Disclaimer: Die TV Serie CSI NY und Detective Mac Taylor gehören den Produzenten Bruckheimer / Zuiker und nicht mir. Schade ...


Die nächsten Tage und der Samstag verliefen eher schleppend und ruhig! Alex war an dem Mittwochabend pünktlich wieder zu Hause gewesen und so hatte Stephen nichts zu beanstanden. Jetzt am Sonntagmittag, hatte die Familie beschlossen zu einem Brunch in Sunnyside zu fahren und noch mal das gute und sonnige Wetter zu genießen. Zwar war Alex nicht so begeistert von den Plänen seiner Eltern gewesen, da er vor hatte, sich mit Julia bei ihr zu Hause zu treffen, aber Stephen war hart bei seiner Entscheidung geblieben und so musste der Junior wohl oder übel mitziehen.

Das Quaint in der Skillman Ave hatte es Mac schon etwas länger angetan und jetzt endlich hatten Stephen und er einen passendes Wochenende gefunden, wo sie und ihre Söhne gemeinsam Zeit hatten um in Ruhe zu brunchen. Sie waren mit dem BMW da und hatten auf der Strasse geparkt, da das Lokal keine Parkplätze aufbot, aber das war nicht schlimm, denn zu dieser Tageszeit bekam man fast immer einen guten Parkplatz. Im Innern des Lokals, was halb Restaurant und halb Kneipe war, hatte der Besitzer kleine Tische mit Bänken aufgebaut und direkt am verglasten Eingang eine lange Bar. Dunkeles Parkett, große Fenster, die aber nur zur Strassenseite hin zeigten und einzelne Lampen verliehen dem Quaint eine äußerst gemütliche Atmosphäre!

Mac, gekleidet in einer legeren, blauen Jeans und einem grauen T-Shirt, hielt seinem Ehemann die Tür auf und Stephen spazierte an ihm vorbei in den Innenraum des Lokals. Während Stephen nach einem freien Tisch Ausschau hielt, kamen hinter ihm die Jungs heran, ebenfalls in Jeans und einem T-Shirt, denn noch war es äußerst warm.

Als Stephen einen Tisch ausfindig gemacht hatte, der etwa in der Mitte lag, rutschte er auf der Bank bis zu der hübschen Holzwand durch und Alex ließ sich geschafft neben ihm nieder. Auf der anderen Seite nahmen Mac und Jason Platz und David hockte sich auf den Holzstuhl, der am Kopf stand. Schnell wurden die Getränkekarten studiert, die der nette, junge Kellner gereicht hatte und die erste Runde bestellt.

Der träge und wütende Gesichtsausdruck, den Alex seit sie von zu Hause losgefahren waren, seinen Mitmenschen präsentierte, gefiel Stephen von Minute zu Minute immer weniger. Auf der Fahrt hier her, war Alex schlecht gelaunt und hatte das an fast allen Mitreisenden ausgelassen. Nur bei seinem Vater hatte sich der Junge etwas zurück gehalten, um keinen Stress zu bekommen, wie Alex immer zu sagen pflegte. Stephen schielte kurz zu Alex hinüber und der sehr aussagekräftige Ausdruck, beherrschte immer noch sein Gesicht!

"Na los," sagte Mac laut und machte Anstalten aufzustehen. "Auf in die Schlacht! Das Buffet ist eröffnet!"

Neben ihm stand Jason auf und ging voraus und auch David erhob sich von seinem Stuhl und folgte seinem Stiefbruder zu den aufgebauten warmen und kalten Leckereien. Der Detective quälte sich aus der Bank, während dann auch Alex auf stand, doch von einer energischen Hand zurück auf seinen Hintern gezerrt wurde. Etwas überrascht sah er nach links und Stephen legte einen Arm um seine Schulter, um ihn am Weggehen zu hindern.

Der Arzt beugte sich ein Stück zu ihm und flüsterte dann leise in sein Ohr. "Du hörst mir jetzt gut zu, mein Freund! Unsere Familie macht höchst selten etwas zusammen, weil Mac und ich auch sehr oft unterschiedliche Schichten haben, ja?"

Stephen warf kurz einen Blick hinter sich und entdeckte seinen Mann mit einem Teller in der Hand am Buffet. Mac sah zu ihnen hinüber und Stephen in die Augen. Der Blick war eindeutig! Der Cop hatte keine Lust auf Ärger und Stress! Nicht an einem Sonntag und nicht heute und Stephen sollte versuchen sich daran zu halten und nicht zu viel Druck auf Alex ausüben.

Connors sah wieder Alex an und sprach leise weiter. "Ich weiss, dass du keine Lust hier drauf hattest, aber das ist mir ziemlich egal. Mac und ich möchten für zwei Stunden mit euch zusammen Mittagessen in diesem schönen Lokal, was mein Mann ausgesucht hat und ich bestehe darauf, dass sich meine Kinder gut benehmen und etwas mehr ... Freude an den Tag legen, wenn sie so ein leckeres Essen gratis bekommen können! Okay?"

Alex seufzte kaum hörbar. "Du hast Recht! Ich hab keine Lust Essen zu gehen! Ich wollte lieber was mit Julia machen-"

"Alexander," zischte sein Vater leise. "Das ist nicht die Antwort, die ich hören wollte! Ich möchte jetzt, dass du deine Haltung änderst und zwar einmal um 180 Grad und Mac zu Liebe etwas netter guckst! Wenn du das heute nicht hinkriegst, mein Sohn, ist später zu Hause eine Unterhaltung fällig, die ich eigentlich nicht führen möchte. Haben wir zwei uns verstanden?"

Vorsichtig kaute Alex auf seiner Lippe. Ein kurzer Blick zu Stephen ... "Ja, Sir. Ich hab verstanden."

"Sehr gut," gab Stephen zurück, tätschelte ihm das Haar und nahm seine Hand wieder zurück. "Komm! Ich hab Hunger!"

Immer noch frustriert stand nun auch Alex auf und spazierte mit seinem Vater zu dem aufgebauten Buffet hinüber. Mac lächelte leicht, Stephen lächelte und nahm sich einen großen Teller. Kurz küsste er Mac auf den Mund, um ihm zu zeigen, dass alles okay war und ließ dann seine braunen Augen über die angerichteten Speisen wandern.

