Laurie lantar lassi súrinen

[Wie Gold fallen die Blätter im Wind]

Haarige Angelegenheiten

Einige Diener fanden sie nach Sonnenaufgang in einem der Gänge. Das blonde junge Mädchen schlief friedlich und gleichmäßig atmend an die kühle Wand gelehnt. Auf dem Boden stand ein kleines Kästchen, das sie mit der linken Hand umklammert hielt.

Eine der jungen Frauen, die für die Säuberung der Zimmer zuständig war, sah ihren Gefährtinnen erstaunt in die Augen. Das spitze Ohr Adamantiels wurde von den Haaren verdeckt, sodass sie nicht gleich erkennen konnten, um wen es sich handelte.

Langsam und vorsichtig näherte sich die braunhaarige der schönen Elbin und rüttelte sachte an deren Schulter.

Adamantiel regte sich nicht und schlief seelenruhig weiter. Ein Kichern war von den Zofen zu hören und sie hielten amüsiert die Hände vor den Mund um nicht laut lachen zu müssen. Auch Ingjara musste leicht lächeln. Zum zweiten Mal schüttelte sie die Schulter des schlafenden Mädchens.

„Lady! Wachen sie auf", sprach sie leise an Adamantiels Ohr und dieses Mal drehte sie den Kopf auf die andere Seite. Eine der Dienerinnen musste sich lachend wegdrehen. Jetzt öffnete die Lady auch noch den Mund etwas im Schlaf.

„Lady", lachte die Zofe mit den braunen Haaren und hielt Adamantiel amüsiert die Nase zu. Irgendwie mussten sie ja die Dame wach bekommen! Was würde der König davon halten, wenn er aus seinem Schlafgemach trat und ein leicht grunzendes Mädchen an der gegenüberliegenden Wand schlafen sah?

Doch anstatt vom Luftmangel aufzuwachen, atmete die schöne Elbin einfach durch den Mund. Die Zofen konnten schon beinahe nicht mehr an sich halten. In ihrer Zeit im Schloss, hatten sie noch nie so etwas erlebt. Alle Herrschaften schliefen wie es sich gehörte in Betten in ihren Gemächern.

„Schht. Seid doch still!" Die braunhaarige Zofe runzelte ärgerlich die Stirn. Dann strich sie dem Mädchen vor sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht und als sie sie hinter das Ohr stecken wollte, sprang sie überrascht auf.

„Bei Ihrer Majestät! Es ist eine der Elbinnen, die gestern hier ankamen", entfuhr es ihr und sie wich respektvoll ein paar Schritte zurück.

„Fürwahr sie ist eine Elbin." Ein Kreischen ging durch den Gang, als die Zofen eine Männerstimme hinter sich hörten. Als sie sich zaghaft umwandten, stand ein lächelnder Mann vor ihnen. Seine spitzen Ohren waren zu sehen, da er das Haar mit einem Band nach hinten verbannt hatte.

„Und sie ist noch sehr jung." Er schlängelte sich zwischen den Frauen hindurch und kniete neben Adamantiel auf dem Boden. Wie friedlich ihr Schlaf war. Der tiefe Schlaf eines Kindes war ihr noch immer gegeben.

„Bitte holt Bettbezüge und bringt sie auf mein Zimmer", richtete sich Legolas an das braunhaarige Zimmermädchen, das ihn unlängst erkannt hatte. Dies musste der neue Prinz von Ithilien sein! Der Anführer der reisenden Elben. Völlig euphorisch lief sie in eine nahegelegene kleine Kammer und kramte Kissen und Decke hervor. Dann folgte sie dem Elben, der das Mädchen in seinen Armen den Gang entlang trug.

Sie war leicht und Legolas runzelte nachdenklich die Stirn. Hatte sie die ganze Nacht an der Wand gelehnt? Warum war sie nicht in ihr Zimmer zurückgekehrt? Dann fiel ihm selbst die Antwort auf diese Frage ein. Die kleinen Elbenkinder belagerten in Scharen Bett, Fußboden und sogar die kleine Schrankkommode.

Er öffnete lautlos die Tür zu seinem Gemach und ließ Adamantiel dann in den großen Sessel sinken. Das Zimmermädchen trat näher und hob leicht und beinahe ehrfürchtig den Kopf der Elbin an, um das Kissen zwischen Sesselbezug und kopf zu stecken. Dann breitete sie die Decke über ihr aus und wandte sich dann wieder Legolas zu.

„Wünscht Ihr noch etwas?" Sie schmolz beinahe dahin unter seinen warmen, strahlenden blauen Augen, die sie aufmerksam musterten. Dieser Mann, nein Elb, war einfach atemberaubend. Doch zu ihrer großen Enttäuschung schüttelte er den Kopf und winkte dankend ab. Das Zeichen für sie, dass sie sich nicht länger hier aufzuhalten hatte. Und als sie die Tür schloss und noch einen Blick auf die junge schlafende Elbin warf, beneidete sie diese heiß und glühend.

Legolas schüttelte den Kopf. Er hatte den Blick dieser Zofe gesehen und er konnte einfach nicht verstehen, warum Eifersucht in ihren schönen Augen lag. Sicherlich wusste er, dass er begehrt wurde. Zum einen war er ein Prinz und Held und zum anderen ein Elb. Aber genau diese drei Dinge schienen Adamantiel am wenigsten zu beeindrucken. Im vollkommen Gegensatz zu dieser Zofe und anderen Frauen, die ihn anhimmelten. Und er musste ehrlich zugeben, dass ihn dieses Verhalten zuerst tief gekränkt hatte. Er war es gewöhnt gewesen, dass sich alle Blicke auf ihn richteten, sobald er irgendwo erschien. Aber als ihm jemand den Rücken kehrte, hatte er das schon schwer verarbeiten müssen. Doch jetzt stachelte es seinen Ehrgeiz an. Er wollte unbedingt erreichen, dass Adamantiel Respekt vor ihm hatte. Nein nicht nur das. Er wollte, dass sie ihn mochte.

Er kniete neben ihr nieder und betrachtete sie lange Zeit. Ihre Wimpern waren seidig schwarz und ungewöhnlich lang. Die Nase sehr markant und nicht so puppenmäßig wie die vieler Frauen. Ihre Lippen waren schön geschwungen. Aber auch im Schlafe hatten sie einen etwas rebellischen Zug und Legolas musste einfach lächeln. Das Kästchen, dass er ihr übergeben hatte, stand jetzt auf der kleinen Kommode und wartete darauf, dass seine Besitzerin aufwachte.

Eigentlich war sie ja ganz süß. Frech und vorlaut aber unheimlich süß. Irgendwie bedauerte er es, dass es ihm tatsächlich gelungen war, sie gefügig zu machen. Der streitlustige Glanz ihrer Augen war einer großen Leere gewichen. Er musste ihn wieder entfachen.

