Hallo ihr Lieben! Das Kapitel hat genau die angestrebte Durchschnittsmenge und besteht aus einer zusammenhängenden Szene. Der Ordnungsfanatiker in mir ist zufrieden. Insgesamt ist die Stimmung wieder düster, aber keine Sorge, ab nächster Woche ist das Drama um und wir widmen uns dem Happy End mit Quidditch und Romantik und allem, was dazugehört. Das aktuelle Kapitel wird am Ende auch noch schön kitschig mit viel Herzschmerz. Ich hoffe, es gefällt euch. Bis dahin vielen Dank für das Review. Über Reviews freue ich mich wie immer sehr. Einen schönen dritten Advent wünscht euch eure Mary.
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(Beredte Stille)
Nur drei Tage später fühlte sich Katie so schlecht wie bisher selten in ihrem Leben. Sie hatte es tatsächlich durchgezogen und mit keinem einzigen Gryffindor oder Slytherin geredet. Da sie mit den Hufflepuffs und Ravenclaws kaum etwas zu tun hatte, hatte das zur Folge, dass sie in den letzten Tagen kaum mehr als ein paar Sätze außerhalb des Unterrichts gesagt hatte. Sie fühlte sich auf die Art allein, wie man einsam in einer riesigen Menschenmenge sein konnte. Inzwischen mieden die meisten anderen Gryffindor ihren Blick oder beachteten sie erst gar nicht. Sie versuchte sich einzureden, dass es ihr egal war, aber sie schaffte es nur selten. Der Mensch war ein soziales Wesen, dachte sie. Das bekam sie jetzt am eigenen Leib zu spüren.
„Welches Manöver findest du besser?", fragte Oliver, der seit einer halben Stunde schon neben ihr saß und seine Spielzüge vor dem letzten Training zum wiederholten Mal durchging. „Das oder das?" Er hielt ihr zwei Zettel hin und Katie deutete nach kurzem Überlegen auf den rechten. Oliver wurde zunehmend blasser um die Nase und zog sich immer mehr zurück. Sie hatte festgestellt, dass er im Gegensatz zu sonst aber nicht die Einsamkeit sondern ihre Nähe suchte. Wahrscheinlich genoss er die Gesellschaft, ohne zwangsläufig reden zu müssen. Katie nahm sich fest vor, ihn nach dem Spiel darauf anzusprechen. Die Seite kannte sie noch nicht von ihm. „Ich bin schrecklich nervös", gestand er ihr unvermittelt. Katie griff nach seiner Hand und drückte sie. Bleib' tapfer, dachte sie möglichst laut, auch wenn das albern war. „Wir werden doch gewinnen, oder?", fragte er verzagt. Katie nickte ausdauernd und lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter. Wie gerne würde sie ihm jetzt etwas Ermutigendes sagen, doch sie verkniff sich die Worte.
„Was hältst du hiervon?", fragte Oliver nach einer Weile und hielt ihr den nächsten Zettel hin. Katie zuckte mit den Schultern und machte eine wegwerfende Bewegung. So kurz vor dem Spiel noch neue Spielzüge einzuführen, würde das Team nur nervös machen. Sie konnte nur hoffen, dass Oliver das auch ohne Worte einsah. „Ich freue mich schon darauf, wenn du wieder mit mir über Quidditch reden kannst", brummte er verstimmt und nahm ihr den Zettel wieder ab. „Ich vermisse deine bissigen Kommentare." Katie knuffte ihn in die Seite, doch er zuckte nicht einmal zusammen.