David stapelte sich vier duftende, goldbraune Pancakes mit Schokoladensoße auf seinen Teller, nahm eine Gabel und ein Messer aus dem Besteckkasten und ging an seinem Vater vorbei zu ihrem Tisch hinüber. Stephen sah ihm nach, seufzte und hoffte innerlich, dass sich sein 15-Jähriger noch für etwas anderes entscheiden würde - etwas mit nicht so viel Zucker! Während Mac Rührei mit Bacon für sich und Stephen auf einem Teller plazierte, holte sein Mann ein paar Brötchen und beobachtete dann Alex, der sich für Toast mit Käse und einen Erdbeerquark entschieden hatte. Das reichte für den ersten Gang, sie würden ja heute mehrmals das Buffet aufsuchen!

Als Jeder etwas zu Essen auf dem Teller hatte, setzte sich die Familie wieder und begann zu speisen. Minuten vergingen. Stephen und Mac unterhielten sich über die Planung für die nächste Woche, wann sie welche Schicht hatten und sie sich nicht sehen würden und die Jungs stopften sich die Mägen voll. So ein opulentes Mittagessen sollte man ausnutzen oder? Jedenfalls dachten David und sein Stiefbruder Jason so ... Alex hingegen, versuchte nur die Zeit totzuschlagen!

"Man, Alex," sagte David plötzlich und grinste seinen Bruder an, nur um dann wieder zur Eingangstür zu starren. "Du hast vielleicht ein Glück! Da ist deine Freundin!"

Was? Sofort schnellte Alex' Kopf in die Höhe und er sah über den Tisch hinweg auf die Tür. Und tatsächlich! Dort stand die dunkelhaarige Julia gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Zac und ihren Eltern und versuchte sich einen Überblick über die noch freien Tische zu beschaffen! Sie hatte ihn noch nicht bemerkt und redete mit ihrem Vater. Stephen, der jetzt auch neugierig geworden war, stöhnte leise und genervt. Eigentlich wollten er und Mac ein ruhiges MIttagessen abhalten und zwar ohne irgendwelche Bekannte zu treffen und nur mit ihren Söhnen. Doch dieser Wunsch schien jetzt in weite Ferne gerückt zu sein!

Auch Jason blickte jetzt hinter sich. "Was für ein Zufall?"

"Ja, ein toller Zufall," fluchte der Arzt leise und auch sein Ehemann verdrehte vorsichtig die grünen Augen.

David und Jason aßen schließlich weiter, doch natürlich starrte Alex immer noch seine Freundin und deren Familie an, die jetzt von einem Kellner zu einem der vorderen, noch freien Tische geführt wurde. Familie Walker setzte sich, bestellte Getränke und Alex bekam einen Stoß mit dem Ellbogen von seinem Vater in die Seite.

Sofort warf der 16-Jährige ihm einen Blick zu. "Was?"

"Hast du gewusst, dass die Walkers auch hier herkommen, Alex?"

"Nein," gab Alex sofort zurück und zuckte die Schultern. "Wirklich nicht, Dad! ... Darf ich kurz rübergehen und Hallo sagen?"

Der Arzt atmete aus und nahm seine Tasse Kaffee hoch. "Du kommst bitte zügig wieder zurück! Verstanden? Und setzt dich nicht zu ihnen oder so was! Wir sind als Familie hier und die Walkers auch und genau so soll dieses Essen weiter ablaufen. Klar, Alex?"

David grinste gehässig und verputzte den nächsten Pancake. Sein Bruder hatte den Blick jedoch genau gesehen und beugte sich jetzt zu ihm.

"Was. Ist," zischte der leise, aber drohend. "Kümmer dich um deine Sachen, Davy!"

Mit diesen Worten, erhob sich Alex von der Bank, kletterte in den Gang und marschierte dann zielstrebig zu der schönen Fensterfront und den Tischen hinüber, wo die Walkers Platz genommen hatten. Mac konnte nicht wirklich verstehen, was Alex sagte, doch als die Eltern zu ihnen hinüber blickten und lächelten, drehte auch der Cop sich einmal um und hob zur Begrüßung lächelnd die Hand. Stephen tat es ihm gleich. Auch er wollte nicht unbedingt rüber gehen, sondern sich lieber am Buffet einen zweiten Gang genehmigen. Er beobachtete seinen Sohn noch einen kurzen Moment, dann widmete er sich wieder seinem Teller.

Als er wieder aufsah, schlenderte Julia, die ein Glas Wasser in der einen Hand und ihre Tasche in der anderen Hand hielt mit Alex gerade durch die Eingangstür des Quaint auf die Strasse!

Verdutzt wollte Stephen aufstehen, doch die Hand von Mac, die sich auf seine legte und ihn sanft festhielt stoppte ihn in seiner väterlichen Fürsorge!

"Schätzchen," erinnerte Mac ihn leise und spielte sanft an Stephen's Fingern herum, während er ihm liebevoll in die Augen sah. "Lass es! Ich bin mir sicher, dass sie gleich wieder kommen, okay? Wenn die beiden sich hier schon über den Weg laufen, dann wollen sie auch Zeit miteinander verbringen, hm? Du hast Alex gesagt, dass er sich beeilen soll und genau das wird dein Sohn tun. Entspann dich bitte."

Stephen schüttelte schmunzelnd den Kopf. "Du hast leicht Reden! Ich weiss, dass irgendwas mit ihr los ist, Mac, ich weiss nur nicht genau was es ist!"

"Ja, ich weiss," gab Mac ihm Recht und streichelte wieder seine Hand. "Aber, wenn wir keine Beweise haben, dass etwas nicht stimmt, können wir nichts machen. Wir können Vermutungen anstellen, aber mehr nicht! Also ... sei jetzt ein braver Dad und lass Alex mit Julia draußen in Ruhe reden. Sie kommen gleich wieder!"

Der Arzt schnaubte leise. "Kannst du mir nicht Morgen von der Arbeit so eine kleine Wanze mitbringen, die man gut an der Kleidung verstecken kann, ich w-"

"Stephen," warnte der Cop ihn jetzt streng und zog seine Hand zurück. "Hör bitte auf!"

"Okay, sorry ..." Er beugte sich über den Tisch und wollte Mac zur Versöhnung einen Kuss geben, doch dieser machte keinerlei Anstalten mehr ihm entgegen zu kommen und zog sich stattdessen ein paar Zentimeter zurück. Connors machte ein Gesicht. "Mac, komm schon! Es tut mir leid, okay?"

