On we go! Viel Spaß mit Kapitel 12! :)
(-FFnet gibt mir leider ein Zeichen zu wenig für den Kapiteltitel ._. ...-)
In Kapitel 11: Hermione und Ginny entkamen knapp einer Strafe von Filch. Sie nutzten die letzten Schultage des Jahres für kleine Streiche, ehe sie sich in den Ferien mit zahlreichen neuen Hilfsmitteln ausstatteten, die nun getestet werden sollen.
Kapitel 12 - Zauberhafte Zauberscherze in Zaubertränke
Spät am Abend saßen die beiden Mädchen im Schlafsaal und besprachen ihre Vorgehensweise bei Snape. Anfangen wollten sie bereits am nächsten Morgen, beide mit der gleichen Nasch- und Schwänzleckerei. Sie wühlten sich durch den Berg an Süßigkeiten und legten Gleiches auf jeweils einen Haufen, als Ginny plötzlich innehielt.
„Er hat uns schon mal durchschaut, Mione. Ich finde, bevor wir loslegen sollten wir sicherstellen, dass er das nicht weiterhin tut."
„Okklumentik?"
„Definitiv Okklumentik."
Hermione nickte nachdenklich. „Ich denke, ich kann es mittlerweile ganz gut und kann Dir auch Tipps geben. Aber Legilimentik kann ich nicht, was bedeutet, dass es für Dich schwierig wird, das zu üben."
„Hast Du irgendeine Idee?", fragte Ginny und zog die Stirn kraus.
„Du wirst es einfach bei ihm lernen." Hermione grinste, als die Rothaarige sie nur fragend ansah. „Ich meine, nicht beabsichtigt natürlich. Aber er wendet Legilimentik doch ständig an, und Du wirst in seiner Gegenwart einfach grundsätzlich Deinen Geist verschließen. Wenn Du ihn ansiehst, wirst Du an nichts denken. Dann lernst Du es automatisch. Ich sollte das auch noch ein bisschen üben, nur zur Sicherheit."
Ginny nickte langsam und gähnte. „Also gut, dann verschieben wir unsere erste Attacke um einen oder zwei Tage und ich versuche mich morgen erst mal an Okklumentik. Zuallererst aber gute Nacht!"
Sie war bereits auf dem Weg in ihr Bett, als Hermione mit einem müden Schwenker ihres Zauberstabs die Leckereien aufräumte.
„Schlaf gut."
~x~
Am nächsten Morgen beim Frühstück ließ sich Ginny noch einmal in allen Einzelheiten erklären, was sie tun musste, ehe sie sich auf den Weg in die Kerker machte. Auch wenn sie Chris zum ersten Mal nach den Ferien wieder sehen würde, würde sie sich alle Mühe geben, sich auf Okklumentik zu konzentrieren.
Sie war früh dran. Vor dem Klassenzimmer angekommen, sah sie sofort Chris, der etwas schüchtern gegenüber der Tür stand und schon auf sie zu warten schien. Ginny ging zielstrebig auf ihn zu, hielt kurz inne und nahm seine Hand in ihre.
„Danke für das wundervolle Armband, Chris", flüsterte sie.
Er lächelte und zog sie in eine Umarmung. „Ein wundervolles Armband für eine wundervolle Frau."
Plötzlich ging die Tür zum Klassenzimmer auf. Snape hatte nicht erwartet, dass schon jemand da war, und wollte noch einmal in seine Räume zurück, nachdem er den Unterricht vorbereitet hatte. Sein Blick fiel jedoch auf zwei Schüler, die eng umschlungen auf dem Gang standen und gerade im Begriff waren, sich zu küssen. Angewidert wollte er weitergehen, als er im letzten Moment bemerkte, dass eine der Personen Ginny Weasley war. Er blieb stehen und nahm sich einige Sekunden Zeit, in denen er die beiden Schüler, die zu Salzsäulen erstarrt waren, zappeln ließ.
„Sie haben aber schnell Ersatz gefunden, Miss Weasley. Oder ist das wieder so eine Wette?", kommentierte er das Geschehen dann spöttisch.
