Disclaimer: Vielen Dank an JKR für ihre Charaktere. Ich werde ein wenig mit ihnen rumspielen, hoffentlich stört es sie nicht.
Cassie
„Es gibt nur Macht, und jene, die zu schwach sind, um nach ihr zu streben."
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Kapitel 11 – Hermines Zweifel/Hermines Sicht
Ich bin nie gut mit Fehlschlägen zurechtgekommen, das mir ist klar obwohl ich mir wünsche, es wäre anders. Nun, die Menschen die viel lernen und ehrgeizig sind, fühlen sich oft so. Seit ich meinen Brief bekommen habe, habe ich entschieden, mein Bestes zu geben, um so viel Magie wie möglich zu lernen. Da hatte ich auch meine Momente, aber ich bin der Meinung, dass ich ziemlich erfolgreich in der Schule bin.
Das aber hat mich total aus der Bahn geworfen. Und wenn man bedenkt, dass ich erst vor ein paar Tagen einen Brief von Harry erhalten habe! Warum denkt er, er müsse mich anlügen? Steckt mehr dahinter? Hat man ihn dazu gezwungen? Ich bin mir sicher, dass Harry mir von so etwas Wichtigem erzählen würde. Aber nein, ich muss davon aus dem Propheten erfahren.
Ich hatte vor, diese dumme Auseinandersetzung zwischen ihm und Ron irgendwie wieder gut zu machen sobald die Schule wieder anfängt. Harry ist einfach nur stur und Ron benimmt sich wie ein Kind. Das heißt aber nicht, dass sie nicht mehr Freunde sein können. Harry vermisst ihn und ich bin mir sicher, dass auch Ron ihn vermisst. Ach, Jungen. Ich kann sie einfach nicht verstehen. Warum können sie nicht einfach sagen, nicht zugeben, dass sie wieder Freunde sein wollen und ihren dummen Stolz ignorieren? Es tut weh zuschauen zu müssen, wie Harry alleine in der Bibliothek sitzt und büffelt. Es ist eine gute Sache, dass er endlich begriffen hat, wie wichtig die Ausbildung eigentlich ist. Früher hat er Quidditch oder Karten mit Ron gespielt, anstatt zu lernen. Es freut mich sehr, dass er entschieden hat, seine Zukunft nicht wegzuwerfen. Aber es freut mich nicht, dass er den Pfad aus Einsamkeit und Isolation gewählt hat. Er ist sicherlich traurig und ich wünsche mir, es gäbe etwas, was ich tun kann.
Und jetzt das. Ich bin mir sicher, dass Harry nicht will, dass Ms Malfoy sein Vormund wird. Etwas ist in der Nacht passiert, als das Haus seiner Verwandten niedergebrannt ist. Vielleicht geht es ihm noch immer nicht gut? Ich sage ja nicht, dass Harry verrückt geworden ist, aber vielleicht stimmt etwas mit ihm nicht, also hat ihn diese abscheuliche Frau im Moment seiner Schwäche ausgenutzt. Ich muss mit ihm reden.
Laut dem Propheten liegt er noch immer im Bett, vermutlich im Malfoy Herrenhaus. Und was diese Geschichte über Misshandlung angeht... ich bin mir auch sicher, dass ich es gewusst hätte. Harry hätte mir davon erzählt. Also muss das einfach eine Lüge von Ms Malfoy sein, die sie erfunden hat, damit niemand zu Besuch kommt. Und das bezieht sich hauptsächlich auf Dumbledore.
Auch wenn ich wüsste, wo sich das Haus befindet, denke ich nicht, dass einfach aufzutauchen und an der Tür zu klopfen, der beste Plan wäre. Ich werde Harry einen Brief schreiben und ihn darum bitten, dass wir uns irgendwo treffen. Ich muss Flüche nachschlagen, vielleicht gibt es ein paar Anzeichen einer Fluchverwendung, die allgemein bekannt sind? Mann bin ich besorgt!
Diese Geschichte über die Misshandlung geht mir nicht aus dem Kopf. Auch wenn sie nur eine Lüge ist, ist es eine abscheuliche. Ich habe die Dursleys nie getroffen, aber so schlimm können sie nicht sein. Harry hat nie etwas erwähnt. Klar, ich weiß, dass es üble Menschen gibt, die ihre Kinder schlagen, aber niemand würde ein Kind ohne Essen in den Keller sperren! Nein, ich bin mir sicher, dass das eine Lüge ist. Der Prophet hat etwas von Unterernährung erwähnt. Harry ist nur klein und dünn. Manchmal gibt es solche Menschen. Er isst nicht viel. Nun, wenn ich darüber nachdenke, hat er eine Menge an Weihnachten gegessen... Er muss eine sehr gute Verdauung haben. Welch ein Glückspilz...
Manchmal war ihm übel. Ron hat ihn gesucht und ihn im Klo gefunden. Er hat sich übergeben. Aber das war wegen der Schokoladentorte, er hat zu viel davon gegessen. Vielleicht leidet er an einer Verdauungskrankheit? Daran habe ich nie gedacht. Aber wenn man krank ist, sucht man Hilfe, oder? Nun, hier geht es um einen Jungen. Sie würden so was wie eine Krankheit verschweigen, nur um den Helden zu spielen. Das werde ich nie verstehen können...
