Ich wache schon wieder in einem leeren Bett auf und seufze. Das ist nicht der Sinn von zusammen schlafen, argh! Also stehe ich auf und ziehe mir eine Jeanshose und ein schwarzes Shirt an. Meine Haare sind in einem unordentlichen Knoten gefangen. Ich gehe ins Kinderzimmer und schaue nach den Kindern. Sie schlafen noch immer, also versuche ich, sie human zu wecken. Aber das ist unmöglich. Morgens müssen sie erst einmal ihren Blutzuckerspiegel in die Höhe pumpen, bevor man eine normale Konversation mit ihnen führen.

Christian steht in der Küche und macht Frühstück. Oder sollte ich sagen er versucht, die Pfannkuchen zu wenden. Er schaut etwas verzweifelt drein, also greife ich ein und scheuche ihn vom Herd weg. Ich sehe die Unordnung und kichere.

„Was hast du gemacht? Ich denke, es wäre weniger Arbeit gewesen, wenn du nichts gemacht hättest", sage ich sarkastisch.

„Weißt du was? Du kannst mich lieben, mich hassen oder masturbieren, bis du meinen Namen schreist, es ist der Gedanke, der zählt!" erklärt er.

„Hey, du weißt, wie ich masturbiere?" frage ich ernst, ohne eine Miene zu verziehen.

„Weißt du, ich küsse besser, als ich koche", sagt er und drückt mich gegen die nächste Wand. „Manchmal würde ich dir am Liebsten die Kleider vom Leib reißen" sagt er und küsst mich stürmisch. „Du bist wie eine Droge", flüstert er, während seine Lippen zu meinem Hals hinab wandern und seine Hände den Kragen meines Shirts hinunter ziehen, um meine Schulter zu entblößen. „Ich kann nicht genug von dir bekommen …" Er küsst sich weiter zu meiner Schulter „… und trotzdem will ich mehr." Und als er das gesagt hat, erobert er meinen Mund und lässt mich alles rundherum vergessen. Wir fahren auseinander als wir die Buben in die Küche kommen hören. Diese kleinen Liebestöter.

„Argh, was ist hier passiert?" fragt Tommy.

„Das wird ‚Frühstück' genannt und ist die wichtigste Mahlzeit des Tages", klärt Christian ihn auf.

„Geht! Alle raus aus meiner Küche!" schreie ich und sie gehen den Tisch decken. Nachdem ich ein ordentliches Frühstück gemacht habe, sitzen wir und essen. Danach stehe ich auf und fahre ins Büro.

Auf der Arbeit treffe ich Jack beim Aufzug.

„Ana, schön dich zu sehen", grüßt er mich herzlich. „Es scheint, dass wir uns andauernd treffen."

Ich lächle. „Ja, auch schön dich zu sehen", sage ich.

„Wirst du heute daran denken, dein Mittagessen zu essen oder soll ich wieder kommen und dich füttern?" fragt er scherzhaft.

Ich rolle meine Augen und sage: „Natürlich. Siehst du? Hier ist meine Pausenbox. Und da, das ist eine Snackbox."

„Perfekt. Ich will dich nicht leiden sehen. Bis später, Ana", verabschiedet er sich.

„Tschüss Jack."

Und so gehe ich zu meinem Tisch und versuche zu arbeiten.

Zuhause gehe ich in die Küche und suche etwas zu essen, weil ich verhungere, obwohl ich zu Mittag etwas gegessen habe. Offensichtlich bekomme ich bald meine Tage, argh! Ich entdecke Reste von gestern und halte mich nicht damit auf sie aufzuwärmen, sondern stopfe sie in meinen Mund. Ich könnte verhungern bis das Essen endlich warm ist.

Christian betritt mit den Jungs die Küche. Er schaut aus wie sieben Tage Regenwetter. Ich halte inne und schaue ihn an.

„Was gibt's? Was ist passiert?" frage ich ihn mit vollem Mund.

„Ana, Ich denke, wir müssen reden", sagt er beunruhigt.