Einige ihrer Freunde hatten schon versucht, Katie von ihrem Schweigen abzubringen, doch sie blieb standhaft. Im Grunde fand sie es sogar hilfreich, dass sie niemand mehr auf Adrian ansprach. Zumindest in dieser Hinsicht hatte sie endlich die Gelegenheit, ein wenig zur Ruhe zu kommen und vor allen Dingen über ihre merkwürdige Beziehung nachzudenken. Außerdem stand ihren Freunden das schlechte Gewissen immer deutlicher ins Gesicht geschrieben und das war Katie nur recht. Sie hoffte inständig, dass sie sich zumindest ein bisschen ändern würden. Wenn sie nicht neben der Einsamkeit auch noch Adrian so schrecklich vermissen würde, würde es ihr viel besser gehen. Adrian. Wenn sie nur an seine dunklen Haare oder seine Stimme dachte, zog sich ihr Magen zu einem harten Knäul zusammen. Er fehlte ihr auf jede nur erdenkliche Art. Selbst für einen Nachmittag voller Sticheleien würde sie inzwischen ihren Lieblingspullover geben. Wenn sie nicht so eine verdammt tapfere Gryffindor wäre, hätte sie schon längst ihr Schweigen gebrochen.
Das Porträtloch öffnete sich und Leanne trat mit ein paar Büchern im Arm ein. Katie winkte ihr grüßend zu und schaute ihr fragend entgegen, als sie auf sie zukam. „Ich hab' Pucey getroffen", erzählte sie und richtete den Stapel Bücher neu. „Ich soll dir ausrichten, dass er sich schon darauf freut, dich wiederzusehen, und dich vermisst." Katie runzelte verwirrt die Stirn. Das klang so gar nicht nach Adrian. „Na gut", lenkte Leanne ein. „So hat er es nicht gesagt. Er will dich nackt in deinem Bett sehen und unanständige Sachen mit dir machen, die ich hier garantiert nicht wortwörtlich wiedergebe." Katie grinste. Das klang schon eher nach Adrian. Er vermisste sie also auch, dachte sie und die Schmetterlinge in ihrem Bauch fingen an zu flattern. „Boah, ist das ekelig, wie ihr verliebt ineinander seid", beschwerte sich Leanne und zog davon.
„Liebe ist so ein großes Wort", brummte Oliver abwesend und blätterte durch seine Zettel. „Liebst du ihn denn? So richtig von Herzen mit Schmerzen?" Er schaute erst gar nicht von seinen Notizen auf und so bekam er auch nicht mit, dass Katie nicht reagierte. Stattdessen wickelte sie sich nachdenklich eine Haarsträhne um den Finger. In letzter Zeit hatte sie sich oft Gedanken darüber gemacht, doch zu einem richtigen Ergebnis war sie noch nicht gekommen. Sie dachte inzwischen jeden Tag an ihn. An manchen Tagen trieb er sie zur Weißglut mit seiner arroganten Art und seiner Eifersucht auf Oliver. An anderen Tagen war er leidenschaftlich und jede Berührung fühlte sich an wie ein Feuerwerk. Manchmal nannte er sie auch Miststück, dann liebte sie es, ihm so richtig einzuheizen. Jeder Moment mit ihm war speziell und das machte ihn besonders, das unterschied ihn von den ganzen anderen Langweilern in ihrem Leben. Vielleicht war es Liebe, dachte Katie. Das Einzige, worin sie sich sicher war, war, dass sie alles tun würde, damit er nie wieder ging.
Deprimiert kuschelte Katie sich tiefer ins Sofapolster. Sie zog ihre Beine an und umarmte ihre Knie. Ihre Gedanken kreisten immer noch um Adrian. Was würde sie jetzt für eine einzige Umarmung von ihm geben. Für einen Kuss würde sie sogar ihren Besen verschenken. Sie vermisste ihn schrecklich und je mehr sie an ihn dachte, desto schlimmer wurde es. Natürlich hielt er sich nicht an das Kontaktverbot zu ihr und ließ ihr manchmal ein paar unanständige Sachen über Leanne ausrichten. Am ersten Tag hatte er versucht, einen Erstklässler aus Hufflepuff damit zu beauftragen, aber der hatte nicht nur viel zu viel Angst vor ihm und irgendwie auch vor Oliver, sondern war auch durch Adrians Wortwahl so traumatisiert, dass er gar nicht wusste, was er sagen sollte. Er war in Tränen ausgebrochen und Leanne hatte dem unbeeindruckten Adrian eine wütende Rede über Erstklässlererziehung und Quidditchschwachsinn gehalten. Ein kleines trauriges Lächeln huschte über Katies Gesicht. Selbst darauf, sich wieder stundenlang mit ihm unterhalten zu können, freute sie sich.