Ginny biss die Zähne zusammen. ‚Verdammt!', dachte sie. Sie löste sich von dem verwirrt dreinschauenden Chris und drehte sich, um Zeit zu gewinnen, ganz langsam um.
„Wollen wir wetten, dass Hermione sie sehr schnell wieder gewinnen würde?", konterte sie dann. „Professor?"
Er zog bösartig die Augenbraue nach oben und sah ihr in die Augen. Sie sah schnell weg und verbannte alle Gedanken aus ihrem Kopf. Snape, etwas verärgert darüber, dass sie ihm keine Möglichkeit gegeben hatte, in ihren Geist einzudringen, rauschte ohne ein weiteres Wort davon.
Chris haderte mit den Worten. Es war ihm anzusehen, dass er sich fragte, warum in Merlins Namen sein Professor mit seiner Ginny über Wetten redete, und das in einem solchen Ton.
„Entschuldige, Chris, das ist eine alte Geschichte, die ihren Ursprung bei einem Treffen des Phönixordens auf sich hat", erfand sie spontan.
Er blickte sie weiterhin verständnislos an.
„Muss ich darüber reden?", fragte sie verzweifelt. „Er hat etwas mitgekriegt, das ihn absolut nichts angeht."
„Das würde ich so nicht direkt unterschreiben, Miss Weasley." Snape war wieder um die Ecke gebogen und eilte zurück in sein Klassenzimmer.
Ginny hätte ihm am liebsten eine gescheuert, doch stattdessen schnappte sie: „Na Gott sei Dank kann ich für mich selbst sprechen, völlig unabhängig von Ihrer Meinung, Professor!"
Snape verschwand ohne ein weiteres Wort durch die Tür, jedoch nicht ohne ein hämisches Grinsen.
„Was ist da los?", meldete sich Chris nun vollkommen verwirrt zu Wort. „Warum redet der so mit Dir? Was ist mit Wetten und was hat er damit zu tun?"
Jetzt musste sie sich etwas einfallen lassen, sie musste ihm irgendwas sagen. Die Wahrheit konnte sie ihm nicht erzählen, selbst wenn sie gewollt hätte; sie war noch immer an den Schwur gebunden, niemandem von der Wette zu erzählen. ‚SCHNELL, Ginny Weasley!'
Ihr Kopf glühte. Sie tat, als würde sie nur nach Worten suchen und reimte sich eine Geschichte zusammen, mit der sie nicht viel verraten und sich in keine Widersprüche verstricken würde. Das war gar nicht so einfach, doch sie war mit Fred und George und haarsträubenden Ausreden aufgewachsen. Blieb nur zu hoffen, dass Snape brav in seinem Zimmer bleiben würde, während sie erzählte.
„Ach, Hermione und ich haben so eine Wette abgeschlossen. Das Ergebnis davon hast Du selbst gesehen, wir wollten Snape ein bisschen bloßstellen. In der Stunde, in der wir beide zum ersten Mal richtig aufeinander aufmerksam wurden, hab ich meinen Teil erledigt."
Chris' Mund verzog sich zu einem Grinsen und Ginny atmete innerlich auf. Das war gerade noch einmal gut gegangen!
„Aha, daher weht der Wind", lachte er leise und strich Ginny eine rote Strähne aus dem Gesicht, „aber was hat das Ganze mit dem Phönixorden zu tun?"
Sie hatte mit der Frage gerechnet. „Wir waren bei einem Treffen dabei und Snape hat über das 'Jungvolk' gespottet, wann immer er konnte. Da sind wir auf die Idee gekommen, ihm mal ein bisschen was heimzuzahlen." Sie beschloss, ihn in ihre Pläne einzuweihen, wenigstens ein stückweit. Flüsternd fuhr sie fort: „Er ist zwar dahintergekommen, aber es hat uns so gut gefallen, dass wir jede Menge neue Dinge haben, mit denen wir weitermachen können. Mach Dich auf lustige Zaubertränkestunden gefasst."
Nach und nach schlurften ihre Mitschülerinnen und Mitschüler in Richtung Klassenzimmer. Sie nickten Ginny und Chris zu und warteten mürrisch auf den Beginn der verhassten Doppelstunde Zaubertränke.
