A/N: So, und hier ist Kapitel 12. Es beginnt wieder mit einem Abschnitt in der Gegenwart und spielt dann ein paar Monate später in ihrem ersten Schuljahr. Viel Spaß dabei!


Kapitel 12:

Ja, das war wirklich einer der schönsten Tage in Hogwarts.", meinte Skyla und strich ihr nasses braunes Haar hinter ihre Ohren.

Jedenfalls einer der schönsten in unserem ersten Schuljahr.", stimmte George ihr zu.

Er fehlt mir so.", sagte Skyla. Ihr fehlten seine leuchtenden dunkelblauen Augen, seine warmen Umarmungen und sein unglaubliches Lächeln. Sie vermisste seine zarten Berührungen und sein langes rotes Haar, wenn es sie kitzelte. Ihr fehlte sein Geruch, wenn er neben ihr stand, sie in den Arm nahm oder sie sich an ihn kuschelte. Dieser Geruch war so ganz anders als der seines Zwillingsbruders.

Ja, mir auch." George nahm sie in den Arm. Es war nicht das gleiche. Sie fühlte sich wohl in seiner Gesellschaft und sie war auch froh, dass er bei ihr war. Aber er war nicht Fred, auch wenn er ihm so ähnlich war. Skyla seufzte.

Einige Zeit sahen sie schweigend auf das Grab. „Erinnerst du dich noch an den Tag, als wir die Karte gefunden haben?", fragte George.

Ja. Das war einer der chaotischten Tage, die ich je erlebt habe und ich bin mit euch aufgewachsen." Ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht und George lachte leise.

Dabei fing er so harmlos an.", erinnerte sich der rothaarige junge Mann.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Es war kurz vor Weihnachten in ihrem ersten Schuljahr. Seit ihrem Streit zu Beginn des Schuljahres verstanden sie sich besser als je zuvor. Es gab zwar immer mal wieder die ein oder andere Meinungsverschiedenheit, aber in denen ging es meistens um Quidditch. Fred und George fieberten ihrem Bruder Charlie mit, der für das Team der Gryffindors spielte. Skyla und Emily hingegen unterstützten ihr eigenes Haus Hufflepuff. Vor allem Emily war immer besonders begeistert, wenn die Hufflepuffs spielten und auch gewannen. Der Grund dafür war ein hochgewachsener Fünftklässler namens Max Cicatricosus, der Jäger in ihrem Quidditchteam war und ihr den Kopf verdreht hatte.

Es verging kein Tag, an dem Emily nicht über ihn sprach. Sie hatte auch das Verlangen ihn jeden Tag mindestens einmal zu sehen, und wenn sie dafür einen Umweg machen musste.

Skyla verstand die ganze Aufregung nicht. Mit seiner Narbe sah Max nicht einmal gut aus. Sie fand ihn ein wenig unheimlich, weil er immer ganz plötzlich auftauchte und nur wenig sagte.

Als Emily ihn am ersten Abend in Hogwarts gesehen hatte, war er ihr nicht weiter aufgefallen. Erst als sie ihn das erste Mal spielen sah, war es um sie geschehen. Sie konnte an nichts anderes mehr denken.

Das Problem war nur, dass Max sie nicht wahrnahm. Für ihn war sie nur eine von vielen Erstklässlern, die nicht weiter wichtig waren und nur Lärm im Gemeinschaftsraum machten und somit die ganzen Fünftklässler bei ihren ZAG-Vorbereitungen störten. Erschwerend kam dann noch die Tatsache hinzu, dass Emily kein Wort heraus brachte, wenn er in ihrer Nähe war oder sie sogar mal ansprach.

Skyla wusste als einzige von Emilys Schwärmerei. Sie hatte ihrer besten Freundin verboten, es irgendjemandem zu erzählen und das schloss auch Fred und George mit ein. Denn Emily hatte Angst, dass die Zwillinge sie auslachen und sie damit aufziehen würden. Skyla versuchte zwar, sie davon zu überzeugen, dass dies nicht der Fall sein würde, aber Emily ließ sich nicht umstimmen. Und so hielt sich Skyla an ihr Versprechen, denn ein Versprechen war ihr heilig, egal, wem sie es gab.