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/Harrys Sicht
„Lieber Harry,
Ich bin sehr besorgt um dich. Du hast mir nichts gesagt und ich musste über das Ganze im Propheten lesen!
Geht es dir gut? Was sagt der Heiler? Kümmert sich Ms Malfoy gut um dich?
Harry, ich weiß, dass du mit Ron nicht reden willst. Aber ich bin immer deine Freundin gewesen und ich betrachte dich als meinen Bruder. Und ganz ehrlich weiß ich nicht, was ich darüber denken soll. Ich weiß nur, dass ich vor Sorge kaum schlafen kann und niemand kann mir etwas sagen. Ich weiß nicht einmal, wo die Malfoys wohnen, also kann ich dich nicht besuchen. Wenn es dir gut genug geht, möchte ich dich sehen. Ich vermisse dich und ich versichere dir, ich möchte dich nur sehen und mit dir reden. Bitte melde dich. Ich warte ungeduldig auf deine Antwort!
Mit Liebe, Hermine."
„Sie ist ganz schön verzweifelt, nicht?", sage ich mit einem Lächeln.
Tom lässt den Brief sinken und fixiert mich mit seinem Blick. Wir waren gerade dabei, ein Ritual auszuprobieren, als der Brief angekommen ist.
„Würdest du sie hierher einladen?", fragt er leise. „Sie könnte ernsthafte Probleme verursachen, wenn sie nicht mit dir redet. So viel habe ich über sie gelernt."
Ich lache herzlich und stelle das dicke Buch beiseite. Die Luft ist gefüllt von dunkler Magie und ich atme tief ein. Mann wie ich das mag!
„Ich würde gerne in die Winkelgasse gehen", sage ich aufstehend. „Ich muss eh ein paar Sachen besorgen."
„Das kann Narzissa erledigen", knurrt Tom. Offensichtlich gefällt ihm die Idee nicht. „Es ist gefährlich. Dumbledore könnte dich fangen. Du hast gesagt, dir gehe es nicht gut. Und auf einmal tauchst du in der Winkelgasse auf? Denkst du wirklich, dass das ratsam ist?"
„Tom", sage ich seufzend. „Ich muss mich irgendwann in der Öffentlichkeit zeigen. Verstehst du nicht? Denn falls sie sich hier mit mir trifft, würde sie denken, dass die Malfoys mich mit irgendeinem bösen Zauber belegt haben. Und wenn ich in der Winkelgasse frei rumlaufe, würde sie nicht zu diesem Schluss kommen können."
„Denkst du wirklich, dass deine Freundin zu so einem Schluss kommen könnte?", fragt Tom ungläubig.
„Sie ist nicht meine Freundin in diesem Sinne und ja, sie mag die Malfoys nicht und vertraut ihnen überhaupt nicht. Aus diesem Grund möchte sie mich sehen, um sich zu vergewissern, dass ich bei Verstand bin."
Tom sagt nichts dazu, schüttelt lediglich den Kopf.
„Deine Freundin denkt mit ihrem Kopf", bemerkt er. „Sie wäre eine gute dunkle Magierin."
„Vergiss es", knurre ich, den Kommentar ignorierend. Wir haben schon darüber gesprochen. Ich bin ein Pechvogel, wenn es um Frauen geht. Tom aber mag es, mich zu reizen, nur um zu sehen, wie gut ich mich kontrollieren kann. „Hermine ist so hell wie kaum eine andere."
„Schade", seufzt Tom.
Unsere Blicke treffen sich und ich fühle mich unwohl. Denn es fühlt sich an, als bitte ich ihn um Erlaubnis, in die Winkelgasse zu gehen und zur gleichen Zeit wäre es wirklich nicht in Ordnung, trotz seinen Anweisungen und seinen Warnungen zu gehen. Ich respektiere den Mann und möchte nicht, dass er sauer auf mich ist. Und außerdem spüre ich den ernsten Wunsch, seine Erlaubnis zu haben. Er bringt mir die dunklen Künste bei und er ist nicht nur eine Person für mich, die ich zweimal pro Woche sehe und die mir ein paar Zauber beibringt.
„Nimm deinen zweiten Stab mit", sagt er leise. „So könntest du dich verteidigen, falls es nötig sein sollte. Und Narzissa geht mit dir. Sie kann in der Nokturngasse deine Sachen abholen, während du mit Hermine unterwegs bist. Und bleibe nicht zu lange."
„Du bist echt paranoid, weißt du?", frage ich grinsend. „Denkst du, dass Dumbledore mich entführen könnte, so bald ich alleine bin?"
„Denkst du nicht, dass Dumbledore zu so was fähig ist? Er ist verzweifelt", behauptet Tom.
„Ok, das stimmt", murmele ich. Der Mann hat schon bewiesen, wie weit zu gehen er bereit ist. Und ich würde ihm schon zutrauen, dass er sich so was ausdenkt.
„In Ordnung, ja, ist schon gut, ich werde alles tun was du sagst, Meister", sage ich schnell, als Tom den Mund öffnet, um fortzufahren. Er lächelt zufrieden und nickt. „Also werde ich meine Antwort an Hermine verfassen und dann können wir uns diesem Ritual zuwenden."