Als die Tür aufging und Snapes fahles Gesicht erschien, versteckte sich Ginny hinter Chris. Hinter ihm hervorlugend konnte sie deutlich erkennen, dass der Lehrer sie in der Menge suchte. Als er sich umdrehte und wieder nach drinnen ging, reihte sie sich mit Chris ganz hinten ein. Sie war bereit, ihm in die Augen zu sehen und die hohe Kunst der Okklumentik auszuprobieren.
Snape gab ihnen einen Auftrag und verschwand dann kurz in seiner Vorratskammer.
'Jetzt oder nie!', dachte sie. Das war die Gelegenheit. Sie stand auf und folgte ihm, um Zutaten zu holen, während die Anderen noch ihre Kessel aufstellten. Drinnen suchte sie umständlich nach einem Glas und stand dem Professor schließlich gegenüber. Er sah ihr in die Augen.
Sie hatte vorgesorgt und alle Gedanken aus ihrem Kopf verbannt.
Sie war vorbereitet.
Sie war überzeugt, dass sie es konnte.
Ginny spürte, wie er versuchte, sie zu durchschauen. Sie sträubte sich heftig dagegen, doch sie spürte, dass er Erfolg hatte. Nur kurz, dann verbannte sie ihn.
Es hatte geklappt! Nicht sofort, aber es hatte geklappt!
Mit mürrischem Blick schüttelte er den Kopf und verließ mit energischen Schritten die Kammer.
~x~
„Hermione, ich hab's geschafft!"
„Wow, Herzlichen Glückwunsch! Dann werden wir mal sehen, ob ich heute Mittag genauso erfolgreich bin."
Die beiden Mädchen saßen am Gryffindortisch beim Mittagessen. Ginny erzählte Hermione detailliert von ihrem Erfolg und auch von dem „Zwischenfall" mit Chris und Snape vor der Stunde.
Die Andere reckte beide Daumen. „Super reagiert!", lobte sie lachend.
Nun war für sie die Zeit gekommen, ihre Fähigkeiten zu testen. Nach dem Essen sprang sie enthusiastisch in die dunklen Tiefen von Hogwarts, rannte auf dem Weg fast Draco Malfoy um, der ihr verstört nachsah, fiel Harry in die Arme, grinste Ron breit an und schwieg bei alldem beharrlich.
„Ähm, Harry", begann Ron vorsichtig und grinste über die merkwürdig gute Laune seiner besten Freundin, „was hast Du eigentlich mit Hermione gemacht?"
Harry schüttelte belustigt den Kopf und hob abwehrend die Arme. „Unschuldig."
Die Tür öffnete sich, bevor die Jungen weiter über Hermiones Zustand spekulieren konnten.
Snapes Augen verengten sich, als er erneut ein Schülerpaar vor seinem Klassenzimmer vorfand. Diesmal amüsierte es ihn allerdings nicht, fast machte es ihn ein bisschen rasend.
Und zwar, wie er sich einredete, nur deshalb, weil er nun einmal mit Hermione geschlafen hatte, ihre Nähe genossen hatte und sein Hass auf Potter dadurch noch stärker geworden war. Vor allem, wenn er ihn mit ihr zusammen sah. Dann regte sich immer etwas in seinem Magen – sicher war es die Übelkeit, die Potters Anwesenheit stets in ihm auslöste; oder er hatte etwas Falsches gegessen.
Jedenfalls waren es keine Gefühle.
Er wälzte besagten Tumult in seinem Magen auf das Fischfilet vom Mittagessen ab und begann seinen Unterricht.
Hermione musste nicht lange auf eine Gelegenheit warten, um Okklumentik üben zu können. Der Professor saß vorne am Pult und sie spürte seinen Blick auf sich ruhen. Sie drehte sich so, dass sie ihn aus den Augenwinkeln sehen konnte. Er ließ den Blick unbesonnen an ihr auf und ab wandern. Als er wieder bei ihren Augen angekommen war, hob sie den Kopf ein Stück und sah ihn an.