Aus diesem Gedanken heraus, zog er ihr die Decke soweit herunter, dass sie einfach an den Schultern frieren musste. Er grinste und die unbändige Streitlust, die ihn immer in ihrer Gegenwart übermannte, nahm von ihm Besitz. Er piekste seinem Patenkind neckend zwischen die Rippen, sodass Adamantiel schreckhaft aus dem Schlaf fuhr.

„Was in Aules Namen tut ihr da", fragte sie irritiert, als sie Legolas neben sich sitzen sah.

„Ich wollte Euch wecken", kam die prompte Antwort und er zog ihr die Decke noch weiter weg. Und noch ehe sie zufassen konnte, landete sie auf dem Boden.

„Und dazu müsst Ihr mir die Decke wegziehen", fragte Adamantiel ungläubig und der Prinz freute sich diebisch über den leicht gereizten Unterton in ihrer Stimme.

„Es schien mir die einzige Möglichkeit", antwortete er mit einem breiten Grinsen und keuchte kurz darauf luftschnappend auf. Sie hatte ihm mit voller Wucht gegen die Brust geschlagen.

„Frauen weckt man nicht, indem man sie ärgert", fauchte sie und stand schnell auf. Ihr kurzes Nachtgewand war etwas zerknittert, aber Legolas konnte einfach nicht die Augen von ihr nehmen.

„Wie sollte man sie sonst wecken, wenn sie nicht aufwachen", fragte er, nachdem er wieder regelmäßig atmen konnte.

„Netter und vor allem sanfter", entgegnete sie schnippisch und ordnete das blonde Haar vor einem Spiegel. Es schien sie nicht im Geringsten zu stören, dass sie nur mit einem leichten weißen Nachtkleid bekleidet war. Legolas erhob sich und ging einige Schritte auf sie zu. Sie konnte ihn im Spiegel näher kommen sehen und als er direkt hinter ihr stand und sie seinen Atmen in ihrem Nacken spüren konnte, ließ sie automatisch die Hand sinken und wartete einfach nur was geschehen würde. Merkwürdigerweise schlug ihr Herz ungewöhnlich schnell gegen die Brust. Nestalinna musste doch irgend etwas gegen diese verflixte Allergie haben! Es wurde ihr langsam lästig.

Aber obwohl sie Angst und ein komisches Gefühl hatte, stand sie einfach nur da und wartete, was Legolas als nächstes tun würde.

„Ihr legt also wert darauf, von mir sanfter behandelt zu werden", fragte er dicht an ihrem Ohr. Sie konnte einfach die Augen nicht von ihm nehmen und starrte wie gebannt in den Spiegel. Ein leichtes Zittern ging durch ihren Körper und es dauerte einen Moment, bis sich ihre rebellische Seite durchsetzte. Sie drehte sich schwunghaft und demonstrativ um und sah ihm direkt in die Augen. Mit seinem Geschleime kam er nicht bei ihr an! Niemals!

„Es geht mir nicht darum, dass IHR sanfter zu mir seid. Frauen sollten nur nicht grob behandelt werden." Verflixt! Warum klang ihre Stimme so fremd und anders?

„Hmm...Ihr habt auf dem Gang übernachtet, wusstet Ihr das?" Er tat so, als käme er ihr nur unbewusst immer näher. In Wirklichkeit genoss er es, sie in die Enge zu treiben und ihre unsicheren Augen zu sehen. Adamantiel war inzwischen so weit wie möglich zurückgewichen doch schließlich hatte der Spiegel ihren Fluchtweg erheblich verkürzt.

„Ja das wusste ich! Ich fand es angenehm auf dem kalten Stein", erwiderte Adamantiel und sie war erstaunt über sich selbst, dass sie noch immer Argumente fand.

„So...dann war es wohl falsch, dass ich Euch in mein Gemach getragen habe?" Die Elbin schnappte nach Luft. Sie hatte sich schon gefragt wo sie war, aber dass es ausgerechnet Legolas' Gemach sein musste! Sie hatte aber auch Pech. Zudem stützte der widerliche Elb nun seine Hände links und rechts des schmalen Spiegels an der Wand ab und lehnte den Oberkörper weiter nach vorn.

„Ihr mischt...Euch immer in Dinge ein", sie begann zu stottern, als sie ihm wieder in die Augen sah. Legolas schien zu wissen, welche Wirkung seine Nähe auf sie hatte und Adamantiel verfluchte ihn und ihre dämliche Allergie! „die Euch absolut nichts angehen!"

Sie versuchte ärgerlich und gereizt zu klingen, aber es wollte ihr einfach nicht gelingen! Sie sah nur Legolas. Sie spürte nur seine Wärme, seinen Atem und es löste etwas in ihr aus, von dem sie nicht wusste, dass es das gab. Ein heißes Gefühl des Verlangens.

Mittlerweile berührte Legolas' Wange die ihre und sein Atem machte sie halb verrückt. Sie musste den starken Drang, ihn zu berühren, hinunterkämpfen.

„Vielleicht mische ich mich auch nur in diese Dinge ein, weil ich mich um Euch sorge." Adamantiel zog rasselnd die Luft ein, als er diese Worte an ihrem Ohr hauchte.

„Ihr seid noch so jung und ich muss auf Euch acht geben - Als Euer Pate." Diese Worte weckten sie wieder auf aus ihrem Tagtraum. Sie rasselten so kalt und unbarmherzig in ihren Ohren, als hätte man sie in Eiswasser gestoßen. Aber immerhin verschafften sie ihr wieder einen klaren Kopf. Sie stieß Legolas von sich und ging schnellen Schrittes zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um und funkelte ihn hasserfüllt an.

„Ich bin vielleicht noch jung und in Euren Augen ein Kind. Aber das gibt Euch noch längst nicht das Recht mit mir zu tun was Euch gerade Spaß macht!" Ohne es zu bemerken, hatte sie den letzten Satz geschrieen. Dann knallte sie die Tür mit einer Wucht hinter sich zu, dass das Bild, das daneben hing, von der Wand fiel.

LEGOLAS POV

Ich hörte den lauten Knall der zufallenden Tür und es war, als würde mich jemand aus einem langen Wachtraum aufwecken. Erst jetzt realisierte ich alles was ich getan und gesagt hatte und ich kam mir vor wie der größte und gemeinste Ork in ganz Mittelerde. Was bei Eru war in mich gefahren!? Ich schüttelte den Kopf, aber das vertrieb die Erinnerung auch nicht. Ihre Nähe hatte mir gut getan, ihr irritierter und völlig verwirrter Ausdruck hatte alles nur noch mehr vorangetrieben. Aber bei dem Gedanken an meine letzten Sätze hätte ich mich selbst ohrfeigen können!