Mein Herz bleibt stehen und ich fühle mich duselig. Erinnert er sich an alles? „Tommy, Andy, Mommy muss mit Daddy etwas bereden, also bleibt ihr bitte hier und lest ein Buch auf der Couch."

Die Kinder nicken mit dem Kopf und rennen in das Wohnzimmer. „Langsam, Jungs!" schreit Christian. "Ok, Dad!" antworten sie.

Christian nimmt meine Hand, führt mich hinauf in unser Schlafzimmer und schließt die Tür hinter uns. Ich muss zugeben, dass ich nervös bin. Ich setze mich auf das Bett und er geht zu der Kommode. Er kramt ein wenig herum und nimmt dann etwas heraus, dreht sich zu mir um und gibt es mir.

„Was ist das?" frage ich und untersuche es. Scheiße, ich glaube, ich muss kotzen. Es ist seine Uhr, die ich im Krankenhaus bekommen habe. Als ich sie anschaue sehe ich die Gravur seiner Initialen ‚CTG'. Das erklärt seine Stimmung; er glaubt, das gehört jemand anderen. Ich seufze und senke meinen Kopf, während ich mit diesem Beweisstück A herumfummele. 'Scheiße, wie erkläre ich das? Wieso musste er ausgerechnet jetzt diese verdammte Uhr finden? Jetzt, wo doch alles so gut läuft? Es wird alles auffliegen! Wobei … es war doch eh nur eine Frage der Zeit, bis diese ganze Fassade zerbricht. Ich halte das eh nicht mehr aus! Besser ich erkläre alles jetzt als nie'.

„Nein, das ist meine Frage. Die Uhr war im Auto", murmelt er gefasst und verspannt.

„Das ist … Ich weiß nicht was das ist. Ich … wer … hier. Ich, äh, wir …" Mist! Ich habe Englische Literatur studiert, ich arbeite als Editor und jetzt kann ich nicht einmal einen geraden Satz formen.

„Oh, stop!" schreit er und ich bekomme Panik.

„Das ist nichts!" kreische ich.

„Nichts? Das ist der Nummer Eins Scheidungsgrund in diesem Land!" erläutert er.

„Du machst aus einer Mücke einen Elefanten. Warte, was? Du willst eine Scheidung?" frage ich ihn ungläubig.

„Naja, äh … ja, vielleicht will ich das!" sagt er und verschränkt seine Arme vor seiner Brust.

„Du kannst aber keine haben." Ich muss fast lachen.

„Ach wirklich? Ich kann mich scheiden lassen, wenn ich will. Ich brauch nicht deine Einwilligung dafür … Liebst du ihn? Ja? Sag's mir!" sagt er sehr zögerlich.

„Ok. Ich bin froh, dass das passiert ist. Ich habe schon einige Zeit versucht einen Weg zu finden, dir das zu sagen. Komm her und setz dich." Ich tätschle den Platz neben mir und er gehorcht, setzt sich hin. „Ich will dir etwas sagen. Liebling, CTG bist du. Diese Uhr gehört dir und wir sind nicht verheiratet." Ich seufze vor Erleichterung.

„Wie ist sein Name? Charlie? Carl? Colin?" fragt er traurig.

„Liebling, ich bin nicht deine Frau und du bist nicht mein Mann", wiederhole ich ungläubig. Hat er mich nicht gehört?

„Kennst du ihn vom Verlag? Oder arbeitet er im Baumarkt? Befüllt er die Regale?" fragt er verletzt ohne zuzuhören.

„Ach Gott! Vergiss es! Komm her!" sage ich und nehme seine Hand. Ich ziehe ihn hinter mir her und führe ihn zum Wohnzimmer. In der Zwischenzeit ist Kate angekommen und sitzt mit den Burschen auf der Couch.

„Jungs, wir müssen reden und es ist ernst", kündige ich an. „Ich habe ihm gerade erzählt, dass er nicht euer Vater ist und ich will, dass ihr es ihm auch sagt. Kommt schon, sagt es ihm", befehle ich und verschränke meine Arme vor der Brust.

"Mom, ihm was sagen?" sagt Tommy verwirrt. Was zum Teufel?

