- 12 Stunden zuvor-

Während des Fluges zu Shields Hauptquartier beobachtete Fury seinen Gefangenen mit Adleraugen. Auch die Agenten, welche im Quinjet waren, hatten ihre Waffen nicht beiseitegelegt und waren bereit, bei der kleinsten Regung anzugreifen. Neben dem Gott stand ein Mediziner mit einer Spritze, in welcher noch mehr von dem Betäubungsmittel war. Das hochkonzentrieret Mittel sollte ausreichen, um einen Elefanten einige Stunden auszuschalten, ein normaler Mensch würde wahrscheinlich einen ganzen Tag verschlafen. In den Pistolen war eine geringere Menge gewesen, welche Shields übliche Zielpersonen für circa 12 Stunden außer Gefecht setzte. Genug Zeit, um einen Terroristen an einen anderen Ort zu bringen, welchen Shield vorher sorgfältig ausgewählt hatte. Doch der Stoffwechsel der Außerirdischen, die sich Götter nannten, machte das Berechnen einer angemessenen Dosis schwer. Deshalb hatte Fury veranlasst, mehr als eine Dosis mitzunehmen und Loki beim kleinsten Wimpernschlag erneut auszuknocken. Je länger der Gott unbeweglich blieb, desto größer wurde die Anspannung der Agenten. Aus Thors Daten hatten sie erwartet, dass die Wirkung nicht länger als 20 Minuten anhalten würde. Aber auch, als der Quinjet nach einer Stunde landete, war der Gefangene nicht aufgewacht.

„Report.", befahl der Direktor dem Mediziner.

„Herzschlag ist gleichmäßig, keine Veränderung in der Atmung. Der Patient befindet sich im Tiefschlaf."

„Fortfahren wie geplant."

Irgendetwas stimmte nicht. Loki war viel zu schnell umgefallen, als er betäubt wurde und schlief immer noch. Er reagierte nicht wie ein Gott, sondern wie ein normaler Mensch. Fury ging in Gedanken versunken hinter dem Mediziner und den Agenten, welche Loki in seine Zelle bringen würden, her.

Die Zelle war direkt nach der Invasion gebaut wurden. Da das alte Modell mit den Göttern abgestürzt war, hatte Fury einige Änderungen vornehmen lassen. Im Nachhinein war es zwar gut gewesen, dass die Zelle abgeworfen wurde, aber das Material war teuer und der Sicherheitsrat nicht gerade erfreut. Also wurde diese Funktion entfernt. Dafür war es in der neuen Zelle möglich, Betäubungsgas einzusetzen. Der Luft, welche durch die Klimaanlage kontrolliert wurde, konnten verschiedene Mengen des Gases zugeführt werden.

Dem Insassen war es nicht mehr möglich zu sehen, was außen vorging, da die Zelle auf drei Seiten von Stahlwänden umgeben war und die vierte Seite aus einem riesigen, sehr teuren, Einwegspiegel bestand. Die Kameras waren alle außerhalb der Zelle angebracht wurden, sodass der oder die Gefangene sie nicht zerstören oder verstellen konnten. Durch den Spiegel war trotzdem eine vollkommene Überwachung möglich.

Diese erfolgte in einem Kontrollraum, welcher hinter einer weiteren Stahlwand lag. Zwischen dem Einwegspiegel und der zweiten Stahlwand lag ein karger Raum, in welchem die Kameras angebracht waren. Er war mit einer Tür gesichert, deren Sicherheitsstufe nur Fury und einige wenige andere hindurchließ. Der Raum konnte für Verhöre genutzt werden, indem der Einwegspiegel sich mit einem Knopfdruck in normales Glas verwandelte. Alternativ war er als Hindernis gedacht, sollte es dem Insassen gelingen, das Spiegelglas zu zerschlagen.