„Nein, zuerst das Ritual, der Brief kann warten", behauptet Tom. „Denn alles steht bereit und du kannst nicht einfach so eine Pause machen. Es gibt keine Pausen, wenn man die dunkle Magie übt."
„Fein", belle ich und mache die Tür wieder zu. Sklaventreiber. „Du hast es dir hier echt bequem gemacht oder? Werde ich die ganze Arbeit alleine erledigen müssen?"
„Natürlich", sagt Tom, schlägt die Beine übereinander und sieht dabei so aus, als hätte er sich auf eine Show vorbereitet. Das einzige, was fehlt, ist Popcorn. „Ich bin der Lehrer und du bist der Schüler. Du möchtest das Ritual für Lord Voldemort ausführen? Dann musst du üben und da gibt es kein 'aber'."
Ich stehe inmitten des magischen Kreises während Tom auf der anderen Seite steht und mir zeigt, was ich tun muss. Aber jetzt sagt er überhaupt nichts. Stattdessen steht er stumm da und schaut zu, wie ich für ein paar Momente verwirrt dastehe, komplett fassungslos, ehe mir einfällt, was ich weiter tun muss. Offensichtlich sind die Handbewegungen und Bewegungen im Allgemeinen in dunklen Ritualen sehr wichtig, denn Tom schüttelt den Kopf und zeigt mir, wie ich meine Arme richtig ausstrecken soll.
Obwohl dieses Ritual ganz einfach ist und nichts Besonderes bewirkt – es ist ein Mondfest – gefällt mir die Spannung, die in der Kammer herrscht. Die Kammer ist von neun Kerzen beleuchtet und ihre Flammen flackern, als ich um den Kreis schreite. Alraunwurzeln brennen in einer Schale und ein seltsamer Geruch erfüllt die Kammer, der mich irgendwie verträumt werden lässt. Es flitzen allerlei Bilder durch meinen Kopf, als ich weiter arbeite und Toms Handbewegungen nachmache. Es ist wie ein Tanz und es gibt eine gewisse Schönheit in der Ritualarbeit, die manche Teile meines Unterbewusstseins auf eine Weise stimuliert, die ich mir nie hätte vorstellen können. Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine glatte Oberfläche eines dunklen Sees; eines tiefen, mysteriösen dunklen Sees, der nach mir ruft. Und der Mond ist wie eine riesige Kugel, die am Horizont sitzt und auf mich hinab guckt. Es ist still; und doch spielt eine langsame Melodie, die zärtlich über die Oberfläche des Sees gleitet, sodass sie sich kräuselt. Die Brise tanzt um mich und lädt mich zum Tanzen ein; ihre Berührung fühlt sich wie Seide auf der Haut an; und als ich weiter arbeite, beginne ich mich unwillkürlich im Rhythmus zu bewegen, dem ich einfach nicht widerstehen kann.
Als das Ritual vollendet ist, verlasse ich langsam den Kreis und grinse Tom breit an. Er mustert mich mit einer unergründlichen Miene.
„Das war phantastisch", murmele ich. Englisch fühlt sich nach all dem Latein seltsam an meiner Zunge an. „Oh Mann."
Ich gluckse und schüttele den Kopf. Da habe ich auf einmal so viele Ideen und wünsche mir, ich könnte mich irgendwo da draußen im Garten hinsetzen und die Natur genießen.
„Das hat dir gefallen, was?", fragt Tom, wirkt aber nachdenklich. „Deine Leistung ist passabel." In der Sprache von Tom Riddle heißt das, er sei zufrieden mit mir. Aber ich höre nicht zu. Mich interessiert mehr dieses Gefühl, das noch in meinem Inneren herrscht. So sanft... So zärtlich... bewegt sich im Rhythmus der Musik... und der Mond, hoch im Himmel, wie eine leuchtende Kugel...
„Harry", höre ich eine Stimme aus der Ferne. „HARRY!"
„Was?", platzt es aus mir. Auf einmal bin ich sehr wütend. Wie kann er es nur wagen, mich zu stören?
„Eine der Nebenwirkungen dieses Rituals ist das Unvermögen, sich auf die Realität zu konzentrieren", sagt Tom scharf. „Also nehme ich an, dass das Ritual erfolgreich war, deinem Benehmen nach zu beurteilen."
„Andererseits wurde dieses Fest von Sehern benutzt, um Visionen herbeizurufen", fährt er fort. „Man kann Visionen und Blicke auf die Zukunft erleben, also sei darauf vorbereitet."
„Echt?", frage ich gereizt. Toms Erklärung wirkt wie ein Eimer kaltes Wasser, der mir über dem Kopf gekippt wurde. „Also deswegen hast du gewollt, dass ich ausgerechnet dieses Ritual durchführe? Weil du hoffst, ich könnte noch eine Vision von Voldemort haben?"
Tom grinst mich teuflisch an und seine Augen glitzern wie Onyxe.
„Genau", sagt er selbstgefällig. „Also geh schlafen und träume von deinem Meister. Ich werde ungeduldig auf die Ergebnisse warten."