Während ich die Decke zusammenlegte und das Kopfkissen ausschüttelte, fragte ich mich, ob meine Reaktion von eben unserer Freundschaft sehr geschadet hat. Mir lag fiel daran, mich mit Adamantiel unterhalten zu können.

Dann fiel mein Blick auf das kleine verzierte Kästchen und ich seufzte schwer. Ich musste es ihr früher oder später zurückgeben und ich war mir sicher, dass ich in diesen Augenblicken mein eigenes Leben gefährdete. So aufgebracht und vor allem verletzt hatte ich sie noch nie.

Ich ließ Malas Geschenk in eine meine Taschen gleiten und öffnete die Tür zu meinem Gemach. Instinktiv sah ich mich um. Ich musste zugeben, dass ich Angst vor Adamantiels Wutausbrüchen hatte. Von jetzt an musste ich auf der Hut sein. Sie würde sicher keine Gelegenheit auslassen, mich zu blamieren.

Doch ich begegnete ihr schneller, als ich es befürchtet hatte. Leider führte kein Weg an ihrem Zimmer vorbei, wenn man in den großen Speisesaal gelangen wollte. Adamantiel war wieder einmal von mindestens drei kleinen Kindern umgeben und schien mich im ersten Moment überhaupt nicht zu bemerken. Doch als sie den Kopf aufrichtete, kreuzten sich unsere Blicke. Ich erschrak als ich erkannte, dass ich nicht in ihren Augen lesen konnte wie sonst immer. Auch ihr Gesicht war regungs- und emotionslos.

„Wieder mit Gleichgesinnten unterwegs?" Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, sie auf ihre offensichtliche Kinderliebe anzusprechen.

„Immerhin besser als mit einem überheblichen Prinzen eingesperrt sein zu müssen." Ich hatte es geahnt. Ihre schwindende Widerstandskraft vorhin, hatte wieder die Spitze erreicht.

„Tiel. Sitzt du beim Essen neben mir?" Ich beobachtete ihre sanfte Reaktion, als sie sich liebevoll lächelnd zu Tinnu hinunterbeugte und ‚Natürlich du süßer Spatz' sagte. Ich kannte sie nur spießig und stachlig wie einen alten Igel. Dieses Lächeln hatte sie mir noch nie geschenkt.

„Darf ich auch", fragte ich spöttisch und wir maßen uns wieder einmal gegenseitig mit den Augen.

„Nein. Ich sitz auch schon neben ihr", begehrte Alagos auf und drängte sich noch etwas näher an seine Ersatzmama. Ich beugte mich zu ihm hinunter und stupste dem Jungen auf die Nase.

„Pass auf dass sie dich nicht beißt." Doch Alagos schien das überhaupt nicht witzig zu finden, klammerte sich an Adamantiels Hand und streckte mir frech die Zunge heraus. Ich erhob mich wieder, kramte das Kästchen aus meiner Tasche. Ich drückte es dem Jungen in die Hand und setzte meinen Weg zum Speisesaal stillschweigend fort.

Keine POV

Aragorn sah hin und wieder irritiert zu Legolas hinüber. Sein ehemaliger Gefährte und jetziger Freund benahm sich sonderbar. Nicht, dass er sich anders verhalten hätte als sonst. Nein er beherrschte die Maskerade der Elben nahezu perfekt. Es war etwas anderes, das ihn immer wieder aufsehen sah. Etwas an seiner Haltung verriet dem König, dass Legolas mit sich im Unreinen war und er nahm sich vor, den Elbenprinzen später zur Seite zu nehmen und mit ihm darüber zu sprechen. Sofern Legolas darüber sprechen wollte. Aber Aragorn ahnte schon worum es sich handelte.

„Sieh doch. Sie ist so rein und unschuldig, dass die Kinder sie bedingungslos lieben." Arwen berührte leicht seinen Arm und lächelte ihn glücklich an. Aragorn nickte und sah dann ebenfalls zu Adamantiel hinüber, die seiner kleinen Tochter gerade eine Weintraube in den Mund schob und selbst von einem kleinen Mädchen gefüttert wurde. Die erwachsenen Elben taten so, als würden sie es nicht bemerken, doch auch auf ihren Lippen lag ein kleines Lächeln.

Aber auch der Königin war aufgefallen, dass Adamantiel zwar oft lachend aufsah, aber niemals in die Richtung ihres Vormunds blickte.

„Was meinst du", fragte sie ihren Gatten lächelnd und lehnte den Kopf an seine Schulter. Sie fühlte sich wohl und geborgen in den letzten beiden Tagen. Kein Mensch außer Aragorn saß am Tisch und speiste mit ihnen. Es waren alles Angehörige ihres Volkes und sie konnte sich endlich einmal in der Wärme der Vertrautheit fallen lassen. Niemals hätte sie in Gegenwart von menschlichen Besuchern so innige Gefühle zu Aragorn gezeigt. Schließlich hatte sie als Königin die Pflicht, zuverlässig zu erscheinen.

„Ich weiß nicht. Aber ich glaube sie mögen sich", äußerte sich Aragorn nach einer Weile und küsste seine Frau auf die Stirn.

„Sie haben noch viel vor sich. Und sieh nur diesen Elben dort drüben. Er wirft immer ein Auge auf Adamantiel." Aragorn folgte ihrem Blick und musste feststellen, dass seine Gattin recht hatte. Der Elb, der ein paar Plätze weiter zur Rechten von Adamantiel saß, sah immer wieder in ihre Richtung, als wollte er sichergehen, dass sie nichts dummes anstellte. Vielleicht hatte Legolas ihm befohlen sie zu überwachen. 

Sie sahen beide, wie eines der Kinder von Adamantiels Schoß rutschte und um den Tisch herum ging. Im gleichen Moment, zierte ein breites Grinsen das hübsche Gesicht der Elbin.

„Prinz Legolas! Du hast da so schönen Saft! Ich will mal kosten", hörte das Königspaar plötzlich eine Jungenstimme laut fragen. Einige Köpfe drehten sich neugierig in die Richtung und sahen Legolas abwartungsvoll an. Dieser bewegte keine Miene. Keiner konnte ahnen was er dachte. Doch der Prinz war sich ziemlich sicher, dass das eine von Adamantiels Fallen war. Aber was sollte er denn schon sagen? Nein du darfst nicht, du willst mir nur schaden? Was würde sein Volk dann sagen. Und so nickte er, reichte dem Kind sein Glas und beobachtete scharf jede seiner Bewegungen. Doch der kleine Elb nippte nur kurz und strahlte über das ganze Gesicht.

„Das ist lecker!" Er reichte den Becher wieder zurück und Legolas atmete erleichtert auf, dass er nicht über seine Tunika geschüttet wurde. Dann lächelte er dem Kind zu, dass daraufhin wieder um den Tisch rannte. Diesmal ließ es sich aber auf dem Schoß seiner Mutter nieder und beobachtete Legolas aufmerksam.