Wann war ihr Leben nur so verdammt kompliziert geworden? Katie erhob sich, griff nach ihrer Sweatjacke und deutete mit dem Daumen auf das Portraitloch. Oliver schüttelte den Kopf. „Keinen Ausflug für mich. Ich will meine Notizen noch einmal durchgehen", antwortete er auf ihre unausgesprochene Frage. „Vergiss das Training nachher nicht", rief er ihr noch hinterher und Katie schüttelte brav den Kopf. Ihr war es sowieso lieber, allein zu gehen, um ein wenig den Kopf frei zu bekommen. Ihre Gedanken kreisten ständig nur um Adrian und das war nicht gut. Die Sehnsucht nach ihm lag schon viel zu schwer auf ihrer Brust. Vielleicht schaffte sie es ja, einen Kakao von den Hauselfen zu ergattern. Die Schokolade half ihr bestimmt.
Plötzlich griff jemand nach ihrem Arm und hielt sie fest. „Wo willst du so ganz allein hin?", fragte Dean misstrauisch. Katie riss sich sofort los und funkelte ihn böse an. Seine Quidditchbesessenheit ging ihr tierisch auf die Nerven. „Haust du etwa ab Richtung Slytherinschlafsaal?", warf er ihr vor. Das war ihr nun wirklich zu blöd. Katie wandte sich ab, ohne ihm noch eines Blickes zu würdigen, und kletterte durch das Portraitloch. Wie nicht anders zu erwarten, folgte Dean ihr. „Du hast bestimmt nichts dagegen, wenn ich dich begleite", bemerkte er sarkastisch und passte sich ohne Probleme an ihr schnelles Tempo an. Wütend verschränkte Katie ihre Arme, doch auch das hielt Dean nicht davon ab, ihr zu folgen. Danke für so viel Vertrauen, dachte sie zornig und beschleunigte ihre Schritte noch. Als sie dann tatsächlich die Stufen in den Kerker nahm, die auch zur Küche führten, schnaubte Dean abfällig. „Alle Welt bemitleidet dich, weil du schweigst, aber das scheint ja nur Show zu sein. Kein Problem für mich, ich wollte mir eh irgendwann einmal den Gemeinschaftsraum von Slytherin ansehen. Dort sprichst du wahrscheinlich auch wieder" warf er ihr mit sarkastischem Unterton vor. Wütend ballte Katie die Fäuste. Was für ein Idiot! Sie atmete tief ein und aus, um sich in den Griff zu bekommen und ihn nicht doch anzuschreien. Am liebsten würde sie ihm eine reinhauen, so richtig mit Schwung.
Katie war so wütend, dass sie beinahe an dem Gemälde mit der Obstschale vorbeigegangen wäre. Kurz vor knapp kam sie zum Stehen und kitzelte die Birne fast ein bisschen grob und betrat den wuseligen Raum voller Hauselfen. Natürlich war Dean ihr gefolgt und stellte erstaunt fest: „Hier ist also die Küche." Katie verdrehte die Augen und ließ sich auf einen der Besucherstühle fallen, auf denen man den Hauselfen nicht im Weg war. Sein Misstrauen nervte sie gewaltig und sie ging nicht davon aus, dass er seine Lektion gelernt hatte, nur weil er jetzt mit ihr in der Küche saß. Eine der Hauselfen, die sie schon von vorherigen Besuchen mit Fred und George kannte, stellte ihnen einen Teller mit Schokoladenkeksen und Kakao hin. Trübsinnig starrte sie in ihre Tasse und ignorierte Dean, so gut es eben ging. Irgendwie hätte es ihr schon vorher klar sein müssen, dass sie auch hier nicht zur Ruhe kommen würde, vor allem nicht wenn ein aufdringlicher Dean sie bewachte.