Immer noch nichts. Die grünen Augen durchbohrten ihn förmlich. Stephen öffnete wieder den Mund und flüsterte leise. "Ich fahr auch mit dir in ein Motel! ... Hm? Ein ganzes Wochenende nur wir zwei und ganz allein!"

Jetzt grinste Mac leicht und streckte sich dann seinem Ehemann entgegen, der ihn liebevoll küsste und sich dann wieder von ihm zurück zog. Jason und David erhoben sich von den Stühlen und gingen noch mal zum Buffet hinüber, um sich einen Nachschlag zu holen und ihre Väter kurz allein zu lassen.


Währenddessen standen Alex und Julia draußen vor dem Quaint auf dem Bürgersteig und redeten. Die letzte Woche hatten sie sich nicht so häufig gesehen, weil Stephen der Meinung war, dass man es auch übertreiben konnte und so mussten Julia und Alex jetzt jede Möglichkeit ausnutzen, um Neuigkeiten auszutauschen.

"Seid ihr spontan hier," fragte der schwarzhaarige Junge grinsend, während er ihre zarte Hand streichelte.

"Ja, wir hatten eigentlich nichts vor und ich war etwas enttäuscht, als du mir heute Morgen absagen musstest," teilte sie ihm mit. "Meine Mum wollte noch mal brunchen gehen und da hab ich einfach das Lokal hier vorgeschlagen, weil ich ja wusste, dass du mit deiner Familie hier bist."

Alex grinste. "Ich hab eine wirklich schlaue Freundin!"

"Danke!"

"Schade, dass wir nicht zusammen sitzen können, aber na ja, ich hab meinen Vater heute schon ziemlich gereizt und ich glaube, dass er jetzt die Leine einholt, soll für mich ein Zeichen sein, dass er das nicht mehr lange mitmacht! Ich muss gleich auch wieder rein, sonst kommt er und holt mich. Darauf bin ich nicht wirklich scharf, Julia!"

Kurz sah sie ihn von oben bis unten an. "Was- ... was macht eigentlich dein Problem? Ich meine, ist es noch ein Problem, o-oder?"

Natürlich wusste er sofort worauf sie hier anspielte. Leicht lächelte er. "Ehm, nein es geht schon wieder! Ich kann wieder sitzen, danke der Nachfrage."

"Schön!" Sie reichte ihm das Wasserglas ... "Hälst du mal kurz?"

Er nahm es entgegen und Julia öffnete ihre Handtasche. Kurz suchte sie darin herum und eine Packung Tabletten kam zum Vorschein. Sie zog die Folie heraus, drückte eine weiße Pille in ihre Handfläche und stopfte die Packung wieder schnell zurück in die Tiefen der Tasche. Alex hatte die Packung ganz gut sehen können und auch eine Hälfte des Namens Acec- ... Julia steckte die Pille zwischen die Lippen, nahm sie dann in den Mund und griff nach dem halb vollen Wasserglas, was Alex festgehalten hatte.

Sie trank, würgte die Pille hinunter und lächelte dann. "Kopfschmerzen!"

"Ich hab dich ja gar nicht gefragt," teilte Alex ihr Schulterzuckend mit. Er räusperte sich. "Du hast oft Kopfschmerzen, oder?"

"Es geht so ..."

Wirklich darüber reden, wollte sie scheinbar nicht! Er küsste sie schnell auf den Mund. "Lass uns mal wieder rein gehen, bevor mein Vater wirklich noch raus kommt und mich am Ohr reinschleift vor allen Leuten ..."

Sie grinste breit. "Das würde er tun?"

"Vielleicht," gab Alex zurück. "Wenn ich ihm einen Grund dafür gebe! Wir verstehen uns heute nicht besonders gut, weil ich absolut keine Lust auf diesen Ausflug und den Brunch hatte und so regt ihn jede Kleinigkeit auf, die ich mir erlaube."

"Hättest du vielleicht Lust heute Nacht etwas zu unternehmen," fragte Julia ihn plötzlich leise und hob eine Augenbraue, während sie noch mal an dem Wasser trank. "Etwas ... Verbotenes?"

Verdutzt sah Alex sie an. "Verbotenes? Was meinst du?"

Sie lächelte verführerisch und strich sich eine Strähne hinter das Ohr. Dann lehnte sie sich noch mal mit dem Po an das linke Fenster des Lokals und spielte mit den Fingern an dem Glas herum.

"Lass uns einfach irgendwas Aufregendes unternehmen ..."

Alex lachte. "Was denn, Julia? ... Du willst, dass ich mich rausschleiche?"

Sie zuckte die Schultern. "Na und? Das kannst du doch oder? Wir waren doch auch auf dieser Fete von, wie hieß der noch mal? Chris Hobbs? Da hast du deinen Dad auch nicht gefragt, ob du hingehen kannst!"

"Ja, aber da waren Mac und er auch nicht im Haus! Die haben nicht vor, heute noch mal wegzugehen, geschweigedenn heute Abend oder nachts! Das krieg ich nicht hin, verstehst du?!"

"Heisst das, du magst mich nicht mehr, Alex?"

Oh ... "Nein, nein, aber-"

"Dann ist ja alles klar," bestätigte sie ihn kurzer Hand und küsste ihn auf den Mund. Lächelte, grinste. "Ich schreib dir eine SMS wann wir uns treffen!"

Bevor Alex noch etwas erwidern konnte, stieß Julia sich von dem Haus ab, umrundete ihn einmal und öffnete die Eingangstür des Quaint! Sie trat in den warmen Innenraum und Alex folgte ihr langsam und etwas unsicher.

Während sie sich wieder zu ihren Eltern und dem kleinen Zac setzte, ging Alex tiefer in das Lokal hinein und dachte über ihren Vorschlag von dieser Nacht nach!

Natürlich würde es sicher Spass machen, sie heute direkt noch mal zu sehen und etwas zu unternehmen, aber wie sollte er aus dem Haus kommen, wenn sein Vater da war? Er war immer noch sauer auf Stephen, dass dieser sich so einmischte und Julia scheinbar nicht besonders mochte, warum auch immer, aber eine Regel brechen und das Risiko eingehen, erwischt zu werden, schlug ihm doch gewaltig auf den Magen.