Legolas setzte nun ebenfalls den Becher an und nahm ein paar große Schlucke. Er setzte erst wieder ab, als leises Kichern an sein Ohr drang. Die Kinder, nun alle auf den Schößen ihrer Mütter lachten mit vorgehaltener Hand und tauschten vielsagende Blicke aus. Schnell huschte sein Blick in Adamantiels Richtung doch sein Patenkind grinste nicht und ließ sich ansonsten auch nichts anmerken.

Ein kritischer Blick traf das Saftglas und er stellte mit Entsetzen fest, dass kleine Krümel darin schwammen. Das Kichern wurde lauter und jetzt waren es nicht nur die Kinder. Auch einige der älteren Elben konnten ihre Belustigung nicht mehr hinter ihrer Maske verstecken.

Wieder sah er zu Adamantiel hinüber, die ihn mit kritischen Blick musterte und den Kopf auf der Hand aufgestützt hatte.

Eine Hand legte sich auf seine Schulter und er sah in Aragorns gutmütige Augen, während das Kichern immer lauter wurde. Irgendwie juckte es ihn um den Mund herum. Und auch seine Brust. Er kratzte sich ein wenig.

„Komm mein Freund. Ich denke, das kriegen wir wieder hin", sprach Aragorn und Legolas erhob sich, um dem König zu folgen. Arwen warf ihm einen amüsiert- mitleidigen Blick zu und Legolas hatte den Eindruck, als wollte sie ihm etwas sagen. Doch Aragorn zog ihn am Arm mit aus dem Saal und führte ihn in ein großes Badezimmer. Dort trat Legolas sofort vor den Spiegel. Als er sich ins Gesicht blickte, keuchte er entsetzt und fuhr sich mit der Hand über den gewachsenen Bart. Er drehte sich sofort zu Aragorn um, der an der Tür lehnte und ihn eingehend beobachtete. Er verzog keine Miene aber Legolas war sich sicher, dass er nur nicht lachte, um ihn nicht noch mehr zu kränken.

„Dieses Biest", entfuhr es ihm laut, doch sein Freund zuckte nur mit den Schultern.

„Sie ist Gimlis ‚Tochter'. Ärgerst du sie, bekommst du es mindestens genauso zurück. Aber mal ehrlich: So schlimm sind Bärte doch gar nicht." Aragorn fuhr sich selbst über den Dreitagesbart und lächelte Legolas gutmütig an. Was hatten Elben nur gegen Bärte?

„Aragorn! Elben haben keine Bärte und auch keine", er zog sich die Tunika über den Kopf und drehte sich dann zu seinem Freund um „und auch keine Haare auf der Brust wie wilde Tiere!" Aragorn musste schmunzeln. Da wucherte rotblondes Haar - mindesten fünfzehn Zentimeter lang – auf Legolas' Brust bis hin zum Bauchnabel. Und das Zeug schien immer noch zu wachsen! Der Bart hatte mittlerweile die stattliche Länge des Bartes eines Hundertjährigen erreicht und umrahmte das anmutige Gesicht des schönen Elben. Dadurch wirkte Legolas ehrlich gesagt verantwortungsbewusster und erwachsener. Aber Aragorn kannte die Meinung seines Freundes.

„Bei Eru! Jetzt ist sie zu weit gegangen", schimpfte Legolas und der König Gondors stellte fest, dass es dem Wutausbruch von damals sehr glich. Legolas tigerte wild im Badezimmer auf und ab.

„Wie kriege ich das jetzt wieder weg!? Bei Eru, ich schwöre ich setze sie in Mordor aus! Da gehört sie hin. Zu den Orks und all den schleimigen Kriechtieren!" Aragorn trat an Legolas heran und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Ganz ruhig mein Freund. Du kannst nicht beweisen, dass sie es war." Doch Aragorns Versuche Legolas zu beruhigen, schlugen fehl. Ja sie reizten den Elben sogar noch mehr.

„Natürlich war sie es! Wer sonst sollte es gewesen sein!? Hast du ihren Blick gesehen, Aragorn? Er war voller Hinterlist und Rachsucht!" Legolas schien nicht zu bremsen zu sein.

„Soll ich jetzt mein unsterbliches Leben mit einem Bart verbringen!" Langsam wurde es lächerlich Legolas so jammern zu sehen.

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass irgendeine Elbin das gut finden würde." Aragorn runzelte die Stirn.

„Wie stehe ich denn da!? Als einziger Elb mit Bart!" Aragorn lehnte sich wieder lässig gegen die Tür und lachte laut los. Er hatte seinen elbischen Freund noch nie so erlebt. Eigentlich war Legolas die Ruhe selbst.

„Was gibt es da zu lachen, Aragorn?" Legolas' Augen blitzten streitlustig in seine Richtung. Der König stieß sich von der Wand ab und ging im Badezimmer auf und ab.

„Legolas. Was die Frauen deines Volkes angeht: Sie haben kein Problem mit Bärten."

„Woher willst du das wissen", fuhr in der Prinz an und Aragorn lachte erneut.

„Mein Freund. Ich glaube zu wissen, dass ich einen Bart habe und meine Frau eine wunderschöne intelligente Elbin ist, falls du das vergessen haben solltest." Der Elb schwieg peinlich berührt.

„Verzeih mir Aragorn. Ich habe nicht über meine Worte nachgedacht", gab er nach kurzer Stille zu und sah seinem Freund versöhnlich lächelnd ins Gesicht. Dieser klopfte ihm auf die Schulter und grinste nur.

„Zum anderen, Legolas, kenne ich das Kraut, das sie dir gegeben hat. Menschen verwenden es, wenn der Haarwuchs nicht mehr regelmäßig ist und sie altern. Aber sie müssen es täglich einnehmen, damit ihnen das Haar nicht ausfällt. Das heißt, du musst nur einen Tag mit Bart verbringen und nicht deine Unsterblichkeit." Jetzt lachten beide laut los und Legolas empfand es gar nicht mehr als so schrecklich, dass ihm Adamantiel wieder einmal einen Streich gespielt hatte.

„Aber das sie den Jungen benutzt hat, ist skrupellos", empörte er sich aus diesem Gedanken heraus.

„Wenn sie aus deinem Glas getrunken hätte, hättest du sicher ein anderes benutzt, oder nicht?" Aragorn schmunzelte als der Elb zustimmend nickte.

„Bei dieser Gelegenheit Melethnin" Aragorn drückte Legolas auf einen Hocker, kramte ein scharfes Messer hervor und begann, den Bart des Elben zu beschneiden.

„Ich wollte noch mit dir über dieses Mädchen sprechen. Hat Gimli etwas über ihre Eltern erzählt?"