An einer Ecke gab es eine Vorrichtung, durch welche Essen gereicht werden konnte, ohne dass Fluchtgefahr bestand. Die Klappe gab den Blick auf einen kleinen Raum frei, welcher nicht größer als einen halben Quadratmeter war. Wie bei einer Futterluke bei Tieren konnte immer nur eine Seite geöffnet werden. Es konnte also entweder Nahrung hineingestellt oder herausgenommen werden.

Fury beobachtete, wie der Anführer der Invasion in die Zelle gebracht und auf das Bett gelegt wurde. Der Mediziner zog eine Ampulle aus seinem Laborkittel und füllte sie mit dem Blut des Gefangenen, welches zur Analyse in Shield Labor gebracht wurde. Dann schloss sich die Tür, und der Direktor trat als Letzter mit aus dem Vorraum heraus. Loki war immer noch nicht erwacht und Fury hatte wichtigeres zu tun, als ihn anzustarren. Also befahl er den Agenten vor den Bildschirmen, ihn zu unterrichten, wenn es auch nur die kleinste Änderung gab und ging in sein Büro. Dort stellte er seinen Computer um, sodass er ebenfalls den Feed aus der Zelle sehen konnte und widmete sich dem Papierkram, den der Sicherheitsrat in einigen Stunden verlangen würde.

- 8 Stunden zuvor -

Ein Klopfen unterbrach Furys Arbeit. „Herein!", bellte er, ungehalten über die Störung, aber in der Hoffnung, dass es endlich Neuigkeiten geben würde. Auf dem Bildschirm hatte sich in den letzten Stunden nichts verändert.

Einer der neueren Agenten trat ein, legte wortlos eine Mappe auf den Tisch und blieb neben der Tür stehen, um auf weitere Anweisungen zu warten. Fury bedeutete ihm mit einer Handbewegung, sein Büro zu verlassen und öffnete die Mappe. Einige Papiere fielen heraus, welche der Direktor zu lesen begann.

Er runzelte die Stirn. Es schien, als hätten sich seine Vermutungen bestätigt. Die Ergebnisse des Bluttestes ihres Gefangenen waren aus dem Labor gekommen und zeigten klar, dass Loki menschlich war. Es gab keinen Hinweis darauf, dass in ihrer Zelle ein Wesen von einer anderen Welt schlief.

Diese Erkenntnis warf einige Fragen auf. Warum war Loki menschlich? Die Wahrscheinlichkeit war hoch, dass es mit seiner Bestrafung zu tun hatte. Schließlich war auch Thor menschlich, als er in New Mexiko vom Himmel fiel. Das würde auch erklären, warum er wieder auf der Erde war. Eine weitere interessante Frage war, wie er Stark dazu gebracht hatte, ihn aufzunehmen. Oder auch, wie er auf Stark gestoßen war.

Um eine Flucht zu verhindern, hatten sie alle Besitztümer entfernt, welche Loki bei sich hatte und ihm neue Kleidung angezogen. Seine Sachen würden ebenfalls untersucht werden, sahen aber auf den ersten Blick wie normale Kleidung von der Erde aus. Die Muster auf den Armen des Gefangenen waren faszinierend gewesen, weshalb detaillierte Fotos von ihnen an die Wissenschaftler gingen, welche alles erforschten, was mit Loki, Thor und Asgard zu tun hatte. Fury bezweifelte, dass es sich nur um normale Tattoos handelte. Vielleicht hatten sie mit der fehlenden Göttlichkeit des Zelleninsassen zu tun. Aber Vermutungen reichten nicht, ehe er nicht Gewissheit hatte, würde Fury alles, was mit dem ehemaligen Gott zu tun hatte, hinterfragen.

Fury drückte einen Knopf und sprach in das Kommunikationssystem des Hauptquartiers. „Agent Romanov, in mein Büro, sofort." Er lehnte sich zurück und wartete.

Nach wenigen Minuten klopfte es dreimal kurz an seiner Tür und Natasha trat ein.