Gleich darauf drehte sie sich jedoch wieder weg, weil sie unwillkürlich an die Nacht denken musste, in der sie die Wette gewonnen hatte. Als sie wieder in seine Richtung sah, hatte er den Kopf über sein Pult gesenkt. Sie dachte über ihre Beziehung zu Harry nach, ohne den Blick von ihm abzuwenden. An ihren ersten Kuss und die Sünde, die sie daraufhin begangen hatte und die viel schöner war als alles, was sie mit Harry je erlebt hatte...
In diesem Moment bemerkte sie, dass Snape ihr geradewegs in die Augen starrte, die sie immer noch auf ihn gerichtet hatte. Der ernste Gesichtsausdruck und die Konzentration, mit der er sie ansah, ließen sie Schlimmes ahnen. Geradezu Fatales.
Hermione verscheuchte alles aus ihrem Kopf, das dort nichts zu suchen hatte - zumindest nicht, wenn Snape Einblick darin hatte. In der Gegenwart eines so starken Legilimentors war es nicht einfach, seinen Geist zu verschließen. Was zunächst fehlschlug, klappte schließlich unter Einsatz enormer Willenskraft doch, woraufhin Snape sich von ihr abwandte. Er schien nicht verwundert darüber, dass sie es geschafft hatte, ihn aus ihren Gedanken zu verbannen. Von der Seite glaubte Hermione jedoch, Panik in seinen Augen zu sehen.
~x~
Einige Stunden später dachte Hermione noch immer darüber nach, was die Panik in dem schwarzen Mann ausgelöst haben könnte. Sie konnte sich nicht genau daran erinnern, an was sie gedacht hatte, während er in ihrem Geist verweilt hatte, und das machte ihr Sorgen. Er wusste längst, dass sie Harry durch die Nacht mit ihm gewonnen hatte, das konnte ihn am Nachmittag also weder überrascht noch schockiert haben. Wie klang das überhaupt, „sie hatte Harry gewonnen" – als wäre er der erste Preis bei einer Tombola gewesen! ‚Räumen Sie jetzt ab und Sie dürfen ihn sofort mitnehmen; er ist wunderbar pflegeleicht, aber bitte vergessen Sie das Füttern nicht.' Hermione seufzte leise. Weit entfernt von der Realität war der Vergleich gar nicht.
„Hermione? Süße, wo bist Du mit Deinen Gedanken?"
Die Angesprochene schreckte auf. Ginny stand vor ihrem Bett und war belustigt darüber, dass die Freundin auch nach mehrfachem Ansprechen nicht reagiert hatte.
„Na, na, das musst Du mir jetzt aber genauer erklären", forderte sie grinsend und stellte mit Genugtuung fest, dass Hermione errötete.
„Gin, ich hab's auch geschafft!", triumphierte sie und erzählte kurz von ihrem Nachmittag.
Die Rothaarige machte einen Satz zu ihr aufs Bett und umarmte sie. „Dann sind wir also reif für den nächsten Schritt?"
Hermione nickte, erleichtert darüber, dass sie das Thema ihrer Gedanken fallen gelassen hatte. Ginny sprang auf, nahm ihren Zauberstab, ging zum Schrank, in dem die Süßigkeiten versteckt waren und murmelte den Zauberspruch, um ihn zu öffnen.
„Schnatzzeug?", fragte sie begierig.
Hermione schüttelte den Kopf. „Gehen wir es langsam an. Wie wär's zum Beispiel damit?" Sie zeigte auf eine Packung voller leuchtend bunter Kugeln.
Ginny griff danach und las, was auf der Rückseite stand. Ihre Miene wurde aufmerksam und auf ihrem Gesicht machte sich ein Grinsen breit.
„Geht klar! Ich freu mich schon auf morgen!" Ginnys Gesichtsausdruck nach zu urteilen konnte sie einen Freudenschrei nur sehr schwer unterdrücken.
Hermione grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Lass uns schlafen", schlug sie vor, „ich bin total müde."
Die Freundin gähnte. „Ich auch. Gute Nacht, schlaf gut. Und träum schön von morgen."
