Kapitel 12

Harry und Jessica kamen im völlig leeren Schlafsaal der Jungen an und legten sofort ihre Umhänge ab. Sie küssten sich kurz, bevor Harry die Karte der Rumtreiber hervor zog und das Passwort nannte. Nach kurzem suchen fanden sie Draco Malfoy's Punkt beim Quidditchfeld.

Sie gingen sofort los und erreichten nach fünf Minuten das Schlossportal. Als sie hinaus gingen und in Richtung Stadion blickten, sahen sie sieben grün-silberne Schemen herumfliegen.

"Na toll. Die haben Training."

"Ach komm schon Harry, so eilig ist es auch nicht."

Kurz darauf kamen sie beim Stadion an und gingen zu den Tribünen. Allerdings hatten sie nicht lange ihre Ruhe. Ein Treiber der Slytherins hatte sie entdeckt und offensichtlich als Gryffindors erkannt, was der in ihre Richtung geschleuderte Klatscher bewies.

Da sie aber beide noch standen, retteten sie sich mit Hechtsprüngen zur Seite. Das darauf folgende Splittern machte jetzt aber auch den Rest des Teams auf die unerwünschten Besucher aufmerksam.

Während die anderen sie beschimpften und meinten sie sollten verschwinden, flog Malfoy zu ihnen heran und zischte: "Was habt ihr hier zu suchen? Auch wenn du nicht mehr in der Mannschaft bist, sehen dich die anderen alles andere als gerne hier."

Harry hob eine Augenbraue.

"Du nicht?"

"Mir ist es egal, aber warum seid ihr hier?"

Harry sah ihn scharf an.

"Die Abmachung. Unser Teil ist erfüllt."

Malfoy riss überrascht die Augen auf und seine Kinnlade sank herunter.

"Wie? Ihr ward gerade mal eine Stunde weg, oder?"

"Wir sind direkt nach dem Frühstück weg, also ja das kommt ungefähr hin. Kommst du jetzt oder willst du deine Mutter nicht sehen?" Am Ende hatte Harry begonnen zu grinsen.

"Fünf Minuten. Vor dem Stadion.", sagte Malfoy noch bevor er erst zu seinem Kapitän und dann zu den Umkleidekabinen raste.

Und tatsächlich kam fünf Minuten später ein leicht keuchender Draco Malfoy mit schief sitzendem Umhang vor dem Stadion auf sie zu.

"Wo ist sie?"

"In unserem Lager. Wir bringen dich hin, aber von hier aus geht das nicht. Gehen wir in ein leeres Klassenzimmer."

Auf dem Weg wurden sie allerdings mal wieder von Ron aufgehalten.

Er trat aus einer Nische hervor und stellte sich ihnen in den Weg.

"Also wirklich Potter. Ich habe gedacht man könnte nicht noch tiefer sinken, aber du hast es eindeutig geschafft. Malfoy! Obwohl, er ist ein Slytherin. Also passt er eigentlich zu dir und deinen Freunden von Spinnern. Ist das eigentlich deine Freundin? Die kleine Hure hier..."

Ron hatte die Grenze überschritten. Harry war jetzt richtig sauer und machte seiner Wut sofort Luft.

Er schleuderte Ron mit einem seiner Druckzauber gegen die Wand, wo er mit einem hässlichen Krachen aufschlug. Aber er hatte noch nicht genug. Wutschnaubend schickte er Blitze hinterher, die den schon ohnmächtigen Ron zuckend und leicht qualmend zurück ließen.

Und er hätte auch noch weiter gemacht, wenn ihn nicht Jessica an der Schulter gepackt, mit sanfter Gewalt herum gedreht und wieder geküsst hätte.

"Beruhige dich Harry! Ein toter Ron ist nicht gerade das, was wir brauchen."

Malfoy hatte sich an die Wand zurückgezogen und beobachtete die Szene leicht geschockt.

"Du hast ja recht Jess, aber wenn dieses miese Schwein dich..."

"Es ist egal. Also komm jetzt. Wir müssen ihn immer noch zu seiner Mutter bringen, oder?"

Harry nickte und wandte sich an Malfoy.

"Kommst du? Wir gehen weiter."

"Und was ist mit Wiesel? Wenn er aufwacht und das herum erzählt, fliegst du von der Schule!"

"Du hast recht. Warte..."

Er murmelte einige schnelle Sprüche und wandte sich dann wieder an die Anderen.

"Er kann sich an nichts mehr erinnern und kann niemandem was sagen, da er nicht weiß was hier passiert ist. Aber jetzt los!"

Sie betraten den nächst besten Raum, eine Abstellkammer. Harry packte Malfoy am Arm und gemeinsam verschwanden sie mit dem Blitzen.