„Sie haben nach mir verlangt, Direktor?"

„Ich nehme an, du weißt über unseren Gast Bescheid?"

Natasha war vor weniger als einer Stunde von einer Mission zurückgekehrt. Es wäre Fury lieber gewesen, wenn sie beim Einsammeln des Gottes dabei gewesen wäre, aber eine weitere Verzögerung hätte eventuell bedeutet, dass Stark vorbereitet war.

„Ja."

Fury nickte und schob die Mappe zu Black Widow. Diese überflog die Informationen und legte alles wieder geordnet auf Furys Tisch.

„Ich nehme an, ich werde die Befragung durchführen."

Fury nickte erneut. Es wäre dumm, wenn er nicht seinen besten Befragungsspezialisten benutzen würde.

„Einschränkungen?"

„Keine. Ich will wissen, wieso er verdammt nochmal dachte, es wäre eine gute Idee, halb Manhattan zu zerstören. Alles im Bezug auf Waffen und interplanetare Kriegsführung hat Vorrang. Danach alles über Asgard und die anderen Planeten, was uns nützen könnte. Wenn du mit ihm fertig bis, will ich wissen, ob er Ananas auf seiner Pizza ist und mit welchem Bein er morgens zuerst aufsteht, verstanden?"

„Natürlich. Ich nehme an, die Betäubung wirkt weiterhin?"

„Noch kein Mucks.", bestätigte Fury.

„Ich werde mir ein Bild von der Situation machen, wenn er aufwacht."

Mit diesen Worten erhob Natasha sich und verließ Furys Büro.

Natasha blieb noch einen Moment sitzen, nachdem sie die Befragung beendet hatte. Es war anders verlaufen, als sie es erwartet hatte. Zuerst die übertriebene Höflichkeit, als würde Loki davon ausgehen, dass sie ihr erstes Treffen vergessen hatte. Er hatte sogar vorgegeben, sie nicht zu kennen. Natürlich war er unauffällig geblieben und hatte keine direkten Aussagen gemacht, aber die Art, wie er sich vorstellte, als würde er nach ihrem Namen suchen, war sehr aufschlussreich. Doch als sie nicht auf seine Spielchen einging, war der Gefangene schnell zu seiner gewohnten Überheblichkeit zurückgekehrt.

Vielleicht war es ihm gelungen, mit seiner Menschlichkeit und einigen Lügen Stark zu täuschen, aber sie war bei weitem weniger gutgläubig. Leider reicht es bei dem Erfinder schon aus, in die Richtung von Folter zu deuten und sofort wurde er sympathisch. Loki hatte das wahrscheinlich ausgenutzt und so Zutritt zum Stark-Tower erhalten. Die rothaarige Agentin konnte Furys Entscheidung nur zustimmen. Ironman war eine gute Erweiterung der Avenger, Tony Stark jedoch völlig ungeeignet. Zu impulsiv und von seinen Gefühlen gelenkt. Und setzte man eine schöne Frau vor ihn, so vergas er alles, was um ihn herum geschah.

Doch auch Natasha hatte einen Unterschied in Loki erkannt. Allerdings konnte sie daran nichts Positives finden. Der Exgott hatte während der Invasion überheblich und verrückt gewirkt. Das hatte sie ausnutzen können, um ihn in eine Falle zu locken. Er hatte sich selbst über- oder aber die Menschen weit unterschätzt, was ihm zum Verhängnis wurde. Aber die Unterhaltung hatte eine andere Seite gezeigt. Loki war ruhiger und kalkulierter gewesen. Seine Abneigung der Menschen gegenüber blieb, aber er schien sie nicht mehr zu unterschätzen. Das würde es schwieriger machen, ihn auszutricksen, denn er würde auf der Hut sein.