Ich fluche in meinen Bart und beginne die Kammer aufzuräumen. Man kann ihn nicht dafür beschuldigen, was er ist, oder? Tom ist ein dunkler Magier, mit Körper und Seele. Jeden Tag teilt er so was aus; aber ich nehme es ihm nicht übel. Ich habe gelernt, immer meine Augen offen zu haben, immer wachsam und immer auf der Hut zu sein. Und in der Welt, in der ich bald leben werde, ist solch eine Fähigkeit von größtem Wert und von größter Notwendigkeit.
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Die Sonne steht hoch am Himmel, als ich mit Narzissa die Winkelgasse erkunde. Vor ein paar Tagen habe ich neue Kleidung in meinem Schrank gefunden und Narzissa hat darauf bestanden, dass ich, obwohl das Ministerium noch keine Entscheidung getroffen hat, ein Mitglied der Familie sei und mich auch wie eines benehmen solle. Daher meine Klamotten, die sich überraschend gut auf meiner Haut anfühlen.
Die Welt fühlt sich anders an; die Gesichter der Menschen kommen mir verschwommen vor, als wir an einem Laden nach dem anderen vorbei kommen und ich bemerke nicht, dass ich angegafft werde. Aber natürlich, außer der Tatsache, dass ich Harry Potter, der Junge der lebt, bin, bin ich jetzt der Junge der sich mit Narzissa Malfoy angefreundet hat und ihren Schutz möchte. Ich solle mich wie ein Malfoy benehmen? Was soll das heißen? Ach ja. Teure Sachen.
„Ich hätte gerne ein paar Bücher, Narzissa", sage ich.
„Dachte ich mir schon", sagt sie lächelnd. „Aber vermutlich kannst du keine in Flourish und Blotts kaufen." Ich schüttele den Kopf.
„Schön, gibst du mir eine Liste?"
„Ich würde gerne mitkommen", protestiere ich, erinnere mich aber an Toms Worte und seufze. Heute wird es keine Ausflüge in die Nokturngasse geben. Scheiße. „Also schön."
Ich ziehe sie näher und flüstere ihr ins Ohr, worüber ich gerne lesen würde und sie nickt nur, wirkt aber beunruhigt.
„Ich werde mein bestes tun", flüstert sie.
Meine Vorliebe für Dämonenbeschwörungen und Rituale wächst und meiner Meinung nach gibt es in der Malfoy Bibliothek nicht genug Bücher zu diesem Thema. Und außerdem werde ich solche Bücher nicht mit mir nach Hogwarts nehmen können, also muss ich wohl jetzt so viel wie möglich lesen. Da bleibt immer die Möglichkeit, die Bücher zu verzaubern, aber ich möchte das Risiko nicht eingehen. Dumbledore wird mich genau beobachten und ich möchte meine Rolle gut spielen. Ein Gedanke, der mich tröstet, ist der an die Kammer Slytherins. Ich habe nur ein paar Bücher aus seiner Sammlung gelesen, also muss es noch mehr interessanten Stoff dort geben.
Ich hasse Tom und zur gleichen Zeit möchte ich ihm die Hand schütteln. Er ist der Meister der Manipulation und ein Genie. Die letzte Nacht ist der Beweis dafür. Ich habe nämlich von Voldemort geträumt.
Er – oder eher die Schlange – lag zusammengerollt beim Feuer. Mein Traum – oder meine Anwesenheit in seinem Bewusstsein, ich habe keine Ahnung wie das geht – hat ihn geweckt. Und wir haben gesprochen. Nun, wenn ich das sage, meine ich natürlich ein mentales Gespräch.
/Rückblende
„Der mysteriöse Helfer", denkt er. Ich kann da einen Hauch von Ironie in seinen Gedanken spüren, aber die Chance ist einfach zu gut, um sie zu verpassen. „Mein Diener. Wer bist du?"
„Ich bin nicht Euer Diener, aber ich werde Euch helfen", denke ich.
Tom hat mir beigebracht, wie ich mit ihm reden sollte. Lächerlich. Aber ich möchte ihn nicht beleidigen.
„Nicht mein Diener?" denkt er. Ich konnte Verwirrung spüren. „Ach, also bist du ein neuer Diener. Verstehe."
„Man muss nicht Euer Diener sein, um Euch helfen zu wollen, mein Lord", erwidere ich bissig.
„Wir warten ungeduldig auf Euch, mein Lord", fahre ich fort, ehe Voldemort die Chance hat, mehr Fragen zu stellen. „Wann kommt Ihr an?"
„Wurmschwanz sucht nach einem Weg, um an Bord eines Schiffes zu kommen", meint Voldemort, aber mir entgeht nicht, dass er mit Verachtung über Wurmschwanz spricht. Er muss die Tatsache, dass er von ihm abhängig ist, wirklich hassen.
„Kann er Euch nicht apparieren?" frage ich.
„Er wagt es nicht und ich traue seinen Fähigkeiten nicht", erwidert er verbittert.
„Wo seid Ihr überhaupt?", frage ich. Aus dieser Position kann ich nicht viel sehen. Bäume, das Feuer, eine Pfanne. Die Überreste des Abendessens von Wurmschwanz. Igitt...
Die Schlange beschnüffelt die Luft und flackert mit der Zunge.
„Ich kann das Meer riechen", behauptet Voldemort. „Und Wurmschwanz begreift nicht, dass ich wissen will, wo ich bin."
„Also werdet Ihr bald nach England segeln", stellte ich fest. „Das ist gut."