„Bist du oft hier?", fragte Dean nach einer Weile, in der sie beide ihren Gedanken nachgehangen hatten. Katie warf ihm einen finsteren Blick zu und bevorzugte es, ihn weiterhin zu ignorieren. Irritiert stellte sie fest, dass sein sarkastischer Ton einem nachdenklichen gewichen war, doch sie war noch lange nicht bereit, darauf einzugehen. Wieder schwiegen die beiden und Katie begann, die Schokoladenkekse in den Kakao zu tunken, bevor sie sie aß. Die Wärme tat ihr gut und drängte die Wut auf Dean und die ganze Welt langsam zurück. Besser fühlte sie sich trotzdem nicht, denn jetzt dachte sie wieder an Adrian. Was er wohl gerade machte? War er mit den Gedanken vielleicht auch bei ihr?
„Du musst bald zum Training, Katie", erinnerte Dean sie schließlich nach einer Ewigkeit. Katie streckte sich und schaute auf die Uhr. Er hatte recht, sie hatte fast ihre komplette Freizeit hier unten mit Grübeln verbracht. Mit Genugtuung stellte sie fest, dass auch Dean somit seine Freizeit völlig ergebnislos mit ihr verschwendet hatte. Selbst dran schuld, dachte sie gehässig und stand umständlich auf.
In diesem Moment öffnete sich die Tür und ein ziemlich verdutzter Miles stand vor ihr. „Kates!", rief er erstaunt aus und wandte sich um. „Adrian, Bell ist in der Küche, ich glaube, wir müssen wieder gehen."
Katie erstarrte. Adrian war hier und würde gleich die Küche betreten. Sie sollte jetzt dringend gehen, aber ihre Füße gehorchten ihr einfach nicht. Ihr ganzes Herz sehnte sich nach ihrem Freund, sie wollte ihn endlich, endlich, endlich wieder umarmen. Sie schluckte schwer und ballte hilflos die Fäuste. Selbst Dean sagte nichts und schaute nur verwirrt zu Miles.
„Auf keinen Fall", erwiderte Adrian mit indifferentem Gesichtsausdruck und schob Miles rabiat zur Seite. „Verpiss dich, Thomas", knurrte er noch in Deans Richtung, doch sein Blick lag auf Katie. „Hey Kates, schön dich zu sehen", sagte er sanft und öffnete seine Arme.
Katie biss sich auf die Lippen, doch lange hielt sie es nicht aus. Mit einem lautlosen Seufzer warf sie sich in seine Arme und er drückte sie fest an sich. Mühsam kämpfte sie die Tränen nieder, nur ein Zittern, das ihren ganzen Körper erfasste, verriet sie. Ich hab' dich so vermisst, dachte sie und schmiegte ihre Wange an seine Brust. Dass sie es nicht laut aussprechen durfte, brach ihr fast das Herz. Als er ihr kleine Küsse auf ihr Haar gab, ließ der Druck zum ersten Mal seit Tagen nach und Katie blinzelte doch ein paar heimliche Tränen weg. Es könnte alles so schön sein, wenn es ihre Mitschüler nicht ständig so kompliziert machen würden. Mein Adrian, dachte sie liebevoll und schaute zu ihm auf. Er erwiderte ihren Blick mit einem Sturm in seinen blauen Augen.
„Ich hasse es, dass wir uns nicht treffen können", gestand Adrian leise. Ich hasse es auch, dachte Katie und biss sich auf die Lippen, damit die Worte unausgesprochen blieben. Du fehlst mir so, dachte sie noch und vergrub ihre Finger in seinem Shirt. Tief atmete sie seinen Geruch ein und genoss seine Wärme. Sofort machte sich das altbekannte Kribbeln in ihr breit.
„Boah, wenn ihr jetzt knutscht, kotze ich", beschwerte sich Miles und untersuchte die restlichen Schokokekse. Adrian ignorierte ihn gelassen.