Dennoch verließ Black Widow dem Raum mit einem Lächeln. Bisher hatte sie noch jeden bezwingen können, da standen auch die Chancen eines nordischen Gottes schlecht. Und je schwieriger die Schlacht, desto Süßer der Sieg. Mit diesem Gedanken ging Natasha zu Fury, um ihn über die Lage zu informieren.

Loki blieb nach der Befragung auf dem Bett liegen und gab der Agentin Zeit, sich aus dem Raum zu entfernen. Er hatte die Kameras gesehen, welche in dem kleinen Vorraum angebracht waren und wusste nun sicher, dass er zu jeder Zeit beobachtet wurde. Fürs erste war es das Beste, er ignorierte die stetige Überwachung. Je weniger er tat, desto langweiliger würde den Agenten werden. Unaufmerksame Wärter konnten ihm nur von Nutzen sein, auch wenn er keinen Plan hatte, welcher ihn aus seiner misslichen Lage befreien konnte.

Seine Magie juckte unter seiner Haut, aber er kannte keinen Weg, sie zu nutzen. Und als einfacher Mensch blieben ihm bis auf seine Intelligenz keine Optionen. Die Zelle war für einen Gott oder den Hulk gebaut worden, es war sogar ein bisschen übertrieben, den menschlichen Gott hier einzusperren. Zuerst musste er sich gedulden. Die Zelle war fest verschlossen, also würde Loki auf den riskantesten Teil einer jeden Situation warten müssen: die Menschen. Oder Asen oder Zwerge. Es war egal, von welchem Planeten das Wesen stammte, jedes fühlende Geschöpf brachte Schwierigkeiten mit sich. Wenn man nicht richtig plante, so konnten sie durch eine impulsive Handlung oder einen Stolperer den ganzen Plan zerstören.

Einige Zeit später, es gab keine Uhr, also wusste Loki keine genaue Zeit, öffnete sich eine Klappe in der Wand. Nach kurzem Überleben begab sich der Exgott zu der Öffnung und entnahm das Essen, welches sich in einem kleinen Raum befand.

Es schien, als hätte Shield an alles gedacht. Da selbst die Mahlzeiten keinen menschlichen Kontakt, so kurz er auch war, zuließen, musste sich der Schwarzhaarige fürs erste gedulden.

Skeptisch musterte er den gräulichen Brei. Auf Feldzügen war er gezwungen gewesen, schlimmeres zu essen, also schreckte ihn die Farbe nicht ab. Nichts konnte schlechter Schmecken als verkohltes Fleisch zweifelhafter Herkunft. Allerdings musste er auch die Möglichkeit einer Vergiftung in Betracht ziehen. Der Exgott war sich ziemlich sicher, dass Shield inzwischen wusste, dass er menschlich war. Wenn es ihnen nicht aufgefallen war, als er nicht einmal Angriff, als sie ihn festnahmen, so sollte Shield doch auch andere Methoden haben. Sein Arm wies Spuren eines Nadelstiches auf, also wurde sein Blut höchstwahrscheinlich untersucht.

Loki musste schmunzeln. Da hatte Fury angenommen, er könnte einen Alien untersuchen, aber leider war Loki zurzeit vollkommen menschlich. Das musste unglaublich frustrierend für den Einäugigen sein. Der schwarzhaarige liebte es, einäugige Herrscher zu irritieren. Da fühlte er sich fast schon wie zu Hause.

Loki versuchte, sich daran zu erinnern, was während Thanos' Kontrolle geschehen war. Es wäre von Vorteil, wenn er wenigstens den Namen der rothaarigen Agentin kannte. Er wusste, dass sie den Titel Black Widow trug. Allerdings war er sich nicht sicher, ob das ein Spitzname oder eine Jobbeschreibung war. Immerhin trug auch Clint Barton den Namen ‚Hawkeye'. War es bei Shield üblich, allen Agenten Decknamen zu geben, welche mit Tieren zu tun hatten? Oder gaben die Namen eine Hierarchie vor? Wenn es eine Hierarchie war, standen dann kleinere Tiere, wie die Spinne über oder unter den größeren Tieren? Oder ging es darum, wie gefährlich das Tier den Menschen sein konnte?