„Sagt ihm, dass er nicht euer Vater ist." Ich setze sie etwas unter Druck.

„Aber er ist unser Daddy!" behauptet Andy.

„Nein. Sagt ihm nicht, was ich euch gesagt habe, dass ihr sagen sollt. Sagt ihm einfach die Wahrheit, ok? Erzählt ihm von dem Tag, an dem er Heim gekommen ist!" Jetzt bin ich genervt. Was zum Teufel machen sie?

„Du bist am Meer gewesen. Wir waren wirklich besorgt. Ich war die ganze Nacht lang auf und bin auf und ab gegangen", jammert Tommy.

„Du hast ihm niemals zuvor gesehen!" schreie ich.

„Sprich nicht so zu meinen Kindern!" sagt Christian und nimmt Andy, der jetzt weint, auf seinen Arm. Christian wischt seine Tränen weg und trägt ihn in die Küche.

Kate greift ein und versucht mich zu beruhigen. "Ana Copacabana, was ist los mit dir? Beruhig dich! Gib nicht auf! Was ist passiert?" fragt sie neugierig.

"Christian hat seine Uhr gefunden, die seine Initialen eingraviert hat", sage ich zu Kate und dreh mich zu Tommy, um ihn anzufauchen: „Was glaubst du, was du hier tust?"

„Wir lassen dich nicht alles ruinieren. Wir behalten ihn", sagt er.

„Er gehört dir nicht", erkläre ich.

„Er hat dir auch nicht gehört, aber das hat dich nicht davon abgehalten, ihn herzubringen", sagt er.

„Ich hatte meine Gründe", sage ich.

„Die haben wir auch. Wir mögen ihn, Mom!" sagt er.

„So gern, dass ihr lieber mit ihm leben würdet als mit eurer eigenen Mutter?" frage ich ungläubig.

Tommy dreht sich um und rennt hinauf. Super, jetzt streiten wir alle miteinander. Kate dreht sich auch um und geht in die Küche. Ich folge ihr, aber lasse mich ein wenig zurückfallen, um ein bisschen zu lauschen.

Andy sitzt auf der Küchenarbeitsplatte und große Tränen laufen seine Wangen hinunter. Christian hat ihm ein Glas Milch gegeben, welches er gerade trinkt.

"Andy, Liebling, macht es dir etwas aus, wenn du nach Tommy siehst? Hier, nimm die Schokolade und teile sie mit ihm", sagt Kate und gibt ihm Schokolade. Andy nimmt sie und rennt hinauf, ohne mich anzusehen.

„Du hast die Uhr im Handschuhfach gefunden?" fragt Kate Christian.

„Ja. Erzähl mir jedes kleinste Detail. Wer ist der Typ und was macht er mit Anastasia?" fragt er am Boden zerstört.

„Christian …" Kate beginnt ihre Erklärung. Jetzt hat sie meine Aufmerksamkeit.

„Erzähl mir alles. Sei ehrlich zu mir", bittet er.

"Christian, äh… Das ist mein Liebhaber." flüstert Kate.

„Was?" kreischt er. „Was ist mit Phil?"

„Ich habe ihn betrogen. Schau, ich hab letztens diesen Typen kennengelernt und … weißt du, ich habe keinen großen Rücksitz in meinem Auto also habe ich … ich habe euer Auto benutzt. Annie wollte nicht, dass du es Phil erzählst, also hat sie mich gedeckt", sagt sie.

„Was erzählst du da?" frage ich schockiert, während ich in die Küche komme.

„Ich habe gestanden. Das Spiel ist aus", sagt sie.

„Das Spiel ist aus? Ich versuche ihm endlich die Wahrheit zu sagen", sage ich genervt.

„Das habe ich gerade gemacht. Schau, ich bekam nicht umsonst den Ruf, die kecke Kate Kavanagh zu sein. Christian, es tut mir leid. Ich war rollig. Hasst du mich jetzt?" fragt sie reumütig.

„Oh nein, ich hasse dich nicht", sagt er. „Ich bin froh, dass du keck bist, Kate Kavanagh." Er zwinkert ihr zu.