„Nur dass ein Elb zwischen den Bäumen stand und Gimli das Baby in die Arme gelegt hat. Bei strömenden Regen", antwortete Legolas nachdenklich.

„Empfindest du es nicht als deine Pflicht, ihre Eltern zu suchen?" Diese Frage schlug wie ein Blitzschlag bei Legolas ein und er starrte Aragorn entgeistert an.

„Ihre Eltern suchen?"

„Ja. Wäre das nicht das beste für euch beide? Sie hätte Eltern, die sich um sie kümmern und ihr würdet nicht mehr sooft streiten. Solche Streiche wie dieser kämen nicht mehr vor. Hast du vielleicht irgendwelche Hinweise auf ihre leiblichen Eltern."

„Nein. Aber ich glaube das ist auch besser so. Sie wären schockiert, wenn sie wüssten, was aus ihrer Tochter geworden ist."

„Da kann nun einmal nichts anderes herauskommen, wenn Gimli ein Kind aufzieht", scherzte Aragorn.

„Aber es ist schon merkwürdig, dass er uns nie etwas von ihr erzählt hat, als er an unserer Seite kämpfte." Aragorn hatte die rechte Gesichtshälfte bewältigt und wandte sich nun der Linken zu.

„Vielleicht hat er sich geschämt", murmelte Legolas.

„Bei dem Stolz, den er an den Tag gelegt hat, als er sie uns vorstellte? Legolas das glaubst du doch selbst nicht!" Es stimmte. Das glaubte er selbst nicht. Aber er konnte sich auch nicht erklären, warum Gimli sie dann verschwiegen hatte.

„Jedenfalls liebt er sie wie sein eigenes Kind. Ich kann ihn gut verstehen. Du nicht?" Die Fragen Aragorns' wurden immer unheimlicher.

„Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst, Aragorn. Aber eins ist sicher: Ich bin nur ihr Pate und das reicht mir voll und ganz. Aber ja. Ich mag sie, wenn sie nicht gerade so ein Biest ist und mir ein Haarwuchsmittel untermischt." Danach schwiegen beide eine Zeit lang, bis Aragorn auf ein anderes Thema zu sprechen kam.

„Man sagt, in Ithilien seien Olifanten gesichtet worden. Es ist nur ein Gerücht, aber es könnten durchaus Südmenschen in der Nähe sein, die sich im Wald eingenistet haben." Legolas lauschte interessiert. Das war wirklich eine außergewöhnliche Neuigkeit. Seit dem Ringkrieg hatte er keines dieser Tiere gesehen. Und während des Kampfes hatte er sie töten müssen.

„Meinst du sie stellen eine Gefahr für uns dar?"

„Ich denke nicht. Aber das musst du selbst einschätzen. Ich schicke dir daher Faramir und ein paar Krieger Gondors mit. Falls es ernst wird." Legolas nickte. Er hatte keine großen Komplikationen erwartet und war daher überrascht, dass Aragorn Vorsichtsmaßnahmen traf.

„Könnte das Böse sich wieder sammeln", fragte er den König. Doch dieser schüttelte den Kopf.

„Nein. Bisher hat mich Gandalf noch nicht besucht. Auch nicht in meinen Visionen", grinste Aragorn und Legolas lachte leise.

„Ich glaube nicht, dass seine Macht so groß ist, um bis hierher zu wirken, mein Freund."

„Hüte dich, er könnte jedes deiner Worte hören." Aragorn verstellte die Stimme, sodass es irgendwie unheimlich klang und beide lachten wieder. Hätte einer der Hofangestellten den jetzt König gesehen, was hätten sie wohl gedacht?

Als Legolas den Saal fluchtartig hinter Aragorn verließ und das Lachen der anderen Elben immer lauter wurde, konnte auch Adamantiel nicht mehr länger an sich halten. Sie stupste Tinnu, die schon Tränen vor Lachen in den Augen hatte, amüsiert an.

„Das war genial, was? Ein Elb mit Bart!" Beide lachten noch lauter los, als sie es ohnehin schon getan hatten und Alagos wäre beinahe von Adamantiels Schoß gefallen, als sie sich nach hinten lehnte.

„Sehr komisch Adamantiel." Das Mädchen öffnete die Augen und sah sich Hellina und Nestalinna gegenüber, die sie vorwurfsvoll ansahen.

„Jetzt hast du ihn bis über die Maße gereizt. Ich glaube das lässt er nicht auf sich sitzen."

„Aber er sieht doch gut aus, oder nicht?" Wieder lachte Adamantiel laut los. Die Freundinnen runzelten nur die Stirn. Adamantiel benahm sich wirklich noch immer wie ein Kind, obwohl sie bald die einhundert Jahre erreichte.

„Adamantiel, wenn du ihn weiter so ärgerst, endet das nur in dummen Streits, Verboten und Tränen. Außerdem magst du ihn doch." Nestalinna legte der Freundin eine Hand auf die Schulter und beugte sich zu ihrem Ohr hinunter.

„Oder haben die ‚allergischen Reaktionen' aufgehört?" Sie fragte so leise, dass nur Adamantiel es hören konnte und trotzdem verstummte ihr lachen. Die Erinnerungen an den Morgen in Legolas' Gemach kamen zurück und mit ihm das unbeschreibliche Gefühl. Sie drehte Nestalinna etwas vorwurfsvoll den Kopf zu.

„Gib mir doch endlich ein paar Kräuter dagegen! Es wird immer lästiger." Sie verstand gar nicht, was so lustig an ihrer Bitte gewesen war, jedenfalls kicherte die Freundin wild los und zwinkerte Hellina verschwörerisch zu.

„Du musst schon selbst ein Heilmittel finden, sonst wirkt es nicht." Adamantiel sah von einer zur anderen. Wussten sie etwas, das sie nicht wusste? Wie dem auch sei, Legolas mit Bart war der lächerlichste Anblick auf der ganzen Welt. Auch Narwainion, der ihr das Kraut auf ihre Bitten hin gegeben hatte, hatte laut gelacht und ihr den Daumen hochgehalten. Sie fühlte sich einfach wohl bei ihm.

Plötzlich ging ein lautes Raunen durch den Saal und das Lachen verebbte langsam. Adamantiel hob den Kopf und betrachtete entsetzt die Bärte der Krieger. Daneben standen die Jungs und lachten frech.

Ihr wurde übel. Das mit dem Kraut hatte ursprünglich nur Legolas treffen sollen und nicht die anderen männlichen Elben. Aber die Kinder hatten es wohl zu komisch gefunden. Sie war zu weit gegangen. Sie hätte die Kinder nicht dazu anstiften dürfen. Jetzt dachten sie sicher, es wäre erlaubt, den Erwachsenen Streiche zu spielen. Ihr Plan war nach hinten losgegangen. Zumindest fühlte sie sich plötzlich nicht mehr so wohl und zum Lachen war ihr auch nicht zumute.