Der Exgott war sich ziemlich sicher, dass der Deckname keinen tieferen Sinn hatte, aber da er nichts Weiteres zu tun hatte, überlegte er, welche Tiere zu Fury passen könnten.

Panther waren zu majestätische Tiere, die Loki lieber mit sich selbst in Verbindung brachte. Aber schwarz müsste das Tier trotzdem sein, da der Direktor von Shield keine andere Farbe trug. Vielleicht eine Schlange? Geheimorganisationen mussten schließlich listig und schlau sein. Oder ein großer schwarzer Bär. Nein, das war eher ein Tier für Thor. Groß, laut und brachiale Gewalt waren definitiv Eigenschaften des Donnergottes.

Der Gefangene grinste. Er hatte das perfekte Tier gefunden. Eine Ameise. Shield mit seinen vielen Agenten konnte die Kolonie sein und Fury die Königin. Aber das Beste war, dass Loki in dieser Analogie der Stiefel sein konnte, der die Ameisen zerquetschte.

Lokis Lächeln verblasste, als ihm auffiel, dass etwas nicht stimmte. Langsam setzte er sich auf und sah sich in der Zelle um. Die Tür, durch welche das Essen kam, war geschlossen und auch sonst hatte sich in dem weißen Raum nichts verändert. Dennoch hatte der Schwarzhaarige ein ungutes Gefühl.

Er schloss seine Augen. Es gab kein merkwürdiges Geräusch. Die Luft hatte sich nicht verändert, soweit er es erkennen konnte.

Als er die Ursache des Problems erkannte, war es bereits zu spät. Sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Er wollte Schreien, doch seine Muskeln verkrampften und kein Laut kam ihm über die Lippen. Es fühlte sich wie Stunden an, doch der Anfall dauerte nur Sekunden, ehe Lokis Sicht verschwamm und das weiß der Zelle zu allumfassendem schwarz wurde.

„Du nennst dich ein Genie und dein Plan ist, dir deinen Weg frei zu sprengen?" Clint schüttelte seinen Kopf. „Das wird nicht funktionieren."

Tony seufzte. „Naja, das ist Plan B. B wie befriedigend. Denn ich würde zu gerne einfach alles in Schutt und Asche legen. Obwohl, das ist eher Brucies Ding. Ich bin mir ziemlich sicher, dass grün nicht meine Farbe ist."

„Und was ist Plan A? Denn Fury würde dich vom Himmel holen, ehe du Shields Hauptquartier überhaupt siehst." Clint lehnte sich zurück und sah Tony skeptisch an. „Du weißt selbst, dass ein direkter Angriff nicht funktioniert."

Der Erfinder seufzte. „Ich weiß. Jarvis hat sich durch Shields Server gehackt und so viel brisantes Material gefunden, wie er nur konnte. Wenn ich zu Fury gehe und ihm damit drohe, seine tiefsten Geheimnisse aufzudecken, habe ich vielleicht eine Chance, Loki zu befreien."

„Und du denkst, er übergibt dir Loki einfach so? Und dann spaziert ihr in den Sonnenuntergang?"

„Haha. Nein, wahrscheinlich hat Fury irgendeinen Plan für solche Fälle. Ich muss es nur schaffen, Jarvis in das Innerste des Systems zu bringen. Dann kann er sich in das Hauptquartier hacken und für Ablenkung sorgen. Fehlalarm, Stromausfall, das ganze Programm. Hoffentlich kann ich während der Unruhe Bambi befreien und abhauen, bevor Fury etwas bemerkt."

„Das klingt besser. Aber ich glaube, ich kann es perfekt machen. Oder so perfekt wie es eben geht."

„Wie? Kennst du geheimere Informationen als ich?"