Alex ging weiter an den Tischen vorbei, bis er sich wieder neben Stephen nieder ließ und ein gespieltes Lächeln aufsetzte.

Der Arzt legte den Kopf schief. "Das wurde aber auch allerhöchste Zeit, Alex!"

Na und? Alex seufzte leise. "Sie wollte mir noch was erzählen! Okay, Dad?"

"Ich hatte dir gesagt, du sollst dich zusammenreißen," begann Stephen ihn zu tadeln, doch wurde dann von Mac sofort wieder unterbrochen.

"Steve? ... Nicht!"

Angespannt starrte der praktische Arzt und Chirurg zu seinem Mann hinüber, der ihn bittend an sah und leicht den Kopf schüttelte. Stephen seufzte tief, bevor er sich dann von seinem rebellischen Sohn abwandte und noch ein Wasser bestellte.

Alex hatte ebenfalls seinen Blick abgewandt und versuchte sich nicht aufzuregen, während er vorsichtig zu dem anderen Tisch hinüber sah und Julia beobachtete, die mit ihrem kleinen Bruder sprach. Sie hat Recht! Ich brauche noch mal eine Auszeit von Dad, sonst sag ich nachher etwas, was ich tief bereue ... Und was meint sie bloß mit ... etwas Verbotenes tun?


Nachdem das Essen eine Stunde später beendet war, verließen Stephen, die Kinder und Mac, der bei einem der Kellern bezahlte, das Lokal und fuhren nach Hause zurück. Dort setzte der Arzt Kaffee auf und ging dann nach draußen in seinen Garten, um ein wenig Ruhe zu finden. Nicht vor seinem Ehemann oder den Jungs, sondern einfach um zu entspannen! Jason war mit David im ersten Stock und spielten Playstation, während Alex bei Mac in der Küche stand, der schon mal zwei Tassen aus dem Schrank holte und zwei Löffel dazu legte.

"Mac," fragte der Junge leise und warf seinem Stiefvater einen fragenden Blick zu, der sich jetzt an den Küchentisch setzte und die Zeitung aufschlug.

"Mhm, was ist?"

Alex lehnte sich mit dem Hintern an den Schrank, so dass er Mac sehen konnte. "Wollen Dad und du heute Abend noch weggehen?"

Eine erhobene Augenbraue! Die Zeitung wurde einmal umgeblättert. "Wieso, Alex?"

"Eh, nur so," teilte der Junge ihm mit und trommelte auf dem blanken Holz der Anrichte herum. "Darf ich nicht wissen, ob ihr hier seid oder noch raus geht?"

Mac schüttelte die Zeitung einmal, so dass das lästige Eselsohr am oberen Rand verschwand und er den Artikel ganz lesen konnte. "Natürlich darfst du das, aber warum interessiert dich das jetzt? Wir sind doch gerade erst aus Sunnyside wieder hier und du willst uns schon wieder los werden, Großer?"

Das läuft ja super ... Alex seufzte leise. "Ich hab doch bloß gefragt!"

"Okay," gab der Detective zurück und ließ die New York Times in seinen Händen sinken. "Dann bekommst du jetzt eine Antwort! Nein, wir gehen nicht mehr weg, weil dein Dad hier bleiben und den James Bond Film auf DVD sehen möchte! Hm? Frage beantwortet? Ich koche heute Abend eine Kleinigkeit und dann verziehen wir uns ins Wohnzimmer und zwar eine ganze Weile!"

"Ah, okay ... dann stören wir euch nicht."

Mac grinste. "Das wäre schön, ja ... Darf ich jetzt weiter meine Zeitung lesen oder hast du noch eine Frage zu dem heutigen Familienprogramm?"

Kopfschütteln. "Nein, nein. Ich geh dann nach oben!"

Er stieß sich von dem Küchenschrank ab, drehte sich um und setzte einen Fuß vor den anderen. Gerade als er die Küche verlassen wollte, rief Mac ihn noch mal mit einer eigenen Frage zurück.

"Alex?" Der Cop sah erstmal weiter konzentriert auf die Zeitung vor sich. "War Julia vielleicht mal hier bei uns, während Dad und ich nicht hier waren?"

Fuck! Wie kommt er denn jetzt da drauf? Alex machte große Augen, während er versuchte ruhig zu bleiben und Mac so keine Möglichkeit zu geben, Mißtrauisch zu werden. Er drehte sich ganz zu seinem Stiefvater um, der langsam den Kopf hob. Ihre Blicke trafen sich und Alex wusste, dass er einfach lügen musste. Es ging nicht anders! Wenn Stephen wüsste, dass Julia hier gewesen war und zwar zu dem Zeitpunkt, zu dem er für die Biologieklausur hatte lernen müssen, dann wäre der Teufel los!

Mac öffnete den Mund. "Ja oder nein, Alex?"

"Eh, nein," log er. "Wieso?"

"Nur so," antwortete Mac knapp und seufzte leise und nachdenklich. "Du belügst mich doch nicht gerade, oder?"

"Nein," sagte der Teenager sofort und fuchtelte mit den Händen herum, so wie er es immer tat, wenn Stephen ihn wegen etwas beschuldigte ... "Wieso? Julia war nicht hier, Mac! Wann denn und warum?"

"Alex, ich frage nur," beharrte der Mann. "Ich möchte gerne wissen, wer hier ein und ausgeht und ich glaube, Stephen will auch gefragt werden, wenn Besuch kommt, okay?"

Sein Gegenüber ließ frustriert die Schultern hängen. "Ich weiss, dass ich fragen soll, wenn ich Besuch mitbringe, Mac! Ich wohne schon etwas länger hier ..."

Jetzt warf der Cop seine Zeitung auf den Tisch und erhob sich vom Stuhl. "Was soll das jetzt heißen, Alex? Pass auf, was du hier von dir gibst, in Ordnung? Ich möchte noch etwas von diesem ruhigen Sonntag haben und habe keine Lust auf Theater und Stress!"

Alex stand wie angewurzelt in der Küchentür. Mit den Augen fixierte er Mac und spürte, dass er sauer wurde. In diesem Moment ging die verglaste Hintertür auf und Stephen trat in den kleinen Raum. Er musste sich nur kurz umsehen und wusste eigentlich sofort, dass es hier ein kleines Problem zwischen seinem Mann und seinem Sohn zu geben schien. Er trat neben Mac, der sich zu ihm umgedreht hatte.