„Du auch, gute Nacht!", erwiderte die Ältere, noch immer grinsend. Sie bändigte ihre Locken zu einem Zopf und schloss die Augen. Nun konnte sie einigermaßen ruhigen Gewissens schlafen.
~x~
Als Hermione am Dienstagmorgen aufwachte, schlief ihre beste Freundin noch. Sie ging an ihr Bett und weckte sie sanft. „Ginny, aufstehen."
„Hmmmh?"
„Ginny, heute ist unser großer Tag, heute geht es wieder los!"
Schlagartig saß die Rothaarige senkrecht im Bett. „Ich bin wach!" Sie sprang auf und rannte Richtung Schrank, öffnete ihn, zog ein Top und eine Jeans heraus und verschwand im Bad.
Hermione schüttelte grinsend den Kopf. Das würde ein lustiger Tag werden. Vorausgesetzt natürlich, dass Snape ihnen keinen Strich durch die Rechnung machen würde. Auch sie suchte sich etwas zum Anziehen und ging zu Ginny ins Bad.
Aufgeregt machten sich die Mädchen zwanzig Minuten auf den Weg in die Große Halle zum Frühstück.
„Schau mir in die Augen, Großer...", flüsterte Ginny angriffslustig und starrte zum Lehrertisch hoch.
Snape schien sorgfältig darauf bedacht, den Blick nicht wie sonst durch die Halle schweifen zu lassen. Nicht einmal die Slytherins beobachtete er.
„Meinst Du, er ahnt etwas?", fragte Ginny, als sie sich zum zweiten Mal Rührei nachholte.
Hermione schüttelte den Kopf. „Woher sollte er denn etwas wissen?", stellte sie die Gegenfrage.
„Keine Ahnung... Du hast Recht. Schau übrigens mal gedankenlos zum Lehrertisch hoch, Du wirst beobachtet."
Hermione verscheuchte schnell alle Gedanken aus ihrem Kopf und Geist und sah hoch, doch er hatte sich schon wieder abgewandt.
„Spielverderber!", motzte die Weasleytochter.
„Wir werden schon noch dazu kommen, unsere Spielchen mit ihm zu spielen." Hermione zwinkerte der Kleineren zu.
Sie ließ sich nicht anmerken, dass sie durchaus beunruhigt war. Sie hatte das Gefühl, dass er gewusst hatte, dass sie gleich zu ihm nach oben sehen würde und sich deshalb in diesem Moment weggedreht hatte. Ihr fiel die Begegnung ein, bei der sie mit dem Rücken zu ihm gesessen und an jene Nacht gedacht hatte. Er war an sie herangetreten und hatte sie darauf angesprochen; er hatte ohne Blickkontakt Einblick in ihre Gedanken gehabt.
Auf dem Weg zurück in ihren Schlafsaal berichtete Hermione Ginny flüsternd von ihren Ahnungen. Diese wirkte für einen kurzen Moment leicht schockiert.
„Hast Du an unsere Pläne gedacht, als ich Dich auf seinen Blick aufmerksam gemacht habe?"
Die Wahrheit war, dass Hermione währenddessen zwar an ihn gedacht hatte, Gott sei Dank jedoch völlig unabhängig von ihren Plänen.
„Nein."
„Dann ist doch alles gut. Bis später!" Schon war Ginny verschwunden.
Hermione sah ihr verdutzt nach und fragte sich, warum sie überhaupt in Richtung Schlafsaal gelaufen war, wo sie doch ihre Tasche mit den Schulsachen über der Schulter hängen hatte. Schulterzuckend trottete sie zurück in die Große Halle zu Harry und Ron, wo sie mit einem Kuss von Harry und einem Handschlag von Ron empfangen wurde.
„Schon gefrühstückt?", mampfte der Rothaarige.
Hermione nickte. "Ja, gerade eben. Ich war nur noch kurz mit Deiner Schwester unterwegs."
„Warum? Ihr heckt doch nicht etwa schon wieder etwas aus?"
„Wäre möglich", grinste sie.
„Raus damit", lachte Ron.
Sie streckte ihm die Zunge raus. „Gedulde Dich bis Zaubertränke."
„Oh nein", beschwerte sich Harry, „das ist doch erst nach dem Mittagessen!"