Dean schwieg merkwürdigerweise. Von ihm hätte Katie eigentlich direkt mit Protest gerechnet. In seiner Vorstellungswelt war das hier doch der Supergau und Katie könnte jeden Moment irgendwelche Spieltaktiken verraten. Langsam löste sie sich von Adrian. Sie stand zu ihrem Wort und musste den Kontakt zu Adrian so gering wie möglich halten, auch wenn sie große Lust hatte, genau jetzt alles hinzuwerfen. Die letzten Tage waren an ihre Substanz gegangen, das spürte sie gerade mehr denn je. Inzwischen sah sie genauso schlecht aus wie Oliver. Leanne wurde es nicht leid, ihr das unter die Nase zu reiben. Sie musste jetzt gehen, sonst geriet alles außer Kontrolle.
Mit leidender Miene wandte sich Katie ab. „Warte!", befahl da auch schon Adrian und hielt sie am Handgelenk zurück. „Ich hab' noch nicht genug. Nur eine Minute noch", verhandelte er, ohne eine Miene zu verziehen, wie ein echter Slytherin. Er zog sie gegen ihren stummen Protest erneut in seine Arme und drückte sie fest an sich. Sie konnte nicht widerstehen und glitt mit einer Hand unter sein Shirt. Wieso fühlte er sich nur so verdammt gut an? Das machte den Abschied wirklich nicht leichter. Adrian vergrub seine Nase in ihren Haaren und rieb anschließend seine Wange an derselben Stelle. „Du riechst immer noch so gut", murmelte er abwesend. „Aber du siehst nicht gut aus, Kates", fügte er hinzu. Katie seufzte nur lautlos und zuckte mit den Schultern, bevor sie etwas Abstand zwischen sich und ihren Freund brachte. Der Sturm in seinen Augen wütete immer noch mit derselben Intensität und sie schluckte unweigerlich. Zärtlich strich sie mit den Fingerspitzen über seine Wange bis zu seinem Kinn. Er fing ihre Finger ein und hauchte einen sanften Kuss darauf, bevor er sie losließ. „Halt' durch, bald hat die Aufregung ein Ende."
„Das wird auch Zeit, Quidditch hin oder her. Wood sieht genauso scheiße aus wie Bell." Miles schnaubte. „Und wenn Marcus nicht den gröbsten Hyppogreifenmist von seinem Team fernhalten würde, dann hättest du auch so dunkle Augenringe wie deine Freundin, Adi."
Adrian warf Miles einen undefinierbaren Blick zu und legte einen schützenden Arm um Katie. „Es ist einfach an der Zeit, dass wir etwas ändern", gestand er ganz ohne seine übliche Arroganz. „Anscheinend liegt es wie immer an uns Slytherins, den ersten Schritt zu machen."
„Das letzte Mal, als ein Slytherin etwas in Hogwarts ändern wollte, ist ein Basilisk in den Keller eingezogen", bemerkte Dean nicht völlig ernst. Miles warf ihm zur Antwort lässig einen angebissenen Schokoladenkeks an den Kopf.
Katie dagegen war eindeutig alarmiert. Hatte Adrian Probleme mit seinen Hausgenossen? Was war los bei den Slytherins? „Gut gemacht, Bletchey", lobte Adrian sarkastisch, als er ihren beunruhigten Gesichtsausdruck sah. „Jetzt macht sie sich Sorgen um nichts und wir können es noch nicht einmal ausdiskutieren." Miles bewarf daraufhin Adrian mit einem Keks, doch der fing ihn dank seiner geübten Jägerreflexen auf und warf ihn ohne hinzusehen auf den nächsten Tisch. „Mir geht es gut. Marcus hält mir wie immer den Rücken frei", besänftigte er Katie. „Aber wenn du mich trösten willst", fügte er mit einem kleinen listigen Grinsen hinzu, „nehme ich dich gern mit in meinen Gemeinschaftsraum."