„Geheimere? Wie alt bist du, 12?", Clint lachte. „Zumindest weiß ich etwas, mit dem du ihm wirklich Angst machen kannst. Außerdem hast du mich in deinem tollen Plan vergessen."

„Ich hatte noch keine Zeit, dich einzuplanen. Nun sag schon, was ist der neuste Klatsch und Tratsch?"

„Shield ist eine riesige Organisation mit den neusten Waffen, klasse Technik und den besten Agenten. Irgendwie muss das alles bezahlt werden."

„Vater Staat trägt die Rechnung, ja und? Hat Fury etwa seine rosa Pantoffeln als Firmenausgaben angegeben?", unterbrach Tony den Bogenschützen.

„Nein. Wenn du mich ausreden lässt, erkläre ich es. Also, Shield ist teuer. Ja, teilweise werden wir, naja jetzt wohl eher sie, vom Staat finanziert, aber der größte Geldgeber ist eine Privatperson."

„Und du kennst ihn und er schuldet dir noch was! Klasse Idee, Vögelchen, damit haben wir Fury praktisch in der Tasche. Von wie viel Geld reden wir hier?", aufgeregt stand der Erfinder auf und spielte mit einem der Hologramme.

„Ungefähr 80% aller Shield-Ausgaben. Aber der Sponsor schuldet mir nichts."

„Aber…"

„Lass mich ausreden!", Barton holte tief Luft, um sich wieder zu beruhigen. „Du bist der Sponsor."

Tony blieb wie erstarrt stehen. „Was?", brachte er nach einigen Sekunden hervor.

„Howard, dein Vater, hat Shield mit aufgebaut. Er hat dafür gesorgt, dass ein Teil der Einnahmen von Stark Industries direkt in die Organisation geht. Die einzige Forderung war, dass weiter nach Captain Rogers gesucht wird. Er konnte seinen Freund nicht aufgeben und hat dafür gesorgt, dass die Suche nicht wegen mangelnder Mittel und Ergebnisse abgebrochen wird."

Das Gesicht des Erfinders verdunkelte sich. Captain Amerika. Natürlich musste es immer auf ihn hinauslaufen. Für seinen Sohn hatte Howard Stark nie Zeit gehabt, aber sicherzustellen, dass sein Freund auch nach Jahrzehnten nicht vergessen wird, dass konnte er.

Tony schüttelte seinen Kopf. Immerhin war sein Vater für etwas gut gewesen. Solange es ihm half, den Exgott aus Shields Fängen zu befreien, waren ihm die Mittel ziemlich egal. Während Fury dem Geld hinterherrannte, konnte der Erfinder seinen Freund befreien.

„Jarvis, durchsuche unsere Finanzen. Ich will genau wissen, wie viel Geld zu Shield fließt. Mach dich bereit, die Konten sofort zu sperren. Wenn Nick Geld will, muss er es sich zukünftig woanders besorgen."

„Tony, Stopp!", Clint stellte sich vor den aufgebrachten Milliardär. „Wir brauchen das Geld als Druckmittel, um Loki zu befreien. Lass Fury in dem Glauben, dass er alles unter Kontrolle hat. Wenn wir Loki haben, kannst du die Konten immer noch schließen."

Mit einem Seufzen nickte der Erfinder. „Du hast Recht, für Rache bleibt später noch Zeit."

„Genau. Nun zu meinem Anteil an der Rettungsaktion. Während du den Direktor ablenkst, werde ich Jarvis ins Hauptnetzwerk bringen. Es gibt genug Punkte, an denen das nicht so schwer ist. Es wird niemand Verdacht schöpfen, wenn ich zu Lokis Zelle gehe. Sie werden Denken, ich will Rache. Dann sollte Jarvis hoffentlich in der Lage sein, mir alle Türen zu öffnen. Ich schalte die Agenten aus, die ihn bewachen, während dein AI die Sicherheitskameras überlistet. Im Idealfall bin ich wieder draußen, ehe sie auch nur bemerkt haben, dass ihnen ein Gefangener fehlt."