„Du hast meine Frage nicht beantwortet", meint Voldemort. Er ist so gereizt, dass ich der Frage nicht für immer ausweichen kann, geht es mir durch den Kopf. „Wer bist du?"
„Ich bin ein dunkler Magier, mein Lord", erwidere ich vorsichtig. „Ich habe ein Tagebuch gefunden... und Eure... Erinnerung ist jetzt bei mir. Er bringt mir dunkle Magie bei."
Voldemort versteift sich. Dann spüre ich eine Welle von überwältigender Wut.
„Du hast mein Tagebuch gefunden?", zischt er. „Wo?"
„In... in Hogwarts", erwidere ich. Er wird zwei und zwei zusammenzählen und außerdem wird er es bald erfahren müssen.
„Das Tagebuch ist in Sicherheit?", fragt Voldemort ungeduldig.
„Ja, mein Lord, ich bewahre es gut auf", antworte ich. Er wird jetzt DIE Frage stellen... Oh Mann.
„Du bist ein Lehrer in Hogwarts?", hakt er nach.
„Ähm... nein. Ich bin ein Schüler", erwidere ich.
Stille. Voldemorts Gedanken sind wie zornige Bienen. Ihm gehen allerlei Namen durch den Kopf und ich überprüfe, so unauffällig wie möglich, meine mentalen Schilde.
„Du verbirgst was", stellt Voldemort schließlich fest. „Du bist ein Schüler und bist dazu fähig, mit mir Kontakt aufzunehmen. Wie ist das nur möglich?"
Wäre er dazu fähig, wäre er sicherlich in meine Gedanken eingedrungen. Aber so wie es ist, kann er meine Gedanken nur sehen, falls ich es ihm erlaube.
„Ihr habt mein Versprechen, dass ich Euch helfen werde, wieder zu Kräften zu kommen", denke ich schnell. „Und nichts kann das ändern."
„Wer bist du?", zischt Voldemort erneut. Seine Wut ist beinahe erstickend.
„Ich bin Harry Potter, mein Lord", erwidere ich schnell.
Da ertönt ein mentaler Schrei und ich bin hellwach. Ich schaue mich in meinem Zimmer um und vergrabe mein Gesicht in den Händen. Das kann nicht wahr sein. Ich habe es verkorkst. Er wird nie hierher kommen, jetzt da er die Wahrheit weiß. Andererseits kann er Wurmschwanz nicht sagen, er wolle nicht zurück. Wo sollte er hingehen? In England gibt es noch immer ein paar seiner treuen Diener, die ihm helfen können. Wird er kommen? Oh Mann. Warte nur, bis Tom das herausfindet. Dann wird die Hölle los sein.
/Ende Rückblende
Aber ich habe es ihm noch nicht gesagt, denn ich musste mich mit Hermine treffen. Er wird sauer auf mich sein, das weiß ich, weil ich ihn nicht aus dem Tagebuch rausgelassen habe, aber es musste getan werden. Jetzt gibt es zwei dunkle Lords, die mich um die Ecke bringen wollen. Hoffentlich kann ich die Situation wieder geradebiegen. Ich könnte dieses Ritual wieder durchführen und die Verbindung erneuern...
„Da ist das Café, wo du dich mit Hermine treffen sollst", höre ich eine weibliche Stimme aus der Ferne. „Harry? Geht es dir nicht gut?"
„Mir geht es gut", murmele ich automatisch. „Bitte noch nicht weggehen, Narzissa. Ich möchte dass Hermine einsieht, dass wir Freunde sind."
„Ist dir schwindelig?", fragt Narzissa besorgt, als sie mir folgt.
„Gestern hatte ich Visionen", flüstere ich ihr ins Ohr.
Wir stehen direkt vor dem Café und werden angegafft. Ich habe einen sehr guten Moment ausgewählt, um Narzissa am Ärmel zu zupfen.
„Kommt er?", flüstert sie zurück.
„Ja", erwidere ich. „Aber es geht langsam, weil Wurmschwanz ein Idiot ist."
Narzissa nickt, als ich die Tür zum Café öffne, wirft mir aber einen besorgten Blick zu. Ich bin tatsächlich auf Wurmschwanz und seine Inkompetenz sauer. Es würde mich nicht wundern, wenn Voldemort ihm den Hals umdreht, sobald er seinen alten Körper zurück hat. Klar, er hat ihm geholfen, aber er ist ein Idiot. Moment mal... sollte er für seine Hilfe nicht dankbar sein? Und was ist nur los mit mir?
Ich vertreibe solche und ähnliche Gedanken aus meinem Kopf, als ich Hermine erblicke. Sie sitzt alleine an einem runden Tisch und zuckt zusammen, als wir rein kommen. Mir ist klar, dass sie am liebsten aufspringen und sich auf mich werfen würde, aber sie sitzt geduldig da und grinst breit. Die Tatsache, dass sie an ihrem Hemd zupft, ist der einzige Beweis, wie sehr sie sich bemüht, ruhig zu bleiben.
„Hallo, Hermine", sage ich. Auf einmal fühle ich mich seltsam, denn ich weiß nicht, was ich tun soll. Soll ich ihre Hand schütteln? Sie küssen? Noch was sagen oder fragen? Ich habe keine Ahnung. Stattdessen lasse ich mich nieder und wende mich Narzissa zu, die gerade ihren Umhang auszieht.