„Na ja, vielleicht werdet ihr vorher schon was davon hören. Ginny hat nämlich schon vor dem Mittagessen Zaubertränke." Ihr Grinsen wurde breiter.
Ron beugte sich zu seinem besten Freund. „Meinst Du, die bleibt uns das restliche Schuljahr noch erhalten oder schmeißen sie sie vorher raus?"
Harry runzelte die Stirn. „Hm, ich wette, sie werden beide rausgeschmissen."
Hermione stöhnte. Von Wetten hatte sie wahrhaftig genug!
Doch Ron ging darauf ein. „Ich sage, ihr Charme hält sie hier", lachte er.
„Worum wetten wir?"
„Ich wäre dafür, dass der Gewinner dem Verlierer die Haare schneiden darf, beide dürfen dafür keine Magie anwenden-"
„Wir gehen!", unterbrach Hermione energisch, erhob sich und zog die beiden Jungen an den Umhangärmeln auf die Beine.
Weiter über ihren Wetteinsatz diskutierend, folgten sie ihrer Freundin nach draußen auf die Ländereien zu Kräuterkunde, wo bereits einige Mitschüler ihrer Stufe warteten. Hermione atmete erleichtert auf, als das Thema „Wette" wenige Minuten später ad acta gelegt wurde, ohne dass eine solche abgeschlossen worden war.
~x~
Zur selben Zeit unten in den Kerkern unterhielt sich Ginny gerade angeregt mit Chris und ihren Freunden, als die Tür zum Klassenzimmer für Zaubertränke aufging und Snapes Gesicht im Spalt erschien. Die Sechstklässler betraten nach und nach den Kerker. Als alle auf ihren Plätzen waren und ihre Sachen auspackten, legte Ginny die bereits ausgepackten Kugeln so unter ihren Kessel, dass sie von vorne nicht zu sehen waren.
Snape begann seinen Unterricht kühl und abweisend wie immer. Er war sichtlich bemüht, Ginny nicht zu beachten.
‚Warte nur ab!', dachte diese. ‚Glaub nicht, Du kommst einfach so davon!'
Eine halbe Stunde lang ließ sie den Professor im Glauben, sie würde heute friedlich ihren Trank brauen und nichts anstellen. Dann, als er in ein Buch vertieft war und nur ab und zu den Blick durchs Klassenzimmer schweifen ließ, krallte sie sich eine der Kugeln – eine grüne – und ließ sie in ihren Kessel fallen. Es zischte, als sie die Oberfläche der zähflüssigen Masse darin durchdrang. Ginny dankte in Gedanken ihren Brüdern, dass sie für jedes Fach eigens eine Nasch- und Schwänz-Kreation entwickeln wollten und mit Zaubertränke angefangen hatten.
Das Zischen verstummte und eine nebelartige Figur stieg so rasant aus dem Kessel heraus an die Decke, dass für einen Außenstehenden unmöglich auszumachen war, wo sie hergekommen war.
Die Gestalt war in Rot gehüllt und hatte scheinbar Flügel. Ohne zu zögern schwebte sie in Snapes Richtung, und als sie vor ihm angelangt war, begann sie, in der Luft wilde Faxen zu machen. Sie veranstaltete die unmöglichsten Verrenkungen und trällerte schließlich laut:
„Und sind Wolken da, wo man hübsche Vögel sah,
dann bin ich noch hier, komm und wag's mit mir!
Wenn die Hoffnung Dich verlässt und die Freunde geh'n,
ist das unser Härtetest, ich werd' ihn besteh'n!
Komm und wag's mit mir... KOMM UND WAG'S MIT MIR!"
Die Klasse brach in schallendes Gelächter aus. Niemand versuchte, es zu verbergen; das war unmöglich. Eine feenähnliche Gestalt, die zu ihrem Meister der Zaubertränke „Komm und wag's mit mir" sang – fast schon schrie – war einfach zu komisch. Ginny war nicht die Einzige, die laut aufkreischte.