"Ist alles in Ordnung?"

Mac warf Alex einen fragenden Blick zu. Der Junge schluckte schwer und wurde zu Mal sehr klein. Er konnte sich sehr gut vorstellen, dass Stephen ihm die Leviten lesen würde, wenn er herausbekommen sollte, dass Alex ziemlich frech und äußerst respektlos zu seinem Ehemann gewesen war. Die Kaffeemaschine knatterte leise. Die Anspannung im Raum war deutlich zu spüren. Nach einer Sekunde warf Alex Mac einen entschuldigenden Blick zu und der Erwachsene drehte sich zu Stephen um, der Gott sei Dank noch überlegte, ob es hier Schwierigkeiten gab oder nicht!

"Ja, es ist alles okay, Schätzchen," teilte Mac Stephen schließlich leise mit und lächelte breit. "Alex wollte nach oben gehen, glaube ich ..."

Der Teenager nickte schnell. "J-ja ich bin mal oben. Ich glaub, ich muss noch was für die Schule machen!"

"Ja, das glaube ich auch," bejahte Mac seinen Vorschlag das Feld kampflos zu räumen!

Ja, das ist sicher besser so, Alex!

Alex verließ geknickt die Küche und rauschte die Treppe hinauf in sein Zimmer, wo er die Tür zudrückte und sich dann kopfschüttelnd gegen das Holz sinken ließ.

Wie konnte er nur so blöd sein? Wie kam er darauf, Mac einfach weiter zu provozieren und sich nicht mit der Antwort zufrieden zu geben? Mac war der Ehemann seines Vaters, verdammt ... Und auch der durfte Alex etwas sagen oder verbieten - mit Absprache zu Stephen natürlich und dann hatte der Junge sich daran zu halten, wenn er keinen Ärger haben wollte.

Er zog den Stuhl unter dem Schreibtisch hervor, kippte das Fenster und suchte seine Hefte und Bücher heraus, in denen er dann seine Aufgaben suchte und sich hin setzte. Äußerst gemächlich und nicht eilig, begann der Junge mit Mathematik! Er löste die ersten beiden Gleichungen zu X auf und konzentrierte sich dann auf die Dritte, als er noch mal über Macs Frage nach Julia nachdachte.

Ja, sie war hier gewesen und zwar bevor sein Dad diese Tablette gefunden hatte ... Und heute hatte Julia eine Packung in den Fingern, wo das halbe Wort Acec zu lesen war. Wie hatte Stephen noch mal das Medikament genannt? Aceclodin oder so? Angespannt legte Alex den Kugelschreiber auf das Heft zurück und starrte auf die Wand vor sich. Hatte Julia vielleicht diese Pille im Wohnzimmer verloren, als ihre Tasche hingefallen war? Und heute war ja wieder eine neue Packung aufgetaucht. Sie hat gesagt, dass ist gegen Kopfschmerzen, aber wenn Dad sich sicher ist, dass es ein stärkeres Schmerzmittel ist und sogar abhängig macht, dann ...

Alex nahm sein Handy vom Tisch und sah auf das Display! Keine SMS, weder von Julia noch von irgendwem sonst! Also wenn die gefundene Pille wirklich von ihr war ... Sie wollte ja auch unbedingt die Tasche selber aufheben, obwohl ich ihr helfen wollte ... dann nimmt sie Schmerzmittel und das nicht zu wenig. Heute hat sie ja wieder eine Pille eingeworfen und beteuert, es ist gegen Kopfschmerzen.

Er lehnte sich in dem Stuhl zurück und ließ die Schultern hängen. Ja, er mochte Julia, aber ... Vielleicht spreche ich sie heute Nacht einfach mal drauf an? Mal sehen, was sie sagt! Oder ich gehe einfach zu Dad und- ... Aber dann muss ich zugeben, dass ich mich nicht an die Regeln gehalten habe und bekomme bestimmt ziemlich großen Ärger. Was für ein Scheiss!

Angespannt und nachdenklich über diesen Vorfall und seine Vermutungen bezüglich seiner Freundin machte Alex schließlich mit seinen Hausaufgaben weiter, um am Abend wenigstens nicht an die Schule denken zu müssen!


Stunden später gegen halb elf kam dann endlich die versprochene SMS von Julia! Alex, der in karierter Boxershorts und weißem T-Shirt auf seinem Bett hockte, legte das Handy weg, stand auf und schlich aus seinem Zimmer.

Als er auf dem Flur niemanden sehen konnte, marschierte er die Treppe hinunter und blieb in der Lobby stehen. Das Licht in der Küche war gedimmt und die Schiebetür des Wohnzimmers war geschlossen. Alex wartete einen Moment, ehe er wieder hinauf ging und dort seine Klamotten tauschte. Jeans, seine schwarzen Turnschuhe, rotes T-Shirt und einen dunkelgrünen Kapuzenpullover! Das Handy nahm er wieder an sich, schrieb Julia kurz, dass er sich jetzt auf den Weg machen würde und steckte das Mobiltelefon in die Jeanstasche. Schnell nahm er seine Schlüssel, die in die andere Tasche wanderten und die Geldbörse in die hintere Hosentasche. Fertig!

Als er wieder hinunter ging und dort seine Lederjacke von dem Gaderobenhaken hob hatte er kein schlechtes Gewissen, dass er ohne das Einverständnis seines Vaters am späten Abend das Haus verließ! Er würde ja zurück kommen und das bevor Jemand sein Verschwinden bemerken würde. So war zumindest der Plan.

Alex verließ sein Elternhaus so leise wie möglich und ging über den Rasen und auf den Bürgersteig, wo er in die Richtung von Julia's Haus lief. Es war bereits dunkel. Viele Meter weiter an einem hohen Baum, der mit seiner Krone und den langen Ästen fast bis über den Bürgersteig und auf die Jefferson-Street ragte, machte er Halt und lehnte sich mit dem Rücken an den Stamm und die Rinde, wo er geduldig wartete.

Nur wenige Sekunden später kam Julia, ebenfalls in Schwarz gekleidet, über die Strasse gelaufen. Sie lächelte ihn an und küsste ihn auf den Mund, während sie ihn sanft mit der Hand am Pullover festhielt und an sich drückte.

"Ich hab dich vermisst," flüsterte sie leise.