„Das ist meine Tante Narzissa", sage ich.
So wenig Zeit wir auch zum Üben hatten, es hat sich gelohnt. Ich weiß nicht, ob es Legilimentik oder einfache Psychologie ist, aber so bald ich Hermine anschaue weiß ich, worüber sie nachdenkt.
„Hallo, Ms Malfoy", sagt Hermine und lächelt. Eines muss man ihr lassen, sie bemüht sich wenigstens, Narzissa gegenüber freundlich zu sein. „Werden Sie Eis mit uns essen?"
Uns. Also betrachtet sie Narzissa als eine Art Outsider. Obwohl es ziemlich verständlich ist, muss ich das ändern.
„Natürlich", sage ich anstatt Narzissa, die gerade ihren Mund aufgemacht hat. „Aber später gibt es noch ein paar Sachen, die sie erledigen muss."
„Ja", sagt Narzissa und versucht Hermine freundlich anzulächeln. Die Spannung ist spürbar und die Luft ist irgendwie schwer einzuatmen. Ich weiß, was sie von Muggelgeborenen hält und ihre Höflichkeit und die Versuche, sich mit Hermine zu freundlich zu unterhalten, sind nur meinetwegen. „Post, Einkaufen und so. Ich werde das erledigen, während Harry hier bei dir ist. Ich bin mir sicher, dass ihr viel zu besprechen habt."
„Jetzt aber kannst du ein Eis mit mir essen, Narzissa", sage ich schnell, eine Hand auf ihre legend. Diese Geste, sowie meine Worte, haben die gewünschte Wirkung auf Hermine. „Pistazie, habe ich Recht?"
„Du erinnerst dich", sagt Narzissa und strahlt mich an.
Hermine bestellt ihr Eis und versucht einfache Fragen zu stellen, und dabei gleichzeitig alle Fragen und Themen zu vermeiden, die sich auf mich und Narzissa beziehen. Aber ich weiß, was auf mich wartet. Ich lasse meinen Blick über das Café schweifen. Die weißen Vorhänge mit einem Blumenmuster gefallen mir nicht. Die Menschen werfen uns Blicke zu, blicken aber schnell weg, sobald ich in ihre Richtung schaue. Die Farben sind grell und gefallen meinen Augen nicht. Der Geruch von Kaffee und Eis hängt in der Luft und er gefällt meinem Magen nicht. Ich sehne mich nach der Stille der Malfoy Bibliothek und dem Geruch von alten Büchern, die nach dunkler Magie und Gefahr riechen...
„Harry", sagt eine Stimme aus der Ferne.
„Hä?" lautet meine gewandte Antwort.
„Ich habe gefragt, welche Fächer du ausgewählt hast?" fragt mich Hermine. Ich kann Sorge in ihren braunen Augen sehen. „Geht es dir nicht gut?"
„Bin nur ein wenig müde", murmele ich. „Ich habe noch immer Albträume."
„Und er darf den Traumlostrank nicht so oft zu sich nehmen", flüstert Narzissa, die sich nach vorne gelehnt hat, damit wir nicht belauscht werden können.
„Oh Harry", flüstert Hermine und greift nach meiner Hand. „Ich... du hättest es mir sagen sollen, wir hätten uns an einem anderen Ort treffen können."
„Ich wollte die Winkelgasse sehen", sage ich und fahre mir durchs Haar. Hey, diese Rolle von einem armen Jungen ist kinderleicht! Ich habe eh nicht viel geschlafen, dank meinen Visionen. Ob Tom mich anschreien wird, wenn ich nach Hause komme? Urplötzlich gefällt auch das Eis meinem Magen nicht. „Ich hatte genug von meinem Zimmer."
Hermine entgeht nicht, dass ich 'mein Zimmer' gesagt habe. Das heißt natürlich, ich betrachte das Malfoy Herrenhaus als mein Heim.
„Pass auf ihn auf, Hermine", sagt Narzissa, die langsam aufsteht. „Ich bin in zwei Stunden wieder zurück."
„Ich bin kein Krüppel, Narzissa", zische ich.
„Ich weiß, Harry", sagt sie lächelnd und nimmt ihren Umhang in die Hand. „Also gehe ich ein paar Sachen für dich besorgen, während du mit Hermine Eis isst."
„Keine Sorge, Ms Malfoy, Harry ist bei mir sicher", versichert Hermine ihr.
„So habe ich mir Dracos Mutter nicht vorgestellt", sagt Hermine, sobald die Tür hinter Narzissa geschlossen ist. „Sie ist... na ja, nett."
„Denkst du wirklich, ich würde ihre Gesellschaft genießen, wenn sie nicht nett wäre?", frage ich scharf. Hermine zuckt mit den Achseln.
„Sie ist... na ja, Ms Malfoy", flüstert sie, denn sie weiß nicht, was sie sagen soll.
„Sehr schön, Hermine", erwidere ich bissig, ehe ich weiß, was ich da sage. „Sie ist Ms Malfoy, also ist sie böse. Und Dumbledore ist Mr Dumbledore, also ist er nett und gut. Nein, Hermine. Früher habe ich daran geglaubt, jetzt aber nicht mehr."