„Das ist der größte Schwachsinn, den ich je gehört habe", schreie ich. „Liebling, du kennst Kates Auto? Sie …"

„Hör auf damit sie zu decken, Cheeseburger, lass es uns einfach vergessen", schlägt Christian vor und küsst mich auf die Stirn. „Ich sehe nach den Jungs", sagt er und geht hinauf.

„Ziemlich gut, hä?" fragt mich Kate stolz.

„Hast du das getan, um deinen Arsch zu retten, weil es deine Idee war?" frage ich sie verständnislos.

„Nein, ich tat es um deinen Arsch zu retten, ok? Du gehörst zu ihm", sagt sie.

„Oh, süß", murmle ich und gehe durch das Wohnzimmer und die Eingangstür und setze mich auf die Veranda, um mich kurz zu sammeln. Ich rekapituliere was gerade passiert ist. Die Buben sehen Christian als ihren Daddy und wollen nicht, dass er weg geht. Das ist das, was mich am meisten durcheinander bringt. Er hat sich erst vor einer verdammten Woche unserer Familie angeschlossen. Wie konnte das so schnell passieren?

Ich höre, dass die Eingangstüre geöffnet und geschlossen wird und gleich danach setzt sich Kate neben mich und legt ihren Arm um mich.

"Ana, es tut mir leid, ich bin in Panik geraten. Ich will nicht, dass er geht, weil er gut für dich ist. Du blühst auf wie schon seit Brads Tod nicht mehr und wir sind alle so dankbar dafür", erklärt sie.

„Vielleicht war das eine wirklich blöde Idee", sage ich. "Tommy und vor allem Andy hängen viel zu sehr an Christian. Ich fürchte den Tag, an dem er weg geht. Was werde ich dann machen?"

„Wir werden dir da durch helfen", sagt sie und drückt meine Schulter. „Ich werde jetzt heim fahren. Die Burschen sind schon im Bett. Gute Nacht!" sagt sie, steht auf und geht zu ihrem Auto. Ich sehe sie wegfahren und bleibe sitzen. Ich bin erschöpft und habe keine Energie mehr, meinen Körper zu bewegen.

Nach einer ziemlichen Weile kommt Christian zu mir.

„Wie geht es dir?" fragt er mitfühlend.

„Ziemlich wackelig. Vielleicht ist es nur ein großer Fall von PMS.", sage ich, stehe auf und gehe in das Haus. Ich bin nicht im Stande, seine Nähe noch länger zu ertragen und gehe ins Badezimmer. Ich putze meine Zähne und schaue auf mein Spiegelbild. Ich bin zerrissen, weil ich einerseits wirklich liebe, dass ich jemanden an meiner Seite habe, aber andererseits will ich es einfach hinter mich bringen, weil ich jemanden haben will, den ich ‚Mein' nennen kann und bei dem ich nicht befürchten muss, dass er uns jeden Moment verlässt. Ich hasse dieses Gefühl.

Ich betrete das Schlafzimmer und ziehe ohne darüber nachzudenken meine Kleidung aus. Als ich meinen Pyjama aussuche, höre ich wie Christian den Raum betritt. Ich schaue ihn nicht an, sondern ziehe mir den Pyjama an. Ich gehe zu Bett während ich auf den Boden schaue und lege mich hin, meinen Rücken zu ihm gedreht. Ich sage kein Wort sondern schließe nur meine Augen. Christian dreht das Licht ab und legt sich auch ins Bett. Er bleibt mir fern und liegt mit seinem Rücken zu mir, was verständlich ist. Ich liege eine Weile so da, aber diese Anziehung ist unwiderstehlich. Mein Körper ist so voller Unruhe, dass er sich von selbst bewegt und sich umdreht. Ich rutsche zu ihm und schlinge meine Arme um ihn. Er toleriert es und verhakt unsere Finger. Wir liegen so für eine Zeit lang, als meine Hände beginnen, herumzuwandern. Sie schlüpfen unter sein Shirt und ich kuschle mein Gesicht in seinen Rücken. Ich drücke ihn ganz fest und genieße seine Körperwärme und mit diesem Gefühl, schlafe ich langsam ein.