Alex löste sich vorsichtig von ihr. "Ich dich auch. Tut mir leid, dass ich heute Mittag nicht so lang quatschen konnte, aber Dad wollte einen Familientag draus machen."

"Ist schon okay, Alex," erwiderte sie freundlich und ließ ihn los. "Jetzt bist du ja da und wir haben Zeit!"

Na ja, so viel Zeit auch wieder nicht. Ich müsste vor der Schule auch noch etwas schlafen, weisst du ...

Er nickte. "Ja! ... Also was hast du vor?"

Julia nahm ihn an der Hand und sie spazierten die Strasse hinunter. Eine Antwort auf seine Frage hatte sie ihm noch nicht gegeben, aber Alex war sich sicher, dass sie einen Plan hatte! Als sie endlich nach zehn Minuten eine Bushaltestelle erreicht hatten, zog Julia aus ihrer Handtasche ihr Portemonnaie hervor.

Sie betrachtete Alex schmunzelnd. "Hast du Geld dabei?"

Schulterzucken. "Ja ..."

"Gut," erwiderte sie. "Weißt du, wo der Rockaway Beach ist?"

"Eh, ja klar! Da willst du hin?"

"Ja, wieso nicht?" Jetzt war es Julia, die die Schultern zuckte und den Bus heran kommen sah. "Das liebe ich an Queens! Die Bahnen, Züge und Busse sind fast immer pünktlich!"

Sie will wirklich zum Strand? Aber der ist doch schon seit drei Stunden geschlossen? ... "Julia, warte mal! Das ist ziemlich weit und wir sind bestimmt ne Stunde unterwegs!"

Doch sie stieg zügig in den Bus und kaufte beim Fahrer ein Ticket - für sich! Alex stand etwas perplex auf der Strasse. Sollte er mitfahren? Immerhin war er jetzt schon mal draußen unterwegs und wenn sie unbedingt zu dem blöden Strand wollte, dann ... Seufzend stieg auch er in den wartenden Bus, kaute ein Ticket und setzte sich neben seine Freundin in eine der mittleren Reihen, wo nicht so viele Passagiere waren.


Über eine Stunde später an der Haltestelle Rockaway Beach BI / Beach 96 St stiegen sie aus und gingen das letzte Stück zum Strand zu Fuß. Alex war irgendwie nicht ganz wohl bei dieser Aktion! Sein Vater und Mac hatten keinen blassen Schimmer, wo er gerade war und dass er Woodside verlassen hatte. Das auch noch in der stockdunkelen Nacht und mit einer Person, die sie nicht wirklich kannten und die Stephen bereits verurteilt hatte!

Trotzdem führte Alex Julia bis zum Strand, der natürlich durch ein Tor und Maschendraht abgesperrt war, da die Besuchszeiten bereits vorbei waren und sich niemand unbefugt hier aufhalten sollte. Alex starrte auf das gut sichtbare Schild auf dem Attention! No Swimming at Nights! Coast Guard! zu lesen war. Julia zog an dem Tor, doch natürlich bewegte sich nichts!

"Mist," fluchte sie leise und ging dann ein Stück am Zaun entlang, um vielleicht eine Schwachstelle zu entdecken.

Alex spazierte nervös neben ihr her. "Das wollte ich dir ja vorhin sagen! Der Strand hat nur zu bestimmten Zeiten geöffnet! Wir sind viel zu spät dran, Julia! Komm, lass uns wieder zurück zum Bus gehen und nach Hause fahren!"

Doch Walker schüttelte den Kopf und nahm ihre Handtasche von der Schulter. Kurz sah sie sich um, wickelte den Riemen um die Tasche und warf sie im hohen Bogen über den Zaun auf die andere Seite und in den Sand.

Sie grinste Alex an. "Ups!"

"Ups," fragte er sie verwirrt und rollte mit den Augen. "Ah, komm schon, Julia! Bitte tu es nicht! Wir- Was ist wenn wir erwischt werden? Ich war schon mal im Gefängnis und das ist wirklich nicht witzig!"

"Wir werden schon nicht erwischt! Entspann dich, Alex!"

Sie griff einmal mit der rechten Hand und den Fingern über ihren Kopf und in die Maschen des Zaunes. Mit aller Kraft zog sie sich dann ein Stück nach oben und fand sehr schnell mit den Turnschuhen weiter unten Halt! Ihr Begleiter stellte sich hinter sie und ... starrte auf ihr wohlgeformtes Hinterteil, was in der engen Jeans sehr sexy aussah. Julia zog sich noch höher und erreichte dann die Querstange des Zauns. Sie warf ein Bein und ihren Fuß hinüber und kletterte hinauf. Der Zaun wackelte leicht. Außer Atem schien sie nicht zu sein.

"Los, komm schon! Es ist ganz leicht," forderte sie ihn munter auf und sprang auf der anderen Seite, die zum Wasser führte hinunter.

"Was mach ich hier eigentlich," sagte Alex Kopf schüttelnd und legte zwei Hände in den dünnen Draht. "Ich breche ein!"

"Das ist kein Einbruch," meinte Julia Walker schmunzelnd. "Wir sind doch draußen!"

Während der Junge sich weiter hoch zog und dann ebenfalls am obersten Punkt des Zaunes angelangt war, nahm Julia die Tasche aus dem Sand, putzte sie kurz ab und schlang sie über ihre Schulter. Alex kam dicht neben ihr mit den Füßen auf und keuchte tief. Die Kletterei war nicht ohne gewesen und gewollt natürlich auch nicht! Er schlug sich den feinen Sand von der Jeans und wurde kurz darauf von einer Hand gepackt und mit gezogen.

"Komm," befahl Julia freudig. "Die Klamotten brauchst du gleich eh nicht mehr!"

Hä? Was hast du vor?

Etwas entsetzt starrte Alex sie an, doch ging mit ihr in Richtung Meer, was schäumend gegen das Riff schlug. Nach wenigen Metern erreichten sie die Wassergrenze und Julia ließ sich in den Sand fallen. Die Tasche landete neben ihr und Alex setzte sich vorsichtig.

Mit den Augen betrachtete er das Meer vor sich und er wurde ruhiger. Er streckte die Beine aus, stützte sich mit den flachen Händen im Sand ab und sie zogen die Schuhe und Socken aus, um den Sand an ihren nackten Füßen besser spüren zu können. Minuten vergingen und dann hielt Julia ihm plötzlich eine Flasche Foster vor die Augen.