Adamantiel erhob sich rasch und eilte aus dem Saal. Nestalinna und Hellina waren schon auf der Suche nach Alagos und Tinnu, die sicher mit unter den Unruhestiftern waren. Als die blonde Elbin an der Saaltür ankam, vertrat ihr die Königin Arwen lächelnd den Weg.

„Ich würde gerne mit Euch sprechen, wenn es Euch nicht allzu viele Umstände macht." Adamantiel trat nervös vom einen auf das andere Bein, nicht sicher, was sie sagen sollte.

„Wenn es nicht gerade hier sein muss", antwortete sie dann schließlich und Arwen öffnete lachend die Tür.

„Aber nein. Die anderen müssen ja nicht alles erfahren." Die Königin wollte schon gehen, als Adamantiel sie zurückhielt.

„Majestät, wollt Ihr nicht Eure Kinder mitnehmen?" Arwen sah kurz in den Saal und schüttelte dann den Kopf.

„Nein. Sie hatten noch nie die Gelegenheit mit anderen Elbenkindern zu spielen. Sollen sie sich nur austoben. Und die Bärte fallen ja eh im Laufe des Tages wieder ab." Adamantiel nickte nur und folgte dann der schönen aber sterblichen Frau auf den Gang. Die Königin lächelte warm und mütterlich und das anfängliche Unbehagen in Adamantiels Magengegend verschwand sofort. Sie liefen einige Zeit stillschweigend nebeneinander her, bis Adamantiel es nicht mehr aushielt.

„Sagt mir, Königin Arwen, warum habt Ihr Eure wertvolle Unsterblichkeit wegen König Aragorn aufgeben? Er ist doch auch nur ein Mann." Arwen hielt erstaunt inne und musterte Adamantiel interessiert. Dann lachte sie.

„Ach darum bist du so aufmüpfig und wild! Möchtest du wirklich wissen, warum ich die Unsterblichkeit aufgegeben habe?" Als Adamantiel nickte, nahm sie die Hand des Mädchen und führte sie hinaus zum Weißen Baum, unter dem sich beide niederließen.

„Ich habe mich für Aragorn entschieden. Denn was wäre die Unsterblichkeit ohne den Mann, den ich liebe?" Sie sah Adamantiel ernst in die Augen und ihr Gegenüber musste nach kurzer Zeit den Blick anwenden.

„Meint, dass ich auch einmal etwas aufgeben muss?" Arwen wiegte sanft den Kopf hin und her.

„Ich weiß es nicht. Das wird sich zeigen, wenn es soweit ist. Aber eines ist sicher: Das Leben ist so gestaltet, dass man sich immer zwischen zwei Dingen entscheiden muss. Nur in den seltensten Fällen kann alles haben, was man gerne möchte. Aber glaub mir, egal welche Entscheidung du triffst, irgendetwas musst du immer zurücklassen."

Der Blick der König entschwand während sie sprach in weite Ferne und Wehmut stand in ihren Augen.

„Ich habe meinen Vater verlassen müssen, um Aragorn zu bekommen. Meine Brüder leben zwar noch in Mittelerde, aber auch sie werden bald in die Unsterblichen Lande segeln." Adamantiel schlang die Arme um die Knie und wiegte ihren Körper hin und her. Auch ihre Gedanken verweilten an dem Ort, an dem die Elben Mittelerde für immer den Rücken zukehrten. Waren auch ihre Eltern einfach davon gesegelt? Ohne sie? Oder waren sie gestorben? Im Krieg? Es war das erste Mal, dass sie sich über ihre leiblichen Eltern Gedanken machte. Sie vermisste sie nicht und sie war auch nicht traurig darüber, dass sie sie nicht kannte. Aber es interessierte sie schon, warum sie von Zwergen aufgezogen wurde.

„Der Stein, den Ihr da um den hals tragt", Arwen deutete auf den Diamanten, der an einer Kette in Adamantiels Ausschnitt rutschte. „Er ist sehr außergewöhnlich. Um nicht zu sagen einzigartig. Ihr müsst gut darauf acht geben. Woher habt Ihr ihn?"

„Ich trage ihn wohl schon seit meiner Geburt." Adamantiel lächelte leicht, als sie den Diamanten berührte.

„Er ist schön", sagte Arwen und wieder drang das warme Lächeln der Königin in Adamantiels Herz ein. Wie wäre es wohl, wenn diese Frau ihre Mutter sein würde?

„Ja das ist er." Die beiden Frauen saßen noch einige Zeit schweigend nebeneinander, als Arwen auf Adamantiels Paten zu sprechen kam.

„Warum habt Ihr Legolas eigentlich das Mittel in den Saft mischen lassen? Wolltet Ihr Euch für irgend etwas rächen?" Adamantiel sah Arwen erstaunt an. Woher wusste sie, dass sie es war?

„Ja. Er hat sich zu weit vorgewagt", entgegnete Gimlis Zögling und runzelte die Stirn.

„Was hat er denn nun wieder angestellt?" Arwens Stimme hatte etwas vertrautes, etwas beruhigendes, das Adamantiel Mut machte, ihr vom heutigen Morgen zu erzählen. Die Königin lauschte dem Mädchen gespannt und lächelte in sich hinein. Adamantiel würde ihr nicht glauben, wenn sie ihr sagte was es war, dass sie ursprünglich für eine Allergie hielt. Man konnte ihr die Wahrheit nackt auf den Bauch binden und sie würde sie nicht sehen. Arwen wusste, dass die kleine Elbin das selbst erkennen musste, aber Legolas' Verhalten erstaunte sie. Warum hatte er sich so verhalten? Wollte er Adamantiel provozieren und ihr vor Augen führen, was sie selbst nicht erkannte, oder hatte er einfach nur einen üblen Scherz gemacht? Vielleicht machte es ihm auch einfach nur Spaß Adamantiel aus der Fassung zu bringen, aber dann durfte er sich auch nicht über eventuelle Racheaktionen beschweren.

Sie schüttelte den Kopf und stand auf. Männer.

Die beiden Elbinnen machten sich auf den Weg zurück ins Schloss. Schließlich hatte Legolas vor, am nächsten Tag abzureisen. Und um dem Volk einen Grund zum Feiern zu geben, würde am Abend ein großes Fest stattfinden, an dem alle teilhaben durften. Arwen als Königin musste sich noch um viele Sachen kümmern.

„Bei Aule, warum muss das jetzt sein", hörte sie Adamantiel plötzlich neben sich stöhnen und Arwen sah sich um. Im Gang rechts hatte sich eine Tür geöffnet, aus der Aragorn und Legolas auftauchten. Der Elbenprinz hatte trug einen säuberlich geschnittenen Bart und sah in Arwens Augen ziemlich gut aus. Arwen schritt lächelnd auf ihren Gatten zu und sie versanken in einem sanften Kuss. In diesen Augenblicken, musterten sich Adamantiel und Legolas wie zwei Revierbullen.