Es war ein Freitagmorgen. In der nächsten Woche sollten die Weihnachtsferien beginnen. Die vier hatten verabredet, dass sie in Hogwarts bleiben wollten.

Die beiden Mädchen saßen wie immer schweigend beim Frühstück. Jede hing ihren eigenen Gedanken nach. Skyla ging noch einmal die Zaubersprüche durch, die sie in den letzten Monaten im Zauberkunstunterricht gelernt hatten, denn Professor Flitwick hat ihnen angedroht, sie zu prüfen. Der kleine Professor war nämlich am Ende der letzten Stunde so genervt von ihnen, weil Skyla und Emily mal wieder etwas Verwirrung gestiftet hatten, indem sie ihre Mitschüler mit kleinen Zaubereien manipuliert hatten und sie so am Lernen gehindert hatten.

Plötzlich hörte sie, wie Emily neben ihr scharf die Luft einzog. Skyla schreckte auf.

„Was ist?", fragte sie und sah ihre beste Freundin an. Doch diese starrte nur auf einen Fleck ein Stück den Tisch hinunter. Skyla folgte ihrem Blick und sie sah, wie sich Max an den Tisch setzte. Sie rollte mit den Augen. Zum Glück hatte Emily das nicht gesehen, denn diese wurde dann immer sehr wütend.

„Geh zu ihm und sprich ihn an!", forderte sie ihre Sitznachbarin auf.

„Spinnst du? Dann merkt er doch sofort, dass ich ihn toll finde."

„Soll er das nicht? Ich meine, wenn du es nicht tust, wie soll er dann auf dich aufmerksam werden?"

„Der wird schon noch auf mich aufmerksam.", meinte Emily schwärmerisch. Skyla nickte nur. Wenn sie das glauben wollte, sollte sie das. Sie hatte keine Lust, schon wieder zu streiten, wenn sie jetzt eine Bemerkung machte, die Emily nicht gefiel.

„Sag mal, hast du die ganzen Zaubersprüche für Flitwick gelernt.", versuchte Skyla das Thema zu wechseln und in etwas sichere Gefilde zu lenken.

Emily ging auch prompt darauf ein. „Ja. Eigentlich kann ich die Zaubersprüche, aber wenn ich geprüft werde, dann fällt mir bestimmt nichts mehr ein und ich bring alles durcheinander."

„Ach, Quatsch, das glaube ich nicht. Notfalls helfe ich dir", meinte Skyla.

„Danke. Du bist die beste.", antwortete Emily und umarmte sie.

„Wer ist die beste?", fragte Fred, der mit George an ihren Tisch kam.

„Skyla.", sagte das schwarzhaarige Mädchen und rückte etwas auf, damit sich die Zwillinge auch an den Tisch setzen konnten.

„Natürlich ist sie die beste.", erwiderten die Zwillinge einstimmig und nahmen Platz. „Ihr seid beide die besten."

„Ja, wir haben von eurer Glanzleistung bei Flitwick gehört.", grinste Fred.

Die Mädchen grinsten ebenfalls.

„Leider fand Flitwick das nicht so amüsant. Er hat uns beiden ne Strafarbeit aufgegeben. Unser Aufsatz musste länger sein als der der anderen. Außerdem hat er uns angedroht, uns zu prüfen.", erzählte Emily.

„Naja, man muss halt ein paar Opfer bringen.", lachte George.

„Aber wir sollten jetzt los. Kräuterkunde fängt gleich an." Die Mädchen nickten und nahmen ihr Toast in die Hand. Dann standen alle vier auf und gingen aus der Halle. In der Tür warf Emily noch mal einen Blick zurück auf Max.

Auf den Ländereien des Schlosses lag schon seit Ende November ein großer Batzen Schnee. Fast jeden Tag kamen neue Massen hinzu und es war extrem kalt. In dicke Mäntel und einen warmen Schal gepackt machten sie sich auf den Weg zu den Gewächshäusern.

„Ich bin froh, wenn der Tag heute rum ist, und wir endlich Ferien haben.", meinte Skyla und knetete ihre Finger, damit sie nicht kalt wurden.

Auch die Schüler, die bereits auf Professor Sprout warteten, versuchten sich auf die ein oder andere Art zu wärmen. Einige hüpften auf und ab und spritzten damit die umstehenden mit matschigem Schnee voll, andere hauchten in ihre Hände oder rieben sich die Oberarme.