"Hier," sagte sie und hatte eine Sekunde später einen Flaschenöffner in der anderen Hand. "Du glaubst doch nicht, dass ich einen Ausflug plane und dann mit dir auf dem Trockenen sitze, oder?"

Ah, okay ...

Er nahm die Flasche, die durch die lange Hinfahrt nicht mehr ganz kalt war und Julia öffnete sie und eine zweite für sich selbst. Nachdem sie den ersten Schluck getrunken hatten, saßen sie einfach nur nebeneinander und unterhielten sich über belanglose Dinge. Alex wollte noch ein paar Details über ihre Vergangenheit erfahren und Julia wollte wissen, welche Art von Medikamenten Alex' Vater zu Hause in seiner Praxis aufbewahrte. Warum, wusste Alex nicht, doch er gab bereitwillig Auskunft!

Als sie die Flaschen geleert hatten, lagen sie dicht nebeneinander auf dem Rücken. Julia sah ihn lächelnd an und stieß ihm dann einen Finger in die Seite.

"Lass uns schwimmen gehen," meinte sie mit säuselnder Stimme und großen Augen. "Ich brauch 'ne Abkühlung."

Alex legte sich auf die Seite, um sie besser sehen zu können. "Das ist zu gefährlich, Julia! Es ist stockdunkel und hier sind keine anderen Menschen mehr, die uns helfen könnten, wenn was passiert!"

"Komm schon," bettelte sie ihn an. Schnell setzte sich sich hin und zog den Pullover über den Kopf. Der Pulli landete neben ihr und schon rupfte sie an ihrem T-Shirt herum. Als Alex sie wieder an sah, trug sie ein rotes Bikinioberteil.

Er öffnete den Mund, während sie auf stand und ihre Jeans über ihre Hüften streifte und auszog. "Hast du das geplant oder?"

"Ja und? Ich wollte ein bißchen Spaß! Außerdem ist es noch relativ warm oder nicht?"

Als sie im Bikini vor ihm stand und er das erste Mal ihren fast nackten Körper sehen konnte, verschlug es Alex fast den Atem. Sein Herz begann härter gegen seine Brust zu schlagen und er stand ebenfalls auf.

"Ich hab keine Badehose dabei ..."

"Macht doch nichts," beharrte sie. "Du hast doch eine Unterhose an, oder? Aber von mir aus, kannst du natürlich auch nackt schwimmen, wenn du dich traust!"

Er grinste und öffnete die Knöpfe der Jeans. Zum Glück hatte er sich für eine schwarze Shorts entschieden! "Das würde dir gefallen, oder? Aber ich nehm die Unterhose, danke! Lass uns aber nicht zu tief reingehen, okay? Und bleib in meiner Nähe!"

Julia machte große Augen. "Du hast Angst um mich! Das ist sehr sexy, Alex!"

Er starrte sie noch einen Moment lang an und zog seinen Pullover und das T-Shirt aus. Schnell legte er alles auf einen Haufen und tänzelte dann mit ihr Hand in Hand auf das Wasser zu, was sanft gegen den Strand schlug.

Mit den nackten Füßen hatte er zuerst Kontakt! Es war nicht sehr kalt, sondern angenehm, obwohl die Sonne schon seit Stunden nicht mehr zu sehen war und dem hellen Mond Platz gemacht hatte. Alex ging etwas tiefer hinein und Julia folgte ihm prompt, bis sie fast mit dem ganzen Oberkörper im Meer standen. Die leichte Strömung, die an seinen Füßen zupfte, ignorierte Alex fürs Erste!

Nach einer Weile spürte er den sicheren Sand unter sich nicht mehr, doch auch jetzt machte sich Alex keine großen Sorgen. Sie wollten ja schließlich schwimmen und nicht herumplanschen wie kleine Kinder!

"Das war eine gute Idee, oder," fragte das Mädchen mit den dunkelbraunen Haaren leise, während sie mit beiden Füßen leicht strampelte, um über Wasser zu bleiben.

Alex lächelte. "Ja, es ist gar nicht so kalt, wie es vom Strand aus aussah!"

Er bewegte sich noch ein Stück weiter und die Strömung wurde stärker und zog an seinen Füßen. Die Wellen schlugen an die kleinen Felsen, die sich im Wasser türmten und das bewachsene Riff bildeten. Alex merkte gar nicht wie er immer weiter vom Ufer abgetrieben wurde, denn er konnte Julia in ihrem roten Bikini immer noch sehen. Zwar war sie ein paar Meter weit weg, aber er erkannte sie im Dunkeln der Nacht immer noch!

Alex grinste, während er mit den Armen paddelte, doch plötzlich spürte er einen heftigen Sog! Eine riesige Welle schlug ihm vom Meer aus entgegen und krachte in sein Gesicht, so dass er für einen kurzen Moment die Kontrolle über seine Bewegungen verlor. Ein Schmerz. Ein heftiger Schmerz in seiner linken Seite. Sein Rücken, die Rippen, Haut! Alles tat weh und brannte plötzlich fürchterlich.

Mit weit aufgerissenen Augen und dem Versuch kein Wasser zu schlucken und oben zu bleiben, suchte Alex das Ufer nach Julia ab. Er fand sie etwa acht Meter weit von sich entfernt schwimmend im Meer! Ihr schien es gut zu gehen.

Dann schluckte er salziges Meerwasser! "JU-JULIA!"

Er wollte sich an die verletzte Seite greifen, doch verlor sofort die Kontrolle und drohte zu ertrinken. Also padelte und trat er sich weiter vorwärts um den rettenden Strand zu erreichen. Es war zwar dunkel, aber der Mond schien hell herab, so dass sich Alex noch ziemlich gut orientieren konnte. Wäre es zu dunkel gewesen, hätte er nicht mehr gewusst, in welche Richtung er schwimmen musste, um zum Ufer zu gelangen!

Schließlich erreichte er nach Luft schnappend und Wasser tretend Julia, die ihn skeptisch an sah und ihm dann zügig aus dem Wasser half. Alex ließ sich kurz nach dem Wasser in den Sand fallen. Er hatte Schmerzen und er war erschöpft. Doch wie hatte er sich verletzt und wo? Er schniefte, stützte sich dann mit den Händen im Sand ab und stemmte sich hoch auf die Knie.

Julia stand vor ihm. "Du, du blutest."