Hermine schnappt nach Luft und ich schaue mich um. Glücklicherweise hat Narzissa unseren Tisch mit einem Zauber belegt, damit wir nicht belauscht werden können.
„Wie meinst du das, Harry?" fragt Hermine so leise, dass ich sie kaum hören kann, als habe sie Angst, Dumbledore könnte jede Sekunde reinplatzen. Und das ist eigentlich nicht ausgeschlossen...
„Genau wie es sich anhört", antworte ich und lehne mich nach vorne. „Der Prophet hat nicht über alles geschrieben, was ich gesagt habe."
Ich erzähle ihr über Dumbledores Pläne, dass er mein Geld gestohlen hat, dass er sich zu meinem Vormund ernannt hat, dass er gewusst hat, wie die Dursleys mich behandeln und so weiter. Mit jedem Wort werden Hermines Augen größer und größer. Schließlich tut sie das einzige, was Hermine in solch einer Situation tun kann – verteidigt ihn und erfindet Erklärungen. Ich höre zu und traue meinen Ohren nicht. Hat er sie verzaubert? Hat er sie mit einem Blindfluch belegt, damit sie nicht sehen kann, was direkt vor ihrer Nase passiert? Jemand ist in dieser Geschichte entweder sehr dumm, oder sehr schlau.
„Sag was du willst, Hermine", sage ich schließlich, als Hermine mit ihrer Ode an Dumbledore fertig ist. „Du bist meine Freundin und ich habe dir nur die Wahrheit erzählt. Mach daraus was du willst."
Sie schaut mich verzweifelt an und beißt sich auf die Lippen.
„In Ordnung, Harry", sagt sie schließlich. „Da du nicht mehr bei den... Dursleys wohnen kannst..." Sie schaut mich vorsichtig an, weil sie offensichtlich besorgt ist, was für eine Wirkung die Erwähnung des Namens auf mich haben würde. Ich sitze nur stumm da und esse mein Eis. „Und Ms Malfoy scheint wirklich nett zu dir zu sein... vielleicht wäre es in Ordnung, dass du bei ihr wohnst. Aber was ich sagen wollte, ist, dass auch Mr Malfoy dort wohnt. Und Malfoy. Ich meine, Draco."
„Ich weiß", sage ich achselzuckend. „Na und?"
„Du wirst mit Draco Malfoy unter einem Dach wohnen", versucht sie es verzweifelt erneut. „Wie kann das gut sein?"
„Du kennst Narzissa nicht", sage ich breit grinsend. „Sie hat ihn gewarnt – ihren Mann auch – und sie sind mir gegenüber sehr höflich. Aber sie gehen mir aus dem Weg und es ist gut so. Andererseits kann Draco sehr nett sein, wenn er möchte. Du wirst es nicht glauben, aber wir haben schon öfter miteinander gesprochen und unsere Gespräche haben nicht mit einer Prügelei geendet."
„Ich glaube es nicht", murmelt Hermine, lächelt aber. „Malfoy und ein höfliches Gespräch? Es klingt so inkompatibel, wie Hagrid und das Balletttanzen."
Ich lache herzlich, als ich mir Hagrid in einem Tutu vorstelle.
„Es ist so", murmele ich und esse weiter.
„Aber warum ist Ms Malfoy so darauf erpicht, sich um dich zu kümmern?", fragt Hermine.
„Sie ist meine einzige übriggebliebene Familie", sage ich ernst. „Und ich bin ein reinblütiger Zauberer, der schlecht behandelt wurde. Also empfindet sie eine Art mütterliche Sorge für mich und möchte sich um mich kümmern."
Hermine sagt nichts zu dem 'reinblütiger Zauberer' Teil und versinkt in Gedanken.
„Sei vorsichtig, Harry", flüstert sie, mir nicht in die Augen schauend. „Die Malfoys sind eine dunkle Familie, das weißt du. Irgendwann..."
„Irgendwann was, Hermine?" unterbreche ich sie genervt. „Wird man mich in den Keller einsperren und mich verhungern lassen? Das habe ich schon durchgemacht, vielen Dank, und ich denke nicht, dass es nochmal vorkommt." In Hermines Augen glitzern Tränen. „Niemand kann mir etwas aufzwingen, was ich nicht tun will. Nicht einmal Narzissa. Ich habe es satt."
„Du klingst anders", flüstert Hermine besorgt.
„Ja, ich habe Schluss mit meiner Naivität gemacht", sage ich. Sie lächelt flüchtig. „Ich habe viel durchgemacht, Hermine", füge ich sanfter hinzu. „Ich möchte ein Heim und Narzissa bietet mir eines. Und ich möchte, dass man mich in Ruhe lässt. Auch das kann sie mir bieten. Ich hatte genug von all dem Leid."
Hermine nickt und schnieft. Sie senkt den Blick, damit ich die Tränen in ihren Augen nicht sehen kann und blinzelt sie schnell weg.
„Warum hast du mir nie gesagt, wie die Dursleys dich behandeln?", fragt sie sehr leise und wagt es nicht, mir in die Augen zu schauen.