„Ja, ich auch.", sagte Cedric, der direkt neben ihr stand. „Endlich ein bisschen Erholung."

„Fährst du eigentlich nach Hause?", wollte George wissen.

Skyla blickte zu Fred. Er sah Cedric mit diesem skeptischen Blick an. Der junge Weasley schien Cedric immer noch nicht zu mögen.

„Ja, wir verbringen jedes Jahr Weihnachten bei meinen Großeltern in Irland. Meine Mutter kommt da her und ihre Eltern leben dort immer noch.", erzählte der Junge mit den grauen Augen. „Wie sieht es bei euch aus?" Er sah von Skyla zu Emily und dann zu den Zwillingen.

„Wir bleiben hier.", meinte Skyla. „Meine Eltern wollen endlich mal wieder in Urlaub fahren und da mein Bruder Dienst im Krankenhaus hat und ich hier in Hogwarts bleiben kann, wollen sie nach Norwegen, wo die Schwester meiner Mutter wohnt."

„Wow, Norwegen. Ist bestimmt ein tolles Land. Warst du da schon einmal?", fragte Cedric.

„Ja, aber da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Ich war damals glaub ich 4 oder 5 Jahre."

„Das heißt du kennst deine Tante und ihre Familie nicht?"

„Doch, sie kommen mindestens alle zwei Jahre nach England. Meine Tante ist nach ihrer Hochzeit mit meinem Onkel nach Norwegen gegangen, denn dort kommt er her. Also ist meine Tante immer auf Heimatbesuch."

„So, Kinder kommt herein." Professor Sprout kam und schloss das Gewächshaus auf. Die Schüler drängten sich hinein.

„Ich wusste gar nicht, dass du Verwandte in Norwegen hast.", meinte Fred vorwurfsvoll. Er stand neben Skyla.

„Aber ich hab euch das doch erzählt."

„Mir nicht."

„Doch, ganz sicher. Frag doch deinen Bruder."

Fred drehte sich zur anderen Seite. „George, wusstest du, dass Skyla Verwandte in Norwegen hat?"

„Ja, das hat sie doch erzählt, als sie uns sagte, dass sie in Hogwarts bleiben wird.", meinte dieser.

„Warum weiß ich davon nichts?"

„Keine Ahnung. Vielleicht, weil du mal wieder nicht richtig zugehört hast, oder warte mal, ich glaub da warst du gar nicht dabei.", erinnerte sich George. „Ja, du musstest zu McGonagall wegen der Sache mit den Maden."

„Ah okay.", meinte Fred grinsend. Mitte November hatten Fred und George an den Rändern des Verbotenen Waldes ein Nest mit Maden entdeckt. Mit den Maden waren sie zurück ins Schloss gegangen und hatten damit Filch geärgert. Der Hausmeister hatte sie zu McGonagall geschickt und sie mussten mit Filch alle Badezimmer putzen. Das natürlich ohne Magie und Zauberei.

„Heute will ich mit euch noch einmal die Dinge wiederholen, die wir die letzten Monate durchgenommen haben.", sagte Professor Sprout laut und die Schüler hörten auf zu reden und wurden leise. Nach den zwei Stunden rauchten ihre Köpfe, weil Professor Sprout sie noch mal mit allen Fakten und Hinweisen zu den einzelnen Pflanzen und ihre Wirkungen, die sie in den letzten 4 Monaten durchgenommen hatten, bombardierte.

„Wir sollten die Ferien durch etwas Spektakuläres einläuten.", meinte Fred, als sie in der Pause auf dem Hof standen.

„Klingt gut. Was hast du vor?"

„Wir haben noch ein paar Feuerwerksknaller und Stinkbomben.", grinste er. Er neigte den Kopf nach vorne und erklärte ihnen flüsternd seine Pläne.

„Du willst das wirklich bei Snape machen?", fragte Skyla skeptisch. „Ist das nicht ein bisschen riskant?"

„Keinen Spaß ohne Risiko!", meinte Fred und auf seinem Gesicht machte sich wieder das verschwörerische Grinsen breit. Die anderen drei ließen sich davon anstecken und nickten.

