Buch Zwei: Ein Weg
11.
Mos Eisley war noch genau so wie sie es in Erinnerung hatte: Voller Sand und Krimineller jeder Art. Man konnte fast ins zweifeln darüber kommen, was überwog.
Sie ließ ihren Blick über die Stadt schweifen: Die sandweißen Gebäude, die engen Straßen, die kleinen Stände...
Eine Welle an Melancholie ergriff Padmé bei diesem Anblick, als ihr Erinnerungen ihrer ersten Begegnung mit Anakin durch den Kopf schossen, während sie auf die Hauptstraße hinaus und in die sengende Sonne traten.
Er war ein kleiner Sklavenjunge gewesen und sie Königin von Naboo und doch hatte sie sich sofort mit dem Jungen verbunden gefühlt. Sein offenes, ehrliches Lächeln, wie er auf und ab sprang wenn er sich freute oder die zärtliche Fürsorge seiner Mutter gegenüber. Ja, sie hatte ihn in ihr Herz geschlossen.
Sie versuchte sich an Obi-Wan aus dieser Zeit zu erinnern, doch alles was sie sah war ein viel zu ernst aussehender junger Jedi, der auf den Leichnam seines Mentors hinab sah, während der zeremoniellen Verbrennung.
Man hatte ihr später erzählt das ein Jedi bei seinem Tod nur einen Körper hinterließ, wenn er nicht eins mit der Macht geworden war und man ihn aus diesem Grund verbrannte.
Sie fragte sich nun was es für Obi-Wan bedeutete, zu wissen das sein Meister bei seinem Tod nicht im Einklang mit der Macht gewesen war. Das es etwas gegeben haben musste, dass ihn zurück gehalten hatte.
Ihr Blick glitt hinüber zu ihm. In der gleißenden Helligkeit zeichnete sich Obi-Wan stark gegen seine Umgebung ab. Nach einem langen Streitgespräch, schwiegen sie einander nun an. Ihr Ärger saß nach wie vor schwer in ihrem Magen.
Ihr Kopf tat ihr weh von der Hitze und ihren abschweifenden Gedanken. Der Jedi trat sicheren Fußes durch das Gewusel an Menschen und Nicht-Humanoiden. Es roch trocken, mit einem Hauch allerlei menschlicher Ausdünstungen und Padmé hatte jetzt bereits jetzt genug von der Hitze.
Ich kann nicht fassen das er mich hierher gebracht hat.
Doch Obi-Wan schien fest entschlossen zu sein sie hier zu verstecken. Er hatte für das Raumschiff einen Stehplatz angemietet und sie hatte gesehen wie eine unerhört hohe Summe den Besitzer gewechselt hatte. Woher der Jedi soviel Geld hatte wusste sie nicht und sie nahm sich vor Obi-Wan sobald wie möglich zu fragen.
Bei einem nicht sehr vertrauenswürdig aussehendem Händler kauften sie einen Flitzer. Aber was bedeutet schon vertrauenswürdig auf Tatooine?, dachte sie grimmig und stieg in das Gefährt, das unter ihrem Gewicht schaukelte.
„Wohin fahren wir?" fragte Padmé, als Obi-Wan neben ihr Platz nahm.
„Wir werden den Lars' einen Besuch abstatten." Er startete den Motor. Ihr Blick schoss hinüber zu ihm. Woher wusste er-?
„Mir war nicht klar-"
„Das ich von ihnen weiß?" Er hielt kurz inne, doch sah sie nicht an. Seine Lippen waren zusammen gepresst. „Anakin hat mir davon erzählt."
Sie erwiderte nichts, sondern heftete ihren Blick auf den Horizont und wehrte sich gegen die verräterischen Tränen die ihr die Sicht nahmen. Sie blickte in die Sonne. Blinzelte. Ihre Sicht kehrte langsam wieder.
Obi-Wan schwieg beharrlich.
Es dauerte bis sie die Farm erreichten. Obi-Wan brachte den Flitzer vor dem Bungalow zum stehen. Padmé stieg aus und ging voran ohne auf ihn zu warten.
Vorsichtig stieg sie die Treppen in das Wohnhaus hinab. Sie stand in dem offenen Flur des Hauses. Der Fußboden war mit Mosaiksteinen ausgelegt und in kleinen tönernen Gefäßen wuchsen dürre Pflanzen, das Einzige Grün das Padmé hier bis jetzt gesehen hatte.
Links führte ein Gang zur Küche hinab und rechts in die Schlaf- und Wohnräume. Einen Moment war sie unsicher, bevor sie nach Owen, dann nach Mr. Lars rief.
Padmé hörte Schritte aus dem Innerem des Hauses und eine gedämpfte Stimme die sagte, dass sie gehen würde.
Einige Augenblicke später stand Beru Whitesun vor ihnen in der Halle. Sie war jetzt Mitte Zwanzig und Padmé fand, dass ihr die Jahre gut standen. Sie wirkte wie eine zufriedene, fröhliche Frau, die zupacken konnte. Sie hatte eine Art an sich, die Padmé beruhigte.