„Der Bart steht Euch doch ganz hervorragend", bemerkte Adamantiel süffisant grinsend, trat näher und zupfte höhnisch an ein paar Härchen herum. Legolas ließ sich diese Chance nicht entgehen und packte blitzschnell ihre Handgelenke.

„Hey was soll das!?" Adamantiel sah ihn ärgerlich an. Diese Position behagte ihr gar nicht. Was war nur mit Legolas los?

„Aragorn hat ihn hervorragend geschnitten. Zuvor hat er wild vor sich hingewuchert und sah grauenvoll aus", zischte Legolas ärgerlich.

„Ja dann hat er ja hervorragend euren scheußlichen Charakter umrahmt", entgegnete Adamantiel spitz. Legolas wusste, dass sie sich nicht befreien konnte und drängte sie ein paar Schritte gegen die Wand.

„K...Kommt Ihr Euch nicht lächerlich vor?" Adamantiel spielte auf seine wiederholten Annährungsversuche an.

„Ja in der Tat. Mit diesem Bart fühle ich mich gar nicht wohl", flüsterte er zurück. Er wollte in ihrer Nähe sein. Und jetzt wo er wütend war, schien es ihm der perfekte Ausgleich zu sein. Das Aragorn und dessen Frau sich leise entfernt hatten, bemerkten beide Elben schon gar nicht mehr.

Adamantiel POV

Gimli hatte einmal zu mir gesagt: „Kind, es gibt Situationen im Leben in denen du am liebsten nur sterben willst." Er hatte recht. Er hatte eigentlich mit jeder seiner Lebensweisheiten recht behalten. Denn seit ich mit Legolas aufeinander getroffen war, bewahrheiteten sich viele seiner Sätze immer wieder. Denn das hier war eine dieser Situationen.

Wie gerne hätte ich um mich geschlagen, getreten, gekratzt! Wie gerne wäre ich wieder so wild gewesen wie früher! Aber das einzige, was wild um sich schlug, war mein Herz. Und das war mir unheimlich. Ebenso, dass ich das Gefühl der Unterlegenheit genoss. Ja verdammt, ich genoss es, dass Legolas mit mir machen konnte, was er wollte! Ich genoss es zu wissen, dass er stärker war als ich. Verflucht was war nur mit mir los!?

„Er steht Euch aber, der Bart." Jetzt machte ich dem Kerl auch noch Komplimente! Adamantiel! AUFWACHEN! Das ist der dümmste Elb der Welt und du wehrst dich nicht einmal gegen seine Taten! Aber warum sollte ich mich denn wehren? Ich schloss entsetzt die Augen. Jetzt begannen schon wieder diese Gespräche, die Gedankenkämpfe. Es kam mir vor, als säße ich wieder allein in der warmen Höhle meiner Zwergeneltern und streite mit mir selbst darüber, ob ich zu den gemeinen Kindern gehen sollte, die mich ständig geärgert hatten, oder nicht.

„Zudem wäre es sehr nobel von Euch, wenn Ihr mich endlich loslassen könntet!" Endlich hatte ich meine richtige Stimme wieder! Na Aule sei dank! Es gab ihn also wirklich, den Gott der Zwerge...

„Ich bin aber gerade nicht in der Stimmung, Euch los zu lassen." Ich änderte meine Meinung! Aule gab es doch nicht. Denn er hätte sicher niemals zugelassen, dass mich dieser verzogene Elbenprinz wieder einmal gegen die Wand drückte! Was hatte er nur an diesen Wänden gefunden?

‚Wenn dich jemand belästigen sollte, Kind, tritt ihm kräftig in die Weichteile. Da tut es am meisten weh!' Wieder hörte ich einen von Gimlis Ratschlägen und ich bedachte Legolas mit einem eindringlichen Blick. Er war irgendwie merkwürdig. Tagelang hatte er keine Notiz von mir genommen und plötzlich drückte er mich ständig gegen die nächstgelegene Wand. Ob ich ihn treten sollte?

Ich wusste nicht, was er damit bezwecken wollte, jedenfalls standen wir lange Zeit so da: Er drückte meine Handgelenke gegen die Wand und sah mich undefinierbar an und ich starrte einfach nur verständnislos zurück.

„Ich verlange, dass Ihr Euch dafür entschuldigt." Seine Worte erschreckten mich. Ich war an die angenehme Stille der vergangenen Minuten gewöhnt.

„Wofür", fragte ich aggressiv. Mir fiel nichts ein, was ich getan haben könnte, was er sich nicht verdient hätte.

„Dafür, dass Ihr mich wieder einmal blamiert habt", sagte er mit klarer, trockener Stimme. Das schwirrende Gefühl in meiner Magengegend legte sich und Zorn nahm seinen Platz ein. Gerade eben war ich dabei, ihn ein wenig zu mögen.

„Einen Dreck werde ich!" Sein Griff wurde etwas fester.

„Ich verlange nur eine Entschuldigung von Euch. Nicht dass Ihr mich auf einmal verehrt und mir zu Füßen liegt."

„Das wird auch garantiert nie eintreten und ich sagte schon: NEIN!" Ich blieb konsequent. Dann sah ich ihn wieder an.

„Entschuldigt Ihr Euch doch!" Ich blickte ihm herausfordernd in die Augen und er ließ mich sogar los. Ich rieb mir kurz die Handgelenke.

„Wofür sollte ich mich entschuldigen?" Er sah mir trotzig in die Augen. Ich wusste, dass es wieder in Handgreiflichkeiten enden würde, denn wir waren beide zu stur, um nachzugeben.

„Dafür, dass Ihr mich erst tagelang ignoriert und mich jetzt so behandelt als wäre ich ein Ding in Eurem Besitz! Das bin ich aber nicht und das werde ich auch nie sein! Sobald ich volljährig bin, könnt Ihr Euch darauf gefasst machen, dass ihr mich nie wiederseht!"

„Ich freue mich schon darauf", entgegnete Legolas ruhig und gelassen. Ich wusste nicht einmal, ob ihn meine Worte beeindruckt hatten und das machte mich rasend.

Dann tat ich etwas, das ich schon lange einmal tun wollte. Dem Beispiel meines Adoptivvaters folgend spie ich dem Elben direkt ins Gesicht. Dabei achtete ich nicht auf den kleinen Unterschied, dass Gimli immer in Richtung Erdboden gezielt hatte. Dann nutzte ich seine augenblickliche Überraschung um davon zu rennen. Ich hörte ihn wütend schimpfen und sah über die Schulter hinweg. Er wischte sich gerade mit seiner Tunika über das Gesicht. Und als er sich in meine Richtung drehte und ich sein Gesicht sah, beschloss ich, noch ein wenig schneller zu laufen. Ich war wütend, er war wütend. Perfekte Basis für eine Freundschaft, das musste man schon zugeben. Irgendwie war mir der Gedanke unangenehm, Legolas wieder alleine zu begegnen und ich beschloss, bis zum Fest auf meinem Zimmer zu bleiben.