Auch wenn er zu 95% sicher war, dass Clint auf seiner Seite stand, nagten die letzten 5% doch an Tony. Es wäre nützlich, nicht allein gegen Shield vorzugehen, aber wollte er wirklich Clint den Großteil der Rettung überlassen, während er die Ablenkung spielte?

Dem Agenten fiel das Schweigen des Erfinders auf. Er wusste, dass es Stark schwerfiel, ihm zu vertrauen. Schließlich hatte er sich sonst immer sehr vokal gegen Loki ausgesprochen.

„Ich meine es ernst Tony, ich werde dich nicht hintergehen. Jarvis kann jeden meiner Schritte überwachen."

„Ich… es tut mir leid, es ist einfach nur…"

„Schon okay. Ich bin ein Spion, das ist normal."

Clint war klar, dass Stark ihm nicht sofort mit so etwas Wichtigem vertraute, nachdem er Shield gerade erst den Rücken gekehrt hatte. Er konnte sehen, wie wichtig Loki dem Erfinder war, obwohl die beiden noch vor wenigen Wochen auf verschiedenen Seiten des Schlachtfeldes gestanden hatten. Auch wenn es weh tat, immer hinterfragt zu werden, er hatte die Hoffnung, Starks Vertrauen zu gewinnen. Und zumindest würde er sich Loki und Tony gegenüber nicht verstellen müssen.

„Jarvis, kannst du dich in Shields Innere Systeme hacken und alles so einstellen, dass ich nicht gesehen werde?", wandte der Bogenschütze sich an den AI, das vorherige Thema für den Moment in den Hintergrund geschoben,

„Natürlich Sir. Darf ich Ohrstecker für eine gesicherte Kommunikation empfehlen. Falls es zu Probleme kommt, kann ich diese sofort kommunizieren."

„Gute Idee, J. Okay, hier sind Shields Pläne. Welchen Weg willst du nehmen?"

Clint trat an die Karte. „Den direkten. Wenn ich wütend schaue, sollten sie mir alles abkaufen. Es hat immer ein Agent Schicht, der auf die Bildschirme sehen muss. Alle vier Stunden findet ein Wechsel statt."

Javis zeigte auch die Namen der Wachleute.

„Na dann los, wir haben nicht ewig Zeit.", Tony ging zu seiner Aktentaschenrüstung und war auf halben Weg zum Fahrstuhl, ehe Clints Stimme ihn zurückrief.

„Warte! Es wäre besser, wenn wir noch sechs Stunden warten."

„Was? Wir haben einen Plan, wieso sollten wir warten?"

„Du siehst so aus, als hättest du seit Tagen nicht geschlafen." Ehe Tony zu einer Ausrede ansetzten konnte, sprach der ehemalige Agent weiter. „Außerdem kenne ich den Wachmann, der in sechs Stunden Dienst hat. Ich kann ihn wahrscheinlich dazu bringen, mich zu Loki zu lassen. Das könnte uns einen wertvollen Vorsprung verschaffen."

Tony war hin und her gerissen. Einerseits wollte er Loki so schnell wie möglich zurückhaben. Andererseits war er wirklich müde und wollte ihre Chance nicht verspielen, weil er vor Fury einschlief oder etwas vergas.

„Ihre Leistungsfähigkeit wäre es zuträglich, wenn Sie einige Stunden schlafend verbringen.", mischte sich auch Jaris ein.

Resigniert nickte Tony und legte sich auf die Couch. „J., gibt Clint den Ohrstöpsel und was er sonst noch braucht. Weck mich in vier Stunden."

„Natürlich. Wenn sie in den Fahrstuhl treten könnten, Mister Barton."

Jarvis dimmte das Licht, nachdem sich die Türen mit einem leisen Ding geschlossen hatten und Tony fiel in einen unruhigen Schlaf.