Zeit, sich jemanden zu suchen, mit dem er sein Leben verbringt. Er ist noch jung. Doch trotzdem seit heute keine Kind mehr. Lassen sie uns noch einmal das Glas auf meinen erwachsenen Sohn erheben!", lenkte Draco nun die Aufmerksamkeit auf sich.
Die Gäste taten es ihm nach, Harrys und Scorpius Unterhaltung war vergessen. Harry musste anerkennen, dass Draco wirklich gut war, wenn es darum ging, charmant vom Thema abzulenken.
Ein Mann, der Harry aus dem Ministerium vage bekannt vorkam beugte sich in seine Richtung „Mr. Potter, wie kommt es eigentlich, dass Sie hier sind? Ich wusste gar nicht, dass Sie und Mr. Malfoy so engen Kontakt haben.
„Oh…", Harry grinste in sich hinein „Ich habe recht engen Kontakt mit Mr. Malfoy", junior… „Wir haben uns vor ein paar Monaten erst richtig kennen gelernt – seitdem hatten wir bereits einige recht reizvolle… Gespräche. Wir teilen viele Interessen." Der andere Mann nickte und schien mit der Antwort zufrieden.
Scorpius kicherte. Die Feier war viel lustiger, als er gedacht hatte.
Draco legte sein Besteck neben seinen Teller und tupfte sich mit der Serviette den Mund ab. Dann sah er auf, blickte Harry in die Augen und dieser schrumpfte etwas in seinem Stuhl zusammen. „Potter, du bist ja eine richtige Plaudertasche heute. Und so überaus… witzig dabei!" Dabei sagte sein Blick eher so etwas wie ‚Wenn du so etwas noch einmal wagst, werfe ich dich eigenhändig runter in den Kerker und foltere dich, bis dir das dümmliche Lachen vergeht!'. Harry lächelte gezwungen und widmete sich schweigend seinem Essen.
Kurz darauf spürte er etwas an seinem Bein. Er runzelte die Stirn. Doch dann war es eindeutig, ein Fuß stupste sein Bein an, fuhr daran auf und ab. Gehetzt sah er auf und blickte in die amüsierten Augen seines Liebsten. Dieser nickte kaum merklich.
Als sich endlich die letzten Gäste verabschiedet hatten und das Manor verließen sahen die drei Männer sich an, die noch in der Eingangshalle standen. Scorpius bewegte sich als Erstes und schmiegte sich an Harry. Draco zog die Augenbrauen hoch und meinte dann: „Ich sollte euch beiden Stubenarrest geben! Wie ihr euch aufgeführt habt beim Essen! Unmöglich! Ihr hättet es ja auch gleich zwischen den Dessertschälchen treiben können!"
Harry sah ihn fragend an „Hättest du da nichts dagegen gehabt? Dran gedacht habe ich nämlich auch, aber dann…" Scorpius prustet laut heraus und Draco sah ihn noch fassungsloser an als zuvor „Sag mal Potter, ist dir das gute Essen oder der teure Wein zu Kopf gestiegen, oder die Aussicht in einem anständigen Bett schlafen zu können heute Nacht? "
„Tut mir leid, Malfoy. Ich fühle mich nur immer wie damals in der Schule, wenn ich dich ärgern kann… es ist … lustig."
Draco schnaubte. „Ich denke, wir sollten jetzt zu Bett gehen."
„Ich zeige Harry sein Schlafzimmer!", erklärte Scorpius schnell, doch sein Vater nahm ihn am Nacken und zog ihn von Harry weg. „Du mein lieber Veela-Sohn gehst jetzt in DEIN Zimmer und kommst erst morgen früh in angemessener Kleidung wieder heraus. Verstanden?"
„Ja, Vater."
„Potter, komm mit. Ich zeige dir dein Zimmer."