-------

Nach der Pause verabschiedeten sich die vier von einander und gingen in ihren Unterricht. Die Zwillinge hatten Verwandlung bei McGonagall und die Mädchen Zauberkunst bei Professor Flitwick.

Er machte seine Drohung nicht wahr und die beiden wurden nicht geprüft. Allerdings behielt er sie strenger im Auge als die anderen Schüler. Doch Skyla und Emily hielten sich zurück, denn sie wollten die anderen in Sicherheit wiegen, bevor sie zuschlagen wollten.

Nach dem Mittagessen gingen die vier hinunter in die Kerker. Fred hatte alle wichtigen Vorbereitungen getroffen und jeder wusste, was er zu tun hatte.

Miesepetrig wie immer öffnete Snape die Tür zu seinem Kerker und sie nahmen ihre üblichen Plätze in der letzten Reihe ein.

„Heute werdet ihr folgenden Zaubertrank für mich brauen, die ich dann über die Ferien benoten werde, denn er braucht nach der Zubereitung noch 2 Wochen, um seine volle Wirkung zu entfalten. Wenn ihr ihn richtig zu bereitet haben solltet, dann wird er die richtige Wirkung haben." Snape gab ihnen mit einem Schlenker seines Zauberstabes das Rezept auf die Tafel.

Konzentriert arbeiteten sie an ihren Zaubertränken. Alles verlief ruhig. Snape saß an seinem Schreibtisch und korrigierte Aufsätze. Fred gab ihnen ein Zeichen.

Emily und er zogen die Feuerwerkskörper hervor und entzündeten sie. Dann zielten sie. Emily traf mit ihrem Knaller den Kessel von Simon Shelter und Fred warf ihn in Cedrics Kessel.

Skyla sah ihn scharf an, doch er zuckte nur mit den Schultern.

Die beiden Knaller explodierten sofort. Simon und Cedric schrien laut auf und beide waren von oben bis unten nassgespritzt. Die Schüler, die direkt neben den beiden saßen, sprangen von ihren Plätzen auf, um so das gröbste zu verhindern.

Snape blickte auf und starrte die Klasse wütend an. Dann zuckte er seinen Zauberstab und ließ die kleinen Pfützen der halbfertigen Zaubertränke verschwinden. Er ging zu Simon und holte mit einem Schöpflöffel die Überreste des Feuerwerkskörpers heraus. Daraufhin schaute Snape jeden einzelnen Schüler durchdringend an.

'Wenn Blicke töten könnten ...', dachte Skyla.

„Wer war das?", fragte Snape mit seiner kalten Stimme. Keiner meldete sich. Dann fischte er auch noch die Überreste aus Cedrics Kessel und sah die Schüler erneut einzeln an. Sein Blick ruhte auf Fred. „Mr. Weasley, Sie kommen nach dem Unterricht zu mir. Und Sie, Miss McIvory, ebenfalls. Machen Sie weiter!", bellte er die Schüler an und drehte sich dann um.

Fred und Emily sahen sich schluckend an.

„Professor, Sir?" Snape sah auf.

„Ähm ... also ... ich ... ich wollte sagen, dass Fred und Emily nichts damit zu tun haben. Ich hab die Knaller geworfen.", sagte Skyla.

„Ach, und Sie sind eine so gute Werferin, dass sie gleichzeitig den Kessel von Mr. Diggory und Mr. Shelter getroffen haben?", fragte er eisig und durchbohrte sie mit seinem Blick.

„Äh ... also ehrlich gesagt hab ich mit meinem Zauberst-"

„Ich hab den anderen geworfen.", unterbrach George sie.

„Die beiden lügen. Ich hab die Knaller geworfen. Einen hab ich mit der Hand geworfen, den anderen mit dem Zauberstab in den Kessel befördert.", sagte Fred schnell.

„Nein, ich war es. Die anderen drei wollten mich davon abhalten, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Wissen Sie, dass ist ja heute die letzte Stunde vor unseren ersten Ferien und daher wollte ich einen gebührenden Abschluss machen.", erzählte Emily.

Snape funkelte die vier böse an. „Okay, wenn Sie sich nicht einig werden können, wer von Ihnen die Knaller geworfen hat, dann werden Sie eben alle vier nachsitzen."