Doch mein Vorhaben wurde von Tinnu und Alagos zunichte gemacht. Zwei Gänge weiter standen sie und klopften an meine Zimmertür. Als sie mich sahen, überzog ein Strahlen ihre Gesichter.

„Tiel? Erzählst du uns eine Geschichte?"....

Keine POV

Legolas wischte sich angeekelt den Speichel von der Wange und starrte Adamantiel wütend nach. Er verwarf den Gedanken, ihr nachzurennen. Sie hatte ja eigentlich recht mit ihren Argumenten. Er wusste auch nicht recht, warum er sie so behandelte. Er wusste nur, dass sie wieder am Anfang waren und sich die junge Freundschaft wieder in Feindschaft verwandelte.

Er strich sich nervös über den Bart. Eine Feindschaft mit ihr stand unter keinem guten Stern. Ehe es dazu kam, wollte er sie lieber meiden. Er nickte sich in Gedanken zu. Ja er würde sie einfach meiden. Oder sich mit ihr vertragen.

Unterdessen liefen die Vorbereitungen für das Fest am Abend auf Hochtouren und die Angestellten im Gondorer Königshaus hatten alle Hände voll zu tun. Unter ihnen rannte auch das Zimmermädchen Ingjara aufgeregt hin und her. Sie war für die Dekoration und die Tische verantwortlich. Zudem hat man sie als eine der Wenigen ausgesucht, die beim Fest bedienen durften.

Ihr Gesicht glühte schon rot vor lauter Aufregung. Sie hatte die Elben erst am Morgen gesehen, obwohl sie schon am letzten Abend angereist waren. Erst hatte sie sich nicht großartig dafür interessiert, aber wenn man den Geschichten und Gerüchten ihrer Freundinnen glauben durfte, war unter ihnen auch der ehemalige Ringgefährte.

Ingjara schrubbte mit Begeisterung den Boden der Küche. Ihr fiel gar nicht auf, dass sich auch die anderen Mädchen so überaus eifrig bemühten, dem Chef zu gefallen. Sie hegten wohl alle noch die Hoffnung, beim Fest bedienen zu dürfen. Das war die beste Möglichkeit, um ohne Vorwand einen der wunderschönen Wesen anzusprechen.

„Hey! Ingjara!" Das Mädchen sah erst auf, als ein anderes sie schon zum dritten mal gerufen hatte.

„Was?" Sie hielt irritiert in ihrer Arbeit inne. Sie hatte sich gerade ausgemalt, wie sie den Prinzen den ganzen Abend über beobachtete und dann mit einer Erfrischung zu ihm herüber ging. Wie durch Zufall war sie an einem Stuhlbein hängen geblieben und fiel ihm direkt in die Arme. Wie diese blonde Elbin gucken würde!

„Ich habe dich gefragt, ob du vielleicht weißt, welche Farben die Tischtücher haben sollen", wiederholte Xenia etwas gereizt. Als Ingjara nur mit den Schulter zuckte und wieder den Boden schrubben wollte, riss ihr die Freundin den Lappen aus den Händen.

„Hallo!? Erde an Ingjara. Wo sind denn deine Gedanken!? Es ist verdammt wichtig." Xenia tippte abwartend mit der Fußspitze und sah säuerlich auf das braunhaarige Mädchen herab.

„Ich würde Lavendel nehmen und jetzt gib mir den Lappen wieder!" Sie streckte die Hand aus und forderte ihren Putzlumpen zurück.

„Der Elb von heute morgen war unheimlich süß, nicht wahr?" Xenia grinste über beide Ohren und hob den Lappen noch ein wenig höher. Doch Ingjara ging nicht darauf ein.

„Ja. Es heißt, er sei der begehrteste Mann in ganz Gondor. Schließlich ist er ein Freund des Königs, ein Held und seit neuestem auch Fürst von Ithilien." Sie schwärmte vor sich hin, versäumte es aber nicht, Xenia den Lappen zu entreißen.

„Ich glaube nicht, dass wir da eine Chance haben." Das braunhaarige Mädchen sah enttäuscht und vorwurfsvoll nach oben. Warum musste Xenia immer so schrecklich realistisch sein?

„Und warum nicht", fragte sie ärgerlich und schrubbte nun tatsächlich weiter. Aber Xenia stellte ihr leicht einen Fuß auf die Hand.

„Weil er sicher nicht seine Unsterblichkeit für ein Menschenmädchen aufgeben würde, wenn er die Auswahl zwischen Elbinnen hat, oder? Hast du nicht bemerkt, dass es mehr weibliche, als männliche Elben sind, die sich hier aufhalten?" Ingjara strich sich eine Haarsträhne hinter die Ohren.

„Nein, aber ich habe auch meine Nase nicht neugierig in alle Zimmer gesteckt", gab sie zur Antwort. Xenia lachte.

„Hey das ist meine Aufgabe als Zimmermädchen! Und in solchen Augenblicken genieße ich es sehr." Die Freundin warf ihr nur einen neidvollen Blick zu. Sie war in der Küche eingeteilt. Für den Rest des Jahres. Dagegen konnte sie natürlich die Gäste bedienen, was Xenia auch etwas ärgerte.

„Also welche Farbe jetzt!?" Ingjara lacht, schleuderte den müffelnden, nassen Lappen in Xenias Gesicht und stand dann schnell auf.

„Ich hab doch schon gesagt, dass ich Lavendel nehmen würde."

„Das ist ne Pflanze du hohle Nuss", raunte Xenia und wusch sich das Gesicht in einem kleinen Wasserbecken.

„Weißt du wie Lavendel aussieht?" Ingjara verdrehte die Augen. Xenia war unheimlich naiv, aber realistisch.

„Violett", kam die prompte Antwort.

„Ja. Und genau so suchst du jetzt die Tischdecken aus. Und ich würde mich an deiner Stelle beeilen. Der König hat das Fest auf acht Uhr angesetzt. Es ist bereits sieben!"

Fortsetzung folgt!!

So...Mann o mann! Dafür hab ich 2 Monate gebraucht. pfeif Hab ziemlich weniglich Zeit heul Komm kaum noch an den Pc. Aber ich hoffe sehr, dass es euch gefallen hat!!! Nächstes Kapitel geht's dann auf nach Ithilien, denk ich mal gg Und ein paar Beziehungen (Adamantiel-Narwainion-Legolas-Hellina-Nestallina) werden weiter vertieft.

Ciao ciao!!!

alle ganz lieb und dolle knuddel

Eure Sleepy Bird/ Seoko