Snape war erstarrt und beobachtete mit großen Augen das kleine Etwas vor seiner Nase. Es sang weiter sein Liedchen („Und wir hör'n Musik an, oder wir reden, dass wir uns… kennenlernen!") und zog dabei so irre Grimassen, dass selbst der schwarze Mann ein Grinsen nur mit Mühe verbergen konnte. Dies fiel jedoch nicht einmal Ginny auf, die vor Lachen gar nicht mehr dazu in der Lage war, eine weitere Kugel in den Kessel zu werfen, und das war auch nicht nötig.
Als die Gestalt mit einem herzzerreißenden „GOTT, ICH LIEB DICH SO!" geendet hatte und auf Snapes Unterarm auf die Knie gegangen war, wurde das Gelächter noch lauter und wurde zusätzlich durch kräftigen Applaus verstärkt.
An diesem Tag ließ der Professor seine Schüler auffällig lange vor Unterrichtsende gehen, und Ginny überlegte hin und her, ob sie schnell und unauffällig verschwinden oder noch einen Spruch riskieren sollte. Schließlich ging sie an ihm vorbei, wandte den Kopf zur Seite, grinste und holte schon Luft um etwas zu sagen, als er warnend die Hand hielt.
„Kein Wort will ich hören!", fauchte er.
So wurde ihr Grinsen nur noch breiter und sie schlüpfte zwischen ihren Mitschülern zur Tür hinaus.
~x~
Hermione fiel es schwer, sich nichts anmerken zu lassen, als sie den Kerker betrat. Sie wich Snapes Blick aus, der ab und zu auf sie fiel.
Sie braute einen perfekten Trank, füllte ein Fläschchen davon ab und brachte es ans Pult. Sie sah belustigt, wie Snape in Abwehrhaltung ging, als sie näher kam. Geduldig wartete Hermione, bis die Anderen fertig waren, kramte dann eine blaue Kugel aus dem Umhang und warf sie in ihren Kessel.
„Naja, der Jüngste ist er ja nicht, aber sehr schick, das Kerlchen", lachte Harry leise. Er hatte, ebenso wie alle anderen Gryffindors, Ravenclaws und Hufflepuffs, bereits von Ginnys Zaubertränke-Unterhaltungsprogramm der Sechstklässler am Morgen erfahren. Niemand schien wirklich überrascht, alle jedoch durchaus entzückt, als eine weiße Gestalt aus Hermiones Kessel aufstieg. Als sie Snape ins Visier nahm und auf ihn zu schoss, quiekten viele Schüler erfreut auf.
Es war ein Mann, der aussah, als hätte er schon einiges durchgemacht. Er schien alt zu sein, war auch so gekleidet und sah tatsächlich nicht besonders modern aus; fast als stammte er aus einem anderen Jahrhundert. Er kniete vor dem Professor auf dem Tisch nieder und begann:
„Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde,
Es war getan, fast eh' gedacht,
Der Abend wiegte schon die Erde
Und an den Bergen hing die Nacht."
Snapes Blick wechselte von überrascht zu zornig und er drehte den Kopf weg. Er versuchte wegzulaufen, doch etwas schien ihn festzuhalten. Eine unsichtbare Fessel ließ nicht zu, dass er seine Arme und Beine bewegte. Hermione war hingerissen von dieser Leistung der Weasley-Zwillinge, und die meisten ihrer Mitschüler lachten hinter vorgehaltenen Händen.
Wild gestikulierend schnarrte der Dichter leidenschaftlich:
„Dich sah ich, und die milde Freude
Floss von dem süßen Blick auf mich
Ganz war mein Herz an Deiner Seite
Und JEDER Atemzug für Dich!"
Er fuhr fort und setzte dem Gedicht die Krönung auf, indem er am Schluss einen Kussmund zu Snape blies und sich vor ihm auf den Tisch warf, den Kopf nach unten und die Hände gefaltet wie zum Gebet.
Die ganze Klasse schien die Luft angehalten zu haben und schien unsicher, wie ernst die Folgen sein könnten, wenn sie mit dem Lachen herausplatzen würde.
„Wer bist Du?", fragte Ron schließlich beherrscht und durchbrach damit die Stille.
„Johann Wolfgang von Goethe! Wollen Sie etwa andeuten, dass Sie mich nicht kennen?", empörte sich die Gestalt.