Festung Darkemian

Zwei Monate hatten sie an den Vorbereitungen für das Ritual gearbeitet, nachdem sie einen Monat gebraucht hatten um das Teleportieren zu erlernen.

Jetzt stand Harry in einem Teil des, mit einem Durchmesser von 3 Meter, ziemlich großen Pentagramms und ließ sich die Formel noch einmal durch den Kopf gehen, während sein Blick durch den Raum schweifte. Bis auf ihn war nur Merlin anwesend, welcher in einem speziellen Schutzpentagramm stand. Damit ihm bei der Beschwörung nichts geschehen konnte und er notfalls eingreifen konnte.

Er atmete noch einmal tief durch und leitete dann seine Magie durch seine Hände in das bisher schwarz daliegende Pentagramm, welches jetzt allerdings in einem dunklen Lila leuchtete.

Langsam und deutlich begann er die lateinische Formel, die eben jenen Dämon rief, welcher perfekt zu ihm passte.

Mehrere Minuten lang sprach er die Formel, welche in seinem Gehirn wie eingebrannt war. Dann begann der eigentliche Teil und dunkelrote Flammen, in welchen man eine Spur schwarz erkennen konnte, schlugen aus den Pentagramm nach oben bis zur Decke und tauchten den Raum in ein gespenstisches Licht.

Fast eine Minute lang loderten die Flammen bis sie dann zusammenfielen und nur noch wenige Zentimeter hoch waren.

Hinter ihnen stand ein etwa 1,85 Meter großer Mann in einer leichten schwarzen Rüstung, ohne Helm, mit schwarz gefiederten Flügeln auf dem Rücken und zwei Schwertern. Er hatte stechend grüne Augen und kurz geschnittene Haare. Bis auf die Flügel sah er eigentlich nicht sehr dämonisch aus.

Mit ernstem Gesichtsausdruck blickte er sich kurz im Raum um und sah dann auf Harry.

"Harry Potter?", fragte er mit tiefer, ernster Stimme.

"Ja."

Er kniete sich auf sein linkes Knie und senkte seinen Kopf vor Harry.

"Mein Name ist Vastorius. Ich wurde das letzte Mal vor fast 5.000 Jahren gerufen und erst jetzt gibt es wieder jemanden, der meiner würdig ist. Wenn du es wünschst, werde ich dir zur Seite stehen und dir helfen, wo auch immer ich kann."

Harry hatte von Merlin erfahren wie es ablaufen würde und wusste deswegen was er jetzt machen musste. Es gab zwei Möglichkeiten. Man konnte dem Dämonen jetzt einfach in seine Dienste nehmen und ihn sofort herum kommandieren. Oder, und das gefiel Harry wesentlich besser, man konnte ihn freundlich behandeln und ihn wirklich als Partner und Unterstützer gewinnen.

"Sieh mich an."

Vastorius hob seinen Kopf und blickte Harry direkt ins Gesicht.

"Wenn du mir helfen willst und mit Rat und Tat zur Seite stehen willst, dann erhebe dich Vastorius als mein Freund und Partner."

Die Formulierung war bereits uralt, aber keiner hatte sich die Mühe gemacht sie mal neu zu verfassen.

Der Dämon erhob sich nun und trat auf Harry zu. Zwischen ihnen erschien ein kleines rundes goldenes Amulett mit einer schwarzen Perle in der Mitte. Es war an einer dünnen goldenen Kette befestigt, welches der Dämon in die Hand nahm.

"Wenn du dieses Amulett anlegst, sind wir Partner bis du mich entlässt oder einer von uns stirbt."

Harry nickte und nahm ihm das Amulett aus der Hand und legte es sich um. Die Perle leuchtete kurz auf und auch er glühte kurz auf.

Dann neigte Vastorius noch kurz seinen Kopf, bevor er sich in schwarzem Nebel auflöste, der im Amulett, seiner Ruhezone, verschwand.

Das Ritual war beendet und Harry sackte erschöpft zusammen. Er ließ sich nach hinten fallen und landete auf einem Stuhl, den Merlin erschaffen hatte.

"Merlin, ist das normal das mache Dämonen so... naja, normal aussehen?"

Der alte Zauberer nickte.

"Ja. Bei den Partner-Dämonen kommt es oft vor das Dämonen wie normale Geschöpfe aussehen. Menschen, Drachen, Vögel... Es gibt unzählige Möglichkeiten."

#Das hätte ich dir auch sagen können.#

Harry zuckte kurz zusammen, bevor er sich erinnerte das dies normal war.

#Stimmt Vastor, aber ich muss mich, glaube ich, erst noch an dich gewöhnen.#

Er hörte noch ein leises Lachen, bevor er sich wieder Merlin zuwandte.

"Jetzt ist Jess dran, oder? Kann ich zuschauen?"

"Natürlich."

Mit einem Wink beschwor er ein weiteres Schutzpentagramm, in welches sich Harry stellte.