„Padmé?" fragte die junge Frau, als sie den Flur durchquerte. „Bist du es?"
Padmé nickte und lächelte die andere Frau an.
„Wie schön dich zu sehen!" Beru umarmte Padmé, etwas das sie nicht erwartet hatte. „Komm herein. Wer ist dein Begleiter? Und wo ist Anakin?"
„Ich werde dir alles erklären, Beru. Könnte ich mich setzen?"
„Natürlich. Komm. Du musst müde sein. Es tut mir leid das Owen gerade nicht da ist, aber er ist drüben in Mos Eista und versucht einen neuen Wasserreiniger zu bekommen. Er sagte er sei in ein paar Tagen wieder zurück. In der Zwischenzeit sind Cliegg und ich allein hier. Ihr müsst wohl mit mir Vorlieb nehmen."
Beru führte sie durch den dunklen Gang in die Küche. Es hatte sich hier ebenfalls nicht viel verändert, stellte Padmé fest und nahm am Tisch Platz. Beru reichte ihnen beiden die für Tatooine typischen feuchten Tücher mit denen sich Gäste Gesicht und Hände reinigten.
Padmé stellte erleichtert fest das Obi-Wan ebenfalls am Tisch Platz nahm statt daneben Tisch stehen zu bleiben. Beru schüttete ihren Gästen eine dunkle, blaue Flüssigkeit ein und stellte es vor sie auf den Tisch.
„Mein Begleiter ist Jedi Meister Obi-Wan Kenobi." Padmé zeigte zuerst auf den Jedi, dann auf Beru. „Das ist Owens Freundin Beru Whitesun."
„Beru Lars." verbesserte sie und lächelte zufrieden. „Owen und ich sind seit fast zwei Jahren verheiratet."
„Das ist wunderbar." gratulierte Padmé, doch dachte unfreiwillig an ihre eigene, geheime Hochzeit.
„Ja, das ist es. Nur mit den Kindern will es nicht so klappen." Beru sah Padmé an. „Im wievielten Monat bist du?"
„Fünfter Monat." Sie seufzte und streichelte ihren Bauch.
„Und was sagt Anakin?" fragte die jüngere Frau schließlich, die Frage die Padmé am meisten gefürchtet hatte.
Sie versuchte die richtigen Worte zu finden, doch ihre Zunge gehorchte ihr nicht mehr und ihr Mund fühlte sich trocken an.
Obi-Wans Präsenz hinter ihr kam plötzlich in den Fokus. Seine Stimme war ruhig. Wenn sie es nicht besser wüsste würde sie denken es berühre ihn nichts.
„Anakin ist tot."
„Was? Nein!" Berus Hand bedeckte fassungslos ihren Mund. Schließlich nahm sie Padmés Hand und drückte sie fest. „Padmé. Das tut mir so leid... So leid für dich."
Padmé nickte und sah auf ihre Hände. Beru trug einen einfachen silbernen Ring, während Padmé selbst nichts der gleichen hatte. Natürlich, es war nur ein Schmuckstück, aber... Insgeheim hatte sie sich einen Ring gewünscht.
Etwas das zeigen würde, dass sie sein war, dass sie zu ihm gehörte. Doch Besitz war verboten und Anakin hatte zumindest diese Regel nicht gebrochen.
„Wir sind von Imperialen Truppen verfolgt worden." Ergriff Obi-Wan nun das Wort. „Ich bin mir sicher, dass sie uns durch den Hyperraum nicht gefolgt sind, aber ich will, dass sie sich im Klaren darüber sind, dass wir sie in Gefahr bringen könnten, dass wir das vielleicht schon getan haben, indem wir hier sind." Obi-Wan blickte Beru durchdringend an. „Ich bitte sie darum uns für einige Zeit Unterschlupf zu gewähren, Mrs Lars."
Beru schwieg die Stirn in Falten gezogen, bevor sie Padmés Hand fester drückte und sagte: „Padmé kann hier bleiben solange sie will, Mr Kenobi. Owen wird nichts dagegen haben. Ganz im Gegenteil, er würde erwarten, dass sie bei uns bleibt. Bei ihnen allerdings bin ich mir nicht so sicher. Er hat eine... sagen wir... Abneigung gegenüber der Jedi entwickelt. Er denkt, dass sie daran Schuld sind, dass die Galaxie unter die Tyrannei eines Diktators gefallen ist."
Obi-Wan blieb nach außen hin vollkommen ruhig, doch sie konnte seine Anspannung trotzdem spüren.
„Das sind wir." Doch eigentlich sagte er: 'Das bin ich. Mich trifft die Schuld.'
Der Jedi sah sie nicht an. Fürchtete er was sie sagen würde, wenn sie allein wären? Was er auf ihren Zügen erblicken würde? So viel Schuld die er sich aufbürdet...
Beru hingegen nickte. Ob in Zustimmung oder in Gedanken, war Padmé nicht klar.
„Nun." sagte die resolute junge Frau schließlich. „Dann ist das ja geklärt."