In diesem Augenblick löste sich der Zauber und Snape konnte sich wieder bewegen.
Eine Minute lang herrschte erneut eine angespannte Stille, während der der Lehrer böse durch die Klasse schaute und sein Blick immer wieder an Hermione hängen blieb.
Diese verschloss fest ihren Geist und verwehrte ihm den Zugriff auf ihre Gedanken.
Als das letzte Licht Goethes mit einem leisen Geräusch verpuffte, war einzeln wieder Gekicher zu hören.
Snape erhob sich, schwebte vor Zorn regelrecht hinüber zu Hermiones Tisch, klammerte sich an dessen Ecken fest und funkelte sie böse an. „Sie werden mir einen Aufsatz über diesen Trank schreiben", drohte er, „in dem Sie jeden einzelnen Schritt genauestens beschreiben werden. Und wehe, er liegt mir in der nächsten Stunde nicht vor!"
Damit entließ er sie aus dem Unterricht.
Ron grinste zufrieden, als sie zur Tür hinaus schlenderten. „Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber –"
„–ich mag Goethe!", meinte Hermione lachend.
„Genau!"
Bevor sich in der Eingangshalle die Wege der Siebtklässler trennten, rief Hermione: „Ihr werdet keinen Aufsatz schreiben, ist schon klar, oder?"
Ihre Mitschüler blickten sie verdutzt an.
„Hermione! Er wird uns den Kopf abreißen!", beschwerte sich Harry.
„Hat er ein Wort davon gesagt, dass wir alle einen schreiben sollen? Ich meine, er hat es vielleicht so gemeint, das wissen wir nicht genau. Aber ich möchte, dass ihr auf meine Verantwortung alle mitspielt, nichts schreibt und mich diese Sache regeln lasst. Ließe sich darüber verhandeln?"
„Vielleicht war es auch tatsächlich nur an Dich gerichtet", mutmaßte Ernie Macmillan.
„Richtig", stimmte Hermione zu. Sie schaute auffordernd in die Runde, und langsam breitete sich Zustimmung aus.
„Ist irgendwer dagegen?", fragte sie zur Sicherheit. Niemand meldete sich.
„Okay, dann haben wir einen Deal. Und weniger Arbeit", grinste Harry.
„Perfekt!", meinte nun auch Ron, als sie auf den Gryffindorgemeinschaftsraum zuliefen. „Keine Hausaufgaben in Zaubertränke, was ein Fest! Bellum ovis", murmelte er der Fetten Dame zu, die sofort aufschwang.
„Das heißt aber nicht, dass ihr jetzt faulenzen könnt!", mahnte Hermione, als sie als Letzte durch das Portraitloch kletterte, und die beiden Jungen verdrehten die Augen.
„Schon klar", murmelten sie im Chor und holten ihre Schulsachen aus ihren Taschen.
„Die hast Du aber gut erzogen in all den Jahren, Hermione!"
Sie fuhr herum, als sie die vertraute Stimme hörte. Ginny hatte gerade, zusammen mit einigen anderen Sechstklässlern aus Gryffindor, den Raum betreten; auch sie waren ein paar Minuten früher in den Feierabend entlassen worden.
Hermione grinste breit. „Ich frage mich oft, wie ich das geschafft habe!"
Ginny machte einen fragenden Wink in Richtung Treppe. Die Andere nickte und ging voraus in den Schlafsaal.
~x~
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Ich werfe mich mal eben ehrfürchtig vor Goethe zu Boden und entschuldige mich dafür, dass ich sein wunderwundervolles Gedicht missbraucht und zerstümmelt habe. Dann gehe ich weiter zu ABBA, falle auf die Knie und bitte um Vergebung.
Ergo, die kleine Nebel-Rosie, ihr Liedchen „Komm und wag's mit mir" („Take A Chance On Me"), Goethe, sowie sein Gedicht „Willkommen und Abschied" gehören natürlich nicht mir – Fred und George könnten die Tipps, diese Wunderwerke für ihre Leckereien zu vermarkten, allerdings durchaus von mir haben. ;))