Leicht nervös trat sie in den Raum und sah sofort Harry, welcher wie Merlin in einem Pentagramm stand und sie anlächelte. Sie sah ein kleines goldenes Amulett an seinem Hals aufblitzen und lächelte ebenfalls. Er hatte es also geschafft.

Sie trat in die Mitte des Pentagramms und schnitt sich kurz mit einem Dolch, welchen sie am Gürtel trug, in den Finger. Sie setzte einen Tropfen in die Mitte des Pentagramms und stellte sich dann auf ihre Position.

Wie Harry vor ihr leitete sie ihre Magie in das Pentagramm und sprach die Formel.

Bei ihr schlugen die hellblauen Flammen mit einer weißen Spur ebenfalls bis an die Decke.

Aber als bei ihr die Flammen wieder zusammenfielen, sah sie sich einem chinesischen Drachen gegenüber. Na ja, bis auf die untypischen Flügel war es jedenfalls einer. Er war bis auf die Flügel vollkommen weiß. Die Flügel hatten die Farbe eines sehr hellen Blau´s. Seine oder ihre Schuppen waren sehr klein, so dass es fast so aussah, als hätte er gar keine.

Er blickte Jessica mit seinen eisblauen Augen direkt an und sprach dann allerdings mit einer eindeutig weiblichen Stimme.

"Jessica Knight?"

"Ja."

Auch sie neigte den Kopf:

"Mein Name ist Jarena. Das letzte Mal wurde ich vor genau 2.500 Jahren gerufen. Wenn ich dir zur Seite stehen soll, so sage es mir und ich werde es tun."

Es lief genau wie bei Harry's Beschwörung. Nur erhielt sie ein silbernes Amulett mit einer strahlend weißen Perle, in welches Jarena als weißer Nebel verschwand.

Auch sie sackte danach zusammen, wurde allerdings von Harry aufgefangen und auf den Stuhl gesetzt. Auch sie erholte sich schnell wieder und dann war Kian an der Reihe.

Bei ihm erschien nach grauen Flammen ein gut drei Meter hoher Golem aus Granit, welcher sich als Cemal vorstellte und in einer grauen Perle an einem silbernen Amulett verschwand.

Danach hielten sie alle nicht mehr lange aus und schafften es nur noch in ihren Zimmern aufs Bett zu fallen. Wobei Harry und Jessica nicht merkten, dass sie beide in Harry's Zimmer waren und aneinander gekuschelt einschliefen.


Irgendwo in England, Lager der Bruderschaft

Das Lager war eine Ansammlung von etwa 20 Zelten, welche alle magisch vergrößert waren, die sich um ein Großraumzelt gruppierten, in dessen Inneren zwei Etagen Zellen und zwei Etagen Krankenhaus waren.

Harry und Jessica hatten bei ihrer Ankunft ihre Umhänge beschworen, welche sie jetzt wieder trugen.

Inzwischen waren sie vor einem kleinen Korridor mit dem Schild 'Fremdpatienten' über der Tür angekommen, in welchem sie vor der Tür von Narcissa Malfoys Zimmer standen.

"Hör zu Malfoy. Deine Mutter wurde gefoltert und wird zur Zeit noch von Kian untersucht. Also halte dich zurück."

Dann betraten sie das Zimmer, in welchem die ehemalige Black auf dem einzigen Bett lag. Kian wirkte gerade noch einen letzten Analysezauber und trat nun vom Bett zurück und signalisierte Malfoy, dass er näher kommen konnte. Das tat dieser auch und sah auf seine schlafende Mutter, welche schon wieder relativ gesund aussah, wenn man von ihrer Blässe absah.

"Wann wacht sie auf?"

"In einigen ist mit deinem Teil? Was weißt du?"

"Nun ich habe ein Gespräch des Dunklen Lords mit seiner Schlange belauscht. Er spricht nie in Parsel zu ihr, deshalb konnte ich die Hälfte verstehen. Er sprach davon, dass seine neue Armee immer weiter wächst und das er fast alles für ein Ritual zusammen habe. Er will eines durchführen, welches seine Kraft um fast das Doppelte steigert! Und mit der Armee, damit meint er Dämonen. Er hat sie uns einmal vorgeführt."

"Das hilft schon."

"Danke nochmal Potter, dass du..."

Harry unterbrach ihn, indem er ihm seine Hand hin hielt und meinte: "Harry."

Draco sah in verwundert an. Sein Erzfeind bot ihm hier gerade das an, was er eigentlich von Anfang an wollte. Freudschaft. Und deswegen lächelte er und schlug ein.

"Draco."

Sie wurden von einem leisen Stöhnen aus Richtung des Betts gestört und drehten sich um.

Narcissa Malfoy wachte auf und im nächsten Moment hing ihr Sohn an ihrem Hals.