Mit einem Finger zeigte sie auf seinen Körper. Geschafft starrte Alex sie an und ließ dann seine rechte Hand an seine Seite wandern, wo seine Rippen lagen. Etwas war nass ... Er zischte leise auf und hielt sich die Finger dicht vor die Augen. Das rote Blut, was an ihnen klebte, konnte der Junge auch ohne größere Lichteinwirkung erkennen. Scheisse, verdammt ... Dad wird mich umbringen!

Schnell sah er an sich herunter, hob den linken Arm an, um noch besser sehen zu können und sah eine blutende Wunde, die quer über seine untersten Rippen ging. Alex schluckte schwer. Natürlich konnte er ganz gut Blut sehen, schließlich war er der Sohn eines Unfallchirurgen und Chefarztes, aber wenn die rote Flüssigkeit von ihm selbst war, dann ...

"Was ist passiert," fragte seine Begleitung endlich und hielt sich erschrocken eine Hand vor den Mund. Das Blut tropfte in den Sand. "Wir- wir müssen nach Hause fahren, Alex! Schnell!"

Er versuchte zu grinsen, obwohl der Schmerz unglaublich war! "Gute I-idee!"

Zitternd stemmte er einen Fuß in den Sand und drückte sich hoch. Sofort war Julia an seiner rechten Seite und stützte ihn bis sie an ihren Klamotten und den leeren Bierflaschen waren. Nachdem sie ihm höchst umständlich beim Anziehen geholfen hatte und sich selbst mit ihrer Kleidung bedeckt hatte, stapften sie gemeinsam zurück zu dem Zaun, der den Strand umgab.

Julia hatte Alex ein Taschentuch gegeben, was er sich jetzt in die Seite drückte, um die Blutung zu stoppen. Hatte er sich an einem Korallenriff gestoßen? Oder schwamm Treibgut im Wasser? Während er darüber nachdachte, was ihn so zugerichtet haben könnte, starrte seine Begleiterin den jetzt schier unüberwindbaren Zaun hinauf. Wie sollte Alex da wieder hinauf kommen, ohne runter zu fallen oder sich noch mehr zu verletzen? Aber es gab keine andere Möglichkeit, denn einen Schlüssel für dieses verdammte Tor hatten sie nicht!


Nachdem Julia Alex, wie auch immer sie es fertig gebracht hatte, über den Zaun geholfen hatte, waren sie mit den nächsten Bus zurück nach Woodside gefahren. Sie hatte Alex noch bis zu seiner Haustür gebracht und war dann ebenfalls zügig gegangen. Gegen drei Uhr morgens drückte Alex so leise wie er konnte, seinen Schlüssel in das Türschloss und öffnete. In der Lobby war es dunkel. Er schloss die Tür, sah sich kurz um und holte dann ein Küchenhandtuch aus seinem der Schränke, was er mit nach oben nahm.

Alex holte seine Schlafsachen, als er sich sicher war, dass weder sein Vater, Mac oder einer seiner Brüder noch wach war und verschwand damit still und heimlich im Badezimmer. Er entledigte sich der dreckigen Schuhe, der Jeans und dem Pullover. Für seinen Pulli und das Shirt brauchte er Unmengen an Zeit, da jede Bewegung sehr weh tat und er sich zusammen reißen musste, um nicht los zu schreien. Als er eine neue Shorts angezogen hatte, stellte er sich mit dem Handtuch vor das Waschbecken und einen der Spiegel um sich das erste Mal nach dem Unfall selbst zu betrachten.

Blut. Ein großer Riss und Schrammen zierten seinen Körper. Seine Seite, Bauch und Rücken! Alex versuchte ruhig zu bleiben. Er tränkte das Handtuch mit kaltem Wasser und versuchte sich so gut es ging sauber zu machen, doch natürlich war ihm klar, dass Wasser allein nicht reichen würde. Er benötigte etwas weitaus stärkeres, um die Keime und Bakterien abtöten zu können. Entweder ein Desinfektionsmittel aus der Praxis oder dem Koffer von Stephen oder aber Alkohol!

Schnell machte er sich weiter sauber und rollte dann die Klopapierrolle ab. Er faltete einige Blätter legte sie dann auf seine Wunden, die er gut erreichen konnte und brachte seine nassen Klamotten hinunter in den Keller und die Waschküche, damit hier oben nichts herumlag, was Stephen entdecken könnte. Er schleppte sich wieder in den ersten Stock zurück.

Er wusch sich die Hände und legte sich endlich um viertel vor vier abgekämpft und müde in sein Bett. Den Alkohol merkte er gar nicht mehr, doch seine Wunde schmerzte ziemlich. Er drehte sich auf die andere Seite und starrte mit geöffneten Augen die Wand an.

Soll ich vielleicht besser doch zu Dad gehen und alles beichten? Dann wird er mir was gegen die Schmerzen geben und mich für Morgen krank schreiben. Alex schluckte. Auf der anderen Seite, wird er vor Wut toben und an die Decke gehen, wenn ich ihm erzähle, dass ich mich rausgeschlichen habe, mit Julia zu einem Strand gefahren bin, mir dort unerlaubt Zutritt verschafft habe und betrunken schwimmen gegangen bin! Und dann hab ich es auch noch wunderbar hingekriegt, fast zu ersaufen und mich verletzt! Super gemacht, Alex! Wirklich toll!

Der wird mir so den Hintern versohlen, dass ich einen Monat lang nicht mehr auch nur ansatzweise Sitzen kann! Mit diesem letzten Gedanken, schloss Alex schließlich seine müden Augen, versuchte seine Nervosität zu verdrängen und fand irgendwann die Ruhe, die er so sehr benötigte.

Tbc ...

AN: Das Kapitel hier mag ich sehr gerne! Zum Einen weil es nicht nur zu Hause spielt und weil Julia Alex wieder um den kleinen Finger wickelt, obwohl er es besser wissen müsste. Auch die Szene in der Küche, wo Mac und Alex einen kleinen Machtkampf austragen, ist super :D Mac hat ihn noch mal vor Stephen gerettet, aber Alex nutzt das natürlich sofort aus und haut von zu Hause ab! Tja und dann der Badeunfall *denk* Ob Alex das vor Stephen verheimlichen kann? Immerhin ist Morgen Schule! ... Wir werden sehen! Viele Grüße eure Vanessa