„Wie Sie alle sicher schon gemerkt haben, hat Kerima große Probleme im Moment. Wir stehen kurz vor der feindlichen Übernahme. Ich wollte…" Lisa bemühte sich, die Konferenz so sachlich wie möglich zu gestalten. David warf ihr einen fragenden Blick zu, als sie zu schwanken begann. „Alles okay mit dir? Soll ich die Konferenz leiten?", raunte er ihr zu. „Lisa?" Hilflos musste er mit ansehen, wie sie zu Boden sank.

„Wo ist sie?", rief Rokko schon von weitem, als er den Krankenhausflur hinunter rannte. „Sie wird noch untersucht", erklärte David ihr. „Sie hat während der Konferenz einfach das Bewusstsein verloren. Ich dachte erst, es wäre der Stress – sie hängt doch so an Kerima, aber der Notarzt meinte, er würde besorgniserregende Herzgeräusche hören." – „Oh nein", entfuhr es Rokko.

„Lisa, Süße, was machst du denn für Sachen?" – „Ich lasse Sie dann alleine. Die Eltern treffen ja sicher auch gleich ein. Dann spreche ich mit ihnen", verabschiedete sich der Arzt. „Lisa?" Rokko kletterte in das Krankenbett und legte seinen Arm um die schwache, junge Frau, deren Organe kurz vor dem Versagen standen. „Rokko?", flüsterte Lisa zurück. „Ja, ich bin's." – „Ich brauche Hilfe." – „Ich weiß", streichelte Rokko ihr einige Haarsträhnen aus dem ausgemergelten Gesicht. „Ich muss aus der Modebranche raus." – „Ich weiß", wiederholte Rokko schluchzend. „Ich…" – „Pst, mein Engel, pst." Lisa atmete ein letztes Mal schwer durch. „Wir suchen uns eine Wohnung irgendwo im Grünen", begann Rokko unter Tränen. „Wir gehen jeden Tag an die frische Luft. Irgendwann werden wir Kinder haben und…" Rokko warf einen letzten Blick auf Lisa. Wie leblos sie in seinen Armen hing! Mit einem Mal sah sie wieder so aus wie bei ihrem ersten Treffen – runde, rosige Wangen, die strubbeligen Haare zu einem Knoten gebunden, ein leichter Flatterrock umspielte ihre Beine…