„Hättest du es tun können?" frage ich genauso leise. „Wenn du an meiner Stelle wärst? 'Hallo, ich bin Harry Potter, der Junge der lebt. Ach und im Übrigen, meine Muggelverwandten behandeln mich wie Dreck und lassen mich verhungern, weswegen ich jetzt aufs Klo gehen muss, um mir die Seele auszukotzen, weil ich drei Scheiben Brot mit Marmelade gegessen habe, und mein Magen an so viel Essen nicht gewöhnt ist'."
Hermine weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll und starrt mich fassungslos an.
„Ich möchte alles vergessen, alles hinter mir lassen", sage ich fest. Sie nickt und wischt sich die Tränen mit dem Ärmel weg. „Ich möchte in Ruhe lernen und Narzissa hat schon alle Bücher, die ich für dieses Jahr brauche, gekauft."
Hermines Augen glitzern fanatisch. Ich kenne diesen Ausdruck. Den gleichen Ausdruck trägt Tom, wenn wir über die dunklen Künste sprechen. Die Leidenschaft für das Lernen ist etwas Unglaubliches.
„Welche Fächer wirst du besuchen?" fragt sie schnell. Ihre Laune hat sich blitzschnell verändert. Sogar ihr Haar sieht elektrisiert aus.
„Nun, ich habe noch keine Entscheidung getroffen, aber Runen klingen sehr interessant", sage ich ruhig.
Die nächste Stunde verbringen wir damit, über Arithmantik und Runen zu plaudern. Meistens redet Hermine, während ich dasitze, Kakao trinke und ab und zu nicke. Sie ist meine Freundin, ich liebe sie wie eine Schwester. So sollte ich mich fühlen. Aber das ist nicht wahr. Schon wieder stochere ich in meinem Inneren herum und finde absolut nichts. Da gibt es etwas Pulsierendes drin, aber das sind nicht meine Gefühle Hermine gegenüber. Ich respektiere sie; aber das ist alles. Hermine ist aus der Muggelwelt in die Zauberwelt gekommen und trotz allem hat sie es geschafft. Sie hat sich gute Noten und den Respekt der Lehrer erworben und noch immer erforscht sie diese neue Welt, in die man sie einfach, wie einen Fisch, hineingeworfen hat.
Narzissa kommt mit allerlei Tüten zurück und ich frage mich, wo sie meine Bücher versteckt hat, denn ich kann nichts spüren. Moment mal. Spüren? Ich verkneife mir ein Lächeln. Ich habe es unbewusst schon ein paar Mal getan. Die Bücher über die dunklen Künste haben einen bestimmten Geruch... Einen einzigartigen Geruch...
„Ach, ihr habt das Eis schon verspeist", sagt sie, als sie ihre Tüten auf den Boden beim Tisch abstellt.
„Ms Malfoy, darf ich Harry besuchen?", fragt Hermine ehe ich eine Chance habe, etwas zu sagen. Narzissa hält inne und schaut sie verwundert an. Ich weiß, ohne Legilimentik anwenden zu müssen, was in ihrem Kopf vorgeht. Hermine ist für Narzissa ein Schlammblut. Und so etwas sollte ihr Haus betreten?
Ich sage nichts, leere lediglich meine Tasse und stelle sie weg. Als ich meinen Blick wieder hebe, sehe ich Narzissa, die Hermine anlächelt.
„Natürlich", sagt sie höflich. „Aber wie?" Sie schaut unsicher zu mir und ich zucke mit den Achseln.
„Sie könnte das Flohnetz benutzen", schlage ich vor. „Du kannst den Anschluss im Tropfenden Kessel benutzen."
„Aber du musst mir sagen, wann du kommen möchtest", sage ich ernst. „Denn ich könnte beim Heiler sein, ich könnte schlafen oder auf irgendeine andere Weise beschäftigt sein."
„Oh, ja", sagt Hermine, der das offensichtlich nicht eingefallen war. Was hat sie sich dabei gedacht, dass sie einfach reinplatzen kann, wann auch immer sie will? „In Ordnung. Vielen Dank, Ms Malfoy."
Narzissa bezahlt für das Eis – trotz Hermines Protest – und wir verlassen das Café. Ich wende mich Hermine zu.
„Wir sehen uns, Hermine", sage ich. Schon wieder kann ich Tränen in ihren Augen sehen. Sie beißt sich auf die Lippen. Was soll ich tun? Mein Verstand hat meinem Körper keine Befehle gegeben, wie er sich benehmen soll und er ist total verwirrt. Was würde der alte Harry tun? Keine Ahnung. Vielleicht...
Aber Hermine wirft sich auf mich und umarmt mich fest. Ach ja.
„Pass gut auf dich auf, Harry. Und nimm deine Tränke jeden Tag", haucht sie mir ins Ohr.
„Das werde ich", flüstere ich zurück. Wie konnte ich so was Einfaches wie eine Umarmung vergessen?
„Ich komme zu Besuch", sagt sie, als sie sich von mir trennt. „Falls du irgendetwas brauchst, oder nur mit mir reden willst, musst du es nur sagen."
„Danke, Hermine", sage ich.
„Auf wiedersehen, Hermine", sagt Narzissa, die eine Hand auf meine Schulter legt. Mein Retter. „Schön, dich kennen gelernt zu haben."
Hermine steht da und schaut zu, wie Narzissa mit mir disappariert. Als ich wieder meine Augen aufmache, bekomme ich einen sehr wütenden dunklen Lord zu sehen. Scheiße.