Katie verdrehte mit einem traurigen Lächeln die Augen und schüttelte stumm den Kopf. Nun wandte sich endgültig zum Gehen. Adrian dagegen griff nach ihren Händen und hielt sie fest. „Du und dein verdammter Gryffindorstolz. Du willst doch gar nicht gehen", sagte er ernst und strich ihr über die Wange. „Bleib' bei mir für heute Nacht und du wirst es nicht bereuen", fügte er noch hinzu und lächelte verschmitzt, während Miles im Hintergrund so tat, als müsse er sich übergeben. Deprimiert schüttelte sie den Kopf und zog die Schultern nach oben. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie sehr sie sich das wünschte und wie viel Kraft es sie kostete, standhaft zu bleiben. Adrian stöhnte und verzog leidend das Gesicht. „Aber die Nacht nach dem Spiel gehört uns", bestimmte er, „im Bett des Gewinners. Also in Slytherin."
Lächelnd hob Katie beide Daumen. Sie konnte es jetzt schon kaum noch erwarten, dass dieses vermaledeite Spiel endlich um war. Trotzdem würde sie alles dafür geben, um zu gewinnen. Provozierend langsam öffnete Katie ihre Sweatjacke und präsentierte Adrian ihr Top, auf dem der Gryffindor-Löwe brüllte. Als Adrian nicht auf ihr Top, sondern lediglich grinsend in ihren Ausschnitt schaute, schnipste Katie vor seinen Augen und deutete auf den Löwen. Wir werden gewinnen, dachte sie und lächelte herausfordernd.
„Vergiss es, Gryffindor", antwortete Adrian herablassend wie eh und je. „Dieses Spiel gewinnt ihr nur über Marcus' Leiche. Ich freue mich schon auf meine Belohnung." Katie grinste und machte eine abwertende Handbewegung. Niemals. Rückwärts lief sie zur Tür. Es tat ihr unglaublich leid, ihn hier stehenlassen zu müssen, aber immerhin fühlte sie sich jetzt schon besser. An der Tür warf sie ihm eine Kusshand zum Abschied zu und machte eine rüde Geste in Miles' Richtung. Beschwingt lief sie durch die Gänge, dicht gefolgt von dem immer noch schweigenden Dean. Jetzt vermisste sie Adrian zwar umso mehr, aber ihr unverhofftes Wiedersehen hinterließ ein warmes Gefühl in ihrer Brust, das ihr Kraft für die nächsten Tage geben würde. Sie schlang ihre Arme um sich, um Adrians Geruch noch ein wenig auf ihrer Kleidung zu konservieren.
Vor dem Porträtloch blieb Katie stehen, damit Dean das Passwort sagen konnte, doch der sah sie nur schweigend an. Ungeduldig deutete sie mit dem Daumen auf die Fette Dame und tippte mit dem Fuß auf den Fußboden. „Hör' zu, Katie", sagte er schließlich und senkte den Blick. „Es tut mir leid. Das alles. Du hast das nicht verdient. Mimbulus Mimbeltonia." Die Fette Dame schwang zur Seite, doch Katie sah Dean nur irritiert an. Wo kam denn dieser Meinungsumschwung her? Zögernd nickte sie und betrat den Gemeinschaftsraum, um Oliver zu suchen, der bestimmt schon ihre Quidditchtasche gepackt hatte. Nun war der Rädelsführer der Anti-Slytherin-Bewegung endlich zur Vernunft gekommen, doch Katie fühlte keine Genugtuung. Dafür hatte sie viel zu sehr unter den Lästereien und ihrem Schweigen gelitten.
„Ich hätte nie an dir zweifeln dürfen", ergänzte Dean noch niedergeschlagen, aber Katie zuckte nur mit den Schultern. Das schlechte Gewissen stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben, doch damit musste er allein zurechtkommen und das hatte er auch verdient.
„Training!", brüllte da auch schon Oliver schwer beladen.
Vielleicht, dachte Katie, war Deans Entschuldigung ja der Silberstreif am Horizont, auf den sie schon so lange wartete.
Das war's. Ich hoffe, ihr habt alle mit Katie mitgelitten (auf die angenehme Art natürlich) und den Herzschmerz genießen können. Es kann sein, dass dieses oder das nächste Kapitel nicht pünktlich ist, da die Feiertage nahen. Bis dahin: lasst mir bitte ein Review da!
